Sezession
6. April 2010

Gebhardt – gefährlich sein

Gastbeitrag

von Felix Springer

Lieber Richard Gebhardt, M.A.,

Sie sind Politikwissenschaftler und äußerten sich kürzlich im Hallenser Radio Corax zum Thema „Neue Rechte“. Selbstbewußt präsentierten Sie der interessierten Öffentlichkeit Ihre geballte Kompetenz auf dem Gebiet und entlarvten die diffuse Melange“ des Milieus: Es übernehme eine „Scharnierfunktion“ wegen seiner „offenen Flanke nach ganz weit rechts“ für „Neonazis mit Abitur“, denen aber „etwas Närrisches anhaftet“. So weit, so aufgewärmt.

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Als Sie dann aber auch noch öffentlich auf den Aprilscherz dieses Netztagebuchs hereinfielen, entlarvten Sie sich selbst ganz explosiv als gewerblicher Überschriftenleser und nahmen uns damit eine Arbeit ab, die wir uns auch sonst nicht gemacht hätten. Wir hören ja gern zu – aber wie ernst wir Ihre abgeschriebenen Einwände gegen Carl Schmitt nehmen, bedarf wohl keiner Erläuterung mehr.

Wenn Sie auch beschwichtigend auf die begrenzte Reichweite der Neuen Rechten hinweisen, scheinen Sie sich ja trotzdem als Warner zu verstehen. Als Objekt Ihres Gesprächs kommt man da ein wenig ins Grübeln: Vor uns muß gewarnt werden, weil wir unser schurkenhaftes Projekt der „Kritik an der deutschen Vergangenheitsbewältigung“ mit Jörg-Schönbohm-Interviews tarnen und weil wir die Forderung nach „Abkehr von Multikulti“ hinter Peter Scholl-Latours Gesicht verstecken? Macht uns das gefährlich?

Fast fühlt man sich von Ihnen, Gebhardt, in die Defensive gedrängt, will sich verteidigen und auf die Legitimität und Notwendigkeit der rechten Perspektive verweisen. Aber man kann es auch anders machen. Wissen Sie, für Leute wie Sie, deren zentrale Qualifikation die parasitäre Wiederkäuerei machiavellistisch motivierter Diffamierung ist, sind wir ja tatsächlich gefährlich. Oberflächliche Korrektheitsvermittler, Blockwarte des geschriebenen Worts, öffentlichkeitsinfantilisierende Papageienstimmen braucht eben keiner, will auch keiner und bezahlt trotzdem jeder – das kritisieren wir. Auf gute Feindschaft!

Wie also weiter, Gebhardt? Sie haben Glück: Politikwissenschaft wie Mikrowellenpopcorn ist trotz eines enormen Angebots noch immer ein gefragtes Gut und erzielt hohe Preise auf dem Markt der akademischen Möglichkeiten. Aber so ganz ohne Werbung läuft's auch nicht: Geben Sie sich nicht zufrieden mit dem mickrigen Lokalradiomikrofon, geben Sie Gas! Ran an die Feuilletonchefs von ZEIT und SPIEGEL, vor die Kameras von MONITOR und PANORAMA, schreien Sie Ihren ganz eigenen Skandal in die Welt, machen Sie Lärm! Teilen Sie Ihr Wissen um unsere Gefährlichkeit – und dann ran an die Futtertröge! Denn, unter uns: Seit der alte Gessenharter endlich eingemottet ist, gilt es, einen Posten zu besetzen!

Gefährlich! grußlos!

Springer


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