Minderheitenquartett verteilt Juden Sterne

Wer sich das wohl ausgedacht hat: drei Wochen Schulferien mitten im Winter, und weniger als ein Monat, bis schon die nächste Ferienwoche...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

( „Win­ter­fe­ri­en“ genannt) ins Haus steht! Nach diver­sen Ver­wand­ten­be­su­chen und den übli­chen hoch­kul­tu­rel­len Glanz­lich­tern rund um die Fei­er­ta­ge hat uns nun seit Tagen ein pro­fa­nes Weih­nachts­ge­schenk voll im Griff, ein aber­wit­zi­ges Kar­ten­spiel: das Minderheitenquartett.

Die Kin­der bet­teln gleich nach dem Früh­stück: „Spie­len wir wie­der…?“ Und das tun wir dann, gele­gent­lich stun­den­lang. Ich gewin­ne fast immer, weil die­ses klei­ne Kar­ten­spiel (das wenig mit einem gewöhn­li­chen Quar­tett zu tun hat) mit sei­nen aus­ge­feil­ten Regeln doch recht aus­ge­bufft ist.

Die Mädels sehen das anders und behaup­ten, mein noto­ri­scher Spiel­vor­teil läge dar­an, daß ich immer die Kar­ten mit den (nach einem Kate­go­rien- und Punk­te­sys­tem) pri­vi­le­gier­tes­ten Min­der­hei­ten hiel­te: die “Juden”- , die “Schwu­len”- und die “Feministen”-Karte, wäh­rend sie zum „gegen­ein­an­der Aus­spie­len“ stets die ärms­ten Schwei­ne unter den 24 Min­der­hei­ten zögen: die “Kin­der”, die “Nazis” und die “Wach­kom­a­pa­ti­en­ten” näm­lich. Was mei­ne Töch­ter beim Spie­len regel­mä­ßig ver­ges­sen: Der Jude kann zwar in fast allen Kate­go­rien (außer: Scham­ge­fühl) mit reich­lich Punk­ten (nein:  es sind Ster­ne) auf­war­ten (höchs­te Zahl in „Wohl­stand“ und „gesell­schaft­li­che Akzep­tanz“), der Nazi hin­ge­gen, trotz erbärm­li­cher Aus­gangs­la­ge, ist ein Trumpf, der Juden und „Neger“ schlägt.

Fer­ner mer­ke ich, daß mei­ne Kin­der die zusätz­lich im Spiel befind­li­chen „AGB-Kar­ten“ nicht geschickt genug nut­zen. Ein etwas ner­vi­ger, doch gewinn­brin­gen­der Spiel­zug ist es näm­lich, sei­ne „Zivilcourage“-Karte ein­zu­set­zen und damit einer unter­le­ge­nen Min­der­heit zu hel­fen. So oder so: eine Mordsgaudi!

Ein Ver­ant­wort­li­cher für den „poli­tisch semi­kor­rek­ten Kar­ten­spa­ßes für die gan­ze Fami­lie“ – aus dem Umfeld einer omi­nö­sen, semi­wit­zi­gen mit­tel­deut­schen Sati­re­zei­tung – hat schon vor Wochen auf www. endstation-rechts.de Rede und Ant­wort gestan­den. Auf die kri­ti­sche Fra­ge, ob hier nicht ein­deu­tig die Gren­zen des guten Geschmacks über­schrit­ten wür­den, ant­wor­te­te der „Pres­se­spre­cher“ mit einem fröh­li­chen „Hof­fent­lich ja!“ Mit „Applaus von der fal­schen Sei­te“ habe man kein Pro­blem: „Applaus fin­den wir grund­sätz­lich super.“

Rechts­ra­di­ka­le auf diver­sen Netz­fo­ren hal­ten übri­gens nichts von dem hüb­schen Spiel­chen. Weil es halt „den Juden“ wie­der beson­ders toll darstelle.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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