Vom Walten der Vorsehung

pdf der Druckfassung aus Sezession 29 / Aprill 2009

von Karlheinz Weißmann

Joseph de Maistre (1753–1821) ist ein Name, der aus der Literatur im deutschsprachigen Raum ganz verschwunden wäre, wenn es nicht die Bemühungen des Karolinger-Verlages gäbe, ihm – wie so manchem anderen Reaktionär – ein gewisses Maß an Geltung zu verschaffen.

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Daß sich der Lei­ter des Hau­ses, Peter Weiß, um Auf­la­gen­zah­len so wenig küm­mert wie um Zeit­ge­mäß­heit, erklärt schon aus­rei­chend, war­um er nun – nach der Aus­wahl­aus­ga­be von Der Papst, die 2007 erschien – auch eine Neue­di­ti­on der »Aben­de von St. Peters­burg« besorgt hat, die seit mehr als hun­dert­fünf­zig Jah­ren in deut­scher Spra­che nicht mehr greif­bar waren.
Wie bei vie­lem, was aus dem Lager der Ultras auf uns gekom­men ist, gibt es neben »ver­stei­ner­tem Kavi­ar« (Ernst Jün­ger) auch Erhel­len­des und vor allem Uner­war­te­tes. Ein fin­gier­tes Gespräch, das nach dem Mus­ter eines anti­ken Sym­po­si­ons oder des Streits zwi­schen Hiob und sei­nen Freun­den ange­legt war, bot de Maist­re 1809 die Mög­lich­keit, sei­ne poli­tisch-theo­lo­gi­schen Grund­ge­dan­ken zu ent­wi­ckeln. Was da an Erwä­gun­gen zuta­ge tritt – zur Macht Satans in der Geschich­te, zum Sinn des mensch­li­chen Lei­dens, zur Revo­lu­ti­on als Züch­ti­gungs­mit­tel Got­tes und zur Not­wen­dig­keit der päpst­li­chen Theo­kra­tie – hat jeden­falls das Über­ra­schungs­mo­ment für sich und erreicht im Hin­blick auf die berühmt-berüch­tig­te Apo­lo­gie des Krie­ges einen Grad an poli­ti­scher Inkor­rekt­heit, die man sich nur leis­ten kann, wenn man schon so lan­ge im Grab liegt wie de Maistre.

(Joseph de Maist­re: Die Aben­de von St. Peters­burg. Gesprä­che über das zeit­li­che Wal­ten der Vor­se­hung hrsg. von Jean-Jac­ques Lan­gen­dorf und Peter Weiß, über­setzt von Moritz Lie­ber, Wien und Leip­zig: Karo­lin­ger 2008. 476 S., 49.00 €)

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