Sezession
6. August 2010

Raumgewinn! Über die nächste deutsche Revolution

Gastbeitrag / 10 Kommentare

Ein Gespräch mit Bernd-Thomas Ramb

SEZESSION: Herr Professor Ramb, sind Roland Koch und Horst Köhler gegangen, weil unsere Währung vor dem Zusammenbruch steht?

RAMB: Das wäre wahrlich glaubwürdiger und einsichtiger als die von ihnen vorgetragenen Begründungen. Allerdings ist die Mittäterschaft der beiden am Euro-Desaster so groß, daß sie wohlweislich auf dieses Argument verzichten. Insbesondere Ex-Bundespräsident Köhler hat als Sherpa Helmut Kohls vehement dazu beigetragen, den Euro gegen den Willen der Deutschen durchzupeitschen. Tätige Reue stünde ihm jetzt gut an. Das bedingt aber ein offenes Schuldbekenntnis und nicht das unglaubwürdige Lamento über die angeblich ehrverletzenden Kommentare zu seinen tatsächlich verfassungsverletzenden Kriegstheorien.

SEZESSION: Gut, einmal angenommen, die beiden sind jetzt wirklich fahnenflüchtig, weil sie ein Desaster ahnen: Gehen Sie selbst im Ernst davon aus, daß der Euro zusammenbrechen könnte, wir also vor einer Währungsreform stehen?
RAMB: Die offenkundigen Fakten begründen, um es exakt zu formulieren, einen bevorstehenden Zusammenbruch unserer Währung. Ob das dann (noch) der Euro ist oder nicht, kann ich nicht vorhersagen; das ist aber auch nachrangig. Die Währung bricht in Deutschland auch nicht wegen des Euros zusammen, obwohl dessen Niedergang die Sache beschleunigen könnte. Unsere Währung bricht wegen der unerträglichen Staatsverschuldung zusammen, die natürlich wegen der unkontrollierbar hohen Unterstützungszahlungen an Griechenland und andere EU-Länder nochmals in die Höhe schnellt. Diese Staatsverschuldung wird selbst im wirtschaftsstarken Deutschland künftig nicht mehr finanzierbar. Eine Lösung bietet dann nur noch ein dezidierter Staatsbankrott mit Währungsreform.

SEZESSION: Ist denn kein anderes Szenario als Ausweg aus der Finanzkrise denkbar?
RAMB: Theoretisch schon. Rechtstheoretisch wäre eine Einstufung der Staatsschulden als »unsittlich« denkbar, weil die Verschuldung zu Lasten Dritter – der kommenden Generationen – vereinbart wurde. Dann wären diese Kreditverträge nichtig und alle Gläubiger würden ihr Geld verlieren. Haushaltstheoretisch könnten die Schulden mit enormen Einsparungsanstrengungen in den nächsten 100 bis 200 Jahren abgetragen werden. Inflationstheoretisch müßten 10 Prozent jährliche Geldentwertung über 30 Jahre ertragen werden. Da erscheint es mir wahrscheinlicher, wenn die jungen Deutschen – vielleicht sogar zusammen mit ihren Eltern – auf die Straße gehen und laut verkünden: »Wir weigern uns, die Schulden unserer Vorfahren und der kinderlosen Vorgenerationen zu übernehmen«.

SEZESSION: Ein Teil der heute 45- bis 65jährigen, das ist doch die »satte Generation«, oder? Das sind diejenigen, die ins gemachte Nest sich setzen konnten, ein unglaubliches Geld verdient haben und uns Jüngeren mindestens an vier Fronten eine Erblast auferlegen: Staatsschulden, demographische Katastrophe, Überfremdung, Schuldkult. Bleiben wir bitte bei den Schulden: Man kann seine Weigerung verkünden, diese Schulden zu übernehmen, das haben Sie ja eben gesagt. Aber wie sähe so eine Weigerung konkret aus?
RAMB: Schuldig – im wahrsten Sinne des Wortes – haben sich vor allem die Politiker gemacht, die diesen Schuldenberg aufgetürmt haben. Bestenfalls waren sie charakterlos und haben sich von den »Gutmenschen«, die im Namen der »sozialen Gerechtigkeit« ungedeckte Staatsausgaben zur Befriedigung von überzogenen Transferzahlungen an geringere Leistungserbringer forderten, in diese Schuld verstricken lassen. Kommende Generationen können das nicht mehr aufrechterhalten. Die Zinslast ertragen, noch mehr Alte ernähren und dann noch die eigenen Nachkommen versorgen, stößt bei dem normalen Einkommensbezieher an existentielle Grenzen. Ich propagiere nicht, daß die Bürger ihren Widerstand gewaltsam auf die Straße tragen sollen, ich bin kein Agitator, aber als Wissenschaftler prognostiziere ich dies. In fünf bis zehn Jahren haben wir in Deutschland griechische Verhältnisse. An revolutionären Veränderungen führt kein Weg vorbei.

SEZESSION: Sie prognostizieren also eine »Macht des Faktischen«. Damit aber aus »griechischen Verhältnissen« wieder deutsche werden, bedarf es eines Begriffs von einer spezifisch deutschen Art zu wirtschaften oder einen Staat zu bauen. Wo wäre das revolutionäre Subjekt, das dieses Verständnis hat und daraus einen Anspruch formuliert?
RAMB: Der revolutionäre Widerstand, sofern er nicht mit Gewalt im Keim erstickt wird, benötigt natürlich eine revolutionäre Alternative. Nach den vergangenen Jahrzehnten einer sozialistischen Fehlentwicklung mit dem entsprechenden Niedergang der gesellschaftlichen Moral kann die Alternative nur in einer Rückbesinnung auf die Werte der Freiheit und des Christentums in ihrer konservativen Ausprägung liegen. Alle drei Attribute – freiheitlich, christlich, konservativ – hatten in früheren deutschen Gesellschaften durchaus Relevanz. Falsch verstandene Demokratie und die Verlockungen sozialistischer Umverteilung haben jedoch immer wieder zur Dekadenz geführt – bis die wirtschaftliche Grundlage zusammenbrach. Die nächste (oder erste echte) deutsche Revolution wird also eine freiheitlich-christlich-konservative sein oder überhaupt keine.


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Kommentare (10)

Rüting
6. August 2010 11:09

Fein! Dann haben wir in den nächsten Jahren gleich zweierlei zu erwarten: Barings Bürgerbarrikaden (verkündet 2002) und nunmehr Rambs cfk-Revolution.

Ob die potentiellen Revolutionäre schon von ihrem Glück wissen? Noch halten sich die möglichen Protagonisten ja vornehm zurück. Vermutlich, um sich graswurzelartig der politisch-kulturellen Vorrevolution zu widmen, während sie gleichzeitig über die verpassten Chancen mit dem BfB und 'Bremen muß Leben' grübeln. Es kann natürlich auch sein, daß es die passenden Bahnsteigkarten am ServicePoint der Bahn noch nicht zu kaufen gibt. Vielleicht warten sie ja aber auch auf die durch Herrn von Laer angekündigte Euro-Dämmerung, um dann wie ein Spingteufelchen aus der Kiste zu fahren und dem erstaunten und der Erlösung harrenden Volke zu verkünden: hier sind wir - ihr habt zwar bislang von uns noch nichts gehört, jedoch werdet ihr jetzt bereitwillig einer cfk-Revolution folgen. Leistung muß sich wieder lohnen. Mehr Netto vom Brutto. Schön!

W. Wolfo
6. August 2010 12:05

Hier sehen wir viel "Willen zur Macht", viel Willen zur Zielerreichung und leider zuwenig Achtung vor dem rechten Weg, vor der Methodenlehre.

Im Kern hat Herr Ramb - seinen Aussagen nach - das materialistische Denken nie abgelegt, wenn er sagt:
"Die konsequente Forderung »Nie wieder Schulden« führt zum Ideal einer konservativen Lebensführung und die dabei erwünschte Erfüllung moralischer Ansprüche zu einer Renaissance christlicher Werte." Und schließlich als Fazit: "Vielleicht korreliert dieser Raumgewinn mit der zunehmenden Leere in den Geldbeuteln."

Das Sein bestimmt also das Bewußtsein? Soll die Religion funktional als Mittel zur Machtergreifung eingesetzt werden? Kein Wunder, dass hier keine innere Begeisterung aufkommt.... Selbst wenn eine solche Partei ein Strohfeuer entfachen könnte, nachhaltigen Bestand unter Druck kann sie nicht haben.

Statt Materialismus empfehle ich eine ehrliche Besinnung auf wahre Werte des Menschen, bevor über Macht in der Welt um uns gesprochen wird. Dies empfehle ich allen Linken, Rechten, Neokonservativen, Kapitalisten, Kommunisten, Nationalistien, Egoisten und allen Mitläufern.

Glück findet man mit der gelebten Entscheidung gegen jeden Polytheismus!

Sugus
6. August 2010 12:07

Das Christentum ist kein gemeinsamer Nenner (mehr), freiheitlich und konservativ sind Gummibegriffe.
Der Revolution - die ich durchaus für möglich halte, denn der Deutsche wird wie jeder andere wild, wenn's an den Geldbeutel geht - fehlt vor allem ein "PRO". Das "CONTRA" steht fest, breite Mehrheiten sind gegen Islamisierung, waren gegen Einführung des Euro, sind gegen Abgabe von Souveränität an die EU, etc.
Wir sind in der Lage, daß diverse Ideologien und Wirtschaftsmodelle schon ausgetestet wurden und als untauglich befunden wurden. Es fehlt, links formuliert, die "System-Alternative". Zudem fehlt ganz konkret der Gegner. Wenn 1989 eine SED-Kreisleitung von Demonstranten belagert wurde, war klar, daß ein Knotenpunkt der Macht wackelte.
Was müßte der gemeine Bunzelbürger belagern? Die Sparkasse? Die Filiale der Deutschen Bank? Das Rathaus? Alle Büros der Blockparteien CDU/SPD/FDP/GRÜNE gleichzeitig? Das Pfarrhaus? Das Lehrerzimmer des örtlichen Gymnasiums?

Distelherz
6. August 2010 15:54

Nicht viel neues aus der Mottenkiste der verzweifelten Besitzstandswahrer. Das ist zwar gediegen freiheitlich im bürgerlichen Sinn, aber nur wenig konservativ (sofern man "konservativ" nicht als Schimpfwort versteht) und hat mit einer dezidiert christlichen Weltanschauung überhaupt nichts zu tun. Wenn man Rambs regelmäßige Ausführungen in der JF kennt, weiß man ohnehin, woher der Wind weht.

Man möge doch bitte endlich einmal zur Kenntnis nehmen, daß die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche und die Vergötzung von Wachstum, Konsum und einseitig materiellem Wohlstand elementarer Teil unseres Problems sind und nicht Teil der Lösung. Ich weiß wirklich nicht, woher Ramb seine Selbsteinschätzung als christlich-konservativ nimmt.

Rechter Europäer
6. August 2010 17:05

Unattraktive Lebensstile werden sich nie durchsetzen, und bei konservativen Christen denke ich nun an Eva Herrman und ihre Aussagen zur Loveparade.
Nein, die Spassgesellschaft muss gegen die Ökologisten, Islamfreunde, Freiheitsfeinde, Geldverbrenner, und die Weltbürger die unseren Wohlstand ablehnen aufgehetzt werden, aber ohne neue christliche Spassbremsen zu etablieren.

Martin
6. August 2010 21:38

... die Schuldenuhr tickt unermüdlich, da hilft auch die momentan sich andeutende Notblüte der Wirtschaft nicht mehr viel - irgendwann ist pay day, so oder so, denn soviel kann die Wirtschaft gar nicht mehr verdienen, um das abzuzahlen.

In den Antworten im hier veröffentlichten Interview ist mir aber zu viel wishful thinking ... die Vernichtung aller konservativ, christlicher Werte in den vergangenen Jarzehnte war zu groß und zu gründlich. Rein politisch gebe ich persönlich der NPD ganz gute Chancen, dass sie sich in den neuen Ländern weiter ausbreitet und Fuß fast - aber die hat nun wahrlich wenig mit cfk zu tun, die ist ja eher sozialistisch nationalistisch ... im Westen wirds beim Parteiregiment der etablierten bleiben. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Gängelung und die Daumenschrauben noch mehr angezogen werden - willkommen im Hamsterrad und Klappe halten, eben ...

E-F-V
8. August 2010 10:39

Ja wie wird sie aussehen, die Revolution? Ich denke, es werden als Erste jene auf die Straße gehen, die dazu am besten gerüstet sind (Autonome, Antifa) und die am stäksten leiden müssen (Arbeitslose), war ja jetzt in Griechenland auch nicht anders. Die konservativen Christen werden es jedenfalls nicht sein.

Dennoch sollte es auch der politisch-medialen Lügenfabrik nicht gelingen, die Ursachen für den Zusammenbruch, so er denn kommt, zu verheimlichen, die letztlich im globalen Wirtschaften zur Mehrung des Profits einiger weniger liegen. Eine Umkehr zu nachhaltiger Wirtschaft auf nationalstaatlicher Basis sollte die Folge sein - revolutionär oder evolutionär.

Dass die Krise dabei bei weitem nicht auf Europa beschränkt ist, könnte helfen.

https://www.unzensuriert.at/001709-das-ende-der-leitw-hrungen

M.
8. August 2010 12:41

Martin schrieb:

… im Westen wirds beim Parteiregiment der etablierten bleiben. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Gängelung und die Daumenschrauben noch mehr angezogen werden – willkommen im Hamsterrad und Klappe halten, eben …

Barroso hat doch kürzlich gegen einen Gewerkschafter angedeutet, wohin die Reise geht. Er fürchte - so Barroso - dass es in Folge der massiven Verschuldung zu Umstürzen und Militärputschen kommen wird. Man sollte auch einmal einen Blick in die EU-"Verfassung" werfen und nachlesen, was dort zum Thema "Gewaltsame Niederwerfung von Volksaufständen" zu lesen ist.

Thomas
9. August 2010 16:55

Die Ausführungen Rambs haben etwas für sich, auch wenn die aus den Interview-Fragen sprechende Skepsis durchaus angebracht ist.
Hierzu ein Zitat aus der Rezension des Felkel-Buches "Aufstand" in der neuesten "Sezession" (S. 49) über das typisch Deutsche beim Aufstand und Umbruch:

Revolutionäre Reform unter Druck sozusagen; kein Exzeß mit Katerstimmung am andern Tag, wenn keiner weiß, wie es nun weitergeht.

Wenn es stimmt, daß der Deutsche "im Revoltieren bereits die neue Ordnung entwickelt" (ebenfalls Zitat aus der Rezension), dann wird der nächste deutsche Aufstand durchaus cfk-Züge tragen, auch wenn er vermutlich nicht lupenrein cfk ist. So schwer vorstellbar - angesichts der Angst, der Spießigkeit und er besitzstandswahrenden Haltung dieses Millieus - im Moment eine Revolte aus dieser Ecke zu sein scheint, gibt es durchaus Gründe dafür:
- Die CFK haben etwas zu verlieren, was ihnen das linksliberal-sozialistische System nicht bieten kann. Im Gegensatz zu den Massen lassen sich die CFK nicht mit Brot und Spielen abspeisen und verfügen über eine relativ größere Immunität gegen die allgegenwärtige Volksverdummung.
- Der linksliberal-sozialistische Druck sowohl in gesellschaftlichen (Familie, Werte, Schule, Erziehung, Religion) als auch in wirtschaftlichen Punkten (Enteignung durch noch mehr Steuern und Abgaben um die Masse ruhig zu halten bzw. Enteignung durch Inflation und Währungsreform) wird noch deutlich zunehmen. Irgendwann platzt auch zumindest einigen CFK der Kragen, die dann andere CFK mitreißen können.
- Die CFK verfügen über eine klare Vorstellung, wofür sie sich einsetzen: Religion, Werte, Freiheit. Dazu gehört z.B. auch die Freiheit, Besitz zu erwerben und eine Familie selbst zu ernähren. Mit Materialismus hat dies zunächst nichts zu tun. Die CFK sind daher für den oben erwähnten Aufbau einer neuen Ordnung unverzichtbar.

Fritz
11. August 2010 21:25

Bei "christlich" denke ich (69 J.) z.B. an Bekehrung mit Feuer und Schwert, an Inquisition und Folter, an Verbrennung von Frauen, an Giordano Bruno oder die mittelalterliche Terrorherrschaft des Glaubens über den Verstand.

"Freiheitlich" scheint mir ein wohlfeiler (westerwelliger) Gummbegriff zu sein, und "konservativ" bringe ich mit rückständig, verknöchert, unbelehrbar und dem griffig-grünen Muff unter den Talaren in Verbindung.

Als Treibsatz für einen revolutionären Aufbruch dürfte cfk wohl nicht reichen.

Da ich weder Poly- noch Monotheist bin, glaube ich - solange ich nichts Besseres höre - vorläufig an die grundsätzliche Bedeutung der Evolution. Danach kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Prof. Rambs bürgerlich-bewegte Trallala-Revolution (der "FCKW"-Rambos) kommt mir allerdings extrem unwahrscheinlich vor, schon eher könnte Barings Barrikaden-Sturm (allerdings dann der eines rasenden Mobs) aufkommen. Am wahrscheinlichsten erscheint mir der spontane Ausbruch von ethnisch und / oder religiös begündeten - zunächst vereinzelten - Auseinandersetzungen und der darauf folgende Flächenbrand zu sein, den Gerald Celente (unglaublicherweise bereits für 2002) vorhersagt.

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