Kartoffeln und Land, Gold und Butter

Ich erinnere mich an einen Vortrag des Crash-Denkers Eberhard Hamer. Er sprach von der bevorstehenden Finanz- und...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wirt­schafts­kri­se und warb für sein sehr erfolg­rei­ches Buch Was tun, wenn der Crash kommt. Als ich in der Mit­tags­pau­se mit ihm an einem Steh­tisch speis­te, frag­te ich, wie sei­ne Aus­füh­run­gen zur Vor­sor­ge ganz kon­kret, also aufs täg­li­che Leben her­un­ter­ge­bro­chen zu ver­ste­hen sei­en. Er wies auf den Ein­topf und sag­te: “So.”

Dann erzähl­te er, daß er ein paar Hekt­ar Land erwor­ben und an einen Bau­er ver­pach­tet hat. Die Pacht besteht aus zwan­zig Zent­ner Kar­tof­feln im Jahr, und wer Hamer und sei­nen eben­so nie­der­säch­si­schen Sohn und Mit­au­tor Eike kennt, der weiß, daß die­se Pacht zum Leben fast schon ausreicht.

Nur ein biß­chen But­ter fehlt noch zu den Kar­tof­feln, und über den Spott­preis, den wir heu­te für ein Pfund But­ter bezah­len, habe ich jüngst einen auch sprach­lich sehr schö­nen Bei­trag von Rein­hard Wand­ter gele­sen. Der Arti­kel wirft die alte Öko-Fra­ge auf, woher die Ach­tung vor dem Lebens­mit­tel kom­men soll, wenn es nichts kos­tet und die Mühe dahin­ter nicht sicht­bar wird: Denn wenn Wand­ter die har­te Sen­sen-Arbeit auf einem klei­nen Hof der Nach­kriegs­zeit schil­dert, sehen wir die Mühe. Heu­te aber trei­ben die “unsicht­ba­ren Skla­ven” Öl und Strom rie­si­ge Land­ma­schi­nen an und sor­gen dafür, daß wir die But­ter zum Spott­preis erhal­ten.

Es geht dabei nicht dar­um, daß mor­gen alle mit der Hacke in der Fur­che ste­hen, um zu ste­cken, zu jäten und zu ern­ten. Aber es geht um die Fra­ge, ob die Kri­se nicht doch auch im Blick auf das Lebens­not­wen­di­ge eini­ge Maß­stä­be zurecht­rückt. Wer sagt, daß die rie­si­gen Trak­to­ren auch dann noch rol­len, wenn die finan­zi­el­len und kon­kre­ten Schmier­mit­tel und Betriebs­stof­fe feh­len? Und eine nor­ma­le deut­sche Klein­stadt stün­de nach drei Tagen ohne Waren­lie­fe­rung vor lee­ren Regalen.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag hat Ste­phan Ruh­kamp in der FAZ einen Arti­kel über die­ses The­ma und somit auch über die Stra­te­gie Hamers ver­öf­fent­licht: Rein in die Kar­tof­feln. Natür­lich kom­men die Hamers dar­in nicht vor, aber Ruh­kamp beschreibt einen Volks­wirt, der jen­seits jeder Panik den­noch für die Grund­si­che­rung sei­ner Fami­lie in beacker­tes Land investiert.

Kri­sen­den­ken heißt in die­sen Fra­gen: Wer hat den klei­nen Trak­tor, wer hat Land, wer hat Wald, wer hat noch einen Kamin oder einen Kachel­ofen? Als im Müns­ter­land vor drei Jah­ren im kal­ten Win­ter für vier Tage der Strom aus­fiel, gab es zig­tau­sen­de Häu­ser, die – umge­ben von Wald – ohne Brenn­stel­le nicht beheizt wer­den konn­ten. Auch bei uns im Dorf haben Leu­te vor zehn Jah­ren ihren Kamin rück­ge­baut, weil das Öl sau­ber und bil­lig ist. Jetzt ist es nur noch sauber.

Kar­tof­feln, But­ter, Land: Hamer sag­te am Steh­tisch auch, daß man Gold erwer­ben muß, har­te Wäh­rung also, mit der man immer bezah­len kann, ganz egal, wie schnell die Pres­sen der Bun­des­dru­cke­rei neue Euro­bün­del aus­spu­cken. Die Mei­nun­gen, ob es zur Infla­ti­on kommt oder ob die über­schul­de­ten Staa­ten einen ande­ren Weg fin­den, um das zu bezah­len, was sie mit har­ter Wäh­rung nicht mehr bezah­len kön­nen, gehen aus­ein­an­der. Ist Gol­der­werb also eine Glau­bens­fra­ge? Mag sein, und wer auch sonst lie­ber auf einen Apfel­baum klet­tert anstatt ins Regal zu grei­fen, der mag so eine Mün­ze halt lie­ber als bedruck­tes Papier.

Also mit Gold zum Metz­ger? Wie­viel Wurst bekommt man für einen Kruger­rand? “Für den Metz­ger und den Bäcker legen Sie sich Sil­ber bereit”, riet Hamer. “Stel­len Sie sich mal vor, sie kom­men da mit einem Gold­bar­ren vor­bei. Das geht doch nicht.”

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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