Sezession
1. Februar 2008

Ernst Jünger und die Nouvelle Droite

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 22 /Februar 2008

sez_nr_226von Alain de Benoist

Die Nouvelle Droite (die französische Neue Rechte) brauchte Ernst Jünger nicht erst zu entdecken. Als die Bewegung Ende der sechziger Jahre aufkommt, ist der Autor der Marmorklippen der französischen Öffentlichkeit bereits wohlbekannt. Mehr noch, er kann zu dieser Zeit auf der anderen Rheinseite zweifellos als der berühmteste und meistgelesene deutsche Autor gelten. Für diesen Bekanntheitsgrad, der Deutsche unweigerlich in Erstaunen versetzt, gibt es vielfältige Erklärungen. Eine Rolle spielt sicher, daß Jünger vergleichsweise früh übersetzt wurde: Seine Hauptwerke über den Ersten Weltkrieg erschienen schon Anfang der dreißiger Jahre und verschafften ihm rasch Ansehen. Vor allem aber spielte Frankreich für Jüngers Laufbahn, sowohl für seinen Lebensweg wie für seine geistige und literarische Entwicklung, eine ungemein wichtige Rolle. Nach seinem Jugendabenteuer in der Fremdenlegion, nach der furchtbaren Erfahrung der Schützengräben maß er dem Land immer eine besondere Bedeutung zu. Er pflegte zahlreiche Beziehungen zu französischen Schriftstellern und Intellektuellen, las Maurice Barrès und Léon Bloy, übersetzte Werke wie Rivarols Maximen oder Texte von Guy de Maupassant und Paul Léautaud. Schließlich hatte Jünger das Glück, in Frankreich stets hervorragende Übersetzer zu finden: Männer wie Henri Thomas und Henri Plard, Julien Hervier und François Poncet, denen es gelang, seinen Stil und seine Gedankengänge in sämtlichen Nuancen nachzuvollziehen.

„Ich glaube", sagte Jünger 1973, „die Franzosen wissen es zu schätzen, wenn ein Deutscher sich als solcher gibt, statt sich um jeden Preis ein Gesicht verleihen zu wollen, das nicht das seine ist."
Freilich wurde ihm diese Berühmtheit lange Zeit nur um den Preis eines gewissen Mißverständnisses zuteil. Zumindest bis ungefähr 1975 nahmen die Franzosen Jünger als eine Figur wahr, die ausschließlich der literarischen Welt angehörte. Zwar wußte man selbstverständlich um den zeitgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sein Werk entstanden war, doch wurde Jünger nicht als ein Mann jener Jahre gesehen. Von seinem Aufenthalt in Paris als Angehöriger der Besatzungsmacht waren hauptsächlich die literarischen Kontakte in Erinnerung geblieben, die er vor allem in Florence Goulds Salon knüpfte (Jean Cocteau, Paul Morand, Pierre Drieu La Rochelle, Sacha Guitry, Jean Giraudoux, Henry de Montherlant, Jean Schlumberger, etc.). Hatte Jünger seinerseits Paris nicht als „große Bücherstadt" gepriesen? Der breiten Öffentlichkeit in Frankreich jedenfalls waren die politischen Schriften seiner Jugend völlig unbekannt. Auch Namen wie Franz Schauwecker, Hugo Fischer, Ernst Niekisch, Friedrich Hielscher, ja selbst Carl Schmitt sagten ihr nichts. Kurzum, Jünger kannte man einzig und allein als Schriftsteller. Jünger selber war das offenbar durchaus recht. Indem er sich gegen eine Übersetzung des Arbeiters, seines großes Werks von 1932, sperrte, trug er sogar seinen Teil dazu bei, daß es so blieb.


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