Wählt CDU (II)! Angesichts der Trauer

Ein Volk trägt nun also Trauer. Unseren notorisch scharfzüngigen größeren Töchtern haben wir neulich beigebracht, wie es sich im Rahmen von Trauerfällen zu benehmen gilt: Kein Grinsen, wenn auf Beerdigungen amerikanische Pop-Balladen abgespielt werden oder Kinder aus der Trauergemeinde mit Sonnenbrillen ausgestattet werden. Ein Herz, das Trauer trägt, gehört fraglos auf Samt gebettet, punktum. Ausdrücke des Leidens nicht hinterfragen: Das ist Pietät. Dennoch ein Wort zur Fassungslosigkeit, Bestürzung, zum Entsetzen, das unsere politischen Granden angesichts des württembergischen Amoklaufs nun äußern.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Klar ist ohne­hin, daß die Ent­set­zens­ges­te (jen­seits der tat­säch­lich betrof­fe­nen Ange­hö­ri­gen) spä­tes­tens über­mor­gen rest­los den übli­chen Debat­ten um Waf­fen­ge­set­ze, Kil­ler­spie­le, Musik­rich­tun­gen oder erbar­mungs­lo­se Leh­rer gewi­chen sein wird. Bedeut­sam ist vor allem die Fra­ge: Wann hat Ange­la Mer­kel je zuvor öffent­lich zum Gebet auf­ge­ru­fen? Wulf Schmie­se hat­te in der jüngs­ten FAS noch­mals auf den ARD-Deutsch­land­trend hin­ge­wie­sen, wonach zwei Mil­lio­nen Stamm­wäh­ler dem­nächst der CDU den Rücken keh­ren dürf­ten, zuvör­derst näm­lich das dezi­diert christ­lich gepräg­te Bür­ger­tum. Dar­un­ter vor allem sol­che, die mit der Mer­kel­schen Papst­schel­te ein Pro­blem hat­ten und Wäh­ler aus Ver­trie­be­nen­zu­sam­men­hän­gen – die auch weit­ge­hend kon­fes­sio­nell geprägt sind. Es ist eine nun alte Regel, daß wir nega­ti­ve Ein­drü­cke gene­rell schnel­ler aus unse­rem Gedächt­nis ver­ban­nen. Was stär­ker haf­ten bleibt, ist das, was uns (hier: die poten­ti­el­len Abwan­de­rer der CDU) posi­tiv ange­spro­chen hat. Wenn Ange­la Mer­kel nun betet (dies zumin­dest so pro­mi­nent äußert, daß es kei­nem Rund­funk­teil­neh­mer ent­ge­hen kann), wird das für nach­hal­ti­gen Ein­druck sor­gen. Schmie­se berich­te­te in der FAS wei­ter, daß der ehe­ma­li­ge Minis­ter­prä­si­dent Sach­sen-Anhalts, Wer­ner Münch, nach 37jährigen CDU-Mit­glied­schaft aus der Par­tei aus­ge­tre­ten sei. Auch des­halb, weil Mer­kel immer häu­fi­ger mit der Abtrei­bungs­fee Ali­ce Schwar­zer auf­ge­tre­ten sei. In der Tat: So vie­le hun­dert ganz und gar unschul­dig getö­te­te „Men­schen in unse­rem Land”  Tag für Tag, für deren See­len­heil zu beten Ange­la Mer­kel nie­mals auf­ge­ru­fen hat! Neben­bei ist sicher, daß Mer­kel ihre Fröm­mig­keit kaum (weil kon­tra­in­di­ziert) ins Spiel gebracht haben dürf­te, hät­te die Blut­tat unter mehr­heit­lich athe­is­ti­schen Wahl­bür­gern in Bran­den­burg oder Meck­len­burg statt­ge­fun­den. Dies sei fest­ge­hal­ten – bei aller Pietät.

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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