22. März 2010

Hermann Burte (1879-1960)

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von Wiggo Mann

Gestern vor fünfzig Jahren starb der alemannische Maler und Dichter Hermann Burte (eigentl. Strübe). Nur einer kleinen Gemeinde ist er als Verfasser von Sonetten, Dramen und vor allem für seinen Roman Wiltfeber noch bekannt.

Zu Lebzeiten wurde er von vielen Zeitgenossen hoch geschätzt: auf Rilke machten seine Gedichte „den größten Eindruck“, Münchhausen pries die „diamantene Schönheit“ seiner Sonette, von Max Reinhardt wurde sein Drama Simson im Deutschen Theater uraufgeführt und mit Walther Rathenau verband den Dichter wie mit einigen anderen seinesgleichen ein freundschaftliches Band.

Etiketten wie „rassistisch“ oder „nationalistisch“, die man dem Alemannen, der (nach anfänglicher Abneigung) für den Nationalsozialismus Partei ergriffen hat, heute gern aufklebt, taugen ob seiner differenzierten persönlichen und dichterischen Entwicklung jedoch gar nichts. Er hat sich in der literarischen Stil- und Formenvielfalt des beginnenden 20. Jahrhunderts behauptet und darüber hinaus eigene Akzente setzen können. Für sein dichterisches Schaffen erhielt er vor und nach 1945 zahlreiche Auszeichnungen. Als Mundartdichter und Maler wird er auch heute noch am Oberrhein geehrt.

Am wirkungsmächtigsten war sein 1912 erschienener Wiltfeber-Roman, der nicht nur auf die Völkischen großen Eindruck machte. Das Werk ist außerordentlich vielschichtig: soziale, religiöse, kulturkritische Themen sind zentral. Es hat aber auch einen stark autobiographischen Hintergrund und steckt voller Reflexionen. Wiltfeber, der „Heimatsucher“, ist ein vitaler, durch und durch kritischer, aber vor allem auch ein zerrissener Mensch. Er schwankt zwischen den Extremen, ist ein widersprüchlicher Protagonist, ein Wanderer zwischen Geist und Leben, zwischen Askese und Rausch, zwischen Potenz und Gefühl. Wiltfeber ist Der ewige Deutsche – so der Untertitel des Romans – der an sich selbst zugrunde geht. Der von Nietzsche stark beeinflußte Burte läßt seinen Romanhelden am Ende in den Armen einer Frau vom Blitz erschlagen – ein vieldeutiger Schluß.

Das Buch sorgte auch in der Jugendbewegung für reichlich Gesprächsstoff, ist aber bei weitem mehr als die „Bibel der rechtsgerichteten Wandervögel“ (Laqueur) und lädt auch heute noch neben Burtes Gedichten und Dramen zum Lesen und Durchdenken ein; es legt den Finger auf so manche Wunde des spätwilhelminischen Deutschland und weist beängstigend weit über seine Zeit hinaus.

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