Krypto-Rechte, erkennt euch selbst!

"Erschrick nicht, wenn Du feststellst, daß Du konservativ bist!" So lautete ein Slogan aus den Anfangszeiten dieses Blogs,...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

unter dem auch Karl­heinz Weiß­mann einen klei­nen “Kate­chis­mus” als Hil­fe­stel­lung zur Selbst­er­kennt­nis ver­öf­fent­lich­te. Dar­an muß­te ich den­ken, als Tele­po­lis Anfang die­ser Woche einen Arti­kel über eine an der Uni­ver­si­tät Lan­ces­ter (UK) durch­ge­führ­te Stu­die brach­te, wonach die eige­ne poli­ti­sche Selbst­ein­schät­zung und die tat­säch­li­chen welt­an­schau­li­chen Dis­po­si­tio­nen sich oft nicht decken.

Wer sich selbst als Lin­ker sieht, ist das oft nicht – Nach einer welt­wei­ten Stu­die wäh­nen sich oft die bes­ser Gebil­de­ten auf der lin­ken Sei­te, ver­tre­ten aber rech­te Positionen. (…)

Nach einer Stu­die des Öko­no­men James Rockey von der Uni­ver­si­ty of Lan­ces­ter scheint es aber wei­ter­hin eine Ten­denz zu geben, dass die gut aus­ge­bil­de­ten Men­schen sich eher als links denn als kon­ser­va­tiv ein­schät­zen, wobei ins­ge­samt die Män­ner sich eher als kon­ser­va­tiv dar­stel­len als Frau­en und es auch sind. Aller­dings hat er fest­ge­stellt, dass bei den Gebil­de­ten auch Selbst­be­trug eine Rol­le spielt. Ver­gleicht man ihre wirk­li­che Mei­nung mit der Selbst­ein­schät­zung, dann schei­nen sie aus­zu­blen­den, wie kon­ser­va­tiv sie (gewor­den) sind.

Wer bes­ser gebil­det ist, ord­net sich eher dem lin­ken Spek­trum zu, neigt aber gleich­zei­tig dazu, grö­ße­re Ein­kom­mens­un­ter­schie­de zu befür­wor­ten, also glaubt ver­mut­lich, dass er zu Recht ein über­durch­schnitt­li­ches Ein­kom­men bezieht oder zumin­dest ein sol­ches “ver­dient” zu haben.

War­um das so ist, dar­über rät­selt der Lei­ter der Studie:

War­um aber geste­hen sich die bes­ser Gebil­de­ten nicht ein, dass sie eigent­lich eher dem kon­ser­va­ti­ven Lager zuge­hö­ren? Mög­li­cher­wei­se behal­ten sie ein­fach die Hal­tung bei, die sie als jun­ge Men­schen und Stu­den­ten hat­ten, und mer­ken gar nicht, dass sich mit dem Ein­tritt in die Arbeits­welt und dem Beginn des Fami­li­en­le­bens ihre Mei­nun­gen ändern, spe­ku­liert der Wis­sen­schaft­ler. Zudem könn­ten die bes­ser Gebil­de­ten ver­mehrt mit Kon­ser­va­ti­ven zu tun haben, wes­we­gen ihnen der Bezug zu dem, was die gesell­schaft­li­che Mit­te ist, verrutscht.

Ich habe dar­auf  eine ande­re Ant­wort: Folgt man die­ser Stu­die, dann sind es offen­bar Intel­li­genz, Bil­dung und Lebens­er­fah­rung, die einen Men­schen “kon­ser­va­tiv” bzw. “rechts” machen. Nach Joa­chim Fest:  “Die Wirk­lich­keit steht immer rechts” und nach Erik von Kuehnelt-Led­dihn: “Right is right, and left is wrong”.  Aller­dings haben Begrif­fe wie “rechts” und “kon­ser­va­tiv” nicht nur in Deutsch­land, son­dern inzwi­schen sogar in Eng­land und in der rest­li­chen libe­ra­len Welt des Wes­tens einen eher schlech­ten Ruf.

Im schlimms­ten Fal­le bezeich­nen sie einen ethi­schen Defekt, wäh­rend “links” durch­ge­hend mit eher posi­ti­ven Vor­stel­lun­gen kon­no­tiert ist.  Alle Welt will eben “links” sein, weil man wähnt, daß das gleich­be­deu­tend sei etwa mit “gut”, “auf­ge­klärt”, “mensch­lich”, “gebil­det”, “fort­schritt­lich”, “gerecht” und so wei­ter.  Es ist also wohl vor allem der Druck des Zeit­geis­tes, der die Men­schen in “Selbst­be­trug”, Mimi­kry und Lip­pen­diens­te zwingt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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