Linker Antisemitismus? Schon.

pdf der Druckfassung aus Sezession 29 / April 2009

von Daniel Leon Schikora

Die »linke« Solidarisierung mit der »vaterländischen Bewegung« der »Palästinenser«, die ihrerseits ihre panislamistischen Ursprünge nie verhehlte, stellt eine politische Groteske dar, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten (etwa von Henryk M. Broder) aufs Korn genommen wurde. Allerdings fügt sich Tilman Tarachs Philippika gegen die Kollaboration der Linken – der Autor behandelt schwerpunktmäßig die (west-)deutsche »Neue Linke« samt Erben – mit einer antisemitischen islamischen Rechten keineswegs lückenlos in einen »neokonservativen« Diskurs ein: Jedwede (radikale) Linke als genuin freiheitsfeindlich und latent antisemitisch zu zeichnen, ist seine Sache nicht.

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Der Groß­muf­ti von Jeru­sa­lem und NS-Kol­la­bo­ra­teur Amin el-Hus­s­ei­ni, zu des­sen Ver­mächt­nis sich Yas­sir Ara­fat bis zu sei­nem Lebens­en­de bekann­te, kann als – bis heu­te »erfolg­rei­cher« – Pro­mo­tor der Pro­to­kol­le der Wei­sen von Zion im ara­bi­schen Raum gel­ten. Die­se (auf die zaris­ti­schen Schwar­zen Hun­dert­schaf­ten zurück­ge­hen­de) Fäl­schung weist die Form einer ver­meint­li­chen jüdi­schen Selbst­be­zich­ti­gung auf, anhand derer auch die poli­ti­sche Lin­ke als Teil einer jüdi­schen Welt­ver­schwö­rung iden­ti­fi­ziert wer­den soll. Die »Pro­to­kol­le« wur­den gleich­wohl auch sei­tens »fort­schritt­li­cher « ara­bi­scher Bewe­gun­gen und Staa­ten (etwa der Fatah oder Nas­sers Ägyp­ten) als authen­tisch pro­pa­giert. Von der Vor­stel­lung einer weit­ge­hen­den Iden­ti­tät israe­li­scher und ame­ri­ka­ni­scher Inter­es­sen hält der Autor nichts. Er setzt sich mit der para­no­id anti­se­mi­ti­schen Vari­an­te die­ses Axi­oms (»zio­nis­ti­sche« Beherr­schung der USA) und mit der Anfein­dung Isra­els als eines »Vor­pos­tens « der USA im Nahen Osten aus­ein­an­der. Hier­bei stößt er »anti­im­pe­ria­lis­ti­sche« Säu­len­hei­li­ge wie den Israe­li Uri Avne­ry oder den Ame­ri­ka­ner Noam Chom­sky vom Sok­kel: 1999 war es nicht die Regie­rung Netanjahu/Scharon, die in Isra­el um Ver­ständ­nis für die Bom­bar­die­rung Jugo­sla­wi­ens warb, son­dern »Frie­dens­ak­ti­vist « Avne­ry. Und Chom­sky, »fast aus­schließ­lich vom Pen­ta­gon bezahlt«, rede jenem Teil des Estab­lish­ments sei­nes Lan­des nach dem Mun­de, dem (nicht zuletzt islam­po­li­tisch moti­viert) an einer Auf­recht­erhal­tung der »Sün­den­bock«- Funk­ti­on der jüdi­schen Repu­blik lie­ge. Dar­an tobe sich »anti­im­pe­ria­lis­ti­scher « Unmut in poli­tisch kor­rek­ter Wei­se aus.

(Til­man Tarach: Der ewi­ge Sün­den­bock. Hei­li­ger Krieg, die »Pro­to­kol­le der Wei­sen von Zion« und die Ver­lo­gen­heit der soge­nann­ten Lin­ken im Nah­ost­kon­flikt Frei­burg: Edi­ti­on Telok 2009. 300 S., 19.80 €)

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