Machete und der Raum ohne Volk

von Claus Wolfschlag

Gerade zwei Wochen war es her, seitdem ich einen hervorragenden Aufsatz von Gernot Hüttig in der zwanzigsten „Etappe“ gelesen hatte.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Und nun saß ich des nachts im Kino, wäh­rend Robert Rodri­guez´ neu­es­ter Action-Strei­fen „Mache­te“ von der Lein­wand flim­mer­te. Bei­de, Hüt­tig und Rodri­guez, beschäf­ti­gen sich mit dem The­ma Migra­ti­ons­ge­sell­schaft. Die Ver­ar­bei­tung indes könn­te nicht unter­schied­li­cher sein.

Hüt­tig klopft die gegen­wär­ti­gen Wan­de­rungs­strö­me nüch­tern auf ihren neo­ko­lo­nia­len Hin­ter­grund ab und setzt sie in Bezie­hung zu Oswald Speng­lers „Unter­gang des Abend­lan­des“ und Hans Grimms Roman „Volk ohne Raum“. Heu­te sieht er Grimms Pro­gno­se in ihr Gegen­teil ver­kehrt. Wir bewe­gen uns, frei nach Speng­ler, in Rich­tung eines „Rau­mes ohne Volk“. Heu­te wür­den nicht mehr Räu­me zwecks Roh­stoff­aus­beu­tung kolo­ni­siert, son­dern Men­schen wür­den als Kolo­ni­sier­te zwecks Nut­zung ihrer Arbeits­kraft direkt in die altern­den Metro­po­len gesaugt. Vor allem die Städ­te der angel­säch­si­schen Welt wirk­ten wie Staub­sauger, die die Men­schen aus Süden und Osten anzö­gen, um ihre Stra­ßen, Fabri­ken, Büros und Geschäfts­area­le mit einer zuneh­mend „fel­la­chi­sier­ten“ Mas­se zu fül­len. Je nord­west­li­cher die Metro­po­len gele­gen, umso qua­li­ta­tiv bes­se­re Zuwan­de­rer­schich­ten wür­den abge­schöpft. Für die wei­ter öst­lich und süd­lich gele­ge­nen Area­le Euro­pas blie­ben die unren­ta­ble­ren Res­te übrig. Am Ende ste­he dort über­all ein „Raum ohne Volk“.

Was das mit einem bru­ta­len Splat­ter-Action-Strei­fen zu tun hat?  Der Film­held Mache­te ist ein eins­ti­ger Cop und ille­ga­ler mexi­ka­ni­scher Zuwan­de­rer. Auf dem Schwarz­markt in Texas oder Ari­zo­na muß er sich mit Hand­lan­ger­diens­ten sein Geld ver­die­nen. Die wohl­ha­ben­den alt­ein­ge­ses­se­nen Ame­ri­ka­ner nut­zen die bil­li­gen Diens­te der ille­ga­len Zuwan­de­rer, um ihren Lebens­stan­dard zu pfle­gen. Ein­wan­de­rer schuf­ten also anstän­dig als Gärt­ner oder Bau­ar­bei­ter, müs­sen sich demü­ti­gen­de Sprü­che anhö­ren, um sich etwas öli­gen Kaf­fee und einen Hap­pen von der Imbiss­bu­de leis­ten zu kön­nen. Soweit die Insze­nie­rung der Opferrolle.

Vom gewalt­tä­ti­gen Cha­rak­ter der mexi­ka­ni­schen Kul­tur etwa, von den zahl­rei­chen Straf­ta­ten mexi­ka­ni­scher Gangs ist selbst­ver­ständ­lich kei­ne Rede. Die Texa­ner hin­ge­gen erwei­sen sich durch­ge­hend als unmo­ra­li­sche, ras­sis­ti­sche, bru­ta­le Schmier­lap­pen, denen nichts mehr Freu­de berei­tet, als die Ein­wan­de­rer zu belü­gen, aus­zu­beu­ten und am liebs­ten wie Vieh abzuknallen.

In die­ser Situa­ti­on wird Mache­te unter Druck gesetzt und als Kil­ler ange­heu­ert. Er soll einen, von Robert de Niro gespiel­ten, ein­wan­de­rungs­kri­ti­schen „Rechts­po­pu­lis­ten“ bei einem Wahl­kampf­auf­tritt erschie­ßen. Der Poli­ti­ker tritt kurz dar­auf vor die Mas­sen. Natio­nal­far­ben und Pla­ka­te zum Schutz der eng­li­schen Spra­che domi­nie­ren. Mache­te lau­ert mit Ziel­fern­rohr auf einem Hoch­haus­dach. Was er nicht weiß: Er soll das Bau­ern­op­fer eines Kom­plotts wer­den. Mache­te soll vor der Aus­füh­rung sei­nes Pla­nes gestellt und der Öffent­lich­keit als mexi­ka­ni­scher Ter­ro­rist prä­sen­tiert wer­den. Der macht­gie­ri­ge Sena­tor hin­ge­gen wird nur von einer ver­steckt aus den eige­nen Rei­hen abge­schos­se­nen Kugel ver­letzt, um die Sze­ne als Wahl­kampf­ma­nö­ver zu nutzen.

Spä­tes­tens hier bleibt einem das Pop­corn im Hals ste­cken. Man denkt an das Schick­sal ein­wan­de­rungs­kri­ti­scher Akti­ver wie Pim For­tuyn und Theo van Gogh, das hier unbe­wußt ver­ball­hornt wird.

Mache­te führt jeden­falls fort­an einen zuneh­mend ver­wir­ren­den Rache­feld­zug gegen sei­ne Häscher. Där­me und Köp­fe flie­gen im Eil­tem­po durch die Luft. Die hane­bü­che­ne Sto­ry endet in einer gro­ßen Schlacht, bei der die ver­ein­ten Ein­wan­de­rer in auf­ge­pimp­ten Karos­sen das Haupt­quar­tier der wei­ßen Red­necks stürmen.

Wie die Schlacht aus­geht, ver­steht sich von selbst. “Poli­tisch kor­rekt” gewinnt. Zudem scheint der von Dan­ny Tre­jo gespiel­te mexi­ka­ni­sche Held selt­sa­mer­wei­se aus­ge­spro­chen sexy auf das weib­li­che Geschlecht zu wir­ken. Stän­dig hän­gen ihm nack­te oder halb­nack­te Schön­hei­ten am nar­bi­gen Hals. Der ein­wan­de­rungs­kri­ti­sche Poli­ti­ker hin­ge­gen erscheint am Ende als klei­ne Witz­fi­gur, die das Fähn­chen in den Wind hängt, und dann von den eige­nen Leu­ten den Gna­den­schuß bekommt. Der von den Wei­ßen pro­jek­tier­te Grenz­zaun, der Ein­wan­de­rer vom Grenz­über­tritt abhal­ten soll­te, erweist sich als nur von zwie­lich­ti­gen öko­no­mi­schen Inter­es­sen gelei­te­tes Pro­jekt, hin­ter dem die Schmug­gel-Mafia steht. Und spä­tes­tens als die ihren Job in der Ein­wan­de­rungs­be­hör­de schmeis­sen­de Jes­si­ca Alba sich ihrer Wur­zeln bewußt wird und vor den mexi­ka­ni­schen Auf­stän­di­schen eine poli­ti­sche Rede anstimmt, ver­steht der gewöhn­li­che Mul­ti­plex-Besu­cher nicht mehr ganz, wor­um es da wirk­lich geht. Alba plä­diert für die gene­rel­le Öff­nung der Gren­zen und ver­laut­bart, dass ein staat­li­ches Recht kei­ne Exis­tenz­be­rech­ti­gung mehr habe, wenn nicht die (natür­lich selbst defi­nier­te) Gerech­tig­keit dar­in umge­setzt wür­de. Dann wer­den Fäus­te zum Kom­mu­nis­ten­gruß geho­ben, und auch Gewalt scheint als Mit­tel legi­tim (hier­zu­lan­de müß­te der Ver­fas­sungs­schutz alar­miert sein).

Das ist nun lin­ker Klas­sen­kampf­schmalz vom feins­ten. Exakt so stel­len sie es sich vor: Man las­se eine Men­ge Ein­wan­de­rer ins Land, baue ein unter­grün­di­ges Netz­werk auf (es wird in dem Film auch so genannt), agi­tie­re die Leu­te, und schon habe man die sozia­le Basis für die nächs­te sozia­lis­ti­sche Revo­lu­ti­on. Daß man statt Klas­sen­kampf allen­falls den Ras­sen­kampf bekom­men mag, wird sie nicht wei­ter stö­ren. Sie wer­den mit den Schul­tern zucken und auf die nächs­ten Ver­su­che einer Umset­zung von dem, was sie unter „sozia­ler Gerech­tig­keit“ ver­ste­hen, lauern.

Natür­lich ist „Mache­te“ Trash, und kaum ein Zuschau­er wird sich beim Kon­sum des durch­aus amü­san­ten Strei­fens über die poli­ti­schen Hin­ter­grün­de Gedan­ken machen. Man kann sich natür­lich auf den Stand­punkt stel­len, dass das doch nur “Unterhaltungs”-Kino ist. Mor­gen ver­ges­sen. Das stimmt alle­mal, zudem die poli­ti­sche Bot­schaft des Films eher neben­säch­lich trans­por­tiert wird, ja für man­che sogar als iro­nisch gebro­chen inter­pre­tiert sein mag. Doch sol­che Sicht­wei­se unter­schätzt die lang­fris­ti­ge Sug­ges­tiv­kraft der Bil­der und Erzäh­lun­gen, die nicht durch ein ein­zel­nes Pro­dukt, son­dern durch lang­sa­men, ste­ten Kon­sum irgend­wann auch poli­ti­sche Kon­se­quen­zen tra­gen kann.

Bei­spiels­wei­se der ame­ri­ka­ni­sche Mann einer Bekann­ten ant­wor­te­te die­ser vor eini­gen Mona­ten, als sie ihn danach frag­te, was er von den Deut­schen wis­se: “They like war. They want to fight.” Das bleibt übrig, wenn man zuviel an ame­ri­ka­ni­schem “Unterhaltungs”-Kino genos­sen hat.

Und so wird “Mache­te” auch durch­aus hin­sicht­lich sei­ner Wir­kun­gen zur Ein­wan­de­rungs­de­bat­te dis­ku­tiert. Es wird der “über­ra­schen­de poli­ti­sche Sub­text” zur Kennt­nis genom­men, es ist von “den all­ge­mein ras­sis­ti­schen Ver­hält­nis­sen” die Rede, es wird solch ein „gut gelaun­ter bös­ar­ti­ger Exor­zis­mus des Sar­ra­zin-Rum­mels“ auch für hie­si­ge Ver­hält­nis­se her­bei­ge­sehnt. (Schlimm muß es aller­dings um das hie­si­ge “mul­ti­kul­tu­rel­le” Pro­jekt bereits ste­hen, wenn man sich das Heil schon von der­ar­ti­gem Action-Schund erhofft.)

Man könn­te also die Pro­ble­me der USA den Ame­ri­ka­nern über­las­sen, wenn nicht Speng­ler schon auf die glo­ba­le Welt­re­vo­lu­ti­on gegen die wei­ße Welt hin­ge­wie­sen hät­te. „Mache­te“ ist ein Bei­spiel dafür, die­se Revo­lu­ti­on im kul­tu­rel­len Über­bau zu recht­fer­ti­gen. Rodri­guez bekann­te, schon seit län­ge­rem sein Herz­blut in die­ses Pro­jekt gesteckt zu haben. Obwohl in den USA auf­ge­wach­sen und finan­zi­ell satu­riert steckt sei­ne mexi­ka­ni­sche Her­kunfts­kul­tur also wei­ter­hin in ihm und ver­lei­tet offen­bar zur Illoya­li­tät gegen­über dem eige­nen Staats­volk. Halb­her­zi­ge Inte­gra­ti­on beinhal­tet also das Risi­ko dau­ern­der Sub­ver­si­on. Erst wenn die See­le sich assi­mi­liert, ist der Schritt zur Poli­tik im Inter­es­se der alten Kul­tur offen­bar nicht mehr pas­sa­bel. Allein das unter­schei­det ver­mut­lich einen Tho­mas de Mai­ziè­re von einem Cem Özde­mir, Tarek Al-Wazir oder Robert Rodriguez.

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