Kein Kulturrelativismus!

In der FAZ von heute warnt die Soziologin Necla Kelek zwei Zeitungsspalten lang vor dem Kulturrelativismus der...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Jus­tiz­mi­nis­te­rin Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger. Sie bie­de­re sich den Mus­lim­ver­bän­den auf dop­pel­te Wei­se an:

Zum einen wie­der­ho­le sie den alten Zopf, daß alle Reli­gio­nen die­sel­ben uni­ver­sel­len Prin­zi­pi­en ver­trä­ten, und zwar unge­ach­tet ihrer insti­tu­tio­nel­len und somit geschicht­li­chen Ent­wick­lung. Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger igno­rie­re dadurch etwa die Tat­sa­che, daß der Islam bis­her nir­gend­wo bereit sei, Reli­gi­on und Poli­tik zu tren­nen: Die Poli­tik sei selbst nach gemä­ßig­ter isla­mi­scher Auf­fas­sung wei­ter­hin den Glau­bens­sät­zen unter­ge­ord­net. Das Chris­ten­tum hin­ge­gen habe im Ver­gleich dazu sei­ne Säku­la­ri­sie­rung längst hin­ter sich.

Der Kul­tur­re­la­ti­vis­mus wer­de, so Kelek, noch deut­li­cher, wo die Jus­tiz­mi­nis­te­rin den Ein­druck ver­mitt­le, “Grund­ge­setz und Scha­ria sei­nen nur unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, Recht zu spre­chen” (wobei Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger das “vor­ur­teils­be­la­de­ne” Wort Scha­ria kon­se­quent ver­mei­de). Es gibt da also kei­ne Wer­tung, kei­ne Ableh­nung einer den Deut­schen wesens­frem­den und ihrem geschicht­li­chen Weg nicht ange­mes­se­nen Reli­gi­on und reli­giö­sen Pra­xis und Rechts­spre­chung: Statt­des­sen Rela­ti­vie­rung als Aus­druck einer  — Kapi­tu­la­ti­on vor der Macht des Fak­ti­schen? Oder als Aus­fluß einer tie­fen inne­ren Ableh­nung des Eige­nen, des So-Seins? Einer Hoff­nung auf Befrei­ung vom Wir?

Josch­ka Fischer hat sol­ches in sei­nem Buch Risi­ko Deutsch­land ja schon vor zehn Jah­ren pro­gram­ma­tisch auf den Punkt gebracht: Deutsch­land müs­se von außen ein­ge­hegt und von innen durch Zustrom hete­ro­ge­ni­siert, qua­si “ver­dünnt” wer­den. Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­gers Kul­tur­re­la­ti­vis­mus ist – nach der bereits erfolg­ten Bevöl­ke­rungs­he­te­ro­ge­ni­sie­rung – ein Mei­len­stein auf dem Weg einer Rechts- und Institutionenheterogenisierung.

Das ist ein Angriff auf so ziem­lich das letz­te, was noch “Mark in den Kno­chen” hat: Wo wir näm­lich der Wil­lens- und Schick­sals­ge­mein­schaft schon seit lan­gem ent­beh­ren, haben wir doch noch eine Rechts­ge­mein­schaft. Das ist eine Schwund­stu­fe zwar im Ver­gleich zu dem, was ein­mal war, aber es ist viel, wenn man sich die Altern­ba­ti­ven aus­mal­te: uns nicht gemä­ßes Recht.

Im Zusam­men­hang mit Keleks Arti­kel in der heu­ti­gen FAZ sei auf das The­men­heft “Islam” der Sezes­si­on ver­wie­sen, es soll­te heu­te und mor­gen bei den Abon­nen­ten ein­tref­fen. Von Kul­tur­re­la­ti­vis­mus fin­det sich dar­in nicht viel, eini­ges aber vom Selbst­be­wußt­sein, mit dem man der eben­so reli­gi­ös wie insti­tu­tio­nell däm­mern­den Über­frem­dung ent­ge­gen­tre­ten kann.

Den Inhalt des Hef­tes kann man hier einsehen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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