Türkische Männer übermitteln Zeichenbotschaften an Alice Schwarzer

Während am Wochenende in Schnellroda der Kongreß zum 10jährigen Bestehen des IfS tagte, weilte ich für ein paar Tage in meiner Heimatstadt Offenbach.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Mit den Kin­dern schlen­der­te ich u.a. über einen Floh­markt. Meint der Sohn: „Gell, außer uns sind hier fast nur Eng­län­der“, gemeint waren „Aus­län­der“, was für ihn unver­bes­ser­lich syn­onym ist.

Ja, die­se Kin­der­sa­chen­bör­se mit nahe­zu rein­deut­schen Beschi­ckern war, bezo­gen auf´s Publi­kum, eine Art klei­ner Mus­lim­markt. Ein wei­te­res Mal fiel mir die Rich­tig­keit die­ser Glei­chung auf: je ver­schlei­er­ter, des­to unfreund­li­cher. Genau erklä­ren kann ich´s nicht. Das ist mit Sicher­heit kein wech­sel­sei­ti­ges Spiel. Von mir jeden­falls – in Schlei­er­fra­gen eher eine Freun­din der Gegen­auf­klä­rung – gehen weder böse Bli­cke noch Rem­pe­lei­en aus. Je west­li­cher das Gegen­über geklei­det ist, des­to höher ist die Wahr­schein­lich­keit, daß die höf­li­che Anspra­che eben­so erwi­dert wird, und umge­kehrt: Je mehr Stoff, des­to unver­schäm­ter das Gedrän­gel, Sachen wer­den einem aus der Hand geris­sen, Kin­der (die nicht zur Sip­pe gehö­ren) über den Hau­fen gerannt, die Ansprech­bar­keit jed­we­der Art geht gegen Null. Die­ses neue “Selbst­be­wußt­sein” der Kopf­tuch-Kli­en­tel beob­ach­te ich seit eini­gen Jah­ren. Zu mei­nen Grund­schul­zei­ten – “moder­ne” Tür­ken waren mir da noch nicht bekannt – tra­ten sol­che Sip­pen wesent­lich beschei­de­ner auf.

Nun hat ähn­li­ches zu Assi­mi­la­ti­ons­fra­gen auch Ali­ce Schwar­zer fest­ge­stellt. In einer (nament­lich nicht gekenn­zeich­ne­ten) Sua­da hat ges­tern ein Autor der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung eine ent­spre­chen­de Beob­ach­tung der Femi­nis­tin hübsch aufgespießt:

Die bes­te Ali­ce aller Zei­ten heißt Schwar­zer und schreibt in der B.Z.: „Wenn ich durch kon­ser­va­ti­ve tür­ki­sche Vier­tel gehe, trifft mich schon mal ein dunk­ler Blick, aber auch neu­gie­ri­ge Bli­cke. Doch in moder­nen tür­ki­schen Vier­teln win­ken die Män­ner mir von der ande­ren Stra­ßen­sei­te zu und machen das Vico­ry-Zei­chen.“ Das hat uns hier der­ma­ßen gerührt, daß wir direkt mal nach­fra­gen müs­sen, ob die tür­ki­schen Män­ner dabei auch freund­lich lachen. Und die­ses Vic­to­ry-Zei­chen, Frau Schwar­zer, ist das zufäl­lig so eine Faust, aus der, schlank wie ein Mina­rett, ein Mit­tel­fin­ger ragt? Passt wun­der­bar in jedes Stadtbild!“

Von fröh­lich win­ken­den Offen­ba­cher Tür­ken aus Offen­bach kann ich für mei­nen Teil nichts berich­ten, dafür eine Anek­do­te zum The­ma „Kin­der und Poli­ti­sche Kor­rekt­heit“ von mei­ner Rück­fahrt im Zug ges­tern. Eine kur­ze Etap­pe lang teil­te ich das Kin­der­ab­teil mit einer (wei­ßen) Mut­ter mit einer schwar­zen Toch­ter und einem Vater mit sei­nem lang­haa­ri­gen Sohn. Mei­ne klei­ne Toch­ter mut­maß­te in Abteil­laut­stär­ke, das Mäd­chen sei „doch nur ange­malt, es hat ja ganz hel­le Hän­de, und die Lip­pen sind innen­drin auch rosa“. Das Mäd­chen wie­der­um sprach von dem mit­rei­sen­den Kna­ben trotz mehr­fa­cher Ver­bes­se­rung beharr­lich von „dem Mäd­chen da“. Und der Jun­ge frag­te sei­nen Vater: „Wie­so heißt das Kind Brun­hil­de, das ist doch gar kein rich­ti­ger Name?“ Eine put­zi­ge Farb­kon­stel­la­ti­on – alle Eltern­tei­le hat­ten rote Köpfe.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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