Sezession
10. November 2010

Die Illusion der intellektuellen Teilhabe

Gastbeitrag / 38 Kommentare

ein Erleuchtetervon Felix Springer

„Du bist ein Nazi? Mit Bildung wär das nicht passiert!“ schreibt sich selbst der arbeits- und beschäftigungslose Gammelpunk am Hauptbahnhof auf die Jacke, - und ist sich sicher, daß er über das zur Naziprävention nötige Bildungsvolumen verfügt, obwohl er kaum in der Lage ist, das Pfandgeld für seinen täglichen Bierkasten zu berechnen.

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Ebenso kann die Soziologiestudentin an der Spitze der Anti-Atomkraft-Demonstration aus dem Stegreif und mit leuchtenden Augen eine halbe Stunde lang über die Gefährlichkeit von Atomkraftwerken und die Zukunft alternativer Energiegewinnung referieren, obwohl sie Uran nicht einmal im Periodensystem der Elemente findet. Im örtlichen Kreisverband der Linkspartei bekennen sich die alten Männer inbrünstig zu Marx,  Engels, Lenin und die jungen Frauen schwurbeln vielsilbige Worte um ihre Idee eines „undogmatischen Marxismus“ – wer glaubt, dass diese Leute das Marx’sche Denksystem ernsthaft durchblicken? Kinderlose Staatssekretäre beschließen in ministeriellen Verordnungen, mit welchen Methoden Grundschüler erzogen werden müssen; zivildienstleistende Wohlstandspazifisten erklären in den Feuilletons, warum und was die Bundeswehr in Afghanistan alles falsch macht; dicke Stiftungsratsvorsitzende mit Haus und Grundstück in Berlin-Grunewald begeistern sich auf 3sat für „die multikulturelle Gesellschaft“; Papas gut versorgtes Söhnchen regt sich darüber auf, dass die ganzen faulen Hartzler schon wieder 5 Euro mehr bekommen und der AStA-Hippie sammelt auf dem Campus für die bolivianischen Kinderarbeiter, über die er was Trauriges im Netz gelesen hat.

Mag sein, daß sich hier und da mal ein einzelner findet, der sich tatsächlich auf irgendeinem Gebiet auskennt. Trotzdem ließe sich diese Liste lange fortführen: Es ist ja nicht Fachwissen oder persönliche Kompetenz, die die Leute politisch macht. Vielmehr steht am Anfang jedes protestpolitischen Engagements die subjektive, nur selten von außen nachvollziehbare Überzeugung, es irgendwie besser zu wissen. Selbstverständlich ist das bei einer durchpolitisierten Masse (und nicht nur dort) in so gut wie allen Fällen eine maßlose Überschätzung der eigenen Informiertheit und Fähigkeiten, aber das bedeutet in unserer mediengesteuerten Massendemokratie bekanntermaßen keinen ernsthaften Verlust an politischer Durchsetzungskraft.

Es ist insofern kein Zufall, daß gerade Protestbewegungen auf ein Heer von alleserklärenden, fleißigen Besserwissern angewiesen sind. Diese Leute erzeugen und genießen das Gefühl, zu denen zu gehören, die es besser wissen, zum aufgeklärten, erleuchteten Teil der Bevölkerung oder sogar: der Menschheit. Diese kanalisierte, rauschhafte Hybris ist heute so offensichtlich wie vielleicht noch nie - man sieht sie auf den Anti-G8-Protesten, Anti-Atomkraft-Demos, Klimaschutzaufmärschen, Genderkramkonferenzen, „Antinazi“-Blockaden oder überall sonst, wo man politisch korrekt und medial gebilligt ein bißchen rumprotestieren kann.

Es wäre allerdings falsch, dieses Phänomen der Illusion der intellektuellen Teilhabe ausschließlich auf der politischen Linken zu verorten. Es ist wohl mindestens ein grundsätzliches Prinzip des Massenhandelns, wenn nicht sogar die Überschrift des politischen Handelns überhaupt, und besteht durchaus unabhängig vom konkreten Inhalt.

Zwei Dinge gehören aber noch dazu: erstens das konsensfähige Feindbild (meinetwegen „die Atomlobby“, oder sogar „der Kapitalismus“) und zweitens die Überheblichkeit und Anmaßung gegenüber den Entscheidern und Institutionen der Gegenwart. Bürgerlich-Konservative tun sich mit letzterem immer noch ausgesprochen schwer, egal wie weit die offensichtliche Staatsverrottung bereits vorangeschritten ist. Es soll ja sogar Leute geben, die der Ordnungsglaube dazu bringt, die Verweigerung der Rundfunkabgabenzahlung für einen nahezu präterroristischen Akt zu halten. Die Gründe für dieses spießig-idiotische Verhalten einiger alt-BRD-Fossilien im bürgerlichen Lager sind bereits ausreichend beschrieben und beklagt worden und viel interessanter ist die Meinungsbildung in diesem Lager, die nämlich oft genug parallel zu der des politischen Gegners verläuft.

Mittlerweile gibt es beispielsweise einige hörbare Pro-Stuttgart21-Stimmen, vorzugsweise vorgebracht von den gut Angezogenen, die ihr Bier nicht aus der Flasche trinken. Man hat die von wichtigtuerischen Lokalrevoluzzern großgemachte und gebündelte Hybris der Bahnhofsgegner als solche erkannt und verabscheut die Heuchelei der Özdemir-Mafia und deshalb ist man dagegen. Ergebnis ist, daß man die Korrupten gegen die Blöden verteidigt. Im Grunde können aber die Wortführer weder der einen noch der anderen Seite ernsthaft beurteilen, was für ein Bahnhof wo in Mitteleuropa notwendig ist oder wie viel das kosten muß und darf. Genauso wenig ist eine Seite in der Lage, alternative, meinetwegen „basisdemokratische“ Vorschriften zur zukünftigen Stadtplanung anzubieten.

Und so ähnlich ist es mit allen aktuellen Protestthemen: Die Linksgrünen sind gegen Atomkraft, also sind die bürgerlich-rechts-konservativen dafür; die einen schüren die Angst vor dem Klimakollaps, also halten die anderen das für Quatsch; die einen machen sich zum Anwalt der Transferleistungsempfänger, also fangen die anderen an, über diese nur noch wie über Feindesklienten zu reden.

Auf diese Weise lässt sich das bürgerliche Lager viele Positionen vom politischen Gegner diktieren. Das Zuwanderungs- und Überfremdungsproblem ist eigentlich das einzige Thema, das man selbst am Laufen hält - und selbst dieses wird als „Integrationsdebatte“ medial verwässert. Vitalität sieht anders aus.

Die Erkenntnis, daß derjenige, der die peinliche intellektuelle Selbstüberschätzung der Massen entlarvt, dadurch nicht mobilisierungsfähiger wird, muß sich bei Konservativen erst noch durchsetzen. Die angenehme Illusion der intellektuellen Teilhabe, so lächerlich sie im Einzelfall sein mag, ist etwas, das man säen und von dem man ernten kann. Wer mobilisieren will, der muß sie nutzen, nicht verachten.


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Kommentare (38)

Holger
10. November 2010 19:03

Schlussfolgerung, Herr Springer? Alles ganz schön unübersichtlich hier? Oder: Lasst mal die Experten unaufgeregt machen? Oder: Herrschaftsfreier Diskurs ist gar nicht mal so schlecht?

Wenn ich auf meine linksradikale Vergangenheit zurück blicke, so stand am Anfang der Protestiererei nicht die Hybris des Besserwissens, sondern Unbehagen, das sich zur Wut steigerte.
Und ich denke, dass ist bei den Meisten so (gewesen) - nicht die Anmaßung einer Gegenelite, sondern forcierter Subjektivismus. Man hätte uns mit Gehlen kommen müssen, nicht mit neuer Unübersichtlichkeit. Die menschenfreundlichen, durch nichts zu ersetzenden Leistungen von Institutionen zu preisen, das wär´s gewesen, vorzuführen, wie der eigene Anspruch von ihnen am besten eingelöst wird.

Niklas Luhmann: "Die 68er sind älter geworden. Sie sind nicht weiser geworden. Und nach und nach werden sie durch jüngeren Nachwuchs abgelöst, der mit den notwendigen Kenntnissen über Halbwertzeiten und Meßverfahren, Dioxinverbrennungs- und Abfallsortierungstechniken aufgewachsen ist."

Einst hatte ich das als Zynismus eines Ideologen kapitalistischen Normalbetriebs aufgefasst, dann als Trost. Heute ist klar, dass diese Luhmannsche Diagnose selbst hoch gefährdet ist. Darüber kann sich m.E. niemand freuen. Aber das sehen Sie wohl auch so.

Ewald Knülle
10. November 2010 20:28

Ist der Artikel jetzt ein flammender Appell für die repräsentative Demokratie und für verstärkte finanzielle Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung? Oder eher der Entwurf eines machiavellistischen Leitfadens für den ambitionierten Jungdemagogen?

Wenn man täglich mit revolutionär-studentischer Publizistik inklusive Forderungen à la "Arbeitsplätze für alle: Ausbildungs- und Übernahmepflicht für Unternehmer" sowie Aufrufen zu Straftaten im Dienste des Guten ("Castor schottern" etc.) bombardiert wird wie hier an der Uni Köln, wo "wahrer" Sozialismus und Kampf gegen allerlei patriarchalisch-heteronormative Repressionsmechanismen selbstverständlicher Teil des Campus-Alltags sind, dann mag manch Angehöriger der bürgerlich-konservativen Minderheit durchaus eine gewisse Befriedigung darin finden, die "Illusion der intellektuellen Teilhabe" zu entlarven.

Das reicht doch völlig. Was bedeuten schon Mobilisierung und Indienstnahme der "Massen" für irgendein politsches Programm gegen die diebische Freude, all diesen Aushilfsrevolutionären und Hobbydutschkes geistige Beschränktheit nachzuweisen? Nicht, daß sie davon Kenntnis nehmen würden, geschweige denn lernfähig wären. Aber das brauchen sie auch nicht. Wir wollen nicht führen, dazu haben wir doch unsere monopolkapitalistischen Ausbeutereliten. Wir wollen schimpfen!

Mal abgesehen davon gibt es ja schon noch Menschen, die vernünftigen Argumenten zugänglich sind. Für einen Staat, der von Bau und Export komplizierter Maschinen lebt, wäre es fatal, wenn die "Massen" aus indoktrinierten Schafen ohne intellektuelle Ambition bestünden. Was für ein Deutschland dem Autor wohl vorschwebt? Das wäre dann wirklich DDR 2.0. Wenn Felix Springer deutscher Kaiser wird, begehe ich jedenfalls Reichsflucht und wandere zum Erbfeind ab.

Insofern: Lieber entlarven als führen! Setzt nicht auch die IfS-Studie zum Thema Sarrazin auf die Kraft des guten Arguments?

mfh
10. November 2010 21:41

Volltreffer, würde ich sagen! Diese Erkenntnisse könnten jedoch auch in entgegengesetzte Richtung gedeutet werden: Sämtliche tagespolitischen Themen, mit denen sich die heutige bundesrepublikanische Öffentlichkeit gleich welcher Couleur herumschlägt, sind im Grunde nur Nebenkriegsschauplätze. Man kann sehr wohl rechts und konservativ denken und dennoch gegen Atomenergie sein, man kann Transferleistungen verteufeln und dennoch die SPD wählen. Die grundlegenden und wirklich an die Wurzel rührenden Themen liegen jenseits der öffentlichen Wahrnehmung und unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der politischen Klasse. Hier sind wir Konservativen gefragt! Der Kampf um Volk und Vaterland ist nicht innerhalb realpolitischer Fragestellungen zu gewinnen, sondern muß bereits zuvor, also im vorpolitischen Raum gewonnen werden. Realpolitik ist überwiegend mit Pragmatismus zu lösen, politische Ideologie darf hier nur richtungsweisend sein. Die Frage ist nur: Wie bringen wir beides zusammen? Und wie kommen wir in die exponierte Stellung, durch konservatives Denken auf Realpolitik endlich wieder Einfluß zu nehmen? Indem Konservative sich in der CDU engagieren und im Kreisverband gegen Frauenquoten mobil machen? Erscheint mir zweifelhaft. Doch was dann?

Georg Mogel
10. November 2010 22:25

Gleichheit

Die Behandlung des Ungleichen als Gleiches wird heute als Wert gesehen: Die Gescheiten und die Dummen, die Frauen und die Männer, die Weißen und die Farbigen, die Kinder und die Erwachsenen, die Armen und die Reichen, die Wissenden und die Unwissenden usf. . Der Un-Geist dieser "politischen Korrektheit" läßt sich auf eine einfache Formel bringen: Wahrheit ist relativ. Der Kampf gilt nicht der Unwahrheit sondern der Unduldsamkeit. Nichts und niemand soll verachtenswert sein.
Der gesunde Menschenverstand (horribile dictu !) sagt einem aber, man kann nicht das Gute finden und bewundern, ohne das Schlechte mit zu entdecken und es natürlich zu verachten,
In Europa war und ist das Leben stete Differenzierung. Jeder mit einem Minimum an Lebenserfahrung weiß, daß es kein Glück ohne die Respektierung des Unterschieds gibt. Erwachsen ist man dann, wenn man gelernt hat, mit der Ungleichheit zurechtzukommen. Dann verwechselt man nicht mehr Ungerechtigkeit mit Ungleichheit. Alle Kämpfe im Namen der Freiheit zielen auf die Gleichheit vor dem Gesetz ab. Die Menschen sollen rechtlich gleichbehandelt werden, obwohl sie tatsächlich unterschiedlich sind. Daß alle Menschen gleich geboren werden, ist keine Tatsachenbehauptung. Die Übertragung der rechtlichen Gleichheit auf die sozialen Beziehungen der Menschen untereinander macht den Geist dieser Republik aus.
Der versorgende Sozialstaat gründet auf drei Fehlschlüssen. Er schließt von der Ungleichheit auf Benachteiligung, von der Benachteiligung auf gesellschaftliche Ursachen und von angenommenen gesellschaftlichen Ursachen auf die Notwendigkeit und Wirksamkeit paternalistischer Maßnahmen. Die rundum Versorgten empfinden die staatliche Fürsorge als Entlastung und soziale Entpflichtung von der Bürde der Freiheit.
Ein Netz zahlloser Vorschriften und Gängelungen beengt aber auch die Gestaltungsmöglichkeiten derjenigen, die ohne diese staatliche Daseinsvorsorge leben wollen. Die Empfänger der materiellen und der ideologischen Wohltaten werden in ihrer Fähigkeit und ihrem Willen, dem Transfer aus eigener Kraft wieder zu entkommen, geschwächt und sie werden abhängig von wohlfahrtsstaatlicher Umhegung. Sie lernen, sich hilflos zu fühlen und den politischen Füllhornbefüllern wahlbürgerlich dankbar zu sein.
Dieser Gleichheitswahn, wo die Schwachen versuchen, die Starken auf ihr Niveau zurechtzustutzen, ist die Gefahr der deutschen "Demokratie". Die Verlockung, einer Ungleichheit in der Freiheit, die Gleichheit in der Knechtschaft vorzuziehen.

Schopi
10. November 2010 23:28

Die Menschen, welche heute "Stolpersteine" setzen (lassen) und ihre gleichgeschaltete und stromlinienförmig funktionierende Brut beim ungefährlichen Event heftig anfeuern, sind dieselben, welche damals den rechten Arm gehoben haben.

Es hat schon etwas spießiges, herdenmäßiges, dieses Wahrheitsverkünden. Lasst sie doch schlottern -in ihren GoreTex Jäckchen und IPhones aus den chinesischen Arbeitslagern. Papa hats bezahlt und will jetzt den Livebericht von der Front - und später ? - wenn man da hockt, wo man gut bezahlt wird, hat man was zu erzählen...vielleicht kommt dann auch der erhoffte Bericht im "Spiegel", am besten mit Foto mit gezücktem Knüppel.

Nichts Neues unter der Sonne!

Freiheitsverherrlicher
11. November 2010 00:26

"„Du bist ein Nazi? Mit Bildung wär das nicht passiert!“ schreibt sich selbst der arbeits- und beschäftigungslose Gammelpunk am Hauptbahnhof auf die Jacke [...]"

Dass Verurteilenswerte am "Gammelpunk" ist also dass er nicht "arbeits-", sondern auch "beschäftigungslos" ist - also sich nicht nur, wie der neurechte Literat, gern von den uns abgepressten Steuerabgaben verköstigen lässt, sondern - anders als der neurechte Literat - sich NICHT als "freiwilligen Beamten" sieht.

"Papas gut versorgtes Söhnchen regt sich darüber auf, dass die ganzen faulen Hartzler schon wieder 5 Euro mehr bekommen [...]"

Da platzt mir jetzt wirklich der Kragen. Wieso ist es skandalös dass "Papas gut versorgtes Söhnchen" oder irgendjemand anders der NICHT auf öffentliche Gelder zurückgreift seine Ablehnung darüber äußert dass öffentliche Gelder willkürlich verprasst werden - zur Lebenserhaltung eben nicht nur des "Gummelpunks", sondern auch des neurechten Literaten??

Freiheitsverherrlicher
11. November 2010 00:43

P. S.: Sie sehen sich als deutsche Hartzler wahrscheinlich in der Rolle einer Art germanischer Kriegerkaste deren "Überlegenheit" sich darin zeigt dass sie die Steuerzahler "fremdländischer" Herkunft wie die deutscher Herkunft, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen und von Ihnen daher als "Kapitulanten" geschmäht werden, sozusagen als Freiwild betrachten. Oder wie lässt sich sonst Ihre "Ironisierung" der "ganzen faulen Hartzler", deren "Einkommen" ja nur wieder um läppische 5 Euro erhöht würde, verstehen? Das heißt doch nichts anderes als dass Sie das was andere erarbeiten als Ihr Eigentum betrachten?!

Da hilft nur eines: kürzen, kürzen, dreifach kürzen. Libertäre treten dafür ein den Sozialstaat zu liquidieren und sehen das als beste Maßnahme neurechte Literaten dazu zu zwingen endlich ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Da hat es sich dann mit der "arischen" Überlegenheit!

Kommentar Kubitschek:
Ist ja gut, ist ja gut, sehen Sie: Unsere "arische Überlegenheit" hält uns nicht davon ab, Ihre Kommentare freizustellen - erste Schwächeanfälle unsererseits, möchte ich sagen. Aber Ihre Auslassungen sind doch der beste Beweis dafür, daß Gottes Tiergarten groß ist und für jede Spezies ein Gehege bereithält.

I.M.
11. November 2010 02:44

Sie schneiden da etwas an, was ans Licht gehört.

Hier meine Kritik, es fehlt die Tiefe der Sicht, übersehen wird:

1. Die Existenz der Verantwortung des Einzelnen: Ihre Diffamierung des Stellungsbeziehens als "peinliche intellektuelle Selbstüberschätzung" entspricht keinem realistischen Menschenbild. Im Übrigen ist die allgegenwärtige Passivität gegenüber der "ExpertenMEINUNG" heute unser größtes Übel. Es ist ein notwendiger Streit um politischen Ziele, Prämissen, Werte. Ziel: Eine Gemeinschaft, die sich nach bestem Wissen UND Gewissen konstitutiert!

2. Problem der Orientierungslosigkeit der einzelnen Verantwortungsträgers: Parallel dazu geht es nicht um einen Mangel an technokratischem Fachwissen, sondern um eine Orientierungslosigkeit auf Sollensebene. Die Menschlein stehen wie die Fähnlein im Wind da. AntiAnti oder Mitläufertum, Heuchelei - am Ende landet jeder beim "Ich-Zuerst". Alternative: Denken und Logik.

3. Innenschau tut Not: Alle reden über andere, die Gruppen, die nicht besser sein können als ihre Mitglieder. Es sind willkürliche Frontstellungen allerorts, die einen spiegeln die anderen und umgekehrt. Was Sie über Rechte sagen, trifft ebenso auf Linke zu. Warum muss ein Konservativer pro Atomvermüllung sein und der Soziale gegen günstigen Atomstrom? Warum muss ein Wertkonservativer pro Kapitalismus sein und der Soziale gegen alte Werte? Warum muss ein Konservativer gegen individuelle Religiösität sein und der Soziale gegen die kollektive Religionsausübung?

4. Fazit: Es fehlt an Herzensbildung und Charakter, nicht an technischem Wissen. Die meisten sind innerlich vollkommen kaputt, können irgendwelche Fakten und Statistiken über Migraten oder meinetwegen den Bildungskanon der Gymnasialoberstufe auswendig aufsagen, wissen aber Nichts über ihre wahre Existenz als Mensch und ihr Ziel. Ich wünsche jedem viel Erfolg bei dieser innerlichen Erfrischung.

Heino Bosselmann
11. November 2010 06:47

Sehr klarsichtig und angenehm kompakt. Schon die banale erkenntnistheoretische Grundeinsicht, dass Wahrnehmungen naturgemäß subjektiv und in komplexen Systemen erfolgen, muss man heute lange erklären. Was ich gleich Ihnen unangenehm finde, ist, dass die Sinnsucher und politisch Erweckten ihre Fetische geradezu erotisch aufladen und es dann ausschließen, sich intellektuell tiefgängig weiter zu orientieren! Den meisten reicht der Mythos, um sich damit einzurichten; jede Verifizierung und Falsifikation tut schon allzu weh. So sitzt man selbst unter politisch ähnlich Gesinnten mitunter wie in einer spiritistischen Sitzung.- Mein Kompliment für diesen griffigen Text!

Bauer
11. November 2010 08:21

Darf ich nur gegen etwas sein, dessen Bedeutung/Funktion etc. ich durch und durch kenne? Dies würde bedeuten, jemand darf nur über etwas befinden/entscheiden, wenn eben o.g. Bedingungen erfüllt wären.
Wäre ja im Prinzip nicht einmal schlecht. Jeder kümmert sich in seinem Umfeld, in seinem Verantwortungsbereich um die Dinge die er zu händeln versteht. Trotzdem werden immer wieder Massenentscheidungen getroffen werden (müssen), egal wie man zur Masse steht, deren Bestandteil man im Prinzip ja auch ist. Wer will sich schon außerhalb der Masse stellen, ohne Masse agieren, leben (können).

Wer bestimmt, wer über was entscheiden darf, auf welcher Rangstufe jemand entscheidet?
Welche Kontrollmöglichkeiten werden denen gegeben, die mit den Entscheidungen leben müssen?
Wie stark wirkt der Eigentumsbegriff?

Was bedeutet aber notwendig, der Stuttgarter Bahnhof mag für manche notwendig sein, für manche nicht. Diese Manchen mögen die gleichen Informationen/Kenntnisse und Fähigkeiten haben, sie haben nur unterschiedliche Weltbilder und da scheiden sich spätestens die Geister.

In sich geschlossen, mag jeder recht haben.
Wer will/darf/kann sich anmaßen eine Entscheidung zum Wohle des Ganzen zu treffen? Wer ist davon frei seine persönlichen Vorlieben in die Entscheidung einfließen zu lassen?

Die Massen überschätzen sich intellektuell nicht, die Masse ist nicht intellektuell. Die Masse ist für etwas, dagegen oder gleichgültig. Massen können auf dem "richtigen Zug" sitzen oder auf dem falschen. Wer beurteilt richtig oder falsch?
Der eigene Standpunkt, übergeordnete Parameter?
Es müssen Parameter herausgearbeitet werden, wie z. B. dient es dem Bestand, dem Wohl, der Unabhängigkeit, der Selbstbestimmung des eigenen Volkes, etc. aber auch das eigene Wohl darf dabei nicht zu kurz kommen. Die Mischung macht es.

Unter diesen Gesichtspunkten sollten wir herangehen, dann können die 5 Euro Hartz-IV-Erhöhung gerechtfertigt sein oder gar zu wenig, als Mittel zur Erschlaffung des Arbeitswillens ungerechtfertigt sein oder als Mittel zur Anlockung fremder Menschen in unser Sozialsystem gar eine volksfeindliche Maßnahme sein.

totti
11. November 2010 11:26

@freiheitsverherrlicher

Begreifen Sie HartzIV doch ganz libertär als Schutzgeld.

Ewald Knülle
11. November 2010 12:31

Heino Bosselmann schrieb:

"Was ich gleich [Felix Springer] unangenehm finde, ist, dass die Sinnsucher und politisch Erweckten ihre Fetische geradezu erotisch aufladen und es dann ausschließen, sich intellektuell tiefgängig weiter zu orientieren!"

Wieso loben Sie Springer dann? Schließlich schlägt er vor, den mangelnden intellektuellen Tiefgang gerade nicht als solchen zu entlarven, sondern sich nutzbar zu machen, indem man vermöge überlegener Geisteskraft die "Massen" für das eigene politische Ziel instrumentalisiert.

Mal abgesehen davon, daß es vermessen ist, sich in einer Gesellschaft mit hochgradig ausdifferenzierten Funktionsbereichen pauschal höhere Einsicht und Elitestatus zuzuschreiben, wäre mir ein Deutschland lieber, in dem man nachdenkt, bevor man protestiert. Springers Ansatz zielt auf das Gegenteil.

Schopi
11. November 2010 14:17

Das Denken ist immer nachrangig, es ist nur die eigene Vorstellung von "Richtig"oder eben nicht richtig. Der fragende Ansatz von der "Masse" Mensch ist sicherlich interessant. Der Mensch ist so ein Herden"tier" und die Fittesten und Erfolgreichen richten sich immer nach der gerade vorherrschenden "Wahrheit" es sei denn, man entdeckt Nischen, welche ein einträgliches Auskommen ermöglichen - es ist kein Widerspruch, wenn der Buchhändler um die Ecke gestern den Stürmer im Schaukasten und heute eben die TAZ in der Auslage führt.

Sebastian
11. November 2010 14:52

Auch wenn ich die angedeutete, machiavellistische Schlussfolgerung nicht uneingeschränkt teile, finde ich es wichtig und richtig, den wie ankonditioniert wirkenden, reaktiven Beißreflex vieler "Konservativer" als eben solchen zu bezeichnen, und das auch gerne so ätzend, wie möglich. Es ist schlicht unfassbar, wieviele - auch an sich kluge - Leute in der innerrechten Debatte die liberalistischen Scheingegensätze zwischen bürgerlichem Kapitalismus und Sozialismus immer noch als quasi-apriorische Feldgrenzen des geistigen Kampfplatzes wahrnehmen.

Bei solchen Leuten kommt mir immer wieder Dávilas Diktum vom zeitgenössischen Rechten in den Sinn, der nicht mehr ist, als ein von der Moderne vergewaltigter Liberaler.

Rudolf
11. November 2010 15:05

Papas gut versorgtes Söhnchen regt sich darüber auf, dass die ganzen faulen Hartzler schon wieder 5 Euro mehr bekommen

Hier kann ich Ihnen nicht ganz folgen, Herr Springer. Ist der wohlsituierte Papa qua Status nicht in der Lage, sich ein Bild über die Wirkungen von HartzIV zu machen? Darf nur der HartzIV-Empfänger HartzIV kritisieren und der Besserverdiener muss verständnisvoll-gutmenschlich konzidieren, dass diese armen Menschen es wohl schon schwer genug hätten?

E.
11. November 2010 16:04

Natürlich sollte man sich nichts diktieren lassen sondern dazu übergehen, durch unberechenbares Verhalten den Gegner zum reagieren zu nötigen. Auch kann man aufgrund der Vielfalt und Komplexität des Lebens nicht in sämtlichen Bereichen bewandert sein, aber auch Intuition und ein gesunder Menschenverstand können hin und wieder zur Lagebeurteilung ganz nützlich sein. Soll heißen: Man muss nicht zwingend ein Fachmann sein, um den richtigen Standpunkt zu vertreten.

Juergen
11. November 2010 17:05

"Ergebnis ist, daß man die Korrupten gegen die Blöden verteidigt."

Sehr gut!

"Es ist insofern kein Zufall, daß gerade Protestbewegungen auf ein Heer von alleserklärenden, fleißigen Besserwissern angewiesen sind."

Gilt das auch für die Rechten und Liebling Sarazin, der Soziologie anhand von Statistiken betreibt? :)

Eigentlich ist jeder Mensch mit großen Staats- und Weltentwürfen absolut überfordert, da es dem menschlichenen Gehirn schlicht an Aufnahmekapazität und Integrationsfähigkeit mangelt. Die meisten gestehen sich nur nicht ein, dass ihre Weltbeglückungsstrategie totaler Bullshit ist. Und am schlimmsten sind diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass es keine Fronten, kein Schwarz/Weiss gibt und ihren eigenen Weltentwurf anhand des vermeintlichen Weltentwurfs einens gedachten (aber in homogener Form nicht existenten) Gegners entwickeln (seinen es die Linken, der Kapitalismus, das Establishment, die Rechten usw.). Eine Intelektuelle Teilhabe an den Großen Themen gibt es nicht, auch nicht derer die sich anmaßen unseren Staat zu lenken. Alles Illusion.

“The curious task of economics is to demonstrate to men how little they really know about what they imagine they can design.”
F.A Hayek (kann man getrost verallgemeinern)

Kubitschek machts schon ganz richtig, wenn er sich neben Kartoffel-Anbau und Karnickel-Zucht darauf beschränkt ein anspruchsvolles Magazin mit schönem Bildteil herauszugeben und seinen Bücherschrank zu verlegen und sich ansonsten bei der Verbreitung seiner Weltsicht auf die Erziehung der eigenen Kinder beschränkt. Man kann für die Rechte nur hoffen, dass der Staat und alle überstaatlichen Gebilde inkl. des staatlichen Schulwesens zusammenbrechen bevor sie die Chance bekommt ihre eigene Weltbecklückungsstrategie darüber zu verbreiten. Das Desaster wäre das gleiche wie heute auch.

Zentralwerkstatt
11. November 2010 20:29

Ich bin bei Politgurken und anderen Quasselköppen gern an meine Schulzeit erinnert. Schon damals dachte ich mir, schlag die Klassensprecher bloß tot, denn daraus kann nichts Gutes erwachsen.

Raskolnikow
11. November 2010 20:43

Gut gemacht, Springer,

obwohl ich natürlich nicht über das nötige Wissen verfüge, Ihren Artikel wirklich normgerecht zu bewerten, entspricht er doch meinen halbgebildeten und halbseidenen Vorstellungen.

Politisches Handeln im allgemeinen und moderne Massen-Demokratie im ganz besonderen tragen immer den Keim des Totalitären in sich. Nämlich die Überzeugung "es besser zu wissen", "Recht zu haben" oder "gut" zu sein. Das führt dann zu Atombomben, Gaskammern und Terrorismus - unweigerlich!

Ich gehe jetzt im Neuen Testament lesen - mehr als da drin steht, braucht keine Sau zu wissen.

Ahoi,

R.

Felix Springer
11. November 2010 21:56

Sehr geehrte Kommentatoren,
vielen Dank für Ihre Kritik, Anregungen, Hinweise.

Zur Klarstellung: Inhalt des Textes ist die Feststellung, dass die angenehme Illusion der intellektuellen Teilhabe ein nicht abschaffbares Phänomen ist, welches sich in allen Lagern findet. Da sie ein unhintergehbares Prinzip individueller Handlungsmotivation ist, muss man sich mit ihr abfinden, wenn man mobilisieren will. Wer sich damit nicht abfinden kann, soll zu seinem Glück akademische Karriere machen.

Damit ist nichts gesagt über den Sinn oder Unsinn politischer Mobilisierung überhaupt und damit ist keine Stellung in einer konkret-inhaltlichen Frage bezogen.

Vulture
11. November 2010 22:16

Die Erkenntnis, daß derjenige, der die peinliche intellektuelle Selbstüberschätzung der Massen entlarvt, dadurch nicht mobilisierungsfähiger wird, muß sich bei Konservativen erst noch durchsetzen. Die angenehme Illusion der intellektuellen Teilhabe, so lächerlich sie im Einzelfall sein mag, ist etwas, das man säen und von dem man ernten kann. Wer mobilisieren will, der muß sie nutzen, nicht verachten.

Felix Springers Analyse ist vielleicht sachlich richtig, nur: hier steht oben drueber in grossen Buchstaben "Sezession" - nicht Massenmobilisierung (im Text gehts im Wesentlichen um Massen).

Es steht auch nicht geschrieben wer fuer was mobilisiert werden soll. Ihr habt, wie Felix richtig feststellt eure paar zahlenmaessig sehr begrenzten Steckenpferde (Entdeutschung durch Einwanderung, Kriegsschuld und Vertreibung, Antifeminismus), aber das wars dann auch. Hab ich was vergessen? Naja ok, Laibach meinetwegen noch.

Das Gute ist, euer Gegner sieht auch nicht besser aus: Atomkraft, Bahnhof, Rechtsex..ich moechts nicht mehr ausschreiben; und soziale Gerechtigkeit als konstantes Hintergrundrauschen dieses speziellen Kosmos.

Keine grosse Idee mehr, nirgends, auch nicht beim "Feind". (Jaa, Demokratie und Menschenrechte - Bullshit, forget it).

Ich sag euch was, auch wenn das mit weniger als zwei Bier intus wahrscheinlich leicht angreifbar ist: Die Idee des Reiches. Was waere hier die tiefste, die ewige und begeisternde Essenz? Worauf koennte man hier aufbauen? Eine neue Erfindung des Reiches. Keine Feudal-Nostalgie, kein Monarchismus, kein 3. oder xtes, weder im van den Bruckschen noch im Hitlerschen Sinne. Etwas Neues, aus uns, so wie wir hier sind, in unseren Verhaeltnissen, unserer Zeit. Keine auskonstruierte Utopie als target ahead, sondern ein Ideal ueber uns. In absehbarer Zeit werden wir besonders in Mitteldeutschland auf dem Lande ziemlich allein und auf uns gestellt sein (Demografie), es gibt heut schon Moeglichkeiten sich von den wirtschaftlichen und geistigen Banden zum alten System teil- und schrittweise zu loesen. Wir sind eigentlich ziemlich frei in der Entwicklung, nicht nur von Ideen. Und ich denke, dass Ihr (Kubitschek und alle drum herum) das Zeug dazu habt solche Ideen zu formen, die Moeglichkeiten zu ertasten und nach und nach das System der Ordnung auf den Schillingschen Borden in eine Inspiration zu verwandeln.

Jut, genug gesponnen fuer heute, aber sich in den von F.S. aufgezaehlten Bahnhofsatomtuerkenproblemen zu erschoepfen und abzuarbeiten, kann es doch nicht sein, oder?

Heino Bosselmann
12. November 2010 08:24

#Ewald Knülle: Schon klar. Mir ging es um das von Herrn Springer u.a. aufgefasste Phänomen, dass die "Masse" oder die "Bewegung", wenn sie erregt entsteht, in das von "Vordenkern" oder "Meinungsmachern" auch intellektuell vorbereitete Haus schlüpft und sich dort gefühlig einnistet, um Glück, Schutz, Sinn zu finden, mit der ruhigen Illusion, mit ein paar Autoritätsbeweisen schon alles verstanden zu haben, was gut für sie ist. In dieser Weise wurde ja Marx für die Arbeiterbewegung zu einer Art Ikone. Für den nachdenklichen Kritiker ist es daher in der Menge zwar vielleicht warm, aber immer auch unangenehm, während der Manipulator genießen mag, dass er den Haufen zu führen versteht. Es existiert die Sehnsucht nach dem "Bekenntnis". Vielleicht ist die "Illusion der intellektuellen Teilhabe" sogar schon zu intellektuell gedacht und diffuse Emotionalität in der "Wirkungsästhetik" Rosamunde Pilchers reichte den meisten völlig aus. Das Phänomen Guttenberg ließe da bspw. interessante Deutungen zu.

Freiheitsverherrlicher
12. November 2010 13:27

"Begreifen Sie HartzIV doch ganz libertär als Schutzgeld."

Tue ich doch. Die neurechten Hartzler-Lobbyisten sind ordinäre Schutzgelderpresser.

Hohenstaufer
12. November 2010 15:00

Ein interessanter, gleichsam ähnlich gearteter Artikel findet sich in der soeben erschienenen Novemberausgabe des "Wirtschaftskuriers":

Dr. Hans-Dieter Radecke: Der Staat – Freund oder Feind? Was die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 über unser Demokratieverständnis aussagt.

Unter folgendem Verweis kann dieser Artikel frei zugänglich gelesen werden:
https://www.wirtschaftskurier.de/download.php?File=Y21zX21lZGlhL21vZHVsZV9vYi8zLzkyNl8xX1dJS1VfMTEtMjAxMF9vbmxpbmVTZWl0ZTEucGRm&Filetype=pdf&Filename=WIKU_11-2010_onlineSeite1.pdf

Giftpfeil
12. November 2010 16:53

Darf man bei Sezession auch zu anderen als diesem Thema Kommentare schreiben?

Antwort Kubitschek:
Nein, nur zum Thema.

Juergen
12. November 2010 22:00

Herr Springer,

SIe schreiben, dass man sich mit der Illusion der intelektuellen Teilhabe abfinden muss, WENN man mobilisieren will. Als Alternative für diejenigen, die sich damit nicht abfinden wollen sehen Sie nur eine Alternative, den akademischen Elfenbeinturm.

Anderes ist jedoch durchaus denkbar. Zum Beispiel, dass man sich auf kleine Themen beschränkt, für die eine intelektuelle Teilhabe einer überschaubaren Zahl an Menschen durchaus möglich ist. Eine Abkehr von Staat und Gesellschaft wieder hin zur überschaubaren Gemeinschaft, deren Recht ihre Angelegenheiten selbst zu regeln von übergeordneten Autoritäten (falls überhaupt noch vorhanden) anerkannt werden, diesich selbst finanziert und die schwächeren Mitglieder selbst trägt.

Konkret: Wenn die Stuttgarter einen Bahnhof wollen, dann sollen sie ihn auch selber finanzieren. Wenn er Betreiber eines Atomkraftwerks seinen Müll irgendwo ablagern möchte, dann soll er dafür bezahlen, genauso wie für den Schutz des Transports dorthin. Dann braucht mich das nicht zu kümmern. So werden für diesen Unsinn MEINE Steuergelder ausgegeben ohne dass ich gefragt worden wäre.

Für mich besteht ein Widerspruch zwischen dem Titel der Zeitschrift "Sezession" und dem "Institut für Staatspolitik". Es geht hier eben auch viel zu oft um die großen Themen, um "Volksbeglückung".
Das einzige große Thema für mich wäre das Ende der großen Themen. Zurück zurKleinstaaterei. Ich denke die Probleme von Neukölln lassen sich aus Schnellroda genauso wenig lösen wie aus einem grünen Bundestagsbüro oder von einem Bundesbanker. Ausscheren, zu sagen: "Ohne mich, macht euren Scheiss doch alleine", das ist Sezession. Dazu muss man keine Massen mobilisieren.

Zentralwerkstatt
12. November 2010 23:32

Die "öffentliche Teilhabe" als "gelebte Demokratie" ist in Wahrheit nicht mehr als ein Akt der "BRD - Eine Deutsche Staats-Show". Hier, Dein Käfig, darin kannst Du Dich entfalten...

Mir sagte einmal so ein neunmalkluges Gör, das auf dem Papier zur intellektuellen Hoch-Elite der BRD gehört, ich dürfe mich gar nicht beschweren, wenn ich nicht "wählen" ginge und mich so einbrächte! Was für ein Dummerchen.

Wer nicht wählen geht, wird erschossen - jawoll, das wäre konsequent total-demokratisch.

Seine persönliche Meinung zu verantworten, ist ja schön und gut. Diese angebliche Verantwortung ist aber eine Farce, wenn sie nicht auch die Haftung beinhaltet. Die Stuttgart-21-Fans werden für den Bau zur Kasse gebeten. Den Atomstromgegnern wird ausschließlich der teure Strom verkauft. Hat Claudia Roth schon eine Moschee auf ihrem vom Steuerzahler abgepreßten Anwesen oder eine Zigeunerwagenburg vor dem Haus?

Leute, die nicht einmal ihr Leben an einem roten Faden aufgezogen bekommen, wollen andere "führen". Nein, danke, will ich nicht!

Doch was kann ich dagegen tun? Oder wie mich davon absetzen?

Pat Bateman
12. November 2010 23:34

@Freiheitsverrlischer

Hier "Widerstand" zu leisten, ist fast so toll, als hätte man Anne Frank persönlich auf dem Dachboden versteckt, oder?

Ewald Knülle
13. November 2010 15:51

Felix Springer schrieb:

"Inhalt des Textes ist die Feststellung, dass die angenehme Illusion der intellektuellen Teilhabe ein nicht abschaffbares Phänomen ist, welches sich in allen Lagern findet. [...] Damit ist nichts gesagt über den Sinn oder Unsinn politischer Mobilisierung überhaupt und damit ist keine Stellung in einer konkret-inhaltlichen Frage bezogen."

Zugegeben, eine explizite Stellungnahme ist in Deinem Artikel nicht zu finden. Trotzdem lese ich im Subtext einen unzweideutigen Aufruf an die Konservativen, ihren Widerwillen gegen Agitprop-Methoden zu überwinden, den "Massen" intellektuelle Teilhabe vorzugaukeln und sich an ihre Spitze zu setzen.

Dies nicht zuletzt, weil Du offenbar selbst die via popularis beschreitest und jene Rhetorik verwendest, die so typisch ist für die "alleserklärenden, fleißigen Besserwisse[r]": Du sprichst von "Özdemir-Mafia", "offensichtliche[r] Staatsverrottung" und "spießig-idiotische[m] Verhalten einiger alt-BRD-Fossilien". Du beziehst also in der Tat Stellung, betreibst selbst jene politische Mobilisierung, über die neutral zu reflektieren Du vorgibst.

Wieso sollten Konservative sich denn nicht darauf beschränken, die "Illusion der intellektuellen Teilhabe" als solche zu entlarven? Sie haben schlicht und einfach die besseren Argumente.

Im Interesse der meisten Deutschen wäre doch ein starker Staat, der keine irrwitzigen Bildungs- und Wirtschaftskonzepte vertritt, der sein Gewaltmonopol auch in den Innenstädten aufrechterhält und ein funktionsfähiges, weil nicht unbegrenzt auf Einwanderer und zerrüttete griechische, irische etc. Staatsfinanzen ausdehnbares Sozialsystem bereitstellt. Die Linke und die Grünen vertreten da doch letztendlich gegenteilige Interessen - sie wollen den grenzenlos flexiblen, bindungs-, geschlechts- und kulturlosen Menschen schaffen.

Wieso also nicht auf der argumentativen Ebene bleiben? Illusionen zu kultivieren, anstatt sie zu entlarven, wäre fatal. Wenn Du beispielsweise von "Staatsverrottung", von "Korrupten" und "Blöden" sprichst, dann baust Du eine solche Illusion auf - unser Staat funktioniert noch immer ganz gut - und untergräbst das Vertrauen Deiner Leser nicht nur in spezifische Entscheidungsträger wie Özdemir, sondern auch in staatliche Institutionen und das Wirken einer 'politischen Klasse' überhaupt.

Sicher, das mag angewandte Dialektik sein: Wenn man eine 'konservative Revolution' möchte, kann man die Destabilisierung des Staates als Voraussetzung sehen. Doch sagte nicht dereinst Allvater Kubitschek höchstselbst (sinngemäß), daß ein funktionierender Staat etwas durchaus erhaltenswertes ist? Wie aber sollte ein Staat funktionieren können, wenn das Volk nicht grundsätzlich davon überzeugt ist, daß staatliche Institutionen ihren Sinn haben, daß eine 'politische Klasse' - wie auch immer diese zusammengesetzt ist - die wesentlichen Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls trifft?

Insofern: Lieber entlarven/überzeugen als führen/überreden. Man kann den Deutschen ruhig etwas zutrauen, so dämlich sind die nicht.

godeysen
13. November 2010 21:49

Denn eben wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten laesst sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte laesst sich trefflich glauben,
Von einem Wort laesst sich kein Jota rauben.

So sprach Mephisto.
Die postmoderne Gesellschaft hat sich ein geschlossenes Systen aus Worthülsen geschaffen, deren Inhalt nicht mehr hinterfragt wird. Um als gebildet und sozial kompetent zu gelten, reicht es, die "richtige" Meinung zu Schlagworten wie "rechts", "Integration", "soziale Gerechtigkeit", "Klimawandel" etc. zu haben. Traurig - und doch zugleich eine Chance, die Postmodernisten mit ihren eigenen Waffen zu schlagen: indem man genau diese Worte "dekonstruiert". Das ist unsere Aufgabe. Fragen wir: Was meinen Sie mit "Integration"? Was ist das, ein "Rassist"? - Dann wird schnell klar - auch ohne Wertung - wie frag-würdig so manche vermeintlich selbsterklärende Begriffe sind.

Ewald Knülle
14. November 2010 17:34

So jemand wie Juergen ist das beste Beispiel dafür, warum ich den von Felix Springer vorgeschlagenen Kurs für zutiefst verwerflich halte.

Juergen schrieb:

"Wenn die Stuttgarter einen Bahnhof wollen, dann sollen sie ihn auch selber finanzieren. [Es] werden für diesen Unsinn MEINE Steuergelder ausgegeben ohne dass ich gefragt worden wäre."
[...]
Ausscheren, zu sagen: „Ohne mich, macht euren Scheiss doch alleine“, das ist Sezession."

In einem funktionierenden Staat muß Vertrauen in die politische Klasse bestehen, in die Institutionen des Staates, in die Sinnhaftigkeit von Steuern. Wer, wie derzeit Özdemir & Co., dieses Vertrauen zugunsten kurzfristigen Popularitätszuwachses erschüttert, schädigt nicht nur den politischen Gegner, sondern den Staat überhaupt.

Das Ergebnis ist so jemand wie Juergen. Mit seiner Einstellung kann man Deutschland direkt abschaffen. Wir brauchen nunmal Bahnhöfe, Atommüll(end)lager und Luftwaffen-Übungsplätze, und dazu werden die Steuergelder auch derjenigen benötigt, die keinen persönlichen Vorteil davon haben.

Leute wie Juergen sollten daran gewöhnt werden, daß ihr persönliches Wohlempfinden nicht oberste Staatsräson ist, daß nicht jedes steuerfinanzierte Großprojekt eigens für sie verwirklicht wird.

Das dürfte schwierig werden, wenn man Felix Springers implizierter Forderung nachkommt. In den USA trägt etwa Glenn Beck sehr erfolgreich dazu bei, daß mehr und mehr Amerikaner sich weigern, Steuern zu zahlen. Die "Illusion der intellektuellen Teilhabe" zu politischen Zwecken zu instrumentalisieren, ist schlichtweg zerstörerisch.

Hohenstaufer
15. November 2010 08:54

Lieber Herr Knülle,
mit Ihrer Argumentation gehe ich aus tradiert rechter und konservativer Gesinnung konform, doch gebe ich zu Bedenken, lieber "Auferstanden aus Ruinen" als in ewigen Siechtum als schwaches Volk die nächsten Dekaden der Historie zu bestreiten!

Juergen
15. November 2010 10:59

Sehr geehrter Herr Knülle,

es wäre ein Gebot der Höflichkeit gewesen mir direkt zu anworten anstatt über "so jemand wie Juergen" zu schreiben. Sei's drum.

Darüber wie ein funktionierender Staat verfasst sein muss kann es ja durchaus divergierende Meinungen geben, darüber kann man auch diskutieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich der Staat vor allem über seine Grenzen definiert. Der Staat muss zu allererst eine Rechtsordnung garantieren, INNERHALB dessen die Staatbürger und alle anderen auf dem Staatsterretorium frei handeln können. Der Staat hat weiter die Aufgabe diese Rechtsordnung (militärisch) zu verteidigen. Ich bin ein Verfechter des Minimalstaatsprinzips. An dieser Stelle fangen ja schon die Probleme an, da ja niemals Einigkeit darüber bestehen kann wie genau diese Ordnung auszusehen hat. Wirtschaftspolitisch bin ich z.B. ein Verfechter einer ordoliberalen Verfassung. Die Chancen einer Einigung sind jedoch immer noch größer als für Einzelmaßnahmen mit fragwürdigen gesellschaftlichen Zielen.

Es sind dann auch diese Einzelmaßnahmen (wenn man eine zentralistische Verwaltung der Arbeit als Einzelmaßnahme auffasst, die durch den Ordnugsauftrag des Staates nicht abgedeckt ist) an denen sich in regelmäßigem Abstand die Hysterie entzündet. Die HartzIV-Debatte ist dafür ein prominentes Beispiel. Die eine Seite redet eine neue Armut herbei, die andere eine Gesellschaft von Arbeitsunfähigen Rentiers - HartzIV-Dynastien - die man zur Arbeit zwingen muss. Beide Seiten werfen mit Statistiken nur um sich und beide Seiten können statistisch belegen, dass sie recht haben. Über die konkrete Verfasstheit ihres arbeitslosen Nachbarn weiss meistens keiner etwas zu berichten. Aber beide Seiten sind der Überzeugung, dass die Arbeitsmarktfrage nur staatlich angegangen werden kann - eine sehr sozialistische Einstellung wenn Sie mich fragen. Auf die Idee, dass es vor allem die Gemeinschaft ist, die ihren Mitglieder sinnhafte Arbeit geben kann kommt keiner. Auch die Neue Rechte nicht. Auch die Sezession fiel frohgemut in den Chor derjenigen ein, die den Untergang des Abendlandes durch HartzIV herbeisingen.

Im letzten Winter hat sich ein Autor dieser Seiten über seinen Arbeitslosen Nachbarn aufgeregt, weil der nur vor seinem Haus Schnee schippte und gefragt warum es nicht möglich ist, dass dieser den Winterdienst im Ort übernimmt. Anstatt also einfach zum Nachbarn zu gehe und ihn zu bitten vor dem eigenen Heim Schnee zu räumen und ihn dafür entsprechend zu entlohnen wurde also wieder nach staatlichen Lösungen gesucht. Wenn ich ein Problem mit meinem Computer habe, dann erledigt das mein arbeitsloser Nachbar. Anschließend trinken wir ein Bier zusammen und ich bezahle ihn. Schwarzarbeit - das schadet der Gesellschaft? Meinem Nachbar schadet es nicht. Nicht nur dass er etwas dazuverdient, wichtig ist dass er Anerkennung für seine Arbeit erhält. Ganz ohne dass jemand hysterisch werden müsste.

Frage nicht was der Staat gegen die Arbeitslosenquote tun kann, frage wie Du selbst Deinem Nachbarn zu sinnstiftender Arbeit verhelfen kannst. Dieser Ansatz ist natürlich anstrengender und eigent sich nicht für politische Grabenkämpfe, bei denen man so herrlich die Wirklichkeit anhand von großen Zahlen zurechtbiegen kann.

Anstatt also eine große politische Debatte zu führen könnte man fragen, ob die Verfasstheit unseres Sozialsystems überhaupt noch den Gegebenheiten und Lebenswirklichkeiten der Menschen entspricht, ob die Zentralisierung des Systems überhaupt eine Anpassung zulässt, ob man nicht mehr auf dezentrale Lösungen setzen sollte.

Ein Thema großzureden birgt immer die Gefahr der einer hysterischen Debatte. Das gilt auch für andere Themen. Klimawandel ist noch so ein Beispiel. Es werden großartig Konferenzen abgehalten. Menschen gehen für die Klimarettung auf die Straße und alle meinen darüber bescheid zu wissen wie katastrophal das Leben sein wird wenn wir den CO2-Anstieg nicht stoppen. Dass es nur sehr fragwürdige Modelle gibt scheint keinen zu stören. Alle wissen bescheid (auch diejenigen die zu den Leugnern gehören). Konsequent (rechts) wäre es zu sagen: Darüber kann ich nichts sagen, aber ich bin Naturschützer. Ichsorge mich um den Erhalt meiner Natur in der Heimat.

Weitere Beispiele für Hysterisierungen (die in bestimmten Fällen auch zu Massenmobilisierung geführt haben):

"Alle Banker sind gierige Verbrecher."
"Die HRE ist systemrelevant" (frag sich nur ob das System erhaltenswert ist. Meienr Meinung nach nicht)
"Ja weiss Alain de Benoist (der Religionswissenschaftler) denn nichts über die Natur des Islam" (die man anscheinend erschöpfend kennt nachdem man das eine zu dieser Aussage verlinkte Buch gelesen hat - mein absoluter Favorit an Hysterie)

Fazit: Die Welt wäre besser dran wenn nicht all naselang irgendein Politiker ein Problem von Nationen- oder weltweiter Tragweite entdeckt, von dessen Lösung unser aller Heil abhängt und ihm der Mob in diffuser Heilserwartung folgt.

Zu S21: Man wagt sich ja gar nicht vorzustellen, dass Bahnhöfe früher ohne Bundesmittel gebaut wurden und man fragt sich wie der Bau des Kölner Doms ohne EU-Fördermittel überhaupt möglich war.

zum Vertrauen in die politische Klasse: Ich bin der festen Überzeugung, dass kein Bundes oder EU-politiker die Tragweite seiner Entscheidungen vollständig überschauen kann. Das ist selbst auf niedrigeren Ebenen schwierig bis unmöglich.

Leute wie Juergen sollten daran gewöhnt werden, daß ihr persönliches Wohlempfinden nicht oberste Staatsräson ist, daß nicht jedes steuerfinanzierte Großprojekt eigens für sie verwirklicht wird.

Sie unterstellen mir, dass es mir nur um mein persönliches Wohl ginge. Dafür habe ich Ihnen keinerlei Grundlage gegeben. Tatsächlich geht es mir um Handlungsfreiheit, selbst zu entscheiden auf welche Art und Weise ich wohltätig sein möchte. Dazu könnte ich jetzt ellenlang schreiben, auch darüber wie EU-Subventionen (die ich über Steuern mitfinanzieren muss) meinen Bemühungen entgegenlaufen.

Ewald Knülle
17. November 2010 16:37

Sehr geehrter Juergen,

verzeihen Sie mir die Unhöflichkeit, es wäre in der Tat angemessen gewesen, Sie persönlich anzusprechen. Allerdings wollte ich gegenüber Felix Springer mein Argument vertreten, nicht mit Ihnen über Sinn und Unsinn des Ordoliberalismus diskutieren.

[@ Moderatoren: Ich wäre dankbar, wenn Sie diesen Beitrag nicht wieder ins elektronische Nirvana schickten, auch wenn er mit dem Thema nur noch peripher zu tun hat]

Eusebius
22. November 2010 03:38

"Es ist ja nicht Fachwissen oder persönliche Kompetenz, die die Leute politisch macht. Vielmehr steht am Anfang jedes protestpolitischen Engagements die subjektive, nur selten von außen nachvollziehbare Überzeugung, es irgendwie besser zu wissen."
"Es ist insofern kein Zufall, daß gerade Protestbewegungen auf ein Heer von alleserklärenden, fleißigen Besserwissern angewiesen sind. Diese Leute erzeugen und genießen das Gefühl, zu denen zu gehören, die es besser wissen, zum aufgeklärten, erleuchteten Teil der Bevölkerung oder sogar: der Menschheit."

Welch wahre Worte über die hier beschriebenen "Gutmenschen" - einfach meisterhaft formuliert !

Nur, wer reißt diesen Gutmenschen, die sich mit dem scheinbaren Gewand des Humanismus tarnen und tief im Innern eine erschreckend totalitäre Gesinnung offenbaren, endlich in aller Öffentlichkeit diese scheinheilige Maske vom Gesicht ? Sie sind die charakterlosen Pharisäer unserer Zeit und noch dazu ein Massenphänomen !

Marl Karx
29. November 2010 13:31

Oho, der Herr Freiheitsverherrlicher und der"gute" deutsche Spießbürger-Arbeitsfetisch (korrekter Weise müßte man Job-Fetisch sagen). Der "böse Gammelpunk" der nicht arbeitet und sich deshalb nicht ebenso doof wie Herr Freiheit und Genossen Steuergelder "abpressen" lässt. Man will ihn in Lohn und Arbeit stellen, denn schließlich ist man ja menschlich und will den wohlhabenden Hartzler an der hier verherrlichten, kapitalistischen Selbstzurichtung teilhaben lassen. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Gegen Libertäre helfen nur Gewehre. ;-)

W.Friedrich
4. März 2011 12:29

Lieber Felix, Anhäufen von Vorurteilen zeugt auch nicht gerade von intellektuellem Durchdringen eines Sachverhalts. Insofern kann man dir deine Vorwürfe an alle möglichen deiner Feindbilder eins zu eins zurückgeben. Auch etwas gekünstelte Fremdwörter machen aus einem Vorurteil kein begründetes Urteil. Gruß Wolfgang

ceci
8. März 2011 14:04

Vieles was als "Vor"urteil daherkommt, ist in Wirklichkeit ein "Nach"urteil. Mal drüber nachdenken. Gruß

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