Sezession
27. August 2010

Ost- vs. Westpädagogik: Kuschen statt Kuscheln?

Ellen Kositza / 15 Kommentare

Der WELT-Mann Alan Posener hat dieser Tage in der online-Ausgabe seines Blattes einen Artikel veröffentlicht, in dem er eine Renaissance der Ost-Pädagogik beklagt. Schon mache die Rede von einer „Ossifizierung“ der Schule die Runde. Posener hörts mit Grausen und sieht einen „Kulturkampf“ an Berliner Schulen aufziehen. Die knallharten, „ur-konservativen“ DDR-Lehrer, die nun in Westschulen drängen, nennen sich laut Posener stolz „gelernte Ostler“, gäben sich autoritär, arbeiteten mit unmenschlichen Methoden der fünfziger Jahre und ließen auf das „Nivo“ (sic! Weil DDRler natürlich eine abartige Aussprache französischer Fremdwörter pflegen) der DDR-Schule angeblich nichts kommen. Merkwürdige Vorstellungen von Unterricht und bezüglich des Menschenbildes herrschten in diesen Ostlehrerköpfen vor. Unterm Strich: ein großes Pfui!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

 Als da wären: daß der Lehrer als Respektsperson anzusehen sei, daß Ordnung gut und asoziales Verhalten schlecht sei. Der Ostlehrer in Poseners Welt ist einer, der „Ali und Fatima“ natürlich nicht mag und „Mehmet“ vor der ganzen Klasse zur Rede stellt, nur, weil der sich so eine „vorpubertäre“ Blödelei geleistet hat. Daß Sachsen und Thüringen bei PISA hervorragend abgeschnitten haben, ist laut Posener nur ein Zeichen, daß die üble Paukpädagogik des Ostens sich heute durchsetze.

Diese Ost-Form der schwarzen Pädagogik sieht Posener schon in der Grundschule Einzug halten. Jüngere Ostler seien noch formbar, bei älteren Lehrern herrsche das kollektivistische „Wir“ anstelle des „bürgerlichen Individuums Schüler“ vor. Schaudernd äfft Posener: „Wir haben unseren Stift vor uns. Wir heben ihn auf. Wir setzen an. Wir schreiben….“

Das seien die gleichen Lehrertypen, die sich später weigerten, Schüler vom Unterricht "freizustellen für die Arbeit als Konfliktlotsen“. Unmenschen halt, Betonköpfe.

Der Leser staunt. Das sind also die Mißstände an Berliner Schulen! Hier liegen die argen Probleme! Ausgrenzende Lehrer, die die Schülerhände artig "nach oben schießen" lassen, wie konnte darüber bislang geschwiegen werden!

Teilweise hat Posener ja recht. Daß die reine Paukschule wieder Einzug hält (Stichwort: G 8) stimmt und ist beklagenswert. Und: es gibt wirklich ganz furchtbare Lehrer, die zu DDR-Zeiten ihren Beruf lernten. Vielleicht anteilsmäßig etwa so viele wie westsozialisierte Pädagogen, denen der Kopf mit antiautoritären, zwangspartizipativen u.ä. Methoden das Hirn vernebelt wurde. An wie viele wirklich gute Lehrer erinnern wir uns aus der eigenen Schulzeit? Sind es mehr als zwei, drei?

Pikant an Poseners Klage über eine Rückkehr der DDR-Pädagogik ist verschiedenes: Zum einen, daß derselbe Posener noch sechs Wochen vorher auf dem von Michel Friedman mitinitiierten und- betriebenen Kollektiv-Blog starke-meinungen.de (auf das Posener auswichen war, nachdem die Kollegen von der Achse des Guten ihn sehr unfreundlich verabschiedet hatten) jene „jammernden“ Eltern gescholten hatte, die den schulischen Leistungsdruck auf ihre Kinder beklagten. Er selbst, Ex-Maoist und einstiger KPD-Kader und in dieser Zeit selbst als Lehrer tätig, hatte seine Tochter auf einer Privatschule unterrichten lassen, wo sie „mit einer Reihe von Lehrern und Lehrerinnen" zusammenkam, die Posener von seiner „kommunistischen Zeit her kannte“ und die an „städtischen Schulen Berufsverbot“ hatten. Altkommunisten aus dem Westen als Pädagogen: fein; „gelernte Ostler“: bäh? Was für ein Durcheinander an Befindlichkeiten, versammelt in einer Person!

Auf den Welt-online-Artikel hagelte es übrigens kritische Kommentare, die nun allesamt gelöscht sind. War der zuständige Redakteur wohl Ossi oder Wessi?


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (15)

Karl Eduard
27. August 2010 09:33

Etwas auswendig zu lernen, zum Beispiel, wie man rechnet oder schreibt, statt darüber zu diskutieren, wie sozial ungerecht es ist, daß einige Menschen Analphabeten sind, ist natürlich furchtbar. Das verkrüppelt die Kinderseelen.

Wahnfried
27. August 2010 10:05

Ja... Posener. Wieso gesteht man ihm eigentlich nicht den verdienten Narrenstatus zu, lacht ob seiner naiven Artikelchen und wendet sich interessanteren Fragen zu?

Im übrigen erscheint mir die SED mittlerweile fast das kleinere Übel im Vergleich zu unseren Blockparteien, aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas Bargatzky
27. August 2010 11:14

Vielen Dank für diesen Kommentar, Frau Kositza! Wenn das, was Posener in seinem Artikel schildert, 'Ostpädagogik' ist, dann wünsche ich mir mehr davon in diesem Land. Und zu 'Wahnfried': Im Vergleich zu dem, was sich als Narrenzunft heute unter dem Etikett 'Links' in Deutschland tummelt, könnte man tatsächlich die SED in ganz neuem Licht sehen.

Wahnfried
27. August 2010 13:04

Thomas Bargatzky:

Das war auch keine Ironie. Nun bin ich als gelernter 'Westler' kein Experte in Sachen DDR, aber ich will Meyer heißen, wenn es in der DDR Dinge wie Gender-Mainstreaming, Förderung von Homosexualität, antiautoritäre Ideologie, den Willen zu unbegrenzter und im weiteren nutzloser Einwanderung, leistungslose Einkommen für Arbeitsunwillige oder Rechtfertigungen für Aufstände gegen die öffentliche Ordnung gab. Für all das - und mehr - steht die SED-Nachfolge heute.

Die Genossen Ulbricht und Honecker würden im Grab rotieren, wenn sie sehen könnten, was aus ihrer SED heute geworden ist. Um im Jargon der Sozialisten zu bleiben: Eine Partei die die Interessen des Lumpenproletariats gegenüber denen des Proletariats durchsetzt. Wenn ich mir da, als Konservativer, die heutige Linkspartei (oder wie immer sie gerade heißen mag) anschaue, dann komme ich nicht umhin die Vorzüge der SED anzuerkennen.

Thomas Bargatzky
27. August 2010 14:12

Zu Wahnfried: Das habe ich auch nicht als Ironie verstanden und stimme Ihnen völlig zu. Auch ich bin als 'gelernter Westler' kein Experte in Sachen DDR, aber ich fínde, man muß einfach anerkennen, daß in der DDR, in weit höherem Maße als in der durch 68 und die Folgen verwüsteten BRD, viele bürgerlichen Tugenden gepflegt wurden. Nehmen Sie nur die 'Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik', daraus als Beispiel: "Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten"! Ohne diese Tugenden (von Lafontaine u.a. als 'Sekundärtugenden' geschmäht) kann man eben 'keinen Staat machen', auch keinen sozialistischen.

Als Konservativer sieht man sich tatsächlich heute in der Lage, sich nicht nur eine richtige konservative, sondern auch wieder eine genuin linke Partei herbeizuwünschen, wie es in anderen westeuropäischen Staaten normal ist.

Karl Eduard
27. August 2010 15:27

@Wahnfried

So ist es. Mit der Wende haben sich die Genossen tatsächlich gewendet. Geblieben ist der Kampf gegen Ausbeutung und Imperialismus, daß heute Menschen, die körperlich und geistig wohl zu arbeiten vermögen, es aber vorziehen, auf Kosten anderer zu leben, gilt ihnen weder als Ausbeutung noch als Schmarotzertum. Selbst daß der Proletarier und der Bauer den Tag über schuften, um faules Gesindel durchzufüttern, das stört sie nicht.

Früher hiess es, "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!" Heute propagieren die Genossen, gerade, wer nicht arbeitet muß viel essen, weil das sein Menschenrecht ist. Da kann mann schon etwas irre werden, wenn man die zuvor kannte.

Früher hiess es: "Lernen, Lernen und nochmals Lernen!" Heute verschenken die Genossen Abschlüsse, wie Junkerland in Bauernhand.

Während die Sowjetunion in Afghanistan einen Akt proletarischen Internationalismus vollzog, indem sie Schulen baute und Krankenhäuser und Bildungsmöglichkeiten eröffnete, gilt den Linken das heute als Greuel, am besten hätten sie Afghanistan im Stande des Feudalismus und zwar ganz entgegen der Lehren Lenins, der es doch immerhin als erstrebenswert ansah, die Leute erst einmal zu bilden, auf daß sie den Marxismus - Leninismus überhaupt zu begreifen vermögen.

Wo in der DDR die Religion als Opium fürs Volk galt, als Relikt einer untergegangenen Gesellschaft, die den Werktätigen das Gehirn verkleistert, stehen die Linken jetzt an der Spitze wenn es darum geht, Moscheen als Volksverdummungszentren voranzubringen.

Galt es in der DDR, Anforderungen an den Einzelnen zu stellen, als Ausdruck, daß man ihm etwas zutraut, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, da wird nun die Auffassung vertreten, niemand ist für etwas verantwortlich, außer der Gesellschaft.

War die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der DDR propagiertes Prinzip, überschlagen sich die Genossen heute, eine Ideologie zu installieren, die Frauen als Eigentum und Dreck behandelt.
Da rotiert nicht nur der Honecker.

Wahnfried
27. August 2010 17:16

Nja, das ist schon alles sehr seltsam.

Als die Grünen mit ihrem ganzen Anhang wie Sexualbefreiten, Friedensbewegten und Baumliebhabern im Westen aufkamen, war für mich klar, daß diese ganze Bewegung ein Projekt unter Schirmherrschaft des MfS war, dessen einziges Ziel darin bestehen mußte Westdeutschland zu zersetzen.

Anders konnte ich mir große Teile dieses hahnebüchenen Unfugs, der eine Versündigung am gesunden Menschenverstand war und ist, gar nicht erklären. Blickt man zurück, so waren ja tatsächlich viele der dort Aktiven vom MfS geführt.

Der echte Sozialismus, der, der nicht eine bloße Zersetzungsmaßnahme ist, sondern einer in sich schlüssigen Weltanschauung folgt, fand für mich immer im Osten statt.

Was dann nach der Wende geschah verstehe ich bis heute nicht. Ich hätte erwartet, daß die Ost-Sozialisten nun dieser Zersetzungsmaßnahme in Form der Grünen-Partei den Kampf ansagen, damit diese nicht länger das Deutschland schädigen, das nun auch Heimat der SED geworden ist und ja eines schönen Tages wieder Wirt der sozialistischen Idee sein soll, aber was passiert? Die SED versucht die Grünen in ihrer Wirkung sogar noch zu übertreffen! Mir schleierhaft, wie die einst stolze SED so - im durchaus negativen Sinn - verwestlichen konnte.

Karl Eduard
27. August 2010 19:13

Die alten Kader, die tatsächlich im Wirtschaftsprozess der DDR zu tun hatten und wussten, wie der sozialistische ökonomische Hase gegen die Wand läuft, sind längst im Ruhestand. Nachgewachsen sind Funktionäre, die schon früher Funktionäre waren und heute immer noch Funktionäre sind und die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, genau wie die Westlinken. Nie in der Produktion gewesen, FDJ -Sekretärin, Angestellte des Rates des Kreises, oder gar nur Studentin mit Flausen im Kopf, die heult, weil sie Nachhilfestunden geben mußte, für ihre Existenzsicherung. Liedermacher, geistige Höhenflieger und was nachwächst, kennt die DDR nur aus Erzählungen und daß das Altstoffsammeln Taschengeld brachte und Bücher billig waren. Die alte SED ist tot, wo man noch etwas wie gesunden ökonomischen Menschenverstand vermuten konnte. Und Gysi war immer schon ein Anwalt und Schaumschläger. Mit Talent zum Schaumschlagen allerdings. Die PDS wollte raus aus dem lokalen Ruch, weg von einer Ost - CDU und da hat sie die ganzen kommunistischen und maoistischen Idioten aufgenommen, denn die hatten ja Ahnung vom Kampf gegen den Kapitalismus von innen heraus. So gehts.

Lion Edler
27. August 2010 20:07

Man muß hier doch einfach unterscheiden zwischen ,,konservativen" Ost-Lehrern und SED-Kadern. Diese Unterscheidung fehlt mir sowohl im Posener-Artikel als auch bei Frau Kositza. Die ,,konservativen" - wenn man den Begriff so benutzen will - Ost-Lehrer sind in der Tat eher erfrischend und auf jeden Fall natürlich viel besser als die meisten Alt-68er-West-Lehrer. Daß es aber ein massives Problem gibt mit vielen DDR-nostalgischen SED-Lehrern im Osten, die sich die diktatorischen Denkweisen der DDR erhalten haben und mit Schülern genauso unmenschlich und diktatorisch umgehen wie in der DDR, das ist doch wohl gar nicht von der Hand zu weisen, und insofern ist Posener Recht zu geben. Im Übrigen sehe ich die ,,überraschenden Übereinstimmungen" eher zwischen West-68er-Lehrern und Ost-SED-Lehrern als zwischen SED-Lehrern und konservativen Ost-Lehrern. Der Egalitarismus, Antikapitalismus und Antifaschismus verbindet eben Alles. Der Skandal ist im Übrigen nicht, daß es sadistische Lehrer gibt - solche Personen gibt es in jedem Beruf - , sondern, daß man gegen solche Leute nichts unternehmen kann, und sie schalten und walten können wie sie wollen. Daher kommt es, daß diese Charaktere dort die Oberhand haben und keinesfalls nur eine Minderheit sind.

Martin
27. August 2010 20:45

Es ist faszinierend, wie sich in den Köpfen mancher diese stinkende, runtergewirtschaftete und in jeder Hinsicht kaputte DDR, mit ihrem schmierigen Spitzelapparat, auf einmal zu einer Art Idealstaat entwickelt ... und das nach nur 20 Jahren (Kopfschüttel).

Rautenklausner
27. August 2010 21:08

Instruktive statements, wenn auch in dieser form von der autorin so vielleicht nicht unbedingt intendiert. Sie bestätigen meinen eindruck, daß die letzten repräsentanten echter bürgerlichkeit in der deutschen demokratischen republik ihr letztes reservat fanden: alte kommunisten (keine neuen linken!) wie jürgen kuczynski, stefan heym oder hermlin.
Mit dem habitat verschwand dann in der tat der habitus aus der politik wie aus der kultur.

Karl Eduard
27. August 2010 21:54

Am sadistischsten war, wenn der Lehrer einen Idioten einen Idioten genannt hat und kein hoffnungsvolles Naturtalent, das kann die ganze Karriere als Weltraumraketentechniker kaputtmachen. Die spätere Weltraumstationsbesatzung hat es aber gedankt. Ich selbst bin übrigens immer noch auf die Weicheier unter meinen Lehrern sauer, weil sie mich nicht gezwungen haben, zu lernen, wenn mir die Einsicht dazu fehlte. Nette Lehrer sind der Bildung Tod.

Martin
27. August 2010 22:22

Lest doch alle mal "Der Turm" von Tellkamp ...

zum Thema:
Diese ganze Ost-West Diskussion in Sachen Bildung ist ohnehin dank der BRD- Kulturhoheit der Länder ziemlich überholt.

Im Westen sind es Bayern und Baden Württemberg, in den fnl Thüringen und Sachsen, die in den "Tests" (was sagen die eigentlich aus?) am besten abschneiden ...

Was ist mit den Schülern im Meck-Pomm oder Brandenburg? Ist die ursprüngliche "Bildungseinheit" der so hoch gelobten DDR nach nur 20 Jahren schon wieder dermaßen zerbrochen?

Offensichtlich ja und damit ist auch der Ost-West Vergleich in Sachen Bildung hinfällig ...

Ceterum censeo, dass Herr Posener ein überbewerteter Dummschwätzer war und ist ...

rjaeck
28. August 2010 00:59

Auf den feinen Unterschied zwischen "konservativen" Ost-Lehrern und solchen, die zu den Sozialismus-Nostalgikern zählen, ist tatsächlich Wert zu legen.

Erstere wären dem heutigen Schuldienst in größerer Zahl zu wünschen, aber woher nehmen? Problematisch wird es allerdings, wenn diese auf die bereits verbreitet antiautoritär und "partnerschaftlich" erzogenen Kinder losgelassen werden. Ich glaube, mittlerweile hat der 68er Ungeist auch Mitteldeutschland weitgehend durchdrungen.

Warum man andererseits das Schulwesen nach 1990 nicht entstalinisiert und stramme SED-Genossen aus dem Lehrerdasein verbannt hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Dies wird sich jedoch in einigen Jahren biologisch erledigt haben.

Bleiben immer noch die Kuschelpädagogen, wie bringt man denen wieder etwas Konservatismus bei? ...Ach ja, die sollen ja jetzt - zumindest in der Mark Brandenburg - von den Bayern lernen.
Oiso pack' mer's!

Vulture
31. August 2010 15:38

Diese Debatte ist nicht gut:
1. Schwachpunkt konstruierte Stereotypen.
2. Schwachpunkt Rueckwaertsgewandtheit/ SED Vergleich mit heutiger Situation, die Pseudo-Ostalgie mal grosszuegig ignoriert.

Ja es gab solche Lehrer in der DDR und auch die 4-5 Jahre danach, die ich in der Nachwendeschule miterlebt habe. Und? Waren alle so? Nein. Waren/sind diejenigen welchen deshalb gleich "konservativ"? Nein. Kenn jedenfalls keinen. Nur Funktionselite. Hier ist lediglich die "Disziplin der Maschinen" aus dem industriellen Zeitalter ueberliefert geblieben, weiter nichts. "Systematik" ist so ein Begriff aus dieser Schule, der mich mein Lebtag begleitet und mir gerade im Westen immer Ueberlegenheit und Vorankommen gesichert hat. Wenn man mich fragt was mich an schlechten Lehrern und Westprofessoren am meisten genervt hat, dann der totale Mangel an Systematik, also Chaos in Ablauf des Unterrichts, Erklaerungslogik, Tafelbild (wenn ueberhaupt gebraucht), Benutzung von Lehrmitteln etc.. Resultat: unsortiertes, lueckenhaftes Wissen trotz mancher Anstrengung, Resignation und Leck-mich-am-Arsch. Systematik erfordert auch und erzieht zur Disziplin. Systematik bedeutet Uebersicht. Es ist aber trotzdem nur ein Prinzip aus der Technik, aus der Maschinenwelt und dem industriellen Prozess. Das Verstaendnis einer verfahrenstechnischen Anlage oder eines komplexen Arbeitsprozesses mit elektrischen, mechanischen und physikalisch-chemischen Komponenten erfordert Uebersicht - Systematik, Disziplin. Das heisst noch lange nicht, dass es sich hiermit schon um etwas konservatives handelt, oder? - Nun fragt mich nicht nach Goethe oder Schopenhauer oder Kant, ich habe keine blasse Ahnung.

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