31. August 2010

Vor, während und nach Sarrazin

von Götz Kubitschek / 36 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

In der Süddeutschen Zeitung von heute findet sich ein kleiner, wenig schmeichelhafter Beitrag über unsere Studie Der Fall Sarrazin und über das Mitsegeln in Sarrazins Windschatten. Ich dachte eigentlich, daß der Redakteur nach unserem Telefonat verstanden hätte, worauf es mir/uns ankommt. Und "verwittert" ist unser Rittergut schon gar nicht.

Der Artikel (hier kann man ihn lesen) soll also nun der Anlaß sein, zu notieren, warum es aus meiner Sicht für uns ein "vor", ein "während" und ein "nach" Sarrazins Buch-Sommer gibt.

Mit Blick auf eine nicht immer zuverlässige, in Höhenregionen aber doch aussagekräftige amazon-Statistik läßt sich über das "während" folgendes sagen: Unsere gut vorbereiteten Studien und Bücher werden in einem logarithmierten Angebotskreislauf wie von alleine mitgezogen, zu Recht wie ich meine: Nichts paßt besser zu Sarrazins Buch als die vom Institut für Staatspolitik gründlich recherchierte und nun innerhalb weniger Tage aktualisierte Studie Der Fall Sarrazin, die mittlerweile auf Platz 20 der Bestsellerliste angekommen ist. Darin findet sich neben einer Einordnung des Buchs auch eine Medienanalyse zum 1. Fall Sarrazin und - besonders wichtig - eine Fakten-Analyse: Welche Thesen stellt Sarrazin auf, welche Fakten sprechen für diese Thesen, gibt es Mängel in der Recherche?

Wir drucken von dieser Studie derzeit 5000 Exemplare nach, sie werden nicht reichen. Mit in den Kreislauf gerutscht sind auch die Bücher Deutsche Opfer, fremde Täter sowie Zurüstung zum Bürgerkrieg aus meinem Verlag. Wir verdienen also gut mit. Jeder Verleger wird stets versuchen, auf solchen Wellen mitzureiten. Von mir aus muß sie noch lange nicht ausbranden.

Uns ist dabei klar, daß wir diesen Erfolg nicht uns, sondern dem klaren Wort und dem Provokationspotential des Dissidenten Sarrazin zu verdanken haben. Aber, präziser - und damit bin ich beim "vor Sarrazin": Man muß auf solche Momente schon vorbereitet sein. Das im weiten Sinne konservative, rechte Milieu träumt ja seit Jahren von der Stunde, in der einer die Tür aufstieße und eine Debatte begänne, als deren Sieger die Konservativen aufgrund ihrer Argumentationsstärke schon im voraus feststünden.

Es ist nun so, daß die Nische ein warmes Plätzchen ist, ein Windschatten. Es ist leicht, stets zu beklagen, daß man nicht zu Wort komme. Ich sage das in vielen Bereichen auch und meine etwa auch beim Blick auf die Beckmann-Runde von gestern abend, daß man Sarrazin fairerweise einen Verbündeten hätte an die Seite setzen sollen. Noch schlimmer ist es ja, wenn die Gegner nur noch unter sich über den Abwesenden und seine Thesen diskutieren.

Wie wäre es aber, wenn neben Sarrazin ein Sofa-Plätzchen freigemacht würde? Wer wäre bereit, wer wäre vorbereitet, wer wäre ausgefuchst, wer wäre schlagfertig genug? Man muß dann so ein Buch schon gründlich gelesen haben, man muß im Saft stehen, muß vergleichen können, muß Zitate von früher im Kopf haben, muß die Fußangeln erkennen, die ausgelegt werden. Das alles, diese ganze Vorbereitung auf den Punkt muß "vor" Sarrazin gelaufen sein, nicht nur für die Sofaecke, sondern auch für den Kreislauf der großen Buchversande.

Das darf hier einmal gesagt werden: Das Institut für Staatspolitik arbeitet in dieser Hinsicht vorbildlich - reaktionsschnell, unkompliziert, oder kennt jemand eine andere Institution, die gestern bereits eine Studie zum Nachdruck in Auftrag gab, dafür die Lektüre des Buchs bewältigte und erste Reaktionen einarbeitete? Kommentarspalten vollzuschreiben und ständig auf dem neuesten Stand darüber zu sein, wer gerade was über Sarrazin gesagt hat, ist erst dann eine Leistung, wenn daraus produktiv etwas wird - wenn es im Zweifelsfall vorgebracht, vertreten, unterfüttert und veröffentlicht werden kann.

Wie groß der Unterschied zwischen der Ansammlung von Halbwissen und der kenntnisreichen Debattenbeteiligung oder Veröffentlichung eines Buchs oder einer Studie ist, wissen viele nicht. Und wie groß der Unterschied zwischen anonymem Kommentar und persönlicher Konfrontation durch einen Medienprofi ist, wissen die meisten nicht. Aber man muß das lernen.

Denn damit bin ich beim "nach Sarrazin": Wir können nun nicht mehr behaupten, daß das Zuwanderungsthema oder das Thema Ausländerkriminalität oder das Überfremdungs- und damit das Identitätsthema keine wären. Diese Themen sind jetzt auf der Tagesordnung, sie werden gedreht, sie werden püriert, aber sie sind da - und wenn der Geist aus der Flasche ist, dann will er nicht wieder hinein.

Es ist also vorbei mit dem Argument: Wir würden, wenn wir nur dürften. Wir dürfen schon (siehe Buch-Kreislauf), wir dürfen vielleicht sogar noch mehr, demnächst. Jetzt müssen die Karten auf den Tisch. Aus ist's mit der Nische.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (36)

Sondaschüler
31. August 2010 12:18
Ich glaube, daß wir die ganze Sarrazin-Sache überbewerten. Klar, im Windschatten des Medienspektakels kann Antaios seine Verkaufszahlen kräftig erhöhen - und das ist auch gut so. Insgesamt ist das natürlich ein Schritt nach vorne.

Was soll aber nun der ansonsten brave BRD-Bürger, der nun aufgeputscht durch Sarrazin-Lektüre nach radikalen Veränderungen strebt, tun? CDU wählen? Einfluß auf das etablierte Parteienspektrum wird der Fall-Sarrazin kaum haben. Die CDU wird eine sozialdemokratisierte Partei bleiben.

Bleibt nur zu hoffen, daß sich das allgemeine Meinungsklima langfristig nach rechts verlagern läßt. Doch was kann die Sarrazin-Debatte noch ausrichten, wenn nach dem ersten Hype das Interesse der Bundesbürger verflogen ist? Dem deutschen Michel scheint der Bau eines Bahnhofes in Stuttgart wichtiger als die Tatsache des Vorbürgerkrieges zu sein. Ein derartig fortgeschrittenes Maß an Verblödung macht es sehr schwer, an einen Erfolg glauben zu können.
Sugus
31. August 2010 12:44
Herr Kubitschek, sehens Sie es als Rezension und grämen Sie sich nicht über den Tenor. "Wenn ich ein Buch wirklich zerreissen will, erwähne ich es nicht" - alte Journalistenweisheit!
Wahnfried
31. August 2010 12:57
Die Debatte selbst bringt Thilo Sarrazin ja gar nicht entscheidend nach vorne, wenigstens nicht in inhaltlicher Hinsicht, sondern er nötigt Politik wie Presse das eindeutige Bekenntnis zur Überfremdung ab. Das alleine - so finde ich - ist schon ein großer Verdienst. Wenn dadurch nur ein paar tausend Leute mehr einsehen, daß die Presse wie ein totes Gewässer völlig umgekippt ist, während die Politik nur nach deren Pfeife tanzt, dann ist doch bereits viel gewonnen!?
Rolf Eidhalt
31. August 2010 13:14
Demnächst also Götz Kubitschek bei Michel Friedmann.
Oder Martin Lichtmesz bei Johannes Baptist Kerner - Autobahnvergleiche selbstredend inbegriffen.
Dann wünsche ich Ihnen, daß neben dem vorhandenen Faktenwissen (was auch bei Sarrazin vorhanden ist) auch eine fernsehgeeignete Ausstrahlung (bei Sarrazin nicht der Fall) vorhanden ist.

Was soll dann noch schiefgehen?
Glück auf!
KS
31. August 2010 13:24
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum nun eintretenden kommerziellen Erfolg und zu Ihrer nüchternen Betrachtungsweise.

Daß es nun aus sei mit der Nische, das gebe Gott. Ich schließe mich aber den Bedenken von "Sondaschüler" an. Es nicht anzunehmen, daß sich das Meinungsklima nach rechts verschieben wird. Dazu arbeitet die linke deutsche Journaille zu professionell an der Verdrehung von Tatsachen und der Zerstörung von Sarrazins Integrität. Wenn rechtsextrem nicht zieht, dann hat er eben einen "Knall".
Und morgen schon wird eine neue Sau durch die deutsche Meinungsmaschinerie getrieben.

Nein, bis die Deutschen aufwachen, dauert es noch Jahre. Besser wär´s, das IfS veröffentlicht heute schon Studien zur Reconquista.
M.
31. August 2010 13:53
Götz Kubitschek schrieb:

In der Süddeutschen Zeitung von heute findet sich ein kleiner, wenig schmeichelhafter Beitrag über unsere Studie Der Fall Sarrazin und über das Mitsegeln in Sarrazins Windschatten.


Wieso wenig schmeichelhaft? Inhaltlich wird die Studie nicht angegriffen. Und die Verkaufszahlen eines Buches sagen ja noch nichts über dessen Qualität aus. Insofern würde ich diesen Artikel durchaus positiv bewerten.

Respekt auch für die schnelle Überarbeitung in Reaktion auf die aktuelle Debatte.
Roi Danton
31. August 2010 14:17
Wichtig ist doch, dass darüber diskutiert wird. Ob die Journaille Sarrazin nun als "rechtsextrem" oder "verrückt" brandmarkt ist nach den Gesetzen der Medienwirkung völlig zweitranging. Die Agenda-Setting-Funktion der Medien jedenfalls greift, d.h. das Thema wird bei den Leuten durch die bloße Berichterstattung eins. Und empirisch bestätigt ist ebenfalls seit langer Zeit, dass auch nicht ein jeder Rezipient durch die tendenziöse Meinungsmache der Journalisten deren Meinung über Sarrazin und zum Thema übernimmt. D.h. im Zweifel gewinnen "wir", denn so werden viele Menschen geradezu mit dem Kopf auf die ganze Thematik gestoßen und einige werden danach auf der richtigen Seite hängen bleiben.

Es ist ja ohnehin nicht so, dass alle Menschen der seit Jahrzehnten systematisch betriebenen Propagandamaschinerie aus dem Medien-/Politik- und Pädadogen-Kartell auf den Leim gegangen wären (auch wenn es vom diffusen Gefühl "Hier stimmt was nicht!" bis hin zur Aktivität natürlich ein extrem weiter Weg ist), die Medienrealität ist eben eine andere als die wahrhaft existierende. Und diese Kluft wächst von Tag zu Tag. Ob das Ende deswegen ein gutes ist, weiss ich nicht, aber immerhin ist die Entfremdung von Berlin und den Redaktionsstuben ein evidentes Zeichen einer geistigen Emanzipation. Und eben hoffentlich mit einem guten Ende für das wahre Deutschland. Muss nicht sein, kann aber.

Also, wie Herr Kubitschek schon sagte, gut vorbereitet sein und einfach freuen, dass jemand wie Sarrazin diesen Wirbel verursacht, denn nochmal: "There is no such thing as bad press."
Emil
31. August 2010 14:48
Thilo Sarrazin sollte nicht so pauschal verurteilt werden wie es die Medien in den letzten Tagen gemacht haben. Das Untersichtenproblem, welches er anspricht, muss gelöst werden. Seine Thesen sind ziemlich provokant, aber dies scheint der einzige Weg zu sein, dass sich die Gesellschaft mit diesem Thema einmal wirklich beschäftigt.
Vulture
31. August 2010 14:59
Sauber. Herzlichen Glueckwunsch und weiter so!
Sondaschüler
31. August 2010 16:01
Außerst aufschlußreich ist es ja, das selbst CSU-Politiker Sarrazin attackieren.

Man darf ja davon ausgehen, daß die meisten Käufer des Buches mit den dort vertretenen Thesen konform gehen.

Was für Konsequenzen werden die Leser daraus ziehen, daß ihre Meinung als neonazistisch oder durchgeknallt diffamiert wird? Werden sie weiterhin brav CDU/CSU/FDP/GRÜNE/PDS wählen? Vermutlich ja, solange wärmes Essen, Spielekonsole und Verhütungsmittel ausreichend zur Verfügung stehen.

Auch wenn sich in der großen Politik nichts ändern wird, gehen wir gestärkt aus dem Gefecht hervor.

Selbst wenn Sarrazin Pro-Deutschland beitreten würde und auf Bundesebene ein 20%-Erfolg erreicht werden könnte, würde sich nichts ändern. Das Ergebnis wäre vermutlich ein weiteres Zusammenrücken von SPD und CDU. Die "Anständigen" (eingedeutschte Ausländer, unverbesserliche Linke und verblödete Medien-Mitläufer) hätten genug Zulauf, um die Mehrheit im Deutschen Bundestag für die nächsten 50 Jahre an sich zu reißen. Natürlich könnte es auch sein, daß es eine Palastrevolte in der CDU geben wird, an deren Ende Merkel mit ihren Handlangern aus der Partei ausgestoßen werden wird. Dann wäre der Weg frei für einen großen konservativen Regierungsblock. Aber natürlich ist das alles äußerst unwahrscheinlich.

Trotzdem sollten wir nicht verzagen und stetig gegen das System ankämpfen, das uns die 68er aufgehalst haben. Im Gegensatz zur DDR und dem Dritten Reich haben wir ja den Vorteil, daß wir (noch) nicht in Arbeits/Todeslager gesteckt werden dürfen. Freilich kann offener Widerstand immer auch bedeuten, ökonomisch vernichtet zu werden, bzw. von den Futtertrögen ausgeschlossen zu werden.
lieber_aal
31. August 2010 16:36
Heute morgen im WDR5-Morgenradio:
Der linke Soziologieprofessor Claus Leggewie erklärt das Buch von Herrn Sarrazin argumentfrei, aber nichtsdestoweniger in Bausch und Bogen für unwissenschaftlichen Quatsch und das offenbar große öffentliche Interesse daran schlankweg für nicht repräsentativ.

Die (selbsternannte) linke Intelligenzija fühlt sich offenbar doch massiv auf den Fuß getreten.

Link zum ca. 6-minütigen Interview:

http://www.wdr5.de/sendungen/morgenecho/s/d/31.08.2010-06.05/b/sarrazins-politik-show.html
Schon länger besorgt
31. August 2010 16:53
Ob etwas Gutes daraus wird? Es ist kaum zu glauben, was in diesem Tollhaus abläuft. Ich habe jetzt gemerkt, daß tatsächlich kein Unterschied mehr zwischen den Parteien ist, eine beklemmende Situation. Ganz unabhängig davon, ob Sarrazin ganz, zu 80 Prozent oder auch gar nicht recht hat: die Meinungsfreiheit in diesem Lande ist eine Farce.
Wo war A. Merkel, als die emporgehievte Özkan ihre Idee einer Mediencharta vorbrachte? Tiefes Schweigen. Oder kam die Idee sogar von ihr?
Immerhin weiß man jetzt, daß es hier eine Staatsdoktrin gibt. Alle Migranten (Sowjetsoldaten) sind nett, der Multikulturalismus (Sozialismus) ist die einzige Lebensform.
Was macht man denn nun mit den autochthonen Deutschen (Staatsfeinden)? Eine Mauer, über die man sie dem Klassenfeind hinüberschicken könnte, gibt es ja nicht mehr.
Überhaupt außer Landes verweisen? Die Tribunale tagen ja schon allerorten. Zumindest sollte man über eine kleine Bücherverbrennung (einstweilige Verfügung oder auch eine tatsächliche Aktion, die Antifaschisten helfen sicher gerne) nachdenken.
Bormi
31. August 2010 17:00
Lieber Herr Kubitschek,

zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erfolg Ihrer Studie (und auch der anderen Publikationen). Den Artikel in der Süddeutschen Zeitung empfinde ich nicht als "wenig schmeichelhaft". Ihr Verlag wird nicht als "rechtsextrem" definiert und auch nicht mit Häme überschüttet. Zur Runde bei Beckmann: Natürlich kann man vieles kritisieren, was da gestern abend passiert ist (z. B. die Tatsache, daß Beckmann mehrfach die Rolle eines Moderators verlassen und z. B. Herrn Yogeshwar geduzt hat). Insgesamt war die Sendung für Sarrazin aber ein Erfolg: Er hat sachlich das vorgetragen, was er denkt und was viele in der Bevölkerung auch nachvollziehen können. Demgegenüber haben die anderen Gäste ihre üblichen dummen Phrasen abgelassen. O-Ton Künast: "Das ist Unsinn!" usw. Ich glaube, daß diese Sendung vielen Zuschauern vor Augen geführt hat, daß öffentliche und veröffentlichte Meinung voneinander abweichen. Je stärker die Medien Sarrazin jetzt angreifen, desto mehr Menschen werden sich auf seine Seite schlagen. Die Diskrepanz zwischen nalltäglichen Erfahrungen und den Phrasen der Politiker ist inzwischen einfach zu groß.
Ingo Bading
31. August 2010 18:43
Lieber Herr Kubitschek,

Sie sagen sehr viel Richtiges und bleiben vor allem auch im Tonfall auf dem Teppich. Aber gesagt werden kann auch: Wenn es 2006 nicht Querschüsse aus Weikersheim gegeben hätte gegen gar zu "Revolutionäres" hinsichtlich der Diskussionen auf Ihrem alten Internetblog und wenn man von Seiten des IfS darauf hin nicht gar zu sehr die Köpfe eingezogen hätte, wenn man ein bischen fröhlicher und offener gewesen wäre und Leute, die Fußtritte verteilen, schärfer ausgegrenzt hätte, könnte man jetzt schon wesentlich weiter sein mit der geistigen Vorbereitung auf die derzeitige Debatte.

Aber geschenkt! Bitte gar nicht erst drauf antworten. Wenn interessiert JETZT noch die Zeit "VOR" Sarrazin?

Denn es ist ja klar - und Schirrmacher hat in der FAZ schon darauf hingewiesen: der Kern der Debatte liegt im humangenetischen und soziobiologischen Fortschritt, sprich Paradigmenwechsel der letzten 10 bis 15 Jahre. DIESEN naturwissenschaftlichen Fortschritt muß man aus dem "ff" beherrschen, wenn man in dieser Debatte souverän agieren will. Mit Andreas Vonderach haben Sie da einen hervorragenden Autor und sind bestens beraten.

Die Gemeinde der Anthropologen, Humangenetiker und Hirnforscher (Gerhard Roth etwa) sollten jetzt endlich aus IHREM Windschatten hervortreten und klar trennen: Die Sachdebatte von all dem Ressentiment beiderseits, in das diese Sachdebatte eingebettet worden ist - sicherlich bewußt von jenen, die "perception management" betreiben in diesen Dingen.

Aber die Sachdebatte ERZWINGT eine Verabschiedung von der 2.000-jährigen, nachantiken Kultur des Ressentiments und die Begehung des Weges hin zu einer Kultur des Vertrauens, des Wohlwollens und der Großzügigkeit in der Beziehung der Völker und Kulturen unter- und miteinander. Wozu noch Ressentimens, wozu noch Aufwiegeln lassen gegeneinander, wenn die zustimmungspflichtigen naturwissenschaftlichen Tatsachen den allgemeinen Konsens hergestellt haben?

Aber das ist Zukunftsmusik. Sicher ist: In zehn Jahren sieht die Welt anders aus. Es ist zu hoffen, auch in einem tieferen Sinne: humaner.
buxe
31. August 2010 19:11
Es wäre gut, wenn sich in der jetzigen, kritischen Phase in der Kampagne gegen Sarrazin Personen mit einwandfreiem Leumund öffentlich und in wahrnehmbaren Medien auf Sarrazins Seite stellen würden. Die Rückendeckung von Hans-Olaf Henkel in der JF (bzw. deren Internetseite) ist ein guter Anfang, gehört aber eigentlich in die FAZ. Aber vom Schlage Hans-Olaf Henkel oder auch Wilhelm Hankel haben wir leider nicht genug.
Oliver
31. August 2010 19:29
5000 Exemplare, vielleicht bald 7-10 000? Sind das nicht einfach die PI-News Leser, Junge Freiheit Leser, Pro-, Rep- und DVU-Wähler, auch vereinzelte NPDler, vielleicht ein paar junge und alte Burschen und der übliche rechte Flügel der Union, welche sich im Zuge der Kontroverse durchgerungen haben sich mal näher mit dem Sarrazin-Thema zu beschäftigen? Die Studie kostet nur 5€ - also wer das Sarrazin-Buch bei Amazon bestellt, denkt sich, die kleine Studie bestell ich doch gleich mal mit, kostet ja nicht viel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein durchschnittlicher Bundesbürger, der das erste mal ein rechtes Buch bestellt, gleich gezielt "Zurüstung zum Bürgerkrieg" auswählt, wenn er die Junge Freiheit, Sezession und Antaios nicht wenigstens bereits oberflächlich kennt (also aus dem oben genannten Milieu stammt).

5000 ist ja keine große Zahl, ich hab auch schon mal 3000 kostenlose politische Zeitschriften wo verteilt. Hier wird natürlich Geld bezahlt, das ist der Unterschied. Aber im Zuge einer so breiten Medienkampagne durch alle Zeitungen rauf und runter war nichts anderes zu erwarten. Man sollte also nicht (schon wieder) so schnell in den Größenwahn verfallen.

antwort kubitschek:
in größenwahn verfällt hier zum glück auch niemand, und ich kann nur nochmals sagen, daß das, was hier derzeit bewegt wird an büchern und studien sowie an internet-zugriffen nicht nichts ist und vor allem über das "milieu" weit hinausgeht. ich weiß nicht, warum wir darauf nicht stolz und damit nicht zufrieden sein sollten. und die sache hat ja eben erst angefangen.
Bernhard Niederreiter
31. August 2010 20:48
Nach meiner Auffassung dient die Sarrazindebatte lediglich der Vernebelung. Tatsächlich sind die Probleme im Weltfinanzsystem nicht gelöst. Die amerikanisch-britisch dominierte Hochfinanz agiert weiter über ihre off-shore-Oasen, von denen sich einige in europäischen Gewässern befinden. Deren Existenz wird systematisch ausgeblendet (isle of man, Kanalinseln). Alle sprechen nur von der Schweiz und Liechtenstein. Dort haben nur arme Reiche ihr Geld angelegt und können sich nun mit diversen Steuersünder-CDs abwatschen lassen.
Staaten, allen voran Deutschland, werden systematisch erpresst, die überbordende Verschuldung in ihre Staatshaushalte zu übernehmen. Dies dient alleine dem Zweck, die Vermögen der Hochfinanz zu sichern und zu vermehren.
Eine Debatte über ethnische Gruppen spielt der Hochfinanz im Sinne von "divide et impera" in die Hände.
Patrioten sollte vielmehr auf systematisch angelegte Verarmungsmechanismen hinweisen, die das deutsche Volk um seine Entwicklungschancen und seine Ersparnisse bringen wird. Jahrzehntelang währender Außenhandelsbilanzüberschuss hat unsere Bankbilanzen und Konten mit wertlosem Zahlenmüll gefüllt. Glaubt ernsthaft jemand, dass Griechenland seine Schulden mit selbstproduzierten Kühlschränken, Fernsehern oder Autos ausgleichen wird?
Am Beispiel Japan kann man hervorragend studieren, wo diese Politik hinführt. Dort gibt es absolut keine ethnischen Probleme. Jahrzehntelanges Ausbluten des ehemaligen Wirtschaftsmusterlandes haben eine bereits über zehn Jahre währende Deflation erzeugt, welche die Menschen in die Hoffnungslosigkeit treibt. Keine Kinder, keine neuen Häuser, keine Möbel, keine Zukunft.
Schafspelz
31. August 2010 21:57
Gut, die Sezession hat Recht, Zeit für Bekenntnisse: Ja zum ökonomischen Menschenbild und zum Sozialdarwinismus des Sarazin - vergrabt ihn als kostenintensiven Rentenbezieher und raubt auch eure Nachbarn aus. Was dir nutzt ist gut. Das ist unsere neue Religion.
Gott vergelts
Martin
31. August 2010 22:54
Schafspelz,

wo entnehmen Sie Sarrazin ein ökonomisches Menschenbild oder Sozialdarwinismus?

Er rechnet nur mal genauer nach - und widerlegt eben das Allheilbild unserer Politiker, dass mit Geld eben alles machbar sei ...

Pumpt nur viel Geld in Bildung, Integrationsprojekte etc. und alles wird gut. Das wurde uns seit 30 Jahren versprochen und herausgekommen ist dabei recht wenig. Dies breitenwirksam aufzudecken, ist Sarrazins Verdienst, der ein wahrer Sozialdemokrat und Preuße ist.
Oliver
31. August 2010 23:13
Natürlich kann man Stolz auf Besucherzahlen und Verkäufe sein, das verstehe ich, auch wenn man nicht vergessen sollte, dass es Sarrazin durch seinen Status als Ex-Finanzsenator und als Bundesbanker war und ist, durch seinen Status des "Dazugehörens" zur politischen Klasse, der hier die Aufmerksamkeit erregt und an den sich alle anderen nur dranhängen.

Es geht nicht um Stolz, sondern um überzogene Erwartungen fürs "während" und "nach Sarrazin". Mir gehts um einen gewissen Realismus, der der Rechten oft nachgesagt wird, der 'Neuen Rechten' aber leider oft fehlt. Ich glaube nicht, dass wegen 5000 Druckverkäufen gleich jemand aufs Sofa einer ARD-Talkshow oder so was eingeladen wird, um (darauf läufts hinaus) die gesamte Politik aller (!) Parteien in Frage zu stellen, oder das herrschende "moderne westliche Menschenbild" in Frage zu stellen, zumal es leider nicht stimmt, dass die "große, große, große Mehrheit der Deutschen" mit den Linken "fertig" hätte (die Vorstellung kursiert in rechten Blogs und Kommentarspalten). Realitätscheck: In Berlin sind die Grünen stärkste Kraft. Union und FDP sind auf Rekordtief, ohne dass eine rechte Partei davon profitierte. Auch dass jeder Nichtwähler ein enttäuschter Rechter sei ist eine unbegründete falsche Hoffnung.

Aber vielleicht irre ich mich ja, oder Sie verfügen über gewisse Verbindungen in die Redaktionsstuben der Sender und Talkshows, wo jemand nur darauf wartet Herrn Lehnert zur Prime Time ins Fernsehen einzuladen. Gut für Sie, wenn das so ist. Aber falls Sie diese Vitamin-B nicht haben, sehe ich leider schwarz fürs Sofa-Plätzchen neben Sarrazin.

Ich glaube auch nicht, dass die Sache eben erst beginnt. Sobald Sarrazin entlassen sein wird, ist die Sache im Wesentlichen erledigt. Es flaut jetzt ab. Die Frage ist nur, ob der Bundesbankvorstand gleich pariert, oder der Bundestag erst eine Gesetzesänderung durchdrücken muss.
Auch die Hohmann-Geschichte (und vergleichbare Vorfälle) haben kurzzeitig die Besucherzahlen von JF und ich glaube auch Ihrer Seite, GK, in die Höhe schnellen lassen. Ich sehe anhand der Google-Suchanfragenstatistik, dass das Interesse für die JF genauso schnell wieder nachgelassen hat. Ich fürchte, so wird es auch diesmal sein. Es bleibt natürlich ein positiver Effekt zurück (verkaufte Bücher, einige neue Leute)... aber so eine Provinzposse wie Sarrazin wird nicht zum Stalingrad fürs "moderne westliche Menschenbild" und die dazugehörige Gesetzes- und Rechteordnung.
Oliver
31. August 2010 23:25
Letzter Satz ist natürlich zugespitzt formuliert.

Mein Fazit jedenfalls:
1. Zumindest viele die hier Bücher kaufen sind bereits rechts. Die meisten sind erfahrungsgemäß (etwa bei plätzlichem rasantem Anstieg von Zugriffszahlen - so hab ichs mehrfach andernorts erlebt) aus dem Umfeld von PI-News.
2. Bleibt mir mit den Erwartungen für die Zukunft bissl auf dem Teppich. Man macht sich nur unglaubwürdig, wenn nach großen Ankündigungen (oder Prognosen) nichts dergleichen folgt.

Aber, wie die Anglophonen sagen, time will tell... vielleicht kommt ja wirklich alles gaanz anders wegen klein Sarrazin. Ich glaube das aber einfach nicht.
VRIL
01. September 2010 00:07
Glückwunsch aus Hamburg ! Gute Arbeit
Anna
01. September 2010 08:16
Gefällt mir, gefällt mir, die ganze Sache!!
Sie haben völlig Recht,
Wie groß der Unterschied zwischen der Ansammlung von Halbwissen und der kenntnisreichen Debattenbeteiligung oder Veröffentlichung eines Buchs oder einer Studie ist, wissen viele nicht.“
Natürlich, das ist richtig!
Trotzdem – ich bin mir nicht sicher, ob nicht Vitamin B (Zitat Oliver), Halbwissen und die richtige „linke“ Einstellung wichtiger sind. Ohne erst diese hohe Position (außerhalb des dezidiert politischen Milieus) wäre wohl Irgendeiner mit der Einstellung Sarrazins nicht so weit gekommen. (Ich fürchte, daran liegt es: Sich ERST hocharbeiten mit „Ochsentour“ und Mund halten, und dann, wenn man eine ALLGEMEIN anerkannte Position hat, kann man etwas erreichen. (Momentan zumindest)
Hoffnungsfroh stimmt mich, dass gestern noch (entschuldigung – ist jetzt nicht besonders intellektuell) die gmx-Nachrichten getitelt haben: Trotz Kritik: Sarrazin bleibt bei umstrittenen Thesen und heute schon eine INHALTLICHE (endlich!!!) Auseinandersetzung haben: http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/deutschland/11090044-Sarrazins-Thesen-und-die-Fakten.html
Toni Roidl
01. September 2010 11:06
Super! Ich drücke Ihnen herzlich die Daumen!

»rechtsintellektuell« - was für eine freundliche Umarmung der Presse! Da steht ja gar nicht »NPD-nah« oder sonstwas diffamierendes. Erstaunlich!

Nebenbei: Was soll an Sozialdarwinismus eigentlich so schlimm sein?
Rudolf
01. September 2010 13:26
Auf der Amazon-Seite der IfS-Schrift sorgt sich übrigens ein besorgter Bürger folgendermaßen um Sarrazins guten Ruf:

Angesichts der hohen Platzierung dieses Buches auf der Rangliste Bücher stellt sich die Frage, welche Auffassung Sarrazin selbst zu den Verfassern äußert. Handelt es sich möglicherweise um rechte Trittbrettfahrer, gegen die sich abzugrenzen trotz der grundsätzlich anders gelagerten Argumentation Sarrazins schwerfällt und die insbesondere durch die Verweigerung der Debatte durch Parteien und Journalisten Zuspruch erfahren? Hier sollte man rechtzeitig Klartext reden, damit ein diskussionswürdiges Thema nicht von Rechtsextremisten gekapert wird.
Martin Lichtmesz
01. September 2010 13:37
Die Vorwurf an Sarrazin ein "ökonomisches Menschenbild" zu haben, ist albern. Er spricht eben davon, wovon er selbst am meisten versteht, und das ist ja auch keine Kleinigkeit.
M.
01. September 2010 14:07
Bernhard Niederreiter schrieb:
Nach meiner Auffassung dient die Sarrazindebatte lediglich der Vernebelung. Tatsächlich sind die Probleme im Weltfinanzsystem nicht gelöst. Die amerikanisch-britisch dominierte Hochfinanz agiert weiter über ihre off-shore-Oasen, von denen sich einige in europäischen Gewässern befinden.


Natürlich soll von den Leuten, die unserem Land am allermeisten schaden abgelenkt werden. Wenn demnächst das ganze System zusammenkracht (und das wird es, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche), dann sollen schließlich die Ausländerviertel brennen und die Hartz-IV-Wohnsilos, und nicht das Bankenviertel und Ackermanns Luxusvilla.

"Haltet den Dieb!", die alte Masche.
M.
01. September 2010 14:10
Toni Roidl schrieb:
Nebenbei: Was soll an Sozialdarwinismus eigentlich so schlimm sein?


Logisch, wenn man selber nicht alt oder krank ist, und auch keine alten oder kranken Angehörigen hat, dann kann man am Sozialdarwinismus natürlich nichts schlimmes finden.
Martin
01. September 2010 15:31
M.

das ist ein absoluter Trugschluss, denn sie hier vollführen - selbst wenn es der Wirtschaft super ginge, das Banken- und Finanzsystem blendend da stünde, käme es zur großen Frage, wie halte ich es mit meinem Nachbarn, besser, dem islamischen Zuwanderer oder noch besser, wie hält er es mit uns.

Es ist typischer Vulgärmarxismus, alles nur aufs mehr oder weniger große Kapital zu schieben, welches auch noch ein Interesse daran haben soll, dass sich die billigen "Sklaven" gegenseitig bekämpfen und die ihnen, also den Banken gehörenden, Immobilien abfackeln, nur damit man selber seine Ruhe habe - das ist, mit Verlaub, lächerlich.

Sarrazin hat bei Beckmann gesagt - und in diesem Punkt hat ihm keiner widersprochen - das Berlin die höchsten Ausgaben für Bildung aller deutschen Bundesländer hat. Wenn man dann den Zustand der Schulen, des Bildungswesens und das Abschneiden bei Tests wie PISA von Berlin sieht und feststellen muss, dass Berlin nicht ganz vorne im Vergleich zu anderen Bundesländern abschneidet, dann stellen sich einem eben Fragen - und ich vermute, dass war der Anfang von Herrn Sarrazin, mal eben genauer nachzuschauen, wo er als Finanzsenator einer Pleite-Stadt ständig Geld hinschiebt ...

Viel Geld irgendwohin leiten hat beim Thema Integration und Bildung bislang nur mäßigen Erfolg gebracht - und das ist völlig unabhängig von der Finanzmarktkrise festzustellen ...und auch völlig unabhängig davon, oben Juden nun ein gemeinsames Gen haben oder nicht.
Nihil
01. September 2010 17:03
Gratulation! Ich möchte den Erfolg wirklich nicht schmälern, aber meine Intuition sagt mir, daß von dieser Debatte nicht viel übrig bleiben wird. Wer ist denn das Publikum für so eine Aufführung? Wen will man "überzeugen"? "Das Volk" wohl kaum, das war noch nie wirklich "politisch". Wen dann? "Die Eliten", "die möglichen Eliten"? Die ersteren haben das Problem mit den "Ausländern" nicht und an den allgemeinen kulturellen Selbstbehauptungswille kann man wirklich nicht appellieren, der ist den Europäern schon lange ausgetrieben worden. Die zweiteren sind mir zu diffus, quasi nichtexistent. Was man vielleicht durch solche Aufführungen schaffen kann ist das "Keulenklima" (Rassismusk., Faschismusk., ...) zu verbessern, es also jenen leichter machen die eventuell zu dieser diffusen zweiten Gruppen gehören und sich nun etwas offener äußern können. Es tut mir leid: insgesamt bleibe ich trotzdem äußerst skeptisch.
enickmar
02. September 2010 01:15
Es wird ein Unterschied zwischen ,,vor ‘‘ und ,,nach‘‘ Sarrazins Buch bleiben. Vielleicht ein ,,relativ‘‘ kleiner Unterschied, vielleicht auch ein etwas größerer, aber jedenfalls ein signifikanter, ein spürbarer, also nicht vernachlässigbarer.
Hinter das Ereignis ,,Sarrazin-Buch‘‘ gibt es so gesehen kein Zurück mehr. Es hat zu stark und mit zu großem Widerhall eingeschlagen, als daß da nicht etwas im kollektiven Bewußt- und Unterbewußtsein bleiben wird. Gerade bei diesem Thema.
Die ganze Situation hat schon ein bißchen etwas davon, daß jemand aus dem Hofstaat laut und deutlich gerufen hat, daß der Kaiser keine Kleider anhat ...
corvusacerbus
02. September 2010 14:53
Natürlich ist die Situation jetzt, also "nach Sarrazin", von einem eigentlich unfassbar großen Fortschritt gekennzeichnet, gemessen an dem jahrzentelangen Stillhalten, Weggucken und Wegducken unserer politischen Klasse vor der Erkenntnis, daß die real existierende Einwanderung mehr Probleme macht, als zu Problemlösungen beizutragen - und daß das im Wesentlichen an der Einwanderung des Islam liegt. Sarrazins Buch verkauft sich wie geschnitten Brot, Necla Kelek wird mit ihren Thesen hoffähig, Antideutsche, Orientalisten und Islamapologeten kommen in Argumentationsdruck und der Islam wird in die Ecke gedrängt, in die er gehört, also raus der Ecke Religion/Religionsfreiheit und rein in die Ecke Herrschaftsanspruch/Unterdrückungsideolgie/Scharia. Das ist wunderbar! Wir lösen uns kollektiv endlich von dem Satz Max Frischs, der zur Selbstbeschuldigung wurde: "Arbeitskräfte wurden gerufen, aber Menschen sind gekommen..." und sind so frei zu ergänzen: "...und die haben den Islam eingeschleppt, den hat aber niemand gerufen und niemand will ihn hier! Löst Euch vom Islam, liebe eingewanderte Menschen, dann seid ihr hier willkommen, sonst macht euch davon, liebe Moslems, und lebt wieder unter euresgleichen". Öffentliche und veröffentlichte Debatte haben sich in den letzten Jahren völlig gegen die islamische Einwanderung gedreht, das merkt man z.B. auch an der "mangelnden Spendenbereitschaft der Deutschen für Pakistan", die liegt nämlich genau daran, daß die Deutschen den Islam ablehnen und das ist Ausdruck ihres poliitschen Instinkts bzw. conventional wisdom . Das alles ist gut und wichtig und wirklich politischer Fortschritt und gibt übrigens den vielen eingewanderten Menschen in Deutschland, die gerade deshalb hier sind, weil sie dem Islam entflohen sind, eine Chance auch mal gehört zu werden. Das muß ein Teil der nächsten Diskursetappe sein: Hört den Apostaten zu und denjenigen, die unter dem Islam gelitten haben, und unterstützt sie. Die verstecken sich nämlich nicht nur (und das sind Tausende und Abertausende nur in Deutschland), weil sie (zurecht!) Angst haben vor dem organisierten Islam, sondern weil sie in Deutschland von den Autochthonen nicht gehört, wahrgenommen und unterstützt werden. - Es wird, Leute. Die Dinge entwickeln sich in die richtige deutsche, also anti-islamische und überfremdete Richtung. Deutschsein wird wieder populär (auch unter Einwanderern übrigens, ich nenne das das "Helmut-Syndrom":-), Deutschland goes pop: "Bist Du Volk oder nur Be-Völkerung? Wohnst Du nur hier oder lebst Du unter uns?" Das alles sollten wir nicht kleinreden und ins Feuilleton abschieben (wie es die FAZ macht). Das ist Politik und dieser politische Geist will wirklich nicht mehr in die Flasche zurück. Hört euch doch nur mal um an Zeitungsständen, wo man mit den Leuten im öffentlichen Raum seit Tagen auf die Sarrazintitel Bezug nehmend ganz unkompliziert ins Gespräch kommt. Da geraten die Dummblöden und Gutmenschen jetzt in die Schweigespirale, denn mit dem laut ausgesprochenen Satz, "Er hat doch recht!", schwimmst du wie ein Fisch im Wasser der Mehrheitsmeinung. Also: Geschichte wird gemacht! Wir sind das Volk!
Rudolf
03. September 2010 20:14
Glückwunsch erstmal zu jetzt Rang 6 auf der Amazon-Bestsellerliste.

Auf dem dazugehörigen Forum hat sich auch etwas getan und zwar wird inzwischen kolportiert, dass es sich beim IfS um eine "NPD freundliche" Organisation handele.
Die Wächter der Demokratie schlafen niemals.
Uwe Heise
05. September 2010 07:44
Glückwunsch, Herr Kubitschek! Als gebürtiger Naumburger mit Wohnsitz in Frankreich lese ich Ihre und Ihrer Mitstreiter Beiträge immer wieder mit großem Gewinn und habe mich gerade fürs Auslandsabo der Printausgabe angemeldet. Machen Sie weiter so, unser gutes altes (und junges!)Deutschland braucht Sie!
Bon courage
U. Heise
PS: Kann man Sie eigentlich auch mal besuchen in Schnellroda? Ich würde auch den Kuchen mitbringen :-)
AlbaniaMike
07. September 2010 17:36
kubitschek bei friedmann, das wär der hammer, ich möchte einen platz in der ersten reihe, achtung, ich komme über die autobahn, bitte verlassen sie sofort meine bundesbank.
gut, daß sarrazin nicht so ein kleines licht ist wie eva hermann, den kann man nicht so einfach wegblasen.
ansonsten komme ich mir stellenweise vor wie im kindergarten oder im kaschperltheater.
hat uns denn dieser hitler so nachhaltig besiegt? kann man denn offensichtliches nicht offen aussprechen?
unsere nachbarn lachen uns aus ob solcher ...
Rechter Europäer
11. September 2010 22:59
Ich denke die Opposition wird sich den medialen Raum selber schaffen müssen, beispielsweise durch Kanäle auf Youtube mit Videos von Diskussionen mit verschiedenen Politikern und Aktivisten.

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