Sezession
1. Februar 2010

Faschismus – außereuropäisch

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 34 / Februar 2010

von Josef Schüßlburner

Die Frage, ob der Faschismus per definitionem zeitlich beschränkt und europäisch war, gilt als unbequem. Denn bei Einbeziehung außereuropäischer Gebiete erhält der Faschismusbegriff, der über die nach Selbstdefinition faschistischen Bewegungen hinausgeht, einen neuen Aspekt: Wer den als äußerst verdammenswert angesehenen europäischen Faschismus vor Augen hat, möchte nur ungern sehen, daß die positiv bewerteten antikolonialistischen Unabhängigkeitsbewegungen ein strukturell ähnliches Anliegen vertraten. Hatte nicht der »antiwestliche Revolutionär Goebbels « ein deutsches Bündnis auf seiten der kolonialisierten Völker angestrebt, da diese nämlich »für ihre Freiheit nicht unter dem Rufe: ›es lebe die dritte Internationale!‹ kämpften«, »sondern unter dem Rufe ›China den Chinesen‹«? Selbst Hitler erkannte eine Ähnlichkeit mit diesem »Freiheitskampf«, distanzierte sich aber etwa am 24. Mai 1930 mit einem rassistischen Argument, was zeigt, daß der Rassismus auch die Funktion hatte, NS-Deutschland im westlichen Wertebereich zu halten.Das trotz NS-Rassismus errichtete deutsche Bündnis mit dem andersrassigen Japan erzeugte für die »Bewältigung« das Bedürfnis, den »Faschismus « auszuweiten, weil »der japanische Fall« zeige, »daß der herkömmliche Faschismusbegriff nicht ausreicht« (Hans Martin Krämer). Will man jedoch das Kaiserreich Japan als »faschistisches Regime« begreifen, kann man nur den Fehlschlag eines Konzepts konstatieren. Sicherlich gab es etwa mit der »Shōwa Kenkyūkai« eine faschistische Bewegung, und es dürfte vertretbar sein, in der modernen Kunst dieses Landes eine faschistische Ästhetik festzustellen; politisch konnten sich derartige Strömungen aber nicht durchsetzen. Kita Ikki, der als intellektueller Faschist galt, wurde im Zusammenhang mit der Niederschlagung eines Umsturzversuchs hingerichtet. Sicherlich galt auch für Japan, daß faschistisches Gedankengut »Teil eines ideologischen Kontinuums« darstellte, »das von liberalen und sozialistischen bis zu neokonservativen und faschistischen Vorstellungen reicht« (Stefan Vogt), wobei gerade die Übergänge zwischen sozialistischen und faschistischen Ideologien« fließend waren. Der maßgebliche »Militarismus« wies ideologisch zahlreiche kommunistische Konvertiten auf. Als »faschistisch« kann man auch die Argumentation der Heerführer Kanji Ishihara und Seishiro Itagaki bezeichnen, die 1931 den Mandschurei-Zwischenfall inszenierten: »Vom Standpunkt des internationalen Proletariats, der die Angleichung des nationalen Reichtums fordert, kann die grundlegende Lösung nicht innerhalb der bestehenden Grenzen des von Natur aus armen Japan gefunden werden, das den Lebensunterhalt für das Volk insgesamt sicherstellen muß.« Kita meinte, daß dieselben Argumente, die die Sozialisten für die Vermögensumverteilung im Inneren anführen, auch außenpolitisch angeführt werden müßten, und es könne nicht angehen, daß Großbritannien riesige Teile der Welt beherrsche und sich mittels Friedenspropaganda der internationalen Umverteilung widersetze.


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