Dolmetschen in der Schwafelzone

Schön, nun kommen die lange gemiedenen harten Themen und gar Probleme wie "Deutschenfeindlichkeit"...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

(übri­gens eher eine deutsch-deut­sche als eine tür­kisch-ara­bi­sche Spe­zia­li­tät) end­lich auf den Tisch. Aber die Net­ze der Schwa­fel­zo­ne sind weit­ge­spannt und elas­tisch. Wer sagt, daß sie Sar­ra­zin ff nicht auch noch auf­fan­gen und ver­schlu­cken, ohne daß es die gerings­ten Fol­gen hät­te? Ein aktu­el­les Inter­view im Deutsch­land­funk mit Lud­wig Spa­en­le (CSU), dem bay­ri­schen Staats­mi­nis­ter für Unter­richt und Kul­tus, mag hier exem­pla­risch sein.

Wie so vie­le sei­ner Par­tei­ge­nos­sen hat er das Voka­bu­lar und die Sozi­al­ma­nage­ment-Den­ke der Lin­ken bis ins Detail ver­in­ner­licht, zum Teil wohl auch als Form der Mimi­kry. Wenn man die Num­mer ein­mal drauf hat, dann kann man auch auf direk­te Fra­gen mög­lichst umständ­lich, was­ser­damp­fig und aalglit­schig ant­wor­ten, ohne eine essen­zi­el­le Aus­sa­ge zu tref­fen, und gleich­zei­tig den Anschein des “intel­lek­tu­el­len Anspruchs” zu wahren.

Wol­len wir uns das mal, nur so zur Locke­rungs­übung und als klei­nes Polit­sprech-Exer­zi­ti­um, im Detail anse­hen, und uns an einer Über­set­zung aus dem Schwa­fel­zo­na­len ins Deut­sche versuchen.

Hein­lein: Ist der Islam ver­ant­wort­lich für die Deut­schen­feind­lich­keit auf unse­ren Schulhöfen?

Spa­en­le: Mono­kau­sa­le Erklä­run­gen gibt es nicht, das Phä­no­men ist Wirk­lich­keit. Es muss gel­ten, dass gleich wel­cher Natio­na­li­tät oder Her­kunft Mob­bing mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den päd­ago­gi­schen Mit­teln, wo nicht anders mög­lich auch mit mög­li­chen Ord­nungs­maß­nah­men, unter­bun­den wird. Wenn kul­tu­rel­le Her­kunft eine Rol­le spielt, dann muss das auch mit ins Kal­kül gezo­gen werden.

Über­set­zung:

A: Vom Islam habe ich lei­der nicht die lei­ses­te Ahnung. Aber Mob­bing ken­ne ich, und das ist eine wirk­lich böse Sache. Ab und zu könn­te es auch durch­aus sein, daß dem Ali zuhau­se kei­ne Manie­ren bei­gebracht wurden.

Hein­lein: Herr Spa­en­le, es gibt aktu­el­le wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen aus den ver­gan­ge­nen Tagen, aus denen geht her­vor, jun­ge Tür­ken und Ara­ber sind bei deut­schen Jugend­li­chen beson­ders unbe­liebt. Erken­nen Sie hier Ursa­che und Wirkung?

Spa­en­le: Es ist die zen­tra­le Situa­ti­on, dass an sol­chen Schu­len durch eben Spren­gel­bil­dung oder ande­re Brenn­punkt­si­tua­tio­nen Mino­ri­tä­ten in Mehr­heit sind. Das heißt, dass wir Zuwan­de­rer­fa­mi­li­en oder Kin­der aus Zuwan­de­rer­fa­mi­li­en hier in einer Posi­ti­on haben, die sonst natür­lich die Mehr­heits­ge­sell­schaft ein­nimmt, und das führt dann eben zu sol­chen Situa­tio­nen. Dem muss ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den durch Schu­le, durch Sozi­al­ar­beit im Zusam­men­wir­ken in der Regel von Jugend­ar­beit, Jugend­hil­fe, wo nicht anders mög­lich, also zwi­schen Kom­mu­nen und Schule.

F: Sind die Tür­ken und Ara­ber nicht des­we­gen so gemein zu den deut­schen Jugend­li­chen, weil die­se sie nicht genug liebhaben?

A:  An die­sen Schu­len sind die Tür­ken und Ara­ber in der Mehr­heit, wäh­rend sie in Gesamt­deutsch­land in der Min­der­heit sind. Und wer in der Mehr­heit ist, knu­tet natür­lich auto­ma­tisch die Min­der­heit, vor allem wenn er und weil er ansons­ten in der Min­der­heit ist. Was denn sonst? Dafür muß man doch Ver­ständ­nis haben! Wir müs­sen ein­fach ein Heer von Leh­rer und Päd­ago­gen aus­rüs­ten, um durch­zu­pau­ken, daß so ein Ver­hal­ten nicht OK ist.

Hein­lein: Ist es nach­voll­zieh­bar für Sie, Herr Spa­en­le, dass man­che aus­län­di­sche Jugend­li­che sagen, hey, ihr mögt uns nicht, also leh­nen wir euch auch ab und beschimp­fen euch?

Spa­en­le: Das Pro­blem, das sich letzt­lich dar­in aus­drückt, ist das, dass wir ver­fes­tig­te Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten haben. Das ist die Ursa­che im ganz Wesent­li­chen und dem muss ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den. Ein zen­tra­les Instru­ment ist der Sprach­er­werb. Dem muss sys­te­ma­tisch von der Kita an gro­ße Auf­merk­sam­keit geschenkt wer­den. Und natür­lich das The­ma sozia­le Teilhabe. (…)

F:  Also wer­den nun die aus­län­di­schen Jugend­li­chen nicht genug liebgehabt?

A:  Es gibt in Deutsch­land inte­gra­ti­ons­un­wil­li­ge Mas­sen von Zuwan­de­rern, die nicht ein­mal rich­tig Deutsch kön­nen, und das auch gar nicht brau­chen, weil sie ohne­hin ganz gut in ihrer eige­nen abge­rie­gel­ten Gesell­schaft leben. Die Lage ist so ver­zwei­felt, daß der Staat sie wohl schon von klein auf ihren Fami­li­en und Milieus ent­rei­ßen und in sozi­al­päd­ago­gi­sche Umer­zie­hungs­la­ger ste­cken müßte.

Hein­lein: Sie sagen, Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten. Gibt es des­halb bei vie­len Migran­ten­kin­dern das Grund­ge­fühl der Ableh­nung durch die deut­sche Gesell­schaft, gera­de in die­sen Tagen, wo so viel über Inte­gra­ti­on gere­det wird?

Spa­en­le: Es ist ganz natür­lich, dass ich mich einem kul­tu­rel­len Umfeld, wenn ich es ken­ne, anschlie­ße. Es ist Auf­ga­be stra­te­gi­scher Bil­dungs- und natür­lich Sozial‑, Gesell­schafts­po­li­tik in den Kom­mu­nen, sol­chen Ver­fes­ti­gun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Dass dann Gefüh­le ent­ste­hen der Soli­da­ri­sie­rung, die nach außen dann mög­li­cher­wei­se mit sol­chen nega­ti­ven Erschei­nun­gen in Zusam­men­hang auf­tre­ten, ist auch klar. Dem muss kon­se­quent durch Sprach­er­werb, erklä­rend die eige­ne gesell­schaft­li­che, kul­tu­rel­le Iden­ti­tät, auch die Mehr­heits­ge­sell­schaft erklä­rend, ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, und da sind zunächst ein­mal auch die Eltern­häu­ser in beson­de­rer Pflicht, sich mit ein­zu­brin­gen. Bil­dung ist der Schlüs­sel zur gesell­schaft­li­chen Teil­ha­be. Da brau­che ich ein posi­ti­ves Kli­ma auch in den Fami­li­en, etwa auch in den Migrantenfamilien.

F: Abge­rie­gel­te Gesell­schaf­ten, sagen Sie. Wohl wahr. Die “deut­sche Gesell­schaft” zum Bei­spiel. Haben dar­um die Aus­län­der­kin­der das Gefühl, daß die Deut­schen sie nicht liebhaben?

A:  Men­schen füh­len sich im eige­nen Stall woh­ler und soli­da­ri­scher als unter Frem­den. Die­se rück­stän­di­gen Gefüh­le müs­sen wir ihnen mit staats­so­zia­lis­ti­schen Gehirn­wä­sche­me­tho­den aus­trei­ben. Bei uns Deut­schen hat das ja auch pri­ma geklappt. Daß sie sich dage­gen weh­ren wer­den, weil sie ihre Iden­ti­tät bewah­ren wol­len, ist wohl zu erwar­ten. Aber wenn wir erst­mal noch mehr Leh­rer und Päd­ago­gen los­ge­las­sen haben, wer­den auch noch die letz­ten Kopf­tuch­mut­tis aus Hin­ter­ana­to­li­en kapie­ren, daß Deutsch­ler­nen doch etwas total Posi­ti­ves und nur zu ihrem Bes­ten ist!

Hein­lein: Ihr Par­tei­vor­sit­zen­der See­hofer hat vor weni­gen Tagen erklärt, man brau­che kei­ne Zuwan­de­rung mehr aus ande­ren Kul­tur­krei­sen. Herr Spa­en­le, wie wirkt denn eine sol­che Aus­sa­ge auf Kin­der und Jugend­li­che aus der Tür­kei oder aus ara­bi­schen Ländern?

Spa­en­le: Zunächst ein­mal hat er nicht gesagt, dass wir gene­rell kei­ne Zuwan­de­rung brau­chen, son­dern die Tat­sa­che, dass wir qua­li­fi­zier­te Zuwan­de­rung brau­chen, ist völ­lig unbe­strit­ten, dass wir eben dar­auf ach­ten, dass ent­spre­chen­de Zuwan­de­rungs­si­tua­tio­nen der deut­schen Gesell­schaft durch­aus auch nützt, und das hat auch natür­lich ent­spre­chen­de gesell­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen. Die Wahr­neh­mung, dass man sagt, qua­li­fi­zier­te Zuwan­de­rung ist in einem Land etwas Selbst­ver­ständ­li­ches, was auch im poli­ti­schen Kal­kül ist, hal­te ich für nachvollziehbar.

F: Ihr Par­tei­vor­sit­zen­der hat vor ein paar Tagen gesagt, daß er kei­ne Tür­ken und Ara­ber mehr im Land haben will. Wer­den denn nun die Tür­ken und Ara­ber nicht das Gefühl haben, daß man sie nicht genug liebhat?

A:  Wozu sol­len wir denn bit­te hun­der­tau­sen­de Ein­wan­de­rer ins Land las­sen, die uns nichts nüt­zen? Schön blöd wären wir.

Hein­lein: Also auch die CSU will qua­li­fi­zier­te Zuwan­de­rung aus der Tür­kei, oder auch aus ara­bi­schen Ländern?

Spa­en­le: Zunächst ein­mal geht es dar­um, dass wir Zuwan­de­rung ins­ge­samt steu­ern müs­sen als ein gro­ßes Land in der Mit­te Euro­pas, und dann ist die Fra­ge der Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit natür­lich eine zentrale.

F: Also ist die CSU wohl hof­fent­lich nicht ras­sis­tisch, denn Ara­ber und Tür­ken, die was nüt­zen, wären OK?

A: Davon haben wir eh schon mehr als Deutsch­land aus­hal­ten kann, und die Typen inte­grie­ren sich ein­fach nicht.

Hein­lein: Was kann man denn unter­neh­men aus Ihrer Sicht, aus Sicht eines Kul­tus­mi­nis­ters, um die wech­sel­sei­ti­gen Vor­ur­tei­le abzu­bau­en? Braucht es etwa eine Deutsch­pflicht auch in den Pausen?

Spa­en­le: Es ist sicher bes­ser, wenn die Spra­che der Mehr­heits­ge­sell­schaft in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen die Regel­spra­che ist. Von einer Pflicht hal­te ich jetzt päd­ago­gisch wenig. Es gibt aber in vie­len Schu­len, wenn Sie so wol­len, so eine Art Schul­ver­trä­ge, das heißt frei­wil­li­ge Über­ein­kunft inner­halb der Schul­fa­mi­lie, Leh­rer­schaft, Schü­ler­schaft, betei­lig­te Eltern­schaft, dass Deutsch als die Ver­kehrs­spra­che selbst­ver­ständ­lich auch nicht nur im Unter­richt, son­dern auf dem Schul­hof, wenn Sie so wol­len, apo­stro­phiert im Mit­tel­punkt ste­hen muss.

F: Aber was kön­nen wir denn tun, damit die Deut­schen die Aus­län­der mehr lieb­ha­ben? Müs­sen die Armen nun auch pri­vat gezwun­gen wer­den, Deutsch zu sprechen??

A:  Das wäre in der Tat total nett, wenn man in Deutsch­land auch Deutsch sprä­che, nur zwin­gen darf man nie­mand dazu. Unse­re Leh­rer und Päd­ago­gen wer­den die Eltern und Schü­ler schon aus­rei­chend moti­vie­ren, daß sich alle frei­wil­lig dar­auf eini­gen, even­tu­ell doch Deutsch zu spre­chen, sogar in der Schule.

Hein­lein: Noch ein­mal, Herr Spa­en­le, zurück zum The­ma Deut­schen­feind­lich­keit. Heu­te bera­ten Sie mit Ihren Län­der­kol­le­gen und gemein­sam mit den Migran­ten­ver­bän­den. Was wol­len Sie denn kon­kret for­dern von den Migran­ten­ver­bän­den, um die­ses The­ma in den Griff zu bekommen?

Spa­en­le: Das The­ma posi­ti­ve Ein­stel­lung zur Bil­dung ist etwas, das müs­sen Eltern­häu­ser auch gera­de im Migra­ti­ons­be­reich aktiv beglei­ten. Man muss die akti­ve Mit­wir­kung von Migran­ten­fa­mi­li­en ein­for­dern, weil nur dann natür­lich posi­ti­ve Grund­stim­mung gegen­über der Schu­le besteht, und die Migran­ten­ver­bän­de ste­hen hier ein Stück weit in der Pflicht. Sie haben Ver­trau­en aus ihren Com­mu­ni­tys, gewis­se Auto­ri­tät und die müs­sen sie auch in den Com­mu­ni­tys ein­set­zen, um posi­ti­ve Grund­hal­tun­gen zur Bil­dung, zur Schu­le als dem Mit­tel der sozia­len Teil­ha­be ent­spre­chend mit erzeu­gen zu helfen.

F: Wie wol­len sie denn die Aus­län­der­ver­tre­ter dazu brin­gen, daß ihre Kin­der net­ter zu den deut­schen Jugend­li­chen sind?

A: Unse­re Leh­rer und Päd­ago­gen wer­den den Kopf­tuch­mut­tis aus Hin­ter­ana­to­li­en schon ver­kli­ckern, daß Deutsch­ler­nen und zur Schu­le gehen etwas total Posi­ti­ves sind. Ein klit­ze­klei­nes Biß­chen müß­ten die uns aber auch ent­ge­gen kom­men, und ihren Ben­gels bei­brin­gen, sich zu beneh­men und nett zu unse­ren Kin­dern zu sein. Wenn wir ihnen das sagen, respek­tie­ren sie das ja lei­der nicht.

Hein­lein: Was heißt das denn kon­kret, Herr Spa­en­le, akti­ve Betei­li­gung der Fami­li­en? Heißt das, die Eltern müs­sen auch wie­der zur Schu­le gehen?

Spa­en­le: Natür­lich ist es ent­spre­chend not­wen­dig, dass sich Eltern­häu­ser in die Schu­le mit ein­brin­gen. Das hat mit der Mit­wir­kung in den Eltern­ver­tre­tun­gen zu tun, das hat mit dem akti­ven Gestal­ten von Schul­le­ben zu tun, wie es ja an vie­len Tau­send Schu­len in Deutsch­land der Fall ist, und das muss in beson­de­rer Wei­se auch Migran­ten­fa­mi­li­en ein Anlie­gen sein, weil wenn der Bil­dungs­er­folg eines Fami­li­en­mit­glie­des, eines jun­gen, auf den Weg gebracht wird, ist das ja in der Regel für die gesam­te Fami­lie ein Schritt in die Mit­te der Gesellschaft.

F: Ja, wie? Sol­len die Eltern nun auch von den Leh­rern und Päd­ago­gen unter­rich­tet und erzo­gen werden?

A:  Was denn sonst? Dank unse­rer Leh­rer und Päd­ago­gen wird nun auch die hin­ter­letz­te Kopf­tuch­mut­ti aus Vor­der­ana­to­li­en end­lich kapie­ren, daß der knie­wei­che deut­sche Staat ihren Ran­gen ohne­hin Sozi­al­leis­tun­gen ohne Ende in den Hin­tern zu schie­ben bereit ist. Die­se armen, kul­tu­rell gehan­di­capp­ten Men­schen sol­len doch end­lich, bitte­bit­te, ein­se­hen, wie gut wir es mit ihnen mei­nen, und was für Chan­cen wir ihnen anbie­ten! Dann könn­te doch die gan­ze Fami­ly end­lich sozi­al auf­stei­gen, und sie müß­ten sich nicht mehr aus­ge­grenzt und dis­kri­mi­niert füh­len! Tau­send Grün­de, uns end­lich lieb­zu­ha­ben!! Ja, war­um sehen die das nicht??

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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