Der kalte Schweiß der Lebensschwäche

pdf der Druckfassung aus Sezession 33 / Dezember 2009

Alle entscheidenden politischen Fragen heute lassen sich auf Identitätsfragen zurückführen. Auf konservativer Seite der Front lauten die Feindbestimmungen »Vergangenheitsbewältigung«, »Masseneinwanderung« und »Gender Mainstreaming«, auf der anderen, im weitesten Sinne linken Seite »Faschismus, Rassismus, Sexismus«. Demgegenüber sind Streitpunkte wie der Sozialstaat, Kindererziehung, Familienpolitik, Meinungsfreiheit oder selbst die demographische Frage nur Unterabteilungen. Die dahinterstehenden Identitätsbestimmungen könnte man so formulieren: Wer sind wir als Deutsche? Wie sind wir verschieden von den anderen? Und: Wer sind wir als Männer und Frauen? Sie sind allesamt unter Verdacht gestellt, von Skrupeln begleitet: Ist es politisch korrekt, ein Mann zu sein? Politisch korrekt, ein Deutscher zu sein? Politisch korrekt, ein Deutscher unter Deutschen bleiben zu wollen?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Wäh­rend die Kon­ser­va­ti­ven – wie stets in der Defen­siv­po­si­ti­on – sich im bes­ten Fall bewußt sind, daß das, was sie kon­ser­vie­ren möch­ten, zutiefst reform­be­dürf­tig ist, hat die Lin­ke kaum ein kon­kre­tes Bild anzu­bie­ten, was denn kom­men soll, wenn erst ein­mal, frei nach Geh­len, »allem, was steht, das Mark aus den Kno­chen gebla­sen« ist. Ihren Vor­stel­lun­gen ist argu­men­ta­tiv kaum bei­zu­kom­men. Die Front­li­nie ver­läuft nicht im Bereich der blo­ßen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, son­dern viel tie­fer: auf der Ebe­ne der App­er­zep­ti­ons­ver­wei­ge­rung. Einem Gelän­de, das gegen den Zugriff der Ratio mit psy­chi­schen Minen­fel­dern abge­schirmt ist.
Die »Dumm­heit« ist nach Hei­mi­to von Dode­rer mit der »App­er­zep­ti­ons­ver­wei­ge­rung « iden­tisch, die­se wie­der­um geht auf »einen nicht mehr auf­find­ba­ren bösen Ent­schluß des Ein­zel­in­di­vi­du­ums« zurück. Sie ist der »kal­te Schweiß unse­rer Lebens­schwä­che«. Hier liegt der affek­ti­ve Kern des poli­ti­schen Infan­ti­lis­mus und Puri­ta­nis­mus: Das Leben muß hier ver­nied­licht, dort dämo­ni­siert, schließ­lich gänz­lich abge­schafft wer­den, weil die Span­nun­gen uner­träg­lich sind. Dode­rer beschrieb die Abwehr­re­ak­ti­on: »Mehr­mals gefähr­det aber wird man wach­sam, am Ende aber haßer­füllt und aggres­siv gegen jedes Phä­no­men und Indi­vi­du­um, das die ursprüng­li­chen und dem Grund­pla­ne unge­fähr ent­spre­chen­den Züge zeigt.«
Das hart­nä­cki­ge, bei­nah reli­giö­se Fest­hal­ten von Ver­tre­tern ega­li­tä­rer Ideo­lo­gien am Irrea­len und Irrepa­ra­blen läßt ahnen, daß hier tie­fer­sit­zen­de Iden­ti­täts­kri­sen und Unzu­läng­lich­keits­ge­füh­le eine Rol­le spie­len, als die pseu­do-aka­de­mi­sche Ober­flä­che ahnen läßt. Bei allem Vor­be­halt gegen­über Psy­cho­lo­gi­sie­run­gen ist es gera­de im Bereich der Geschlech­terpro­ble­ma­tik rat­sam, genau hin­zu­se­hen, aus wel­cher Per­spek­ti­ve jemand argu­men­tiert. Es gilt auch heu­te noch, was Hans Blü­her bereits 1919 zum The­ma Frau­en­be­we­gung schrieb: »Pro­gram­me sind fast immer die Ver­kap­pun­gen einer Sache.« Vol­ker Zastrow wies in sei­nem Buch Gen­der – Poli­ti­sche Geschlechts­um­wand­lung auf die »ver­bräm­te« Tat­sa­che hin, daß der radi­ka­le Femi­nis­mus im engen Zusam­men­hang mit der Les­ben­be­we­gung steht, deren Inter­es­sen in den Fra­gen von Ehe und Fami­lie »mit denen ande­rer Frau­en kei­nes­wegs übereinstimmen«.

Die Kar­rie­re der Ali­ce Schwar­zer ist in die­ser Hin­sicht ein auf­schluß­rei­cher »Fall«. Schwar­zers les­bi­sche Ori­en­tie­rung ist ein offe­nes Geheim­nis, das von ihr und ihren Anhän­ge­rin­nen eben des­we­gen unter Ver­schluß gehal­ten wird, weil damit der uni­ver­sa­le Anspruch ihrer The­sen gefähr­det wäre. In deren Zen­trum stand eben nicht die öko­no­mi­sche oder recht­li­che Benach­tei­li­gung von Frau­en, son­dern die »Sexua­li­tät« als »Spie­gel und Instru­ment der Unter­drü­ckung in allen Lebens­be­rei­chen«, in der »Unter­wer­fung, Schuld­be­wußt­sein und Män­ner­fi­xie­rung von Frau­en ver­an­kert« lägen. Um das zu demons­trie­ren, mal­ten ihre Bücher das manichäi­sche Bild eines per­ma­nen­ten Aus­beu­tung­krie­ges »patri­ar­cha­ler« Män­ner gegen die Frau­en, die sich auch dem sexu­el­len Ver­kehr nur aus Zwang, Angst oder Pflicht­ge­fühl hin­ga­ben. Das ging so weit, daß Schwar­zer in den sieb­zi­ger Jah­ren zur »Pene­tra­ti­ons­ver­wei­ge­rung« auf­rief und noch im Jah­re 2000 beklag­te, daß »Män­ner und Frau­en ero­tisch auf den Unter­schied gepolt« sei­en – auch das ein ver­rä­te­ri­sches Bekennt­nis. Das Wunsch­bild des far­ben­blin­den Schwar­z­er­schen Femi­nis­mus ist dem­entspre­chend die »Auf­he­bung der Spal­tung von Men­schen in Män­ner und Frau­en«, also eine Welt, in der Geschlechts­un­ter­schie­de kei­ne Rol­le mehr spie­len, in der es nur mehr »Men­schen« gibt. Das ist auch der Kern der »Gender«-Ideologie, die »in letz­ter Kon­se­quenz« behaup­tet, »daß es bio­lo­gi­sches Geschlecht nicht gebe.« (Vol­ker Zastrow)
»Ich habe einen Traum«, schrieb Schwar­zer in Der gro­ße Unter­schied. »Ich bin ein Mann. Nachts schlen­de­re ich durch den Park und set­ze mich neben einen frem­den Men­schen. Es ist eine Frau. Ich begin­ne, über mich zu reden. Mei­ne Mut­ter ist eine unab­hän­gi­ge, stol­ze Frau und mein Vater ein sen­si­bler, für­sorg­li­cher Mann. (…) Ich ver­ach­te Gewalt. Nicht Ungleich­heit, Gleich­heit zieht mich an. Frau­en sind mir so ver­traut – oder so fremd – wie Män­ner, je nach Per­son. Denn ich lebe in einer Zeit, in der Men­schen nicht nach Män­nern und Frau­en unter­schie­den wer­den, so wenig wie nach Wei­ßen oder Schwar­zen oder Dün­nen und Dicken. Ich bin ein Mensch.«
Kein Mann wür­de jemals eine sol­che ase­xu­el­le Domes­ti­zie­rungs-Uto­pie for­mu­lie­ren, und wenn, dann könn­te er sich der unter­schwel­li­gen Ver­ach­tung der meis­ten Män­ner und Frau­en sicher sein. Der­ar­ti­ge Vor­stel­lun­gen von Pazi­fi­zie­rung, Neu­tra­li­sie­rung und Andro­gy­ni­sie­rung haben mit den »Träu­men« der meis­ten Men­schen bei­der­lei Geschlechts wenig zu tun, da für sie das »Mensch­li­che« kei­ne abs­trak­te Ange­le­gen­heit, son­dern eng ver­knüpft ist mit dem Sinn ihres Mann- oder Frauseins. Den­noch sind der­ar­ti­ge Vor­stel­lun­gen über meta­po­li­ti­sche Schleich­we­ge tief in die Kapil­la­ren der Insti­tu­tio­nen, bis hin­auf zum Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um, ein­ge­drun­gen. An den Schlüs­sel­po­si­tio­nen die­ser Ent­wick­lung ste­hen über­wie­gend Frau­en, die aus radi­kal lin­ken, les­bi­schen und femi­nis­ti­schen Zusam­men­hän­gen kom­men. Hier haben es nar­ziß­ti­sche Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen und Res­sen­ti­ment­ge­men­ge geschafft, sich in Macht­po­si­tio­nen zu set­zen, um über das Gan­ze zu ver­fü­gen. Camil­le Paglia beschrieb bereits 1990, daß eine poli­ti­sier­te, von oben auf­ge­zwun­ge­ne Andro­gy­nie dazu führt, »daß Män­ner sein müs­sen wie Frau­en, wäh­rend Frau­en sein kön­nen, wie sie wollen.«

Wäh­rend die »Gen­der Stu­dies« an den Uni­ver­si­tä­ten selbst­re­fe­ren­ti­el­le Papier­sta­pel pro­du­zie­ren und die The­sen des »Gen­der Main­strea­ming« bereits fahr­läs­sig in die poli­ti­sche Wirk­lich­keit umge­setzt wer­den, fehlt es an einer ernst­haf­ten Phi­lo­so­phie des Sexus, die dem Poten­ti­al und den sozio­bio­lo­gi­schen Grund­la­gen bei­der Geschlech­ter gerecht wür­de. Dabei könn­te man sich durch­aus eine brauch­ba­re »Gen­der­theo­rie« im Anschluß an Otto Wei­nin­ger vor­stel­len. Wei­nin­ger ging von einer prin­zi­pi­el­len see­li­schen Bise­xua­li­tät jedes Men­schen aus, die sich in einem Gemisch von männ­li­chen und weib­li­chen Ele­men­ten spie­ge­le. Der wesent­li­che Unter­schied zu den moder­nen Gen­der-Theo­rien besteht in der Aner­ken­nung der tat­säch­li­chen Exis­tenz die­ser männ­li­chen und weib­li­chen Essenz anstel­le ihrer Dekon­struk­ti­on. Hier hät­te man die Wis­sen­schaft gänz­lich hin­ter sich, die unzwei­fel­haft nach­wei­sen kann, daß Östro­ge­ne und Tes­to­ste­ron das sozia­le Ver­hal­ten erheb­lich beein­flus­sen und daß die Part­ner­wahl immer noch stark von evo­lu­tio­när-bio­lo­gi­schen Trieb­kräf­ten bestimmt wird.
Über die Bio­lo­gie hin­aus aber ist auch eine Meta­phy­sik des Sexus not­wen­dig, wie sie Juli­us Evo­la bereits 1962 ver­faßt hat: »Man exis­tiert nur als Mann und Frau. Die­sen Gesichts­punkt wer­den wir gegen alle die­je­ni­gen streng ver­tei­di­gen, die da sagen, daß das Mann­sein oder Frau­sein gegen­über dem gene­rel­len Mensch­sein etwas Zufäl­li­ges und Sekun­dä­res sei; daß das Geschlecht eine Ver­schie­den­heit sei, die fast aus­schließ­lich den phy­si­schen und bio­lo­gi­schen Teil der mensch­li­chen Natur ange­he (…). Ein der­ar­ti­ger Gesichts­punkt ist abs­trakt und unor­ga­nisch; in der Wirk­lich­keit kann man ihn nur auf ein durch Regres­si­on und Dege­ne­rie­rung geschwäch­tes Men­schen­tum anwen­den. Wer ihn ver­tritt, beweist, daß er nur die gröbs­ten und ober­fläch­lichs­ten Sei­ten des Geschlechts zu sehen vermag.«
Die­se Erkennt­nis steht auch im Zen­trum der immer noch uner­reicht bril­lan­ten Atta­cke gegen den »Gen­de­ris­mus«, geschrie­ben aus­ge­rech­net von einer les­bi­schen Radi­kal­fe­mi­nis­tin. »Was für ein Abgrund zwi­schen den Geschlech­tern!« schrieb Camil­le Paglia in ihrem Mam­mut­werk Die Mas­ken der Sexua­li­tät, das Anfang der neun­zi­ger Jah­re das femi­nis­ti­sche Estab­lish­ment bis aufs Blut reiz­te. »Hören wir auf so zu tun, als sei Sexua­li­tät für alle das glei­che, und stel­len wir uns der Tat­sa­che der unge­heu­ren geschlecht­li­chen Dua­li­tät.« Paglia sah die Kul­tur als Ergeb­nis eines ewig unent­schie­de­nen Krie­ges gegen die chtho­ni­schen Bedingt­hei­ten der Natur. Die­sen Krieg, dem »alles Gro­ße in der Kul­tur des Wes­tens« ent­sprun­gen sei, zu füh­ren, war aber stets die Sache der Män­ner gewe­sen. Der Mann ist zwar das phy­sisch stär­ke­re, psy­chisch aber um so gefähr­de­te­re Wesen. Er befin­det sich im stän­di­gen Kampf mit der Urmut­ter im Inne­ren, der mör­de­ri­schen Natur, dem Weib­li­chen, das ihn zu ver­schlin­gen sucht. »Männ­li­che Sexua­li­tät« ist dar­um ein heroi­scher »Roman von Aus­fahrt, Suche, Aben­teu­er.« Die Indi­vi­dua­li­tät ent­steht immer im Kampf gegen das Form­lo­se, unter dem Zei­chen des Mars. Wäh­rend die Frau von selbst zur Frau wird, muß der Mann erst zum Mann gemacht wer­den, muß den Schre­cken des Initia­ti­schen pas­sie­ren, um die kind­li­che Welt des Kna­ben und der Mut­ter hin­ter sich zu las­sen, eine Welt, der die Frau ihr Leben lang in weit­aus stär­ke­rem Maß ver­haf­tet bleibt. Auch dar­um hat er ein ande­res Ver­hält­nis zur Gewalt und zur Macht, die der Femi­nis­mus rein nega­tiv sehen woll­te: »Iden­ti­tät ist Macht. Sex ist Macht. Roman­ti­sche Lie­be ist Sex und Macht.«

Aus der Erkennt­nis die­ses »Abgrunds zwi­schen den Geschlech­tern« her­aus müs­sen die Män­ner heu­te erken­nen, daß sie sich einen Dis­kurs haben auf­drän­gen las­sen, der in die­ser Form weder mit den Femi­nis­tin­nen noch mit den aus den tra­di­tio­nel­len Bin­dun­gen her­aus­ge­ho­be­nen Durch­schnitts­frau­en zu füh­ren ist. Die kom­pli­zier­ten Span­nun­gen zwi­schen den Geschlech­tern las­sen kei­nen ega­li­tä­ren »herr­schafts­frei­en« Aus­tausch noch eine vor­ei­li­ge und heuch­le­ri­sche Befrie­dung zu. Der Mann muß die Kom­pli­zen­schaft mit sei­ner eige­nen Demon­ta­ge auf­kün­di­gen, die Pazi­fi­zie­rungs- und Gleich­heits­an­ge­bo­te als ver­kapp­te Kriegs­er­klä­run­gen begrei­fen, anneh­men und vor allem handeln.
Nicht nur aus­ge­spro­che­ne Femi­nis­tin­nen spot­ten ger­ne über Män­ner­bün­de, Initia­ti­ons­ri­tua­le und »sexis­ti­sche« Atti­tü­den, mit denen sich Män­ner gegen­über den Frau­en abzu­gren­zen ver­su­chen. Miso­gy­ne, Homo­pho­be und Machos, heißt es, kämen mit »ihrer« Weib­lich­keit nicht zurecht, woge­gen »Sof­ties«, Homo- und Metro­se­xu­el­le ihre femi­ni­nen Sei­ten »zulas­sen kön­nen«. Aber «Trä­nen und Hys­te­rie, das sind nun glei­cher­ma­ßen Affek­te, die Män­nern schlecht zu Gesicht ste­hen« (Ellen Kositza). Es wird näm­lich gewal­tig unter­schätzt, daß der Mann, beson­ders der her­an­wach­sen­de, sei­ne »femi­ni­nen« Sei­ten oft als regres­si­ve Bedro­hung in sei­nem eige­nen Inne­ren erlebt, als Angriff auf sei­ne Inte­gri­tät, Wehr­haf­tig­keit und Lebens­tüch­tig­keit. Die Kon­trol­le über die eige­ne Gefühls­welt und die regres­si­ven Ten­den­zen im Inne­ren ist nicht nur essen­ti­ell für die Durch­set­zungs­kraft und die Selbst­ach­tung des Man­nes, son­dern auch für sei­ne Fähig­keit, eine begehr­te Frau zu erlan­gen. Die Femi­nis­tin­nen sind blind für die unge­heu­re sexu­el­le Macht, die Frau­en über Män­ner aus­üben kön­nen, blind für die Angst der Män­ner vor Zurück­wei­sung und Mißer­folg. Der Mann, der sich im Sin­ne des Femi­nis­mus pro­gram­mie­ren läßt, ist zur Exis­tenz als sexu­ell erfolg­lo­ser »Frau­en­ver­ste­her« verurteilt.
Der Femi­nis­mus hat auch nicht ver­stan­den, daß die Pola­ri­tät eben­so Quel­le des Lei­dens wie auch Bedin­gung für das Glück zwi­schen den Geschlech­tern ist. Der Ver­such, die Pola­ri­tät auf­zu­he­ben, macht die Män­ner schwäch­lich und die Frau­en des­ori­en­tiert. Es ist zum Stan­dard-Trep­pen­witz gewor­den, daß die Unter­wer­fung der Män­ner unter femi­nis­ti­sche Idea­le das emo­tio­na­le und sexu­el­le Unglück der Frau­en, das Ali­ce Schwar­zer einst so beklagt hat, noch beför­dert hat. Die ero­ti­sche Attrak­ti­vi­tät des west­li­chen Man­nes ist gesun­ken, wäh­rend Ver­ach­tung und Frus­tra­ti­on der Frau­en gestie­gen sind. Gele­gent­lich wer­den »rich­ti­ge« Män­ner aus exo­ti­schen Län­dern impor­tiert, was die­sen Pro­zeß auf die Ebe­ne eines gene­tisch-dar­wi­nis­ti­schen Kriegs erhebt.

Ein täg­li­cher, unter­schwel­li­ger Kampf herrscht in jeder noch so har­mo­ni­schen Part­ner­schaft. Frau­en »tes­ten« ihre Män­ner uner­müd­lich auf ihre Über­le­bens­taug­lich­keit, aus kaum bewuß­ten, instink­ti­ven, wohl evo­lu­tio­när beding­ten Impul­sen her­aus. Inso­fern wäre das Pro­jekt des Femi­nis­mus zum Teil ein rie­si­ger, aus dem Ufer gelau­fe­ner Här­te­test gewe­sen, um die Män­ner zu zwin­gen, doch noch den unteil­ba­ren Kern selbst­si­che­rer Mas­ku­lini­tät frei­zu­le­gen, nach dem sich im Grun­de jede Frau sehnt, dem mani­schen Athe­is­ten gleich, der prü­fen will, ob Gott nicht doch noch den här­tes­ten Argu­men­ten stand­hält – wäre er ja sonst nicht Gott. Blü­her hielt der Frau­en­be­we­gung ent­ge­gen: »Ihr wollt ja im Grun­de gera­de das Gegen­teil von dem, was ihr – ›wollt‹.« Der Femi­nis­mus wäre dann nichts ande­res als die Quit­tung für ein viel frü­her anset­zen­de­res Ver­sa­gen gewe­sen, für einen Schwund der sou­ve­rä­nen Mas­ku­lini­tät. Die­ser Vor­gang hat sei­ne Ana­lo­gie in den The­sen Alain de Benoists oder Timo Viha­vai­nens, daß nicht die Mas­sen­ein­wan­de­rung an sich die Ursa­che der Zer­stö­rung des Wes­tens, son­dern nur die Fol­ge sei­ner viel frü­her erfolg­ten Auf­wei­chung und Selbst­auf­ga­be durch den Libe­ra­lis­mus sei.
Damit eröff­net sich auch die Syn­the­se der iden­ti­täts­po­li­ti­schen Brenn­punk­te: Die Kri­se des Wes­tens ist im Grun­de eine Kri­se der Männ­lich­keit, eines Kri­se des wei­ßen Man­nes im buch­stäb­li­chen Sinn. Der Topos der Deka­denz wird klas­si­scher­wei­se mit der Ver­weib­li­chung asso­zi­iert. »In Spät­zei­ten befin­det sich die Männ­lich­keit immer auf dem Rück­zug,« schreibt Paglia. Man­che ver­wech­seln die­ses Fal­len mit einem Stei­gen in eine femi­nin-wei­che, pazi­fis­ti­sche, demo­kra­ti­sche Welt, wäh­rend demo­gra­phi­sche youth bul­ges tes­to­ste­ron­ge­la­de­ner Mili­tanz gegen die mürb gewor­de­ne Fes­tung Euro­pa drän­gen. Die west­li­chen Män­ner müs­sen begrei­fen, daß auch die Frau­en, die sich heu­te fre­ne­tisch an der Schlei­fung der Fes­tung betei­li­gen, wie stets als die frei­wil­li­gen oder unfrei­wil­li­gen Tro­phä­en der Sie­ger enden wer­den. Recon­quis­ta der Mas­ku­lini­tät, die drän­gen­de Auf­ga­be jedes ein­zel­nen ist, hat eine Dimen­si­on und Ver­ant­wor­tung, die über das Indi­vi­du­el­le weit hinausführt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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