Sezession
23. Februar 2011

Schlüsselwerke

Erik Lehnert

Unser Staatspolitisches Handbuch nimmt Gestalt an. Für den 1. Band hatte Karlheinz Weißmann die wichtigsten Leitbegriffe definiert, die man für ein konservatives Weltverständnis und im Meinungskampf gut brauchen kann. Nun ist der 2. Band erschienen. Mehr als dreißig Autoren haben mitgewirkt und stellen die Schlüsselwerke vor, die den Hintergrund eben dieses Weltverständnisses bilden.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Der Begriff Schlüsselwerke wird häufig für die „wichtigsten Bücher“ eines Fachgebiets, einer Epoche oder eines Autors verwendet, und zwar in dem Sinne, daß diese Bücher für den jeweiligen Bezugsrahmen etwas aufgeschlossen und erschlossen hätten. In dem Begriff „Schlüssel“ ist aber nicht nur das Pendant zum Schloß enthalten, sondern auch der „logische Schluß“, der an Vorhergehendes gedanklich anschließt.

In der Verhaltensforschung begegnet uns der Begriff „Schlüsselreiz“. Damit wird der Reiz bezeichnet, der eine bestimmte Reaktion auslöst oder in Gang hält. Die Bildsprache des Begriffs „Schlüsselreiz“ leitet sich von der Vorstellung ab, daß dieser Reiz wie ein Schlüssel in ein Schloß passe, das die Handlung sonst gleichsam blockiert. Ließe sich dieses Muster auf das Gebiet der politischen Bildung übertragen, befänden wir uns im Bereich der simplen Manipulation: Wir könnten für die jeweils gewünschte Reaktion den passenden Schlüssel präsentieren. Die Schlüsselwerke führen zwar das Wort Schlüssel im Titel und sind damit von der Überzeugung getragen, daß es eines Schlüssels bedürfe, um so etwas wie einen gewünschten Prozeß in Gang zu setzen. Jedoch wird damit keineswegs die simple Vorstellung geteilt, daß bereits die alleinige Kenntnis des Schlüssels genüge, um wieder Maß, Idee und Tradition zu garantieren.

Die Schlüsselwerke werden drei weitere mögliche Erwartungen nicht erfüllen: Sie haben keinen allgemeinbildenden Anspruch (sie setzen etwas voraus, dem sie die Richtung weisen können), sind kein Werklexikon der Politikwissenschaft (davon gibt es genug) und auch kein kommentiertes Schriftenverzeichnis der Konservativen Revolution. Die Konservative Revolution ist mit ihren wichtigsten Büchern vertreten, sei es Jüngers Arbeiter, Spanns Wahrer Staat, Jungs Herrschaft der Minderwertigen, Moeller-Brucks Drittes Reich oder Quabbes Tar a ri (und natürlich auch Mohlers Standardwerk über die Konservative Revolution). Die Zeitbezogenheit der meisten ihrer Werke ist beträchtlich, so daß sie heute nur noch ein rein antiquarisches Interesse befriedigen können. Die Schlüsselwerke haben jedoch einen anderen Anspruch: Der Band will, ganz im Sinne Nietzsches, dem Leben dienen.

Ein Werklexikon muß sich auf eine Auswahl beschränken. Im vorliegenden Fall sind 164 Werke von 133 Autoren versammelt. Ernst Jünger ist als einziger mit vier Werken vertreten, weil er wie kein anderer von seinem geistigen Formungsprozeß gültig Zeugnis abgelegt hat: vom Frontkämpfer über den Grenzgänger zwischen Politik und Poesie zum Visionär des totalen Arbeitsstaates und schließlich zum solitären Waldgänger. Jede dieser Positionen hat ihre Gültigkeit, und immerhin der Waldgang steht uns auch weiterhin offen. Die Schlüsselwerke beschränken sich auf theoretische Werke und haben selbst dort, wo es Ausnahmen gibt, solches im Blick: Die autobiographischen Schriften von Benn, Jünger, Salomon oder Schoeps verweisen eben nicht lediglich auf die Person des Autors, sondern machen exemplarisch eine Haltung im Strom der Zeit deutlich.

Die Auswahl der Schlüsselwerke reicht von Platons Staat bis zu Sarrazins Deutschland schafft sich ab, von Hannah Arendts Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft bis Rainer Zitelmanns Hitler, vom Abenteuerlichen Herzen Ernst Jüngers bis zur Zukunft des Krieges von Martin van Creveld. Die Klassiker finden sich in jedem Lexikon und in so manchem Werklexikon, so daß wir uns hier auf einige wenige beschränken konnten. Die vorchristliche Antike ist lediglich sechsmal vertreten, hinzu kommen für die Neuzeit vor der Französischen Revolution noch Machiavelli und Hobbes, die maßgeblichsten Einfluß auf das politische Denken bis heute ausüben. Der Schwerpunkt liegt auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Unserer Gegenwart haben sie alle etwas zu sagen. Deshalb schließen sie staatspolitisches Verständnis auf und versetzen den Leser in die Lage, sich anzuschließen.

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Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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