Raumgewinn! Über die nächste deutsche Revolution

Ein Gespräch mit Bernd-Thomas Ramb

SEZESSION: Herr Professor Ramb, sind Roland Koch und Horst Köhler gegangen, weil unsere Währung vor dem Zusammenbruch steht?

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RAMB: Das wäre wahr­lich glaub­wür­di­ger und ein­sich­ti­ger als die von ihnen vor­ge­tra­ge­nen Begrün­dun­gen. Aller­dings ist die Mit­tä­ter­schaft der bei­den am Euro-Desas­ter so groß, daß sie wohl­weis­lich auf die­ses Argu­ment ver­zich­ten. Ins­be­son­de­re Ex-Bun­des­prä­si­dent Köh­ler hat als Sher­pa Hel­mut Kohls vehe­ment dazu bei­getra­gen, den Euro gegen den Wil­len der Deut­schen durch­zu­peit­schen. Täti­ge Reue stün­de ihm jetzt gut an. Das bedingt aber ein offe­nes Schuld­be­kennt­nis und nicht das unglaub­wür­di­ge Lamen­to über die angeb­lich ehr­ver­let­zen­den Kom­men­ta­re zu sei­nen tat­säch­lich ver­fas­sungs­ver­let­zen­den Kriegstheorien.

SEZESSION: Gut, ein­mal ange­nom­men, die bei­den sind jetzt wirk­lich fah­nen­flüch­tig, weil sie ein Desas­ter ahnen: Gehen Sie selbst im Ernst davon aus, daß der Euro zusam­men­bre­chen könn­te, wir also vor einer Wäh­rungs­re­form stehen?
RAMB: Die offen­kun­di­gen Fak­ten begrün­den, um es exakt zu for­mu­lie­ren, einen bevor­ste­hen­den Zusam­men­bruch unse­rer Wäh­rung. Ob das dann (noch) der Euro ist oder nicht, kann ich nicht vor­her­sa­gen; das ist aber auch nach­ran­gig. Die Wäh­rung bricht in Deutsch­land auch nicht wegen des Euros zusam­men, obwohl des­sen Nie­der­gang die Sache beschleu­ni­gen könn­te. Unse­re Wäh­rung bricht wegen der uner­träg­li­chen Staats­ver­schul­dung zusam­men, die natür­lich wegen der unkon­trol­lier­bar hohen Unter­stüt­zungs­zah­lun­gen an Grie­chen­land und ande­re EU-Län­der noch­mals in die Höhe schnellt. Die­se Staats­ver­schul­dung wird selbst im wirt­schafts­star­ken Deutsch­land künf­tig nicht mehr finan­zier­bar. Eine Lösung bie­tet dann nur noch ein dezi­dier­ter Staats­bank­rott mit Währungsreform.

SEZESSION: Ist denn kein ande­res Sze­na­rio als Aus­weg aus der Finanz­kri­se denkbar?
RAMB: Theo­re­tisch schon. Rechts­theo­re­tisch wäre eine Ein­stu­fung der Staats­schul­den als »unsitt­lich« denk­bar, weil die Ver­schul­dung zu Las­ten Drit­ter – der kom­men­den Genera­tio­nen – ver­ein­bart wur­de. Dann wären die­se Kre­dit­ver­trä­ge nich­tig und alle Gläu­bi­ger wür­den ihr Geld ver­lie­ren. Haus­halts­theo­re­tisch könn­ten die Schul­den mit enor­men Ein­spa­rungs­an­stren­gun­gen in den nächs­ten 100 bis 200 Jah­ren abge­tra­gen wer­den. Infla­ti­ons­theo­re­tisch müß­ten 10 Pro­zent jähr­li­che Geld­ent­wer­tung über 30 Jah­re ertra­gen wer­den. Da erscheint es mir wahr­schein­li­cher, wenn die jun­gen Deut­schen – viel­leicht sogar zusam­men mit ihren Eltern – auf die Stra­ße gehen und laut ver­kün­den: »Wir wei­gern uns, die Schul­den unse­rer Vor­fah­ren und der kin­der­lo­sen Vor­ge­nera­tio­nen zu übernehmen«.

SEZESSION: Ein Teil der heu­te 45- bis 65jährigen, das ist doch die »sat­te Genera­ti­on«, oder? Das sind die­je­ni­gen, die ins gemach­te Nest sich set­zen konn­ten, ein unglaub­li­ches Geld ver­dient haben und uns Jün­ge­ren min­des­tens an vier Fron­ten eine Erb­last auf­er­le­gen: Staats­schul­den, demo­gra­phi­sche Kata­stro­phe, Über­frem­dung, Schuld­kult. Blei­ben wir bit­te bei den Schul­den: Man kann sei­ne Wei­ge­rung ver­kün­den, die­se Schul­den zu über­neh­men, das haben Sie ja eben gesagt. Aber wie sähe so eine Wei­ge­rung kon­kret aus?
RAMB: Schul­dig – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – haben sich vor allem die Poli­ti­ker gemacht, die die­sen Schul­den­berg auf­ge­türmt haben. Bes­ten­falls waren sie cha­rak­ter­los und haben sich von den »Gut­men­schen«, die im Namen der »sozia­len Gerech­tig­keit« unge­deck­te Staats­aus­ga­ben zur Befrie­di­gung von über­zo­ge­nen Trans­fer­zah­lun­gen an gerin­ge­re Leis­tungs­er­brin­ger for­der­ten, in die­se Schuld ver­stri­cken las­sen. Kom­men­de Genera­tio­nen kön­nen das nicht mehr auf­recht­erhal­ten. Die Zins­last ertra­gen, noch mehr Alte ernäh­ren und dann noch die eige­nen Nach­kom­men ver­sor­gen, stößt bei dem nor­ma­len Ein­kom­mens­be­zie­her an exis­ten­ti­el­le Gren­zen. Ich pro­pa­gie­re nicht, daß die Bür­ger ihren Wider­stand gewalt­sam auf die Stra­ße tra­gen sol­len, ich bin kein Agi­ta­tor, aber als Wis­sen­schaft­ler pro­gnos­ti­zie­re ich dies. In fünf bis zehn Jah­ren haben wir in Deutsch­land grie­chi­sche Ver­hält­nis­se. An revo­lu­tio­nä­ren Ver­än­de­run­gen führt kein Weg vorbei.

SEZESSION: Sie pro­gnos­ti­zie­ren also eine »Macht des Fak­ti­schen«. Damit aber aus »grie­chi­schen Ver­hält­nis­sen« wie­der deut­sche wer­den, bedarf es eines Begriffs von einer spe­zi­fisch deut­schen Art zu wirt­schaf­ten oder einen Staat zu bau­en. Wo wäre das revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt, das die­ses Ver­ständ­nis hat und dar­aus einen Anspruch formuliert?
RAMB: Der revo­lu­tio­nä­re Wider­stand, sofern er nicht mit Gewalt im Keim erstickt wird, benö­tigt natür­lich eine revo­lu­tio­nä­re Alter­na­ti­ve. Nach den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten einer sozia­lis­ti­schen Fehl­ent­wick­lung mit dem ent­spre­chen­den Nie­der­gang der gesell­schaft­li­chen Moral kann die Alter­na­ti­ve nur in einer Rück­be­sin­nung auf die Wer­te der Frei­heit und des Chris­ten­tums in ihrer kon­ser­va­ti­ven Aus­prä­gung lie­gen. Alle drei Attri­bu­te – frei­heit­lich, christ­lich, kon­ser­va­tiv – hat­ten in frü­he­ren deut­schen Gesell­schaf­ten durch­aus Rele­vanz. Falsch ver­stan­de­ne Demo­kra­tie und die Ver­lo­ckun­gen sozia­lis­ti­scher Umver­tei­lung haben jedoch immer wie­der zur Deka­denz geführt – bis die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge zusam­men­brach. Die nächs­te (oder ers­te ech­te) deut­sche Revo­lu­ti­on wird also eine frei­heit­lich-christ­lich-kon­ser­va­ti­ve sein oder über­haupt keine.

SEZESSION: Sehen Sie irgend­wo in dem von Ihnen umris­se­nen Milieu so etwas wie revo­lu­tio­nä­ren Furor? Die frei­heits­lie­ben­den, kon­ser­va­ti­ven Chris­ten sind doch eher dafür bekannt, daß sie bis zum Sankt-Nim­mer­leins-Tag selbst die maro­des­te Ord­nung sta­bi­li­sie­ren, weil sie jede umwäl­zen­de Unord­nung noch mehr quält und ängstigt …
RAMB: Die Zeit ist noch lan­ge nicht reif. Das Den­ken in die­sen Kate­go­rien wur­de in der mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert andau­ern­den Pha­se der sozia­lis­ti­schen Infil­tra­ti­on sys­te­ma­tisch ver­ödet. Das revo­lu­tio­nä­re Auf­be­geh­ren gegen die­se Knecht­schaft befin­det sich in sta­tu nas­cen­di. Kon­ser­va­ti­ve Idea­le ste­hen noch im Abwehr­kampf und revo­lu­tio­nä­re Chris­ten bie­ten sicher ein eher unge­wohn­tes Bild. Der erwar­te­te Drei­klang der Refor­ma­ti­on unse­rer Gesell­schaft wird in einer zeit­li­chen Abfol­ge plau­si­bler: Zunächst ent­wi­ckelt sich der Frei­heits­drang und der Wil­le, die Fes­seln der Schul­den­ver­gan­gen­heit abzu­schüt­teln. Die kon­se­quen­te For­de­rung »Nie wie­der Schul­den« führt zum Ide­al einer kon­ser­va­ti­ven Lebens­füh­rung und die dabei erwünsch­te Erfül­lung mora­li­scher Ansprü­che zu einer Renais­sance christ­li­cher Wer­te. Letz­te­res bedingt neben­bei nicht unbe­dingt die reli­giö­se Ein­bin­dung im enge­ren Sin­ne. Erwar­tet wird die Resti­tu­ti­on des christ­lich-abend­län­di­schen Wer­te­ka­nons, des­sen Ein­hal­tung wie­der­um nach christ­li­cher Vor­stel­lung auf der völ­lig frei­en Ent­schei­dung des indi­vi­du­el­len Men­schen beruht. Womit sich der Kreis zur Frei­heit schließt.

SEZESSION: Drei Ein­wän­de: Die Grup­pe oder das Milieu, von dem Sie ein Auf­be­geh­ren erwar­ten, ist per se nicht für Revo­lu­tio­nen, son­dern für Refor­ma­tio­nen geeig­net: zuviel Respekt vor den Eltern, dem Her­ge­brach­ten, zu wenig Unbür­ger­lich­keit und aso­zia­le Power. Zum zwei­ten: Auch den kon­ser­va­ti­ven Chris­ten feh­len die Söh­ne, die – laut Gun­nar Hein­sohn – für die Dyna­mik und Durch­schlags­kraft jeder Umwäl­zung ste­hen. Und drit­tens: Ich sehe die Fah­ne nicht, deren Idee einen mit­ris­se – auf­bre­chend aus einer christ­lich-kon­ser­va­ti­ven hei­len Welt.
RAMB: Zu Ihren drei Ein­wän­den lie­ße sich man­ches erwi­dern: Die Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen in der DDR waren bei­spiels­wei­se auch nicht in die­ser Inten­si­tät zu erwar­ten; kon­ser­va­ti­ve Chris­ten haben durch­aus Kin­der, nur exis­tie­ren zur Zeit sehr weni­ge; kaum Kin­der haben dage­gen die mehr­heit­li­chen sozia­lis­ti­schen »Chris­ten«; die feh­len­den (Kirchen-)Christen sind auch nicht das Pro­blem, son­dern die feh­len­den christ­li­chen Idea­le; und neben­bei: Wenn die »Fah­ne« fehlt, wer­den neue Fah­nen genäht – die Far­ben sind ja vor­ge­ge­ben: frei­heit­lich – christ­lich – kon­ser­va­tiv. Grund­sätz­li­che Skep­sis gegen­über den Erfolgs­aus­sich­ten einer FCK-Revo­lu­ti­on mag ange­bracht sein, die­se bie­tet aber die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve zur dro­hen­den Schul­den­knecht­schaft mit Mas­sen­ver­ar­mung. Ich bin zuver­sicht­lich, die kom­men­de Genera­ti­on wird sich gegen die­se Bedro­hung zur Wehr setzen.

SEZESSION: Sehen Sie am Hori­zont eine neue Par­tei dräu­en – viel­leicht eine FCKD? Im Ernst: Da scheint doch eine Men­ge Platz zu sein …
RAMB: Mei­ne Erfah­run­gen mit dem »Bund Frei­er Bür­ger« in den neun­zi­ger Jah­ren wie auch mit der regio­nal begrenz­ten Initia­ti­ve »Bre­men muß leben« vor drei Jah­ren haben mir klar­ge­macht, daß neue Par­tei­en in Deutsch­land kei­ne Chan­ce haben, wenn die Medi­en nicht mit­spie­len. Da trifft nach wie vor Man­fred Brun­ners Ein­schät­zung zu: In Deutsch­land spie­len 10 Spit­zen­po­li­ti­ker mit 10 Medi­en­mo­guln Mono­po­ly. Zudem ist die Stan­dard­re­ak­ti­on der Deut­schen auf par­tei­po­li­ti­sche Miß­stän­de nicht der Wunsch nach einer neu­en Par­tei, son­dern Wahl­ver­wei­ge­rung. Viel­leicht ändert sich das ein­mal und wir errei­chen einen poli­ti­schen Boden (im dop­pel­ten Sin­ne), auf dem – wie in vie­len Nach­bar­län­dern bereits gesche­hen – neue Par­tei­en nicht nur gewählt wer­den, son­dern auch rele­van­te Mehr­hei­ten erhal­ten. Bevor cfk (ich wür­de die Buch­sta­ben in die­se Rei­hen­fol­ge stel­len und klein schrei­ben, da sie attri­bu­tiv ver­wen­det wer­den soll­ten) Par­tei­en­sta­tus erhält, müs­sen die­se Attri­bu­te erst ein­mal im Bewußt­sein der Bevöl­ke­rung Wur­zeln fas­sen. Vor der Par­tei­en­re­vo­lu­ti­on kommt die poli­tisch-kul­tu­rel­le Revo­lu­ti­on. Dazu muß zunächst Platz in den Köp­fen geschaf­fen wer­den. Viel­leicht kor­re­liert die­ser Raum­ge­winn mit der zuneh­men­den Lee­re in den Geldbeuteln.

Die Fra­gen stell­te Götz Kubitschek

(Das Gespräch ist in Sezes­si­on 37/ August 2010 abge­druckt. Lesen Sie dort auch Her­mann von Laers “Euro-Däm­me­rung” und Karl­heinz Weiß­manns “Vom Rever­si­blen in der Poli­tik” – Inhalts­ver­zeich­nis und Bestell­mög­lich­keit fin­den sich hier).

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Kommentare (10)

Rüting

6. August 2010 11:09

Fein! Dann haben wir in den nächsten Jahren gleich zweierlei zu erwarten: Barings Bürgerbarrikaden (verkündet 2002) und nunmehr Rambs cfk-Revolution.

Ob die potentiellen Revolutionäre schon von ihrem Glück wissen? Noch halten sich die möglichen Protagonisten ja vornehm zurück. Vermutlich, um sich graswurzelartig der politisch-kulturellen Vorrevolution zu widmen, während sie gleichzeitig über die verpassten Chancen mit dem BfB und 'Bremen muß Leben' grübeln. Es kann natürlich auch sein, daß es die passenden Bahnsteigkarten am ServicePoint der Bahn noch nicht zu kaufen gibt. Vielleicht warten sie ja aber auch auf die durch Herrn von Laer angekündigte Euro-Dämmerung, um dann wie ein Spingteufelchen aus der Kiste zu fahren und dem erstaunten und der Erlösung harrenden Volke zu verkünden: hier sind wir - ihr habt zwar bislang von uns noch nichts gehört, jedoch werdet ihr jetzt bereitwillig einer cfk-Revolution folgen. Leistung muß sich wieder lohnen. Mehr Netto vom Brutto. Schön!

W. Wolfo

6. August 2010 12:05

Hier sehen wir viel "Willen zur Macht", viel Willen zur Zielerreichung und leider zuwenig Achtung vor dem rechten Weg, vor der Methodenlehre.

Im Kern hat Herr Ramb - seinen Aussagen nach - das materialistische Denken nie abgelegt, wenn er sagt:
"Die konsequente Forderung »Nie wieder Schulden« führt zum Ideal einer konservativen Lebensführung und die dabei erwünschte Erfüllung moralischer Ansprüche zu einer Renaissance christlicher Werte." Und schließlich als Fazit: "Vielleicht korreliert dieser Raumgewinn mit der zunehmenden Leere in den Geldbeuteln."

Das Sein bestimmt also das Bewußtsein? Soll die Religion funktional als Mittel zur Machtergreifung eingesetzt werden? Kein Wunder, dass hier keine innere Begeisterung aufkommt.... Selbst wenn eine solche Partei ein Strohfeuer entfachen könnte, nachhaltigen Bestand unter Druck kann sie nicht haben.

Statt Materialismus empfehle ich eine ehrliche Besinnung auf wahre Werte des Menschen, bevor über Macht in der Welt um uns gesprochen wird. Dies empfehle ich allen Linken, Rechten, Neokonservativen, Kapitalisten, Kommunisten, Nationalistien, Egoisten und allen Mitläufern.

Glück findet man mit der gelebten Entscheidung gegen jeden Polytheismus!

Sugus

6. August 2010 12:07

Das Christentum ist kein gemeinsamer Nenner (mehr), freiheitlich und konservativ sind Gummibegriffe.
Der Revolution - die ich durchaus für möglich halte, denn der Deutsche wird wie jeder andere wild, wenn's an den Geldbeutel geht - fehlt vor allem ein "PRO". Das "CONTRA" steht fest, breite Mehrheiten sind gegen Islamisierung, waren gegen Einführung des Euro, sind gegen Abgabe von Souveränität an die EU, etc.
Wir sind in der Lage, daß diverse Ideologien und Wirtschaftsmodelle schon ausgetestet wurden und als untauglich befunden wurden. Es fehlt, links formuliert, die "System-Alternative". Zudem fehlt ganz konkret der Gegner. Wenn 1989 eine SED-Kreisleitung von Demonstranten belagert wurde, war klar, daß ein Knotenpunkt der Macht wackelte.
Was müßte der gemeine Bunzelbürger belagern? Die Sparkasse? Die Filiale der Deutschen Bank? Das Rathaus? Alle Büros der Blockparteien CDU/SPD/FDP/GRÜNE gleichzeitig? Das Pfarrhaus? Das Lehrerzimmer des örtlichen Gymnasiums?

Distelherz

6. August 2010 15:54

Nicht viel neues aus der Mottenkiste der verzweifelten Besitzstandswahrer. Das ist zwar gediegen freiheitlich im bürgerlichen Sinn, aber nur wenig konservativ (sofern man "konservativ" nicht als Schimpfwort versteht) und hat mit einer dezidiert christlichen Weltanschauung überhaupt nichts zu tun. Wenn man Rambs regelmäßige Ausführungen in der JF kennt, weiß man ohnehin, woher der Wind weht.

Man möge doch bitte endlich einmal zur Kenntnis nehmen, daß die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche und die Vergötzung von Wachstum, Konsum und einseitig materiellem Wohlstand elementarer Teil unseres Problems sind und nicht Teil der Lösung. Ich weiß wirklich nicht, woher Ramb seine Selbsteinschätzung als christlich-konservativ nimmt.

Rechter Europäer

6. August 2010 17:05

Unattraktive Lebensstile werden sich nie durchsetzen, und bei konservativen Christen denke ich nun an Eva Herrman und ihre Aussagen zur Loveparade.
Nein, die Spassgesellschaft muss gegen die Ökologisten, Islamfreunde, Freiheitsfeinde, Geldverbrenner, und die Weltbürger die unseren Wohlstand ablehnen aufgehetzt werden, aber ohne neue christliche Spassbremsen zu etablieren.

Martin

6. August 2010 21:38

... die Schuldenuhr tickt unermüdlich, da hilft auch die momentan sich andeutende Notblüte der Wirtschaft nicht mehr viel - irgendwann ist pay day, so oder so, denn soviel kann die Wirtschaft gar nicht mehr verdienen, um das abzuzahlen.

In den Antworten im hier veröffentlichten Interview ist mir aber zu viel wishful thinking ... die Vernichtung aller konservativ, christlicher Werte in den vergangenen Jarzehnte war zu groß und zu gründlich. Rein politisch gebe ich persönlich der NPD ganz gute Chancen, dass sie sich in den neuen Ländern weiter ausbreitet und Fuß fast - aber die hat nun wahrlich wenig mit cfk zu tun, die ist ja eher sozialistisch nationalistisch ... im Westen wirds beim Parteiregiment der etablierten bleiben. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Gängelung und die Daumenschrauben noch mehr angezogen werden - willkommen im Hamsterrad und Klappe halten, eben ...

E-F-V

8. August 2010 10:39

Ja wie wird sie aussehen, die Revolution? Ich denke, es werden als Erste jene auf die Straße gehen, die dazu am besten gerüstet sind (Autonome, Antifa) und die am stäksten leiden müssen (Arbeitslose), war ja jetzt in Griechenland auch nicht anders. Die konservativen Christen werden es jedenfalls nicht sein.

Dennoch sollte es auch der politisch-medialen Lügenfabrik nicht gelingen, die Ursachen für den Zusammenbruch, so er denn kommt, zu verheimlichen, die letztlich im globalen Wirtschaften zur Mehrung des Profits einiger weniger liegen. Eine Umkehr zu nachhaltiger Wirtschaft auf nationalstaatlicher Basis sollte die Folge sein - revolutionär oder evolutionär.

Dass die Krise dabei bei weitem nicht auf Europa beschränkt ist, könnte helfen.

https://www.unzensuriert.at/001709-das-ende-der-leitw-hrungen

M.

8. August 2010 12:41

Martin schrieb:

… im Westen wirds beim Parteiregiment der etablierten bleiben. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Gängelung und die Daumenschrauben noch mehr angezogen werden – willkommen im Hamsterrad und Klappe halten, eben …

Barroso hat doch kürzlich gegen einen Gewerkschafter angedeutet, wohin die Reise geht. Er fürchte - so Barroso - dass es in Folge der massiven Verschuldung zu Umstürzen und Militärputschen kommen wird. Man sollte auch einmal einen Blick in die EU-"Verfassung" werfen und nachlesen, was dort zum Thema "Gewaltsame Niederwerfung von Volksaufständen" zu lesen ist.

Thomas

9. August 2010 16:55

Die Ausführungen Rambs haben etwas für sich, auch wenn die aus den Interview-Fragen sprechende Skepsis durchaus angebracht ist.
Hierzu ein Zitat aus der Rezension des Felkel-Buches "Aufstand" in der neuesten "Sezession" (S. 49) über das typisch Deutsche beim Aufstand und Umbruch:

Revolutionäre Reform unter Druck sozusagen; kein Exzeß mit Katerstimmung am andern Tag, wenn keiner weiß, wie es nun weitergeht.

Wenn es stimmt, daß der Deutsche "im Revoltieren bereits die neue Ordnung entwickelt" (ebenfalls Zitat aus der Rezension), dann wird der nächste deutsche Aufstand durchaus cfk-Züge tragen, auch wenn er vermutlich nicht lupenrein cfk ist. So schwer vorstellbar - angesichts der Angst, der Spießigkeit und er besitzstandswahrenden Haltung dieses Millieus - im Moment eine Revolte aus dieser Ecke zu sein scheint, gibt es durchaus Gründe dafür:
- Die CFK haben etwas zu verlieren, was ihnen das linksliberal-sozialistische System nicht bieten kann. Im Gegensatz zu den Massen lassen sich die CFK nicht mit Brot und Spielen abspeisen und verfügen über eine relativ größere Immunität gegen die allgegenwärtige Volksverdummung.
- Der linksliberal-sozialistische Druck sowohl in gesellschaftlichen (Familie, Werte, Schule, Erziehung, Religion) als auch in wirtschaftlichen Punkten (Enteignung durch noch mehr Steuern und Abgaben um die Masse ruhig zu halten bzw. Enteignung durch Inflation und Währungsreform) wird noch deutlich zunehmen. Irgendwann platzt auch zumindest einigen CFK der Kragen, die dann andere CFK mitreißen können.
- Die CFK verfügen über eine klare Vorstellung, wofür sie sich einsetzen: Religion, Werte, Freiheit. Dazu gehört z.B. auch die Freiheit, Besitz zu erwerben und eine Familie selbst zu ernähren. Mit Materialismus hat dies zunächst nichts zu tun. Die CFK sind daher für den oben erwähnten Aufbau einer neuen Ordnung unverzichtbar.

Fritz

11. August 2010 21:25

Bei "christlich" denke ich (69 J.) z.B. an Bekehrung mit Feuer und Schwert, an Inquisition und Folter, an Verbrennung von Frauen, an Giordano Bruno oder die mittelalterliche Terrorherrschaft des Glaubens über den Verstand.

"Freiheitlich" scheint mir ein wohlfeiler (westerwelliger) Gummbegriff zu sein, und "konservativ" bringe ich mit rückständig, verknöchert, unbelehrbar und dem griffig-grünen Muff unter den Talaren in Verbindung.

Als Treibsatz für einen revolutionären Aufbruch dürfte cfk wohl nicht reichen.

Da ich weder Poly- noch Monotheist bin, glaube ich - solange ich nichts Besseres höre - vorläufig an die grundsätzliche Bedeutung der Evolution. Danach kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Prof. Rambs bürgerlich-bewegte Trallala-Revolution (der "FCKW"-Rambos) kommt mir allerdings extrem unwahrscheinlich vor, schon eher könnte Barings Barrikaden-Sturm (allerdings dann der eines rasenden Mobs) aufkommen. Am wahrscheinlichsten erscheint mir der spontane Ausbruch von ethnisch und / oder religiös begündeten - zunächst vereinzelten - Auseinandersetzungen und der darauf folgende Flächenbrand zu sein, den Gerald Celente (unglaublicherweise bereits für 2002) vorhersagt.

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