Sezession
19. März 2009

Wie weiter? (II)

Götz Kubitschek / 51 Kommentare

i-05wetter_arIch hielt in den vergangenen Wochen zwei Vorträge: einen in Linz und einen in Hamburg. Während es in Linz um die "Provokation als Methode" ging, sollte es in Hamburg eine Antwort sein auf die Frage "Was können Konservative heute tun?"

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Was können Konservative heute tun? Ich habe vor und nach dem Vortrag in Hamburg von einem Teilnehmer jeweils Briefe erhalten, in denen er Parallelen von den Vor-68ern zu uns heute zieht.

Ich zitiere aus dem ersten Brief:

Damals war es doch so: Die linke Theorie hat erstmal kaum einer verstanden (Soziologen-Chinesisch), die Mehrheit schaute halb ablehnend-ängstlich, halb mit wohligem Grusel den Radikalen zu. Dann wurde es plötzlich "schick", links und "underground" zu sein, und über dieses popkulturelle Moment wurden breitere Kreise der Jugend angesprochen.

Ich gleiche diese Analyse mit dem ab, was mir Günter Maschke immer über die Situation der Vor-68er erzählt. Er nennt stets: Aussichtslosigkeit, Resignation, einen politischen Existentialismus (im Sinne einer Reduzierung des politischen Anspruchs auf die eigene Profilierung), aber auch die Überzeugung, daß man etwas Notwendiges tut, daß man Verhaltensweisen einübt und -- vor allem -- Szenetypen, Milieutypen kreiert und daß man irgendwann die richtigen Themen findet. Der Vortragsteilnehmer aus Hamburg stellt fest, daß

nur letzte Nachzügler noch glauben, daß links etwas Spannendes passiert. Könnte man also nicht sagen, daß sich die Neue Rechte heute (gemessen an dieser Zeitachse) kurz vor 1968 befindet? Wahrscheinlich eher noch einige Jahre früher. Wird es diesmal wieder eine außerparlamentarische oder gleich eine Opposition mit Parteienstatus geben? Wer wird der Benno Ohnesorg, also der Märtyrer der neuen Rechten sein, wer der Dutschke?

Ist es hilfreich, die Situation der Vor-68er so mit unserer Situation zu vergleichen? Aus Hamburg kommen Vorschläge, welche drei Punkte in der Strategie-Diskussion künftig unbedingt berücksichtigt werden müssen:

1. Das popkulturelle Moment (Musik, Mode, usf.).

2. Tabu und als Befreiung erlebter Tabubruch (die Rechte ist heute noch tabuisiert, das muß aber keineswegs so bleiben, der Tabubruch wird ungeahnte Energien freisetzen).

3. das auslösende Ereignis (damals: der Schah-Besuch und der Tod von Benno Ohnesorg). Ist dieser Punkt überschritten, geht es fast von alleine weiter. Theorie wird immer erst später rezipiert (außer natürlich von den Chef-Ideologen und Rädelsführern).

Die Aussicht  lockt und blockiert zugleich. Aber auch das ist typisch, sagt Maschke immer, wenn er von der subversiven Aktion erzählt. Man fragt sich immer: Geht es in diese Richtung weiter?


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (51)

John Doe
19. März 2009 10:30

"Was können Konservative heute tun? (...) Geht es in diese Richtung weiter?"
Ich denke Konservative sollten vor allem realistisch bleiben und sein. Die konservativen Eigenschaften, also ein klarer Blick, Vernunft und eben Realitätssinn, das sind die "Schlüssel" zum Erfolg. Es wurde doch eigentlich alles schon gesagt und geschrieben, es gibt keine Geheimnisse mehr. Die Grundlage, das Fundament steht. Und somit geht es, meiner Meinung nach, durchaus weiter in diese Richtung. Vielleicht ist der Begriff des Erfolges missverständlich? Denn was ist denn der Erfolg? Wir sind keine Partei und ein Wahlsieg als Erfolg fällt weg. Wir können nur kleine Erfolge sammeln, die dann zu einem größeren Erfolg verschmelzen. Konsequente konservative Gegenöffentlichkeit. Es kann uns eigentlich egal sein, wer das Richtige tut, wenn es unseren Grundlagen entspricht.

Mit dem 68er Vergleich habe ich so meine Probleme. Jene, die zu dieser Zeit ihren Marsch durch die Institutionen begonnen haben, sitzen heute ganz oben, an den Hebeln der Macht quasi. Diese Leute müssen es doch aus eigener Erfahrung wissen, wie man ein "zweites 68" verhindert. Man wird doch alles tun um sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Das soll aber nicht heißen, dass man es nicht versuchen kann. Nur "verheizen" sollte man sich nicht.

Zu den drei Punkten:
1. Das kann man nicht erzwingen. Popkultur entsteht nicht, weil wir das jetzt gerne mal wollen. Hier könnte man höchstens versuchen und hoffen. (Ich würde mir da z.B. ein blaues T-Shirt wünschen, der Fahne des IfS entsprechend. "Uns wird es immer geben!" und vorne Abbildungen von entsprechenden Personen.)
2. Diesen Tabubruch können wir nur bedingt leisten. Wir sind ja bereit, es sind nunmal die Anderen, die den Schritt machen müssen. Antaios und IfS hatten ihren Stand auf der Buchmesse, mehr ging in diesem Fall nicht. Wenn sie keinen Zulauf hatten, dann bestimmt nicht selbstverschuldet. Ärgerlich ist das natürlich trotzdem.
3. Kann man ein auslösendes Ereignis konstruieren? Ich denke nein. Vielleicht ist es sogar schwer in heutiger Zeit ein solches Ereignis überhaupt zu erkennen. Vielleicht ist es ja schon geschehen?!

Hoffentlich habe ich jetzt nicht zu sehr dem Klichee des "unbeweglichen" Konservativen entsprochen. Ich habe für mich aber einfach gelernt, dass es wohl immer fünf vor zwölf ist. Also nie zu spät etwas zu verändern, aber auch noch genug Zeit um nicht in planlosen Aktionismus zu verfallen. Letzteres möchte ich natürlich niemanden unterstellen.

Nihil
19. März 2009 10:54

Wenn man nicht eine grobe Vorstellung von seinen Zielen hat, muß man entweder Idealist sein (das betrifft mich) oder man muß verzweifeln. Ich weiß nicht was das "Ziel" sein soll. Gäbe man sich mit dem relativen Erfolg rechtspopulistischer Bewegungen (wie in Schweiz, Österreich) zufrieden? Gäbe man sich mit einem "Marsch durch die Institutionen" (wie von den 68ern vorgemacht) zufrieden? Oder will man die totale politisch-kulturelle Transformation, bei der äußerst fraglich ist wie man so etwas herbeiführen kann und ob man sie noch erleben wird. Die Enttäuschung ist meiner Ansicht nach immer dort besonders groß wo diffuse Hoffnungen auf eine einzige Sache konzentriert werden - das wird man auch noch bei Obama-Anhängern sehen.

quer
19. März 2009 11:17

Zu 3.
Ein auslösendes Ereignis kann m.E. mit höchster Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit islamischer Unverträglichkeit zu Verfassung und Gesetz, sowie erkennbarer Landnahme z.B. durch integrationsunwillige/-unfähige Türken (die nach Millionen zählen) sein. Die Schwelle zum Bürgerkrieg.....

M.
19. März 2009 12:23

Warum nicht eine Parallelgesellschaft aufbauen, mit eigener Währung (vgl. Chiemgauer)? Im Osten liegt genug Land brach. Dann gibt es eben die Bundesrepublik Deutschland und daneben das "Heimliche Deutschland". Lassen wir die in Berlin doch weiterlügen und weiterwursteln. Wenn man sich mit dem System einlässt, vielleicht wird man dann am Ende genauso korrumpiert wie Schröder, Fischer & Co?

Oder um es mit Adorno zu sagen ;) :

"Mit dieser Welt gibt es keine Verständigung; wir gehören ihr nur in dem Maße an, wie wir uns gegen sie auflehnen."

In diesem Sinne...

M.
19. März 2009 12:34

Noch ein Nachtrag zum "popkulturellen Moment".

Hier fällt mir das Beispiel "Tolkien" ein. Durch die Verfilmung des "Herrn der Ringe" ist Tolkien wieder "in", vor allem bei jungen Menschen. Dabei ist Tolkien definitiv ein Rechter, ein Konservativer (das wird zum einen aus seinem Werk ersichtlich, aber auch die politischen Ansichten, die Tolkien in seinen Briefen [herausgegeben von Humpfrey Carpenter]) vertritt, sind zweifelsohne die eines Rechten).

Friedrich
19. März 2009 12:53

ad 1: Pop? Mode? Muß man nachmachen, was andere vormachen? Bestimmt ist es besser, den eigenen Weg zu gehen. Pop und Mode sind Massenerscheinungen für Lemminge.
ad 2: Tabu, Tabubruch? Nichts gegen Magie und Religion, aber Grenzüberschreitungen wäre treffender, erweitern den eigenen Horizont und, falls mitgeteilt, evtl. den der anderen.
ad 3: denke wie Kommentar Nr. 3: der hiesige Islam dürfte Auslöser werden. Vielleicht auch die Krise nach der Bankenkrise.

M.
19. März 2009 13:24

Friedrich schrieb:

der hiesige Islam dürfte Auslöser werden. Vielleicht auch die Krise nach der Bankenkrise

ich tippe auf die Finanzkrise. Da draußen ist noch Schrott im Nennwert von 863 Billionen (!!!) im Umlauf, der durch nichts gedeckt ist (Quelle: Bank für internationalen Zahlungsausgleich). Es könnte jederzeit der Kollaps erfolgen. Dann stünden wir vor einer Krise, gegen die die Weltwirtschaftskrise von 1929 Kinderfasching war.

Harm Wulf
19. März 2009 14:16

Vielleicht komme ich jetzt etwas oberlehrerhaft herüber. Aber aus innerer Verbundenheit zur Sache glaube ich, Folgendes schreiben zu müssen:

Obiger Artikel läuft inhaltlich auf das Thema „Metapolitik“ hinaus. Diese Strategie hat meiner Auffassung nach zum Ziel, die Gedanken und Seelen der Massen gezielt zu beeinflussen und zu prägen. Es soll ein (neues) geistiges Fundament und, darauf aufbauend, ein Korsett aus Gedanken errichtet werden, das Träger rechten Geistes ist und nach außen hin abschirmt. Zweifellos ist das der zentrale Problemlösungsansatz, dem sich die Rechte inhaltlich und geistig voll und ganz hingeben sollte. Gewiß sind Vorarbeiten diesbezüglich bereits geleistet. In den Debatten zu diesem Thema glaube ich jedoch einen gewissen Mangel an Struktur zu erkennen.

Deshalb möchte ich vorschlagen, sich an der Struktur des Problemlösungsprozesses zu orientieren, wie ihn die Unternehmensführungslehre vorgibt und wie er sich in der Praxis behauptet:

1. Analyse (Eigenanalyse/ Außenanalyse)
2. Zielfindung/ Zielformulierung (Übergeordnete und untergeordnete Ziele)
3. Planung von Maßnahmen zur Erreichung der Ziele (Strategie, Taktik, Operation)
3.1. Maßnahmen/Handlungsalternativen finden
3.2. Bewertung dieser Maßnahmen/Alternativen
3.3. Auswahl erfolgversprechender Maßnahmen/Alternativen
4. Steuerung und Durchführung
5. Kontrolle

Der Vorteil für uns wäre eine bessere Klarheit in den Gedankengängen und Orientierung bei der Einordnung von Ideen, Anmerkungen und Vorschlägen. Ebenso hilft diese Struktur bei der Beantwortung der Frage, was denn nun getan werden müßte.

Mag sein, dass einige einwenden werden, dass das alles unnötig sei, weil ja jeder wisse, worum es gehe. Doch da sollte man sich nicht so sicher sein. Insbesondere glaube ich, dass ein großer Teil der Rechten „Ziel“ und „Strategie“ verwechselt bzw. sich nicht klar darüber ist, was die wesentlichen Ziele sind.
Manche meinen beispielsweise, die Gründung einer Partei sei das eigentliche Ziel. Andere hingegen meinen, man müsse die Ideen der konservativen Revolution nunmehr, also ca 80-90 Jahre danach, umsetzen, ohne diese in einer vorangegangenen Analyse auf ihre Kompatibilität mit den heutigen Gegebenheiten bzw. auf Umsetzbarkeit geprüft zu haben. Dann gibt es wieder welche, die krampfhaft an einer Sache festhalten, die hinschtlich ihres Zielerreichungsgrades vollkommen uneffektiv ist, und die dabei ihre ganze Kraft ergebnislos verbrauchen (Revisionisten, NS-Sekten).

Viele sind sich nicht (mehr) bewußt, was ein realistischer Soll-Zustand Deutschlands sein soll bzw. sein müßte, oder wissen nicht so recht, wie die „Botschaft“ effektiv an Mann und Frau gebracht werden kann.

Nikodemus
19. März 2009 14:29

Na gut, die Masse macht nicht mit, weil sie derart ideologisch versiert ist, sondern wird von den 'Randerscheinungen' mitgerissen. Das ist so richtig, wie die Randerscheinungen eben ein Zentrum brauchen. An diesem Zentrum muss gearbeitet werden. Da ist auch schon viel passiert und die ersten 'Randerscheinungen' zeigen sich auch.

Vielen Konservativen, die sich ihre Gesinnung erarbeitet haben, sind die Randerscheinungen suspekt. Wo sie hilfreich sind, sollte man sie aber mitnehmen und entstehen lassen (es spricht ja nichts dagegen, dass 'rechts-sein' auch Spaß machen kann), wo sie sich vom eigentlichen Ziel abkoppeln und reiner Beschäftigungsevent werden, sind sie zu nichts nütze, verzehren Energie und werden Selbstläufer. Bis die deutschen Rechtskonservativen aber dieses Problem im nennenswerten Umfang haben, wird es noch ein weiter Weg sein.

Außerdem: Form und Inhalt müssen passen. Was zu den 68ern passte, passt zu rechten Konservativen nicht unbedingt.

Toni Roidl
19. März 2009 14:29

Ob wir uns in einer Prä-»68«-Ära befinden? Na sicher: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Und je hölzerner die Empörungsrituale der PC-Ayatollahs werden, je mehr Mannichls den Lebkuchenfaschismus halluzinieren, je frecher die Internationalsozialisten die Straße erobern und je schamloser die Medien ihre Parteilichkeit beweisen, desto mehr wird allgemein offenbar werden, dass diese Linksgesellschaft ein Anachronismus ist, ein »Staat, der sich selbst nur noch mitmacht« (Musil) - und letztlich hilflos gegen ihre Erosion.
Was wir danach wollen? Die Normalität zurück: Ein Gleichgewicht der Kräfte, ein Äquivalent zur Linken, eine echte Meinungsfreiheit. Das ist ja wohl das Mindeste...
Aktionsformen? Der Herr Kubitschek macht es doch so schön vor: Die KSA rockt und dieser Blog auch! Wir brauchen hunderte KSAs und Sezessionen...!

nico
19. März 2009 14:30

Ich glaube, dass eine plötzliche "Trendwende" in der öffentlichen Meinung nur über ein "auslösendes Ereignis" stattfinden kann. Ein solches Ereignis müsste den bisherigen einenden Wert (also Konsum) fundamental in Frage stellen, in dem eine genügend große Zahl von Menschen von der Teilnahme am "Wert" Konsum abgeschnitten würde .
Im Anschluss daran, auf der Suche nach "neuen" (eigentlich alten) Werten, würde der Tabubruch m.E. zwangsläufig folgen. Daher glaube ich, dass die Möglichkeiten zur Meinungsrevolution steigen, je schlimmer sich die Finanzkriese materiell auswirken wird.
Die Aufgabe eines Konservativen wäre es dann natürlich, seine Sinnangebote autoritärer, verbindlicher, glaubwürdiger darzubringen als die Gegenseite, die natürlich auch versuchen würde eine Meinungsrevolution in ihrem Sinne zu starten.
Sollte ein solches Moment der plötzlichen Trendwende ausbleiben, ist und bleibt es Aufgabe des Konservativen den steten Tropfen zu spielen, z.B. in Form eines gelungenen Netztagebuchs!
Was natürlich ebenfalls ohne riesige Krise funktionieren könnte, wäre die Gründung einer Partei, die eine ernstzunehmende, konservative alternative zum Einheitsbrei bieten würde. Dabei wäre es m.E. wichtig, bekannte und integre Persönlichkeiten an Bord zu wissen, um den infamen angriffen, die sicherlich folgen würden, autoritär begegnen zu können. Aber ob im Moment der richtige Zeitpunkt für eine solche Parteigründung wäre, wer das geeignete Personal, würde ich auch zur Diskussion stellen.
Was das Potential des Islamkonflikts angeht, bin ich sehr skeptisch. Die Landname ist in Teilen von deutschen Großstädten schon offensichtlich und es stört sich nur eine Minderheit daran, die von der öffentlichen Meinung schnell und wirksam stigmatisiert wird. Das Ausmaß der Landname müsste schon sehr beträchtlich oder finanziell äußerst belastend sein, bevor es den Gutmenschen den Wind aus den Segeln nehmen könnte.
Die Überlegung ob wir kurz vor unserem ´68 stehen, halte ich für unnötig. Die damaligen Pro- und Antagonisten wussten auch nicht, dass es bevor stand und auch wir können keine verlässlichen Aussagen treffen. Auch werden wir es nicht so einfach haben, einfach mit ein paar Träumereien um uns zu werfen und bei bedarf irgendeine
-ismus-Keule zu schwingen.
Wir sollten uns darauf konzentrieren, im Ringen um Deutungshoheit nicht nachzulassen, selbst wenn es Aussichtslos scheinen sollte.

Toni Roidl
19. März 2009 14:34

Noch ein Nachtrag zu den Aktionen: Nur ein Beispiel - ich habe mir bei einem Onlinedienst, wo man sein eigenes Motiv gestalten und hochladen kann, für ganz kleines Geld hunderte von kleinen Aufklebern mit konservativen Slogans drucken lassen, mit denen ich unermüdlich meine Stadt vollpflastere. Sowas kann doch wirklich jeder machen!

Hannibal
19. März 2009 16:07

Das einzige Milieu in dem derzeit noch eine halbwegs intakte Verbindung von Konservatismus, Jugend, Stil und Lebensgefühl existiert, und das über seinen Kern hinaus noch Aussenstehende (wenn auch nur in Maßen) anziehen, faszinieren und letzlich integrieren kann, ist das Umfeld studentischer Korporationen.
Zwar kämpfen auch dort viele Verbindungen ums Überleben, aber die Intakten, die tatsächlich etwas anzubieten haben, bilden einen wirklichen Gegenentwurf zur universitären Vermassung und Verflachung. Gerade die "unpolitischen" Corps sind ein schönes Beispiel, wie man sich einerseits zwar ständig verbal von "rechts" abgrenzt, durch Auftreten und Handeln aber eine de facto "rechte" Lebenswelt schafft.

quer
19. März 2009 16:44

„...Die Landname ist in Teilen von deutschen Großstädten schon offensichtlich und es stört sich nur eine Minderheit daran, die von der öffentlichen Meinung schnell und wirksam stigmatisiert wird. Das Ausmaß der Landname müsste schon sehr beträchtlich oder finanziell äußerst belastend sein, bevor es den Gutmenschen den Wind aus den Segeln nehmen könnte.“

@ nico,

wer Augen und Ohren offenhält und diesem Erduan genau zugehört hat, weiß, das diese Landnahme gesteuert und gewollt ist. Die Loyalität der absoluten Masse der Landnehmer – ob mit, oder ohne deutschen Paß – gehört dem Herkunftsland mit seiner archaischen Kultur. Und das geht einher mit entsprechender Demografie und dem fortlaufendem Nachzug ungebildeter Frauen. Es ist im Rahmen der hier geltenden Freizügigkeit durchaus denkbar und kaum zu verhindern, daß sich diese Landnehmer wie von ungefähr (von außen gesteuert) auf bestimmte Landschaften im Lande konzentrieren und so Mehrheiten schaffen. Was dann? Das ist das eine. Das andere ist schon heute, daß in der Summe aller Landnehmer (egal, ob „deutsch“, oder nicht) für die Sozialsysteme dauerhaft und bislang nie ausgeglichen ein Defizit existiert. Und das wird sich verstärken. Warten wir mal zehn Jahre ab, was die heute 20-jährigen Deutschen dazu meinen.... Es wird nicht sehr harmonisch enden. So mancher Gutmensch von heute wird sich vor Laternen sehr fürchten müssen. Es kann diese Aussicht nicht befriedigen, aber es bleiben Aussichten.

Manuel Venator
19. März 2009 18:14

Ich weiß ja nicht, ob ich hier etwas verlinken kann, aber auf PI-News steht just heute ein guter Beitrag zum Thema: Gedankenspiele; Zwei Zukunfstvisionen des Jahres 2017 - eine negative und eine positive. Wobei man letztere als unser virtuelles Ziel betrachten könnte.
In der ersten Vision regiert rot-rot-grün-türk, die Türkei ist seit 2015 in der EU, Millionen Türken wandern ein, die letzten Leistungsträger verlassen Europa Richtung Nord- und Südamerika, Australien etc. Europa vereinigt sich mit den arabischen Ländern zu Eurabia.

In der zweiten Vision wird es eigentlich interessant, denn sie bietet Lösungsansätze, die garnicht so fern liegen und heute (noch) realisierbar wären: CDU und eine neue Rechtspartei haben eine stabile Mehrheit errungen, die Grünen sind unter 5 % gefallen. Die Türkei bleibt rechtssicher für alle Zukunft außerhalb der EU. Die Regierung führt im großen Stil Muslime in ihre Heimat zurück, und zwar Kriminelle unter Zwang, friedliche durch hohe Anreize. Einwanderer kommen nur noch aus kulturell kompatiblen (europäischen bzw. chriistlichen) Kulturen. Die Deutschen haben wieder mehr Kinder, das Land blüht auf.

https://www.pi-news.net/2009/03/deutschlands-zukunft-zwei-gedankenspiele/

nico
19. März 2009 18:59

Huhu quer!

Ich bin mir nicht sicher, ob man ermitteln kann, wie viele Einwanderer tatsächlich hinter Erdoans Aussagen stehen (man könnte ja mal die Friedrich-Ebert Stiftung beauftragen :-). Sicherlich gibt es auch innerhalb der türkischen Gemeinden in Deutschland Emanzipationsbestrebungen, aber in welchem Umfang vermag ich nicht zu sagen. Ich meine, in diesem Punkt sollte man versuchen, die Sache möglichst differenziert zu betrachten.
Das ändert selbstverständlich nichts am Kern der Sache:
Wenn die Landnahme ein Ausmaß erreicht hat, das Mehrheiten umkehrt und die neue Mehrheit etwa eine eigene Partei fordert, oder die
Multikulti-Kosten derart ansteigen, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung als Problem Wahrgenommen wird, herrscht enormes Konfliktpotential. Darin sind wir uns, glaube ich, einig.
Was jedoch die Kosten angeht, werden die Meinungsmacher noch für eine ganze weile in der Lage sein, diese zu verschleiern oder als unbedingt nötig, moralisch richtig, antifaschistisch oder sonst was auszugeben (wenn das genaue Ausmaß der Kosten, die durch die Einwanderung Bildungsferner Schichten verursacht werden, bekannt würde, wäre das vielleicht heute schon genug, die öffentliche Meinung diesbezüglich zu ändern).
Und auch die erwähnte Landnahme wird, so glaube ich, nicht in naher Zukunft ein Ausmaß annehmen, das die Gutmenschen demaskieren könnte.
Im Sinne der Diskussionsfrage, ob wir kurz vor unserem ´68 stehen, halte ich den Konflikt mit dem Islam (noch) nicht für ein Ereignis im Sinne von Punkt drei. Ein islamistischer Anschlag allerdings könnte den Konflikt natürlich beschleunigen.
Es wäre vielleicht auch noch die Frage zu stellen, ob ein solcher Konflikt überhaupt das konservative Lager stärken würde, oder am Ende gar die Stimmen nach Auflösung aller Nationalstaaten lauter werden würde (natürlich nur bei abendländischen Teesocken), oder etwas ganz anderes nach sich zöge.

PS.: Interessant wäre auch die Frage, wie man den Kulturkampf aus konservativer Sicht verhindern könnte, anstatt ihm mit fatalistischer Gewissheit entgegenzusehen.

Philipp
19. März 2009 19:11

Das einzige Milieu in dem derzeit noch eine halbwegs intakte Verbindung von Konservatismus, Jugend, Stil und Lebensgefühl existiert, und das über seinen Kern hinaus noch Aussenstehende (wenn auch nur in Maßen) anziehen, faszinieren und letzlich integrieren kann, ist das Umfeld studentischer Korporationen.

Das ist doch auch etwas idealistisch. Sicher haben Verbindungen eine gewisse Außenwirkung, bilden im universitären Betrieb eine Art konservatives Bollwerk, aber wirken auf außenstehende oft auch etwas seltsam und abschreckend.

Das was hier mit Pop-Kultur etc. gemeint ist, bei den 68ern sich vorhanden war, dass es unter Studenten nachher chic war links zu sein, hat nicht zwangsweise etwas mit Masse zu tun. Das war am Anfang schon nach dem Selbstverständnis eine Art Avantgarde und man kann da wahrscheinlich doch recht viel lernen, was nicht zwangsweise heißt, daß man alles kopieren kann und muß. Über Musik, Mode und "Lifestyle" kann man meines Erachtens viel vermitteln, das ist sicher etwas das besonders bei jüngeren Leute dazu gehört.

varroa
19. März 2009 19:17

Genau, gutes Beispiel : www.oekodorf7linden.de. Vor 10 Jahren von einer Handvoll Idealisten im ärmsten LKr. Mitteldeutschlands gegründet, ist es heute Lebensraum für 60 Leute mit Ausstrahlung in die ganze Region - incl. Kiga, Schule, Seminarhaus usw.
Jetzt das Ganze von rechts.

quer
19. März 2009 20:22

"Die Überlegung ob wir kurz vor unserem ´68 stehen, halte ich für unnötig..."

@ nico,

stimmt! Wir sind meilenweit davon entfernt. Genauer formuliert und an der Realität orientiert, befinden wir uns politisch ungefähr in den frühen 20'ger Jahren des letzten Jahrhunderts. Also noch vor der Hyperinflation und den Notverordnungen mitsamt dem Verrat an der Demokratie durch die SPD. Diesmal steht aber zu hoffen, daß die "Rechten" aus der Geschichte gelernt haben und nicht noch einmal auf Irre hereinfallen. Also gilt es heute schon Ziele zu formulieren und um keinen mm davon abzuweichen oder "liberal" verwässern zu lassen.

Max
19. März 2009 20:52

Ein Vergleich mit den 68ern finde ich komisch. Rechtssein als Pop-Kultur? Das kommt doch einer Kapitulation gleich.
Die Gesellschaft in diesem Land ist dekadent, während Deutschland den Superstar/Topmodell sucht und darin seine Lage vergisst, sollte uns eines klar werden: Rechtssein als Popkultur scheidet aus.

Da ich aus Bayreuth bin, habe ich ein gutes Beispiel wie eine solche Strategie schief laufen kann: Letztes Jahr gab es das erste Mal die Wagner-Festspiele für alle - "Public Viewing". Etwa 20.000 Menschen hockten im Staub und glotzten auf eine Leinwand. Die Menschen, die sich wirklich mit der Oper auseinandersetzten waren nach kurzer Zeit umgeben von einer Masse kreischender Mädchen und Cocktail-schlürfender Alibi-Kulturgänger. Der Geist der Oper sprang nicht über, das sie keiner verstand. Richard Wagner wollte zwar durchaus seine Opern dem "Volke" zugängig machen, doch nicht auf diese Art und Weise. Seine Intention war es vielmehr das Volk zu erhöhen und nicht die Oper zu erniedrigen. Wer Hochkultur will, der soll sie sich schon suchen und erschließen. Was normalerweise auf dem Markt angeboten wird ist der Mühe oft nicht wert.

Genauso muss sich eine Rechte positionieren: Wer ein Leben in Stil, Würde und Rechtschaffenheit sucht, der findet das Abseits vom Zeit- und Massengeist. Dafür muss er schon selbst aufstehen. Oder wollen wir, dass in 20 Jahren irgendwelche Hip-Hopper mit Stauffenberg-Shirt auf der Bühne stehen? Nur weil es gerade "trendy" ist?

Die Bereitschaft zum persönlichen Opfer, der Lebensbund, das sind Konzepte zu denen man schon weiterhin stehen sollte. Mit Pop-Kultur lassen sie sich nicht verwirklichen.

Was den Rechten zu tun bleibt? Apoliteia! Stark sein in einer schwachen, weichen, amorphen Welt. So schafft man es die richtigen Leute anzuziehen.

Haiduk
19. März 2009 22:12

Hatte schon mal jemand den Eindruck, daß es eine heimliche Allianz zwischen bestimmten Menschenrechtsorganisationen und dem Islam gibt?

Falls ja, empfehle ich diese beiden Texte:

https://antifo.wordpress.com/2009/03/17/durban-ii-rassismusdebatte-als-nebelkerze/
https://antifo.wordpress.com/2009/03/18/kurt-beck-last-schuler-im-stich/

Hannibal
19. März 2009 23:03

Vielleicht ist Popkultur auch etwas zu hoch gegriffen. Jeder der sich dazu berufen fühlt, könnte zunächst mit dem Ausbilden einer rechten Ästhetik beginnen. Ich verstehe nicht, warum der gemeine Rechte diesen Punkt so gering schätzt. Das Auftreten und die Optik vieler Rechter sind eine ästhetische Zumutung.
Dieses Netztagebuch und auch die Druckausgabe der Sezession sehen gut aus, sind ansprechend. Modern und klar. Jetzt stelle man sich den Typus Stauffenberg bei Maybrit Illner vor, gegenüber einem Oskar Lafontaine in C&A Anzug mit LSD-Krawatte! Man erzähle mir nicht, man könne Leute nicht über die Optik überzeugen.
Warum hatten HC Strache, Haider und Pim Fortuyn Erfolg und nicht Gerhard Frey oder die schwitzenden Kleinbürger der NPD?

Venator
20. März 2009 00:42

@ Max

"Ein Vergleich mit den 68ern finde ich komisch. Rechtssein als Pop-Kultur? Das kommt doch einer Kapitulation gleich.
Die Gesellschaft in diesem Land ist dekadent, während Deutschland den Superstar/Topmodell sucht und darin seine Lage vergisst, sollte uns eines klar werden: Rechtssein als Popkultur scheidet aus"

Stimmt natürlich: Die neue Rechte darf niemals als eine weitere dekadente Modeerscheinung definiert werden. Dann würde sie sich selbst verraten. Es geht hier um einen neuen Stil, eine neue Haltung. Der kann sich im Denken äußern, wie auch in der Kunst oder Literatur. Es beginnt als eine große Verweigerung: weiter mitzumachen bei dem Tanz um Geld, Konsumstile, Warenfetische, Medienhypes. Verweigerung, weiter Lügen der "politischen Klasse" zu bestätigen, Widerstand gegen all ihre Zumutungen und Betrugsversuche.
Dagegen so zu werden wie Frank Lissons "Homo absolutus": ein Losgelöster, der seine Souveränität vom System zurück verlangt und sie auch -erlangt.
Es könnte eine nonkonformistische Avantgarde entstehen, als geistig-moralische Elite in einem untergehenden Alt-System. Diese Avantgarde würde eine neue Ästhetik schaffen, die an Expressives, Futuristisches oder Neo-Klassizistisches anknüpft im Rückgang auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, vielleicht bewusst anti-modern wäre, archaisch, neo-mythologisch. Es gibt heute schon viele Ansätze, die sich vereinen liessen (Mittelalter- und Antike-Nostalgie, Neuheidnisches, Historismus, Expressionismus bis hin zum Magischen Realismus). Und das ist mehr als Pop-Kultur, es ist eine neue geistige Strömung, die sich auch als Popkultur-Phänomen manifestieren würde.

Philipp
20. März 2009 03:34

Was den Rechten zu tun bleibt? Apoliteia! Stark sein in einer schwachen, weichen, amorphen Welt. So schafft man es die richtigen Leute anzuziehen.

Das ist doch leerer Pathos, Durchhalteparolen.

Die Gesellschaft in diesem Land ist dekadent, während Deutschland den Superstar/Topmodell sucht und darin seine Lage vergisst, sollte uns eines klar werden: Rechtssein als Popkultur scheidet aus.

Dafür muss er schon selbst aufstehen. Oder wollen wir, dass in 20 Jahren irgendwelche Hip-Hopper mit Stauffenberg-Shirt auf der Bühne stehen? Nur weil es gerade „trendy“ ist?

Völlig falsch verstanden. Es geht um ein popkulturelles Moment, um die Vermittlung eines Lifestyle und nicht um Hip-Hop, DSDS etc. Es geht darum dem ganzen etwas neues zu geben und nicht im Dunstkreis des Adenauer-Miefs zu agieren.

M.
20. März 2009 09:26

Ich möchte ein Zitat von Hans Zehrer in die Debatte einbringen. Zehrer sagte:

Der Mensch befindet sich heute, sofern er ein aktiver, lebendiger Mensch ist, rechts oder links. Die Gemeinsamkeit des konservativen Menschen, der seiner Natur, seinem Blut und seinem Charakter nach das heutige System nie anerkennen konnte, mit dem neuen Menschen auf der Linken, den das heutige System durchwalkte und ausspie, ist größer, - beide sind sich näher, als sie ahnen. Der Weg der Zukunft führt dahin, diesen Menschen rechts mit dem Menschen links zusammenzuführen und umgekehrt, und aus beiden eine neue Volksgemeinschaft zu schaffen unter dem Mythos einer neuen Nation.

Die Glücklichen
20. März 2009 10:06

Daß trotz der scheinbaren Ruhe etwas nicht stimmen konnte, wußte jedermann. Jedermann spürte den Betrug, und jedermann scheute sich, ihn aufzudecken. Denn sobald die Decke gelüftet war und die Ordnung erschüttert, mußte ja das andere hervorbrechen, das Unbekannte, das Gefährdende, das, von dessen eruptiver Gewalt nur schaudernde Ahnung in den Gemütern der Menschen lebte.
Und doch war da etwas, das entschiedener leben wollte. Unter der Oberfläche kräuselte sich der Rand einer Bruchstelle, es stieg der Spiegel eines neuen Inhalts in die alte Form. Viele waren heimatlos, und viele fühlten sich ohne Maßstäbe noch, und viele waren bereit, zu erkennen, daß neue Tugenden auf neuen Ebenen wachsen müssen und daß die tiefsten Wünsche nicht mehr im bloßen Fortschritt reifen konnten.

Jan P.
20. März 2009 12:31

M.:
Hans Zehrer stellte dies doch in einer ganz anderen Zeit fest.
Der damalige, revolutionäre "linke" Mensch ist mE keineswegs vergleichbar mit seinem Pendant der Jetztzeit. Diverse radikale Linke haben zumindest offiziell nach "nationaler und sozialer Befreiung" (Thälmann, Scheringer) gestrebt, waren tlw. selbst Frontsoldaten, erlebten den Geist des Schützengrabens und kämpften gegen das Diktakt von Versailles - ergo, es waren ganz andere Menschen mit größtenteils anderen Normen und Lebenserfahrungen.
Und heute? Heute strebt die vaterlandslose Linke nach Multikulturalismus, Überwindung der (deutschen) Nation und sämtlicher Werte, die wir als Rechte vertreten!
Die 20er Jahre waren geprägt von der Suche nach etwas neuem für Deutschland, "Querfront-Bestrebungen" fielen in einer stark radikalisierten politischen Landschaft daher leichter als heute und doch blieben sie erfolglos. Auch Hans Zehrer, sein Tat-Kreis und alle andern NR-Splittergruppen blieben marginalisierte Randgruppen der beiden Extreme.
Randgruppe sind wir genug, daher brauchen wir auch nicht erfolglos um linke Randgruppen zu werben, die mit uns nichts oder wenig gemein haben.

Philipp:
So ist es, wobei es ein denkbar schmaler Grat werden wird zwischen "popkulturellen Moment" und der Adaption bundesdeutscher "Lifestyle"-Elemente.
Ich befürchte auch, dass dies von uns nicht geplant werden kann. "Popkultur" oder einfacher ausgedrückt, eine neue rechte Avantgarde oder Kulturbewegung wird entstehen oder nicht, an uns liegt es die Anstöße zu liefern.

M.
20. März 2009 13:04

Jan P. schrieb:

Hans Zehrer stellte dies doch in einer ganz anderen Zeit fest. Der damalige, revolutionäre „linke“ Mensch ist mE keineswegs vergleichbar mit seinem Pendant der Jetztzeit. [...] Heute strebt die vaterlandslose Linke nach Multikulturalismus, Überwindung der (deutschen) Nation und sämtlicher Werte, die wir als Rechte vertreten!

Tatsächlich? Ein Zitat des linken Publizisten Jürgen Elsässer (Gründer der Volksinitiative zur Entmachtung des internationalen Finanzkapitals):

Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz-IV gesetzt werden und sich keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.

Jan P.
20. März 2009 13:19

M.:
Richtig, der ex-Antideutsche Elässer und Werner Pirker stellen ansatzweise positive Ausnahmen dar.
Vielleicht solltest Du aber auch erwähnen, wie sehr Elsässer in der dezidiert heimatlosen Linken gemieden, ausgegrenzt und diffamiert wird.
Erinnert mich auf gewisse Art und Weise an das linksnationale "Fahnenträger"-Umfeld im sog. "nationalen Widerstand". Deren wenige Protagonisten stellen auch Ausnahmepositionen dar und haben doch weder Einfluss innerhalb dieser "Bewegung", noch verfügen sie über eine (breite) Basis.

Die Glücklichen
20. März 2009 13:20

Zumal eine Querfront – blöder Begriff eigentlich, denn ich sehe links keine Front und rechts verdient`s diesen Namen noch nicht – ja nur eine zeitliche, oft dazu nur lokale Grundlage haben kann, also mithin überhaupt kein erstrebenswerter Zustand, sondern bestenfalls immer nur ein glücklicher Umstand ist.

Aber darum ging`s ja hier auch nicht, sondern um die Frage: Wie weiter? Ist das denn so schwer? Die Waffen sind doch in diesem Umfeld hier geschliffen auf den Tisch gepackt worden, nun muß man sich trauen, sie auch konsequent einzusetzen. Ich meine schaut Euch doch an, mit was für Lappalien man die Damen und Herren, die was zu sagen haben, schon provozieren kann. Da geht einer für grobe und völlig abgedrehte Äußerungen, aber doch immerhin nur Äußerungen, für knapp 12 Jahre ins Gefängnis. Wie in China. Da verlieren Leute ihre Existenzgrundlagen, weil sie die falsche Zeitung lesen. Von den großen Schweinereien in Berlin ganz zu schweigen. Und auf der anderen Seite wartet ein selbstgefälliger Gutmenschen-Apparat wie eine zum Bersten gedunsene Leberwurst darauf, daß jemand – Gott hab` Erbarmen! – endlich hineinsticht.
Und die, die das könnten, reden über die Möglichkeiten, die an ihnen vorbeiziehen.

Marco Reese
20. März 2009 16:53

Der Aufstieg der Rechten wird sich wohl nicht auf so sehr ähnliche Weise vollziehen. Genauso gibt es ja auch Leute, die meinen, man müsse sich die NS-Bewegung vor 1933 zum Vorbild nehmen, wenigstens methodisch. Aber es handelt sich doch stets um andere Zeithintergründe, die bedacht werden müssen, und man will auch meinen, nach bestimmten Erfahrungen ein wenig klüger zu sein, auch wenn sich ganz neue Probleme auftun. Die aber können eben mit derlei Vergleichen nicht behoben werden.

Die Linke rannte letztendlich um 1968 bereits geöffnete Türen ein, Viele derer, die noch davor standen, zogen sich zurück oder liefen weg.

Heute mag man sich wundern, wieso die Türen noch geschlossen sind, aber sie sind es, zugekleistert mit einer Creme aus linken Pseudotabus aus der modernen Mottenkiste von 1789, welcher Auschwitz-Salbe beigegeben wurde.

Harry
20. März 2009 18:35

Jede Popkultur, jeder Tabubruch, jedes Ereignis bedarf medialer und gesellschaftlicher Resonanz, sowie kultureller und gesellschaftlicher Akzeptanz. Fehlt diese - und hat man dazu noch historischen Gegenwind - sollte man weniger an den Erfolg "der 68er" als an den Misserfolg der trotzkistischen Kleingruppen denken. Wenn die Neue Linke und/oder die 68er in dem Zustand der heutigen (neuen) Rechten gewesen wären mit den heute zu überwindenden Widerständen, hätte sich dann wirklich ein ähnlicher Erfolg eingestellt? Marco Reeses zugekleisterte Türen sind wohl das richtige Bild für die tatsächliche Situation.

Ich fühle mich auch etwas unwohl, wenn ich die Grundsatzdebatten (Popkultur ja/nein) und die großen Pläne zum gesellschaftlichen Umsturz lese. Konkretes gefällt mir besser (KSA, Roidls Aufkleber, Optik von Politikern, public Wagner viewing etc). Niemand weiß was die Zukunft bringt, aber jeder könnte etwas für eine rechte Zukunft tun, also warum nicht lieber einfach einmal einen ersten Schritt wagen als den ganzen Weg vorab zu planen? (Silencium, oh Du mein schlechtes Gewisses).

Wenn man auf das Gesamtphänomen 68 blickt, ist m. E. vor allem ein Blick in deren Waffenkammer interessant. Ich denke da an die Türöffner Demokratisierung, Pluralismus, Emanzipation, herrschaftsfreier Diskurs, Erneuerung usw. die als Schlagworte und als Instrumente für Machtgewinn gedient haben (und die letztlich dazu dienten, alles Rechte von der Schalthebeln zu entfernen). Dazu den Willen zur Veränderung und zu Experimenten. Und die - nach mühevoller theoretischer Vorarbeit - gelungene Erneuerung des linken Denkens.

Max
20. März 2009 23:14

Im modernen Sinne, etwa in der Soziologie und den Cultural Studies, bezeichnet Populärkultur gesamtgesellschaftliche Phänomene, die nahezu alle kulturellen Sparten umfassen. Populärkultur unterscheidet durch ihren „populären“, also volkstümlichen oder auch proletarischen Charakter von der sogenannten Hochkultur. Beispiele für Populärkultur sind Sport, Massenmedien, Trivialliteratur und Popmusik. Populärkultur kann aus Subkultur entstehen, die sich vom Vorherrschenden oder Elitären unterscheidet. Oft wird Subkultur zur Mode und damit zum Mainstream. (Zitat Wikipedia)

@ Philipp: Entschuldigung, aber ich denke nicht, dass ich etwas falsch verstanden habe.

@ Venator: Mich stört nur der Begriff "PopKultur" Was du beschreibst ist natürlich positiv zu sehen. Ich stimme auch damit überein, das Ästhetik wichtig ist. Auf diese Weise kann man sich auch von unerfreulichen Erscheinungen wie der NPD etc. distanzieren mit denen man sonst in einen Topf geschmissen oder verwechselt wird. Aber über Ästhetik wird eben noch keine Weltanschauung transportiert. Darum geht es aber doch.

Eine "konservative" Ästhetik (was auch immer das ist) lässt sich sogar sehr gut "vermarkten". Doch warum übernimmt jemand diesen "Lifestyle"? Gerade in Subkulturen (übrigens auch ein Merkmal einer modernen, liberalen Gesellschaft) geht es doch vielen (nicht allen) darum, einen Weg zu finden, die eigene Individualität auszudrücken. Die dafür gewählte Ästhetik ist dann eher das Mittel zum Zweck. (Lieber Venator, ich möchte hier wirklich nicht pauschalisieren, es gibt sicherlich viele Ausnahmen.) Man bedient sich der Maske der Konservativen um seine Individualität zu beweisen.

Unpolitische Studentenverbindungen sind doch das beste Beispiel: Man tritt gemeinsam als konservativ auf, der Einzelne bestreitet im persönlichen Gespräch jedoch alles und beschwört eigentlich liberal zu sein. In Wirklichkeit geht es nur darum gute Beziehungen für ein späteres Berufsleben aufzubauen.

Was ich sagen will: SO schafft man keine konservative Kultur. Man schafft lediglich eine neue Alternative in der liberalen "Baukastengesellschaft". Ein neues Accessoire mit dem man nach belieben seine "Andersartigkeit" ausdrücken kann. Im Kern unterscheiden sich diese Menschen aber nicht von der Masse. (Wie war das? "Rechts reden, links leben"?) Es fehlen die festen Bindungen, die festen Überzeugungen, eine Weltanschauung.

Eine Weltanschuung kann ich nur in persönlichen Beziehungen übertragen. Ich kann meine Kinder in diesem Geiste erziehen, ich kann Freunde einbeziehen und Netzwerke aufbauen. Das verstehe ich unter "Apoliteia". Sicherlich kann dazu eine gewisse Ästhetik gehören, aber sie ist zweitrangig.

Vielleicht sollte man aber auch erst einmal klären, was der Einzelne unter konservativ oder rechts sein versteht?

Venator
21. März 2009 15:00

@ Die Glücklichen:

Und auf der anderen Seite wartet ein selbstgefälliger Gutmenschen-Apparat wie eine zum Bersten gedunsene Leberwurst darauf, daß jemand – Gott hab` Erbarmen! – endlich hineinsticht.

Dieses Bild gefällt mir schon extrem! Die Leberwurst ist so aufgedunsen, weil sie von Verwesungsgasen aufgebläht ist. Wer hineinsticht, muss sich auf eine gehörige Schweinerei und viel Gestank gefasst machen.

Aber ernsthaft: Was bedeutet "Hineinstechen": Es kann erst einmal nur eine Politik der kleinen Nadelstiche, sein, gezielte Provokationen auf verschiedenen Ebenen: in freier Expression des Wortes, in unerhörten neuen Gedanken, im Aufbrechen politischer Korrektheit, im Nachweis von Lügen der Herrschenden und ihrer Medien, im Bloßstellen ihrer ideologischen Betrugsversuche, ihrer Manipulationen, ihrer Korruptheit, auch in der Revision von Verfälschungen der Geschichte. Mit einem Wort: Gegen-Öffentlichkeit schaffen, was ja zurzeit auch läuft im Internet.

Corvusacerbus
21. März 2009 17:26

Natürlich macht es Spaß und ist, wenn man selber in dem Behufe einen Sinn erkennen kann, auch sinnvoll, Epochen und Zeiten miteinander zu vergleichen ("was wäre bzw. würde..., wenn" ist immer faszinierend). Aber wenn wir einmal dabei sind, sollten wir uns nicht lange mit 68 und den entsprechenden Überbauphänomenen der Ideologie und Kultur aufhalten und in Gedanken den Marsch durch die staatlichen Institutionen antreten (oder sind hier nur Leute bloggend unterwegs, die es nicht nötig haben, deren Stellen anzutreten?), sondern auf die späten Jahre der Weimarer Republik schauen. Warum? Weil die Finanz- und Wirtschaftskrise das so nahelegt. Es geht ums Ganze und damit ist zuerst das Geld gemeint. M hat oben geschrieben, es sei "Schrott im Nennwert von 863 Billionen (!!!) im Umlauf, der durch nichts gedeckt ist (Quelle: Bank für internationalen Zahlungsausgleich)". Ohne auf die eine oder andere Billionen zu guchen und eingedenk der Tatsache, daß die Fed in den USA Staatsanleihen aufkauft und es nicht lange dauern wird, bis sie das Geld druckt und jedem Verbraucher einen Scheck schickt, mache sich niemand vor, es ginge ohne politische und soziale Verwerfungen ab (ich benutze mal einen dieser chicken Euphemismen. die jetzt schon in der Mainstreampresse für Aufstände benutzt werden), wenn Dollar- und Euroraum ihre Währungen verlören. Diese neue Währungsreform wäre keine des Aufbruchs in eine neue Zeit (weder Hüben noch Drüben), sondern eine der Sehnsucht nach einer guten alten Zeit, also so eine Art global grundstürzender konservativ-subversiver Aktion. Ob wir mit unserem deutsch-europäischen Lebensstil in der Lage sein werden, das Abendland wieder auf die Beine zu bringen, wird man sehen. Sichert Eure Sachwerte für jene Zeit, lebt und lest gut und klar in dieser, mehr kann man jetzt nicht machen, denn gegen den Inflations-/Deflations-Tsunami ist kein Kraut gewachsen. Es wird zur Sache gehen, denn all die tumben Klein- und Dummbürger, denen alles egal ist, solange die Kohle stimmt, werden nicht stillhalten, wenn die ihnen genommen wird. Dann geht die Post ab.

nico
21. März 2009 18:53

Kurze Frage: Meint ihr deutsche Billionen oder angelsächsiche?

Irma
21. März 2009 19:34

Jetzt das Ganze von rechts? Schnellroda!

Irma
21. März 2009 19:46

die sog. 'auslösenden' Momente in der Welt-, will sagen Geschichte des Abendlandes, waren immer konspirativ und mit Geld vorbereitet und ausgeführt worden. Das garantiert keinen Erfolg auf lange Sicht. Die Konservativen sind kurzfristig erfolglos, geduldig, Langstreckenläufer; sie denken und handeln in Generationen, nicht im Tagesgeschehen. Die Konservativen sind keine Illuminaten und haben keine Banken im Hintergrund. Hätten sie es, wären sie furchtbarer als die Revolutionen, Aktionen von links zur Weltveränderung.

Irma
21. März 2009 20:27

Sind es die Menschen der orientalischen Welt (versteh' ich mal pauschal als Sammelbegriff) wirklich diejenigen, die die Welt in Irritation, Fragwürdigkeit, Ratlosigkeit, Konfusion stürzen bzw. stürzen wollen? Sie zeigen, wer, was und wo sie sind. Sie zeigen sich außergewöhnlich deutlich, kämpferisch, sie verstecken sich nur, um sich zu zeigen. Und was machen wir? Wir reagieren gegen ihre Konzepte, Konzeptionen vage, nebulös, hilflos. Sie nutzen die toleranten (geduldeten) Freiräume. Warum auch nicht, wenn es zugelassen, ja angeboten wird?
Anders die, ich sag es mal ganz allgemein, die das Sagen in der Finanzwelt haben. Sie haben die Staaten mit ihren Bürgern seit dem 1. Weltkrieg beinahe weltweit schon dreimal ins Verderben geschickt: 1923. 1928/1929, und jetzt wieder, von Krediten für welche Kriegspartei auch immer, ganz zu schweigen. Ihnen beizukommen ist schwer, verstehen sich doch große Teile von ihnen nicht nur wirklich als konservativ, sondern benutzen diese Basis´, um mit viel Geld viel Einfluss zu nehmen, auf wen und was auch immer. Vielleicht sollte man sich wirklich damit anfreunden, Parallelgesellschaften, Selbstverwaltung, Autonomie zu gestatten (Duldung muss zum Ja oder Nein führen; da wir Deutschen zum Nein nicht fähig, willens sind, sollten wir 'Ja' sagen. Würde sich nicht recht bald zeigen, dass zu dem 'Mutterland' ein ncoh stärkeres Gefälle entsteht? Problemstadtviertel, Länder mit überproportionalem Ausländeranteil bestehen auch, weil sie überproportional gefördert werden. Lassen wir sie doch in Teilen unseres Landes machen, was sie für richtig halten, fällt die Untersützung, die Subvention, der Schutz und Schirm weg, werden sie zu sehen bekommen, dass ihnen nicht allein Allah, sondern der deutsche Staat mit ihren Bürgern großzügig beigestanden hat. ihr Leben lebenswert zu führen. Est dann werden sie wieder auf uns zukommen und 'danke sagen, du bist mein Freund'.

Friedrich
22. März 2009 09:13

Eine interessante Frage: wenn denn im Gefolge einer Krise alles zusammenbräche, Staat und Ordnung, Kapitalismus und soziale Marktwirtschaft, würden die Einwohner jenes dystopischen Landes in die Hände spucken und wiederaufbauen?
Da die wohl stärkste Kraft in Universum wie in der menschlichen Psyche die Trägheit ist, also das Beharren-Wollen im jeweils gegenwärtigen Zustand, ist die zweitstärkste wohl der Drang, in ihn zurückzukehren, ihn wiederherzustellen.
Es käme also darauf an, wer gesellschaftlich wie politisch jenem Zurückkehren die Richtung gäbe, die Einzelheiten bestimmte.

M.
22. März 2009 10:46

@nico: Gemeint sind deutsche Billionen:

The notional amounts outstanding of OTC derivatives continued to expand in the first half of 2008. Notional amounts of all types of OTC contracts stood at $863.0 trillion at the end of June, 21% higher than six months before

Quelle:Bank für Internationalen Zahlungsausgleich , S. 32.

M.
22. März 2009 12:11

Manuel Venator schrieb:

Ich weiß ja nicht, ob ich hier etwas verlinken kann, aber auf PI-News steht just heute ein guter Beitrag zum Thema...

O Gott, Politically Incorrect, Uncle Sams Speichellecker.

Wir sollten uns mal überlegen, was der deutschen Kultur mehr geschadet hat: 30 Jahre islamische Parallelgesellschaften oder 60 Jahre "Re-Education"?

1945 waren wir Wachs in ihren Händen, heute sind wir ihr williger Schatten geworden. Die Zivilisation, sagen sie, kann man nicht zurückschrauben. Nein? Nun, dann seht zu, wie ihr mit ihr fertig werdet, aber fragt mich nicht. […]
Was sollen wir tun? Zu spät! Die Welt ist hypnotisiert, die Lemminge rennen auf das Ende zu, sie sind nicht aufzuhalten.
Was sollen wir auch retten? Was denn? Was wollen wir bewahren? Unser Vaterland? Was ist das? Die Erde? Der Acker? Die Städte? Die Fabriken? Die Banken? Die Atommeiler? Die Supermärkte? Die Partei-Silos?
Was ist das Deutsche Vaterland?
Wo ist es hingekommen? Es war doch einmal da, wo ist es nur geblieben?
Was war es denn? Ach, meine verratenen Freunde, ich glaube, es war unsere Seele. Die ist es, die sie zerstört haben.
Die glücklichen anderen, die noch eine Seele haben dürfen. Wir nicht; denn Amerika hat keine. […]
Deshalb aus Liebe zudem, wonach wir hungern und was man kaputtgemacht hat, deshalb sage ich: Hasst! Die Liebe ist machtlos geworden.
Dort drüben, jenseits des Ozeans, steht der Schuldige!

--Joachim Fernau, Halleluja

Venator
22. März 2009 15:44

Nun gut, PI ist pro-amerikanisch, aber es vertritt ansonsten konservative Positionen. Schließlich gibt es auch in Amerika Konservative - und nicht zu wenig. Sicherlich wurde nach 45 ein westliches Politik-Modell übernommen, aber erst nachdem alle deutschen Modelle restlos gescheitert (widerlegt) waren und das kommunistische Modell für niemanden freiwillig in Frage kam.
Amerika ist unser stärkster Verbündeter im auf uns zukommenden kulturellen Weltkonflikt. Dass wir unsere Seele nicht finden können, ist allein unsere Schuld, wir werfen sie ja jeden Tag den Geiern zum Fraß vor. Es ist uns doch unbenommen, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen. Teilweise sind es ja Us-Amerikaner oder Franzosen, die uns an unsere Kultur erinnern und sie uns zurückbringen (Beispiele: Stauffenberg-Film, Nietzsche- und Jünger-Rezeption in Frankreich u. v. m.). Das Problem der Identitätsstörung und historischen Neurose liegt allein bei uns, es ist unredlich, den USA dafür eine Schuld zu geben.

Harry
22. März 2009 17:22

Buchempfehlung: Joseph Heath, Andrew Potter "Konsumrebellen - Der Mythos der Gegenkultur"

Die Autoren entzaubern darin den Mythos der linken Gegenkulturen, die beabsichtigen, "das System" zu stürzen, letztlich aber ebendieses stützen.

Damit wird die Frage aufgeworfen ob man a) sich absondert oder b) sich an den Zeitgeist anpasst und auch Moden etc nutzt.

b führt nicht dazu, "das System" zu stürzen. Aber dieses Konzept ermöglicht die Gewinnung der kulturellen Hegemonie und letztlich der politischen Meinungsführerschaft.

a führt bestenfalls zu elitärer (selbstbezogener) Absonderung, schlimmstenfalls zur Radikalisierung und zu Wahnvorstellungen (Verschwörungstheorien, Antiamerikanismus etc). Jedenfalls aber zur Bedeutungslosigkeit.

M.
22. März 2009 17:56

Venator schrieb:

Amerika ist unser stärkster Verbündeter im auf uns zukommenden kulturellen Weltkonflikt.

Der da wäre? Wie gesagt, für mich ist die globale Amerikanisierung die größte Gefahr für die restlichen Kulturen dieser Welt.

Teilweise sind es ja Us-Amerikaner oder Franzosen, die uns an unsere Kultur erinnern und sie uns zurückbringen (Beispiele: Stauffenberg-Film, Nietzsche- und Jünger-Rezeption in Frankreich u. v. m.).

Es trifft doch nicht zu, dass Stauffenberg vor dem Hollywood-Film kein Thema bei uns gewesen wäre. Die Stauffenberg-Verfilmung von 2004 (?) mit Sebastian Koch und Ulrich Tukur wurde sogar mit dem deutschen Filmpreis als bester Fernsehfilm ausgezeichnet. Der Film hatte acht Millionen Zuschauer.

Johannes
22. März 2009 17:59

Gerade habe ich die Vorankündigung der neuen Serie von KHW auf "Sezession im Netz" gelesen. Vielleicht können wir kalten Deutschen von den heißblütigen Südländern noch etwas lernen. Hauptsache, es handelt sich nicht gleich um die sizilianische Spielart.

Viele Grüße aus Jüngers Heliopolis-Vorlage: Genua . Die politischen Verhältnisse hier sind mitunter recht interessant, nicht allein weil es noch eine öffentlich agierende radikale Linke und eine radikale Rechte gibt.

John Doe
23. März 2009 09:50

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die "Gegenöffentlichkeit" als erstes Ziel formuliert. Die Strukturen sind vorhanden, man kann also anknüpfen. Dabei habe ich nochmals auf das konservative Minimum als Grundkonsens hingewiesen. Es ist schon etwas befremdlich, wie schnell sich immer und immer wieder in Details verloren wird und das Wesentliche dabei erschreckend schnell verblasst.

https://rechtskonservativ.blogspot.com/2009/03/angewandter-konservatismus-erste.html

Max
23. März 2009 10:57

@ Harry: Richtig! Es muss deshalb darum gehen integrierende Elemente zu födern (Familie, Berufsstände, Kirche, Regionale Wertesysteme etc.) Auf verschiedenen Stufen kann man das bis zu einer gemeinsamen europäischen Identität fortführen. Das macht eine Anbiederung an andere kulturelle Systeme überflüssig. Vielmehr wird dadurch eine gesunde Toleranz und Wertschätzung anderer kultureller Systeme gefördert.

Die Strategie funktioniert aber nur, wenn man bestimmte Bereiche des gesellschaftlichen Lebens der Globalisierung entzieht. Dies geschieht nicht durch die Schaffung einer avantgardistischen Ästhetik, sondern vielmehr durch eine "Erdung" der Gesellschaft: Jeder Mensch sollte sich wieder seiner Rolle in der Gesellschaft widmen können und sein Handeln am Gemeinwohl ausrichten können.

Meiner Meinung nach kann das nur geschehen, wenn man zu Dimensionen zurückkehrt, die näher am Menschen liegen und seinen Bedürfnissen eher entsprechen. Nur gemeinsame Werte und Problemlagen fördern solidarisches Handeln. Missverstandene Multikulturalität macht solches Handeln jedoch unmöglich.
Dies soll keine Absage an Gastfreundschaft und Toleranz sein, jedoch muss eine feststehende, unveränderliche Leitkultur vorhanden sein. (Dies dient doch gerade auch dem Schutz von Flüchtlingen. Wer etwa aus dem Iran flieht, will doch in seinem Exil nicht den selben Repressionen ausgesetzt sein.)

Es kann also nicht darum gehen "elitäre" oder "avantgardistische" Subkulturen zu bilden, sondern man muss sich an dem Menschen orientieren, an regionalen Besonderheiten etc. Diese Unterschiede müssen gefördert werden. Auf diese Art und Weise schafft man wieder gesunde Gemeinschaften, die miteinander agieren können. In meinen Augen die Grundlagen eines konservativen Weltbildes. Deshalb müssen wir auf den Ebenen der Gesellschaft ansetzen, die dem Menschen am nächsten sind. Das ist der Stadtteil oder die ländliche Kommune, die Handwerksinnung oder der regionale Berufsverband etc.

Mich wundert es eh, das ständig über den Islam oder den angelsächsischen Liberalismus geredet wird. Die Lösung liegt doch im Schoße unserer eigenen Kultur: Die katholische Sozialethik: Subsidiarität und Orientierung am Gemeinwohl. Das wäre eine Wiederbelebung der europäischen Kultur. Das gelingt auf keinen Fall durch einen gesellschaftlichen Umsturz, sondern durch tausend kleine Schritte. Provokation regt sicherlich die Menschen zum Denken an, jedoch kann sie auch verstören und auf diese Weise zu Isolation führen. Die Reizintensität muss sehr verantwortungsvoll dosiert werden. ;)

@Friedrich: Ich denke auch dass die derzeitige Krise nicht automatisch zu einem Werteumschwung zu unseren Gunsten führt.

juliusevola
24. März 2009 19:59

Typischer Fall:

Linksradikaler VHS - Chef hält an der VHS einen Vortrag zur "Globalisierung"

Freches und konsequentes Zwischenrufen, Widersprechen und Diskutieren mit Hintergrundwissen durch e i n e n Menschen - mich - bringt eine ganze Schulklasse zum Nachdenken und die Veranstaltung ins Wanken..

Es ist so einfach..Warum geschieht es so selten ?

Wenn wir es massenhaft tun, wird sich die effektivste Kraft herauskristallisieren..

M.
25. März 2009 10:33

juliusevola schrieb:

Linksradikaler VHS – Chef hält an der VHS einen Vortrag zur „Globalisierung“

Freches und konsequentes Zwischenrufen, Widersprechen und Diskutieren mit Hintergrundwissen durch e i n e n Menschen – mich – bringt eine ganze Schulklasse zum Nachdenken und die Veranstaltung ins Wanken..

Inwiefern gab es da einen Dissens? Lehnen nicht sowohl Linke als auch Rechte die Globalisierung ab?

Phil
27. April 2009 21:51

zu:

1. Das popkulturelle Moment (Musik, Mode, usf.).

Diesen Punkt kann man auf zwei verschiedene Weisen angehen. Einerseits könnte man versuchen, auf schon bestehende Trendpferde zu springen, um damit Leute zu überzeugen. Dieser Weg wird ja gerne in der Christlichen Szene begangen, so gibt es dann christlichen Metal, Reggae, Hip Hop, Rock, ja, sogar von christlichen Noise und christlichen Power Electronics hab ich schon gehört.
Aber wäre das ein richtiger Weg? Was macht man dann? Man versucht, einen Schuh, der einem anderen Fuß als dem eigenen gemaßschneidert wurde, anzuziehen. Das kann ziemlich in die hose gehen. Einerseits ist die Frage, ob sich jeder mit diesem Trend/dieser Subkultur identifizieren könnte, andererseits würde die Originalszene meiner Meinung nach nicht zu Unrecht das als Eindringen in ihr Hoheitsgebiet empfinden. Als drittes kann hinzukommen, daß man dann wie eine platte konservative Kopie des Originales klingt; ein Phänomen, unter dem ja auch diese ganzen christlichen Parallelkulturen leiden, weil ihnen dann die Botschaft bspw. wichtiger als die Musik ist.
Wenn ich jetzt schon dreimal das wort "christlich" gebrauche, kann ich hier passend den entsprechenden Namensgeber zitieren:
"Neuer Wein gehört in neue Schläuche".
Und hier kommen wir zu der zweiten Weise, wie man den Punkt betrachten kann. - Man müßte eine neue Kultur schaffen. Das geht nicht gekünstelt - es würde höchstwahrscheinlich sehr peinlich enden - und wäre eher ein langwieriger Prozeß. Der Vorteil wäre der klare Heimvorteil. Wenn eine neue Musikrichtung gut klingen würde und exklusiv konservative Ideen tragen würde - dann hätte man hier Meinungshoheit. Linke Trittbrettfahrer würden hier genauso auffallen wie anderorts konservative Punks. Es würde, wenn man eine eigene Kultur/Musik/Mode hätte, auch nie schal oder aufgesetzt wirken. Das Problem ist jedoch, daß man sowas nicht auf dem Reißbrett entwickeln kann.
Vielleicht braucht man das jedoch auch nicht. Neofolk erfreut sich, soweit ich mitbekomme, unter jugendlichen Konservativen durchaus einer gewissen Beliebtheit, dasselbe läßt sich über Klassik sagen, und so erfreuen sich gewisse Autoren wie Davila gewisser Beliebtheit. Vielleicht ist also schon eine Saat für ein solches Popkulturelles Moment da.

In dem Sinne schließe ich mit Return your Revolt into style.

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