“Unsere Ehre hieß Reue”

Unter dieser Überschrift geht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17. Oktober ein 68er mit seinen Kampfgenossen ins Gericht. Es handelt sich bei dem Autor um Günter Franzen (Jg. 1947), einen Sozialarbeiter und Schriftsteller, der seit einigen Jahren für die FAS schreibt. In dem leider nur für Abonennten zugänglichen Artikel nimmt Franzen das Buch Gefühlte Opfer von Ulrike Jureit und Christian Schneider zum Anlaß, die Trauerarbeit der 68er zu kritisieren.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Das Inter­es­san­tes­te an dem Arti­kel ist dabei die Über­schrift, die doch sehr an den Titel der Schuld­stolz-Stu­die des IfS erin­nert. Wenn Fran­zen sie gele­sen haben soll­te, kann er sie nicht ver­stan­den haben, da er den ent­schei­den­den Punkt nicht sehen will. Die Ein­sicht, daß es den 68er nicht um die Opfer ging, son­dern um sich und ihren Auf­stieg auf Kos­ten der Eltern­ge­nera­ti­on (und ihrer angeb­li­chen “Unfä­hig­keit zu trau­ern”), ist ein alter Hut.

Was dabei aus­ge­blen­det bleibt, ist die Tat­sa­che, daß mitt­ler­wei­le für die meis­ten Deut­schen gel­ten dürf­te: Mei­ne Ehre heißt Reue. Es ist bezeich­nend, daß Fran­zen sich in die Ver­gan­gen­heit flüch­tet, wo die­ser Schuld­stolz doch täg­lich im gegen­wär­ti­gen Deutsch­land mit Hän­den zu grei­fen ist. Aber viel­leicht ist allein, die Tat­sa­che, daß auf eine solch fata­le Wei­chen­stel­lung an pro­mi­nen­ter Stel­le hin­ge­wie­sen wird, ein posi­ti­ves Signal. Immer­hin schließt Fran­zen mit dem Satz:

Unse­re Ehre hieß Reue. Eine auf die­sen neu­ro­ti­schen Ver­zer­run­gen beru­hen­den Erin­ne­rungs­kul­tur hat kei­ne Zukunft, und sie hat auch kei­ne verdient.

Wie sehr die­ser Schuld­stolz zemen­tiert ist, zeigt übri­gens eine Bei­la­ge zur FAZ vom ver­gan­ge­nen Sams­tag. “Denk ich an Deutsch­land” heißt sie, und sie ver­weist auf eine Tagung der Alfred Herr­hau­sen Gesell­schaft, die mor­gen in Dres­den statt­fin­det. Es geht in die­ser Bei­la­ge um inspi­rie­ren­de Gedan­ken zur Lage Deutsch­lands, und bebil­dert ist sie mit Denk-Mälern. Das ers­te Bild im ers­ten Bei­trag ist das Holo­caust-Mahn­mal. Damit beginnt man also, wenn man an Deutsch­land denkt …

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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