Ost- vs. Westpädagogik: Kuschen statt Kuscheln?

Der WELT-Mann Alan Posener hat dieser Tage in der online-Ausgabe seines Blattes einen Artikel veröffentlicht,...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

in dem er eine Renais­sance der Ost-Päd­ago­gik beklagt. Schon mache die Rede von einer „Ossi­fi­zie­rung“ der Schu­le die Run­de. Pose­ner hörts mit Grau­sen und sieht einen „Kul­tur­kampf“ an Ber­li­ner Schu­len auf­zie­hen. Die knall­har­ten, „ur-kon­ser­va­ti­ven“ DDR-Leh­rer, die nun in West­schu­len drän­gen, nen­nen sich laut Pose­ner stolz „gelern­te Ost­ler“, gäben sich auto­ri­tär, arbei­te­ten mit unmensch­li­chen Metho­den der fünf­zi­ger Jah­re und lie­ßen auf das „Nivo“ (sic! Weil DDRler natür­lich eine abar­ti­ge Aus­spra­che fran­zö­si­scher Fremd­wör­ter pfle­gen) der DDR-Schu­le angeb­lich nichts kom­men. Merk­wür­di­ge Vor­stel­lun­gen von Unter­richt und bezüg­lich des Men­schen­bil­des herrsch­ten in die­sen Ost­leh­rer­köp­fen vor. Unterm Strich: ein gro­ßes Pfui!

Als da wären: daß der Leh­rer als Respekts­per­son anzu­se­hen sei, daß Ord­nung gut und aso­zia­les Ver­hal­ten schlecht sei. Der Ost­leh­rer in Pose­ners Welt ist einer, der „Ali und Fati­ma“ natür­lich nicht mag und „Meh­met“ vor der gan­zen Klas­se zur Rede stellt, nur, weil der sich so eine „vor­pu­ber­tä­re“ Blö­de­lei geleis­tet hat. Daß Sach­sen und Thü­rin­gen bei PISA her­vor­ra­gend abge­schnit­ten haben, ist laut Pose­ner nur ein Zei­chen, daß die üble Pauk­päd­ago­gik des Ostens sich heu­te durchsetze.

Die­se Ost-Form der schwar­zen Päd­ago­gik sieht Pose­ner schon in der Grund­schu­le Ein­zug hal­ten. Jün­ge­re Ost­ler sei­en noch form­bar, bei älte­ren Leh­rern herr­sche das kol­lek­ti­vis­ti­sche „Wir“ anstel­le des „bür­ger­li­chen Indi­vi­du­ums Schü­ler“ vor. Schau­dernd äfft Pose­ner: „Wir haben unse­ren Stift vor uns. Wir heben ihn auf. Wir set­zen an. Wir schreiben….“

Das sei­en die glei­chen Leh­rer­ty­pen, die sich spä­ter wei­ger­ten, Schü­ler vom Unter­richt “frei­zu­stel­len für die Arbeit als Kon­flikt­lot­sen“. Unmen­schen halt, Betonköpfe.

Der Leser staunt. Das sind also die Miß­stän­de an Ber­li­ner Schu­len! Hier lie­gen die argen Pro­ble­me! Aus­gren­zen­de Leh­rer, die die Schü­ler­hän­de artig “nach oben schie­ßen” las­sen, wie konn­te dar­über bis­lang geschwie­gen werden!

Teil­wei­se hat Pose­ner ja recht. Daß die rei­ne Pauk­schu­le wie­der Ein­zug hält (Stich­wort: G 8) stimmt und ist bekla­gens­wert. Und: es gibt wirk­lich ganz furcht­ba­re Leh­rer, die zu DDR-Zei­ten ihren Beruf lern­ten. Viel­leicht anteils­mä­ßig etwa so vie­le wie west­so­zia­li­sier­te Päd­ago­gen, denen der Kopf mit anti­au­to­ri­tä­ren, zwangs­par­ti­zi­pa­ti­ven u.ä. Metho­den das Hirn ver­ne­belt wur­de. An wie vie­le wirk­lich gute Leh­rer erin­nern wir uns aus der eige­nen Schul­zeit? Sind es mehr als zwei, drei?

Pikant an Pose­ners Kla­ge über eine Rück­kehr der DDR-Päd­ago­gik ist ver­schie­de­nes: Zum einen, daß der­sel­be Pose­ner noch sechs Wochen vor­her auf dem von Michel Fried­man mit­in­iti­ier­ten und- betrie­be­nen Kol­lek­tiv-Blog starke-meinungen.de (auf das Pose­ner aus­wi­chen war, nach­dem die Kol­le­gen von der Ach­se des Guten ihn sehr unfreund­lich ver­ab­schie­det hat­ten) jene „jam­mern­den“ Eltern geschol­ten hat­te, die den schu­li­schen Leis­tungs­druck auf ihre Kin­der beklag­ten. Er selbst, Ex-Mao­ist und eins­ti­ger KPD-Kader und in die­ser Zeit selbst als Leh­rer tätig, hat­te sei­ne Toch­ter auf einer Pri­vat­schu­le unter­rich­ten las­sen, wo sie „mit einer Rei­he von Leh­rern und Leh­re­rin­nen” zusam­men­kam, die Pose­ner von sei­ner „kom­mu­nis­ti­schen Zeit her kann­te“ und die an „städ­ti­schen Schu­len Berufs­ver­bot“ hat­ten. Alt­kom­mu­nis­ten aus dem Wes­ten als Päd­ago­gen: fein; „gelern­te Ost­ler“: bäh? Was für ein Durch­ein­an­der an Befind­lich­kei­ten, ver­sam­melt in einer Person!

Auf den Welt-online-Arti­kel hagel­te es übri­gens kri­ti­sche Kom­men­ta­re, die nun alle­samt gelöscht sind. War der zustän­di­ge Redak­teur wohl Ossi oder Wessi?

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (15)

Karl Eduard

27. August 2010 09:33

Etwas auswendig zu lernen, zum Beispiel, wie man rechnet oder schreibt, statt darüber zu diskutieren, wie sozial ungerecht es ist, daß einige Menschen Analphabeten sind, ist natürlich furchtbar. Das verkrüppelt die Kinderseelen.

Wahnfried

27. August 2010 10:05

Ja... Posener. Wieso gesteht man ihm eigentlich nicht den verdienten Narrenstatus zu, lacht ob seiner naiven Artikelchen und wendet sich interessanteren Fragen zu?

Im übrigen erscheint mir die SED mittlerweile fast das kleinere Übel im Vergleich zu unseren Blockparteien, aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas Bargatzky

27. August 2010 11:14

Vielen Dank für diesen Kommentar, Frau Kositza! Wenn das, was Posener in seinem Artikel schildert, 'Ostpädagogik' ist, dann wünsche ich mir mehr davon in diesem Land. Und zu 'Wahnfried': Im Vergleich zu dem, was sich als Narrenzunft heute unter dem Etikett 'Links' in Deutschland tummelt, könnte man tatsächlich die SED in ganz neuem Licht sehen.

Wahnfried

27. August 2010 13:04

Thomas Bargatzky:

Das war auch keine Ironie. Nun bin ich als gelernter 'Westler' kein Experte in Sachen DDR, aber ich will Meyer heißen, wenn es in der DDR Dinge wie Gender-Mainstreaming, Förderung von Homosexualität, antiautoritäre Ideologie, den Willen zu unbegrenzter und im weiteren nutzloser Einwanderung, leistungslose Einkommen für Arbeitsunwillige oder Rechtfertigungen für Aufstände gegen die öffentliche Ordnung gab. Für all das - und mehr - steht die SED-Nachfolge heute.

Die Genossen Ulbricht und Honecker würden im Grab rotieren, wenn sie sehen könnten, was aus ihrer SED heute geworden ist. Um im Jargon der Sozialisten zu bleiben: Eine Partei die die Interessen des Lumpenproletariats gegenüber denen des Proletariats durchsetzt. Wenn ich mir da, als Konservativer, die heutige Linkspartei (oder wie immer sie gerade heißen mag) anschaue, dann komme ich nicht umhin die Vorzüge der SED anzuerkennen.

Thomas Bargatzky

27. August 2010 14:12

Zu Wahnfried: Das habe ich auch nicht als Ironie verstanden und stimme Ihnen völlig zu. Auch ich bin als 'gelernter Westler' kein Experte in Sachen DDR, aber ich fínde, man muß einfach anerkennen, daß in der DDR, in weit höherem Maße als in der durch 68 und die Folgen verwüsteten BRD, viele bürgerlichen Tugenden gepflegt wurden. Nehmen Sie nur die 'Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik', daraus als Beispiel: "Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten"! Ohne diese Tugenden (von Lafontaine u.a. als 'Sekundärtugenden' geschmäht) kann man eben 'keinen Staat machen', auch keinen sozialistischen.

Als Konservativer sieht man sich tatsächlich heute in der Lage, sich nicht nur eine richtige konservative, sondern auch wieder eine genuin linke Partei herbeizuwünschen, wie es in anderen westeuropäischen Staaten normal ist.

Karl Eduard

27. August 2010 15:27

@Wahnfried

So ist es. Mit der Wende haben sich die Genossen tatsächlich gewendet. Geblieben ist der Kampf gegen Ausbeutung und Imperialismus, daß heute Menschen, die körperlich und geistig wohl zu arbeiten vermögen, es aber vorziehen, auf Kosten anderer zu leben, gilt ihnen weder als Ausbeutung noch als Schmarotzertum. Selbst daß der Proletarier und der Bauer den Tag über schuften, um faules Gesindel durchzufüttern, das stört sie nicht.

Früher hiess es, "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!" Heute propagieren die Genossen, gerade, wer nicht arbeitet muß viel essen, weil das sein Menschenrecht ist. Da kann mann schon etwas irre werden, wenn man die zuvor kannte.

Früher hiess es: "Lernen, Lernen und nochmals Lernen!" Heute verschenken die Genossen Abschlüsse, wie Junkerland in Bauernhand.

Während die Sowjetunion in Afghanistan einen Akt proletarischen Internationalismus vollzog, indem sie Schulen baute und Krankenhäuser und Bildungsmöglichkeiten eröffnete, gilt den Linken das heute als Greuel, am besten hätten sie Afghanistan im Stande des Feudalismus und zwar ganz entgegen der Lehren Lenins, der es doch immerhin als erstrebenswert ansah, die Leute erst einmal zu bilden, auf daß sie den Marxismus - Leninismus überhaupt zu begreifen vermögen.

Wo in der DDR die Religion als Opium fürs Volk galt, als Relikt einer untergegangenen Gesellschaft, die den Werktätigen das Gehirn verkleistert, stehen die Linken jetzt an der Spitze wenn es darum geht, Moscheen als Volksverdummungszentren voranzubringen.

Galt es in der DDR, Anforderungen an den Einzelnen zu stellen, als Ausdruck, daß man ihm etwas zutraut, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, da wird nun die Auffassung vertreten, niemand ist für etwas verantwortlich, außer der Gesellschaft.

War die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der DDR propagiertes Prinzip, überschlagen sich die Genossen heute, eine Ideologie zu installieren, die Frauen als Eigentum und Dreck behandelt.
Da rotiert nicht nur der Honecker.

Wahnfried

27. August 2010 17:16

Nja, das ist schon alles sehr seltsam.

Als die Grünen mit ihrem ganzen Anhang wie Sexualbefreiten, Friedensbewegten und Baumliebhabern im Westen aufkamen, war für mich klar, daß diese ganze Bewegung ein Projekt unter Schirmherrschaft des MfS war, dessen einziges Ziel darin bestehen mußte Westdeutschland zu zersetzen.

Anders konnte ich mir große Teile dieses hahnebüchenen Unfugs, der eine Versündigung am gesunden Menschenverstand war und ist, gar nicht erklären. Blickt man zurück, so waren ja tatsächlich viele der dort Aktiven vom MfS geführt.

Der echte Sozialismus, der, der nicht eine bloße Zersetzungsmaßnahme ist, sondern einer in sich schlüssigen Weltanschauung folgt, fand für mich immer im Osten statt.

Was dann nach der Wende geschah verstehe ich bis heute nicht. Ich hätte erwartet, daß die Ost-Sozialisten nun dieser Zersetzungsmaßnahme in Form der Grünen-Partei den Kampf ansagen, damit diese nicht länger das Deutschland schädigen, das nun auch Heimat der SED geworden ist und ja eines schönen Tages wieder Wirt der sozialistischen Idee sein soll, aber was passiert? Die SED versucht die Grünen in ihrer Wirkung sogar noch zu übertreffen! Mir schleierhaft, wie die einst stolze SED so - im durchaus negativen Sinn - verwestlichen konnte.

Karl Eduard

27. August 2010 19:13

Die alten Kader, die tatsächlich im Wirtschaftsprozess der DDR zu tun hatten und wussten, wie der sozialistische ökonomische Hase gegen die Wand läuft, sind längst im Ruhestand. Nachgewachsen sind Funktionäre, die schon früher Funktionäre waren und heute immer noch Funktionäre sind und die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, genau wie die Westlinken. Nie in der Produktion gewesen, FDJ -Sekretärin, Angestellte des Rates des Kreises, oder gar nur Studentin mit Flausen im Kopf, die heult, weil sie Nachhilfestunden geben mußte, für ihre Existenzsicherung. Liedermacher, geistige Höhenflieger und was nachwächst, kennt die DDR nur aus Erzählungen und daß das Altstoffsammeln Taschengeld brachte und Bücher billig waren. Die alte SED ist tot, wo man noch etwas wie gesunden ökonomischen Menschenverstand vermuten konnte. Und Gysi war immer schon ein Anwalt und Schaumschläger. Mit Talent zum Schaumschlagen allerdings. Die PDS wollte raus aus dem lokalen Ruch, weg von einer Ost - CDU und da hat sie die ganzen kommunistischen und maoistischen Idioten aufgenommen, denn die hatten ja Ahnung vom Kampf gegen den Kapitalismus von innen heraus. So gehts.

Lion Edler

27. August 2010 20:07

Man muß hier doch einfach unterscheiden zwischen ,,konservativen" Ost-Lehrern und SED-Kadern. Diese Unterscheidung fehlt mir sowohl im Posener-Artikel als auch bei Frau Kositza. Die ,,konservativen" - wenn man den Begriff so benutzen will - Ost-Lehrer sind in der Tat eher erfrischend und auf jeden Fall natürlich viel besser als die meisten Alt-68er-West-Lehrer. Daß es aber ein massives Problem gibt mit vielen DDR-nostalgischen SED-Lehrern im Osten, die sich die diktatorischen Denkweisen der DDR erhalten haben und mit Schülern genauso unmenschlich und diktatorisch umgehen wie in der DDR, das ist doch wohl gar nicht von der Hand zu weisen, und insofern ist Posener Recht zu geben. Im Übrigen sehe ich die ,,überraschenden Übereinstimmungen" eher zwischen West-68er-Lehrern und Ost-SED-Lehrern als zwischen SED-Lehrern und konservativen Ost-Lehrern. Der Egalitarismus, Antikapitalismus und Antifaschismus verbindet eben Alles. Der Skandal ist im Übrigen nicht, daß es sadistische Lehrer gibt - solche Personen gibt es in jedem Beruf - , sondern, daß man gegen solche Leute nichts unternehmen kann, und sie schalten und walten können wie sie wollen. Daher kommt es, daß diese Charaktere dort die Oberhand haben und keinesfalls nur eine Minderheit sind.

Martin

27. August 2010 20:45

Es ist faszinierend, wie sich in den Köpfen mancher diese stinkende, runtergewirtschaftete und in jeder Hinsicht kaputte DDR, mit ihrem schmierigen Spitzelapparat, auf einmal zu einer Art Idealstaat entwickelt ... und das nach nur 20 Jahren (Kopfschüttel).

Rautenklausner

27. August 2010 21:08

Instruktive statements, wenn auch in dieser form von der autorin so vielleicht nicht unbedingt intendiert. Sie bestätigen meinen eindruck, daß die letzten repräsentanten echter bürgerlichkeit in der deutschen demokratischen republik ihr letztes reservat fanden: alte kommunisten (keine neuen linken!) wie jürgen kuczynski, stefan heym oder hermlin.
Mit dem habitat verschwand dann in der tat der habitus aus der politik wie aus der kultur.

Karl Eduard

27. August 2010 21:54

Am sadistischsten war, wenn der Lehrer einen Idioten einen Idioten genannt hat und kein hoffnungsvolles Naturtalent, das kann die ganze Karriere als Weltraumraketentechniker kaputtmachen. Die spätere Weltraumstationsbesatzung hat es aber gedankt. Ich selbst bin übrigens immer noch auf die Weicheier unter meinen Lehrern sauer, weil sie mich nicht gezwungen haben, zu lernen, wenn mir die Einsicht dazu fehlte. Nette Lehrer sind der Bildung Tod.

Martin

27. August 2010 22:22

Lest doch alle mal "Der Turm" von Tellkamp ...

zum Thema:
Diese ganze Ost-West Diskussion in Sachen Bildung ist ohnehin dank der BRD- Kulturhoheit der Länder ziemlich überholt.

Im Westen sind es Bayern und Baden Württemberg, in den fnl Thüringen und Sachsen, die in den "Tests" (was sagen die eigentlich aus?) am besten abschneiden ...

Was ist mit den Schülern im Meck-Pomm oder Brandenburg? Ist die ursprüngliche "Bildungseinheit" der so hoch gelobten DDR nach nur 20 Jahren schon wieder dermaßen zerbrochen?

Offensichtlich ja und damit ist auch der Ost-West Vergleich in Sachen Bildung hinfällig ...

Ceterum censeo, dass Herr Posener ein überbewerteter Dummschwätzer war und ist ...

rjaeck

28. August 2010 00:59

Auf den feinen Unterschied zwischen "konservativen" Ost-Lehrern und solchen, die zu den Sozialismus-Nostalgikern zählen, ist tatsächlich Wert zu legen.

Erstere wären dem heutigen Schuldienst in größerer Zahl zu wünschen, aber woher nehmen? Problematisch wird es allerdings, wenn diese auf die bereits verbreitet antiautoritär und "partnerschaftlich" erzogenen Kinder losgelassen werden. Ich glaube, mittlerweile hat der 68er Ungeist auch Mitteldeutschland weitgehend durchdrungen.

Warum man andererseits das Schulwesen nach 1990 nicht entstalinisiert und stramme SED-Genossen aus dem Lehrerdasein verbannt hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Dies wird sich jedoch in einigen Jahren biologisch erledigt haben.

Bleiben immer noch die Kuschelpädagogen, wie bringt man denen wieder etwas Konservatismus bei? ...Ach ja, die sollen ja jetzt - zumindest in der Mark Brandenburg - von den Bayern lernen.
Oiso pack' mer's!

Vulture

31. August 2010 15:38

Diese Debatte ist nicht gut:
1. Schwachpunkt konstruierte Stereotypen.
2. Schwachpunkt Rueckwaertsgewandtheit/ SED Vergleich mit heutiger Situation, die Pseudo-Ostalgie mal grosszuegig ignoriert.

Ja es gab solche Lehrer in der DDR und auch die 4-5 Jahre danach, die ich in der Nachwendeschule miterlebt habe. Und? Waren alle so? Nein. Waren/sind diejenigen welchen deshalb gleich "konservativ"? Nein. Kenn jedenfalls keinen. Nur Funktionselite. Hier ist lediglich die "Disziplin der Maschinen" aus dem industriellen Zeitalter ueberliefert geblieben, weiter nichts. "Systematik" ist so ein Begriff aus dieser Schule, der mich mein Lebtag begleitet und mir gerade im Westen immer Ueberlegenheit und Vorankommen gesichert hat. Wenn man mich fragt was mich an schlechten Lehrern und Westprofessoren am meisten genervt hat, dann der totale Mangel an Systematik, also Chaos in Ablauf des Unterrichts, Erklaerungslogik, Tafelbild (wenn ueberhaupt gebraucht), Benutzung von Lehrmitteln etc.. Resultat: unsortiertes, lueckenhaftes Wissen trotz mancher Anstrengung, Resignation und Leck-mich-am-Arsch. Systematik erfordert auch und erzieht zur Disziplin. Systematik bedeutet Uebersicht. Es ist aber trotzdem nur ein Prinzip aus der Technik, aus der Maschinenwelt und dem industriellen Prozess. Das Verstaendnis einer verfahrenstechnischen Anlage oder eines komplexen Arbeitsprozesses mit elektrischen, mechanischen und physikalisch-chemischen Komponenten erfordert Uebersicht - Systematik, Disziplin. Das heisst noch lange nicht, dass es sich hiermit schon um etwas konservatives handelt, oder? - Nun fragt mich nicht nach Goethe oder Schopenhauer oder Kant, ich habe keine blasse Ahnung.

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