Sezession
14. Juni 2010

Was bedeutet eigentlich „Jammern“?

Martin Lichtmesz

"Ein jeder, der Zeit darin investiert, über wirkliches oder subjektiv empfundenes Unrecht zu sprechen oder zu schreiben, wird irgendwann einmal beschuldigt, zu jammern." So Jack Donovan, einer der interessantesten Autoren des US-Netzmagazins Alternative Right. Aus seiner Glosse "On Whining" (Über das Jammern) für das antifeministische bzw. männerrechtlerische Blog The Spearhead will ich im folgenden ausführlich zitieren - vor allem um hier ein für allemal einen Vorwurf zu klären, der inzwischen routinemäßig und in diskreditierender Absicht gegen die politische und kulturelle Kritik von Rechts (gibt es zur Zeit denn eine andere?) erhoben wird, sogar in diesem Blog selbst.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ich selbst kann diesen Vorwurf kaum noch ernst nehmen, eher dient er mir inzwischen als zuverlässiger Lackmus-Test, um die Ahnungslosen und Einfaltspinsel auszufiltern. Kratzt man denn ein bißchen an der Oberfläche dieser Begriffsverwirrung, bemerkt man nämlich schnell den Abwehrreflex, den Versuch zur Einschüchterung, und die Angst, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, die Angst vor den Fakten und den Konsequenzen der Dinge und des eigenen Denkens.

Nicht selten entdeckt man dann einen fast schon stupenden Unterwerfungswillen und eine (vermutlich kaum mehr bewußte) innere Aufweichung, die sich nach außen hin als Stärke und Positivität maskiert. Ob Spengler wohl das gemeint hatte, als er berühmterweise sagte, "Optimismus ist Feigheit"? Ich antworte darauf jedenfalls mit Doderer: "Die Lage ist immer legal." Und nur auf ihrer Grundlage kann man aktiv werden.

Nun aber Donovan zum Thema, was "Jammern" nun eigentlich ist und was nicht (siehe nächste Seite).


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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