Sezession
1. August 2010

Noch mehr blonde Bestien

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 37 / August 2010

von Olaf Haselhorst

Das Hamburger Institut für Sozialforschung, besser bekannt als Reemtsma-Institut von links, hat einen Forschungsschwerpunkt dort, wo es die »Mär vom anständigen deutschen Soldaten« zu entlarven gelte. Nun ist in der institutseigenen Edition das Buch Eroberungen. Sexuelle Gewalttaten und intime Beziehungen deutscher Soldaten in der Sowjetunion 1941–1945 von Regina Mühlhäuser erschienen (416 S., 36 Fotos, 32 €). Es beschäftigt sich mit der Bandbreite sexueller Beziehungen deutscher Besatzungstruppen zu einheimischen Frauen.

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In drei Hauptabschnitten (»Sexuelle Gewalt «, »Sexuelle Tauschgeschäfte« und »Einvernehmliche Verhältnisse«) versucht die Autorin zu belegen, daß es erheblich mehr von Deutschen begangene Vergewaltigungen gegeben haben müsse, als die Statistik der Wehrmachtsjustiz verzeichnet. Von den über 17 Millionen an allen Fronten eingesetzten deutschen Soldaten wurden bis 1944 laut Gerichtsakten 5349 Männer wegen »Sittlichkeitsdelikten« – vor allem »Notzucht «, »Unzucht mit Männern«, »verbotenem Geschlechtsverkehr« und »verbotenen Abtreibungen« – verurteilt. Viel zu wenig, wie Mühlhäuser meint. Im Gegensatz zu den gut dokumentierten Massenvergewaltigungen (man geht von 2 Millionen Fällen aus) durch Rotarmisten an deutschen Frauen und Mädchen (zuletzt Ingo von Münch: »Frau, komm!«, Ares-Verlag 2009) gelingt es der Autorin jedoch nicht, ihre These zu belegen. Sie gibt zu, daß die von ihr benutzten Quellen »nur sehr wenig Aufschluß« geben.
Da Mühlhäuser keine Kenntnisse militärischer Organisationsstrukturen hat, greift sie auf fragwürdige Quellen zurück. Einer ihrer Zeugen, der Tagebuchschreiber Jürgen W., sei 1935 als 19jähriger in die Wehrmacht eingezogen worden und soll sechs Jahre später (1941) im Alter von 25 bereits »General der Artillerie« sein. Ein Ding der Unmöglichkeit. So schnell gingen Beförderungen selbst im Krieg nicht. Dieser wirklich schwere Fehler läßt Zweifel an der Fähigkeit der Autorin zur angemessenen Quellenkritik aufkommen; erst recht, wenn sie diese Aufzeichnungen mit Fiktionen aus einem Sowjet-Roman von 1947 abgleicht oder gleich sowjetische Propagandabehauptungen für bare Münze nimmt, obwohl sie deren Problematik erkennt.
Da Militärgeschichte nicht ihr Spezialgebiet zu sein scheint, ist an ihr die Diskussion um die Wissenschaftlichkeit der These vom »verbrecherischen Vernichtungskrieg« vollkommen vorübergegangen. Die ernstzunehmenden Kritiken von Klaus Jochen Arnold oder Stefan Scheil kennt sie offensichtlich nicht. Die Kapitel »Sexuelle Tauschgeschäfte« (eine Erscheinung auch im besetzten Deutschland, man denke nur ans »Frollein-Wunder«) und »Einvernehmliche Verhältnisse « hat sie wohl nur ins Buch aufgenommen, weil es ansonsten allzu dünn ausgefallen wäre. Sie unterstellt eine Zwangslage auch für einvernehmliche Liebesbeziehungen, denn diese seien unter der Machtandrohung deutscher Truppen geschehen. Wie würde die Autorin wohl das literarisch bekannte Verhältnis von Ernst Jünger mit der Pariser Ärztin Sophie Ravoux bewerten? Glaubt sie, Jünger sei nur deshalb als Galan gelandet, weil er deutscher Besatzungsoffizier war?
Es drängt sich der Eindruck auf, hier werde nach dem Motto der »Wehrmachtsaustellung« gearbeitet, nämlich »alles suggerieren und wenig bis nichts belegen«. Auch Mühlhäuser greift auf Fotografien von Soldaten zurück, und zwar auf solche Bilder, auf denen entweder sich waschende, teilweise nackte Soldaten am Fluß zu sehen sind, oder Landser mit freiem Oberkörper im Gespräch oder beim Handel mit weiblichen Einheimischen. Sie möchte diesen (halb-)nackten Männern und ihrem normalen Agieren »sexuelle Nötigung« zuschreiben, denn es könnten sich Frauen durch den Anblick belästigt gefühlt haben. Auf den Fotos aber deutet nichts auf diesen von der Autorin konstruierten Zusammenhang hin. Im Hause Reemtsma wird offenbar weiter die Methode »Wehrmachtsausstellung« angewendet. Daß dieses Buch gleichzeitig die überarbeitete Dissertation von Frau Mühlhäuser ist, wirft darüber hinaus ein bezeichnendes Licht auf den gegenwärtigen universitären Betrieb in Deutschland.


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