1. April 2008

Unser Standpunkt – winterlicher Nachtrag zu einem sommerlichen Aufruf

Götz Kubitschek

pdf der Druckfassung aus Sezession 23/April 2008

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

sez_nr_235Vorweg: Hier steht für diejenigen nichts Neues, die unser Institut, unseren Verlag und die Sezession seit der Gründung im Jahre 2000 begleiten. Es ist eine neuerliche Selbstvergewisserung, die nochmalige Festlegung eines Ausgangspunkts, unseres Standpunkts, der ja immer ein Ausgangspunkt ist und den wir vielfältig formuliert und verdichtet haben.

Zunächst also das Wichtigste: Wir (also: die Leute um unsere Projekte) wären immer so, wie wir sind. Wir würden stets Verlage gründen und an Gymnasien unterrichten, in Zeitungen veröffentlichen und eine Zeitschrift herausgeben, lebten mit unseren Familien auf mitteldeutschen Schollen oder in Wohnvierteln großer Städte, würden vor Studentenverbindungen, akademischen Zirkeln und Jugendgruppen vortragen, in Wort und Tat unser Erbe pflegen und darüber wachen, daß unserer Leben unser Leben bleibt und unsere Kinder auf dem schmalen Grat zwischen den Notwendigkeiten und dem Widerwärtigen unserer Zeit die Balance nicht verlieren. Vielleicht könnte der ein oder andere von uns seine Offizierkarriere fortgesetzt haben, wenn die Zeiten andere gewesen wären, und vielleicht stünden wir allesamt nicht vor dem Dilemma, die Wirklichkeit unseres Staates ablehnen zu müssen, um auf seine Idee zu verweisen; aber davon hängt nichts ab: Um Soldat zu sein, bedarf es der Schulterklappen nicht, und um dem Staat zu dienen, muß man kein Staatsdiener sein.
Wir wären immer so, wie wir sind. Wir wären auch dann nicht ironisch, wenn überall Pathos oder eine existentielle Ernsthaftigkeit auszumachen wäre, und wir sind nicht deswegen ernst, weil in jeder talkshow ein Witzlein die Antwort auf ungemütliche Gesprächslagen ist; wir sind nicht deshalb rechts, weil alle eher links sind, und morgen links, weil alle eher rechts sind. Wir sind im Wesentlichen stets ernsthaft und politisch immer rechts, und weil dies so ist, weil wir also nicht reagieren oder sonst auf eine seltsame Art außengeleitet sind, haben wir einen Standpunkt.
Flexibel sind die Methoden, mittels derer wir den eigenen Standpunkt kennzeichnen und verteidigen, um jene „Balkanidee" zu konkretisieren, deren Abgesang der Träger des Preises der Sezession, Wiggo Mann, anstimmt. Er hat ja einerseits recht: Ordne jeder seinen Ort, dann ist viel getan! Andererseits kommen wir doch nicht an der Politik und ihrem Überbau - der Metapolitik - vorbei, wenn wir unsere Prognosen ernst nehmen: daß nämlich die Bruchlinien, an denen entlang der Kampf um die Gestaltungsmacht im Land und vor allem: der Kampf um eine bestimmte, von Deutschland erreichte kulturelle Höhe ausgefochten wird, bereits mitten durch unser Land verlaufen. Und so liegen denn auch die Gründe für vielerlei Sezessionen, für Loslösungen von unpassenden Begriffen, klebrigen Vordenkern, zementierten Behauptungen auf der Hand.
Unser Standpunkt: Er ist gut beschrieben in den beiden Kaplaken-Bändchen, die im Sommer erschienen sind. Man muß diese Bändchen hintereinanderweglesen (zuerst Das konservative Minimum, dann Provokation), denn die eine Perspektive ergänzt und spiegelt die andere, und ebenso verhält es sich mit den Unterschieden im Ton: hier der kleinste gemeinsame Nenner, dort die Zuspitzung.

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