Presseschau, 4. Juli 2010

Auswahlpresseschau, erstellt aus diversen Zeitungen, Magazinen und Blogs. Einige Schwerpunkte diese Woche: Großmachtstreben der Türkei; Wulff zum neuen Bundespräsidenten gewählt; Urteil des amerikanischen Supreme Court zum Recht auf Waffen; exemplarische Fälle von Ausländergewalt.


Äuße­res, Kriegs- und Konfliktforschung

Das gefähr­li­che Groß­macht­stre­ben der Türkei
Anka­ra schwelgt in groß­tür­ki­schen Phan­ta­sien, träumt von einem neu­en Osma­ni­schen Reich. Eine Bedro­hung sowohl für Euro­pa als auch die ara­bi­schen Länder.

Euro­päi­sche Uni­on wirbt um die Türkei
BRÜSSEL. Die Euro­päi­sche Uni­on (EU) hat mit der Tür­kei neue Ver­hand­lun­gen über einen Bei­tritt des Lan­des auf­ge­nom­men. Beob­ach­ter wer­ten dies vor allem als poli­ti­sches Signal gegen­über Anka­ra, sich wie­der mehr an die Gemein­schaft anzunähern.
In jüngs­ter Zeit hat­te die Tür­kei die EU immer wie­der mit poli­ti­schen Maß­nah­men brüs­kiert, die als Zei­chen der Ent­frem­dung gewer­tet wur­den. Bei­spiels­wei­se hat­te Anka­ra Anfang des Jah­res die Visums­pflicht für meh­re­re Län­der des Nahen Ostens aufgehoben.

„Wir sind nicht Luxemburg“
Die Wehr­pflicht ist für die Erhal­tung der Fähig­keit zur Lan­des­ver­tei­di­gung unver­zicht­bar. Der frü­he­re Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Rudolf Schar­ping hat im Gespräch mit dem „Spie­gel“ auf etwas Wesent­li­ches hingewiesen …
Ex-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Schar­ping: Berufs­ar­mee ver­fas­sungs­recht­lich problematisch
Der frü­he­re Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Rudolf Schar­ping hat sich vehe­ment gegen eine Abschaf­fung der Wehr­pflicht aus­ge­spro­chen, so der „Spie­gel“ (…) und auf Pro­ble­me mit dem Grund­ge­setz hin­ge­wie­sen. „Wer der Bun­des­wehr die Mög­lich­keit nimmt, im Ernst­fall Reser­vis­ten ein­be­ru­fen zu kön­nen, raubt ihr die Fähig­keit zur Lan­des­ver­tei­di­gung, also die ver­fas­sungs­po­li­ti­sche Grund­la­ge“, sag­te der SPD-Poli­ti­ker dem „Spie­gel“. Nach dem Grund­ge­setz stel­le der Bund Streit­kräf­te zur Lan­des­ver­tei­di­gung auf. „Auch wenn heu­te nie­mand mit einem Angriff gegen Deutsch­land rech­net, ändert das nichts an der ver­fas­sungs­po­li­ti­schen Grund­la­ge“, so Schar­ping weiter.

Staat, Demo­gra­phie, Wirtschaft

Bun­des­ver­samm­lung
Wulff wird im drit­ten Wahl­gang Präsident
Schwarz-Gelb ist knapp an der Kata­stro­phe vor­bei­ge­schrammt: Im drit­ten Wahl­gang wur­de Chris­ti­an Wulff zum neu­en Bun­des­prä­si­den­ten gewählt, sogar mit abso­lu­ter Mehr­heit. Doch an dem Wahl­kri­mi wird die Koali­ti­on noch lan­ge zu lei­den haben – es könn­te der Anfang vom Ende für Mer­kels Regie­rung sein.

Regiert von Autisten
Von Micha­el Paulwitz
Ange­la Mer­kel kann auf­at­men. Gui­do Wes­ter­wel­le auch. Die Revol­te ist über­stan­den, ihr Kan­di­dat für Schloß Bel­le­vue, der bis­he­ri­ge nie­der­säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Chris­ti­an Wulff, ist im drit­ten Anlauf zum Bun­des­prä­si­den­ten gewählt worden.

Eine geis­ti­ge Kreu­zung aus Armin Laschet und Maria Böhmer …
Chris­ti­an Wulff macht Inte­gra­ti­on zum Leitthema
Der neue Bun­des­prä­si­dent hat sei­nen Amts­eid abge­legt. In sei­ner Rede for­der­te er einen grö­ße­ren Ein­satz für Inte­gra­ti­on.

Fami­lie und Beruf
Kar­rie­re­kil­ler Kind
Von Micha­el Kröger
In Umfra­gen geben sich Deutsch­lands Unter­neh­men fami­li­en­freund­lich, prei­sen Betriebs­ki­tas und Teil­zeit­an­ge­bo­te an. Doch die Wirk­lich­keit sieht anders aus. SPIEGEL ONLINE doku­men­tiert die Erfah­rungs­be­rich­te berufs­tä­ti­ger Frau­en. Deren Fazit: Kin­der­er­zie­hung bedeu­tet oft das Ende der Karriere.

Für die Freiheit …
Supre­me Court wei­tet Recht auf Waf­fen­be­sitz aus
Das Obers­te Gericht der USA hat das in Städ­ten wie Chi­ca­go gel­ten­de Waf­fen­ver­bot für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt.

Waf­fen­ur­teil in den USA: Auf Knopf­druck Vorurteile
von Jörg Janssen
US-Rich­ter bestä­ti­gen Grund­recht auf Mit­tel zum Selbst­schutz und der Deut­sche Medi­en-Lamestream riecht Blut
[Lesens­wer­ter Text. Pro­ble­ma­tisch ist aller­dings die typisch liber­tä­re Ent­ge­gen­set­zung von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft (eine regel­rech­te Gemein­schafts­pho­bie!). Als könn­te es indi­vi­du­el­le Frei­heit ohne kol­lek­ti­ve Frei­heit geben …]

Waf­fen­be­sitz: Der Wil­de Wes­ten und die lin­ke Journaille
von Andre­as Tögel
USA vor dem „Kul­tur­krieg“?

Die Lin­ke, Geschichts- und Iden­ti­täts­po­li­tik, His­to­ri­sches (Zeit­ge­schich­te)

Wer ver­harm­lost hier eigentlich?
Von Fabi­an Schmidt-Ahmad
„Ver­harm­lo­sung des Hit­ler-Faschis­mus“ – die stell­ver­tre­ten­de Links­par­tei-Che­fin Kat­ja Kip­ping hat den Bun­des­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Joa­chim Gauck scharf ange­grif­fen. Grund für die­sen mas­si­ven Vor­wurf ist des­sen Tota­li­ta­ris­mus-Anti­pa­thie, die angeb­lich nicht genü­gend differenziere.
„Herr Gauck ver­tritt in der Öffent­lich­keit immer wie­der eine Posi­ti­on, die auf eine Gleich­stel­lung von Links und Rechts hin­aus­läuft“, sag­te Kip­ping in einem Gespräch mit der FAZ. Daher habe ihre Par­tei mit der ehe­ma­li­gen Chef­re­dak­teu­rin des Hes­si­schen Rund­funks, Lukre­zia Jochim­sen, eine eige­ne „wun­der­ba­re Kan­di­da­tin“ aufgestellt.

Dehms Hit­ler­ver­gleich beweist God­wins Law
Offen­bar kommt kei­ne Debat­te ohne Hit­ler-Ver­gleich aus. In der Dis­kus­si­on um die Wahl von Chris­ti­an Wulff griff die Links­par­tei zur Geschichtskeule.

Die­ter Dehm
Lin­ke-Poli­ti­ker nennt Wulff neu­en Hitler
Hand­fes­te Pro­vo­ka­ti­on bei der Bun­des­prä­si­den­ten-Wahl. Die Lin­ke-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Die­ter Dehm ver­glich die Kan­di­da­ten Chris­ti­an Wullf und Joa­chim Gauck mit Sta­lin und Hit­ler. Inzwi­schen ent­schul­dig­te sich der 60jährige.

Deutsch­lands Biennale-Pavillon
Mit der Faschismuskeule
Wo trif­ti­ge Argu­men­te feh­len, schlägt die Rhe­to­rik blind­lings zu: Der Prä­si­dent der Bun­des­ar­chi­tek­ten­kam­mer hat die Schlei­fung des deut­schen Pavil­lons in den vene­zia­ni­schen „Giar­di­ni“ gefor­dert, weil des­sen natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Monu­men­ta­li­tät nicht mit unse­rem heu­ti­gen Staats­ver­ständ­nis zusammengehe.
Von Die­ter Bartetzko

Kon­zept­künst­ler Haa­cke gegen Abriß des deut­schen Bien­na­le-Pavil­lons in Venedig

Land­nah­me und Überfremdung/Zuwanderung und Integration

„Ras­sis­mus“ – IQ-Tests sor­gen für Empörung
Auf­re­gung um IQ-Tests für Ein­wan­de­rer: Der Vor­schlag sei „men­schen­ver­ach­tend“, sag­te der SPD-Lin­ke Björn Böh­ning WELT ONLINE.

Jugend­li­che Ein­wan­de­rer ver­let­zen Poli­zis­ten schwer
HAMBURG. Am spä­ten Sams­tag­abend sind in Ham­burg meh­re­re Poli­zis­ten von einer Grup­pe jugend­li­cher Ein­wan­de­rer ange­grif­fen und ver­letzt wor­den. Fünf Beam­te muß­ten im Kran­ken­haus behan­delt wer­den, einer von ihnen erlitt lebens­ge­fähr­li­che Kopfverletzungen.

„Unter­schicht und Abschaum der Straße“
HAMBURG. Der bru­ta­le Über­griff auf Poli­zis­ten in Ham­burg, bei dem einem Beam­ten schwers­te Kopf­ver­let­zun­gen zuge­fügt wor­den waren, hat für Empö­rung unter Poli­ti­kern und Stan­des­ver­tre­tern gesorgt.
„Es ist unfaß­bar, mit wel­cher Bru­ta­li­tät die­se Straf­tä­ter, die nur noch als Unter­schicht und Abschaum der Stra­ße zu bezeich­nen sind, gegen unse­re Kol­le­gen vor­ge­gan­gen sind“, stell­te der Lan­des­vor­sit­zen­de der Deut­schen Poli­zei­ge­werk­schaft, Joa­chim Len­ders, fest.
Die Gewerk­schaft kri­ti­sier­te, daß die Poli­ti­ker nur „hilf­los und des­in­ter­es­siert hin­ter ihrer Poli­zei“ stün­den. Den zustän­di­gen Res­sort­ver­ant­wort­li­chen aus der CDU warf Len­ders vor, sie lie­ßen ihren „mar­ki­gen Sprü­chen“ kei­ne Taten fol­gen. Mitt­ler­wei­le sei die Uni­on schon längst „ange­grünt“.

Mahn­wa­che
Stra­ßen­blo­cka­de für Pascal
Der 22jährige war in der ver­gan­ge­nen Woche an der Bre­mer Stra­ße ersto­chen worden.
Eißen­dorf. Rund 80 Freun­de, Ver­wand­te und Bekann­te von Pas­cal E. haben sich am Don­ners­tag­abend zu einer fried­li­chen Mahn­wa­che an der Bre­mer Stra­ße ver­sam­melt. In gemein­sa­mer stil­ler Trau­er gedach­ten sie des 22jährigen, der, wie berich­tet, am Mitt­woch nach einer töd­li­chen Mes­ser­at­ta­cke in Eißen­dorf ums Leben kam. Sie leg­ten Blu­men nie­der, zün­de­ten Ker­zen an und gaben sich gegen­sei­tig Trost.
Aber auch Pro­test­schil­der, etwa mit der Auf­schrift „Unse­re Tole­ranz ist erschöpft“, wur­den auf­ge­stellt. Nach Aus­kunft der Poli­zei dau­er­te die Mahn­wa­che von 21.20 Uhr bis Mit­ter­nacht. Bevor die Beam­ten ein­tra­fen, blo­ckier­ten die Teil­neh­mer der Mahn­wa­che kurz­zei­tig und spon­tan die B75, lös­ten dann aber ihre Sitz­blo­cka­de sofort auf.

ANMERKUNG: Natür­lich kom­men gleich wie­der For­de­run­gen nach Mes­ser­tra­ge­ver­bo­ten auf. Als wären Mes­ser das Pro­blem und nicht die fast aus­schließ­lich ori­en­ta­li­schen Gewalt­tä­ter. Es gibt mas­sen­haft recht­schaf­fe­ne Bür­ger, die täg­lich ein Mes­ser als Werk­zeug und/oder Selbst­ver­tei­di­gungs­waf­fe für den Not­wehr­fall bei sich tra­gen und nicht auf die Idee kämen, es wegen irgend­wel­cher Nich­tig­kei­ten (Pro­vo­ka­tio­nen, Belei­di­gun­gen usw.) ein­zu­set­zen. Wohin Mes­ser­tra­ge­ver­bo­te füh­ren, zeigt das Bei­spiel Groß­bri­tan­ni­en, wo seit­her auf der Stra­ße nur noch Kri­mi­nel­le über Mes­ser ver­fü­gen und ent­spre­chen­de Straf­ta­ten mas­siv zuge­nom­men haben. „Whe­re kni­ves (guns) are out­la­wed, only out­laws will have kni­ves (guns).“

Mord im Migrantenmilieu …
Teen­ager in Lon­don auf Pau­sen­hof erstochen
In einer Son­der­schu­le in Lon­don ist es zu einer töd­li­chen Mes­ser­ste­che­rei gekom­men. Die Jugend­ge­walt in Eng­land wird schlimmer.

Teen­ager stab­bed to death at school gates in South London

A BOY of 15 died in a teacher’s arms yes­ter­day after being ambus­hed and stab­bed through the heart by a gang out­side his school’s gates.
A group of thugs were lying in wait in a car as Zacha­ry Olu­meg­bon arri­ved for lessons.
The gang leapt out and cha­sed the youngs­ter and a 14-year-old pal into an alley. They cor­ne­red Zacha­ry and stab­bed him repea­ted­ly in the chest befo­re cha­sing the other lad into the school grounds. They kni­fed him in the arm befo­re fle­e­ing from school staff.

Erzie­hung, Bil­dung, Sonstiges

Ältes­te Breisgau-Siedlung
Archäo­lo­gen gra­ben Stein­zeit­dorf am Kai­ser­stuhl aus
Grü­ße von den Vor­fah­ren: Im Breis­gau haben Archäo­lo­gen die Grund­ris­se eines 7500 Jah­re alten Dorfs frei­ge­legt. Es soll von den ers­ten Bau­ern in der Regi­on stam­men. Aus­ge­gra­be­ne Uten­si­li­en erlau­ben Rück­schlüs­se auf ihre Lebensgewohnheiten.

Mas­sen­grab-Fund
Römer sol­len Babys von Pro­sti­tu­ier­ten getö­tet haben
Archäo­lo­gen haben in Eng­land ein Mas­sen­grab mit den Über­res­ten von 97 Neu­ge­bo­re­nen gefun­den. Die Säug­lings­lei­chen lagen in der Nähe eines anti­ken Bor­dells. Jetzt hegen die For­scher einen grau­si­gen Ver­dacht: Die Babys waren die Kin­der von Pro­sti­tu­ier­ten – und wur­den sys­te­ma­tisch ermordet.

Der Tibe­ter hat die bes­se­ren Gene
For­scher ent­schlüs­seln, war­um die Bevöl­ke­rung nicht höhen­krank wird
von Ulli Kulke
Was hat der Tibe­ter, das dem Flach­land-Chi­ne­sen fehlt? Die Fra­ge stellt sich, seit die Regie­rung in Peking bemüht ist, durch Umsied­lun­gen von Men­schen aus dem gan­zen Land in die Hima­la­ja-Pro­vinz die dor­ti­gen Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen zu unter­lau­fen und den Tibe­tern auch gene­tisch ihre Eigen­stän­dig­keit zu neh­men. Han-Chi­ne­sen bekom­men dort oben, in ihrem neu­en Wohn­ort auf rund 4000 Metern Höhe, regel­mä­ßig die Höhen­krank­heit. Wor­über die Tibe­ter, dage­gen offen­bar gefeit, nur lachen kön­nen. Gen­for­scher in Peking kamen nun dem Grund für die­sen Unter­schied auf die Spur.

Blitz-Evo­lu­ti­on
Tibe­ter stell­ten ihr Erb­gut in Rekord­zeit auf Höhen­luft ein
Evo­lu­ti­on im Schnell­durch­gang: Die tibe­ti­sche Bevöl­ke­rung paß­te ihr Erb­gut in weni­ger als 3000 Jah­ren an das Leben in extre­mer Höhe an. Die Hima­la­ja-Bewoh­ner haben eine ein­zig­ar­ti­ge Stra­te­gie ent­wi­ckelt – sie reagier­ten auf para­do­xe Wei­se auf den Sauerstoffmangel.

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