Sezession
15. Dezember 2015

Vorlesen – ein Leitfaden

Ellen Kositza / 30 Kommentare

In der Vorweihnachtszeit erreichen uns zahlreiche Bitten um Kinderbuchempfehlungen. Deshalb sei dieser ältere Sezession-Artikel, ergänzt um einige Bücher, an dieser Stelle hervorgeholt.

Ein halbes Jahrtausend nach Etablierung des Buchdrucks ist die Demokratisierung der »Kulturtechnik Lesen« vollendet. Deutschland ist nicht nur Land der Dichter und Denker und Bildungsexporteur geblieben: Es ist auch das Leseland. Allen modernen Medien zum Trotz hat sich die Wertschätzung des gedruckten Wortes bis heute erhalten:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Nirgendwo auf der Welt gibt es ein so vielfältiges, flächendeckendes Netz aus Buchhandlungen und Leihbibliotheken. Von den rund 100 000 Neuerscheinungen pro Jahr (die Zahl wächst stetig) ist zwar ein Gutteil kaum mehr als bedrucktes Papier aus den Druck-on-Demand-Pressen, aber daneben erfährt vor allem die Kinder- und Jugendbuchsparte, gemessen an der Zahl der Käufer, rasanten Zulauf. Über die Hälfte der Verkaufsschlager des vergangenen Jahrzehnts waren Titel aus diesem Segment, allein 2009 stieg der Umsatz an Kinder- und Jugendliteratur um deutlich mehr als 20 Prozent und auf über 72 Millionen Bücher – mehr Jugendbuch war nie.

Indes: Es sind zu großen Teilen Erwachsene, die Harry Potter und die Bis(s)-Romane kaufen und lesen.
Auch liest nicht jeder, bei dem man es vermuten möchte: Seit in den vergangenen Jahrzehnten die Quote der Schulabgänger mit Hochschulreife sprunghaft angestiegen ist (von elf Prozent 1979 auf rund 44 Prozent 2009), ist der Gymnasiast, in dessen Wohnung (elterliche Sphäre plus Kinderzimmer) sich kein Dutzend Bücher findet, keine Ausnahmeerscheinung. Die »Lesekompetenz«, zumal die durch PISA getestete, liegt im Argen. Sicher, es gibt solche Bildungskarrieren: Kinder, die in bücherlosen Haushalten aufwachsen und dennoch in der Schule oder gar später Geschmack finden am geschriebenen Wort. Das ist der Ausnahmefall und nur durch das Zusammentreffen günstigster Umstände möglich. Es gilt weiterhin, Kinder frühzeitig auf den Geschmack zu bringen. Warum, wann, wie und womit?

Warum lesen? Definitiv nicht zum Zwecke irgendeiner Wettbewerbsfähigkeit! Bildung und Karriere sind ohnehin keine Zwillinge; solide Berufswege als Arzt, Ingenieur oder selbst Soziologe sind ohne jegliche Affinität zur Belletristik möglich. Susanne Gaschke hat deshalb in ihrem empfehlenswerten Kinderbuchkanon (Hexe, Hobbits und Piraten. Die besten Bücher für Kinder, München: DVA 2002) ganz richtig das »begeisterte Verschlingen von guten Kinderbüchern (…) eine elementare Bedingung des Aufwachsens« genannt, »mindestens ebenso wichtig wie gesunde Ernährung oder Spiel und Bewegung«. Lesen ist Bildung, und Bildung – im humanistischen Sinne und eben nicht zweckorientiert verstanden – macht frei. Lesen fördert Kreativität, Intelligenz, Empathiefähigkeit, nicht zuletzt Widerspruchsgeist.

Wann und wie? Die meisten Schulen unterhalten eine kleine Leihbücherei, und ab der dritten Klasse wird den Kleinen oft die örtliche Bibliothek vorgestellt, die es hierzulande selbst in kleinsten Gemeinden gibt. 1880 gab es rund 1000 Leihbibliotheken in deutschen Landen, heute sind es rund 11 000 mit 350 000 registrierten Entleihungen jährlich. Wer die mangelnde finanzielle Ausstattung dieser Institutionen beklagt, jammert im Grunde auf hohem Niveau. Auch die winzige Dorfbücherei mit vielleicht tausend Büchern aus Spenden bietet probaten Lesestoff für ein paar Jahre. Allein: Mit acht, neun Jahren ist es reichlich spät, das Kind mit »Freund Buch« vertraut zu machen. Kleinkinder sind Nachmacher. Wer sein Zweijähriges mit einem falsch herum gehaltenen Buch auf dem Sofa vorfindet, darf sicher sein, daß die eigene Leselust vorbildlich gewirkt hat. Jüngst gab's im Kindergarten eine Auseinandersetzung: Die Eltern beklagten ein Übermaß an »freiem Spiel« von sieben bis siebzehn Uhr, es werde zu selten gebastelt und vorgelesen. Bildungsaufgaben seien Elternsache, beschied die Leiterin. »Wir arbeiten doch den ganzen Tag«, kam es zurück. Quality time lautete das Zauberwort, das entgegnet wurde: Auf »zehn, fünfzehn Minuten intensiver Beschäftigung pro Tag« käme es an! Was freilich bei weitem nicht ausreicht. Allein »zehn, fünfzehn Minuten« Vorlesen pro Abend wäre das Minimum, gern mehr. Joan Aiken schrieb einmal, wer nicht bereit sei, seinem Kind eine Stunde am Tag vorzulesen, verdiene es nicht, ein Kind zu haben. Ein hehrer Anspruch! Wer als Kleinkind die feste, wohl meist abendliche, konzentrierte Vorlese- oder Bilderbuchzeit schätzen gelernt hat, wird auch im späteren Schulalter ein dankbarer Zuhörer und Selbstleser sein.

Womit aber wecken wir die Leselust? Nein, es ist nicht gleichgültig, was und Hauptsache, daß gelesen wird! Diese Debatte ist alt. Bereits der große Bildungsoffensivler Melanchthon verdammte das maßlose Lesen: »Aus den besten Autoren wähle das Beste, sowohl was die Kenntnis der Natur als auch die Bildung der Persönlichkeit betrifft.« Noch zu Beginn der Aufklärung diskutierten Gelehrte ernsthaft, ob wahllose Lektüre Kinder und Frauen nicht in unzuträglicher Weise gefährde und zum Wahnsinn führen könne. Daß Alleinlesen die Einbildungskraft des Kindes unserer Kontrolle entzöge und die »Aufsässigkeit« fördere, erscheint uns heute als Argument fremd. Dennoch gilt, was Miriam Pressler (FAZ vom 11. Oktober 2010) anläßlich der Verleihung des Kinder- und Jugendliteraturpreises sagte, als sie vor den Inhalten und Ausdrucksformen der Groschenhefte warnte, die sich immer stärker in Büchern fänden: »Mit jedem trivialen Buch, das gelesen wird, wird ein literarisches nicht gelesen.«

Apropos Pressler: In meiner Jugend habe ich von ihr verfaßte oder übersetzte Bücher körbeweise gelesen, was auch daran gelegen haben mag, daß in der Stadtbücherei ein Überangebot an Problem- und NS-Bewältigungsliteratur herrschte. Meine Kinder mögen solche Bücher nicht besonders. Geschmack ist dabei keine reine Erziehungssache, sondern auch temperamentabhängig. Die Pettersson & Findus-Geschichten etwa ließen sich alle Kinder gern vorlesen, mir hingegen war der Alte zu trottelig und die Katze zu keck. Unterschiedlich ist auch die altersmäßige Ansprechbarkeit, die nicht allein auf intellektueller Reife gründet, weshalb viele Verlage auf Altersempfehlungen verzichten. Ich hatte eine Siebenjährige, die den Räuber Hotzenplotz nicht aushielt und sich mit zehn vor Wolkows Zauberer der Smaragdenstadt so gruselte, daß sie nicht weiter mitlesen wollte. Bei mehreren Kindern in unterschiedlichen Altersstufen birgt die Wahl einer altersgerechten Lektüre ohnehin ein gewisses Problem – man wird kaum drei oder mehreren Kindern eine je separate Lesehalbstunde bieten können.

Bei uns läuft das Vorlesen normalerweise so: Im Alter bis etwa vier wird dem je jüngsten eine exklusive Abendlektüre gewidmet, ein schönes, reich illustriertes Buch oder zwei, drei Pixi-Bücher, von denen sich mittlerweile im Haushalt rund 150 angesammelt haben. Auch hier darf man Spreu von Weizen scheiden: Pixis wie die Öko-Geschichte Viktor baut eine Brücke oder das sozialkritische Die kleine Watschelente sind im Haushalt gewiß hundertemal vorgelesen worden, andere wie Anna und der Weihnachtsbaum mit einem Vollidioten als Vater wanderten durchaus in den Ofen. Ab dem mittleren Kindergartenalter – wenn sie ruhig dabeisitzen mögen – halten die Kleineren bei der Lektüre für die Großen mit. Da macht es nicht viel, wenn das Vorgelesene im Kern mal nicht nachvollzogen wird. Manches Buch kommt einem Kind somit im Laufe der Jahre durchaus dreimal zu Ohren: Wer James Krüss’ Timm Thaler einmal mit sechs, dann mit acht und schließlich mit elf Jahren hört, wird sich stets neue Bedeutungsschichten erschließen – ohne sich je zu langweilen. Damit auch die Älteren zu ihrem Recht kommen, wird gelegentlich zu »Großen«-Lektüre gegriffen, Gertrud le Forts Das Gericht des Meeres oder Storms Schimmelreiter nehmen dann durch erklärende Zwischenschübe etwas mehr Abende in Anspruch, und die Jüngeren dürfen dabei ein Bild malen.

Man achte auf die Ausstattung der Bücher! Auch für Kinder, die aus dem frühen Bilderbuchalter längst heraus sind, spielen Illustrationen eine große Rolle. Nicht weniger als ein Abgrund liegt zwischen einer gestutzten, ästhetisch fragwürdigen Walt-Disney-Ausgabe von Rudyard Kiplings Dschungelbuch und einer angemessenen Edition des gleichen Werks. Bei Werken, die über mehrere Jahrzehnte in immer neuen Auflagen erscheinen, knickt die Titelgestaltung gern vor dem jeweiligen Zeitgeist ein. Die Abbildung hält unweigerlich Einzug in die Imagination des Lesers oder Zuhörers. Es ist nicht ganz unbedeutsam, ob er sich Martha Schlinkerts Wildfang Bummi (1957 ff.) bezopft in Lederhosen oder mit einer dauerwellenähnlichen Frisur und Jeans vorstellt.

Natürlich sind folgende Literaturempfehlungen eine sehr eingeschränkte, strikt subjektive Auswahl. »Grottenkomische« Geschichten etwa oder groteske Illustrationen haben auch unter geschmackssicheren Kindern und Kritikern Freunde und mögen künstlerische Qualitäten für sich beanspruchen. Hier fehlen sie; ebenso wie weithin bekannte Klassiker von Weltrang. Natürlich gehören gerade sie in jeden familiären Bücherschrank, und zwar in die erste Reihe: Alles (vor)lesen kann man von Otfried Preußler, Astrid Lindgren, Elsa Beskow, Michael Ende, Erich Kästner – diese fünf füllen leicht anderthalb Regalmeter.

Auch die Mädchenbuchreihen Trotzkopf von Emmy Rhoden (ab 1885) und Else Urys Nesthäkchen (1913–25) halte ich trotz ihres entlegenen Zeitkolorits für lesenswerte Lektüre, gleiches gilt für die älteren Die drei Fragezeichen und Oliver Hassencamps Jungenbuchreihe um das Internat auf Burg Schreckenstein. Andere ebenso leicht »wegzulesende« Folgen wie die alten Pucki-Bände, TKKG und erst recht die aktuellen Freche Mädchen, freche Bücher-Reihen sind hingegen von vernachlässigenswerter Qualität. Von Enid Blyton reiche man eher die psychologisch ausgefeilteren Dolly-Bände statt Hanni und Nanni, die Fünf Freunde lieber als die variantenarme Reihe Geheimnis um … – und natürlich keinesfalls die genderkonformen Neuauflagen!
Daniel Defoes Robinson Crusoe, Frances Burnetts Der kleine Lord, Johanna Spyris Heidi, Selma Lagerlöfs Nils Holgerson und Robert Stevensons Die Schatzinsel stammen schon aus dem Kanon der Weltliteratur, nicht zu vergessen Waldemar Bonsels Die Biene Maja (bei DVA ist 2007 eine ästhetisch ansprechende Ausgabe erschienen, die nicht vergessen läßt, daß Maja schon seit 100 Jahren fliegt!). Von J.R.R. Tolkien wähle man Der kleine Hobbit, von Henry Winterfield die Caius-Romane, und zum Grundbestand gehören natürlich auch die Märchen von Wilhelm Hauff, H. C. Andersen und den Brüdern Grimm.
Einige Bücher, die ich im Folgenden zum Kanon der Kinderbuchklassiker rechnen möchte, sind regulär nicht mehr lieferbar. Ich habe nur solche aufgenommen, die ich auf Anhieb im Gebrauchtmarkt fand. Auf Altersangaben habe ich verzichtet und nenne sie nur ungefähr dem Altershorizont nach, beginnend mit zwei Jahren, endend mit dem frühen Jugendalter um 12, 13 Jahren:

Eva-Maria Ott-Heidmann: Frühling; Sommer; Herbst; Winter, Urachhaus 2009.
Die vier quadratischen, äußerst stabilen Pappbilderbücher (Einzelausgaben) kommen ohne Worte aus. »Dramatische« Szenen wie bei Ali Mitgutsch fehlen hier, Ott-Heidmanns ruhige, warme Illustrationen bestechen und lassen viel Raum: einfach zum Beschreiben oder fürs erzählerische Ausmalen jahreszeitliche Ereignisse: Wie die Laternen beim St.-Martinszug leuchten! Was singen die Kinder wohl? Kahl und klirrend stehen die Bäume im Winter, und leuchten die Blumen auf der Sommerwiese nicht direkt? Welche ist die schönste? Das ist Poesie in Bildern, und noch beim x-ten »Vorlesen« eröffnen sich neue Facetten.

Eva Strittmatter: Brüderchen Vierbein, Kinderbuchverlag Berlin, 2009.
Ein gereimter DDR-Kinderbuchklassiker von 1958 aus der Feder von Erwin Strittmatters Frau, gewohnt hübsch illustriert von Ingeborg Meyer-Rey: Wenn man sich von ganzem Herzen etwas wünscht, kann es in Erfüllung gehen. Das kleine Mädchen hier wünscht sich so sehr ein »Lebelein«, ein »Zweigebein« oder ein »Viergebein «, damit es tags, wenn die Mutter arbeitet, nicht so einsam ist. Das Mädchen bekommt, was es sich wünscht – und verliert es wieder. Bis ein Allerliebstes kommt, das nicht mehr geht: ein Brüderlein.

Ali Mitgutsch: Rundherum in meiner Stadt, Ravensburger, 2007.
Dieser Titel (Jugendliteraturpreis 1969) steht stellvertretend für alle »Wimmelbücher« von Mitgutsch, der gewissermaßen die »Wimmelbilder « eines Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel d.Ä. popularisierte. Als die taz dieses Jahr Alfons Mitgutsch zu dessen 75. Geburtstag würdigte, wurde kritisch angemerkt, daß Kinder durch das allzu wilde Gewimmel auf den Pappseiten »erschlagen« werden könnten – was mit Sicherheit nur für die allerkleinsten, noch sprachlosen Betrachter zutrifft. In jedem Zeichentrickfilm geht es hektischer zu, bei Mitgutschs Wimmelbüchern hingegen können Kindergartenkinder durchaus eine Viertelstunde auf einer der mit unnachahmlichem Pinsel illustrierten Doppelseite verweilen. Was gibt es da alles zu entdecken an Ereignissen und Interaktionen! Die Keckheit, mit der hier ein frecher Kerl dem Meckerfritzen ungesehen die Zunge herausstreckt, wie eine Kinderbande den dicken Spaziergänger neckt, ist um vieles liebenswürdiger als die politisch hochkorrekten Darstellungen moderner Zeichner, die auf Mitgutschs Spuren wandeln, aber in ihren Szenen krampfhaft jede Hautfarbe, jede Behinderung und jede Form zwischenmenschlicher Liebe unterzubringen trachten.

Hans Limmer/ Lennart Osbeck: Mein Esel Benjamin, Sauerländer 2008.
Ob die Anti-Märchenwelle der siebziger Jahre und die damalige Mode der realistischen Bilderbücher mit Schwarzweiß-Photographien in einem Atemzug zu nennen sind? Dieses hier – die Geschichte der kleinen Susi, die mit ihrer Familie auf eine Insel im Mittelmeer ausgewandert ist und dort Abenteuer mit einem herrenlosen Eselfohlen erlebt – hat die Mode überdauert und erscheint seit 1968 in immer neuen Auflagen. »Früher haben wir in einer großen Stadt gewohnt. Dort gab es nur Autos und Straßenbahnen und Hochhäuser. Aber keine Schmetterlinge und keine bunten Steine und keine Schlangen und keine Fischerboote. Und keine Esel.«

Leo Lionni: Frederick, Beltz, 2010.
Die Geschichte ähnelt der vielleicht noch bekannteren Fabel von Grille und Maulwurf: Alle Mäuse helfen bei der Ernte – der Plünderung der Kornscheune – nur Frederick nicht. Der sammelt Bilder und Sonnenstrahlen. Ein Schwätzer!, denken seine fleißigen Artgenossen und sind ihm bös. Eigentlich zu recht! Doch als es kalt und karg wird, wärmt Frederick sie mit Gedichten. Ein Lob auf den kunstsinnigen Nichtsnutz!

Julia Donaldson/Axel Scheffler: Superwurm, Beltz & Gelberg, 2015.
Wie gesagt, besonders angesagten superwitzigen Büchern kann ich notorisch wenig abgewinnen. Superwurm ist eine glatte Ausnahme. "Dieser Wurm mit Superkraft/ ist ein Held, der alles schafft." Mich jedenfalls, ich kann ihn komplett auswendig, und zwar gern. Superwurm kann alles, hilft allen, trifft auf große Solidarität, und am Ende müssen die Bösen schmoren. Mehr Superwürmer!

Elizabeth Shaw: Der kleine Angsthase, Beltz, 2010
Das erstmals 1963 erschienene Buch der gebürtigen Irin Shaw (gestorben 1992) kannte jeder in der DDR. Den kleinen Angsthasen erkennt man an seinen zittrigen Barthaaren. Weil ihn seine Oma warnt, daß überall Gefahren lauerten, meidet er die »großen Jungs« (»Sie könnten dir wehtun!«) und spielt lieber mit dem Babyhasen Ulli. Bis es wirklich gefährlich wird: Der Fuchs bricht ins Hasendorf, und alle flüchten in ihre Häuser. Bis auf den Angsthasen – er kann Ulli ja nicht alleinlassen! In einer tollkühnen Aktion besiegt und verjagt der Angsthase den Fuchs – und ist kein Angsthase mehr! Eine Geschichte über Mut und, ja, Zivilcourage!

Oscar Wilde/Lisbeth Zwerger: Der selbstsüchtige Riese, Neugebauer Verlag 1994.
Sämtliche von der vielfach preisgekürten österreichische Kinderbuchillustratorin gezeichneten Bücher sind hervorragend, im selben Verlag sind auch Schwanensee und E.T.A. Hoffmanns Nußknacker und Mausekönig erschienen. In Oscar Wildes Märchen spielen die Kinder so gern in dem verwilderten Garten – bis der Eigentümer, ein »Riese«, nach Jahren zurückkehrt und die Kinder vertreibt. Nun steht der Garten kahl, nichts will mehr blühen und gedeihen. Der Moment seiner Läuterung ist gleichzeitig die letzte Stunde des Riesen.

Pirkko Vainio: Die Schneegans, Nord-Süd Verlag, 1995.
Anna baut aus Schnee eine Gans und träumt, sie flöge mit ihr übers Land. Anderntags ist der Schnee getaut, doch was trägt da der Großvater schwer heran? Eine verletzte Gans! »Wir müssen sie pflegen«, sagt er. Anna kümmert sich. Doch die Gans stirbt. Sie hat aber ein Ei gelegt, auch das wird von Anna versorgt, bis ein Küken schlüpft. Es wird ihr zahmer Spielkamerad – bis es flügge wird. Ein Buch von Werden und Vergehen, voller Hoffnung und Trost, mit Aquarellfarben illustriert. Nur noch gebraucht erhältlich.

Georg Dreißig/ Christine Lesch: Der Schuppenprinz, Urachhaus 1989.
Endlich hält das Königspaar doch noch ein Kind in den Armen! Doch wie seltsam schuppig ist seine Haut? Es kann ja gar nicht wachsen in diesem Panzer! Nein, mit einem solchen Wesen ist schwer repräsentieren! Und so wird der Prinz, umgeben von luxuriösen Spielsachen und feinster Ausstattung vor der Öffentlichkeit ferngehalten. Die sorgende Liebe eines armen Mädchens wird endlich Hilfe schaffen. Das warm illustrierte Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Alfred Wellm: Der kleine Wruk, von Kloeden 1989.
Der kleine Wruk liest so gerne Abenteuergeschichten, wie gern würde er selbst welche erleben! Aber wie öde ist die Landschaft rings um sein Haus. Die Probleme der Tiere da draußen, die ihn immer wieder um Hilfe angehen, erscheinen ihm lächerlich. Ein schön gemaltes DDR-Kinderbuch über die Gefahr der Anmaßung, über Denken und Handeln, und wie beides zusammengeführt wird. Nur noch antiquarisch erhältlich.

Daniela Drescher/Theodor Storm: Die Regentrude, Urachhaus, 2009.
Das allerschönste Buch aus der (Zeichen-) Feder der Illustratorin Daniela Drescher. 1863 erzählte Theodor Storm, wie Andrees und Maren, dieses ungleiche Liebespaar, die Regentrude wecken und damit die Ernte retten. Nur noch antiquarisch erhältlich.

Jo Pestum: Das kleine Mädchen und das große Pferd, Verlag Friedrich Oetinger, 2001.
Nein, das ist kein klassisches Pferdebuch. »Das kleine Mädchen liebte das große Pferd sehr. Das Pferd war grau und stark und schwer. Es war aber auch schon ziemlich alt.« Der Vater will einen Trecker kaufen, und der dünne Alfons weiß: »Wenn man einen Trecker hat, braucht man kein Pferd mehr. Das wird geschlachtet. Daraus macht man Wurst.« Nachts verlassen Mädchen und Pferd den Hof, hinein in den Wald. Es ist schrecklich kalt und unheimlich. Dann beginnt es zu schneien, und das Mädchen ist bald »nur müde, müde, müde.« In letzter Sekunde, halb ohnmächtig, wird es von den Eltern gefunden. Und natürlich war nie die Rede davon, das große Pferd zu verkaufen. – Derzeit nur gebraucht erhältlich.

Kate Di Camillo: Die wundersame Reise von Edward Tulane, Cecilie Dressler Verlag 2006.
Edward ist eine eitle Hasenpuppe aus Porzellan, seine Besitzerin ein verwöhntes Mädchen. Auf einer Kreuzfahrt geht Edward über Bord und wechselt, immer unansehnlicher werdend, in den kommenden Jahren vielfach Besitzer, Namen und Geschlecht, wohnt bei einem schrulligen alten Ehepaar, einem Landstreicher und gemeinsam mit einem todkranken Mädchen und dessen jähzornigem Vater in einer Hütte. Am Ende ist der vornehme Dandy-Hase von einem Antiquitätensammler beinahe wiederhergestellt – »innerlich« ist er aber geläutert, als er letztmalig (und wundersam) von einem kleinen Mädchen in Besitz genommen wird. Die Geschichte der preisgekrönten US-Amerikanerin Kate Di Camillo stieß keinesfalls auf einhelliges Wohlgefallen bei ihren Rezensenten. Uns gefiel dieser (Herzens-)Bildungsroman für Kinder – zusammen mit den Sepia-Zeichnungen von Bagram Ibatoulinne – ganz hervorragend.

Eva Ibbotson: Annika und der Stern von Kazan, Cecilie Dressler Verlag 2006.
Ibbotson, die 1933 nach England emigrierte, ist diesen Oktober hochbetagt gestorben. Annika ist ihr vielleicht schönstes Buch. Annika ist ein Findelkind. Sie wird von zwei älteren Hausmädchen in Diensten dreier bürgerlicher Geschwister großgezogen. Unversehens, aber doch so lange schon erhofft, steht eines Tages Annikas wahre Mutter vor der Tür in Wien: Edeltraut von Tannenberg, vornehm, elegant. Voller Liebe und Dankbarkeit zieht Annika mit der »Frau ihrer Träume« auf deren Landsitz und stößt auf zahlreiche Geheimnisse. Einer so hervorragend ausgemalten Abenteuergeschichte – man ertappt sich beim Weiterlesen, wenn die Kinder schon im Bett sind – sieht man die antipreußische Stoßrichtung (die Geschichte spielt vor hundert Jahren) gern nach.

Roald Dahl: Matilda, rororo 2001.
Über einige Bücher Uneinigkeit im Hause: Pippi Langstrumpf, Das Sams und eben auch Roald Dahls Geschichten werden von einem Elternteil nicht gern gelesen und als pädagogisch nicht förderlich betrachtet. Matilda (es gilt das Buch zu lesen und von dessen Verfilmung abzusehen!) ist ein Bildungsroman mit phantastischen und grotesken Anteilen über ein Mädchen aus bildungsfeindlicher Familie, das gleichwohl bereits mit vier Jahren Bücher verschlingt und später von ihrer Schulleiterin (die ausgerechnet, typisch Dahl, Frau Knüppelkuh heißt) malträtiert wird. Einzelne Erwachsene gewinnen ihr Vertrauen und helfen ihr aus ihrem familiären Ghetto.

Marie Hamsun: Die Langerudkinder, Fischer 2008.
Daß Marie Hamsuns 1950 geschriebenes Buch in immer neuen Auflagen erscheint, ist schon ein kleines Wunder, zumal die Frau des Nobelpreisträgers Knut Hamsun noch stärker mit dem Nationalsozialismus verbunden war als ihr Mann. Der Doppelband (Die Langerudkinder im Sommer/im Winter) ist hingegen ideologisch unverdächtig und bewegt sich in der bekannten Tradition skandinavischer Kinderbücher. Die vier Kinder vom Hof Langerud führen ein ländliches Abenteuerleben, hüten Kühe, suchen den Kuckuck, haben lange Schulwege – und selbst höchst unterschiedliche Charaktere, die Marie Hamsun fein und differenziert (wie ihr Mann ohne Hang zum Holzschnittartigen) zeichnet.

Jo Pestum: Die Waldläufer, Fischer TB 2004.
1947: Drei Kölner Jungs aus unterschiedlichen Elternhäusern – ein Katholik, ein Arbeitersohn und Ich-Erzähler Gereon - werden nach Schwaben geschickt, um ordentlich zu essen und die Zerstörungen des Kriegs zu vergessen. Angekommen, merken sie rasch, daß sie nur als billige Erntehelfer eingesetzt werden sollen. Sie hauen ab – und eine abenteuerliche Reise durch Nachkriegsdeutschland beginnt.

Frances H. Burnett/ Inga Moore: Der Geheime Garten, zuletzt Urachhaus 2009.
Burnett (Der kleine Lord) schrieb dieses herrliche, weltweise (hier von Inga Moore atmosphärisch dicht illustrierte) Buch vor hundert Jahren. Das Waisenkind Mary wächst, materiell wohlversorgt, aber sich selbst überlassen, auf einem englischen Gut auf und entdeckt dort einen geheimgehaltenen Garten sowie einen angeblich todkranken Cousin. »Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott«, könnte als Parole über diesem Prachtband stehen.

Franz Fühmann: Shakespeare-Märchen, Kinderbuchverlag 2009.
Ein mustergültiges Beispiel für den Schatz an klassischen Nacherzählungen aus der Feder dieses tragisch schillernden DDR-Dichters (Autorenportrait Sezession 30/2009). Derzeit nur gebraucht erhältlich.

Otfried Preußler: Die Abenteuer des starken Wanja, Thienemann 2009.
Es ist das Lieblings(kinder)buch meines Mannes, dutzendmal verschenkt. Ein Entwicklungsroman: Wie der unterschätzte Wanja mit großer Ruhe und Beharrlichkeit der Weissagung des alten Mannes folgt, nach langem Kraftholen sich auf den Weg macht und schließlich die Zarenkrone erobert. Niemand hätte es für möglich gehalten, fast niemand. Seit Jahren hängen in unserem Haushalt immer neue Bilder des "bösen Och". Zum Träumen. Und Albträumen.

Lisa Tetzner: Die Kinder aus Nr. 67, Band 1: Erwin und Paul / Das Mädchen aus dem Vorderhaus, Sauerländer 2004.
Tetzner, die nach dem ersten Weltkrieg jugendbewegt durch Dörfer und Städte gezogen war und von ihren Erfahrungen als Erneuerin einer mündlichen Märchentradition berichtet hatte, verfaßte ihre mehrbändige Serie über die Erlebnisse einer Gruppe Kinder (in den 30er/40er Jahren) aus einem Berliner Mietshaus teils im Exil. Ähnlich wie mit Tetzners lebensnahen Schilderungen der Kriegs- und Vorkriegsjahre verhält es sich mit anderen lesenswerten Autoren (Klaus Kordon ist ein Beispiel): Die Ereignisse werden durch eine sozialkritische, »linke« Brille dargestellt. Diese Sicht wird leider nicht gespiegelt durch Bücher aus »rechter« Sicht. Karl Aloys Schenzingers gegen die allgemeine Auffassung doch sehr differenzierter Hitlerjunge Quex etwa ist nicht mehr vermittelbar.
Tetzner war die Frau von Kurt Held (Die Rote Zora) und übersetzte später auch C.S. Lewis (Die Chroniken von Narnia) ins Deutsche.

Willy Fährmann: Der Mann im Feuer, Arena 2005.
Fährmanns Bücher verdienen wohl ein halbes Regalbrett. Der 91jährige Katholik aus Xanten (gebürtig in Ostpreußen, siehe Sezession 33) hat neben zahlreichen Büchern für Grundschulkinder und schönen Aufbereitungen alter Sagenstoffe (Wieland, Gudrun, Elsa und der Schwanenritter etc.) auch mehrbändige Familiensagas verfaßt, darunter die Geschichte des Christian Fink. Der Junge zieht 1932 mit einer Gruppe lippischer Ziegler ins Ruhrgebiet. Damit verläßt er die Enge seines Dorfes, in dem er stets Außenseiter war. Ein psychologisch ausgefeilter Entwicklungsroman um Schuld und Sühne, um Konfessionsstreitigkeiten und die Kraft der Vergebung. Der Anschlußband Zeit zu hassen, Zeit zu lieben, schildert Christians Schicksal unter dem Hakenkreuz. Was ist Heimat, wie können wir sie lieben? Empfehlenswert ist auch die Geschichte der Familie Bienmann, die in drei Bänden und durch drei Generationen erzählt wird. Am bekanntesten dürfte daraus Der lange Weg des Lukas B. sein (Jugendliteraturpreis 1981).

Linde von Keyserlingk: Sie nannten sie Wolfskinder, Herder 2008.
Zum Kriegsende haben zwei Jungen auf der Flucht vor der Roten Armee ihre Eltern verloren. Sie treffen auf Zwillingsmädchen, mit denen sie sich fortan durchschlagen. Von Keyserlingk, die als Therapeutin mit zahlreichen mittlerweile erwachsenen Wolfskindern gearbeitet hat, schildert das Schicksal dieser Kriegswaisen unsentimental und einfühlsam zugleich.

Hans-Peter Richter: Damals war es Friedrich, dtv 2008.
Der Arena-Verlag beklagte Mitte der fünfziger Jahre die wachsende Zahl der NS-Rückblicke im Kinderbuch. »Nicht wenige dieser Bücher wagen es, jene Zeit positiv darzustellen und damit derselben Lüge zu dienen, aus welcher die nationalsozialistischen Verbrecher leben. Demgegenüber finden sich nur sehr wenige Schriften, in denen das Leben, Kämpfen und Sterben derer dem Gedächtnis bewahrt werden, die gegen das nationalsozialistische Unrecht standen.« (Reiner Wild [Hrsg.]: Geschichte der deutschen Kinderund Jugendliteratur, Metzler 2008.) Gute fünfzig Jahre später könnte man mit Bibliographien zu genau jener Thematik lange Listen füllen, die bis heute nicht abreißen. Viele Leihbüchereien weisen auf den Buchrücken neben Rubriken wie »Krimi«, Pferde« und »Freundschaft« auch eine umfängliche Kategorie »NS/Holocaust« aus. Hans-Peter Richters Klassiker dient bis heute als Schullektüre; er hebt sich positiv ab von anderen Bewältigungslektüren. Für seine facettenreiche Darstellung des Schicksals des deutsch-jüdischen Jungen Friedrich (der am Ende bei einem Bombenangriff der Alliierten stirbt) wurde Richter von seiten der Linken heftig kritisiert. Man warf ihm vor, statt der Vernichtungspolitik eine vom Volk getragene Solidarität mit den Verfolgten in den Mittelpunkt seiner Geschichte gestellt zu haben.

Karla Schneider: Die Geschwister Apraksin. Das Abenteuer einer unfreiwilligen Reise, Hanser 2006.
Oktoberrevolution 1917: Die Bolschewiken ergreifen die Macht in Rußland. Mittendrin fünf elternlose Geschwister. Ihr Zuhause soll beschlagnahmt, die »Kaufmannsbrut« getrennt werden. Die fünf Apraksin-Kinder fliehen. Wochenlang trägt sie die Eisenbahn immer weiter von ihrer Heimat fort. Wohin sie auch schauen: Unruhen, Plünderungen. Eiskalte Nächte verbringen sie eingepfercht mit vielen anderen Flüchtlingen auf dem Schwarzen Meer, um auf der Krim zu landen. Auch hier ist ihre Reise längst nicht zu Ende, noch oft müssen die Geschwister dem Schicksal trotzen, das ihren Zusammenhalt auf eine harte Probe stellt. Eines haben sie gelernt: Gleichgültigkeit ist der schlimmste Feind der Seele. Kritiker haben das Buch der Dresdner Schriftstellerin mit Dostojewski verglichen.

Günther Bentele: Wolfsjahre, Carlsen 2007.
Eines der besten Bücher des württembergischen Lehrers und Autors. Behütet wächst der 14jährige Friedrich in einer Frankfurter Kaufmannsfamilie auf, als die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges in sein Leben brechen. Packend und literarisch hervorragend erzählt. Derzeit nur noch gebraucht erhältlich.

Nina Blazon: Katharina, Ravensburger 2007.
Blazon ist eine der meistgelesenen Jugendbuchautorinnen. Bevor sie ins populäre Fantasy-Genre wechselte, schrieb sie eine Reihe historischer Romane. Die Lebensgeschichte der Zarin Katharina, vom Ehemann gehaßt, von der Schwiegermutter tyrannisiert, wird hier aus dem Blickwinkel zweier Hofangestellter geschildert. Derzeit nur noch gebraucht erhältlich.
Es mag von der Lebensumwelt eines Heranwachsenden abhängen – und von den Ansprüchen, die er an sein Leben stellt –, ob identifikatorisches Lesen anhand zeitgeistgemäßer Charaktere gelingt (Liebeskummergeschichten, Problembücher) oder eher anhand von Biographien und historischen Romanen. Unsere älteren Kinder habe ich, um keine Einseitigkeit zu befördern, eine zeitlang mit zeitgenössisch verhafteter, nach Buchkritiken oder Jugendliteraturpreisen ausgewählter, peer group-orientierter Literatur versorgt, Sachen wie Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher oder Janne Tellers Nichts etwa. Sie mögen's nicht. Eine Ausnahme bildete

Martina Wildner: Michelles Fehler, Bloomsbury 2008.
Michelle findet sich zu klein, ihren Namen dämlich, die zur Schau getragene Coolness ihrer Mitschüler nervt sie ebenso wie die Freundin ihres Vaters und die Tatsache, daß ihre Mutter kaum Zeit findet für sie. Mag sein, denkt Michelle, daß das ganze Schlamassel an ihr selbst liegt – was hilft es einem schon, hochbegabt zu sein, wenn man an einem einzigen Tag exakt 85 Dinge falsch macht, die vom Fehlerberechnungsamt akribisch notiert werden? Eine mit praller Ironie erzählte hintergründige Geschichte.

Lois Lowry: Hüter der Erinnerung, dtv 2008.
Der zwölfjährige Jonas lebt in einer perfekten Welt: Es gibt keine Kriege, keine Armut, keinen Hunger, keine Angst. Jedem wird sein Beruf, sein Ehepartner, seine Kinder zugeteilt. Individualität ist abgeschafft: Sie macht ja auch unglücklich. Alles ist aufs feinste durchorganisiert, es herrscht völlige Gleichheit, man ist schicksallos glücklich: ein närrisches Glück. Bei Jonas ist es anders: Er soll der nächste "Hüter der Erinnerung" werden. Er aber wird das perfekte, erinnerungslose, watteweiche System unterminieren.

Eulenspiegels Fehlanzeiger: Müll sammeln und gemeinsam essen. Köstlichkeiten aus deutschen Medien, Eulenspiegel 2015.
Grober Unsinn aus der Lückenpresse. Ein ausgesuchtes und kostengünstiges Gimmick für Heranwachsende, wirklich zum Tränenlachen und Schenkelklopfen. Was – und wo? – wären wir ohne unsere Qualitätsmedien?


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.


Kommentare (30)

Realist
15. Dezember 2015 12:15

Ein erneutes Dankeschön für die Mühe der Zusammenstellung. Zum Thema Kinderlektüre finde ich immer wertvolle Anregungen.

Anton Burdorf
15. Dezember 2015 12:16

Ich danke Ihnen, Frau Kositza, für diesen Artikel. Wenn ich mir einen Überblick über den Buchmarkt verschaffen möchte, dann kann ich am Kiosk oft nur auf die Beilagen von Spiegel, Zeit & Co. zurückgreifen. Ich weiß, dass diese Zeitschriften/Zeitungen hier sehr kritisch gesehen werden, aber sie haben zumindest regelmäßig ausführliche Literaturbeilagen.

philos
15. Dezember 2015 18:21

Beim "selbstsüchtigen Riesen" regt sich ganz weit hinten in meinem Kopf eine Erinnerung. Wisse Sie, Frau Kositza, ob es von dieser Geschichte eine Hörspielversion gibt bzw. endet jene damit, daß der Riese, unter einem Baum sitzend, lächelnd entschläft und durch ein Loch in der Mauer Freude und Blüte zurückkehren? Gleich, ob's diese Geschichte war; was ich da Anfang der 90er gehört habe, hat mir sehr gut gefallen.

Danke für den Artikel.

Kositza: Danke auch! Ja, es ist diese Geschichte. Hörspielversion kenne ich nicht, und das von Lisbeth Zwerger illustrierte Buch würde ich wirklich allen anderen versionen vorziehen. Oft entwertet ja ein grober oder grotesker strich die schöne geschichte.

sabethle
15. Dezember 2015 20:07

Liebe Frau Kositza,
ich danke für die ausführlichen Beschreibungen, was fehlt ist die Altersangabe.
Meine Enkelin ist 5 Jahre.
Danke für Ihre Bemühungen.

Kositza: Ja, weil das mit den Altersangaben schwierig ist. Beispielsweise mochte meine Älteste noch mit acht oder neun Jahren keinen Räuber Hotzenplotz lesen: viel zu gruselig. Oder andersrum: ich hatte eine Zehnjährige, die bereits in Novalis versank, davon ist meine derzeitige fast-Zehnjährige Lichtjahre entfernt. Mittlerweile älteren Kindern las ich, als sie fünf waren, gern die von Ruth Elsässer ilustrierten "Das Hirtenbüblein" oder "Goldtöchterchen" vor. So schön! Die jetzige Vierjährige findet das bereits langweilig. Die Bücher von Elsa Beskow (eigtl. alle) könnte ich empfehlen. Und was meinen "Kanon" angeht; für Fünfjährige eigent sich grosso modo alles, was ich zwischen "Mein Esel Benjamin" und "Der Schuppenprinz" aufgeführt habe.

OJ
15. Dezember 2015 20:07

Die Häschenschule fehlt!

(https://www.eichwaelder.de/Altes/altesbuch59.htm)

Kositza: Ja, von Sixtus haben wir auch allerlei rumstehen. Ist nett. Ist vor allem nostalgisch, vermochte daher weder Eltern noch Kinder vom Hocker zu reißen.

Holzfäller
15. Dezember 2015 21:14

Mein Fünfjähriger Sohn liebt Räuberbücher. Hotzenplotz, Gudrun Pausewang's Räuber Grapsch, die Räuber von Kardemomme, Ronja Räubertochter - alles mindestens 9x gelesen. Zurzeit sind wir bei "Bill Bo und seine 6 Kumpane", (kennen manche vielleicht als Stück aus der Augsburger Puppenkiste) welches vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland spielt. Haben Sie noch eine Räuberempfehlung, Frau Kositza?

Nemo Obligatur
15. Dezember 2015 22:42

Alles (vor)lesen kann man von Otfried Preußler, Astrid Lindgren, Elsa Beskow, Michael Ende, Erich Kästner – diese fünf füllen leicht anderthalb Regalmeter.

Womit Sie Ihre Geschmackssicherheit unter Beweis gestellt haben.

Ich selbst bin leider mit wenig Büchern aufgewachsen, die Gebrüder Grimm könnte ich noch nennen, und natürlich Astrid Lindgren, aber letztere mehr in Filmform. Die Eltern hatten wenig Zeit, die Großeltern waren weit weg (von den Enkeln räumlich und von Büchern aus materieller Not umständehalber als Flüchtlinge - aber kein Vorwurf, die "Alten" [das Wort spreche ich hier mit großem Respekt aus] haben mir einiges an geistigem Rüstzeug mit auf den Lebensweg gegeben). Heute habe ich selbst eine kleine Tochter und lese gerne vor. Vor einiger Zeit ein wunderbares Buch, dessen sprachliche Qualität unmittelbar ins Auge stach: Das Traumfresserchen. Als Autor stellte sich erst nach der Lektüre Michael Ende heraus. Qualität setzt sich durch.

Anja
15. Dezember 2015 23:28

Vielen Dank für die umfangreiche Übersicht, die ich mir ausdrucken werde.

Ich möchte diese Aufzählung noch ergänzen durch:

Deutsche Heldensagen
Die Nibelungen
Dietrich von Bern.

Zumindestens bei mir haben diese Themen sehr früh das Interesse für Geschichte geweckt. Wer als Kind

Dietrich von Bern kennengelernt hat, kann den Bogen zu Theoderich im

Kampf um Rom

spannen, denn beide sind in der Historie ein und diesselbe Person.

Ansonsten ganz wichtig auch regionale Sagen wie z. B.

Die Harz-Sagen von der Roßtrappe, dem Riesen Bodo und dem Riesenmädchen Emma,

damit die Liebe zur Heimat gefestigt wird. Auch erwähnenswert für den Ostseeraum

Die Störtebecker-Sage...!

Hildesvin
16. Dezember 2015 00:32

Die krankheitsbedingt kinderlose Frau eine Arbeitskollegen meines inzwischen verewigten Vaters schenkte mir, als ich neun war, "Märchen und Sagen von der Nordsee" von Elisabeth Hering.
Lewwer duad üs Slaaw, oder Pidder Lüng: "Wer in den Kohl spuckt, der soll ihn auch fressen!" - Der Inselpfaffe von Sylt, Peter Gorrig, Spitzname Peter Gierig, bekommt da die Kirchens-teuer auf recht unangenehme Weise bezahlt.
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Die Reprints der alten Mosaik - Hefte von Hannes Hegen sind so übel nicht - von der sogenannten Dampfmaschinen-Serie (Anderntags in der Kalesche / droht der Lord dem Dieb mit Dresche...) bis zu Ritter Runkel zu den Abenteuern in Byzanz (Sehr gut bewährt sich oft auf Reisen, ein Anzug, welcher ganz aus Eisen ...) - köstliche Anspielungen auf verlotterte Staatswesen, und erheiternde Spitzen gegen das Militär ... - Danach ging auch das Niveau herunter.
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Elsa Beskow är storartad, på hennes sätt.

Andreas Walter
16. Dezember 2015 03:00

Schön, dass Sie sich in bereits unruhigen Zeiten noch etwas Besinnlichem widmen, Frau Kositza. Einige Nichtchristen werden zwar auch jetzt nicht innehalten, uns weiter mit Dreck bewerfen zu wollen, doch unsereins ist eben aus einem anderen Holz geschnitzt, versucht selbst im Krieg und im Wahnsinn noch Momente der Stille, des Friedens und der Einkehr, des Gedenkens und des Gebets zu finden.

Darum möchte ich mich bei Ihnen dafür ganz herzlich bedanken und wünsche Ihnen und Ihrer Familie, gerade auch wegen der Kinder, ein von Gott gesegnetes, friedvolles und fröhliches Weihnachtsfest.

https://www.youtube.com/watch?v=e64ojMGd7jE

Ein Kinderloser
16. Dezember 2015 08:29

Andersens Maerchen, die Maerchen der Gebrueder Grimm, Pinocchio, Die Hasenschule, erinnerlich ist mir auch noch die Pantoffelmieze ..........Jack London, Jules Verne, die Lederstrumpfgeschichten, Charles Dickens, Robinson Crusoe?
Sollte das Alles heutzutage nicht mehr hilfreich sein?
Selbst habe ich keine Kinder, habe auch keinen Zugang zu Kindern, weiss mit Kindern nix anzufangen. Steht so ein Kind mal vor mir muss ich mich fragen ob es jetzt 7 oder 10 Jahre, 9 oder 13 Jahre alt waere, ob es 16 oder 23,...22oder 29 Jahre alt waere. Kinder, Jugendliche und junge Menschen sind fuer mich voellige Aliens.
Die "Jugend von Heute" erscheint mir farblos, blass ubd zahnlos, ohne jede Lebenserfahrung.
Hier in Italy beobachte ich, dass den Kindern immer mehr, die Grazie, also das Laecheln als Ausdruck des Liebreizes, der Liebenswuerdigkeit und ueberhaupt als Ausdruck einer spezifisch italienischen sozialen Kompetenz abhanden kommt. Ohne eben genau dieses Laecheln.........
und ohne den Konjunktiv oder das Konditional zu bemuehen koennen Sie
hier unten nicht mal eine Schachtel Zigaretten kauflich erwerben. Ich kalkuliere : Kinder zu daemlich eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. / Erkenne den Fehler, ach so! Kinder sollten wohl eher keine Zigaretten kaufen, oder?
Schon klar!/Ich traue diesen Kindern nicht nur nix zu, ich lehne sie ab, sie werden uns unser Grab schaufeln, sonst garnix.---------------
Jetzt moechte ich den Bogen schlagen: Mir faellt auf, dass keines der von mir hier oben angefuehrten Buecher von Frau Kositza beruecksichtigt wurde. Das spricht-fuer mich-Baende!

Eveline
16. Dezember 2015 09:00

Lieben lieben Dank für Ihre Anregungen Frau Kositza.

Ich habe mir gleich den "Schatzbehalter alter Kinderbücher " von Horst Kunze rausgeholt.

Ein Buch für alle Freunde der Kinderbücher.

Immer wieder schön. Berücksichtigt wird die Zeit vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum beginnenden 20 Jh.

philos
16. Dezember 2015 10:54

Ergänzen möchte ich noch Franz Fühmanns "Das hölzerne Pferd". Ein DDR-Produkt, das Ilias und Odyssee für Kinder nacherzählt. Über die Qualität dieses Buchs kann ich heute rein gar nichts mehr sagen, aber es hat, als ich gerade selbst zu lesen fähig geworden war, im Verbund mit den Grimms, Andersen etc. eine Neigung in mich gepflanzt, die bis heute geblieben und stärker geworden ist. Fühmann hat wohl auch eine Bearbeitung des Nibelungenstoffes vorgelegt, die ebenso für Kinder gemacht ist.

Jakob Altenburg
16. Dezember 2015 12:23

Schön, daß Sie Ihre Empfehlungen noch einmal hervorgekramt haben, Frau Kositza!
Wer heutzutage eine Buchhandlung betritt, um ein Kinderbuch zu kaufen, der muß gewappnet sein, die großen Klassiker, Autoren und Illustratoren kennen oder, wenn’s denn was von Heute sein soll, einen Sinn für gute Zeichnungen haben, sonst versinkt er in den Fluten der Auslage (auch hier: es gibt viel zu viel) oder bekommt womöglich ein Wimmelbuch von Rotraut Susanne Berner (oder schlimmeres) angedreht.
Daß die Kinder immer mal wieder Bücher von ausgesuchter Häßlichkeit geschenkt bekommen, läßt sich ja leider nicht verhindern. Wir Eltern – die wir uns manchmal schon fragen, ob wir vielleicht einem allzu totalitären Ästhetizismus huldigen – staunen dann über die Sorg- und Arglosigkeit derer, die glauben, sie hätten tatsächlich ein schönes Buch ausgesucht. Nicht, daß es heute keine guten Illustratoren mehr gäbe, aber die höchsten Gipfel sind alle längst erklommen und die Zahl derer, die es einfach nicht können, aber dennoch großformatig und in hoher Auflage publiziert werden, ist nicht gering. (Kürzlich saß ich mit dem Sohn über "Mein großes Such-Wimmelbuch – in der Stadt", auch ein Geschenk, das bislang unbeachtet im Regal stand. Was soll ich sagen: abstoßend! Und kein Einzelfall. Man möchte sofort flüchten, sich neben Thomas auf den Steg in Elsa Beskows Das neugierige Fischlein legen und sich im ruhigen Wasser den Schund von den Augen waschen...)

Kurzum: "Man achte auf die Ausstattung der Bücher!" – das kann ich nur unterstreichen.

CCCED
16. Dezember 2015 13:24

Zwei Vorleseempfehlungen von mir:

Rulaman. Erzählung aus der Zeit des Höhlenmenschen und des Höhlenbären. Von David Friedrich Weinland, geschrieben 1878. Weinland beschreibt einfühlsam das Leben der Höhlenbewohner der Schwäbischen Alb und die letztlich erfolglosen Strategien der verschiedenen Sippen gegen die Verdrängung durch die bronzezeitlichen Kelten.

Götter und Helden der Germanen - Der Edda nacherzählt. Von Frieda Amerlan. Sie erzählt den Stoff der Edda und die Nibelungensage in einer packenden und dicht gedrängten Atmosphäre. Für Kinder ab sechs Jahren fesselnd, nicht zuletzt wegen der archaischen aber nicht altertümelnden Sprache. Leider nur antiquarisch erhältlich: hier und hier.

Orlando Furioso
16. Dezember 2015 13:37

@philos: Den "selbstsüchtigen Riesen" gibt es von Klaus Kinski gelesen - sehr schön! Und im Film "Wilde" liest Oscar Wilde (Stephen Fry) die Geschichte seinen Kindern vor.

larus
16. Dezember 2015 14:28

Überhaupt Fühmann! (War auch mal Thema in der Sezession, glaube ich...) - besonders "Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel" ist eine schöne Empfehlung-, brilliantes und doppelsinniges Heranführen an die deutsche Sprache. Auch Hacks, Strittmatter, Görlich, Pludra sind empfehlenswert und oft erstaunlich ideologiefrei-, größtenteils freilich nur noch antiquarisch erhältlich.

Stil-Blüte
16. Dezember 2015 14:54

danke Ellen Kositza, das bereichert auch mich noch als Muster für 'Großvater, erzähl uns mal eine Geschichte. Da fing der Vater an, es war einmal ein Mann...

Fehlt in Ihrer Aufzählung nicht Karl May? - 'Tausend und eine Nacht', Schwabs 'Antike Sagen'? Ich wag's und Ich leg obendrauf 'Struwelpeter' ?

@ philos

Meinen Sie Franz Fühmanns 'Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel'? Nie endend wollende Lese-/Rätsel-Freude für Kind und Kegel, Mann und Maus.

Altbayer
16. Dezember 2015 18:11

Sehr geehrte Frau Kositza,

vielen Dank für die Auflistung. Da mein Bekanntenkreis bereits mit einigen Kindern gesegnet ist, werde ich künftig sicherlich öfters von Ihrer Liste Gebrauch machen.

Gibt es so eine Liste mit gesammelten Buchempfehlungen bezüglich klassischer Literatur auch für Erwachsene?
Vielleicht sollte ich als Hintergrund erzählen, dass ich als Schüler nie den Zugang zu klassischer Literatur gefunden habe und das Unterrichtsfach Deutsch immer als Qual empfand. Bei mir hat sich schlicht kein Interesse geregt, obwohl ich mit Kinderbüchern im Elternhaus aufwuchs.
Sachbücher oder Krimis aus der Gegenwart stellten dagegen keine Probleme dar.
Meine Frage ist, ob es sowas wie eine "Einstiegsdroge" in die Welt der klassischen Literatur für Erwachsene gibt? Vielleicht zur Orientierung: Ich habe dieses Jahr zwei Bücher ("Die Governante" und "Tod in Danzig") von Stefan Chwin gelesen. Die fand ich jetzt nicht so übel.

Ich würde mich freuen, wenn Sie Ratschläge für mich hätten.

Spielhahn
16. Dezember 2015 20:16

Meine Töchter sind sehr von "Die wilden Piroggenpiraten" von Māris Putniņš begeistert.

Das Buch war beim Vorlesen auch für mich sehr unterhaltsam und hat für mich das Potential zum Kinderbuch-Klassiker.

Stil-Blüte
17. Dezember 2015 00:07

@ Eveline

Wahrlich, Prof. Horst Kunze, (Schatzbehalter alter Kinderbücher), Kenner u n d Liebhaber! (Bibliothekare sind fast allesamt konservative Schatzsucher, sammelnd, bewahrend, weitergebend, erweiternd; ordnend.)

Die Imagination des Lieblingskinderbuches, die man an die Kinder weitergibt.

Guttuende Liebhaber-und-Kenner-Paarung: Großeltern-Enkel (s. Gebrüder Grimm)

Eveline
17. Dezember 2015 16:57

@ Stil - Blüte

Fällt mir noch in den Schoß:

"Die Lesestunde " auf 250 Seiten ein Bild deutscher Literatur in zwei Jahrtausenden. Kinderbuch Verlag Berlin

"Was mit Ulfilas anfängt, endet mit Anna Seghers, mit Strittmatter und Kant. Für ältere und jüngere Leser. Von der Gotenbibel bis zu Barlach."

https://www.amazon.de/Lesestunde-Deutsche-Literatur-zwei-Jahrtausenden/dp/B004DAVSLS

Stil-Blüte
17. Dezember 2015 18:44

@ Altbayer

Danke für den indirekten Tip 'Tod in Danzig' und 'Gouvernante'.

Ich gestatte es mir, Frau Kositza zuvorzukommen. Haben Sie schon einmal Stefan Zweigs 'Gouvernante' gefunden, so werden Ihnen auch seine anderen Novellen und Biografien ('Sternstunden der Menscheit') zusagen, möchte ich meinen.

P.S. Ihre Ehr-lichkeit bezüglich Ihrer Lesegewohnheit ehrt Sie in meinen Augen. Und greifen Sie ruhig mal wieder in die Schatzkiste Ihrer Kinderbücher.

massel tov
18. Dezember 2015 01:03

Chapeau, Madam!
Obwohl meine Söhne inzwischen drüber hinaus sind, habe ich
Sie und ihre Liste weitergereicht, denn ich habe Enkel...
;-)

Altbayer
18. Dezember 2015 13:12

@ Stil-Blüte:
Vielen Dank für Ihren Ratschlag. Ich werde mal einen Blick in Stefan Zweigs "Governante" werfen.

Monalisa
19. Dezember 2015 00:01

Ich habe "Matilda" von Roald Dahl als Kind geliebt und habe mich sehr gefreut, das Buch hier auf der Liste zu finden!

Vielen Dank auch für all die anderen schönen Hinweise. Ich werde Ihre Sammlung ebenfalls abspeichern, Frau Kositza.

Hildesvin
20. Dezember 2015 23:47

@ Andreas (=Der Mannhafte) Walter: Morgen ist Sonnenwende, und von da ist es geboten, für mindestens zwei Wochen die Waffen ruhen zu lassen. Auch von der Seite der Frumben (Hans Sachs). An mir soll es nicht liegen. Und vom Werfen von Dreck kann wenig die Rede sein.

Andreas Walter
23. Dezember 2015 22:20

Liebe Frau Kositza,

darf ich Sie und ihren Mann um eine Meinung zu Karlheinz Weißmanns Kinderbuch "Deutsche Geschichte für junge Leser" bitten?

Muss nicht jetzt noch so kurz vor Weihnachten sein, aber irgendwann danach vielleicht einmal.

@Hildesvin

Ein "Ehrenmann" bin auch ich nur so lange mir die Situation es noch erlaubt.

Leider bestimmt dadurch auch immer mein Angreifer, wann, wo und wie ich mich verteidige. Darum heisst es ja auch: Angriff ist die beste Verteidigung (oder alternativ und klüger: Vor-sicht ist die Mutter der Porzellankiste). Was einem frumben Mann allerdings in dem Maß um so schwerer fällt, nämlich ununterbrochen andere anzugreifen und damit abzuwehren oder zu besiegen, in dem er auch die Beseeltheit und das Existenzrecht seiner Feinde, Widersacher und Konkurrenten erkennt und auch anerkennt, zumindest aber versteht. Man könnte es darum auch das Schicksal des beseelten, friedliebenden, der liebenden Menschen bezeichnen, oder eben: die Tristesse Droite.

https://www.youtube.com/watch?v=YmTHsCzoLqI

Kositza: Rezension des Weißmannkinderbuchs aus der Feder von GK ist doch in der aktuellen Sezession. Unsere Kinder fanden das Buch nicht ganz so fesselnd, für die Mittleren (11 und 13) war es mehr eine Bleiwüste (ist es ja auch, trotz der Bilder), die Älteren waren eh schon "auf dem Stand", die mögen dann eher speziellere Sachen, Hörbuch "Der Krieg, der viele Väter hatte" und so was. Ich selbst habs ganz gern durchgeschmökert; bei den Kartenerklärungen mußte ich vor den Kindern passen bzw. Atlanten danebenlegen.

Andreas Walter
28. Dezember 2015 21:38

Hohoho, „Der Krieg, der viele Väter hatte“? Das Buch öffnet einem auf jeden Fall schon mal die Augen. Gerd Schultze-Rhonhof hat relativ schnell auf mich einen glaubwürdigen Eindruck gemacht. Das Buch wäre bei mir Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht, und nicht eine mit 3700 Anmerkungen versehene deutsche Sonderedition von Mein Kampf. In manchen Ländern liegt Letzteres übrigens in beinahe jeder x-beliebigen Strassenbuchhandlung aus, ohne das jemals dadurch etwas "passiert" wäre. Die Sonderedition ist auch dadurch ein Widerspruch in sich selbst und im Grunde eine Unverschämtheit gegenüber der doch heute demokratischen und aufgeklärten Bevölkerung Deutschlands.

Den Begriff Bleiwüste habe ich sicherheitshalber trotzdem erstmal gegoogelt, auch wenn ich mir aus dem Zusammenhang her schon dachte, was er wohl bedeutet. Ja, gute historische Karten sind auch ganz wichtig, um hier das Ein oder Andere richtig zu verstehen. Da habe ich in den letzten Monaten auch ein paar sehr interessante Entdeckungen gemacht, die auch jeder Deutsche kennen sollte bevor er glaubt, auch nur irgendetwas über die beiden grossen Kriege des letzten Jahrhunderts zu verstehen. Stichwort Ansiedlungsrayon.

Na gut, also alles nicht so dolle, wie ich leider bereits befürchtet habe. Es hätte mich allerdings auch sehr gewundert, denn dann wäre ja auch mein Kampf bereits vorbei. Wenn ich das alles offen aussprechen könnte, was ich glaube und weiß, und an dem Punkt bist du noch lange nicht, Deutschland.

Hugo
28. Dezember 2015 22:31

@Ein Kinderloser, jede Epoche hat ihre Bücher. (Neuerdings auch ihre Filme.) Jules Verne war für mich schon 1975 (mit 10) langweilig und langatmig. Wilhelm Busch und Struwwelpeter waren okay. Jack London habe ich auch nicht gemocht, genauso wenig wie die Schatzinsel. Die Filme dann schon. Kinder haben sich erst sehr spät eingestellt. Für einen Sechsjährigen sind heute z.B. Daniel Napp "Dr. Brumm" und natürlich noch immer Michael Ende angesagt. "Viktor baut eine Brücke" ist ein tolles Beispiel für moderne Sprache. Kurz. Auf den Punkt. Man wird heute nicht mehr viele Kinder für Charles Dickens begeistern können. Fallada empfinde ich dagegen als zeitgemäß, die "Geschichten aus der Murkelei" sind noch immer sichere Treffer. Leider steigt mir mein Kleiner sowohl bei Janosch als auch bei Alexander Wolkow aus. Aber "Die Rakete von Bummelsburg" und "Jonas fliegt zum Mond" sind absolute Geheimtips, wenn auch kaum zu bekommen.

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