Faschisten

pdf der Druckfassung aus Sezession 34 / Februar 2010

Biographische Skizzen

Der Faschist schlechthin existiert nur in der Karikatur. In der Wirklichkeit gibt es ihn nicht. Das erklärt sich schon aus der Dramatik der Epoche, in der der Faschismus zur Geltung kam, aber auch aus der Internationalität dieses Phänomens. Es gab Faschisten, die in der Bewegung eine Kraft des Widerstandes sahen, gegen den Kommunismus vor allem, aber ebenso wichtig – und der Genese nach älter – war der Widerstand gegen die Dekadenz der bürgerlichen Welt. Das Kriegserlebnis hat deshalb für viele Faschisten eine ungleich wichtigere Rolle gespielt als die Oktoberrevolution, die Zahl hochdekorierter Soldaten in ihren Reihen fällt jedem Betrachter auf. In allen Faschismen spielte der Nationalismus eine Rolle, aber viele Faschisten betrachteten sich auch als »gute Europäer«. Einige sahen im Faschismus eine Möglichkeit, den egalisierenden Tendenzen entgegenzutreten, und andere betrachteten ihn als Variante des Sozialismus. Manche verstanden ihn als Revolte gegen die westliche Moderne, andere als Mittel, die Gesellschaft von den Resten des Ancien Régime zu befreien. Es gab unter den Faschisten Idealisten und Ideologen, Theoretiker und Praktiker, Technokraten und Schwärmer, Gemäßigte und Radikale, Verfechter der geistigen Freiheit und Anhänger des Terrors, Juden und Antisemiten. Daher ist für jede sachliche Beschäftigung mit dem Faschismus die Sichtung der Biographien von Faschisten entscheidend. Die hier vorgestellte Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie konzentriert sich bewußt auf die »zweite Reihe«, nicht auf die bekannten Führergestalten, sondern auf einzelne, die man in gewissem Sinn als »typischer« betrachten kann.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Ahi­meir, Abba (1897–1962),
eigent­lich Abba Shaul Gei­si­no­vich, Jour­na­list und Poli­ti­ker, ent­stammt einer jüdi­schen Fami­lie in Ruß­land und erlebt schon als Kind anti­se­mi­ti­sche Aus­schrei­tun­gen und Pogro­me in sei­ner Hei­mat. Er schließt sich anfangs der zio­nis­ti­schen Lin­ken an und sym­pa­thi­siert mit dem Bol­sche­wis­mus. Aller­dings beob­ach­tet A. mit Besorg­nis die natio­nal­rus­si­sche Ten­denz des sowje­ti­schen Regimes und wen­det sich schließ­lich ganz von der Idee des Sozia­lis­mus ab. Er stu­diert Phi­lo­so­phie in Wien und Lüt­tich und pro­mo­viert mit einer Arbeit über Speng­lers Unter­gang des Abend­lan­des. 1924 über­sie­delt er nach Paläs­ti­na und arbei­tet für ver­schie­de­ne Zei­tun­gen, für die Tages­zei­tung Doar HaYom schreibt er eine Kolum­ne mit dem Titel »Aus dem Notiz­buch eines Faschis­ten«. Unter dem Ein­druck der ara­bi­schen Angrif­fe auf jüdi­sche Sied­ler erklärt A. den Natio­na­lis­mus zur Lebens­not­wen­dig­keit. Er ver­sucht den »revi­sio­nis­ti­schen« Flü­gel der Zio­nis­ten für eine »maxi­ma­lis­ti­sche«, aus­drück­lich an der Dok­trin des ita­lie­ni­schen Faschis­mus aus­ge­rich­te­te, Neu­ori­en­tie­rung zu gewin­nen. 1930 umreißt er sein poli­ti­sches Cre­do mit fol­gen­den Wor­ten: »Kei­ne Par­tei, son­dern einen Orden, eine Grup­pe von Män­nern, die sich selbst dem gro­ßen Ziel wei­hen und opfern. Sie sind in allem eins, und ihr Pri­vat­le­ben und ihr Unter­halt sind Ange­le­gen­heit des Ordens. Eiser­ne Dis­zi­plin, Füh­rer­kult, Dik­ta­tur.« A.s Ziel ist fak­tisch die Ver­trei­bung der Ara­ber aus dem jüdi­schen Sied­lungs­ge­biet und die Schaf­fung eines groß­is­rae­li­schen Staa­tes. Um das Ziel zu errei­chen, ist er bereit, sich mit allen anti­bri­ti­schen Kräf­ten – dem faschis­ti­schen Ita­li­en wie dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land – zu ver­bün­den. Eine Hal­tung, die von ande­ren Revi­sio­nis­ten, etwa Wla­di­mir Jabo­tin­sky, unter­stützt wird, die außer­dem hof­fen, daß die jüdi­sche Posi­ti­on im Nahen Osten durch eine Mas­sen­aus­wan­de­rung aus Euro­pa gestärkt wer­de. A.s Maxi­ma­lis­mus kann sich im revi­sio­nis­ti­schen Lager aller­dings nicht durch­set­zen, auch wenn er erheb­li­chen Ein­fluß auf radi­ka­le Zio­nis­ten, vor allem die Unter­grund­be­we­gung Irgun, behält.

Agno­li, Johan­nes (1925–2003),
eigent­lich Gio­van­ni A., Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, beginnt sei­ne Lauf­bahn als Akti­vist des staat­li­chen Jugend­ver­ban­des der Ära Mus­so­li­ni und tritt nach dem Kol­laps des Regimes auf die Sei­te der »Sozi­al­re­pu­blik« und ihres deut­schen Ver­bün­de­ten. Über die Waf­fen-SS mel­det sich A. frei­wil­lig zu einer Gebirgs­jä­ger­ein­heit der Wehr­macht, ger­ma­ni­siert sei­nen Namen zu »Johan­nes Akno­li« und nimmt an Kämp­fen gegen Par­ti­sa­nen in Jugo­sla­wi­en teil. Im Mai 1945 gerät er in bri­ti­sche Gefan­gen­schaft und wird in das ägyp­ti­sche Lager Moas­car gebracht. Erst im Som­mer 1948 ent­las­sen, geht er nach West­deutsch­land, lebt und arbei­tet zunächst in Baden, bis er 1949 ein Kriegs­teil­neh­mersti­pen­di­um erhält und in Tübin­gen ein Stu­di­um auf­neh­men kann. Im Mai 1955 wird er deut­scher Staats­bür­ger und reita­lia­ni­siert sei­nen Nach­na­men gleich­zei­tig zu »Agno­li«. Er enga­giert sich früh in der SPD, vor allem aber im Umfeld der »hei­mat­lo­sen Lin­ken« (Wolf­gang Abend­roth, spä­ter Ossip K. Flecht­heim) und im SDS, was ihm 1961 den Par­tei­aus­schluß ein­bringt und in der Fol­ge den Auf­stieg zum Theo­re­ti­ker der Außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on. 1972 erhält A. einen Lehr­stuhl für Poli­tik­wis­sen­schaft am Otto-Suhr-Insti­tut der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Zu dem Zeit­punkt ist er längst eine bekann­te Grö­ße der radi­ka­len Lin­ken. Fünf Jah­re zuvor hat er ein Buch mit dem Titel Die Trans­for­ma­ti­on der Demo­kra­tie ver­öf­fent­licht, des­sen Kern eine schar­fe Abrech­nung mit dem par­la­men­ta­ri­schen Sys­tem bil­det, von dem A. behaup­tet, daß es ledig­lich der Mas­kie­rung von Kapi­tal­in­ter­es­sen die­ne, eine mas­sen­taug­li­che Fik­ti­on, die jeden­falls mit »Demo­kra­tie« nichts zu tun habe und jeder­zeit den Über­gang zu offe­nem Faschis­mus ermög­li­che. Damit ver­bin­det A. eine grund­sätz­li­che Legi­ti­mie­rung gewalt­sa­men Vor­ge­hens gegen das Sys­tem, wenn­gleich er davor zurück­scheut, zum Bür­ger­krieg auf­zu­ru­fen. A. ent­wi­ckelt spä­ter eine liber­tä­re Deu­tung des Mar­xis­mus, muß sich aber von Geg­nern vor­hal­ten las­sen, daß sei­ne Auf­fas­sung über den Wert der »direk­ten Akti­on« denen der squadre ent­spricht und die über das Wesen des Par­la­men­ta­ris­mus eigent­lich den­je­ni­gen von Pare­to, den man zu den Vor­den­kern des ita­lie­ni­schen Faschis­mus rech­nen kann.

Bar­dè­che, Mau­rice (1907–1998),
fran­zö­si­scher Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und poli­ti­scher Akti­vist. B. ent­stammt einer Fami­lie der klei­nen Bour­geoi­sie, aber schon früh zeigt sich sei­ne unge­wöhn­li­che Intel­li­genz und er durch­läuft die Eli­te­schu­len der Repu­blik, 1928 schließt er als 13. von 29 die Eco­le nor­ma­le supé­ri­eu­re ab. Vier Jah­re spä­ter beginnt er ein Stu­di­um der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft an der Sor­bon­ne und wird 1940 mit einer Arbeit über Balzac pro­mo­viert. Poli­tik inter­es­siert ihn, aber sei­ne Auf­merk­sam­keit gilt ihr nur pha­sen­wei­se. So gehört B. zu den Intel­lek­tu­el­len­krei­sen der »Jun­gen Rech­ten «, reist mehr­fach nach Spa­ni­en und sym­pa­thi­siert mit der Falan­ge. Zusam­men mit sei­nem Schwa­ger, Robert Bra­s­il­lach, schreibt er eine Geschich­te des Bür­ger­kriegs. Anders als Bra­s­il­lach schließt er sich nach der Beset­zung Frank­reichs durch die Wehr­macht nicht der Kol­la­bo­ra­ti­on an. Das erklärt, war­um er bei den Säu­be­run­gen unge­scho­ren bleibt, wäh­rend Bra­s­il­lach erschos­sen wird. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg setzt B. sei­ne lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten fort, wobei vor allem sein gro­ßes Buch über Stendhal all­ge­mei­ne Aner­ken­nung fin­det, gleich­zei­tig betreibt er die Reha­bi­li­tie­rung Bra­s­il­lachs als Schrift­stel­ler und betä­tigt sich als poli­ti­scher Autor. Sei­ne Pam­phle­te zur Ver­tei­di­gung der Kol­la­bo­ra­ti­on und gegen das Nürn­ber­ger Tri­bu­nal errei­chen hohe Auf­la­gen. Das­sel­be gilt nicht für die spä­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen B.s, obwohl die von ihm her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift Défen­se de l’Occident eine ent­schei­den­de Bedeu­tung für die radi­ka­le Rech­te der fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­re gewinnt. Sei­ne Geg­ner irri­tiert B. dadurch, daß er einer­seits ein sub­li­mer Kopf von unbe­streit­ba­rer Bil­dung ist, ande­rer­seits ein Ver­fech­ter »kri­mi­nel­ler Ideen« (für deren Ver­brei­tung er mehr­fach gericht­lich belangt und zu Gefäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt wird), ein Geg­ner der Ideen von 1789, der jedes Jahr einen Kranz an der Gedenk­stät­te der erschos­se­nen Kom­mu­nar­den nie­der­legt, und der letz­te Intel­lek­tu­el­le, der sich offen als »Faschist« bezeichnet.

Bot­tai, Giu­sep­pe (1895–1959),
ita­lie­ni­scher Autor und Poli­ti­ker. B. ent­stammt einer bür­ger­li­chen Fami­lie und wächst in libe­ra­ler Atmo­sphä­re auf. Sei­ne jun­gen Jah­re sind von einer gewis­sen Ziel­lo­sig­keit bestimmt, die erst durch den Kriegs­aus­bruch ein Ende fin­det. B. mel­det sich frei­wil­lig und gehört seit 1917 zum Eli­te­ver­band der ardi­ti, gleich­zei­tig ver­stärkt sich sein Kon­takt zur Sze­ne der Futu­ris­ten. Erst die Erfah­rung des »ver­lo­re­nen Sie­ges« führt zur Poli­ti­sie­rung im genaue­ren Sinn, bereits Ende August 1919 – weni­ge Mona­te nach deren Grün­dung – schließt er sich den Fasci di Com­bat­ti­men­to an. Er über­nimmt die Lei­tung des römi­schen Ver­ban­des und gehört zu den Geg­nern der gewalt­tä­ti­gen Squa­dris­ten. Nach Mus­so­li­nis Macht­über­nah­me grün­det er 1924 die Zeit­schrift Cri­ti­ca fascis­ta, die es sich zur Auf­ga­be macht, Fehl­ent­wick­lun­gen des Regimes auf­zu­zei­gen: die Kon­trol­le der Kul­tur, die Büro­kra­ti­sie­rung, den Macht­miß­brauch durch Funk­ti­ons­trä­ger, die Medio­kri­tät vie­ler Reprä­sen­tan­ten des PNF. In Reak­ti­on dar­auf wird B. aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen, aller­dings kur­ze Zeit spä­ter wie­der auf­ge­nom­men. Obwohl sei­ne Vor­be­hal­te gegen­über bestimm­ten Erschei­nun­gen des Regimes und sein Ein­tre­ten für die geis­ti­ge Frei­heit bekannt sind, macht er in den nächs­ten Jah­ren Kar­rie­re. Zwi­schen 1926 und 1932 amtiert er zuerst als Staats­se­kre­tär, dann als Minis­ter für das Kor­po­ra­tiv­we­sen. Doch zieht er sich in die­ser Zeit die Geg­ner­schaft ein­fluß­rei­cher Indus­tri­el­ler zu, die im Kor­po­ra­ti­vis­mus die Gefahr sahen, daß der Faschis­mus »nach links« drif­tet. B. ver­liert sein Amt, wird mit klei­ne­ren Pos­ten abge­fun­den, hat aber als Gou­ver­neur von Rom maß­geb­li­chen Ein­fluß auf die reprä­sen­ta­ti­ve Umge­stal­tung der Haupt­stadt. Bei Beginn des Abes­si­ni­en­feld­zugs mel­det B. sich erneut frei­wil­lig, weil er hofft, daß die­ser Krieg hel­fen kön­ne, die Gewalt­tä­tig­keit des Faschis­mus zu kana­li­sie­ren und dann sei­ne Ener­gie auf die Orga­ni­sa­ti­on und Ent­wick­lung eines moder­nen Gemein­we­sens zu rich­ten. B. wird nach sei­ner Rück­kehr Erzie­hungs­mi­nis­ter und lei­tet eine Schul­re­form ein. Obwohl er zu den Geg­nern des Kriegs­ein­tritts gehört, mel­det er sich erneut zum Mili­tär­dienst und tut als Front­of­fi­zier in Grie­chen­land Dienst. Zu die­sem Zeit­punkt müs­sen sei­ne Zwei­fel an der Ent­wick­lung des Faschis­mus schon erheb­lich gewe­sen sein. Im Febru­ar 1943 ver­liert er sein Minis­ter­amt, weni­ge Monat spä­ter gehört er zum Kreis der­je­ni­gen, die im Groß­rat der Par­tei die Abset­zung Mus­so­li­nis beschlie­ßen. Er wird dar­auf­hin zum Tode ver­ur­teilt und über­lebt nur im Schutz des Vati­kans. In die­se Zeit fällt eine reli­giö­se Kri­se, an deren Ende sich B. end­gül­tig dem Katho­li­zis­mus zuwen­det. Nach der Beset­zung Roms durch die Alli­ier­ten wird in deren Auf­trag nach ihm gesucht, er tritt unter fal­schem Namen in die Frem­den­le­gi­on ein und nimmt an den letz­ten Kämp­fen in Ita­li­en, Frank­reich und Deutsch­land teil, um, wie er in einem Brief an sei­ne Fami­lie erklärt, für den »Man­gel an Urteils­kraft und mora­li­scher Stär­ke, der mich dar­an hin­der­te, der Dege­ne­ra­ti­on des Faschis­mus wirk­sa­men Wider­stand zu leis­ten, Buße zu tun«. Erst im Som­mer 1948 kehrt B. nach Ita­li­en zurück, grün­det die Zeit­schrift ABC, die in vie­lem der Cri­ti­ca fascis­ta ähnelt und das Ziel hat, eine Platt­form für Sozia­lis­ten, Bür­ger­li­che und Chris­ten zu bil­den, von der Lin­ken als »Tro­ja­ni­sches Pferd«, von den Neo­fa­schis­ten als fort­ge­setz­ter Ver­rat angefeindet.

Darnand, Joseph (1897–1945),
fran­zö­si­scher Poli­ti­ker und Unter­neh­mer, ent­stammt einer streng­gläu­bi­gen katho­li­schen Fami­lie, Frei­wil­li­ger im Ers­ten Welt­krieg, hoch deko­riert, kehrt erst 1921 in das Zivil­le­ben zurück und grün­det eine erfolg­rei­che Spe­di­ti­on in Niz­za, schließt sich der Action fran­çai­se an, ver­läßt sie aber Ende der zwan­zi­ger Jah­re wegen ihres Atten­tis­mus, wird Mit­glied in ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen der radi­ka­len Rech­ten, zum Schluß in der Unter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on Cagoule; wegen sei­ner Ver­wick­lung in einen Waf­fen­trans­port, der der Vor­be­rei­tung eines Putschs gedient haben soll, ver­haf­tet man D. 1938 und ver­ur­teilt ihn zu sechs Mona­ten Gefäng­nis. Nach Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs mobi­li­siert, führt er eine Sabo­ta­ge­ein­heit und erhält die Roset­te zum Kreuz der Ehren­le­gi­on weil er den Leich­nam eines gefal­le­nen Freun­des unter Lebens­ge­fahr aus feind­li­chem Gebiet gebor­gen hat; D. erscheint als »Held« auf der Titel­sei­te der Illus­trier­ten Paris Match. Von der Wehr­macht gefan­gen­ge­nom­men, flieht D. nach kur­zer Zeit aus dem Lager und kommt nach Vichy. Er stellt sich Pétain zur Ver­fü­gung, ver­folgt aber von Anfang an eige­ne poli­ti­sche Zie­le, die über die übli­che Vor­stel­lung von »Kol­la­bo­ra­ti­on« hin­aus­ge­hen. D. orga­ni­siert den para­mi­li­tä­ri­schen Ser­vice d’ordre légionn­aire im nicht besetz­ten Teil Frank­reichs. Er besucht zum ers­ten Mal Deutsch­land und ist sehr beein­druckt. Einem Freund gegen­über äußert er, daß man die Zusam­men­ar­beit mit den eigent­lich ver­haß­ten boches nicht nur akzep­tie­ren, son­dern for­cie­ren müs­se: sieg­ten die Alli­ier­ten, wer­de das alte Regime wie­der­keh­ren, sieg­ten die Deut­schen im Bünd­nis mit den Fran­zo­sen, bestehe Aus­sicht auf ein »faschis­ti­sches Euro­pa«. 1943 wird der Ser­vice in die Mili­ce fran­çai­se umge­formt, deren Gene­ral­se­kre­ta­ri­at und fak­ti­sche Füh­rung D. über­nimmt. Die Mili­ce ähnelt in ihren Struk­tu­ren und ihrem Auf­tre­ten der deut­schen SS, koope­riert auch mit ihr, etwa in bezug auf den Feld­dienst in der fran­zö­si­schen Waf­fen-SS. Unter den sich ver­schär­fen­den Bedin­gun­gen des Krie­ges – und des Bür­ger­kriegs in Frank­reich – ist die Mili­ce vor allem Instru­ment des Ter­rors wie des Gegen­ter­rors und unter­stützt die Arbeit der Behör­den bei der Depor­ta­ti­on der fran­zö­si­schen Juden. D.s Auf­stieg zum Staats­se­kre­tär im Juni 1944 kommt schon kaum noch prak­ti­sche Bedeu­tung zu. Mit einer gro­ßen Zahl von Mili­zio­nä­ren über­schrei­tet er schließ­lich die Gren­ze nach Deutsch­land und hält sich mit dem Rest des Vichy-Regimes in Sig­ma­rin­gen auf. Er geht aber noch im April 1945 nach Nord­ita­li­en, um an der Sei­te der letz­ten ita­lie­ni­schen Ver­bän­de zu kämp­fen. Bri­ti­sche Agen­ten neh­men D. fest und lie­fern ihn an die neue fran­zö­si­sche Regie­rung aus. Er wird erwar­tungs­ge­mäß zum Tode ver­ur­teilt, wei­gert sich ein Gna­den­ge­such zu unter­schrei­ben und stirbt am 10. Okto­ber des Jah­res unter den Kugeln eines Pelotons.

Léon Degrel­le (1906–1994),
bel­gi­scher Jour­na­list, Poli­ti­ker und Offi­zier der Waf­fen-SS. D. ent­stammt dem bür­ger­li­chen katho­li­schen Milieu und beginnt sei­ne Lauf­bahn als Jour­na­list der kirch­lich ori­en­tier­ten Pres­se. Bereits in jun­gen Jah­ren über­nimmt er die Lei­tung der Edi­ti­ons Rex, eines katho­li­schen Ver­lags­hau­ses (der Name lei­tet sich von »Chris­tus Rex« her) in Brüs­sel, dem er eine radi­ka­le­re Aus­rich­tung gibt, was ihn prompt in Kon­flikt mit dem Kle­rus bringt. Unter dem Ein­fluß der auch in Bel­gi­en ver­brei­te­ten Schrif­ten von Charles Mau­rras und der Ideen der Action fran­çai­se bekämpft D. die kom­pro­miß­be­rei­te Hal­tung der wal­lo­ni­schen Kir­chen­füh­rung und der katho­li­schen Volks­par­tei. Die kri­sen­haf­te Ent­wick­lung der drei­ßi­ger Jah­re, die auch vom Erstar­ken des flä­mi­schen Natio­na­lis­mus gekenn­zeich­net ist, nutzt D., um sei­ne Anhän­ger­schaft 1935 im Mou­ve­ment Natio­nal Rexis­te zu orga­ni­sie­ren. Die Rexis­ten bil­den eine mili­tan­te katho­li­sche Bewe­gung, die mit auto­ri­tä­ren Ideen sym­pa­thi­siert, aber nicht im eigent­li­chen Sinn faschis­tisch ist. Das ändert sich erst unter dem Ein­druck der deut­schen Beset­zung Bel­gi­ens 1940, die D. als Urteil über den bis­he­ri­gen Staat emp­fin­det. Bis dahin hat er einen kon­se­quen­ten Neu­tra­lis­mus emp­foh­len. Trotz­dem wird er vor Beginn der Feind­se­lig­kei­ten als poten­ti­el­ler Hoch­ver­rä­ter über die Gren­ze nach Frank­reich gebracht, ver­haf­tet, von der Geheim­po­li­zei ver­hört und gefol­tert. Nach sei­ner Rück­kehr ent­schließt sich D. zur Kol­la­bo­ra­ti­on, nicht aus Kal­kül, son­dern weil er der Über­zeu­gung ist, daß das »Abend­land« nur eine Zukunft habe in einem star­ken, anti­kom­mu­nis­ti­schen und gegen die angel­säch­si­schen Mäch­te abge­schlos­se­nen Staa­ten­bund unter deut­scher Füh­rung. Gewis­se Vor­be­hal­te gegen­über Hit­ler schwin­den und machen rück­halt­lo­ser Bewun­de­rung Platz. D. formt die rexis­ti­sche Bewe­gung end­gül­tig in eine faschis­ti­sche Par­tei um. Gleich­zei­tig bie­tet er der deut­schen Füh­rung mili­tä­ri­sche Hil­fe im Kampf gegen die Sowjet­uni­on an, in der Hoff­nung, so Bel­gi­en bezie­hungs­wei­se einem »bur­gun­di­schen« Zukunfts­staat mehr Selb­stän­dig­keit in Hit­lers »Neu­em Euro­pa« zu garan­tie­ren. Unter sei­ner poli­ti­schen – nicht mili­tä­ri­schen – Füh­rung ent­steht die SS-Sturm­bri­ga­de »Wal­lo­ni­en«, spä­ter 28. SS-Frei­wil­li­gen-Pan­zer­gre­na­dier-Divi­si­on »Wal­lo­ni­en«. Degrel­le wird mit dem Eiser­nen Kreuz bei­der Klas­sen, dem Rit­ter­kreuz und dem Eichen­laub zum Rit­ter­kreuz aus­ge­zeich­net, er erhält den Rang eines Stan­dar­ten­füh­rers der Waf­fen-SS. 1945 flieht er nach Spa­ni­en und erhält dort Asyl ange­sichts der dro­hen­den Aus­lie­fe­rung und Ver­ur­tei­lung in Bel­gi­en. Er baut sich eine neue Exis­tenz als Geschäfts­mann auf, tritt aber auch regel­mä­ßig mit poli­ti­schen Stel­lung­nah­men her­vor, in denen er sei­ne Hand­lun­gen wäh­rend der Kriegs­zeit aus­drück­lich rechtfertigt.

Fari­nac­ci, Rober­to (1892–1945),
ita­lie­ni­scher Poli­ti­ker; F. wächst in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen auf und ver­läßt früh die Schu­le, nimmt eine Beschäf­ti­gung bei den ita­lie­ni­schen Staats­bah­nen an und arbei­tet in Gewerk­schaft und sozia­lis­ti­scher Par­tei mit. Aller­dings gehört er zu den »Inter­ven­tio­nis­ten«, mel­det sich 1915 frei­wil­lig zur Armee und bricht nach dem Krieg mit der Lin­ken unter dem Ein­druck ihres inter­na­tio­na­lis­ti­schen und pazi­fis­ti­schen Kur­ses. Er wech­selt zu den Fasci di Com­bat­ti­men­to und steigt bin­nen kur­zem zum gefürch­te­ten »Ras« von Cre­mo­na auf. Sei­ne squadre über­zie­hen die Regi­on mit immer neu­en Gewalt­ta­ten und ter­ro­ri­sie­ren jeden Geg­ner. Obwohl Mus­so­li­ni F.s Roheit mit Skep­sis sieht, macht er ihn nach dem »Marsch auf Rom« zum Gene­ral­se­kre­tär des PNF. F. gilt Mit­te der zwan­zi­ger Jah­re als der zwei­te Mann des neu­en Regimes. Dem jähen Auf­stieg folgt aber ein eben­so jäher Sturz. Mus­so­li­ni läßt F. 1926 sei­nes Amtes ent­he­ben, was mög­li­cher­wei­se auch damit zu tun hat, daß der die Mör­der des Sozia­lis­ten Matteot­ti deckt, die man in der faschis­ti­schen Miliz ver­mu­tet. Für ein Jahr­zehnt bleibt F. fern von jeder Macht. Er kon­zen­triert sich in die­ser Zeit vor allem auf sei­ne Zei­tung Il regime fascis­ta, in der er auf tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Miß­stän­de hin­weist und immer dras­ti­sche Abhil­fe ver­langt. Obwohl eini­ge sei­ner Anschul­di­gun­gen wohl begrün­det sind, betrach­tet Mus­so­li­ni ihn als Stö­ren­fried. Die Situa­ti­on ändert sich erst, nach­dem F. im Abes­si­ni­en­feld­zug und in einem ita­lie­ni­schen Frei­wil­li­gen­korps wäh­rend des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs gedient hat. Mus­so­li­ni nimmt ihn in den Groß­rat des Faschis­mus auf und ernennt ihn 1938 zum Minis­ter. F. hat in die­ser Zeit schon enge Kon­tak­te zum NS-Regime in Deutsch­land und bewun­dert des­sen Orga­ni­sa­ti­on. Er lernt Hit­ler eben­so wie Goe­b­bels per­sön­lich ken­nen und gehört zu den trei­ben­den Kräf­ten, die die Über­nah­me der anti­se­mi­ti­schen Ras­sen­ge­set­ze in Ita­li­en errei­chen. F. gilt in den Rei­hen der faschis­ti­schen Par­tei­spit­ze als Befür­wor­ter eines ita­lie­ni­schen nazis­mo. Fol­ge­rich­tig begrüßt er als einer der weni­gen den Kriegs­ein­tritt an der Sei­te des Rei­ches. Nach Beginn des Kon­flikts betrach­tet er die Bekämp­fung der inne­ren Fein­de als sei­ne Haupt­auf­ga­be. Schon einen Monat vor der Sit­zung des Groß­rats am 25. Juli 1943, bei der Mus­so­li­ni abge­setzt wird, hat er den duce gewarnt, aber kein Gehör gefun­den. F. flieht nach Deutsch­land und kehrt erst nach Errich­tung der »Repu­blik von Salo« zurück. Im April 1945 wird er von Par­ti­sa­nen auf­ge­grif­fen und liquidiert.

Fran­ke, Hel­mut (1890– ? ),
See­of­fi­zier wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs, dann Ein­tritt in die Bri­ga­de Ehr­hardt, Betei­li­gung am Kapp-Putsch, trotz­dem Über­nah­me in die Reichs­wehr, 1921 aus­ge­schie­den auf eige­nen Wunsch. Fran­ke bezeich­ne­te sich als »rei­ner Mili­ta­rist« und »natio­na­ler Anar­chist«, sei­ne Tätig­keit als Funk­tio­när des »Stahl­helm – Bund der Front­sol­da­ten« betrach­te­te er nur als Über­gang, um einen Umsturz vor­zu­be­rei­ten. Bekannt gewor­den ist sein Kon­kur­renz­pro­jekt zum Hit­ler- Putsch von 1923 – eine Mili­tär­dik­ta­tur unter Füh­rung des Chefs der Reichs­wehr, Hans von Seeckt –, weil ent­spre­chen­de Auf­zeich­nun­gen der lin­ken Pres­se zuge­spielt und ver­öf­fent­licht wer­den. Ein Jahr spä­ter kann Fran­ke die Stahl­helm­füh­rung davon über­zeu­gen, die bis dahin recht bie­de­re Bun­des­zei­tung für die Köp­fe der natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Intel­li­genz zu öff­nen. Fran­ke zieht neben Franz Schau­we­cker und Wer­ner Beu­mel­burg auch den noch rela­tiv unbe­kann­ten Ernst Jün­ger zur Mit­ar­beit für die Bei­la­ge Stan­dar­te her­an, die kur­ze Zeit spä­ter in eine selb­stän­di­ge Monats­schrift über­führt wird. Nach einem Ver­bot wegen repu­blik­feind­li­cher Het­ze ver­las­sen Fran­ke und Jün­ger die Stan­dar­te und grün­den ohne Deckung durch den Stahl­helm die Zeit­schrift Armi­ni­us als »Kampf­blatt des neu­en Natio­na­lis­mus«, der aller­dings auch nur ein kur­zes Leben beschie­den ist. F. gehört zu den ganz weni­gen Ver­tre­tern der revo­lu­tio­nä­ren Rech­ten in Deutsch­land, die sich expli­zit als »Faschis­ten« bezeich­nen; er benutzt den Begriff aller­dings im Sinn eines Sam­mel­na­mens für alle natio­na­lis­ti­schen, anti­kom­mu­nis­ti­schen und anti­li­be­ra­len Bewe­gun­gen. Eine Erfolgs­aus­sicht für ent­spre­chen­de Strö­mun­gen sieht er in Deutsch­land aber kaum, nach­dem sich auch Hit­ler zu Lega­li­tät und Wahl­be­tei­li­gung ent­schlos­sen hat. F. geht Ende der zwan­zi­ger Jah­re nach Süd­ame­ri­ka und ist dort verschollen.

Hedil­la, Manu­el (1902–1970),
spa­ni­scher Gewerk­schafts­füh­rer und Poli­ti­ker. H. ent­stammt ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen, wird zum Schiffs­me­cha­ni­ker aus­ge­bil­det und schließt sich der Arbei­ter­be­we­gung an. Aller­dings nährt die Ent­wick­lung der spa­ni­schen Lin­ken Zwei­fel in ihm und 1934 geht er zu José Anto­nio Pri­mo de Rive­ra über, der ihn beauf­tragt, die »natio­nal­syn­di­ka­lis­ti­schen « Ideen der Falan­ge wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Im Früh­jahr 1935 über­nimmt H. die Lei­tung der Par­tei in der Pro­vinz San­tan­der, nach der Ver­haf­tung und Liqui­die­rung José Anto­ni­os durch die Repu­bli­ka­ner die der Gesamt­or­ga­ni­sa­ti­on. H. gehört zu den ganz weni­gen Füh­rern der Falan­ge im Auf­stands­ge­biet und es gelingt ihm, acht­zig­tau­send Frei­wil­li­ge für den Kampf zu mobi­li­sie­ren. Aber sei­ne Posi­ti­on ist in der Bewe­gung nicht unum­strit­ten und er steht dem Plan Fran­cos im Weg, die Falan­ge mit ande­ren Kräf­ten des »natio­na­len Lagers « zusam­men­zu­schlie­ßen; er ver­wei­gert sich vor allem der Absicht, die Kar­lis­ten in eine Samm­lungs­be­we­gung auf­zu­neh­men. Infol­ge­des­sen kommt es zum Bruch mit Fran­co; H. erklärt öffent­lich, daß die Falan­ge der Schaf­fung der neu­en Ein­heits­par­tei, die ihren Namen tra­gen soll, die Zustim­mung ver­wei­ge­re und lehnt den Pos­ten eines Gene­ral­se­kre­tärs ab. Er ver­sucht, sich Rücken­de­ckung bei Hit­ler gegen den »reak­tio­nä­ren « Kurs zu ver­schaf­fen, aber ver­geb­lich, es kommt zu schar­fen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Falan­ge und schließ­lich wird H. auf Befehl Fran­cos ver­haf­tet, vor ein Mili­tär­ge­richt gestellt und zum Tod ver­ur­teilt. 1941 kas­siert Fran­co das Urteil und ver­bannt H. auf die Balea­ren, 1947 darf er zurück­keh­ren, sich aber nicht poli­tisch betä­ti­gen. Nach­dem der Dik­ta­tor eine gewis­se Libe­ra­li­sie­rung in Aus­sicht stellt, kün­digt H. 1968 an, eine Grup­pie­rung inner­halb der Staats­par­tei zu bil­den. Dazu kommt es aber nicht mehr, obwohl H. von eini­gen Jung­fa­lan­gis­ten als Ver­tre­ter der »rei­nen Leh­re« betrach­tet wird; ihnen ent­geg­net er resi­gniert: »Fran­co hat die Falan­ge im April 1937 getö­tet. Es ist nicht mög­lich, einen Leich­nam wiederzubeleben.«

Mala­par­te, Cur­zio (1898–1957),
eigent­lich Kurt Erich Suckert, schließt sich nach Kriegs­aus­bruch 1914 einem ita­lie­ni­schen Frei­wil­li­gen­ver­band – der »Legi­on Gari­bal­di« – an, um auf fran­zö­si­scher Sei­te gegen die Mit­tel­mäch­te zu kämp­fen, 1915 Über­tritt in die ita­lie­ni­sche Armee, mehr­fach wegen Tap­fer­keit aus­ge­zeich­net. Nach Kriegs­en­de schlägt M. eine diplo­ma­ti­sche Lauf­bahn ein, wird nach War­schau ent­sandt. Er ist fas­zi­niert von der »gro­ßen Welt«, wird sei­nem Ruf als Frau­en­held gerecht und mehr­fach in Duel­le ver­wi­ckelt. Nach Ita­li­en zurück­ge­kehrt, schließt er sich avant­gar­dis­ti­schen Zir­keln an und pro­pa­giert eine pro­le­ta­ri­sche Revo­lu­ti­on. 1922 tritt M. der faschis­ti­schen Par­tei bei, schreibt eine Theo­rie des »natio­na­len Syn­di­ka­lis­mus« und inter­pre­tiert die Bewe­gung als Wider­stand gegen die Moder­ne. Nach dem »Marsch auf Rom« wird M. Poli­ti­scher Gene­ral­inspek­teur des PNF, kri­ti­siert aber noto­risch des­sen Kurs, den er als oppor­tu­nis­tisch und libe­ral emp­fin­det. Erst die Errich­tung des »tota­len Staa­tes« fin­det sei­ne Zustim­mung. 1929 reist M. in die Sowjet­uni­on und ist beein­druckt von den Metho­den der Plan­wirt­schaft und der bol­sche­wis­ti­schen Poli­tik. In der Kon­se­quenz ver­öf­fent­licht er sein Buch Staats­streich, in dem er unter ande­rem das Schei­tern Hit­lers vor­aus­sagt. Dann wird ihm sei­ne Betei­li­gung an ver­schie­de­nen Intri­gen in der Füh­rung der Par­tei zum Ver­häng­nis. Im Janu­ar 1931 ver­liert M. alle Ämter, wird spä­ter auch inhaf­tiert und auf die Insel Lipa­ri ver­bannt. 1936 von allen Ankla­gen frei­ge­spro­chen, wen­det sich M. wie­der der Lite­ra­tur und der Arbeit als Jour­na­list zu. Am Zwei­ten Welt­krieg nimmt er als Kriegs­kor­re­spon­dent in Frank­reich, Ruß­land und Finn­land teil. 1944 erscheint die ers­te Aus­ga­be von Kaputt, die sei­ne Kriegs­er­leb­nis­se bilan­ziert, in einem Euro­pa, das zu einer »Fami­lie von Feig­lin­gen und Mör­dern« gewor­den ist. Ange­wi­dert von dem Ver­such, die bür­ger­li­che Vor­kriegs­ord­nung wie­der­her­zu­stel­len, bean­tragt M. nach dem Zusam­men­bruch des faschis­ti­schen Regimes sei­ne Auf­nah­me in die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei. Deren Füh­rung stimmt zu, aber als M. sei­nen Mit­glieds­aus­weis erhält, schickt er ihn zurück und geht zu einem schar­fen Anti­kom­mu­nis­mus über. 1949 ver­öf­fent­licht er das Buch Die Haut, in dem er die Beset­zung Nea­pels durch die Ame­ri­ka­ner beschreibt. 1957 reist er noch ein­mal in die Sowjet­uni­on, dann in das mao­is­ti­sche Chi­na. Wie­der neigt er zu einer posi­ti­ven Ein­schät­zung des Kom­mu­nis­mus an der Macht, stirbt aber kurz nach sei­ner Rück­kehr in Italien.

Sarf­at­ti, Mar­ghe­ri­ta (1880–1961),
mit Geburts­na­men Gras­si­ni, ent­stammt einer rei­chen jüdi­schen Fami­lie Vene­digs und erhält eine außer­or­dent­lich sorg­fäl­ti­ge Erzie­hung. Schon in jun­gen Jah­ren inter­es­siert man sie für Phi­lo­so­phie, Kunst und Lite­ra­tur, zeigt sie sich beein­druckt von Scho­pen­hau­er und Nietz­sche und den Kon­zep­ten der Avant­gar­de. Früh hat sie Kon­takt zu femi­nis­ti­schen Zir­keln, setzt gegen den Wil­len der Eltern die Hei­rat mit einem wesent­lich älte­ren Mann, dem Anwalt Cesa­re Sarf­at­ti, durch und nimmt zur all­ge­mei­nen Über­ra­schung nach­hal­ti­gen Ein­fluß auf ihren Ehe­mann. Der bricht mit sei­nen libe­ra­len und zio­nis­ti­schen Ideen, schließt sich wie sei­ne Frau der radi­ka­len Lin­ken an und unter­stützt vor allem die sozia­lis­ti­sche Par­tei. S. bringt kurz hin­ter­ein­an­der zwei Söh­ne zur Welt, ohne daß sie das an ihrer Tätig­keit als Jour­na­lis­tin hin­dert. 1913 macht ihr Mann sie mit Mus­so­li­ni, dem Direk­tor der Par­tei­zei­tung Avan­ti, bekannt, kurz dar­auf wird sie sei­ne Gelieb­te. Obwohl sie sich vom machis­mo Mus­so­li­nis abge­sto­ßen fühlt, ist die ero­ti­sche Anzie­hungs­kraft außer­or­dent­lich, und S. dul­det nicht nur die Ehe Mus­so­li­nis, son­dern spä­ter auch des­sen ande­re Affä­ren. Sie akzep­tiert sei­nen Radi­ka­lis­mus in der Vor­kriegs­zeit eben­so wie den fol­gen­den Bruch mit der Par­tei und die Schaf­fung der faschis­ti­schen Bewe­gung. Mehr noch: S. nimmt nach­hal­ti­gen Ein­fluß auf Mus­so­li­nis Ent­wick­lung in der ent­schei­den­den Pha­se zwi­schen 1919 und 1922, redi­giert mit ihm gemein­sam die Leit­ar­ti­kel für die neue Zei­tung Popo­lo d’Italia, macht ihn mit ihren Freun­den aus dem Kreis der Futu­ris­ten bekannt, for­ciert die Klä­rung der ideo­lo­gi­schen Prä­mis­sen und flößt ihm die Idee ein, durch Rück­griff auf das anti­ke Rom einen neu­en Mythos zu stif­ten. Mit S. zusam­men grün­det Mus­so­li­ni die Zeit­schrift Ger­ar­chia – »Hier­ar­chie«, in der sich zum ers­ten Mal das Gan­ze der faschis­ti­schen Ideo­lo­gie nie­der­schlägt. Die enge Bezie­hung bleibt auch nach dem »Marsch auf Rom« gewahrt, S. behält vor allem Ein­fluß auf die Pres­se­ar­beit. Aller­dings ver­schie­ben sich die Macht­ver­hält­nis­se in der Liai­son. Mus­so­li­ni ist immer weni­ger bereit, auf Rat­schlä­ge zu hören, S. neigt mehr und mehr zu unkri­ti­scher Bewun­de­rung. Ihr 1925 zuerst in eng­li­scher Spra­che erschie­ne­nes Buch Dux – die ers­te Bio­gra­phie Mus­so­li­nis – legt Zeug­nis von die­ser Distanz­lo­sig­keit ab. Bis zum Beginn der drei­ßi­ger Jah­re ent­frem­det sich das Paar und Mus­so­li­ni wen­det sich ande­ren Frau­en und ande­ren Ideen zu. 1938 ver­läßt S. Ita­li­en, nach­dem das faschis­ti­sche Regime anti­se­mi­ti­sche Geset­ze nach deut­schem Mus­ter ein­ge­führt hat. Sie geht nach Argen­ti­ni­en und kehrt erst kurz vor ihrem Tod in die alte Hei­mat zurück.

Oswald Mos­ley (1896–1980),
bri­ti­scher Poli­ti­ker. M. ent­stammt einer adli­gen Fami­lie anglo-iri­schen Ursprungs, er nimmt als Kavallerie‑, dann als Luft­waf­fen­of­fi­zier am Ers­ten Welt­krieg teil, muß aber schon 1917 wegen einer Ver­wun­dung aus dem akti­ven Dienst aus­schei­den. Er ent­schließt sich zu einer poli­ti­schen Lauf­bahn und gewinnt ein Jahr spä­ter einen Unter­haus­sitz für die Kon­ser­va­ti­ven. Im Par­la­ment ist er der zweit­jüngs­te Abge­ord­ne­te und erwirbt sich einen Ruf als glän­zen­der Red­ner. Aller­dings führt sein außer­or­dent­li­ches Selbst­be­wußt­sein bald zu Kon­flik­ten mit der Par­tei und wegen sei­ner Kri­tik an der bru­ta­len Irland-Poli­tik bricht er mit den Kon­ser­va­ti­ven, bleibt vor­über­ge­hend als Unab­hän­gi­ger im Unter­haus und wech­selt 1924 zu Labour, wo er sich prompt dem lin­ken Flü­gel anschließt. Nach den Wah­len von 1929, die Labour gewinnt, hofft M. auf einen ein­fluß­rei­chen Kabi­netts­pos­ten, sieht sich aber in ein Minis­te­ri­um ohne Geschäfts­be­reich abge­scho­ben. Sei­ne Vor­schlä­ge zur Lösung der Wirt­schafts­kri­se, vor allem zur Besei­ti­gung der Arbeits­lo­sig­keit, wer­den immer wie­der abge­lehnt. Dar­auf­hin ver­läßt M. auch sei­ne zwei­te poli­ti­sche Hei­mat und bil­det 1931 aus sei­ner per­sön­li­chen Gefolg­schaft die New Par­ty, die aller­dings voll­kom­men erfolg­los bleibt. M. geht ent­täuscht auf Rei­sen und besucht unter ande­rem Ita­li­en, wo er von Mus­so­li­ni emp­fan­gen wird. Er zeigt sich sehr beein­druckt vom faschis­ti­schen Regime und ent­schließt sich, nach sei­ner Rück­kehr in Groß­bri­tan­ni­en ähn­li­ches auf­zu­bau­en. Im Herbst 1932 grün­det er die Bri­tish Uni­on of Fascists (BUF), die optisch als Kopie des ita­lie­ni­schen Modells erscheint, aller­dings eine Pro­gram­ma­tik ver­ficht, die vor allem auf die Erhal­tung des Empi­re und die Schaf­fung eines geschlos­se­nen Wirt­schafts­raums zielt. M. begrüßt auch die Macht­über­nah­me Hit­lers, was mit all­ge­mei­nem Befrem­den quit­tiert wird und ihn viel an bür­ger­li­cher Unter­stüt­zung kos­tet. Er ori­en­tiert sich dar­auf­hin ganz offen am Natio­nal­so­zia­lis­mus und über­nimmt auch des­sen Anti­se­mi­tis­mus; aller­dings behält die BUF gleich­zei­tig eine pro­non­ciert lin­ke Aus­rich­tung und hat auch nach den Rück­schlä­gen von 1935/36 im Arbei­ter­vier­tel des Lon­do­ner East End eine star­ke Anhän­ger­schaft. Bei Wah­len kommt sie aber über Ach­tungs­er­fol­ge nicht hin­aus. Die Situa­ti­on spitzt sich zu, als der Kon­flikt zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land eska­liert. Der von der BUF pro­pa­gier­te Iso­la­tio­nis­mus fin­det trotz der ver­brei­te­ten Frie­dens­sehn­sucht kei­nen Anklang, da die bri­ti­schen Faschis­ten längst als »Fünf­te Kolon­ne« Hit­lers gel­ten. Obwohl Mos­ley aus­drück­lich betont, daß sei­ne Anhän­ger im Krieg ihrem Land gegen jeden Feind die­nen wer­den, läßt ihn die Regie­rung im Mai 1940 inhaf­tie­ren und bis Kriegs­en­de unter Haus­ar­rest stel­len. 1945 ent­las­sen, wird M. von ehe­ma­li­gen Gefolgs­leu­ten über­zeugt, eine neue Par­tei, das Uni­on Move­ment, zu grün­den, das in Abwand­lung frü­he­rer Plä­ne den Auf­bau einer »Nati­on Euro­pa« pro­pa­giert, aber ohne jede Reso­nanz bleibt, 1951 über­sie­delt er des­halb nach Irland, dann nach Paris. Ende der fünf­zi­ger Jah­re kehrt M. noch ein­mal kurz zurück, nach­dem der Aus­bruch ers­ter Ras­sen­un­ru­hen in Not­ting Hill die Chan­ce zu eröff­nen scheint, eine radi­ka­le »wei­ße« Bewe­gung zu schaf­fen. Aber auch mit die­sem Pro­jekt schei­tert M., der sich dar­auf­hin ins Pri­vat­le­ben zurückzieht.

Van Seve­ren, Joris (1894–1940),
eigent­lich Geor­ges Van Seve­ren, bel­gi­scher Poli­ti­ker. S. ent­stammt einer ange­se­he­nen flä­mi­schen Fami­lie, die sich dem ton­an­ge­ben­den wal­lo­ni­schen Bür­ger­tum assi­mi­liert hat. Er selbst zeigt aller­dings schon in jun­gen Jah­ren Sym­pa­thie für die flä­mi­sche Bewe­gung. Im Janu­ar 1915 zum Mili­tär­dienst ein­be­ru­fen, ver­wei­gert S. lan­ge Zeit die Beför­de­rung zum Offi­zier, um sei­ne Oppo­si­ti­on gegen­über der bel­gi­schen Armee­füh­rung unter Beweis zu stel­len, die die flä­mi­schen Rekru­ten als Kano­nen­fut­ter betrach­tet. Erst auf Wunsch eini­ger Kame­ra­den gibt er sei­nen Wider­stand auf, gerät aller­dings mehr­fach in Kon­flikt mit sei­nen Vor­ge­setz­ten wegen offe­nen Ein­tre­tens für sei­ne Lands­leu­te; er wird zwei­mal inhaf­tiert und degra­diert. Da die Regie­rung nach Ende des Krie­ges kei­nes ihrer Ver­spre­chen im Hin­blick auf die Bes­ser­stel­lung Flan­derns ein­hält, schließt sich S. der Front­par­tij an. Aus Ent­täu­schung über den Par­la­men­ta­ris­mus radi­ka­li­siert sich sei­ne Posi­ti­on aber rasch, und 1931 grün­det er eine eige­ne Par­tei, den Ver­bond van Dietse Natio­naal-Soli­d­aris­ten (Ver­di­na­so), der sehr stark faschis­ti­sche Züge auf­weist. Mit ande­ren flä­mi­schen Grup­pie­run­gen teilt Ver­di­na­so die Stoß­rich­tung gegen den bel­gi­schen Staat und die Aus­rich­tung an Katho­li­zis­mus und Selbst­be­stim­mung, was ihn unter­schei­det, ist der Sepa­ra­tis­mus und die Idee eines neu­en – »dietsen«, das heißt groß­nie­der­län­di­schen – Rei­ches. Die­se eher völ­ki­sche Ori­en­tie­rung gibt S. aller­dings weni­ge Jah­re spä­ter auf zuguns­ten der »bur­gun­di­schen« Idee einer Föde­ra­ti­on von Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den, Luxem­burg und Fran­zö­sisch-Flan­dern. Damit ein­her geht zuneh­men­de Distanz zum Faschis­mus, des­sen zen­tra­lis­ti­schen und tota­li­tä­ren Ideen S. immer skep­ti­scher gegen­über­steht. Bei Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs wen­det er sich mit äußers­ter Schär­fe gegen Hit­lers Aggres­si­ons­po­li­tik, wird aber trotz­dem als poten­ti­el­ler Ver­rä­ter in Haft genom­men, über die fran­zö­si­sche Gren­ze geschafft und ohne Urteil liqui­diert. Eini­ge Funk­tio­nä­re des Ver­di­na­so ent­schlie­ßen sich nach der Beset­zung Bel­gi­ens zur Kol­la­bo­ra­ti­on, ande­re bil­den eine der ers­ten Par­ti­sa­nen­grup­pen – Dietse Een­heid –, die den Kampf gegen die Deut­schen fortsetzt.

O’Duffy, Eoin (1892–1944),
eigent­lich Owen O., iri­scher Inge­nieur, schließt sich früh­zei­tig der Unab­hän­gig­keits­be­we­gung an, tritt 1917 in die Irisch-Repu­bli­ka­ni­sche Armee (IRA) ein und über­nimmt 1921 deren Füh­rung, nach Grün­dung des Iri­schen Frei­staa­tes auch das Kom­man­do über die neu gebil­de­te Poli­zei­be­hör­de. Aller­dings kommt es bald zu Kon­flik­ten mit der poli­ti­schen Spit­ze. Einer der Grün­de ist, daß O. die Links­ten­denz in der IRA miß­bil­ligt, deren Spit­ze sich sogar um Unter­stüt­zung Mos­kaus bemüht. 1933 wird er durch den Prä­si­den­ten der Repu­blik, Eam­on de Vale­ra, sei­nes Pos­tens ent­ho­ben. O. resi­gniert aber nicht, son­dern über­nimmt die Lei­tung der Army Com­ra­des Asso­cia­ti­on (ACA), ursprüng­lich ein Vete­ra­nen­ver­band, der sich all­mäh­lich in eine anti­kom­mu­nis­ti­sche Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on ver­wan­delt. O. benennt die ACA in Natio­nal Guard um, wegen der blau­en Hem­den, die die Ange­hö­ri­gen tra­gen, als blues­hirts bezeich­net. Die blues­hirts gewin­nen rasch eine brei­te Anhän­ger­schaft, der Stil ihres Auf­tre­tens wirkt aus­ge­spro­chen faschis­tisch. Aller­dings ori­en­tiert O. sich – trotz unver­hoh­le­ner Sym­pa­thie für Mus­so­li­ni – in ers­ter Linie an den Tra­di­tio­nen des iri­schen Natio­na­lis­mus, der katho­li­schen Sozi­al­leh­re und dem Gedan­ken der »Königs­herr­schaft Chris­ti«. Nach Aus­ein­an­der­set­zun­gen um ille­ga­le Auf­mär­sche wird die Natio­nal Guard ver­bo­ten. O. bil­det dar­auf­hin die Par­tei Fine Gael, die sich aber rasch gegen sei­ne radi­ka­le­ren Vor­stel­lun­gen wen­det; die dar­auf­hin gegrün­de­te Fascist Natio­nal Cor­po­ra­te Par­ty (wegen ihrer Uni­form­hem­den: green­s­hirts) ist ein Mißer­folg. Von den poli­ti­schen Tages­kämp­fen ent­täuscht, for­miert O. nach Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs einen Frei­wil­li­gen­ver­band – die Iri­sche Bri­ga­de – aus den Rei­hen von Blau- und Grün­hem­den und nimmt mit etwa sie­ben­hun­dert Mann auf der Sei­te Fran­cos an den Kämp­fen teil. Der Ein­satz dau­ert aller­dings nur ein hal­bes Jahr, und O.s Rück­kehr nach Irland bedeu­tet fak­tisch das Ende sei­ner Lauf­bahn. Sein Ange­bot, nach Beginn des Ruß­land­feld­zugs eine »Grü­ne Divi­si­on« zur Unter­stüt­zung Deutsch­lands zu rekru­tie­ren, wird in Ber­lin dan­kend abge­lehnt. Er stirbt noch vor Ende des Krie­ges; sein alter Riva­le de Vale­ra ord­ne­te ein Staats­be­gräb­nis an.

Valo­is, Geor­ges (1878–1945),
eigent­lich Alfred-Geor­ges Gres­sent, fran­zö­si­scher Autor und Poli­ti­ker. Valo­is ent­stammt ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen und ver­dient sich sei­nen Lebens­un­ter­halt eine Zeit­lang als Arbei­ter und See­mann, sym­pa­thi­siert mit der jako­bi­ni­schen Lin­ken und dem Anar­chis­mus, schließt sich aber zuletzt den Neo­roya­lis­ten der Action fran­çai­se (AF) an, von deren anti­bür­ger­li­cher und auto­ri­tä­rer Welt­an­schau­ung er fas­zi­niert ist. Dabei spielt die per­sön­li­che Bezie­hung zum spi­ri­tus rec­tor der AF, Charles Mau­rras, eine wich­ti­ge Rol­le, der sei­ner­seits in V. den Ver­bin­dungs­mann zu revo­lu­tio­nä­ren Tei­len des Pro­le­ta­ri­ats sieht, die viel­leicht Bereit­schaft zeig­ten, eine Mas­sen­ba­sis für den Sturz der Repu­blik zu lie­fern. Letzt­lich wird V. aber vom ziel­lo­sen Radi­ka­lis­mus der AF in der Vor­kriegs- wie der Burg­frie­dens­po­li­tik in der Kriegs­zeit ent­täuscht, wen­det sich Mit­te der zwan­zi­ger Jah­re von der Action ab und grün­det 1925 den Fais­ceau, die ers­te faschis­ti­sche Bewe­gung außer­halb Ita­li­ens. Die Kopie des Urmo­dells geht sehr weit, aber die Orga­ni­sa­ti­on erreicht nie­mals Mas­sen­wir­kung. Außer­dem ver­öf­fent­licht V. schon 1928 eine Schrift unter dem Titel Le Fascisme, in der er den Faschis­mus Mus­so­li­nis als reak­tio­när qua­li­fi­ziert und sich scharf gegen jede Art von Anti­se­mi­tis­mus aus­spricht. Im sel­ben Jahr wird der Fais­ceau auf­ge­löst, V. gibt danach die Zeit­schrift Nou­vel Age her­aus, die vor allem in non­kon­for­mis­ti­schen Zir­keln Leser fin­det. Er hält zwar an der Idee des Kor­po­ra­ti­vis­mus fest, nähert sich aber wie­der sehr stark der Lin­ken, 1935 will er sogar der sozia­lis­ti­schen Par­tei SFIO bei­tre­ten, sein Auf­nah­me­ge­such wird aller­dings abge­lehnt. V. pro­pa­giert außer­dem die »anti­fa­schis­ti­sche« Ein­heit, ohne damit Gehör zu fin­den. Nach der Beset­zung Frank­reichs durch die Deut­schen schließt er sich der Résis­tance an, wird am 18. Mai 1944 durch die Gesta­po ver­haf­tet und stirbt im Febru­ar 1945 an Ent­kräf­tung und einer Typhus­in­fek­ti­on im Lager Bergen-Belsen.

 Gastbeitrag

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