1. April 2010

Geistige Landesverteidigung?

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 35 / April 2010

Sezession fragt Udo Ulfkotte

Herr Dr. Ulfkotte, Sie unterrichten an der christlichen Universität Olivet in San Francisco »Geistige Landesverteidigung«.
Ja. Bis in die achtziger Jahre war das an Schulen in der Schweiz ein reguläres Fach. Das gab es auch in vielen anderen europäischen Ländern. Ursprünglich wurde es zur Abwehr des Nationalsozialismus unterrichtet, später dann gegen die kommunistische Gefahr. Mit dem Verfall der früheren Sowjetunion ist das dann überall mehr oder weniger eingeschlafen. Zu meiner Schulzeit hieß das in Deutschland »Wehrkundeerziehung «. Da wurde man in der Schule auf das Grundgesetz eingeschworen. Es erstaunt mich immer wieder, wenn die jüngere Generation verblüfft ist, daß es so etwas gibt.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Was genau kann ich mir darunter vorstellen?
Nun, ich habe an der Universität Lüneburg sechs Jahre lang im Fachbereich Betriebswirtschaft »Abwehr von Wirtschaftsspionage« unterrichtet. Das ist ein ganz ähnlicher Bereich. Wer heute in Europa Wirtschaftswissenschaften studiert, lernt nicht, vor welchen Gefahren man sich und sein geistiges knowhow schützen muß. Es ist nämlich nichts einfacher, als einem Unvorbereiteten bestimmte Informationen »abzuquatschen«. Kurz formuliert: Es geht darum, eine Gefahr zu erkennen und abzuwehren. Also ist »Geistige Landesverteidigung« keine Militarisierung, sondern eine Form der Bewahrung des demokratischen, westlichen Wertesystems. Wir richten uns hauptsächlich an Journalisten, weil sie Multiplikatoren sind. Diese sollen aber nicht bei bereits bestehenden Medien anheuern, sondern eigene Konkurrenzprodukte gründen.

Auf englisch heißt es »Spiritual Defense of Countries« …
… weil ich an einer christlichen Universität unterrichte. Es wird also großen Wert auf die Vermittlung christlicher Werte gelegt. Die meisten Studenten kommen übrigens aus Asien, zum Beispiel China.

Aus China? Klingt erstmal absurd.
Der Sinn erschließt sich, wenn man den christlichen Hintergrund von Olivet bedenkt. Das sind Christen, die in ihrem Heimatland aus religiösen Gründen unterdrückt werden. Die werden ja nicht von der Pekinger Regierung geschickt.

Also ist »Spiritual Defense« keine westliche Angelegenheit, sondern eine christliche?
Da müßte man »westlich« und »christlich« erst definieren. Aber zu den vermittelten Werten gehört zum Beispiel auch die Demokratie.

Wird das auch in Deutschland unterrichtet?
Nein. Das ist für die Zukunft aber geplant.

Ist die »Geistige Landesverteidigung« als Gegenwehr gegen konspirativ vorgehende islamische Organisationen in der westlichen Welt zu verstehen?
Ja. Eines der erklärten Ziele ist es, gegen jene Teile der islamischen Welt Stellung zu beziehen, die undemokratische Strukturen in westliche Länder bringen wollen. Wir möchten, daß das staatliche Recht für alle gilt, ganz egal welcher Religion man angehört.

Geht es nur um Information oder auch um Gegenmanipulation?
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wenn der Bremer Senat einen Vertrag mit Vertretern von Milli Görüs abschließt – eine Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird –, werden wir aktiv. Es ist »Geistige Landesverteidigung«, in solchen Momenten aufzustehen und laut zu sagen: »Habt ihr sie noch alle? So geht das nicht!«

Die Zusammenarbeit mit den Medien wird sicher eine wichtige Rolle spielen. Haben Sie gute Kontakte?
Sie irren sich: Ich bin Hochschullehrer. Als solcher geht man ja nicht an die Presse, um seine Unterrichtseinheiten zu propagieren. Zudem stehe ich den großen Medien sehr kritisch gegenüber, das ist journalistischer Einheitsbrei. Wir geben unseren Studenten ein geistiges Grundgerüst an die Hand, um ihnen Handlungssicherheit zu vermitteln. Es geht mir dabei nicht nur um den Islam. Es geht zum Beispiel auch um den Turban eines Sikhs. Für ihn werden wir keine Ausnahme von der Helmpflicht machen. Oder um Hindus, für die es ein Verbrechen ist, eine Kuh zu schlachten. Trotzdem kämen wir nicht auf die Idee, auf Rindfleisch zu verzichten, um deren Glauben nicht zu beleidigen.

Es geht also um den Schutz der eigenen Identität.
Richtig. Man muß aber ganz deutlich sagen, daß die derzeitige Entwicklung in der westlichen Welt nur deshalb möglich ist, weil wir unsere Werte aufgegeben haben.

Glauben Sie, daß in Europa in dieser Hinsicht noch etwas zu retten ist?
Ja, auf jeden Fall. Vor zwei Jahren habe ich das noch anders gesehen. Aber die Folgen der Wirtschaftskrise kann niemand mehr aufhalten. Dadurch werden wir innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre schwerwiegende Veränderungen erleben.

Also begrüßen Sie die Entwicklungen, die Sie in Ihrem Buch Vorsicht Bürgerkrieg voraussagen?
Selbstverständlich. Vorab: Das Wort »Bürgerkrieg « stammt nicht von mir. Solche Szenarien habe ich nicht entworfen, sondern nur zusammengetragen. Ich glaube aber auch, daß es soziale Unruhen geben wird. Zu Ihrer Frage: Nehmen wir die Beispiele »Sarrazin« und »Minarett-Verbot «. Da sagen Umfragen etwas völlig anderes als die großen Medien. Das heißt, sie schreiben an der Realität und der Meinung der Menschen vorbei. Darum sind Unruhen wichtig. Die Politik muß erkennen, daß der eingeschlagene Weg falsch ist.

Halten Sie diese Szenarien für unausweichlich?
Werfen Sie doch mal einen Blick in die Geschichte. Wenn drei Dinge zusammenkommen – Wirtschaftskrise, Verfall staatlicher Macht, ethnische Spannungen –, dann kracht es.

Welche Ratschläge geben Sie der Politik?
Das Allerwichtigste wäre Ehrlichkeit.

Jetzt ist »Ehrlichkeit« keine konkrete Handlungsanweisung.
Doch. Es geht einfach darum, die Karten auf den Tisch zu legen und sich realistisch zu überlegen, wie man den Laden sanieren kann, ohne auf Kosten der übernächsten Generation Schulden zu machen. Man kann nicht einfach davon ausgehen, daß wir ab 2014 schon wieder genug Geld verdienen werden. Ich bin überzeugt, daß viele Bürger zumindest ahnen, daß das nicht stimmen kann.

Wie erklären Sie sich, daß die Politik solche einfachen Maßnahmen nicht ergreift?
Weil sie Angst haben, daß sie dann nicht mehr gewählt würden. Sie denken in einem Zeitraum von vier Jahren – und nach ihnen die Sintflut.

Sie denken sehr pessimistisch.
Ganz im Gegenteil. Ich glaube, daß Europa diese Reinigung braucht.

Manche »Wirtschaftsweise« sagen andere Dinge voraus.
Das interessiert mich nicht, weil das in der Vergangenheit auch nicht gestimmt hat.

In Vorsicht Bürgerkrieg haben Sie ausschließlich Internet-Nachrichten als Quellenherangezogen. Man könnte kontern, Sie hätten unwissenschaftlich gearbeitet.
Ich mache das für eine nachfolgende Generation, damit sie anhand meiner Quellen nachprüfen kann, wie es so weit kommen konnte. Denn das geht nicht, wenn Sie nur die Zeitungsausschnitte vom Spiegel, von der Zeit und so weiter sammeln.

Beziehen sich die Voraussagen auch auf die USA?
Ja. Der Zukunftsforscher Gerald Celente hat ganz konkret für den Herbst 2012 flächendeckende bürgerkriegsähnliche Unruhen für die USA vorausgesagt. Er wird in Europa zwar belächelt, aber seine Prognosen sind immer eingetroffen. Er sagt für die USA auch Deportationen von Zuwanderern und ethnischen Minderheiten voraus.

Halten Sie letzteres auch in Europa für möglich?
Absolut. Die Entwicklung ist nicht nur möglich. Es wird so kommen.

Stichwort »Rückführung«?
Ja. Denn wir werden kein Geld mehr haben, um Bevölkerungsgruppen zu finanzieren, die zu einem großen Anteil von Sozialleistungen leben. Das betrifft nicht nur Muslime in Deutschland, das betrifft zum Beispiel auch Polen in England und Deutsche in der Schweiz.

Wenn Sie den großen Knall für unausweichlich halten, was ist dann der Antrieb für Ihre Arbeit?
Ich schaue mir an, ob Prognosen eingetreten sind oder nicht. Daran will ich auch gemessen werden. 2003 ging es in meinem Buch Der Krieg in unseren Städten um islamische Organisationen, die an der Islam-Konferenz der Bundesregierung teilgenommen haben. Damals haben alle großen Medien gesagt, daß der Ulfkotte spinnt, weil er bestimmte Organisationen als radikal bezeichnet. Inzwischen gibt es gegen alle diese Organisationen Großverfahren.


 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.