Sezession
21. Mai 2010

Der Hauptfeind des Liberalen

Martin Lichtmesz

Während die "liberale Gemeinde des Westens" sich zu "einer soliden und leidenschaftlichen Front gegen die totalitäre Bedrohung durch Faschismus und Nazis" zusammenschloß, hat es aus ihren Reihen gegen die "nicht weniger totalitäre kommunistische Bedrohung" niemals einen vergleichbar kompromißlosen Widerstand gegeben:

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Viele Liberale - viele Tausende von ihnen - fanden es mit ihren Prinzipien durchaus vereinbar, daß ihre Namen als Förderer öffentlicher Komitees, Anliegen, Organisationen und Petitionen neben den Namen von Kommunisten oder bekannten kommunistischen Mitläufern erschienen. Die gleichen Liberalen hätten sich, politisch gesprochen, jedoch selbst die Kehlen durchgeschnitten, wenn sie öffentlich mit Faschisten oder mit Faschisten Sympathisierenden auf diese Weise in Verbindung gebracht worden wären, und hätten es abgelehnt, irgendeine Verbindung zwischen sich und den Vertretern der Rechten, die vom Faschismus selbst noch weit entfernt waren, in der Öffentlichkeit herstellen zu lassen. (...)

Burnham zählt als außenpolitische Beispiele die ungleiche Behandlung Francos und Titos, Batistas und Castros durch die Liberalen auf, sowie die Indifferenz und gewollte Blindheit gegenüber kommunistischen Verbrechen:

Links eingestellte Gewerkschaftler und marxistische Politiker, von Franco massakriert, erregen die Aufmerksamkeit des Liberalen nachdrücklicher als Nonnen, Priester und traditionsfreundliche Bauern, die von Francos Widersachern abgeschlachtet wurden. Wie jeder normale Mensch entflammt ein Liberaler in gebührender Indignation bei dem Gedanken an die Todeslager der Nazis: ja, der Liberale belebt seine schreckliche Erinnerung noch Jahre nach dem Verschwinden der Naziherrschaft immer wieder und wieder durch Bücher, Artikel, Filme und Fernsehsendungen.  Der Gedanke aber an Katýn - jene wissenschaftlich akkurate Schlachtung fast des ganzen polnischen Offizierskorps durch die sowjetische Geheimpolizei - wird eingeschläfert und gibt keine Funken mehr.

Burnham stellt fest, daß die "liberale Tendenz, den Feind auf der Rechten zu sehen, nichts Zufälliges oder Temporäres" ist, sondern "im Wesen des Liberalismus" selbst liegt.

So wichtig ist dem Liberalismus sein Feind von rechts, daß er ihn erfinden muß, wenn er nicht existiert. Hier liegt meiner Ansicht nach der Grund dafür, daß Journalisten, Historiker, Filmregisseure, Fernsehproduzenten, Romanciers, Prediger und demagogische Politiker das öffentliche Interesse am Nazismus ununterbrochen halten, und zwar mit einer Überbetonung, die keine historische Berechtigung hat. (...)

Wenn wir den Liberalismus in seiner Existenz begreifen wollen, nicht als einen abstrahierten Komplex von Prinzipien, sondern als eine geschichtliche Tendenz des Menschen, der bestimmte Ideen vertritt, bestimmte Gefühle hat und seine Handlungen nach bestimmten Linien ausrichtet, dann müssen wir erkennen, daß der Feind von rechts integraler Bestandteil der Definition des Liberalismus ist.

Ohne Feind von rechts gibt es keinen Liberalismus.

Bild: James Burnham, Quelle: Wikipedia


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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