Sezession
1. Oktober 2010

Die Sache mit HartzIV …

Götz Kubitschek / 59 Kommentare

... ist nicht einfach, dat hat keiner behauptet, und man kann natürlich immer auf die Bonus-Zahlungen an verantwortungslose Banker ausweichen, wenn man nicht über Hartz-IV-Dynastien im Allgemeinen und im Konkreten sprechen möchte. Über diese Bonus-Zahlungen kein Wort, das ist abartig, das ist zynisch. Aber zu HartzIV doch noch ein Wort:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wenn ich mir die Tabelle ansehe, die in der FAZ vor einigen Tagen abgedruckt war, dann verspüre ich den Hauch der "Sozialen Kälte" nicht. Soziale Kälte hat mein Großvater erlebt, der als mittelloser Sohn eines Tagelöhners aus dem bayrischen Wald für eine Suppe und einen Schlafplatz in einem Massenquartier von morgens bis abends Torf stach. "Soziale Kälte" wäre zu verspüren, wenn die Arbeits- und Mittellosen aus den Städten ausschwärmen und auf den Feldern das zusammenstoppeln müßten, was den Bauern vom Erntewagen fiel.

Von diese Stoppel-Kartoffeln, von denen wir hier (nicht aus Not, sondern weil es Freude macht und die Kinder nebenbei mit dem Kartoffelkraut ein Feuerchen machen können) in ein paar Stunden zwei Säcke für die Enten und Hühner zusammengesammelt haben (das ist keine tolle Leistung, sondern bloß eine andere Form des Spazierengehens), verrotten dennoch auch um unser Dorf herum zentnerweise in den Furchen, während sich Hartz-IV-Familien (übergewichtig, die Kinder ganztags in Krippe und Hort) mit Auto, Handy, Fernsehen, Internet recht normal am Konsumleben beteiligen können und nicht in Bewegung sind.

Kartoffeln sammeln, das Gras aus den Straßengräben mähen, ein paar Enten und ein paar Hasen fett machen: Was ist denn schlecht daran? In der DDR - diesem Fürsorgestaat - war noch jeder Birnbaum verpachtet, jeder hat geschaut, daß er noch ein bißchen Viehzeug nebenher halten konnte, damit Fleisch auf den Tisch kommt. Wäre das heute schon unwürdig, kalter sozialer Hauch?

Die Tabelle zeigt das ganz gut: Für einen Alleinstehenden mag der Hartz-IV-Satz knapp (aber keinesfalls zu knapp) sein, mit zwei Kindern ists materiell ein völlig normales, sogar recht stabiles Leben, und ich weiß nicht, woher dieser die Arbeitsdisziplin und die Anstrengungsbereitschaft zerstörende Anspruch kommt, der nun ständig formuliert wird. Ich halte das für billigsten Stimmenfang. Und mehr: Wer die Menschen so in Watte packt, verachtet sie, hält nicht viel von ihren Kräften, ihren Widerstandskräften, ihrer inneren Überwindungskraft.

Hier die Tabelle, sie ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Wachmann und jede Altenpflegerin mit Familie.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (59)

E.
1. Oktober 2010 10:24

Um Ihr vorgebrachtes Beispiel umsetzen zu können, müsste man sich ersteinmal von der Unterjochung durch die EU befreien, da etliche Felder brach liegen und nicht bewirtschaftet werden dürfen.

Kubitschek:
Mensch, ich rede doch nicht davon, daß Sie hinter Pferd und Pflug schreiten sollen. ich rede davon, daß "soziale Kälte" etwas anderes ist als das, was wir mit Hartz-IV an sozialer Absicherung haben.

Frau P.
1. Oktober 2010 11:30

Zunächst: Kindergeld wird angerechnet, insofern schlüsselt sich der angegebene Betrag nicht präzise auf und dürfte zu hoch liegen. Auch sind wieder diverse Kann-Posten inklusive, die in der Bewilligungspraxis nicht so flutschen wie hier dargestellt. Petitessen? Mag sein. Auch davon, wieso andere deftig zulangenden Nehmergruppen eigentlich nie irgendwo zur Debatte stehen, weil sie sich mit Unternehmertum, Grundbesitz, Legislaturperioden, Dienstjahren oder ähnlichen Attributen als ordentliche Leute darstellen können, deren Subvention in Ordnung geht - wollen wir mal schweigen. Also nur Hartz 4:

Sozial kalt ist tatsächlich nicht die Höhe des Betrages sondern die Willkür die die Betroffenen erleben, der Druck, eine Arbeit zu finden die es nicht gibt. Das Problem ist strukturell, wird aber dem einzelnen angekreidet.
Das ist auf beiden Seiten ein Mentalitätsproblem. Ihre lebenspraktischen Beispiele sind also sehr treffend ausgesucht.

Ich wiederhole mich nur ungern, aber mein Stichwort dazu ist Konsumbürger. Der Punkt ist, dass sich der sich selbst aufgebende Hartzer nicht so sehr vom funktionierenden Angestellten unterscheidet. Wenn man letzterem die Grundlage seines Einkommens und damit seine konsumbasierten Hobbies, seine durch Markenwahl umrissene "Individualität" entziehen würde, wüsste er auch nicht unbedingt mehr mit sich anzufangen, als der der heute schon vorm Fernseher vergammelt.

Das aber sind Dinge denen man mit Kürzungen nicht beikommen wird, und auch nicht mit Erhöhungen, weil sie sich auf einer ganz anderen, völlig vernachlässigten Ebene abspielen.

Raskolnikow
1. Oktober 2010 11:37

Moinsen,

Entschuldigung E., aber seien Sie lieber froh, dass "die EU" Brachen fördert, andernfalls könnten sich die Bauern den Ertragsausfall sicher nicht leisten und würden die Böden immer noch so ruinieren wie es in den 80ern üblich war. Als Stadtmensch sollte man vorsichtig mit agrarischen Schnellschüssen sein!

Kubitschek, Sie haben den, für mich, wichtigsten Punkt vergessen: das Stoppeln, Selber-Mähen, Karnickel-Halten, Sammeln sind Akte der Abkopplung von den Apparaturen. Sozusagen Akte der Freiheit. Ich bin unabhängiger, wenn ich mir zumindest teil- und supplementweise selber helfen kann.

Für den hilflosen Untertan, der nur aus Kaufhallen und Anschlüssen leben kann, muss die Zahlung der staatlichen Transferleistungen essentiell sein. Das ist Unfreiheit! Vielleicht rührt daher auch die Motivation der "Apparatekontrolleure", Abhängigkeiten aufrecht zu erhalten.

Das ist zwar alles recht theoretisch, aber man kann Freiheit eben auch nebenbei, aus Spaß auf Spaziergängen, im Garten oder auf dem Balkon kultivieren.

Nach dem Krieg hat übrigens fast jede Familie in Berlin Kaninchen (sehr günstige Futterverwertung pro kg Lebendgewicht!) auf dem Balkon gehalten, die Kinder mussten für das Grünfutter sorgen - zwischen all den Trümmern. Damals half man sich noch selbst und war freier!

Über Würde wollen wir in diesem Zusammenhang lieber nicht reden, aus Liebe zu uns und unseren Zeitgenossen ...

R.

M.
1. Oktober 2010 12:46

Soziale Kälte ist es, wenn die Kinder von ALG-II-Empfängern in der Schule als Schmarotzer verspottet, drangsaliert und zusammengeschlagen werden.

Sugus
1. Oktober 2010 12:55

Mit "Soziale Kälte" wird etwas umschrieben, was nicht auf das Finanzielle beschränkt ist, aber sich im Finanziellen am stärksten konkretisiert.
Herr Kubitschek: niemand wird in dieser Gesellschaft geachtet, nur weil er arbeitet; Geld allein ist alles was zählt. Diese amerikanische Lektion haben die Deutschen inzwischen begriffen und leben sie - wer will es ihnen verdenken? Wissen Sie, was der wahre Schlag ins Gesicht des Wachmanns und der Altenpflegerin ist? Der eigene mickrige Lohn, nicht der HartzIV-Satz des Nachbarn!!!

E.
1. Oktober 2010 12:58

Schon klar von was Sie reden, dieser Hinweis diente auch nur der Ergänzung. Votiere ebenfalls für den Dienst an der Gemeinschaft.

„Soziale Kälte“ mag zwar anders aussehen, dennoch ist entscheidend wo die Meßlatte angesetzt wird. Im Vergleich zu ihrem Großvater lebt sicherlich jeder HarzIV-Bezieher im Wohlstand. Und? Solche Vergleiche lassen sich immer finden. Auch mag es stimmen dass sich die HarzIV-Bezüge nahe am Einkommen eines Arbeiters befinden, jedoch sollte man in diesem Atemzug auch die Frage stellen, ob denn überhaupt die gezahlten Durchschnitts-Einkommen noch ausreichen um ein Leben vernünftig zu bestreiten? Diese Frage beantworte ich nämlich mit Nein!

Waldschrat
1. Oktober 2010 13:08

Mal ein Beispiel aus der Praxis:

Ich arbeite als Taxifahrer (der einzige Job, den man auch als Akademiker trotz Überqualifizierung problemlos bekommt) und meine Frau, die nach der Geburt unserer Tochter im Sommer 2009 ein Jahr Elternzeit genommen hat, ist jetzt wieder in Teilzeit beschäftigt.

Wir führten bis dato ganz bewußt ein Leben ohne jegliche Inanspruchnahme von Sozialleistungen, obwohl wir fast durchweg von sehr niedrigem Einkommen leben mußten - zuerst während meiner Studentenzeit, dann während der erfolg- und trostlosen Stellensuche danach, und schließlich als Angestellter im Niedriglohnsektor.

Anfang August haben wir uns dann doch überwunden, im Hinblick auf unser Kind Anträge auf Lastenzuschuß (eine Art Wohngeld für Eigenheimbesitzer) und Kinderzuschlag zu stellen.

Bei letzterem wurde unser Einkommen dermaßen heruntergerechnet, daß der Kinderzuschuß (maximal 140 Euro/Monat) mit dem Argument verweigert wurde, wir lägen unter der Bedürftigkeitsschwelle und müßten Hartz IV beantragen. Ein wenig Herumspielen mit einem Onlinerechner erbrachte das Ergebnis, daß der Staat uns unbedingt ca. 200 Euro/Monat MEHR überweisen will, als wir eigentlich haben wollen.

Seltsam, solange meine Frau noch Elterngeld bezog, das fast exakt so hoch war wie ihr jetziges Einkommen aus der Teilzeitbeschäftigung, haben wir ein ganzes Jahr lang von diesem Einkommen problemlos gelebt, ein Kind und uns selbst ernährt, ein Häuschen und ein Auto unterhalten. Wie definiert die BRD Bedürftigkeit?

Wir haben natürlich Widerspruch gegen die Ablehnung eingelegt. Stand 1. Oktober: Das Widerspruchsschreiben wurde noch nicht beantwortet. Von der Wohngeldstelle haben wir überhaupt noch nichts gehört - auf Nachfrage hieß es, der Sachbearbeiter sei "in Urlaub" - mittlerweile sind zehn Wochen nach Antragstellung vergangen. Wie machen das eigentlich Leute, die wirklich keinen roten Ratz mehr auf der Seite haben und JETZT Geld brauchen? Vielleicht doch Kartoffelklauben nach Methode Kubitschek?

Fazit: Wir ziehen in Erwägung, notfalls auf diese staatlichen Zuwendungen doch einfach zu verzichten, wenn uns das ganze Prozedere zu dumm wird. Und da fehlt nicht mehr viel...

kolkrabe
1. Oktober 2010 13:20

"Wer die Menschen so in Watte packt, verachtet sie, hält nicht viel von ihren Kräften, ihren Widerstandskräften, ihrer inneren Überwindungskraft."

So ist es. Ergänze: ... und macht sie so erst zu lebenslangen Almosenempfängern und damit zu Stimmvieh, das die fütternde Hand schon nicht beißen wird.

Natürlich gibt es im Leben Situationen, in denen Menschen es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Denen muss ohne langes Diskutieren geholfen werden, etwa bei chronischer schwerer Krankheit. Alle anderen sollten sich bewusst machen, dass sie sich selbst nichts Gutes tun, wenn sie sich dauerhaft in der Kuschelecke des Schönwetter-Sozialstaats einrichten.

Es werden Zeiten kommen, in denen andere Tugenden gefragt sein werden - nicht für Sonntagsreden, sondern zum Überleben. Wer sich dann erst wieder mühsam daran gewöhnen muss, für sich selbst zu sorgen, hat schon verloren. Pferd und Pflug mögen zwar landwirtschaftstechnische Anachronismen sein, doch als Sinnbilder taugen sie allemal.

schafspelz
1. Oktober 2010 13:58

So zerlegt sich alles, wenn man den bereits bestehenden! Sozialdarwinismus als Ideologie wählt: Man interpretiert Menschen materialistsch als andere Materialisten, die einem etwas wegnehmen möchten. Ist das der Sinn der Gemeinschaft?

Das Gerede über Zahlen ist fehl am Platz, wo es an Vertrauen fehlt. Warum sich für die triebgesteuerte Kapitalisten einspannen lassen, mag der Gedanke sein, Reich und Arm streben ganz amerikanisch auseinander. "Über diese Bonus-Zahlungen kein Wort" - überzeugen kann diese Prämisse niemanden.

Aber: Vertrauen erwächst aus subjektiv erlebter GERECHTIGKEIT der gesellschaftlichen Vermögensverteilung, ein Faktor, der empirisch nicht messbar ist. Nur so kann man Menschen ÜBERZEUGEN und von innen motivieren (ihren Egoismus zu zähmen). Alles andere läuft auf eine ungesunde Schreckensherrschaft - von Außen übergestülpt - hinaus (der Materialisten von Links bis Rechts).

"Gerechtigkeit" - ein Begriff, der sich mit Hassparolen (erst die Ausländer, dann die Harzer, dann die Familien, dann die Rentner, die körperlich oder geistig Benachteiligten usw.) nicht ausfüllen lässt.

Gefragt ist ein positives Bekenntnis, unvermischt mit eigenen materialistischen Wünschen.

Davon hört man freilich nichts in der großen Öffentlichkeit, ich rufe deshalb die Leser hier und woanders auf, umzukehren von diesem zerstörerischen Weg, den sie bisher gewählt haben und sich voll und ganz dem Guten zuzuwenden. Die Gesellschaft ist nie weiter entwickelt als es ihre Mitglieder sind.

Karl Eduard
1. Oktober 2010 14:35

Stimmt. Man sollte dieses Elendsgerede mal wieder als das bezeichnen, was es ist. Elendsgerede, um die Posten der Opferbetreuungsindustrie weiter finanzieren zu können.

"Zu revolutionär"
1. Oktober 2010 15:06

Ich atme auf. Endlich spricht es einer aus! Mit dieser Debatte stoßen Sie endlich mitten hinein in die brennensten Zentralfragen unserer Zeit. Deutschland will es - endlich - wissen: Ob mit 10 Euro mehr oder weniger, ausgezahlt an sein Prekariat, seine Abschaffung verhindert wird oder nicht. Ja, genau das ist es, was Deutschland endlich wissen will.

Wir kommen voran. Eine Klammer, die mir die Brust umschlossen hielt, zersprang. (- Welches Märchen war das noch mal?) Vielen Dank.

Einst, in Stahlgewittern, kam es uns nicht so sehr darauf an, auf 10 Euro mehr oder weniger, ausgezahlt an das Prekariat, das da mit uns im Schützengraben lag. Wir stürmten und fielen, wir bissen uns fest im Schützengraben, Schulter an Schulter, Seite an Seite, Kamerad unter Kameraden. Wir schluckten den gleichen Dreck und wir bissen ins gleiche Gras.

Heute sind wir nicht mehr Kameraden. Wir haben keine gemeinsamen Ziele mehr. 10 Euro mehr oder weniger für den Kumpel von nebenan, für die vom Kumpel sitzen gelassene Alleinerziehende von nebenan - DAS ist unser Thema.

drieu
1. Oktober 2010 15:56

An der "Sache" ist was dran. Aber die Verallgemeinerungen sind böse. Unsere große Tochter geht auf eine freie alternative Schule. Von den dort lernenden Schülern bekommen derzeit noch 25% das Schulgeld vom Staat, da das Einkommen der Eltern zu gering ist. Weitere Beiträge kann man abarbeiten (Gartenarbeit, Bauarbeiten, etc.). Das wird gern angenommen und getan - auch wenn der Stundensatz bei unter 7 Euro liegt.
Übergewichtige Kinder sind nicht zu erblicken. Jede Wette, lieber Götz, daß Du die H4-Bezieher optisch und verbal nicht ausmachen würdest. Was Du beschreibst sind Klischees, die natürlich nicht von ungefähr kommen, aber auch nicht das Gros bilden - schon gar nicht in den Städten.

Wir können die Sache drehen und wenden wie wir wollen: es ist nicht genug Arbeit für alle da. Schon 1989 hat die BRD die 16 Millionen nur als Konsumenten gebraucht und wenn man sich Staatsquote und vor allem alle direkt oder indirekt vom Staat abhängigen Bürger (Öffentlicher Dienst, vom Staat subventionierte Unternehmen - Stichwort Steinkohle - und und und) anschaut, sollte einem klar sein das das Sprichwort "Wer nicht arbeitet darf nicht essen." in der Gegenwart vollkommen falsch ist. Natürlich kann man auch Schuhe putzen, anderen den Müll hinterher räumen, Türen aufhalten, abgeschobenen und/oder kinderlosen Alten die Ärsche abwischen, Parkplätze bewachen und und und. Aber warum, wenn man dafür so mies bezahlt wird (denn all diese Dienstleistungen sind den Kunden nicht mehr wert!)? Ich habe es immer für eine große Errungenschaft Deutschlands gehalten, das Servilität hier nicht käuflich sind (denn nichts anderes ist dieses Dienstleistungsgetue aus den VSA)

@ Waldschrat: auch wir beziehen aus vielerlei Gründen kein H4, obwohl wir mit mehreren Kindern finanziell dann wesentlich besser dastünden.
So aber habe ich ehrlich gesagt Angst vor dem Finanzamt - die haben letztens einem befreundeten Selbständigen erklärt, er verdiene so wenig das seine Familie davon nicht leben könne. Also müsse er betrügen - und schon war der Nachzahlbescheid über 5.000 Euro da.
Ich bin auch selbständig...

PS: "Soziale Kälte" ist in der Tat etwas anderes.

Daniel
1. Oktober 2010 16:18

Ich kann die Frage nicht beantworten, wie hoch der HartzIV-Satz sein muß, damit sich soziale Kälte für alle Betroffenen kuschelig anfühlt. Und mit dem Anlegen relativer Massstäbe ist das so eine Sache. Auf die Spitze getrieben, steht ein Hartzi besser da als ein Urmensch, der gerade den Umstieg vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern versucht. Aber ich habe den Eindruck, mit den bestehenden Sätzen kann ein vernünftiger Mensch gut auskommen, während denjenigen, die den Prekariats-Bodensatz bilden, auch mit mehr Geld nicht geholfen ist.

Zwei Beobachtungen dazu, die das schön kontrastieren:

Ein Freund von mir hat seit seinen Studium-Abbruch vor 30 Jahren keinen normalen Job gemacht, nur Stütze und Botendienste. Er lebt in persönlich erbärmlichen Verhältnissen (die aber auf persönliche Unzulänglichkeiten zurückzuführen sind), hat aber Rücklagen gebildet, die für eine USA-Reise reichen und den Kauf einer 2000 Euro-Digicam.

Im gleichen Haus wohnte ein Mitt-Zwanziger, der es in einem Winter schaffte, die Nachzahlung auf 1500,- Euro zu heben. Heizung auf Volllast und Fenster auf Kippe; zu blöde, die einfachsten Zusammenhänge zu begreifen. Für soviel Blödheit steht aber auch das Amt nicht gerade. Aber so einen kann man in keine Arbeit integrieren.

Mein Resümee: der erste braucht keine HartzIV-Erhöhung, der kann mit dem Geld haushalten. Bei dem zweiten ist eine Erhöhung gleichzusetzen mit einer Verbrennung des Geldes (das von denen genommen wird, die eben arbeiten gehen). Und da hört bei mir die Solidarität auf. Denn jemand, der mit Geld nicht umgehen kann - und unter den Hatzis kenne ich zu viele von der Sorte - dem kann man nicht noch mehr Geld in die Hand drücken. Es gibt da zu viele, da würden die falschen profitieren.

derherold
1. Oktober 2010 16:20

"Soziale Kälte ist es, wenn die Kinder von ALG-II-Empfängern in der Schule als Schmarotzer verspottet, drangsaliert und zusammengeschlagen werden."

@M, manchmal weiß man nicht, weiß bei Ihnen größer ist. Der Realitätsverlust oder die Tapferkeit, diesen hier zu präsentieren.

Das Thema "Bonuszahlungen" sollte man schon deshalb weglassen, weil nicht Bonuszahlungen, sondern die "Finanzinvestitionen" deutscher Landesbanken, d.h. deutscher STAATSBANKEN, relevant sind.

@Waldschrat, bevor wir hier in Mitleidsbekundungen ausbrechen, müßten Sie und schon sagen, was sie studiert haben - am besten noch wo und wie lange.

Rudolf
1. Oktober 2010 17:00

Hier die Tabelle, sie ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Wachmann und jede Altenpflegerin mit Familie.

...und ein Gottesgeschenk für Zuwanderer aus Anatolien, Arabien und Afrika, die damit hier leben können, wie es zuhause nur Könige tun können.
Kein Wunder führen die sich hier entsprechen auf...

Thorsten
1. Oktober 2010 17:33

Frau P. hat die wesentlichen Dinge angerissen.

Lohnarbeit stellt niemanden automatisch über jemanden der keine Lohnarbeit verrichtet. Manchmal, aber nicht automatisch. Das ist ja das Problem, dass heute nur der wertgeschätzt wird, der sich ins Hamsterrad aus Lohn und Konsum begibt. Dabei gibt es viele Idioten, die trotz (Lohn)arbeit eigentlich ein jämmerliches und bedauerliches Dasein fristen - verglichen mit (zugegeben wenigen) Menschen, die in der Arbeitslosigkeit gemeinnützig tätig sind, oder von ihrer eigenen Hände Arbeit am selben sogenannten "Existenzminimum" leben - kleine, aussterbende Handwerker.

Wären die Hartzer eigentlich erträglicher wenn Sie statt zu fernsehen zusätzlich aufs Feld gehen würden? Dann hätten sie ja noch mehr als jetzt und das Geschrei wäre noch größer - denn dem Niedriglohnempfänger fehlt die Zeit, so sein Einkommen aufzubessern.

Um was geht es also? Dass die Leute überhaupt nicht arbeiten, oder nicht für (geringen) Lohn arbeiten? Beide Gruppen werden von diesem System benötigt. Die Gruppen gegeneinander auszuspielen, spielt denen in die Hände, die diese Gruppen brauchen.

Sicher kann man von HartzIV ordentlich leben, wenn man sparsam und sorgsam haushaltet und nicht jeder Verlockung unterliegt. Sozial kalt ist Hartz zweifelsohne nicht. Jedenfalls nicht allein für sich betrachtet. Sozial kalt wäre es aber wenn man das bestehende System nicht kritisiert und offensichtlich erhalten will, und nur die Hartzer auf Brot und Wasser heruntersetzen will - und das kommt bei diesem Blogeintrag leider so rüber. Die Diskrepanzen, die jetzt schon groß sind, wären noch größer. Und dem Niedriglohnempfänger ginge es nicht besser. Er würde sich maximal besser fühlen, weil es einige gibt, denen es noch schlechter geht als ihnen. Wie sinnvoll ist das denn, hallo?

Man muß die Probleme auch im System betrachten. Vergleiche aus der Kaiserzeit sind zwar faktisch zutreffend, aber nicht sinnvoll. Es geht doch schließlich nur um die Einforderung von Grundrechten, Menschenrechten und anderem Gedöns, was dieser Staat selbst geschaffen hat, ständig propagiert und woran er sich auch messen lassen muß. Ich finde das Krakele der Hartzer und der von ihnen lebenden Fürsprecher deshalb gar nicht so schlimm. Dieser Staat hat die Ansprüche selbst geschaffen. Soll er sie erfüllen und dabei draufgehen.

Wenn der Staat noch seine Staatsunternehmen hätte und darüber hinaus zukunftsweisende Projekte, die nie über normalwirtschaftliche Verhältnisse realisierbar wären, angehen würde (Stichwort Arbeitsdienst), könnte er alle arbeitslosen Entgeltempfänger in irgendeiner Form auch beschäftigen.

Meyer
1. Oktober 2010 17:33

Herr Kubitschek!

"Soziale Kälte"? Welcher gedanklichen Kategorie soll ich diesen Begriff zuordnen? Es handelt sich - empirisch - doch bloß um einen emotionalisierenden Kampf- und Medienbegriff.

"Soziale Kälte"? Interessieŕt mich das? Kaum.

Sondern:
- Welches Ziel haben staatliche Transferleistungen?
- Welchen Schaden verursachen die daraus resultierenden Abgaben?
- Teile ich das Ziel, wenn ja, auch im Verhältnis zum Schaden?
- Ist es überhaupt dem Ziel entsprechend zweckmäßig angelegt?

Versuch einer Antwort:
Die Menschen werden ihrer Selbständigkeit, ihrer Verantwortung für ihr eigenes Leben, Überleben, beraubt. Ist das nicht der Kern der menschlichen Existenz? Für sich und die seinen zu sorgen und zu kämpfen?
Staatliche Transferleistungen sind also eine Form der Entmenschlichung, welche die Marx'sche "Entfremdung" noch um Längen überholt. Sozialsysteme zerstören den familiären Zusammenhalt, weil dieser nicht mehr notwendig ist. Sie degradieren Kinder zu schieren Luxusgütern, unter der Voraussetzung, daß sie einem in den Lebensstil passen. Kinder sind damit keine notwendige "Investition" mehr. Dieses alles okkupiert der Staat und zerstört es. Er erzeugt schwache Individuen, leicht gängelbar, abhängig.

Starke Familien können dem Staat stärker trotzen. Sie sind eine natürliche Begrenzung seiner Macht, weil sie schlicht nicht von ihm abhängen. Umso stärker der Staat seine Abhängigen unter den Einzelgängern schafft, umso totaler seine Macht, umso zerstörerischer das Werk an den älteren, menschengemäßeren Strukturen.

Ich teile also bereits das Ziel von staatlichen Transferleistungen nicht. Gar nicht. Es ist eine Anmaßung von "kompetenzen", die alleine in den Hoheitsbereich einer Familie, vielleicht noch einer kleinen Gemeinde fallen.

Meyer

Rudolf
1. Oktober 2010 17:53

Soziale Kälte ist es, wenn die Kinder von ALG-II-Empfängern in der Schule als Schmarotzer verspottet, drangsaliert und zusammengeschlagen werden.

Wenn Sie sich die Schulen mit den größten Gewaltproblemen anschauen, werden Sie gewiss feststellen, dass die Schläger und Drangsalierer (und Christen- und Deutschen-Beschimpfer) in der Regel ebenfalls aus HartzIV-Familen (manchmal scheint es sich um richtige Dynastien zu handeln) stammen.

Waldschrat
1. Oktober 2010 18:53

@derherold

Danke, auf Beileidsbekundungen war ich gewiß nicht aus. Gleiches gilt für Karriereberatungen und Besserwissereien. Dem ressentimentgetränkten Bild, das Sie sich von mir offenkundig schon zurechtgelegt haben, wie ich ihren vagen Andeutungen entnehme, entspreche ich übrigens nicht. Bleiben Sie einfach beim Thema.

FFlecken
1. Oktober 2010 19:00

An Frau P.

Es werden aber auch diverse kommunale Ermäßigungen (ÖPNV, Eintrittsgelder usw...) und wegfallende Mobilitätskosten (Weg zur Arbeit) für Transferempfänger nicht miteinbezogen. Zur möglichen Willkür der Betreuungsbehörden kann ich nichts sagen.

An M.

Na, alles klar... Und wenn es mehr Geld gibt, geht es ihnen bestimmt besser.

An Sugus

Diese Leute verdienen nicht generell mickrig, sondern können in den meisten Fällen ihre Kinder normal aufwachsen lassen. Muß man diese Leute jetzt auch noch zu Sozialfällen herabreden ?

An Schafspelz

Gerede über Zahlen ist fehl am Platze ? Dann wird es bei dieser Thematik schwer fallen, eine komplexe Wirklichkeit zu analysieren.

Biobrother
1. Oktober 2010 19:25

Das Thema ist m.E. recht komplex; natürlich wird Hartz 4 prinzipiell ausreichen, um davon - wie es ja auch beabsichtigt ist - bescheiden, aber dennoch ganz passabel zu überleben, zumindest wenn man sich aufs Elementare beschränkt, morgens Haferflocken und Malzkaffee statt Luxusfrühstück zu sich nimmt, weniger Fleisch konsumiert und die gute alte Sättigungsbeilage wieder entdeckt, wenn man selbst kocht, Sonderangebote nutzt und sich etwaige Süchte wie Alkohol und Nikotin konsequent verkneift. Viele Studenten haben vermutlich weniger und die meisten Geringverdiener kaum mehr. Und natürlich gibt es Leute, die das als Lebensmodell für sich ausbaldowert haben. Ebenso wie vermutlich eine nicht so kleine Gruppe, die sich über die Jahre aufgegeben hat und darüber in Lethargie verfallen ist, wobei man sich darüber streiten kann, wie das dann moralisch zu bewerten ist.

Und selbstverständlich ärgert es einen erheblich, wenn man für die "Faulen und Findigen" (um hier mal den Westerwelle-Duktus zu benutzen) Steuern und steigende Abgaben bei Versicherungen etc. bezahlen muss, obwohl einem selbst auch nichts geschenkt wird, klar. Dennoch: Hartz 4 bzw. das Niveau der nicht unterschreitbaren Grundsicherung stellt letztlich auch für die, die noch Arbeit haben, die soziale Grundlinie dar, bis zu der man schlimmstenfalls abstürzen könnte, sowie außerdem einen inoffiziellen Mindestlohn, dessen Unterschreitung nur schwer möglich ist. Insofern ist mein persönlicher Widerstand gegen das staatliche Fürsorgesystem inzwischen nicht mehr so groß wie früher, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten und durch Krankheit, Unfall etc. könnte man selber ja auch diese Lage kommen, ich denke, da muss man schon brillant oder sehr vermögend sein, um das völlig ausschließen zu können.

Der obigen Aussage dass hier nicht mehr die Arbeit, sondern nur noch das Geld geschätzt werde, kann ich mich übrigens nicht anschließen. Gerade die Diskussion um 1-Euro-Jobs, gemeinnützige Arbeit etc. zeigt doch, dass der Arbeit als solcher ein hoher Wert eingeräumt wird, und letztlich wird ein Hartzer, der sich nebenbei gemeinnützig betätigt oder was dazu verdient, generell auf mehr Akzeptanz treffen, was an sich ja auch richtig ist. Entscheidend ist hier allenfalls, dass Menschen nicht dauerhaft in beschäftigungstherapeutische Maßnahmen abgeschoben werden, sondern sinnvolle Weiterentwicklungspotentiale nach wie vor unterstützt werden.

Ellen
1. Oktober 2010 21:08

"Drieu",
Du schreibst von Deiner alternativen H4-Klientel:
"Übergewichtige Kinder sind nicht zu erblicken. Jede Wette, lieber Götz, daß Du die H4-Bezieher optisch und verbal nicht ausmachen würdest. Was Du beschreibst sind Klischees, die natürlich nicht von ungefähr kommen, aber auch nicht das Gros bilden – schon gar nicht in den Städten."
Eine simple Beschreibung des Vorgefundenen ist keine Analyse, insofern kann sie auch kein Klischee sein!
Mal ganz von den "übergewcihtigen Kindern" abgesehen, die es auch auf dem Land nicht in solcher Überzahl gibt, wie es einem die staatlichen Mahner laufend vorgaukeln (Götz sprach von verfetteten Eltern): Na klar stellt sich das urbane akademische Prekariat ganz anders dar! Geschmack und Stil müssen bekanntlich nicht viel kosten. Den städtischen Hartz IV-Familien (meist sinds allerdings Singles), die ich kenne, sieht man das natürlich nicht an. Im Gegenteil, die haben auch keine Videospiele, oft nicht mal TV, aber sie sind gesellschaftlich ziemlich gut vernetzt, wochenends in der VIP-Lounge auf rauschenden Festen, per Mitfahrgelegenheit in ganz Europa heimisch usw. Gekocht wird zwar nicht mit Zutaten von Dallmayr, sondern Aldidente, dem erhabenen Lebensgefühl ist das aber nicht abträglich. Ein paar Hunderter schwarz kann man in der Stadt durchaus auch verdienen, ohne sich mit Handwerkskünsten die Hände schmutzig zu machen. Meist leben Mama und Papa ja auch noch, oft genug in den Westvororten... Ein Bekannter hat nun zum dritten Mal ein "Jobangebot" abgelehnt, er wollte sich die Sache nicht mal genauer anschauen. Die Kürzung um 40 Euro trifft ihn nicht soo hart. Ein anderer, die nach meinem Dafürhalten ein putzmunteres Leben führt, ist jetzt "Borderliner", da ist er für den Arbeitsmarkt auch nicht abkömmlich... Früher konnte sich solche Boheme wenigstens als "Lebenskünstler" fühlen, heute hängen sie sich an den Tropf des Staates.
Daß einem die Hartz IV-Existenz nicht ins Gesicht geschrieben steht - keine Frage, das ändert doch aber nichts an der Sachlage!

Kiki
1. Oktober 2010 23:11

@M.
Auf welchem rotbraunen Planeten tragen sich denn diese gar schröcklichen Dinge zu?

martin harrell
2. Oktober 2010 00:35

Sie schreiben

… ist nicht einfach, dat hat keiner behauptet,

Ist das ein Tippfehler oder aber ironisches Spiel mit dem rheinischen Dialekt?

Abronsius
2. Oktober 2010 11:06

@@M.
In der Tat, es ist schon bemerkenswert, wie viele der Beiträger - auch der erkennbar rechts gestrickten! - so gar keinen Bezug zur Lebenswirklichkeit haben. Wahrscheinlich vertrottelte Studenten, die all ihr Wissen aus Büchern beziehen. Und die die Befürchtung haben, mit ihrem in ein Paar Jahren ebenfalls arbeitslos zu sein. Leute, Chopin und Mozart haben Klavierunterricht gegeben, um sich das Komponieren leisten zu können. Was glaubt ihr, wer ihr seid?

Wegen der Tabelle: Man muß halt in der Spalte der Werktätigen nochmal mindestens 400 Euro draufsatteln, weil der Kellner oder Türsteher eben gezwungen ist, die Frau arbeiten zu schicken. Während sich die Damen und Herren Sozialhilfeempfänger im Soffa räkeln.

*Freizeit ist eben auch ein sozialökonomisches Privileg. Von daher sind die Hartzer reich: Kohle reicht, und sie können den ganzen Tag tun was sie wollen.*

drieu
2. Oktober 2010 11:28

Ellen,

richtig beobachtet und ich frage mich, wo für Euch dabei das Problem ist?
Du schreibst ja nicht, das sie jammern und von sozialer Kälte faseln. Im Gegenteil: um einen Job nicht anzunehmen wurde sogar vorbildlich auf 40 Euro verzichtet. Genau so kenne ich das auch. Die mir bekannten H4-Empfänger jammern überhaupt nicht - sie genießen ihr Leben und halten vorbildlich Haus. Warum auch nicht - es muß nicht jeder Hamster im Rad sein.
Raskolnikow schrieb einmal hier, Widerstand heißt heuer u.a. "unnütz sein". Man kann das auf ungeheuer vielfältige Art und Weise - mit Spaß und bewußt auf Kosten des Staates gelebt (zweiteres machen in Deutschland immerhin gut 50% der Bevölkerung - siehe Staatsquote) ist da nur eine Variante. Und die hat weder was mit sozialer Kälte, noch mit Schmarotzertum zu tun. Denn schließlich überlassen sie ja freiwillig anderen ihre Arbeitsplätze, die in diesem Land sehr rar sind.

PS: Eure Argumentation, die ich nachvollziehen kann, erfolgt vom Blickwinkel einer gesunden Volksgemeinschaft aus (nicht auf Kosten anderer Leben, solidarisch sein, frei sein,...) aber die gibt es längst nicht mehr. Unfreiheit in diesem System ist nicht nur ein Problem der Almosenempfänger, sondern auch der Selbständigen.

Biobrother
2. Oktober 2010 12:07

Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich mir das Bohème-Leben wegen seiner Freiheit und auch ganz reizvoll vorstelle, vielleicht ja auch daher die Liebe zum Französischen (immerhin ist Paris die einzige Stadt der Welt, in der Verhungern als Kunstform anerkannt ist *g*). Leider hat es bisher nur zum üblichen gehobenen Schreibtischsklaven, der gerne ein Bohemien wäre, gereicht, schade eigentlich.

@ Ellen Kositza

Für eine Rechte scheinen Sie einen sehr bunten Bekanntenkreis zu besitzen, zu dem unter anderem extravagante Schwule mit schrägem Humor ("Steffi"), Borderliner und sonstige merkwürdige Großstadtpflanzen gehören. Wie machen Sie das?

Markward von Annweiler
2. Oktober 2010 15:33

Die vielen Wortbeiträge zeigen, daß es falsch und kontraproduktiv ist, den Hartz IV Empfängern pauschal einen Mangel an Selbstdisziplin oder Dekadenz zu unterstellen. Dies ist daher eine gute Gelegenheit, an ein früheres, immer wieder angesprochenes Thema auf SiN anzuknüpfen. Nämlich die Möglichkeit einer konservativen Partei "rechts" von der CDU. Denn die jetzige Debatte macht deutlich, daß eine solche Partei sozialpolitische Kompetenz und Profil brauchten wird. Nur die Einwanderung von orientalischen Unterschichtangehörigen in die Sozialsysteme anzuklagen, wird nicht ausreichen. Erst recht sollte eine solche Partei sich nicht einfach den Wirtschaftsliberalismus a la FDP zu eigen machen.
Sonst werden sich zwar die "kleinen Leute" über eine verfehlte Einwanderungspolitik ärgern, aber trotzdem weiter SPD oder gar Linkspartei wählen. Denn man kann wohl voraussetzen, daß die meisten Leute diese Parteien nicht deshalb wählen, weil sie gegen ihr eigenes Volk und seine Selbstbehauptung wären, und auch nicht, weil sie die "heteronormative Gesellschaft" ablehnten. Nicht einmal Sozialneid ist entscheidend. Sondern die linken Parteien werden wegen ihrer Sozialpolitik gewählt, aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Kompetenz auf diesem Felde, eben weil sie auf die materiellen Sorgen und Statusängste der Menschen eingehen, vgl. den letzten Beitrag von Menzel (die eigene Arbeitslosigkeit wird schlimmer empfunden als Überfremdung). Dabei sind die linken Sozialpolitiker von vornherein im Vorteil wegen ihrer engen Verbindung zu den Gewerkschaften und Sozialverbänden.

Freiheitsverherrlicher
2. Oktober 2010 16:55

"... letztlich wird ein Hartzer, der sich nebenbei gemeinnützig betätigt oder was dazu verdient, generell auf mehr Akzeptanz treffen, was an sich ja auch richtig ist."

Der soll sich "gemeinnützig" betätigen und dabei was verdienen, aber - Sie können sich schon denken was jetzt kommt - bitte, bitte nicht auf unsere Kosten!!! Auch hier gilt: kürzen, kürzen, kürzen - damit die vielen "gemeinnützig" agieren und auf Akzeptanz treffen wollenden kleinen Nazi-Hartzler endlich ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten müssen.

Christoph
2. Oktober 2010 20:51

Die obenstehende Tabelle ist in gewissem Sinne irreführend. Die 801 € für einen alleinstehenden Leistungsbezieher gelten nur für einen ausgewählten Einzelfall. Ich beziehe selbst Leistungen nach ALG II, und bei einer Warmmiete von etwa 265 € erhalte ich monatlich effektiv etwa 615 €. Das sieht doch schon etwas anders aus.

Der Gehörnte
2. Oktober 2010 23:16

Die in dieser Tabelle angeführten - nun wie soll man sie seriöserweise nennen - "Bezüge" an Hartz-IV-Empfänger sind meines Erachtens nach manipulativ aufbereitet; sie enthalten u. a. auch Zuwendungen des Trägers an die Sozialversicherungssysteme (Renten- Kranken- und Pflegeversicherung) und nur in Einzelfällen anfallende Ausnahmezahlungen, sodaß mir der augeführte Durchschnittswert optisch überhöht erscheint.

Der "netto" Gesamtbezugssatz eines alleinlebenden Adressaten sozialer Leistungen beläuft sich empirisch betrachet in etwa auf 600-690 Euro, wovon etwa 359,-- Euro auf Leistungen zur Deckung des Lebensunterhaltes basieren. Da ich weder Ausländerstatistiken noch Arbeitslosenstatistiken mehr als handfeste Grundlagen eines Entscheidungsfindungsprozesses mehr akzeptieren kann, muß bisweilen dezentes Mißtrauen das Gebot der Stunde sein. ;-)

Wie dem auch sei: Der authochthone Pauper kann freilich wieder damit beginnen wie das Stuttgarter Hutzelmännchen löbliche Waldeinsamkeit zu genießen (nachdem er 50 Jahre lang durch garstige Einflüsse davon entfremdet wurde) und Pfifferlinge zu sammeln - aber das löst die grundsätzlichen Probleme nicht durchgreifend, denn die Unterbeschäftigung in diesem, vormals unserem Lande ist beträchtlich (vielleicht sogar stärker als die von Statistischen Bundesamt ausgewiesenen 8-9 Millionen "Menschen"). Monokausale Sozialmißbrachsmalerei ist ein delikater Prozeß, mit Tücken und Untiefen und der westerwell'scher Sozialdarwinismus steht dem trittin'schen Migrantenwohlfahrtstaat stets Aug' in Aug' gegenüber. Milton Friedmann (der Urvater des fatalen Anarchokapitalismus, hatte zumindest einem Recht: "You can't have substantial immigration and a welfare-state, too).

Die schöne, wahre und edle Rechte sollte hier Contenance bewahren, die differenzierten Ausführungen von @Seelsorger im Diskussionsblog der vortrefflichen Ellen K. sind meiner völlig unmaßgeblichen Meinung nach so verkehrt nicht. Ein weites Feld, das es zu beackern gilt (manche bekommen auch EU-Subventionen dafür, daß sie das Feld nicht beackern) :-)

Bauer Gerhard
3. Oktober 2010 07:43

In erster Linie sollte jedem arbeitenden Menschen soviel Lohn zustehen, dass er und seine Familie davon ausreichend leben kann. Das war auch in der BRD schon einmal möglich, der alleinverdienende Vater war durchaus in der Lage seine Familie zu ernähren und mit Sparsamkeit und Fleiß, war es auch noch möglich ein Haus zu kaufen oder zu bauen.

Hartz-IV wird auch an arbeitende Menschen ausbezahlt, Deutschland entwickelte sich zu einem Niedriglohnland.

Jedem Deutschen muss ein Recht auf Arbeit gegeben werden, wer nicht arbeiten kann oder darf, muss versorgt werden.
Siehe hierzu auch:
https://www.kaschachtschneider.de/Schriften/Dokumente-herunterladen/Sozialwirtschaft.pdf

Recht auf Arbeit bedeutet nicht automatisch Arbeitspflicht, wer nicht arbeitet oder nur sehr wenig, muss sich dann anders durchschlagen oder mit sehr wenig begnügen.
Geld ist genug vorhanden, um den arbeitenden Menschen einen vernünftigen Lohn zu zahlen. Siehe die Mrd.-Gewinne die jährlich ins Ausland verschoben werden und somit dem Deutschen Volk entzogen werden.
Arbeit wäre genug vorhanden, wenn Deutsche nicht mit Zugewanderten aus aller Welt, in ihrem eigenen Vaterland, um Arbeitsplätze und damit Geld konkurrieren müssten.

Ludwig Erhard schrieb einmal arbeitsfreies Einkommen muss verhindert werden. Richtig, ob er damit auch die Einkommen der Finanznomaden meinte, weiß ich nicht, aber auch diese sind arbeitsfreies Einkommen. Geld arbeitet nicht, arbeiten tun immer noch die Menschen.

Sozialhilfe darf nur Hilfe in der Not sein und muss deshalb auch gut ausreichend sein. Die Sozialhilfepraxis der BRD schaut anders aus und ist staatliche Alimentierung, Abhängigmachung vieler Menschen und damit Einflussnahme auch auf deren Wahlverhalten.
Allerdings werden nicht nur Hartzer alimentiert, sondern auch viele andere Berufsgruppen und Industriezweige.
Wenn man über den Sozialstaat spricht, muss man auch über die Geld- und Transferleistungen hin zur Industrie, zu Banken, zu Pharmaunternehmen, Landwirtschaft und anderen Interessengruppen sprechen. Siehe EEG, Banken"rettung", Bürgschaften für Exporte usw. usf..

MM
3. Oktober 2010 10:06

Zu Christoph:

Leider haben Sie bei Ihrer Berechnung die unentgeltliche Krankenversicherung vergessen. Meine Lebensgefährtin (seit ca. zwei Jahren arbeitslos, aber mit mir zusammenlebend daher kein Hartz IV) zahlt monatlich ca. 140 Euro.

Ohje
3. Oktober 2010 11:56

Wir haben bereits 5 sozialdemokratische Parteien im Bundestag, da braucht es keine 6. Sozialdemokratie. Wenn die Sezession ihrem Namen gerecht werden will, sollte sie nicht versuchen zur Kopie einer beschwichtigungskonservativen Konrad-Adenauer Stiftung oder Hans-Seidel Stiftung oder halbsozialistischen Merkel-CDU zu verfallen. Also 'Nein' zur Sozialdemokratisierung der Neuen Rechten!

Karl Eduard
3. Oktober 2010 12:03

Soziale Kälte ist die Abwesenheit der Notgemeinschaft der DDR, in der Pionierbrigaden den Rentnerinnen die Kohle in die Stube trugen, die Nachbarn einander halfen, weil es keinen Anlaß gab, zum neidisch sein, niemand hatte mehr oder weniger, die Führung lebte in Wandlitz und der Genosse Kombinatsdirektor inmitten der Arbeiter. Diese Abwesenheit heißt heute soziale Kälte, weil Arbeiter auch arbeiten müssen und deshalb weniger Zeit haben, mal eben von der Arbeit wegzuspringen und zum Friseur zu gehen oder in den Konsum. Daß der Brigadier nicht mehr herumfährt und die besoffenen Kollegen weckt, damit sie zur Arbeit kommen, das kann man durchaus als sozial warmherzig bezeichnen, auch daß das Mitnehmen von Betriebsmaterial heute richtig strafbar ist, ist sozial ziemlich kalt. Sozial warm wird einem dagegen ums Herz, wenn nach der Wochenarbeit aufs Land gefahren wird, um die Ernte einzubringen, weil die Genossen Bauern Verzug haben. Ja, das alles ist so traurig. Im Übrigen gab es in der DDR keine Arbeitslosenhilfe jeder hatte seinen Arbeitsplatz und zu arbeiten. Die Effektivität litt so darunter, daß das Experiment nach 40 Jahren ausgesetzt wurde. Hätten die Genossen ein wenig soziale Kälte ins Spiel gebracht, vielleicht feierte die DDR heute ihren 61 jährigen.

Sehnsucht nach Wärme. Kabarett der DDR.

https://www.youtube.com/watch?v=8BwyYT2qY2w

Sugus
3. Oktober 2010 12:48

Ich möchte Markward von Annweiler beipflichten und noch eine Anregung in die Debatte werfen: weiß jener Teil der Rechten, der undifferenziert auf die Hartzer einschlägt, welches Potential er kaputtmacht? Immerhin hat es ein großer Teil dieser angeblich Antriebslosen in den letzten Jahren geschafft, an Wahltagen den Arsch aus der Wohnung zu bewegen und das Kreuzchen bei der Linkspartei zu machen. Weil sie originär links sind? Weil sie im Nachhinein die DDR gut finden? Nö - weil sie Interessen haben, genau so wie der Unternehmer seine Interessen legitim findet, und sie verteidigt. Und weiß man, wie "solidarisch" (oder eben nicht!) die da unten sind? Ein sehr großer Teil der Deutschen unter ihnen wählt die Linken trotz ihrer ausländerfreundlichen Politik und nicht deswegen!
Lest mal hier den letzten Absatz:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article9003728/Mehrheit-lehnt-Zuzug-qualifizierter-Auslaender-ab.html
Eine solide Rechte mit großzügiger Sozialpolitik (nur für Deutsche!/EU-Bürger) hätte weitaus größere Chancen als das pseudo-elitäre und widerliche Treten nach unten.

Rudolf
3. Oktober 2010 12:50

Jedem Deutschen muss ein Recht auf Arbeit gegeben werden, wer nicht arbeiten kann oder darf, muss versorgt werden.

Was ist mit der wachsenden Zahl der Passdeutschen, die eigentlich gar keine Deutschen sein wollen?
Diese müssen wohl notgedrungen mitfinanziert werden, nehme ich an?

Dass man in Deutschland nicht mehr von seiner Arbeit leben könne, ist außerdem eine Aussage, die dringend nahelegt, dass Sie einmal einen Blick ins außereuropäische Ausland werfen sollten und schauen sollten, wovon man dort zum Teil lebt...

Bauer Gerhard
3. Oktober 2010 14:12

@Rudolf
Wenn ich von Deutschen spreche, dann von deutschstämmigen.
Sowenig wie ein Deutscher Chinese werden kann, sowenig kann ein Chinese Deutscher werden.

Wer möchte schon auf das Niveau sinken, in dem man zwar überleben aber nicht leben kann oder dies als Maß verwenden?
Zum Sterben zuviel, zum Leben zu wenig.

Oliver
3. Oktober 2010 16:26

Erstaunlich, wie manche hier die Linkspartei von links überholen zu können glauben. Darauf läufts nämlich hinaus, wenn man die Massen mit noch mehr sozialen Wohltaten ködern möchte, als schon die Linken anbieten. Es ist so:

1. Wird jeder Hartz IV Empfänger, der keine volkliche Verantwortung empfindet, lieber die angebotenen 420 oder 450 oder 500€ Regelsatz aus den Händen der Linken nehmen, als die 300€ aus den Händen einer Rechtspartei. Das könnte nur umgangen werden, indem man selbst versucht quasi die Linken links zu überholen, also noch mehr Soziales anbietet als die Linken. Ein Wettrennen, dass die Rechte so wenig gewinnen kann, wie die Linke das "Rennen" um die glaubhaftere Migrantenkritik. Umverteilung ist deren Heimspiel, Migration ist unseres.
2. Nimmt man einem Herrn Stadtekwitz, Sarrazin oder auch Kubitschek den glaubhaften Sozialisten nicht (mehr) ab, prinzipiell vom Habitus schon nicht und sowieso wegen bereits getätigter Äußerungen. Meine Güte, wenn ich jemandem ins Gesicht schaue, dann weiß ich meist ob jemand lügt oder die Wahrheit spricht. Wenn bspw. Herr Kubitschek, der offensichtlich kein Roter ist, auf rot (= sozial) macht, dann fällt das 'n bissl auf, zumal wenn er sowas vor Millionen Fernsehzuschauern versuchen würde.

Das ist sowas von abgehoben, das ist schon kriminell, zu glauben, die Linken in der Sozialpolitik schlagen zu können.

"Dabei sind die linken Sozialpolitiker von vornherein im Vorteil wegen ihrer engen Verbindung zu den Gewerkschaften und Sozialverbänden."

Im Vorteil? Enge Verbindungen??? Die Linken nicht nur besser in die Gewerkschaften rein vernetzt, die Gewerkschaften sind selber die Linken. Das Personal des linken Flügels der SPD (Nahles) und der Linkspartei, teilweise sogar von extremistischen Organisationen, ist oft personal-identisch mit den Gewerkschaftsfunktionären (auch gerade in mittleren Posiitionen wie zB Vertrauensmann, Betriebsrat usw).

Die Gewerkschaften sind viel linker als die SPD. Als die unter Schröder, Beck und Steinmeier in die "Mitte" abzurutschte, hat sich der DGB immer mehr der WASG und dann der Linkspartei zugewendet.

Und ganz abgesehen davon, dass die Sozialpolitik und deren Machthebel, zB der Streik, keine voluntaristischen freien Willensangelegenheiten sind, die man mal machen kann wenn man Bock hat oder nicht. Die Arbeitnehmer zahlen Gebühren in die Streikkasse ein, und dafür wollen sie auch eine Leistung sehen: die Lohnerhöhung. Ohne Streik gibts Mitgliederschwund. Eine Gewerkschaft ist fast wie ein Unternehmen, dass als Dienstleistung den Streik und dann die Lohnerhöhung, also sozusagen eine Rendite für die in die Streikkasse eingezahlen SAFTIGEN Mitgliedsgebühren, anbietet. Die können gar nicht einfach aufhören links zu sein, das ist strukturell.
Ob einE "ArbeiterIn" schwarz oder weiß, christlich oder islamisch, Mann oder Frau ist, spielt ökonomisch keine Rolle, oder anders gesagt, die Produktionsmenge geteilt durch die Arbeitszeit, die Arbeitsproduktivität, ist farbenblind und egalitär. Wenn der Mehrwert, einfach ausgedrückt das, den Gegenwert dessen was die "ArbeiterIn" erarbeitet hat, aber der Unternehmer als sein Unternehmensgewinn einbehalten hat (ja, den Unternehmensgewinn erarbeiten auch die Arbeiter), zB 1 000 000 € pro Monat beträgt, und bei 1000 Beschäftigten entsprechend 1000€ pro Kopf pro Monat beträgt, dann ist für diese gewerkschaftliche Vernunft irrelevant, ob die "ArbeiterIn", zumal zahlendes Mitglied, deutsch oder nichtdeutsch ist. Die entsprechende Summe beläuft sich so oder so auf 1000€ pro Kopf. Und es ist die definierte Aufgabe, und zwar die EINZIGE AUFGABE, der Gewerkschaft, und zwar schon seit immer, diesen Mehrwert zu reduzieren, d.h. den Unternehmergewinn an die "ArbeiterInnen" umzuverteilen.

Neben betrieblicher Lohnerhöhung gibts bekanntlich auch die staatliche Umverteilung, also Transfers und Subventionen. Soziale Organisationen können es aber nicht durchgehen lassen, dass die Arbeiter, die diese Werte erarbeitet haben, also auch das Steueraufkommen erarbeitet haben, "nur" wegen ihrer etwaigen ausländischen Herkunft um ihre Arbeiterinteressen, also das Geld, gebracht werden.

Wie will sich eine rechte Partei da anbiedern? Nicht einmal die nationale sozialistische NPD kann sich anbiedern, sondern wird, wenn die zB auf dem 1. Mai irgendwo auftauchen, von der Straße gekloppt, keineswegs nur von Antifas, sondern von den Gewerkschaftern. Mal abgesehen davon, dass so manche Antifas und andere radikale Linke nebenbei bei der Verdi-Jugend aktiv sind, der GEW-Jugend, GEW-Hochschulorganisation usw.

Und jetzt sind auch noch die Mehrheit der Migranten niedrig qualifizierte Arbeiter, also das Kern-Gewerkschaftsklientel. Mittlerweile sind sogar schon sehr viele mittlere Gewerkschaftsfunktionäre selber Mihigrus. - Ja doch, die Gewerkschaft wird bestimmt gegen sich selbst vorgehen (Achtung Ironie). Sozialpolitische Umverteilung ist heutzutage nunmal vor allem Enteignung der autochtonen deutschen Bevölkerung zugunsten zugewanderter Migranten, also kann eine rechte Partei in Fragen der sozialen Umverteilung auch nicht wirklich punkten.

Sozialpolitik und "Links" sind wesentlich Synonyme. Man befrage auch zB Ernst Nolte zur "Ewigen Linken". Ich kann nicht sehen, wie die Rechte da reinpasst, ohne mittel- bis langfristig den Grundstein für die eigene ideengeschichtliche Vernichtung zu legen.

Und auch praktisch:
Je mehr Sozialpolitik, desto schlechter gehts der Wirtschaft, was wiederum mehr Sozialpolitik nötig macht usw. Ein Teufelskreis, bei dem nur die Sozialisten gewinnen können. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Sozialismus!

Als Rechte die Linke links überholen zu wollen ist so absurd, wie wenn umgekehrt die Linke sich durch Monarchismus oder Rechtfertigung von biologisch-genetischer Ungleichheit von Menschen hervortun wollte. Absurd eben...

Distelherz
3. Oktober 2010 16:29

Sozialneid funktioniert offenbar nicht nur von unten nach oben, sondern auch von oben nach unten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was von jenen zu hören wäre, die heute noch eifersüchtig auf ihren Pfeffersäcken hocken und nach allem schlagen und treten, was da unten so kreucht und bisweilen nach Pfefferkörnchen greift, wären sie durch ein garstiges Geschick plötzlich selbst auf Transferleistungen angewiesen. Aber das sind natürlich nur boshafte Unterstellungen meinerseits.

Mal andersrum gefragt. Was tun Sie, liebe Besitzstandswahrer (es obliegt Ihnen selbst, ob Sie sich angesprochen fühlen), denn eigentlich dafür, damit sich in diesem Land etwas zum Besseren wendet? Um einmal genauso selbstgerecht-pauschalierend daherzureden, wie Sie das gemeinhin tun:

Sie verdienen als Controller X ein Schweinegeld in irgendeinem internationalen Unternehmen, um ihre Volksgenossen von der Bürde ihrer täglichen Arbeit zu befreien, damit jenes Unternehmen dann seine dadurch erzielten Überschüsse an Auktionäre in Dubai, Chicago und Neu Delhi überweisen kann.

Oder Sie jetten als Dipl.Ing. Y für das gleiche Schweinegeld um die halbe Welt, um in Bukarest, Shanghai oder Phnom Penh Maschinen oder Fabriken zu installieren, in denen dann jene Arbeit verrichtet wird, von der Controller X gerade seine Volksgenossen befreit hat.

Oder Sie sind der Selbstständige Z, der seiner Belegschaft, die er letztes Jahr wieder um 20% reduziert hat und deren Realeinkommen seit 15 Jahren trotz gut laufender Geschäfte im Sinkflug begriffen ist, mal nebenher das Weihnachtsgeld streicht. Zahlt ja heute eh keiner mehr. Controller X und Ingenieur Y sind Ihre guten Kumpel und Sie fragen Sie bei nächster Gelegenheit, wie das mit dem Auslagern der Produktion eigentlich so genau funktioniert. Oh, ich vergaß zu erwähnen, daß Sie sich selbst natürlich ein Schweinegeld überweisen. Dürfen Sie ja, ist ja Ihr Laden.

Sie alle drei arbeiten natürlich wie die Ochsen, 12-14 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche, sind zerfressen vom Ehrgeiz und erfüllt von Prestigesucht, haste was, biste was, und bilden sich mordsmäßig was auf sich ein...

...tatsächlich aber sind gerade Sie es, die das Irrenhaus BRD am Laufen halten, mit all seinen Ungeheuerlichkeiten, über die Sie sich in Blogs wie diesem so herrlich echauffieren. Womöglich haben Sie bei der letzten Bundestagswahl Ihr Kreuzchen gar bei CDU oder FDP gemacht. Leuten wie Ihnen ist das durchaus zuzutrauen. Kurz und gut: Sie sind Teil des Problems und nicht der Lösung.

Abschließend möchte ich noch den Beiträgen von "Bauer Gerhart" und "Markward von Annweiler" ausdrücklich beipflichten sowie auf die sehr guten und umfassenden Kommentare von "Seelsorger" im Strang "Hartz IV ist eine Zumutung – für wen?" hinweisen, die meines Erachtens die Problematik sehr kompetent darstellen.

Martin
3. Oktober 2010 19:57

... ich halte diese Hartz IV Erbsenzählerei auch für kontraproduktiv. Jeder, der Hartz IV und dessen Beantragung ja für so klever hält, soll es doch einfach tun. Er macht es nicht, weil er ganz genau weis, dass es für ihn ganz persönlich dann doch keine Lösung ist. Und genau das ist es doch: Ein jeder Kehr vor seiner eigenen Tür ... ich wurde so erzogen, dass man nicht danach fragt, wovon andere leben, sondern danach schaut, wie man es selbst zu etwas bringt ... (keine Ahnung, ob das "konservativ" war).

Für die "neue rechte" ist die Hartz IV Diskussion an Parametern wie "Die sollen halt dicke Pullis anziehen, statt die Heizung anzudrehen" etc. völlig falsch - im Übrigen gebe ich Stimmen, wie der von Sugus, recht.

Vulture
3. Oktober 2010 19:57

Ach Herr Kubitschek, da haben Sie sich ja schön in die Nesseln gesetzt...

So notwendig und zeitlich dringend diese Debatte dem selbst arbeitenden und schaffenden Menschen erscheinen mag, so sinnlos erscheint es mir Sie öffentlich zu führen. Zumindest nach der Lektüre der meisten bisherigen Kommentare. Da sind in Deutschland in den letzten 60 Jahren ein paar Dinge komplett abhanden gekommen. Verstaendnis fuer Grundzusammenhaenge der Existenz. Dass von nichts nichts kommt zum Beispiel.
Grundzusammenhänge des Wirtschaftens. Dass ich etwas verkaufen kann (meine Arbeit, das Resultat meiner Arbeit, Produkt, Dienstleistung, meinetwegen auch die weiter oben erwähnte amerikanische "Servilität" - gilt für alles), NUR, wenn das jemand auch haben will. Und NUR zu dem Preis, welchen der "jemand" dafür bereit ist zu zahlen. Ist mir der Preis, also z. Bsp. mein Gehalt zu niedrig, biete ich das falsche Produkt an, und zwar gemessen an meinen eigenen Ansprüchen!

Das zu Zeiten und Orten trotzdem "Preise" (meistens Löhne) in bestimmten über dem Marktwert liegenden Höhen erzwungen werden können, ist eine allgemeine Erfahrung des Menschen der Moderne und Postmoderne. Aus diesem Gefühl leitet er nach meiner Einschaetzung seine "Anrechte", "Mindestlöhne", "Ansprüche" usw. ab. Die Ursache, die Wurzel ist aber eine privatmoralisch betrachtet ziemlich verbrecherische: nämlich Erpressung unter Gewaltandrohung. Erpressung kraft der Masse der fordernden Personen und deren Gewaltpotential - ausgedrückt in Gewerkschaften und politischen Parteien. Lassen wir die Privatmoral mal beiseite, ist der Preis damit nicht nur eine Frage von Angebot und Nachfrage sondern eine Machtfrage. Und das gilt auch fuer H4 Saetze. Mag sein dass diese Machtfrage heute sehr subtil gestellt wird - weder der Niedriglohnsektor noch die Hartzer bringen Massen auf die Strasse. Wohl aber nutzen die einschlägigen Funktionäre das bloße Vorhandensein der relevanten Personenmassen als subtiles Drohmittel. Das Ergebnis ist natuerlich nicht berauschend fuer die Betroffenengruppen. Ohne echte Gewalt auf der Strasse wird eben kein Mindestlohn durchgesetzt, sondern werden irgendwelche Kompromisse gekungelt. Aber es reichen diese Scheinkämpfe um die innenpolitische "Balance of Power" zu erhalten (und nebenbei den Funktionären ihre Posten zu sichern, auch nicht unwichtig). Die Frage, speziell an SiN wäre: Sofern meine obigen Beobachtungen nicht ganz falsch sind, wollt Ihr von konservativer Seite diese Balance in Frage stellen? Wuerdet Ihr, so Ihr die Macht dazu haettet, einen solchen Zustand (nicht das ärgerliche "Sozialkaelte"-Getöse sondern die Machtbalance) zerstören? Und wenn ja, wozu? Ich meine, dieses System ist auf Dauer und Stabilität angelegt: der Staat wird wohl trotz ständiger Negativbilanz und Neuverschuldung nicht pleite gehen, weil er das Geld entwerten kann, das hat noch immer funktioniert. Und wenn der Wert des Geldes nicht mehr ausreicht, dann gibts eben wieder Lebensmittelkarten und Stoppelkartoffeln. Wo läge perspektivisch der Sinn dieses Hartz 4 zu attackieren? (Es aergert mich auch, aus den selben Gruenden wie von Euch niedergeschrieben, aber auch das ist Privatmoral.)

Vulture
3. Oktober 2010 20:20

Und wenn wir schon dabei sind Herr G.K., da muss ich meinen Emotionen jetzt doch noch freien Lauf lassen und Ihnen vielleicht nicht ganz vorteilhaft Schützenhilfe geben: Ich kann wohl Verstaendnis und Mitleid, bei persönlicher Beziehung auch Solidariteat fuer arbeitslose Proleten aufbringen. Einfache Leute die Entscheidungen und Prozessen zum Opfer fallen, die sie selbst ihr Lebtag nicht überreißen werden. Die sie nicht vorhersehen koennen, auf die sie nicht adequat reagieren können.

Aber mit einer hier erstaunlich viel erwähnten Personengruppe habe ich nicht das geringste Mitleid: arbeitslose Akademiker. Fuer solche Leute habe ich einen Tritt in den Arsch übrig, und sonst nichts.

ellen
3. Oktober 2010 20:39

Biobrother: Stehen wir "Rechten" nicht gerade mitten im Leben? (Oder kennen Sie die nur aus Tanzkreisen und aus Burschenhäusern?)
Ich hab immerhin 29 Jahre Großstadterfahrung hinter mir, aber gehen Sie getrost davon aus, daß meine Lebenserfahrung die einer 100jährigen ist. Ich schlafe sehr wenig.

Christoph
3. Oktober 2010 20:52

Zu MM:

Die Tabelle vergleicht ausdrücklich Nettolöhne, das heißt nach Abzug aller Sozialbeiträge. Ihr Einwand ist folglich unbegründet.

Thorsten
3. Oktober 2010 21:34

Wer sagt, dass die Linke links zu überholen wäre? Wenn die Antwort nicht mehr Geld sondern sinnvolle Beschäftigung ist, dann ist das rechts und billig.

Sugus
3. Oktober 2010 23:33

@ Oliver
Habe ich irgendwo von Gewerkschaften geschrieben? Die machen so wenig Politik für die Hartzer wie die Unternehmensverbände.
Im übrigen bezüglich Gewerkschaften:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,362290,00.html
@ Vulture
Daß Macht die Löhne auch UNTER ihren Marktwert drücken kann, gibt es in Ihrer Gedankenwelt nicht, was?

FFlecken
4. Oktober 2010 00:31

An diestelherz

Nichts als wohlformulierte Primitivität und selbstgerechte Abziehbilder.
Bei Ihnen ist wohl jeder ,,Volksgenosse" ein Opfer böser Mächte und der schäbigen internationalen Arbeitsteilung. Mit Wirtschaftsplanern wie Ihnen, würden natürlich endlich wieder die Interessen der Werktätigen vertreten... Und wenn sich eine ausufernde Sozialpolitik ja nur auf Deutsche beschränkt, wird alles wieder gut...Alles klar.

An Vulture

Massive Geldentwertung ist im Prinzip eine verschleierte Form des Staatsbankrotts. Aber Sie haben schon recht, natürlich sind Sozialleistungen immer auch teils legitime Schutzgeldzahlungen und können für eine Balance (Ruhe) sorgen. Aber es gibt für alles Grenzen und wann die erreicht sind wird man sehen.

Oliver
4. Oktober 2010 00:58

@Distelherz

Der Handel ist nunmal international, die Alternative wäre eine Juche-Ideologie samt Zentraler Planwirtschaft ala Nordkorea. Die Folgen kennen wir. Für die Dividente, die an Aktienbesitzer in Dubai ausgeschüttet wird, fließen auch wieder Investitionen aus Dubai nach Deutschland rein. Als langjähriger Exportweltmeister profitiert Deutschland weitaus mehr vom Welthandel als es Schaden nimmt, zumal sich auf dem heutigen Bundesgebiet nur wenig heimische Rohstoffe befinden.

Am Welthandel geht Deutschland gewiss nicht zugrunde.

Arbeit(skraft) hat ihren gewissen Wert, und wenn dieser Wert überstiegen wird, zB durch eine überzogene Sozialpolitik, dann ist es nicht mehr rentabel diese für die Produktion einzusetzen. Wenn zB der Mindestlohn eingeführt wird, werden dadurch Arbeitsplätze vernichtet, weil es sich für viele Leute nicht mehr lohnt, einer Aushilfe zB 10€ Mindestlohn zu zahlen.
Ich hab die Ideologie der linken Parteien und Gewerkschaften oben bereits erläutert: der gesamte Umsatz eines Unternehmens sei von den Arbeitern erwirtschaftet und gehöre daher den Arbeitern. Das stimmt aber so nicht, weil Arbeit nicht der einzige Produktionsfaktor ist.

Werden Löhne planwirtschaft festgesetzt, zB Mindestlöhne für Arbeiter und Höchstgehälter für Manager, und irgendwann Einheitslöhne, statt sie durch Angebot und Nachfrage, also durch den Markt festzusetzen, dann geht eine Volkswirtschaft dadurch zugrunde. Das ist Zentrale Planwirtschaft. Nur der Markt weiß, was ein Gut oder eine Dienstleistung wert ist, also auch was eine Arbeit wert ist. Die Politik weiß das nicht, und will es auch gar nicht wissen. Unsere Sozis hier im Blog fragen ja auch nicht: rentiert sich die Sozialpolitik, der Mindestlohn usw., sie argumentieren stattdessen "moralisch" oder mit politischem Kalkül auf angeblich günstige Wahlergebnisse schielend.

Das ist kein Wirtschaften, sondern wie gesagt eben Moral und Parteienpolitik. So richtet man eine Firma oder eine Volkswirtschaft zugrunde!

In der sozialpolitischen "middle-of-the-road policy" müssen nach und nach immer mehr sozialistische Elemente installiert und nachgebessert werden, weil immer mehr Marktfunktionen vom Staat übernommen werden: Staatliche Preisbildung (zB Mindestpreise, Höchstpreise) führt dazu, dass Menschen die eine Ware für Preis X (ver)kaufen würden, dies zu dem zB höheren Preis Y nicht mehr tun würden, also horten Händler oder Produzenten das entsprechende Gut oder stellen es gar nicht mehr her, es kommt mittelfristig zur Unterversorgung mit entsprechendem Gut, zum crowding-out effekt, was wiederum Innovationen also zB Verbesserungen der Produktionsmethoden oder Entwicklung ganz neuer Güter hemmt. Eine Nation wird dadurch immer weniger wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt, der Staat übt Protektionismus, wodurch die Unternehmen und ihre Güter noch mehr isoliert und noch weniger wettbewerbsfähig werden. Schlechte Qualität zu hohem Preis, das ist nicht verkäuflich.
Je mehr der Staat in den Markt interveniert, desto weniger funktioniert er. Natürlich hat auch ein freier Markt seine Fehler und Krisen, wie alles im Universum. Auch der kräftigste Mensch wird mal krank. Im Extremfall der Preisfestsetzung durch den Staat, zB durch Robespiere in der Französischen Revolution oder gegen die bäuerlichen Kulaken in Russland während der Kommunistischen Revolution, verkaufen die Händler und Produzenten gar nichts mehr, weil sie zu den staatlich festgesetzten falschen Preisen nur noch Verluste machen würden. Wenn aber zB die Bauern keine Kartoffeln mehr verkaufen, weil sie bei dem staatlich festgesetzten "sozialen" Preis nur Verluste machen würden, dann (ver)hungert - im Extremfall, zB eben in Russland damals - das Volk. Ergebnis: Staatliche Konfeskation der Güter und der Produktionsmittel wird nötig, also Enteignung der Bürger, staatliche Kontrolle der Produktion und der Verteilung, und dann haben wir den vollendeten Kommunismus ala Sowjetunion.

Bei einem Mindestlohn zB kommt noch hinzu, dass ja mehr Geld verteilt wird, ohne dass mehr produziert wurde. Sagen wir vereinfacht eine Volkswirtschaft bestünde nur aus einer Ware und einem Berufszweig, bisher würden pro Jahr 1 000 000 t Kartoffeln produziert und die Landarbeiter und Bauern hätten (umgerechnet) 5€ pro Arbeitsstunde gemacht, wenn jetzt der Mindestlohn auf 10€ kommt, also mehr Geld verdient wird ohne dass mehr produziert würde, dann stiegen sukzessive einfach die Preise, es träte also eine Inflation ein. Wohlstand entsteht nicht einfach dadurch, dass mehr Geldscheine über dem Volk aus dem Sack geschüttelt werden, denn sonst wäre Simbabwe das reichste Land der Erde, sondern dadurch dass für die Mehrheit mehr Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen, oder bessere. Und dafür ist der Handel notwendig, und dafür ist die Geldwertstabilität wichtiger als kurze Konsum-Strohfeuer, die durch staatliches deficit spending und Umverteilung losgetreten werden. Weil jeder Konsum, der durch Schulden oder Umverteilung ermöglicht wurde, durch die Inflation und andere Mechanismen sowieso automatisch wieder aufgefressen wird, es sei denn der Staat würde eben immer weitere Teile der Preisbildung am Markt zentral festlegen, aber das ist eben bzw. führt eben zum Kommunismus und wir wissen, worin das endet.

Also: Nein zu einer sechsten sozialdemokratischen Partei in Deutschland. Sarrazin und andere tun recht daran, die ausbordenden und nicht mehr finanzierbaren Super-Nanny-Sozialstaat anzuklagen.

TNG
4. Oktober 2010 01:04

Soll der Staat Hartz4, den faktischen Mindestlohn, fürs Nichtstun finanzieren oder alternativ volkseigene Betriebe betreiben um zumindest die Illusion des eigenständigen Gelderwerbs zu schaffen? Soll Arbeit vom Staat subventioniert werden, sollen H4 Milliarden als Lohnzuschuß in die Industrie gepumpt werden um in den Fertigungstrassen der Republik weniger Maschinen und mehr Menschen einzusetzen?

Soziale Kälte ist eine höchst subjektive Empfindung die im wesentlichen von den eigenen Erwartungen abhängt, zumeist von jenen angeführt die am Konsum teilhaben wollen, wirtschaftlich aber nicht die Möglichkeit dazu haben. H4 muß selbstverständlich nicht jedem ins Gesicht geschrieben stehen, oftmals ist es das aber doch. Seht die Jungs morgens am Kiosk beim Frühstücksbier, seht die alleinerziehenden Mütter in Leggins und Aldiletten mit ihren Mandies, Kevins und Jaquelines im Schlepptau, um mal die Klischees zu bemühen.

Eine Mehrheit ist für eine staatlich organisierte Beschäftigung der H4-Empfänger, ob diese nun unbedingt Autobahnen bauen müssen sei mal dahingestellt.

Welche Bereiche gibt es, in denen derlei Maßnahmen nicht echte Arbeitsplätze gefährden würden? Müssen unbedingt Osteuropäer auf innländischen Baustellen arbeiten, was hält wohl der bei der Gemeinde angestellt Gärtner davon, wenn 1-EUR Jobber den Rasen mähen, was der Selbständige der in KLeintransporten und Kurierdiensten macht der keine Aufträge mehr von öffentlichen Stellen erwarten kann, was hält die Strassenreinung und Müllabfuhr davon?

Wo soll die Grenze sein?

Die Antwort könnt in Zuckerbrot und Peitsche bestehen. Wer selbstverschuldet dauerhaft nicht einmal dem staatlichen organisierten Arbeitsmarkt zu Verfügung steht möge auch keinen H4 mehr bezihen, wer derlei Arbeit, auch innerlich, annimmt soll H4 + x bekommen. Wer ernsthaft nicht arbeiten kann, was eine kleine Minderheit sein dürfte, soll den normalen Satz erhalten.

Sog. "Lebenskünstler" sollen ihrer Kunst nachgehen ohne dabei der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen.

Löhne aus unsubventionierter Arbeit müssen einen fühlbaren Abstand zu H4 + x haben. Doch was wird mit den ganzen McJobs, den Leiharbeitern? Sind wir bereit einen Aufpreis zur Finanzierung der Löhne für deren Produkte und Dienstleistungen zu zahlen?

Wenn H4 der Mindestlohn ist zieht eine Staffelung nach sich daß im Niedriglohnsektor die Löhne steigen müssen, im exportabhängigen Sektor keine gute Idee. Also solche Maßnahmen auf den Binnenmarkt beschränken? In der Form von Subventionen, damit besonders geschäftstüchtige Zeutgenossen dem Mitarbeiter sagen können "den Rest holst Du dir beim Amt ab" oder doch staatseigene Betriebe die den Staat weiter aufblähen?

Nicht unerwähnt sollte bleiben in welcher gesellschaftliche Gruppe zumeist in McJob gemacht wird, wobei die McJobber innerhalb ihrer Paralellgesellschaft noch zu den Willigen gezählt werden dürfen.

Wieviele türkisch/arabische Migranten haben wir? Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit dort, wieviele Kinder gibt es dort, wie sind deren Chancen für die Zukunft, welche Art Beschäftigung wird dort zumeist nachgegangen? Alles dokumentiert von Hr. Sarrazin. Die rar gesäten Erfolgreichen dieser Gruppe verlassen ohnehin oftmals das Land, wie immer wieder zu lesen ist.

Es geht hier um Zahlen die mir geeignet erscheinen genug Luft zu schaffen um die negativen Folgen der Mindestlohnspirale nach oben im Niedriglohnsektor zu verkraften.

MM
4. Oktober 2010 05:58

Zu Christoph:

Leider ist mein Einwand sehr wohl begründet. Ich verwies nicht auf die Tabelle, sondern auf Ihre Berechnung. Und es ist nun mal so, dass die arbeitslosen (über ein Jahr)Lebenspartner in einem Haushalt die Krankenkassenbeiträge aus Nettolöhnen zahlen. Die betragen nun einmal rund 145 Wuro pro Monat (gezahlt aus Nettolöhnen,sic)!

Anna
4. Oktober 2010 11:28

Herr K., wenn ich nach dem Studium eine Stelle gefunden hätte, würde ich Ihnen heute vlt. zustimmen. Leider aber seit Jahren (Bürokraft, Callcenter) kein Erfolg. (Überqualifikation; Kita "leider" nicht 24 Stunden geöffnet).. Aber ich bin eben wohl einfach ein Kollateralschaden, Mütter sollten ja eh nicht arbeiten.
Was Sie beschreiben ist das "Lohnabstandsgebot", das durch die soziale Grundsicherung (insbes. bei Familien) nicht greift. Natürlich haben sie da recht. Fachausdruck: erster Teil des "doppelten Sozialstaatsdilemmas".
Es gibt auch den zweiten: Nicht jeder, der arbeiten kann und will, kommt über das Grundsicherungsniveau. (Ich beschreibe nur Tatsachen).
Ich glaube, Herr K., wenn Sie die Erfahrungen meiner Familie gemacht hätten, würden Sie anders denken.

rautenklausner
4. Oktober 2010 12:06

Zu den unschuldigsten opfern der sozialen kaelte von gk und der laufenden sez.-und sarraz.-debatten gehört, wie ich empoert und erbost feststelle, vor allen anderen das GEDICHT DES MONATS!

A.Sch.
4. Oktober 2010 12:50

Das Problem ist die konsumorientierte Verblödung weiter Teile der Bevölkerung, nicht nur den ALG2 Empfänger (allein das Wort "Hartz" signalisiert einen Paradigmenwechsel in der sog. "Sozialpolitik", oder nennt man jetzt einen Rentner etwa "Bismarck I -Empfänger? Es ist ein Witz, dass ein Yuppie Sozi hier Namenspate stand;)
"Hartz" bedeutet eben NICHT "Arbeit" - bewusst wurde hier auch eine Begriffsumdeutung betrieben - früher nannte man es noch "Arbeitslosenhilfe" und die bekam, wer zumindest zeitweise auch einmal gearbeitet hat.
Heute weiß man in den Kreisen der Verantwortlichen genau, dass es nie mehr Arbeit für alle geben wird - was gesucht wird sind Konsumenten und Menschenmaterial zur Aufrechterhaltung der Sozialindustrie.

A.Sch.
4. Oktober 2010 16:26

Was noch auffällt:
Die Beobachtungen beziehen sich wohl auf die mitteldeutsche Provinz.
Ich wohne im "Westen" und beobachte seit einiger Zeit folgendes:
Gerade in der schönen Jahreszeit sieht man immer zahlreicher in kommunalen Grünanlagen (Rasenmähen), oder von Privatfirmen georderte sog. 1 Eur Jobber, eben aus dieser H4 Klasse.
Ich habe noch NIE einen Ausländer dort schuften gesehen, immer waren es so abgehalfterte blonde Gestalten.
Ob das auch in irgendwelchen "Dienstverordnungen" so befohlen wird?

Rudolf
4. Oktober 2010 17:05

@Bauer Gerhard:
Sie wissen doch selbst, dass es nicht mehr möglich sein wird, deutsche Bundesbürger und nichtdeutsche Bundesbürger staatlicherseits unterschiedlich zu behandeln.
Außerdem möchte ich auch gar nicht jeden Deutschen unterstützen müssen. Spätens bei Antifa-Punks oder dauerjammernden Nichtstuern hört es bei mir auf.

Vulture
6. Oktober 2010 21:02

Sugus: denken Sie nach! UNTER dem Marktwert bedeutet ausdruecklich, dass es woanders (auf dem Markt) MEHR gibt. So der Arbeitgeber mich nicht gewaltsam festhält (Mittelalter, DDR etc. gibts auch Beispiele, aber das meinten Sie sicher nicht), schreib ich dann bei nächstbester Gelegenheit die Kündigung, und tschüss. Funktioniert übrigens super, kann ich nur empfehlen.
Dass es Leute gibt, die meinen unter Marktwert bezahlt zu werden, will ich gar nicht bestreiten. Aber das ist zunächst einmal deren Selbsteinschätzung. Der Mensch neigt immer dazu sich selbst fuer besonders wichtig zu halten. Wenn der jenige die oben beschriebene Good-bye-Prozedur nicht durchziehen kann, weil er nichts anderes findet, dann ist die Einschätzung des Marktes eben eine andere als die Selbsteinschaetzung. Irren ist menschlich.
Man kann auch verlangen, dass eine bestimmte Arbeit aufgrund ihrer Schwere oder besonderer Gefährdungen (Wachschutz z. Bsp.) höher als der bis dato marktübliche Lohn bezahlt werden sollte. Das ist dann aber eine moralische Einschätzung, keine Markteinschaetzung. Der Auftraggeber wird eine Dienstleistung in der Regel aber nicht aus moralischen Gruenden in Anspruch nehmen, sonder aus einer Kosten-Nutzen-Rechnung heraus.

Sugus
7. Oktober 2010 11:17

@ Vulture
Ich sehe es nicht als gegeben an, daß woanders auf dem Markt notwendig mehr geboten wird. Den reinen Markt gibt es sowieso nirgends. Allerdings haben Sie recht, daß man hierzulande einfach kündigen kann. Und es freut mich, daß Sie zumindest dem "Marktteilnehmer" Arbeitnehmer das gleiche zugestehen wie dem Marktteilnehmer Arbeitgeber.

Michael
19. August 2011 13:34

nun hat der mensch aber nunmal eine würde , würde er dieser nicht andauernd dauerhaft beraubt würde er sich ihrer erinnern und entsprechend handeln . kann er aber nicht mehr ,weil kennt er nicht mehr ... ,

stoppelkartoffel, fallobst , haferflocken und malzkafee sind kein armutszeugnis sondern eine ernährungsform bei der sich jeder hausarzt eines überbeleibten kindes vor freude uber die ernährungsumstellung auf die schenkel klopfen würde - klassenkammeraden und ein eurojob kollegen tun dies nicht ..

götz kubitschek ist eine welt - der hartzer von gegenüber eine ganz andere . ohne götz kubitschek zu verikonisieren - gäbe es in meiner stadt mehr götz kubitscheks gäbe es weniger hartz4 empfänger . weil vorbild geht auch heute noch .

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