30. April 2010

Hans-Christian Ströbele - he burns, burns, burns

von Götz Kubitschek / 7 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur hat der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele heute morgen seine Meinung zum "revolutionären 1. Mai" kundtun dürfen, als Experte sozusagen -- er zieht ja einen Großteil seiner Popularität daraus, daß er der Mann vor Ort ist, immer mittenmang, immer mit der Aura umgeben, den ein oder anderen Steineschmeißer doch persönlich zu kennen.

Heute morgen trat Ströbele also wieder einmal für die Repolitisierung des 1. Mai ein, und er sang das Loblied der Straße, auf die man gehen müsse, um der Bevölkerung und den Medien die eigenen Inhalte nahezubringen, und "damit das in die normalen Medien reinkommt":
und daß man nicht nur darüber redet, ob jetzt ein paar hundert Leute, die da sich auch beteiligen, ob die aufgrund des Übergenusses von Alkohol oder auch aus anderen Gründen jetzt da Randale machen.

Die Moderatorin war aber gut präpariert und hat Ströbele diese Verharmlosung nicht gleich durchgehen lassen:
Bürger: Gut, also ohne Alkohol und ziemlich nüchtern sind aber auch Aufrufe überschrieben zum Beispiel mit dem Slogan "Berlin is burning", Berlin brennt also, hohe Miete und Verdrängung setzen die Stadt in Brand. Daraus spricht doch auch so was wie Lust am Abfackeln, oder nicht?
Ströbele: Nein, das ist ein - ich sag es jetzt mal in Anführungsstrichen - "Spielen" mit solchen Worten, um vorzukommen in der öffentlichen Diskussion. Aber Sie sehen doch selbst aus diesen Forderungen, da ist doch ein politischer Inhalt drin. Wenn man jetzt sagen würde, wir sind gegen höhere Mieten und wir möchten gerne weiter in unserem Kiez wohnen, dann käme das nicht an. Wenn man das aber so verpackt, wie Sie es jetzt vorgelesen haben, dann meint man - ich bin da ja auch, stehe ja nicht hinter diesen Parolen -, aber dann meint man, dann klingt da an, sonst brennt Berlin. Was da gemeint ist, ist, daß das politische Problem auf den Nägeln brennt. Aber man drückt das halt so aus, und genauso sind diese Bilder, die jetzt im Fernsehen ständig gezeigt werden. Da versucht man, indem man das aufnimmt, diese Diskussion über Gewalt und Angst und Schrecken zu verbreiten, versucht man, in die Wahrnehmung reinzukommen. Weil es ist leider so, so war das schon in APOs Zeiten, so war das in all den Jahrzehnten dazwischen, daß über 10.000 Leute, die auf der Straße sind und eine politische Forderung artikulieren, in einem Fünfzeiler berichtet wird, aber wenn ein brennendes Auto dabei ist, dann kommen sie auf die Titelseiten und in die Tagesschau.

Ich habe die entscheidende, lächerliche Passage fett gemacht, weil sie das ganze windelweiche, heuchlerische Gewäsch von Ströbele auf den Punkt bringt: Warum sagt er nicht einfach, daß er die Gewalt für ein legitimes Mittel des Widerstands hält, des Widerstands gegen eine Gesellschaft, die ihm ideologisch nicht in den Kram passen kann? Wenn man das Land für so am Ende hält wie Ströbele, dann führen Diskussionen zu gar nichts mehr, dann muß man tatsächlich den 1. Mai als revolutionären Tag haben wollen - und nicht nur den 1. Mai.

Aber, das jetzt als Mutmaßung: Ströbele kann zwar ideologisch nichts anfangen mit der BRD in ihrer jetzigen Gestalt - für sich selbst aber hat er das Beste rausgeholt, die fetten Jahre sind für ihn als Bundestagsabgeordneten noch lange nicht vorbei. Kurz gesagt: Rechtfertigungsdruck entsteht für Ströbele Monat für Monat dann, wenn wieder die dicke Überweisung aus dem Bundeshaushalt kommt.

Ich würde mich herzlich bedanken bei Ströbele, wäre ich ein linker Revoluzzer, der es ab heute abend wieder so richtig krachen lassen möchte. Ich würde meine Fingernägel betrachten und mir die Frage stellen, ob es tatsächlich nur darunter brennt -- oder ob nicht doch der nächste Mercedes als weitere Flamme der Revolution auflodern sollte, korrespondierend mit meinem brennenden Herzen, in dem der Wunsch nach einem neuen 1917 (und der uneingestandene nach einem neuen 1933) gewärmt wird -- ungeachtet der Metaphorik Ströbeles.

Und als Angehöriger der Division Antaios betrachte ich mir den oben abgebildeten Aufruf zum 1. Mai 1913. Der zweite Festredner hat ja dann in der Folge eine erstaunliche politische Biographie hinter sich gebracht. Wer redet eigentlich dieses Jahr? Der brennende Ströbele?

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (7)

Andreas Kröpcke
30. April 2010 20:39
Man sagt, die Geschichte wiederholt sich nicht. Möglich. Richtig ist jedoch sicher, daß uns andere Zeiten bevorstehen.


Und Ihr, liebe SiN-Leser, werdet sagen können, Ihr seid dabei gewesen. (Wofern Ihr Euch nur heute abend und morgen früh genügend über die Kids und ihre Streiche in Berlin und anderswo aufgeregt habt.) ;-)
Tiberius
30. April 2010 21:39
Tja, auch auf die Gefahr zu langweilen:

Ströbele ist nicht das Problem. Wie heißt es immer: Man spielt nur immer so gut, wie der Gegner es zulässt.

Die Linken verfolgen halt unbeirrt ihre Ziele - es gibt halt keine Opposition dazu.
Martin
30. April 2010 22:42
Linke, Autonome = Linke, NPD = nationalSOZIALISTEN=Linke, freie Kameradschaften=Nationalbolschewisten=Linke ... grün und rot gemischt gibt braun = Linke

ergo: Nur Linke machen Krawall - Warum gibts einen Kampf gegen Rechts?

Es wird Zeit, dass man Rechts klar definiert und Nationalbolschewisten und Nationalsozialisten und andere DDR- Verherrlicher klar zu den Linken weist, sie auch aus den eigenen Reihen schmeisst und so das Wort "Rechts" wieder mit Ehre befüllt ...

Rechts kommt von "Recht", vom Respekt vor Rechtsordnung, Institutionen und Eigentumsverhältnissen.

Ein echter "rechter" wird nie an einem Tag wie dem 1. Mai einfach mal so als Mutprobe und um die Grenzen auszuloten randalieren ....
Rudolf
01. Mai 2010 02:04
Ich sehe es in erster Linie als Versagen der interviewenden Journalistin, dass Ströbele nicht festgenagelt wurde.
Profundus
01. Mai 2010 08:39
Ich bin sehr gespannt, was wir heute erleben werden. Die Kumpanei etablierter Politik mit linksextremen Kiez-Gewalttätern und Migrantengruppen, die im Schlepptau mitmachen (wie 2008 festgestellt, man musste 2009 und heute wieder die "Migrantencommunities" von Polizeiseite ansprechen, damit ihre Sonderschülertruppen nicht wieder dabei sind) ist längst ein Strukturelement der BRD. Ströbele ist nur einer von vielen, aber vielleicht der dreisteste "Volkxanwalt" linksextremer Gewalt. Einer der beim "Bullenstaat" gerne die Hand aufhält und in weiche Abgeordnetensessel furzt. Ich muss ja über die "Fünfzeiler"-Rhetorik echt ablachen, als würde nicht die geballte linke Medienmacht jeden linken Schildbürgerstreich und jede absurde Forderung goutieren, die TAZ ist doch gerade das Hofjournal linken Terrors, die FR in Frankfurt (gehört mittelbar der SPD) ebenso und zig andere könnten hier genannt werden, die noch dem dümmsten Adorno-Aufsager ein Forum bietet, noch lange bevor ein Auto brennt. Zudem sind die angeblichen Phänomene "Gentrifizierung" und der Blumenstrauß angeblicher Diskriminierungen herbeihalluzinierte Gründe für linksextreme Gewalt, eine soziale Kaschierung. Der Hass auf denjenigen, der sich entschlossen hat, in sein Viertel zu investieren oder Besitz zu erwerben und damit mittelbar der Vermüllung und dem Abstieg zu entreißen mus ja irgendwie legitimiert werden. Wer nicht in schäbigen Gemäuern, die nach Urin riechen leben will, sondern es wagt anders zu leben, wird mit Gewalt überzogen, sie soll angeblich den "Benachteiligten" helfen. Lächerlich.
eo
01. Mai 2010 09:53
-----das ist ein – ich sag es jetzt mal in Anführungsstrichen – „Spielen“ ---

Genau,
die wollen doch
nur spielen ... und am liebsten
halt eben REVOLUTION
und Straßenschlacht,
um sich da die
antifaschigen
Meriten zu
verdienen -
damit sie richtig
doll was gelten übers Jahr
in ihrer pubertären
Kapuzentruppe.
Außerdem
werden sie ja
auch noch an andere
Stelle gebraucht, um auf
Kommando gewissen
Anfängen zu
wehren ...
Toni Roidl
03. Mai 2010 09:24
An diesem folkloristischen Ritual wird sich NIE etwas ändern, solange die Krawalle in Kreuzberg bzw. im Schanzenviertel stattfinden, also da, wo Zecken, Asis und Kanacken wohnen. Es wird sich erst dann etwas ändern, wenn diese Krawalle im Rotweingürtel und im Vorgarten der Toscana-68er stattfinden. Wenn sie nicht die Banken »entglasen«, sondern die Redaktionen von Stern und Spiegel. Kann man nicht beim Schwarzen Block Reklame dafür machen oder Geld für Shuttle-Busse sammeln? Wer hat Vorschläge?

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