Hermann Burte (1879–1960)

von Wiggo Mann

Gestern vor fünfzig Jahren starb der alemannische Maler und Dichter Hermann Burte (eigentl. Strübe).

 Gastbeitrag

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Nur einer klei­nen Gemein­de ist er als Ver­fas­ser von Sonet­ten, Dra­men und vor allem für sei­nen Roman Wiltfe­ber noch bekannt.

Zu Leb­zei­ten wur­de er von vie­len Zeit­ge­nos­sen hoch geschätzt: auf Ril­ke mach­ten sei­ne Gedich­te „den größ­ten Ein­druck“, Münch­hau­sen pries die „dia­man­te­ne Schön­heit“ sei­ner Sonet­te, von Max Rein­hardt wur­de sein Dra­ma Sim­son im Deut­schen Thea­ter urauf­ge­führt und mit Walt­her Rathen­au ver­band den Dich­ter wie mit eini­gen ande­ren sei­nes­glei­chen ein freund­schaft­li­ches Band.

Eti­ket­ten wie „ras­sis­tisch“ oder „natio­na­lis­tisch“, die man dem Ale­man­nen, der (nach anfäng­li­cher Abnei­gung) für den Natio­nal­so­zia­lis­mus Par­tei ergrif­fen hat, heu­te gern auf­klebt, tau­gen ob sei­ner dif­fe­ren­zier­ten per­sön­li­chen und dich­te­ri­schen Ent­wick­lung jedoch gar nichts. Er hat sich in der lite­ra­ri­schen Stil- und For­men­viel­falt des begin­nen­den 20. Jahr­hun­derts behaup­tet und dar­über hin­aus eige­ne Akzen­te set­zen kön­nen. Für sein dich­te­ri­sches Schaf­fen erhielt er vor und nach 1945 zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen. Als Mund­art­dich­ter und Maler wird er auch heu­te noch am Ober­rhein geehrt.

Am wir­kungs­mäch­tigs­ten war sein 1912 erschie­ne­ner Wiltfe­ber-Roman, der nicht nur auf die Völ­ki­schen gro­ßen Ein­druck mach­te. Das Werk ist außer­or­dent­lich viel­schich­tig: sozia­le, reli­giö­se, kul­tur­kri­ti­sche The­men sind zen­tral. Es hat aber auch einen stark auto­bio­gra­phi­schen Hin­ter­grund und steckt vol­ler Refle­xio­nen. Wiltfe­ber, der „Hei­mat­su­cher“, ist ein vita­ler, durch und durch kri­ti­scher, aber vor allem auch ein zer­ris­se­ner Mensch. Er schwankt zwi­schen den Extre­men, ist ein wider­sprüch­li­cher Prot­ago­nist, ein Wan­de­rer zwi­schen Geist und Leben, zwi­schen Aske­se und Rausch, zwi­schen Potenz und Gefühl. Wiltfe­ber ist Der ewi­ge Deut­sche – so der Unter­ti­tel des Romans – der an sich selbst zugrun­de geht. Der von Nietz­sche stark beein­fluß­te Bur­te läßt sei­nen Roman­hel­den am Ende in den Armen einer Frau vom Blitz erschla­gen – ein viel­deu­ti­ger Schluß.

Das Buch sorg­te auch in der Jugend­be­we­gung für reich­lich Gesprächs­stoff, ist aber bei wei­tem mehr als die „Bibel der rechts­ge­rich­te­ten Wan­der­vö­gel“ (Laqueur) und lädt auch heu­te noch neben Bur­tes Gedich­ten und Dra­men zum Lesen und Durch­den­ken ein; es legt den Fin­ger auf so man­che Wun­de des spät­wil­hel­mi­ni­schen Deutsch­land und weist beängs­ti­gend weit über sei­ne Zeit hinaus.

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