Sezession
8. April 2010

Katyn – ein Film

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Am 13. April wird es zwanzig Jahre her sein, daß der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow öffentlich bekannte, es seien der sowjetische Geheimdienst und die Rote Armee gewesen, die im September 1939 nach der Besetzung Ostpolens zwischen 22.000 (nach russischen Angaben) und 30.000 (polnische Angaben) polnische Soldaten, Polizisten und Intellektuelle in einem Wald bei Katyn (heute Weißrußland) hinrichteten und in Massengräbern verscharrten.

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Als die Wehrmacht 1943 die ersten Massengräber entdeckt hatte, verweigerte das Internationale Rote Kreuz auf sowjetischen Druck seine Mitarbeit. Über vier Jahrzehnte war die Wahrheit über das von Stalin angeordnete Massaker verschwiegen worden – die Schuld wurde den Deutschen angelastet. In der DDR und in linksgerichteten bundesdeutschen Kreisen wurde die Annahme einer sowjetischen Verantwortung für den Massenmord unter »Revisionismus« und »Neonazismus« verbucht.

1990 waren bei Charkow weitere verscharrte Leichen von Sowjets ermordeter polnischer Offiziere gefunden worden, 2006 wurden nahe Minsk weitere Massengräber entdeckt. Hier werden 3400 Opfer vermutet, eingehende Untersuchungen scheitern hier an der Haltung der weißrussischen Regierung. Auch Rußland redet bis heute nicht gern über Katyn, es heißt, eine entsprechende historische Kommission habe unter Jelzin ungehinderter arbeiten dürfen als unter Putin.

Der Film »Das Massaker von Katyn« des oscarprämierten Regisseurs Andrzej Wajda war 2007 zum Jahrestag des sowjetischen Einmarsches in Polen angelaufen, fast 4 Millionen Zuschauer hatte er im Heimatland Wajdas, dessen Vater zu den Opfern des Massakers zählte. 2008 wurde »Katyn« als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. In deutschen Kinos startete er 2009 wiederum symbolträchtig Mitte September. Im Verleih ist der Film seit Ende März, in den Handel bringt Pandastorm Pictures nun die DVD/Blu-ray exakt zwei Jahrzehnte nachdem die UdSSR die Verantwortung für die Taten übernommen hatte.

Der Film (über den Martin Lichtmesz schon ausführlich schrieb) schleppt sich ein bißchen, darin spiegelt sich vielleicht die Ungewißheit, in der die Angehörigen der in Gefangenschaft geratenen Offiziere auf die Rückkehr ihrer Männer, Söhne und Brüder warten. Dann, eine Viertelstunde vor Schluß, läuft der Mechanismus der Massenerschießung in Bildern ab, die man nicht mehr vergessen wird: kalt, ausweglos, verscharrtes Leben.


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