Ikonen des Widerstands – Propaganda im Irak

pdf der Druckfassung aus Sezession 34 / April 2010

von Nico Colmer

Zafer Mokadem hat im Westen – sagen wir – ein Imageproblem. Wenn es so etwas wie eine »Rangliste des arabischen Terrorismus« gibt, rangiert Mokadem wohl im oberen Viertel. Er ist das alte arabische Schlachtroß des stets umtriebigen Widerstandes – sei es gegen Israel, sei es gegen das jordanische Königshaus oder gegen die amerikanische Besatzungsmacht im Irak. An kaum einem Konflikt im Vorderen Orient der letzten 40 Jahre hat Mokadem nicht selbst teilgenommen. Er bezeichnet sich selbst als arabischer Sozialist, Nationalist, als Freiheitskämpfer und als Soldat der arabischen Sache. Er sitzt im libanesischen Pressehaus in Beirut und lauscht einer Veranstaltung. Es ist das alljährliche Jubiläum der Gründung der marxistischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Mokadem ist Mitte Sechzig, hat grauschwarzes Haar, trägt einen dicken Schnauzbart und einen Anzug. Beim Abspielen der libanesischen Nationalhymne vom Band erhebt er sich von seinem Stuhl.

 Gastbeitrag

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Wäh­rend er den Anspra­chen der Gra­tu­lan­ten aus den unter­schied­li­chen poli­ti­schen Frak­tio­nen lauscht, beob­ach­tet er den Saal wach­sam aus dem Augen­win­kel. Alte Ange­wohn­heit. An den Aus­gän­gen haben sich zwei Män­ner in Camou­fla­ge-Anzü­gen, schwar­zen Gefechts­wes­ten und Maschi­nen­pis­to­len pos­tiert – zum Schutz der Ver­an­stal­tung. Der Liba­non gilt als das Land mit der höchs­ten Agen­ten­dich­te. Stän­dig ist man auf der Hut vor Atten­tä­tern. Jun­ge paläs­ti­nen­si­sche Mäd­chen in ihren Trach­ten rei­chen Gebäck und Tee. Mar­wan Abdul­al von der PFLP steht am Red­ner­pult und skiz­ziert die Situa­ti­on in Paläs­ti­na, beschwört den Frei­heits­kampf der Paläs­ti­nen­ser, zu dem es kei­ne Alter­na­ti­ve gebe. Moka­dem hört ihm auf­merk­sam zu und nickt immer wie­der. Zwi­schen­durch bran­det Bei­fall unter den Besu­chern auf.
Seit 1968 gehört er der Ara­bisch-Sozia­lis­ti­schen Par­tei (Baath) an, die in Syri­en regiert und die bis zum Sturz Sad­dam Hus­seins im Jahr 2003 im Irak regier­te. Heu­te ist er Mit­glied des Polit­bü­ros sei­ner Par­tei, also ihrer obers­ten Füh­rungs­ebe­ne. 1970 kämpf­te er an der Sei­te der Paläs­ti­nen­si­schen Befrei­ungs­or­ga­ni­sa­ti­on PLO in Jor­da­ni­en und wur­de nach dem geschei­ter­ten paläs­ti­nen­si­schen Putsch­ver­such (»Schwar­zer Sep­tem­ber«) dort inhaf­tiert. Als 1982 die Israe­lis in den Liba­non ein­rück­ten, stand er eben­falls an vor­ders­ter Front. Gleich mehr­mals wur­de er sowohl vom liba­ne­si­schen als auch vom syri­schen Geheim­dienst inhaf­tiert. Seit eini­gen Jah­ren ist Moka­dem aller­dings in einer neu­en Mis­si­on unter­wegs: Er orga­ni­siert den Wider­stand im Irak mit. Damit gehört er wohl aus Washing­to­ner Sicht zu den gefähr­lichs­ten der­zeit leben­den Ter­ror-Funk­tio­nä­ren. Ins­ge­samt 35 ara­bi­sche Mili­zen gehö­ren zur »Natio­nal Iraqi Resis­tance« – zur natio­na­len ira­ki­schen Wider­stands­be­we­gung –, die Moka­dem orga­ni­siert und für die er uner­müd­lich im ara­bi­schen Raum wirbt.
Und die­ser Wider­stand hat ein genau­so gro­ßes Image­pro­blem wie Moka­dem selbst. Fast täg­lich errei­chen die west­li­che Welt Nach­rich­ten über Bom­ben­at­ten­ta­te auf Markt­plät­zen, in Moscheen und in Ein­kaufs­stra­ßen des Irak, bei denen zahl­rei­che Zivi­lis­ten getö­tet wer­den. Und fast täg­lich fal­len US-Sol­da­ten zwi­schen Euphrat und Tigris. Sie gera­ten in Hin­ter­hal­te, ihre Kon­vois wer­den ange­grif­fen, Scharf­schüt­zen töten US-Ame­ri­ka­ner, die durch die Stra­ßen patrouil­lie­ren: ein Land des Ter­rors und des Sterbens.

Doch was geschieht dort wirk­lich? Ein Name ist omni­prä­sent: Abu Mus­ab az-Zar­qa­wi. Die deut­sche Zei­tung Die Welt bezeich­ne­te den 2006 von US-ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­ten im Irak getö­te­ten gebo­re­nen Jor­da­ni­er gar als den »Mas­ter­mind des isla­mi­schen Ter­ro­ris­mus« über­haupt. Und in der Tat schien Zar­qa­wi dem Ter­ror­papst Osa­ma bin Laden in nichts nach­ge­stan­den zu haben. Gebo­ren wur­de Zar­qa­wi am 30. Okto­ber 1966 in klei­nen Ver­hält­nis­sen. Inter­na­tio­na­le Bekannt­heit erlang­te er, als ihn der dama­li­ge ame­ri­ka­ni­sche Außen­mi­nis­ter Powell Anfang 2003 vor dem UN-Sicher­heits­rat als ein Bei­spiel dafür erwähn­te, daß Sad­dam Hus­sein mit Ter­ro­ris­ten gemein­sa­me Sache mache. Wohl im Jahr 2002 reis­te Zar­qa­wi aus Afgha­ni­stan kom­mend über den Iran ins kur­disch-ira­ki­sche Berg­land, wo er bis zum Ein­marsch ame­ri­ka­ni­scher Trup­pen mit den »Ansar al Islam« aktiv war. Zugleich grün­de­te er sei­ne eige­ne Orga­ni­sa­ti­on »Al Tawhid wa al Dschi­had« (Ein­heit und Hei­li­ger Krieg). Im Früh­jahr 2003 ließ sich Zar­qa­wi in der ira­ki­schen Pro­vinz Anbar nie­der, von wo aus er angeb­lich wie­der­holt nach Syri­en reis­te. In der von Sun­ni­ten bewohn­ten Regi­on nörd­lich von Bag­dad, wo auch Baqu­ba liegt, beweg­te er sich wohl bis zu sei­nem Tod. Wie vie­le Tote genau auf sein Kon­to gehen, kann nie­mand so genau sagen – aber sein Gesicht wur­de welt­weit zum »Gesicht des Ter­rors« stilisiert.
Spricht man Zafer Moka­dem auf Zar­qa­wi und des­sen Rol­le im Irak als »Wider­stands­kämp­fer« an, ver­dreht er die Augen und muß lachen. »Ich wuß­te, daß die­se Fra­ge garan­tiert kom­men wird, aber ich kann Ihnen kei­nen Vor­wurf dar­aus machen«, ant­wor­tet Moka­dem und zieht aus einer alten brau­nen Leder­ak­ten­ta­sche einen Sta­pel Papie­re her­vor. »Ich habe mich dar­auf vor­be­rei­tet, wie sie sehen«, lacht er. Was er nun prä­sen­tiert, dürf­te Geheim­diens­ten das Was­ser im Mun­de zusam­men­lau­fen las­sen: eine akri­bi­sche Auf­lis­tung aller Ope­ra­tio­nen des Wider­stan­des im Irak seit der US-ame­ri­ka­ni­schen Besatzung.
»Wäh­rend die Zar­qa­wi-Grup­pe vor allem Zivi­lis­ten angreift und den Reli­gi­ons­kon­flikt, den es vor der US-ame­ri­ka­ni­schen Besat­zung im Irak so nie­mals gab, anheiz­te, haben wir immer einen mili­tä­risch durch­dach­ten Gue­ril­la­krieg gegen die Besat­zer geführt. Unser Kampf rich­tet sich aus­schließ­lich gegen mili­tä­ri­sche Zie­le, nicht gegen Zivi­lis­ten. Wir wol­len den Irak einen und nicht spal­ten!« Die Angrei­fer auf Zivi­lis­ten, so Moka­dem, han­del­ten nicht im Inter­es­se der Ara­ber, sie han­del­ten im Inter­es­se der west­li­chen Besat­zer. »Sie sind Sek­tie­rer, mit ihnen haben wir nichts zu tun. Eini­ge unse­rer Kame­ra­den wur­den sogar von der soge­nann­ten Al Kai­da getö­tet.« Zudem habe es Orga­ni­sa­tio­nen wie bin Ladens Netz­werk vor dem US-ame­ri­ka­ni­schen Ein­marsch in den Irak gar nicht gege­ben, gibt Moka­dem zu beden­ken. »Erst mit den Ame­ri­ka­nern kam auch der Ter­ror gegen Zivilisten.«
Der eigent­li­che Wider­stand wer­de vom Natio­na­len Ira­ki­schen Wider­stand orga­ni­siert: »Die­ser wur­de schon lan­ge vor dem Ein­marsch der US-Trup­pen vor­be­rei­tet. Ins­ge­samt 35 unter­schied­li­che Grup­pen ver­ei­ni­gen sich unter dem Dach des Wider­stan­des, dazu gehö­ren Ange­hö­ri­ge der ver­bo­te­nen Baath-Par­tei, Natio­na­lis­ten, Nas­se­ris­ten, Kur­den und vie­le isla­mi­sche Grup­pen. In die­sen Tagen reor­ga­ni­sie­ren wir uns.«
Eini­ge der ins­ge­samt 35 Grup­pen, die unter dem Dach des ira­ki­schen Wider­stan­des orga­ni­siert sind, sei­en vor 2003 ein­ge­fleisch­te Geg­ner des gestürz­ten Prä­si­den­ten Sad­dam Hus­sein gewe­sen, so Moka­dem. Eini­ge hät­ten sogar anfangs die USA unter­stützt. »Doch sie alle wur­den in Rekord­zeit des­il­lu­sio­niert. Das haben die USA immer­hin geschafft: Baathis­ten und Sad­dam-Geg­ner, frü­he­re Geg­ner, ste­hen heu­te Sei­te an Sei­te im Kampf gegen die frem­de Besatzungsmacht.«

Die Zie­le sei­en dabei klar defi­niert: »Für uns gilt Befrei­ung und Unab­hän­gig­keit. Wir for­dern nicht, wir haben unse­re Rech­te. Wir wol­len die Rech­te des Irak und des ara­bi­schen Vol­kes im gesam­ten Nahen Osten, die for­dern wir zurück. Das ist nicht mehr und nicht weni­ger, als jedes ande­re Volk für sich ein­for­dern kann und muß!« Aber auch die Abur­tei­lung der Kol­la­bo­ra­teu­re und Besat­zungs­ver­bre­cher sei wich­tig, so Moka­dem. Dies sei doch auch in Euro­pa nach dem Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges gesche­hen. Dar­über hin­aus for­dert der Wider­stand, daß die Rol­le der »Ter­ro­ris­ten« wie bei­spiels­wei­se die des erwähn­ten Zar­qa­wi aus­führ­lich unter­sucht wer­de. »Vor allem der letz­te Punkt wird außer­or­dent­lich inter­es­sant wer­den«, lacht Moka­dem. Doch es ist ein bit­te­res Lachen. »Es wird enorm wich­tig für die Ange­hö­ri­gen der Opfer Zar­qa­wis sein, zu erfah­ren, in wes­sen Inter­es­se die­se soge­nann­te ›Al Kai­da‹ tat­säch­lich handelt.«
Und in der Tat scheint an der Rol­le Zar­qa­wis und der »Al Kai­da« noch viel Klä­rungs­be­darf zu bestehen. Die deutsch­spra­chi­gen Medi­en hal­ten noch immer an den Rol­len­ver­tei­lun­gen der ehe­ma­li­gen Bush-Regie­rung in den USA fest: »Sie wis­sen, ich has­se es, Gewalt vor­her­zu­sa­gen, aber ich ver­ste­he nur die Natur der Kil­ler. Die­ser Bur­sche, Zar­qa­wi, ein Al-Kai­da-Ver­bün­de­ter (der übri­gens vor der Ent­fer­nung Sad­dam Hus­seins in Bag­dad war), ist noch auf frei­em Fuß im Irak. Und wie Sie sich viel­leicht erin­nern, ist es Teil sei­nes Ope­ra­ti­ons­plans, durch kalt­blü­ti­ges Töten Gewalt und Zwie­tracht unter den ver­schie­de­nen Grup­pen im Irak zu säen. Und wir müs­sen dabei hel­fen, Zar­qa­wi zu fin­den, so daß das ira­ki­sche Volk eine hel­le­re, glän­zen­de Zukunft haben kann.« Dies sag­te Geor­ge W. Bush wäh­rend einer Pres­se­kon­fe­renz in Washing­ton am 1. Juni 2004.
Der kana­di­sche Autor und Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät von Otta­wa, Michel Chos­su­dovs­ky, gehört zu den­je­ni­gen, die von Anfang an den »War on Ter­ror« der USA kri­tisch publi­zis­tisch beglei­ten und dort recher­chie­ren, wo die Main­stream-Medi­en schon lan­ge mit ihren eige­nen Recher­chen auf­hör­ten. So weist er dar­auf hin, daß selbst die Washing­ton Post in einem Arti­kel ein­räum­te, daß die Rol­le Zar­qa­wis vom Pen­ta­gon absicht­lich »ver­grö­ßert« wor­den sei, mit dem Ziel, die öffent­li­che Unter­stüt­zung für den von den USA und Groß­bri­tan­ni­en geführ­ten »Krieg gegen den Ter­ro­ris­mus« zu bestär­ken: »Die Zar­qa­wi-Kam­pa­gne wird in meh­re­ren inter­nen Mili­tär­do­ku­men­ten dis­ku­tiert. ›Zar­qa­wi diffamieren/fremdenfeindliche Ant­wort zum eige­nen Vor­teil nut­zen‹, heißt es in einer Lage­be­spre­chung des US-Mili­tärs aus dem Jahr 2004. Dar­in sind drei Vor­ge­hens­wei­sen auf­ge­lis­tet: ›Medi­en­ope­ra­tio­nen‹, ›Spe­zi­al­ope­ra­tio­nen (626)‹ (ein Hin­weis auf die Task For­ce 626, eine Eli­te-Ein­heit des US-Mili­tärs mit dem pri­mä­ren Auf­trag, im Irak hoch­ran­gi­ge Funk­tio­nä­re aus Hus­seins Regie­rung zu jagen) und ›PSYOP‹, die Bezeich­nung des US-Mili­tärs für Pro­pa­gan­daar­beit …« Das Pro­pa­gan­da­pro­gramm des US-Mili­tärs sei gemäß der Washing­ton Post »weit­ge­hend auf Ira­ker aus­ge­rich­tet gewe­sen«, aber scheint spä­ter in die US-Medi­en eben­so ein­ge­flos­sen zu sein. Ein wei­te­res inter­nes Doku­ment, wel­ches vom US-Mili­tär­haupt­quar­tier im Irak pro­du­ziert wor­den war, stellt fest, daß »das Zar­qa­wi PSYOP-Pro­gramm die bis­lang erfolg­reichs­te Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne ist.« Ein Ziel der PSYOP­Kam­pa­gne sei gewe­sen, durch die Beto­nung der Ter­ror­ak­te Zar­qa­wis und des aus­län­di­schen Ursprungs sei­ner Trup­pe einen Keil in den Auf­stand zu trei­ben, sag­ten mit dem Pro­gramm ver­trau­te Offi­zie­re. Es sei schwie­rig zu bestim­men, wie­viel für die Zar­qa­wi-Kam­pa­gne tat­säch­lich auf­ge­wen­det wur­de, so Chos­su­dovs­ky. Die US-Pro­pa­gan­da-Anstren­gun­gen im Irak allein im Jahr 2004 kos­te­ten nach Chos­su­dovs­kys Anga­ben ins­ge­samt 24 Mil­lio­nen Dol­lar, aber das beinhal­te­te sowohl den Bau von Büros und Woh­nun­gen für die betei­lig­ten Trup­pen als auch Radio­aus­strah­lun­gen und die Ver­tei­lung von Flug­blät­tern mit Zar­qa­wis Gesicht darauf.

Chos­su­dovs­ky beschreibt die­se Geheim­dienst­ope­ra­ti­on wie eine moder­ne Wer­be­kam­pa­gne: Die Pro­pa­gan­da prä­sen­tie­re unter Aus­nut­zung der west­li­chen Medi­en die Por­träts der Anfüh­rer hin­ter dem Ter­ror­netz­werk. Damit gebe sie dem Ter­ror ein ein­präg­sa­mes Gesicht. Zar­qa­wi als Tes­ti­mo­ni­al für den Glo­bal­ter­ro­ris­mus, vor dem kein west­li­cher Bür­ger, egal wo er sich gera­de auf­hält, letzt­end­lich sicher sei. Ohne Zar­qa­wi und bin Laden wür­de der »Krieg gegen den Ter­ror« schnell sei­nen Daseins­zweck verlieren.
Und Chos­su­dovs­ky geht noch wei­ter. Die Pen­ta­gon-Doku­men­te über Zar­qa­wi, die zur Washing­ton Post durch­si­cker­ten, hät­ten ent­hüllt, daß Al Kai­da im Irak eine rei­ne Medi­en-Erfin­dung sei. Das deckt sich durch­aus mit den Unter­la­gen von Zafer Moka­dem. »Das Kli­ma der Angst ist es, wel­ches für die Besat­zung im Irak bit­ter not­wen­dig ist«, sagt Moka­dem. »Vor uns braucht sich kein Ira­ker zu fürch­ten, sofern er nicht als Agent für die Besat­zer arbei­tet. Unser Ziel sind mili­tä­ri­sche Objek­te der Besat­zung, kei­ne Zivi­lis­ten. Die sind unse­re Brü­der und Schwes­tern, die wir befrei­en wol­len, nicht töten! Aber die Agen­ten der Kol­la­bo­ra­ti­ons­re­gie­rung des Irak ste­hen den aus­län­di­schen Geheim­diens­ten oft­mals in nichts nach.«
Daß Zar­qa­wi bei allen ande­ren ira­ki­schen Wider­stands­grup­pen ver­haßt war, daß nie­mand auch nur ansatz­wei­se mit ihm zusam­men­ar­bei­ten moch­te, hat da durch­aus sei­nen guten Grund. Moka­dem ist sich sicher: »Alles, was Zar­qa­wi angeb­lich oder tat­säch­lich getan haben soll, ölte die US-ame­ri­ka­ni­sche Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne. Wirk­lich alles! Vor allem war Zar­qa­wi im Schwer­punkt damit beschäf­tigt, Kon­flik­te zwi­schen Sun­ni­ten und Schii­ten zu schü­ren, anstatt gegen die Besat­zer vor­zu­ge­hen. Das hat weder etwas mit Frei­heits­kampf noch etwas mit isla­mi­scher Gesin­nung zu tun. Alles was er tat, führ­te direkt zur For­de­rung nach noch mehr alli­ier­ten Trup­pen im Irak und stör­te damit den Frei­heits­kampf des natio­na­len Wider­stan­des empfindlich!«
Und Zar­qa­wi war für noch etwas sinn­voll: Er wur­de stän­dig als Beleg geführt, daß es eine enge Ver­bin­dung zwi­schen Sad­dam Hus­seins Regie­rung und der Al Kai­da gab. Erin­nern wir uns zurück: Einer der angeb­li­chen Grün­de für den alli­ier­ten Ein­marsch im Irak war Hus­seins angeb­li­che Mit­ver­ant­wor­tung für die Anschlä­ge des 11. Sep­tem­ber 2001 in New York und Washing­ton. »Was für ein Unsinn!« Moka­dem ist wütend: »Man kann Sad­dam viel vor­wer­fen, aber nicht, daß er inter­na­tio­na­le Ter­ror­zel­len in sei­nem Land agie­ren ließ!« Und tat­säch­lich klingt auch die­se offi­zi­el­le US-Sto­ry wie­der wie an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Angeb­lich unter­hielt Zar­qa­wi sein Ter­ror­camp im Irak, in dem er Hun­der­te von Dschi­ha­dis­ten aus­ge­bil­det haben soll. Iro­ni­scher­wei­se soll die­ses Camp sich im kur­di­schen Nor­den des Lan­des befun­den haben – ein Land­strich, der bereits lan­ge vor 2003 unter US-Ein­fluß stand.
Zafer Moka­dem ist glaub­wür­dig. Er hat in sei­nem Leben Men­schen bis aufs Blut bekämpft, die er »Fein­de«, »Besat­zer« und »Zio­nis­ten « nennt. Gewalt ist für ihn ein Mit­tel, wel­ches zum Ein­satz kom­men muß, wenn Diplo­ma­tie und Reden nichts mehr bringt. Er hat also kei­nen Grund, sich hin­ter irgend­wel­chen Men­schen­rechts­flos­keln zu ver­ste­cken. Daher klingt es ehr­lich, wenn er zum Abschluß sagt: »Egal, was Sie aus dem Irak, aus Paläs­ti­na, aus dem Liba­non oder von sonst­wo hören. Fra­gen Sie sich immer: Wem nutzt es, wem scha­det es? Und dann blei­ben Sie dran und recher­chie­ren Sie!«

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