Sind Verhalten und Intelligenz genetisch begründbar? (Präzisierung zu Äußerungen Sarrazins)

von Andreas Vonderach

Mehr unterschwellig spielt in der Sarrazin-Debatte auch die Frage nach genetisch begründeten Unterschieden des Verhaltens und der Intelligenz zwischen den verschiedenen Völkern eine Rolle.

 Gastbeitrag

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Wie zu sei­ner unge­nau­en Aus­sa­ge zum “jüdi­schen Gen” soll­te man auch hier das Ange­deu­te­te präzisieren:

Die empi­ri­sche Ver­tei­lung des IQ zeigt bekannt­lich erheb­li­che Unter­schie­de. Der durch­schnitt­li­che IQ beträgt bei (asch­ke­na­si­schen) Juden etwa 110, in Ost­asi­en 105, in Euro­pa 100, in Süd­ost­asi­en 90, in Nord­afri­ka, dem Mitt­le­ren Osten, Süd­asi­en und Ame­ri­ka 85 und in Schwarz­afri­ka 67. Die Tat­sa­che, daß Zwil­lings- und Adop­ti­ons­stu­di­en eine hohe gene­ti­sche Betei­li­gung (etwa 50–80 %) an den Unter­schie­den des IQs inner­halb von Bevöl­ke­run­gen ermit­telt haben, läßt sich aber nicht so ohne wei­te­res auf die Unter­schie­de zwi­schen Bevöl­ke­run­gen übertragen.

Inzwi­schen meh­ren sich mit der Erfor­schung der DNS aber die Hin­wei­se, daß die Gene eine wich­ti­ge Rol­le für das Tem­pe­ra­ment und die Bega­bung eines Vol­kes spie­len. Es gibt deut­li­che eth­ni­sche Unter­schie­de bei Genen, die für die Bil­dung von Neu­ro­trans­mit­tern, Boten­stof­fe im Gehirn, eine Rol­le spie­len. So besteht ein Zusam­men­hang zwi­schen dem Dopa­min-Rezep­tor-Gen 4 (DRD4) und dem Bedürf­nis nach Neu­em (nove­li­ty see­king). Men­schen mit einer bestimm­ten Vari­an­te die­ses Gens bedür­fen grö­ße­rer Rei­ze und einer aben­teu­er­li­che­ren Lebens­ge­stal­tung, um die­sel­be Befrie­di­gung zu fin­den wie ande­re Men­schen. Die­se neu­gie­rig und aben­teu­er­lus­tig machen­de Vari­an­te kommt nun bei 20 % der Euro­pä­er vor, wäh­rend sie bei Ost­asia­ten völ­lig fehlt. Ein ande­res Neu­ro­trans­mit­ter-Gen ist das Sero­to­nin-Trans­por­ter-Gen (SERT). Bei einer Vari­an­te die­ses Gens nei­gen die betrof­fe­nen Men­schen in stär­ke­rem Maße zu Depres­sio­nen, neu­ro­ti­schem Ver­hal­ten und Scha­dens­ver­mei­dung. Sie sind ängst­li­cher und leich­ter ver­letz­bar. Die Welt­ver­tei­lung die­ser Gen­va­ri­an­te zeigt einen deut­li­chen Zusam­men­hang mit der Zivi­li­sa­ti­ons­hö­he (vor Aus­brei­tung der Euro­pä­er). Sie ist bei Natur­völ­kern wie Pyg­mä­en oder Schwarz­afri­ka­nern mit Wer­ten um 20 % rela­tiv sel­ten, kommt bei 40 bis 50 % der Euro­pä­er vor und bei 70 % der Ost­asia­ten. Die Ver­tei­lung des DRD4- und des SERT-Gens pas­sen gut zu den von Dani­el Freed­man schon in den sieb­zi­ger Jah­ren nach­ge­wie­se­nen Ver­hal­tens­un­ter­schie­den zwi­schen den Neu­ge­bo­re­nen euro­päi­scher, afri­ka­ni­scher und asia­ti­scher Her­kunft. Sie zei­gen auch eine bemer­kens­wer­te Über­ein­stim­mung mit den kul­tu­rel­len Beson­der­hei­ten Euro­pas und Ost­asi­ens, dem Indi­vi­dua­lis­mus und stär­ke­ren Akti­vis­mus der Euro­pä­er und der aus­ge­präg­ten Sozi­al­dis­zi­plin der Asiaten.

Nach­dem beson­ders Geis­tes­wis­sen­schaft­ler lan­ge Zeit geglaubt haben, der Mensch habe sich bio­lo­gisch seit der Alt­stein­zeit nicht mehr ver­än­dert, fan­den gene­ti­sche Unter­su­chun­gen in den letz­ten Jah­ren im mensch­li­chen Genom Bele­ge dafür, daß sich die Selek­ti­on in den letz­ten 40 000 Jah­ren und vor allem seit der letz­ten Eis­zeit vor etwa 10 000 Jah­ren sogar erheb­lich ver­stärkt hat. Es gibt wei­ter­hin Hin­wei­se dar­auf, daß die Ver­än­de­run­gen bei Euro­pä­ern und Ost­asia­ten stär­ker waren als bei Afri­ka­nern. Dabei sind vier Fünf­tel der evo­lu­ier­ten Gene ras­sen­spe­zi­fisch, und nur ein Fünf­tel fin­det sich bei allen Men­schen. Ein gro­ßer Anteil der durch die Selek­ti­on ver­än­der­ten Gene betrifft das Gehirn und das Ner­ven­sys­tem. So z.B. das Mikro­ce­pha­lin-Gen und das ASPM-Gen, die bei­de die Hirn­ent­wick­lung steu­ern. Bei­de zei­gen eine deut­li­che geo­gra­phi­sche Kor­re­la­ti­on mit der Gehirn­grö­ße und dem IQ. So fin­det sich z.B. das pro­gres­si­ve Mikro­ce­pha­lin-Allel bei Negri­den mit nur 22 % erheb­lich sel­te­ner als bei Euro­pä­ern und Ost­asia­ten, von denen es mehr als 80 % auf­wei­sen. (Ein­zel­hei­ten und Bele­ge in mei­ner Anthro­po­lo­gie Euro­pas, S. 39–45 und S. 26, Anm. 10)

Die For­schung ist im Fluß, und abschlie­ßen­de Aus­sa­gen sind noch nicht mög­lich. Es wäre aber fahr­läs­sig, bei dem der­zei­ti­gen Stand der For­schung wei­ter­hin die Mög­lich­keit, die inzwi­schen eine ziem­lich gro­ße Wahr­schein­lich­keit ist, zu leug­nen, daß die Bega­bungs- und Tem­pe­ra­ments­un­ter­schie­de der Völ­ker auch gene­ti­sche Ursa­chen haben, die sozi­al­tech­ni­schen För­de­rungs­pro­gram­men nicht zugäng­lich sind.

Auch für die seit dem Mit­tel­al­ter immer wie­der von Rei­sen­den und Völ­ker­kund­lern beschrie­be­ne Nei­gung der ara­bi­schen Völ­ker zu krie­ge­ri­schem und reli­giö­sem Fana­tis­mus ist eine gene­ti­sche Grund­la­ge denk­bar. In patri­ar­cha­lisch-krie­ge­ri­schen Gesell­schaf­ten haben ent­spre­chend ver­an­lag­te Män­ner mög­li­cher­wei­se einen Fort­pflan­zungs­vor­teil, und über die Jahr­tau­sen­de hin­weg kann auch ein nur gerin­ger Fort­pflan­zungs­vor­teil zu star­ken Ver­schie­bun­gen im Gen­pool einer Popu­la­ti­on führen.

Quel­len:

Andre­as Von­der­ach: Anthro­po­lo­gie Euro­pas. Völ­ker, Typen und Gene (hier mehr Informationen)

https://www.pnas.org/content/104/52/20753

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