Sezession
1. Februar 2008

Der Waldgang

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 22/Februar 2008

sez_nr_223von Ernst Niekisch

Ernst Jünger und Ernst Niekisch gehörten zur intellektuellen Elite der Nationalrevolutionäre oder „Nationalbolschewisten" der Weimarer Zeit. Trotz der intensiven Mitarbeit Jüngers an Niekischs Zeitschrift Widerstand kann man aber nicht auf Identität der Positionen schließen. Niekisch äußerte 1952 in einem Brief, beide seien sich immer darüber im Klaren gewesen, daß ihre „Auffassungen in wesentlichen Dingen auseinandergingen" und fügte erklärend hinzu: „Er, in seiner ausgeprägten aristokratischen Art, glaubte lediglich durch Ideen-Verkündigung wirken zu können. Mich erfüllte politische Leidenschaft; ich wollte praktisch auf den Gang der Ereignisse Einfluß gewinnen."

Als Niekisch 1937 wegen Hochverrats verurteilt wurde und bis zum Kriegsende im Zuchthaus saß, leugnete Jünger die Bekanntschaft nie und versuchte zu helfen; in den Strahlungen tritt Niekisch als „Cellaris" auf. Auch nach 1945 und Niekischs Übertritt zur SED blieb der Kontakt trotzdem erhalten, jedoch meinte Niekisch, daß sie sich in dieser Zeit am weitesten voneinander entfernt hätten. Eine neuerliche Annäherung sei erst möglich gewesen, nachdem er selbst sich „seit etwa Anfang 1950 aus der praktischen Politik zurückgezogen habe".
In dieser Phase entstand der hier zum ersten Mal abgedruckte Text, ein Typoskript, das Niekisch an Jünger sandte, um seine Kritik am Waldgang deutlich werden zu lassen. Einer Veröffentlichung stand entgegen, daß Niekisch zwar schon auf Distanz zur DDR-Führung gegangen war, mit dieser aber noch nicht gebrochen hatte. Die Ausführungen lassen deshalb auch erkennen, in welchem Maß das Buch Jüngers als aktuelle politische Stellungnahme aufgefaßt wurde, bezogen auf den großen Ost-West-Konflikt, der - am 25. Juni 1950 hatte der Krieg in Korea begonnen - als Vorbereitung eines „Dritten Weltkriegs" verstanden werden konnte.
Karlheinz Weißmann


 Gastbeitrag

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