Sezession
22. März 2010

„Gewalt ist eine Lösung“

Felix Menzel / 12 Kommentare

Seine Gewaltkarriere begann als Jugendlicher. Eine Türkengang schikanierte den 14jährigen Stefan Schubert über Wochen und Monate hinweg. Aber im Gegensatz zu der Mehrzahl der „Drecks-Kartoffelfresser“ ließ er sich dies nicht ewig gefallen. Zwei Jahre lang hartes Training mit seinen Freunden und dann zeigte der junge Kerl aus der Bielefelder „Bronx“, „wer zukünftig Angst vor dem Schulweg haben sollte“.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Diese Szene schildert Stefan Schubert in seinem jüngst bei riva erschienenen Buch über sein Doppelleben als Polizist und Hooligan. Gewaltbereit wurde er, als es Mitte der 80er Jahre in einem Bielefelder Stadtviertel um die Beendigung der Vorherrschaft türkischer Cliquen ging. Schubert und seine Freunde wehrten sich und entschieden den Straßenkampf für sich. Die Bewunderung vieler Deutscher hatten sie damit sicher. Nur die Alt-68er-Lehrer waren entsetzt:

Daß die jungen Türken einfach nur Spaß daran hatten, uns zu schikanieren, überstieg das Heile-Welt-Denken unseres Lehrerkollegiums.

Nach der Schlägerei wurde umgehend der Lehrplan geändert. Die verbleibenden zwei Jahre unserer Schulzeit gab es in den Fächern Deutsch, Geschichte und Politik nur noch ein Thema: „Das dritte Reich“. Unsere Fragen, warum diese Jungs sich derart aggressiv und gewalttätig verhalten durften, wurden mit nur einem Begriff beantwortet: Auschwitz.

In der Auseinandersetzung mit den Türken habe Schubert das erste Mal erlebt, daß Gewalt eine Lösung sei. Dies sollte fortan rund zehn Jahre sein Leben bestimmen. 1988 kam er zum Bundesgrenzschutz und erlebte dort einen Korpsgeist, den er auch in Gemeinschaft mit seinen Hooligan-Freunden empfand. Die Einstellungen der Ausbilder beschreibt Schubert als rechtskonservativ. Die Grenztruppen der DDR und Linksautonome habe man den jungen Anwärtern als vorrangige Feindbilder präsentiert und bei einer simulierten Bundestagswahl stimmten 50 Prozent für die Republikaner, 40 für die CDU und jeweils fünf für SPD bzw. Grüne.

Politik hat jedoch für den Ordnungshüter und „Gewalttäter Sport“ niemals eine bedeutende Rolle gespielt. Für ihn zählte der Adrenalinkick beim Kampf Mann gegen Mann. Als Hooligan erlebte er ihn Anfang der 90er fast jedes Wochenende. Gewöhnlich herrschten bei den Schlägereien strenge Regeln und ein fester Ehrenkodex, an den sich alle hielten, weil die Hierarchien innerhalb der Hooligan-Szene funktionierten. Zwar gingen Unmengen an Nasenbeinen zu Bruch, aber alle Beteiligten willigten in diese Körperverletzungen ein und berauschten sich an dem Nervenkitzel.

Seinen eigenen Beschreibungen zufolge hatte Schubert nie ein Problem damit, auf die Regeln der Polizei umzuschalten, wenn er wieder in die Uniform schlüpfte. Er bezeichnet sich selbst als guten Polizisten und wäre beinahe sogar beim SEK gelandet. In seinem Buch kann man nicht nur viel über die Strukturen, Intentionen und Gefühle der Hooligans lernen, sondern auch über Mißstände bei der Polizei.

Besonders deutlich wird dies in einem Kapitel über die Ausschreitungen am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit in Bremen 1994. Linksextremisten verwandelten die Stadt damals in ein Schlachtfeld. Mittendrin: Stefan Schubert unter Steinbeschuß. Er beschreibt, wie viel Angst seine Kollegen vor Verletzungen hatten und sich nicht trauten, im Straßenkampf durchzugreifen, wie dies eigentlich nötig gewesen wäre. In diesem Straßenkampf hätte die Polizei mehr gewalterfahrene Einsatzkräfte wie Schubert benötigt, die wirklich gegenhalten wollen.

Bezeichnend für den Zustand der Polizei war damals auch Schuberts Abgang. In Polizeikreisen wußte man schon jahrelang von seinem Hobby, aber erst als der WDR und ein Lokalreporter auf den Fall aufmerksam machten, versuchte die Polizeiführung mit allen Mitteln ihren hauseigenen Hooligan loszuwerden. Letztendlich mit Erfolg. Heute betreibt Schubert ein Fitneßstudio.


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Kommentare (12)

Timotheus
22. März 2010 07:52

Meine Rede... Man bräuchte wieder eine Polizei, bei der es auch einen gewissen Anteil von Männern gibt, die sich durch kräftige Arme, und etwa durch ein Abitur in Deutsch und Religion für den Dienst qualifizieren. Stattdessen werden Frauen und Migrantinnen/Migranten nachdrücklich zur Bewerbung aufgefordert, sofern sie die Grundlagen der Textverarbeitung nachweisen können...

Platon
22. März 2010 07:54

Ergo, wir rüsten jetzt alle für den Straßenkampf auf?

Tilsiter
22. März 2010 08:54

Schön, zu hören, daß sich jemand seit vielen Jahren dem schleichenden Kultur- und Bevölkerungsaustausch erfolgreich entgegenstellt.
Leider ist es aber auch immer genau diese (uniformierte Staatsdiener) Klientel, die sich grundaggressiv gegen alles und alles stellt, und damit im Ernstfall nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Soll heißen: Auch Deutsche bekommen das nicht selten zu große Aggressionspotential vieler Polizisten zu spüren, da sie nahezu immer psychisch drohenden Eskalationen nicht gewachsen sind, die Konsequenz ist unangebrachte, oft strafbare Gewalt - und ich meine nicht das Vorgehen gegen ebenso aggressiv geladene Linksautonome. Nicht, daß es Spaß macht, einem Kulturbereicherer in die Schranken zu verweisen, aber viel mehr andere Möglichkeiten besitzt ein Polizist naturgemäß gar nicht.

Jan P.
22. März 2010 09:49

Ja Platon, das wäre wirklich nicht das verkehrteste.
Neben der erforderlichen geistigen Vitalität kann es nicht schaden, seinen Körper den (gesellschaftlichen) Umständen anzupassen. Das heißt nicht, daß man sieben Tage in der Woche Straßenkampf und Kampfsport trainieren muß, sondern, daß die Möglichkeit, Opfer eines Übergriffes zu werden, tendenziell sinkt, sobald die eigene Notwehr-Fähigkeit gesteigert ist. Sei es durch Kraft-, sei es durch Kampfsport.
Mit feinen Platon-Zitaten lässt sich nämlich weder eine Horde von verhetzten Antifaschisten noch eine kulturbereichernde Clique aufhalten.

Toni Roidl
22. März 2010 11:58

Gewalt ist keine Lösung, sondern Notwendigkeit. Ich habe nämlich keine Lust, meinen teuren Zahnersatz aufs Spiel zu setzen oder meinem Jungen zuzumuten, zusehen zu müssen, wie sein Vater verprügelt wird.
Darum gehören Pfefferspray und Quarzsandhandschuhe zu meinem Tascheninhalt wie Hausschlüssel und Handy.
Wichtig ist aber, erstmal zu lernen, überhaupt selbstbewusst aufzutreten! Wenn ich schon sehe, wie manche gebückt und mit eingezogenem Kopf durch die Gegend schleichen!
Meine Erfahrung ist, dass man mit konfrontativer Haltung und aggressivem Blick meist in Ruhe gelassen wird.
Um auf die Frage der Debatte zu kommen: Insofern sind mir hier Berichte über die KSA lieber als Theoriedebatten über Carl Schmitt.
- und wer was anderes sagt, kriegt was aufs Maul! ;-))

eo
22. März 2010 12:19

Ohne
eine glaubwürdige
Drohkulisse läuft nichts -
weder im Tierreich noch in der Menschenwelt
- ganz zu schweigen von der 'hohen Politik'
(siehe das Prnzip der
Abschreckung).

Martin
22. März 2010 12:43

Die derzeitige Polizei ist in der Tat ein einziges Jammerbild ... ebenso wie die Bundeswehr.

Ernst Jünger hatte kurz nach dem ersten Weltkrieg festgestellt, dass sich in der Reichswehr ein seltsamer Kasernenhofton breit macht, seit dem der "scharfe Schuss" fehlt ...

und genau da haben wir das Problem: Institutionen, wie die Polizei, werden lieber dort eingesetzt, wo sie Geld für den klammen Staat generieren können - denn bspw. die Verkehrsüberwachung klappt ja in diesem Staat noch richtig gut.

In genuin politischen Auseinandersetzungen sollen sie dagegen die Rolle des "Puffers" spielen, sprich schön die Rübe hinhalten, damit sich die Chaoten an ihnen "deeskalieren" können.

Ebenso bei der Bundeswehr: Wer keine echten Machtmittel an die Hand bekommt und als Entwicklungshelfer in Uniform auftreten soll und dann, wenn er mal durchgreift, gleich den Staatsanwalt auf den Hals gehetzt bekommt, nur damit die schöne heile Friedenswelt-Optik passt, der hat verloren, bevor er begonnen hat. Auch hier ist das politische Wollen Ursache.

Sowohl Polizei als auch Bundeswehr würden sich recht schnell durch sammeln von "Erfahrungen" wieder zu schlagkräftigen Truppen entwickeln, wenn man es nur wollte und man sie gleichzeitig nicht kaputt sparen würde ...

Wie auch immer, bei der Polizei würde ich es mir auch wünschen, wenn man Polizist nur dann werden kann, wenn man zuvor bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann - denn die Unverständnis, die einem als Bürger von in diesem geschlossenen System Polizei groß gewordenen "Bullen" immer wieder entgegengebracht wird, ist schlicht erschreckend ...

Thema Hooligans: Hier wird ja vom Autor ein ganz schöner Idealisierungskult aufgebaut - die Fußballschlägereien, von denen ich Anfang der 90er Zeuge werden musste, liefen meist alles andere als "Mann gegen Mann" ab - eher fünf gegen einen und wenn der am Boden lag, dann "gute Nacht" ... ums kurz zu fassen: Die Buchbeschreibung klingt ziemlich nach einem echten, Entschuldigung, Ars..lo.. von Autor, dem ich bestimmt keine Penunze durch Erwerb seines Büchleins zukommen lassen werde ...

Andreas Kröpcke
23. März 2010 11:24

Hä, habt Ihr bei der letzten ksa nicht sofort "Keine Gewalt! Keine Gewalt!" skandiert, als sich abzeichnete, daß Ihr womöglich geschubst werden könntet? Das habt Ihr hier mit einigem Stolz ob Eurer Pfiffigkeit verkündet...

Was denn nun: Gewalt oder lieber noch nicht?

Pat Bateman
23. März 2010 16:52

Was den hier beschriebenen Fall angeht, sollte man allerdings berücksichtigen, das damals in den 80érn, die NF noch ihr "Hauptquartier" in Bielefeld in der Bleichstraße hatte. Diese hatte einen starken Einfluß auf die Blue Army von Arminia Bielefeld. Es gab also eine gewisse "nationale Infrastruktur" auf die ein deutscher Jugendlicher der von Ausländergewalt bedroht wurde, zurückgreifen konnte. In den 80érn gab es da ja einige subkulturell geprägte rechte Jugendgruppen mit gewaltaffiner Orientierung in Deutschland. Mir fallen da spontan die City Boys Mannheim, oder die Taunusfront im Rhein-Main Gebiet ein. Deutsche Jugendliche hatten also einen Anlaufpunkt, wenn sie tatsächlich den Wunsch verspürten ihre Opferrolle aufzugeben.
So etwas wäre heute, in dieser Form, natürlich nicht mehr möglich. Wenn ich alleine an die Medienhysterie denke, die ausbrechen würde, wenn sich einheimische Jugendliche zum Selbstschutz organisieren würden.

Tiberius
23. März 2010 20:01

Einspruch euer Ehren:

1. Man glaubt immer nur dann an Gewalt als Lösung, solange es einen selbst nicht "richtig" erwischt hat. Aus dem Rollstuhl hören sich solche Bekenntnisse anders an. Auch die Gewaltliebe von Autonomen resultiert letztlich aus der Erfahrung umgekehrt nichts befürchten zu müssen.

2. Es gibt keine "edlen" Gewalttäter. Ob es den vielbeschworenen Ehrenkodex bei Hooligans je gegeben hat - keine Ahnung. Heute wird i.d.R anders zu Werke gegangen. Die Motivation des "Türkenopfers" zum erlernen von Kampftechniken erscheint ziemlich weit hergeholt - wen man schließlich den Kick braucht, sich und anderen Chaoten die Nasen zu brechen.

- im Ergebnis: Nein Gewalt ist keine Alternative.

Pat Bateman
24. März 2010 16:38

Genau diese greisenhafte Vollkasko Haltung hat uns in die Situation geführt, in der wir uns heute befinden. Kampf bedeutet immer persönliches Risiko, im schlimmsten Fall führt er zu Rollstuhl oder sogar dem Tod. Der Individualist westlicher Prägung würde gerne jegliches Risiko für sich selbst vermeiden, hätte gerne überall einen Verantwortlichen an den er sich wenden kann, eine Absicherung für das Leben selbst. Doch Freiheit wurde schon immer erkämpft und noch nie erbettelt.
In erster Linie geht es allerdings um die Demonstration von Wehrhaftigkeit, um auch mental aus der Opferrolle heraus zu kommen.
Zwecklos ist das ganze natürlich, wenn kein echter Wehrwille dahinter steht.Ich kenne den Verfasser dieses Buches nicht, seine Motivation sich mit dem Thema Kampf auseinander zu setzen ist mir im Leben allerdings häufiger begegnet. Von daher ist es für mich keineswegs weit hergeholt, sondern ein Beispiel mitten aus dem Leben.
Natürlich stimmt es, es gibt keine "edlen" Gewalttäter. Ehrenkodex, Fairness oder Ritterlichkeit sind Werte für den Abschlußball des Untergangs. Davon sollten man sich trennen.

Wer wenn nicht Oswald Spengler verdient es hier an dieser Stelle zitiert zu werden?

Der Friede ist ein Wunsch, der Krieg eine Tatsache und die Menschengeschichte hat sich nie um menschliche Wünsche und Ideale gekümmert. Das Leben ist Kampf unter Pflanzen, Tieren und Menschen, ein Kampf zwischen einzelnen, Klassen der Gesellschaft, Völkern und Staaten, ob er sich nun in wirtschaftlichen, sozialen, politischen oder militärischen Formen abspielt. Es ist ein Kampf um die Macht, seinen Willen, Vorteil oder seine Meinung vom Nützlichen oder Gerechten durchzusetzen, und wenn andre Mittel versagen, wird man immer wieder zum letzten greifen, der Gewalt. Man kann den einzelnen, der Gewalt anwendet, einen Verbrecher nennen, eine Klasse revolutionär oder Landesverräter, ein Volk blutdürstig, aber das ändert nichts an der Tatsache....
Es ist eine gefährliche Tatsache, daß heute nur die weißen Völker vom Weltfrieden reden, nicht die viel zahlreicheren farbigen. Solange einzelne Denker und Idealisten das tun – sie haben es zu allen Zeiten getan –, ist es wirkungslos. Wenn aber ganze Völker pazifistisch werden, ist es ein Symptom von Altersschwäche. Starke und unverbrauchte Rassen sind es nicht. Es ist ein Verzicht auf die Zukunft, denn das pazifistische Ideal bedeutet einen Endzustand, welcher der Tatsache des Lebens widerspricht.

M. L.
24. März 2010 17:35

Hä, habt Ihr bei der letzten ksa nicht sofort „Keine Gewalt! Keine Gewalt!“ skandiert, als sich abzeichnete, daß Ihr womöglich geschubst werden könntet?

Das war ein Zitat aus Wendezeit-Demo-Tagen, und wurde ja auch prompt von den anwesenden Hysterikern aufgegriffen...

Was denn nun: Gewalt oder lieber noch nicht?

Alles nur eine Frage der Taktik, der Effektivität und des Kosten-Nutzen-Aufwands... ;)

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