Sezession
1. April 2010

Sezession in neuem Gewand und neuer Erscheinungsweise

Ellen Kositza / 22 Kommentare

Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, nun ist es „amtlich“: Die Sezession stellt auf vielfachen Leserwunsch ihre Erscheinungsweise um. Ab sofort finden unsere Abonnenten im vierzehntägigen Rhythmus eine auf 32 Druckseiten reduzierte Ausgabe im Briefkasten. Heißt für uns Redakteure: Nach der Sezession ist vor der Sezession, und während Sie womöglich gerade das vergangene Woche ausgesendete Heft 35 in der Hand halten, geht in einigen Tagen bereits Nr. 36 in Druck.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wie das geht, und wie das aussieht? Nun, wir haben es uns nicht einfach gemacht. Den Stamm der festen Redakteure haben wir nicht erweitert. Die bewährten Grundlagenartikel und Kurzbeiträge finden Sie auch in der neuen Sezession, die Sie zudem mit einem neuen, einzigartigen Format überraschen wird: Wir haben unsere Ecken abgerundet, Sie werden Mitte des Monats also ein Oval vorfinden – und es hoffentlich schätzen.

Das heißt nicht, daß wir unsere Kantigkeit abschleifen wollen, nein: Das Format symbolisiert, daß wir „die Sache rund machen wollen“, im zweifachen Sinne. Es heißt einmal, die Dinge im Sinne eines – gleichwohl im Perspektivischen verhafteten - Zu-Ende-Denkens abrunden zu wollen. Dies nicht im Sinne des nietzscheschen „aus sich selbst rollenden Rads“, sondern eben diesen Gedanken transformiert in die Eiform, das Ei begriffen auch als Ursprung, als Fruchtbarkeit, als eigentliches Symbol des Schöpfertums. Das rollt nicht, das holpert, bleibt sperrig – und harrt der nachhaltigen, geduldigen Bebrütung.

„Rundmachen“ ist auch die Devise im übertragenen Sinne: Was uns aufstößt, was uns hindert, wird nicht umständlich diskursiv beäugt – wir werden's rund machen, nach Strich und Faden, Wort für Wort. Versprochen!

Damit weiter zum Inhaltlichen. Unsere Leser erwarten zahlreiche neue Rubriken wie eine zweiwöchentlich aktualisierte In/Out-Liste, eine Sektion „Kubitschek privat“ sowie eine Fundkiste, in der unser Berlin-Korrespondent neu gesichtete Graffiti-Schmierereien so kritisch wie witzig unter die Lupe nimmt. Mit diesen neuen Rubriken wollen wir zeitgenössischen Lesegewohnheiten entgegenkommen, ohne von unserem hohen Anspruch abzuweichen.

Ein wahrer Coup ist uns gelungen, indem wir einen Zeichner gewonnen haben, der aktuelle Begebenheiten im Comicstil aufspießt. Da hat sich's wieder mal als günstig erwiesen, daß die Kinderschar einem interessante, heimische Künstler ins Haus spült. Der blutjunge Grafiker Master Eastpower (alias Justin Krause) ist eine Zufallsbekanntschaft aus dem Turnverein, für die neue Sezession wird er ein Segen sein! Seine Illustrationen werden als durchlaufendes Band am unteren Rand das gesamte Heft durchziehen. Hier wäre eine (noch unpolitische) Kostprobe:

Wer sagt, daß die „Jugend von heute“ emotionslos wäre? Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich sehe, wie M. Eastpower existentielle Fragen gleichsam nonchalant aufs Hier und Jetzt, auf die unmittelbar erlebte Gegenwart herunterbricht.

Ich bin sicher, Sie haben am neuen Heft ebenso viel Freude wie wir!

Bildquelle: dukal


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (22)

M.G.
1. April 2010 07:33

Schade, dass die Sezession nun derartig an Nivaeu verliert. Ich werde mein Abo dann wohl kuendigen muessen.

benjamin jahn zschocke
1. April 2010 07:44

an dieser stelle möchte ich den vielleicht wichtigsten deutschen schriftsteller der gegenwart (und zukunft) zu wort kommen lassen. er heißt helge schneider und trägt eine lustige föhnfrisur. er verfaßte das statische einzeiler-gedicht "der rabe". ich schlage es für die rückseite der abspaltung nummer 36 vor, denn mehr ausgaben bedeutet ja sicher auch mehr platz für neue ideen. man sollte dabei dringend über einige seiten gartenratgeber nachdenken und, natürlich, die kochtipps. aber nun das gedicht:

"ein rabe geht im feld spazieren: da! fällt der weizen um."

Hohenstaufer
1. April 2010 08:16

APRIL, APRIL!!!

Böcker
1. April 2010 09:33

Die "In/Out-Liste" ist ja schonmal ein Anfang. Aber: Wenn es die Sezession nicht bald endlich in Farbe gibt, dann werde ich mein Abo wohl kündigen!

Toni Roidl
1. April 2010 09:45

Letztes Jahr bin ich hier auf den Aprilscherz reingefallen - diesmal nicht!

Schade eigentlich: »Kubitschek privat« und »In/Out« wäre sicher witzig zu lesen... ;-)

A. E. Neumann
1. April 2010 10:13

Eiskalt erwischt!
Immer diese Aprilscherze!

Kreuzweis
1. April 2010 10:17

Toll - warum jedoch halbe Sachen, warum nicht gleich wöchentlich (zum alten Preis natürlich!)?
Die konservative Behäbigkeit ist doch längst nicht mehr zeitgemäß.
Endlich wird auch Sezession etwas hipper - weiter so und schneller noch!

derherold
1. April 2010 10:34

So töricht ist der Mensch. - Er stutzt,
Schaut dämisch drein und ist verdutzt,
Anstatt sich erst mal solche Sachen
In aller Ruhe klarzumachen. -

Wenn man das mit "oval" weggelassen hätte ... wer weiß. ;-)

tacitus
1. April 2010 10:51

Ich schlage für die Mitte des Heftes so eine Art von Pin up von Mitgliedern der Division Antaios vor, jedoch in der Form des BRAVO-Starschnitts, so daß man nach einigen Heften sich einen Sezessionisten lebensgroß als Puzzle an die Wand heften kann.

d.n.
1. April 2010 10:59

Durchaus cool, der neue Style der Sezession! Passend zum neuen Outfit, wäre es doch allemal angebracht, das Programm um einige abgefahrene Merchandise-Artikel zu erweitern. Ganz crazy wäre z.B. eine jener praktischen Jacken mit abnehmbaren Ärmeln und abtrennbarer Kapuze – quasi die Sezession zum Tragen. Und das geplante Motiv der der Juniausgabe sollte unbedingt als Hintergrundbild für Handy und Computer zum downloaden angeboten werden!

Derweil suche ich in der Januarausgabe weiterhin nach jenem ominösen „Schildkröten-Artikel“, auf den ein Kommentator im Gesamtrechts-Forum aufmerksam gemacht hat…

S.H.
1. April 2010 11:05

Gut das heute der 1. April ist!

Christian Nischik
1. April 2010 11:29

habe einen noch weiterführenden verbesserungsvorschlag für die neue gestaltung ihrer zeitschrift.
vor ostern haben sie mit der runden ausgabe begonnnen. wie wäre es zu weihnachten in sternform und die ausgabe im oktober in form der deutschen landkarte?
inhaltlich soll es aber eine runde sache bleiben.
recht so?
nun mal im ernst; ich finde eure zeitschrift sehr bereichernd und sie dient mir zum nachdenken und studieren. danke für das probeexemplar.
wünschenswert wäre es sezession auch am kiosk zu erhalten.
aber vieleicht ist sie dafür doch etwas zu "sperrig" (unbequem)
mit den besten grüßen,

christian nischik

Merus
1. April 2010 11:45

Schade, ich mich schon auf Herrn Eastpower gefreut...

Andreas Kröpcke
1. April 2010 12:21

man sollte dabei dringend über einige seiten gartenratgeber nachdenken und, natürlich, die kochtipps.

Unbedingt! Und Kontaktanzeigen! :D

Und vielleicht noch eine Kolumne "Im Schäfchen" mit Kneipentratsch.

Dann vielleicht noch ne Jobbörse...

semprefidele
1. April 2010 14:21

Gut, daß es das so "Versprochene" nicht geben wird: Zeitgeistkonforme Schmierereienbejubelung - igitt. Aber wieder gut die ideenreiche EK.

Toni Roidl
1. April 2010 14:46

An Kröpcke und tacitus:

Super Ideen! Und bitte auch noch das konservative Horoskop und den großen Psycho-Test: Wie rechts bist Du?

;-))

M.G.
1. April 2010 15:08

jetzt mal Spass beseite.

Die Rubrik „Im Schäfchen“ mit Kneipentratsch halte ich fuer eine gute Idee. Hier koennten interne Sticheleien und Geruechte veroeffentlicht werden. Natuerlich alles eher auf der humoristischen Schiene und eventuell auch ohne konkrete Namen zu nennen. Gerade anonyme Gastbeitraege koennten hier massiv zum Einsatz kommen und das steife Auftreten des Heftes etwas auflockern.

Gruss M.G.

MaxHats
1. April 2010 15:57

Also, Ellen K. ist ja ein echtes Spaßvögelchen und das bei dem Domina-Blick.

Arialds_Blog
1. April 2010 18:31

Insgesamt läufts gut bei der SEZESSION, täuscht der Eindruck? Weiter so!

Lukas B.
1. April 2010 20:32

Und auf Seite 1 zieht sich ein Konservativer aus? Ein wenig sexuelle Revolution in der Sezession...

godeysen
1. April 2010 23:08

Die Wahrheit ist: Sezession ist von Gruner&Jahr übernommen worden und wird fortan ihren Schwerpunkt auf Kunstgeschichte legen. Um die alte Leserschaft nicht völlig zu verlieren, wird es in jedem Heft auch ein wenig Politik geben: Kubitschek bekommt alle paar Monate eine Kolumne - abwechselnd mit Michel Friedman, Alice Schwarzer, Mathias Brodkorb und Daniel Cohn-Bendit. Ja, und Ellen Kositza wird unter der Rubrik "Leckeres vom Rittergut" Kochrezepte beisteuern.

Lennart
2. April 2010 19:47

Ich bin gerade wirklich einen kurzen Moment geschockt gewesen! Das schöne an der Sezession ist es doch gerade, dass alle zwei Monate ein qualitativ sehr, sehr hochwertiges Heft herauskommt: inhaltlich und äußerlich! Und das hätte mich schon sehr geärgert, wenn sich das geändert hätte. Aber zum Glück: April, April! Ihr habt mich erwischt!!!

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