Rassismus und Antirassismus in Schnellroda

Wo das Integrationsgelingen unserer Republik sich angeblich an der Fußball-Nationalmannschaft ablesen läßt und der neue Bundespräsident die Hoffnung hegt,...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

das Land wer­de (noch) bun­ter, sei ein Blick auf die Arten­viel­falt im Rit­ter­gut Schnell­ro­da gewährt. Wir fin­den vor: kun­ter­bun­tes Durch­ein­an­der neben knall­har­tem Ras­sis­mus. Bei­des erweist sich als recht fruchtbar.

„Euer Gar­ten sieht ja – naja, nicht gera­de deutsch aus“, befand ein Nach­bar. Das stimmt ein­wand­frei beim ver­glei­chen­den Blick nach rechts und links. Mit gera­den Saat­rei­hen und vor allem mit kon­se­quen­ter Aus­le­se tue ich mich schwer. Aus­ge­merzt wird nur, was para­si­tär wuchert und mir nicht gefällt. Greis­kraut , Nel­ken­wurz und Kana­di­sche Gold­ru­te jäh­te ich mit Stumpf und Stiel. Ich mag gelb nicht so. Und man kennt das Bild ja nahe­zu deutsch­land­weit von Bahn­däm­men: Dort, wo vor Jah­ren noch die präch­ti­ge Königs­ker­ze stand, macht sich mas­sen­wei­se die ein­ge­wan­der­te, ordi­nä­re Gold­ru­te breit.

Klas­si­sche Unkräu­ter wie Acker­gauch­heil, Erd­rauch und, nun durch pure Grö­ße domi­nie­rend, Mohn, Rin­gel­blu­men, Kamil­le und die Bor­ret­schrie­sen dür­fen im Rit­ter­gut­gar­ten ste­hen­blei­ben, wo´s Ihnen gefällt. Das Such- und Wim­mel­bild links oben zeigt, kaum zu glau­ben, mein Toma­ten, Gur­ken- und Man­gold­beet, alles eige­ne Zucht und alte Sor­ten, denen das bedrän­gen­de Umfeld nicht all­zu viel aus­macht. Öko­no­misch hoch­ef­fek­tiv ist das nicht, aber schön.

Von den Sor­ten zu den Ras­sen: Seit vie­len Jah­ren hal­ten wir Enten: Tür­ken­en­ten. Seit­dem unser zuge­lau­fe­ner Misch­lings­hund mal die Jung­tür­ken dezi­miert hat (wochen­lang hieß es: Schau, die spie­len ja rich­tig mit­ein­an­der!) hal­ten wir nun strikt auf Ras­sen­tren­nung. Gera­de haben wir 9 halb­wüch­si­ge und 12 zwei Wochen alte. Bei den Hüh­nern hal­ten wir ein gemisch­tes Volk aus Thü­rin­ger Bart­hüh­nern, Sus­sex, Ita­lie­nern und mei­nen Favo­ri­ten, den ver­schmus­ten Amrocks. Eine scheue, schma­le Ita­lie­ne­rin gluckt seit zwei­ein­halb Wochen auf 12 unter­schied­li­chen Eiern – zu erwar­ten ist dem­nach noch im Juli ein Multikulti-Schlag.

Seit Juni haben wir eine wei­te­re Hüh­ner­schar samt Hahn, die wir ras­se­r­ein hal­ten wol­len, was nur bei getrenn­ten Gehe­gen geht, weil so ein Hahn mehr­mals täg­lich und eher wahl­los „hei­ra­ten“ möch­te. Es ist das Deut­sche Reichs­huhn in den Far­ben schwarz-weiß-rot. Ein stolz auf­ge­rich­te­tes Pracht­vieh, sehr lege­freu­dig. Wir haben fünf Eier von vier Hüh­nern am Tag, eine wah­re Wun­der­ras­se (seit 1907 ein­ge­tra­gen), die trotz Erho­lung des Bestands (Rote Lis­te der gefähr­de­ten Haus­tier­ras­sen) in den letz­ten Jah­ren nur mit etwa 1700 Exem­pla­ren in Deutsch­land ver­tre­ten ist.

Zusätz­lich haben wir seit eini­ger Zeit drei jun­ge Gän­se­da­men, die den Rasen kurz­hal­ten, ihn aller­dings eher unge­pflegt hin­ter­las­sen. Es sind soge­nann­te Stein­ba­cher Kampf­gän­se – schö­ne, klu­ge und zutrau­li­che Tie­re. Tags­über kommt der Stall­ha­se mit in den Pferch. Das klappt wun­der­bar. Jeden­falls solan­ge, wie unse­re Kin­der mit einem Anti­ras­sis­mus-Ban­ner Pro­pa­gan­da machen und die unglei­chen Tie­re zu Respekt & Tole­ranz anhal­ten. Fehlt das Ban­ner, wird immer wie­der gezwickt und gezwackt. So sind die Leute!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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