Sezession
2. Mai 2011

Bücherfest UmGeblättert – Ausladung in Magdeburg

Götz Kubitschek / 48 Kommentare

Im an historischer Substanz so reichen, jedoch gegenwärtig und wohl noch lange verschnarchten Sachsen-Anhalt freut man sich über jeden, der kulturell etwas auf die Beine stellt. Nach dem zehnten Anruf aus Magdeburg und der fünften Werbe-Mail überwand ich mich und sagte dem netten Projekt-Team die Teilnahme meines Verlags Antaios zum Bücherfest "UmGeblättert" zu:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Ein Wochenende Bücherstand in einem schön renovierten Vierseithof unfern dem Zentrum Magdeburgs, familiäre Atmosphäre, vielleicht sogar ein Familienausflug, Standkosten 50 €, dazu natürlich Material- und Personaleinsatz, aber bitte: In ganz Sachsen-Anhalt gibts etwa so viele Verlage wie in Tübingen, und die Teilnehmerliste las sich so kläglich, daß meine Zusage aus Mitleid, Landessolidarität und Freude über die Normalität des Vorgangs bestand.

Interessant war darüberhinaus, daß ich zwei Veranstaltungen anmelden konnte: Felix Menzel und ich selbst würden am Samstagnachmittag "Warum Sarrazin notwendig war" zur Diskussion stellen, und am Abend würde Andreas Krause Landt aus "Mein jüdisches Viertel, meine deutsche Angst" vorlesen - jenem Essay über die Schuldfrage und die eigene Familiengeschichte, der ebenso entwaffnend ehrlich wie eindrücklich geschrieben ist (hier mehr Informationen).

Am vergangenen Donnerstag rief ich nochmals bei der Organisatorin an: Der Wein für die abendliche Lesung war besorgt, und sie freute sich auf schönes Wetter, ein Kennenlernen und ein feines Bücherfest. Sie hatte - ich wiederhole das - zu diesem Zeitpunkt drei Monate lang auf unseren Internetseiten nachgelesen, hatte auf meinen Sarrazin-Vorschlag hin interessiert nachgefragt und sich natürlich auch über Landts Essay und unsere Beteiligung an dieser "WeinLese" gefreut.

Ich fuhr mit Felix Menzel am Samstag von Schnellroda aus los und traf gegen 12.00 Uhr am Moritzhof in Magdeburg zum Aufbau ein. Am Mittwoch noch hatte meine Sekretärin rund 100 Sezession-Leser und Buchkunden aus Magdeburg und Umgebung angeschrieben und auf das Bücherfest hingewiesen. Wir freuten uns auf Gespräche mit Lesern, die man sonst nicht persönlich kennenlernen kann.

Im Moritzhof fragten wir nach den Veranstaltern und unserem Büchertisch. Eine Stimme von halblinks: "Herr Kubitschek?" Dann lapidar die Ansage: Man habe in der Nacht auf heute dank eines Hinweises unsere politische Einstellung und unser Verlagsprogramm "im Vorstand" nochmals prüfen können und untersage uns hiermit die Teilnahme am Bücherfest. Man habe uns heute morgen im Büro telefonisch zu erreichen versucht. -- Während uns dies mitgeteilt wurde, stand die Organisatorin wie ein begossener Pudel dabei, sie wird ihre antifaschistische Lektion in der Nacht in Form eines Einlaufs bekommen haben. Auf meine Nachfrage, ob sie sich denn nicht durchsetzen könne (schließlich kenne sie seit einem Vierteljahr unsere Inhalte) kam nicht viel: Man sehe es unseren Büchern und Internetseiten nicht gleich an. -- Was sieht man diesem Netz-Tagebuch nicht gleich an? Was muß man vermuten hinter einer Oberfläche, der man nichts ansieht, was eine Teilnahme am Bücherfest unmöglich machte? Wie ist das mit der Herrschaft des Verdachts doch gleich? Wie mit dem permanenten Mimikry-Vorwurf?

Die Geschichte ist nun rasch zu Ende erzählt: Man bekommt keine Antwort, irgendwo telefoniert einer und sagt "die Rechten" seien jetzt da, "könnt ihr zur Verstärkung mal rüberkommen?". Der Typ, der einem grinsend und mit seinem Schlüsselhalsband spielend gegenübersteht, faselt etwas von Nazi oder so. Man hat sich im Griff und haut ihm nicht in die Fresse, sondern macht kehrt, steigt ins Auto, fährt die zwei Stunden zurück nach Schnellroda und erklärt zuhause den älteren Kindern (denen - wenn sie solches erfahren - zurecht mulmig ist), was ein linkes Kulturzentrum ist, wovor diese Leute Angst haben, daß der ideologisch festgefahrene Mensch schon immer so war, genau so, auch im Dritten Reich oder in der DDR gehandelt hätte: Daß es also nicht die Weltanschauung ist, die jemanden zum Blockwart mache, sondern der Charakter, und daß das in Magdeburg in dieser Hinsicht wieder eine Lehrstunde war.

Zuletzt sagt man dann sich selbst und den Kindern, DASS ES JA AUCH ETWAS GUTES HAT, JETZT DEN SCHÖNEN NACHMITTAG ZU HAUSE VERBRINGEN ZU KÖNNEN, wo doch in Magdeburg eh nicht viel los war.

Zuvor haben Menzel und ich natürlich im Innenhof des Bücherfestes noch Bier getrunken und bis 14.00 Uhr auf die Antaios-Leser gewartet, die dann enttäuscht wieder abziehen mußten. Und selbst das: Daß wir da saßen, ein bißchen Umsatz brachten und einen der leeren Tische weniger leer aussehen ließen, fand der Typ mit dem Schlüssel-Halsband so richtig Scheiße. Endstation Bierbank: Was für ein schwacher, was für ein abgehalfterter Trost!
Test


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (48)

Nusquam
2. Mai 2011 15:49

Sicher ist die Bierbank ein gar trauriger Trost. Aber es ist einer. Nicht unterkrigen lassen! Sie machen das gut.

Alexander Burggräf
2. Mai 2011 15:55

Zur Vervollständigung: Ich habe mich mitsamt Familie freudig auf den Weg gemacht um in naher Umgebung ein Stück Normalität zu finde. Und so freuten sich die Kinder auf einen lustigen und spannenden Literaturachmittag und meine Frau und ich auf interessante Gespräche. Leider erfuhren auch wir erst vor Ort von dieser Art der Zensur. Die Folge, ein etwas anders verlaufener Nachmittag als erhofft, aber immerhin die Erkenntnis, daß bei der edition-antaios rechtsradikale Kinder- und Jugendbücher verlegt werden (lt. Aussage des Veranstalters auf die Nachfrage, warum denn die Veranstaltungen des Verlages aus Schnellroda "abgesagt" wurden) Ich habe dann noch darauf hingewiesen, daß der Verein Artist.ev anstelle der Weinlese eine kleine Bücherverbrennung im Hof abhalten könnte, schließlich wäre das doch eine konsequentere Form der Zivilcourage!

Antieuropäer
2. Mai 2011 17:43

Nicht mehr ärgern und alle entstandenen Kosten zivilrechtlich geltend machen !

Isabel
2. Mai 2011 18:35

Leider wurde wohl zusammen mit der Einladung auch die Ausladung verschickt... und ich dachte schon, im Osten ticken die Uhren tatsächlich anders, angesichts eines sonst eher linksalternativen Bücherfestes.
Schade.

Seelenherbst
2. Mai 2011 19:11

So ist es also um die Literaturlandschaft bestellt...Verwahrlosung und Armutszeugnis in Magdeburg !
Bunt und tolerant ! Man möchte sich übergeben und der unterdrückte Affekt der Kubitschk'schen Faut ist nur allzu gut zu verstehen.
Wie hätte wohl die Schlagzeile nach einem deftigen Schlag gelautet ?
Dies zeigt einmal mehr, wie verbohrt, verblendet, innerlich zerfressen und degeneriert diese Land ist. Da muss sich der Kulturbetrieb nicht wundern und beschweren, ach !, wie erbärmlich und bezeichnend. Die Psychose ist erneut offenbar geworden. Lassen Sie sich trotzdem nicht entmutigen, es geht weiter !

tschekist2011
2. Mai 2011 19:37

Haha, ich lach mich krumm...! Nette homestory mal wieder, hätte zu gern Kubitscheks Gesicht gesehen.Tja, da hat unsre Wahrnehmungselite die Lage wohl mal wieder falsch wahrgenommen.
Schön auch, dass der Benzinpreis gerade so hoch ist. Und mit euerm Frustbierdurst habt Ihr dann sogar gleich noch das lokale Netzwerk gegen Rechts finanziell unterstützt.

blixa
2. Mai 2011 20:43

Immer wieder dasselbe Muster, immer wieder dieselbe Erbärmlichkeit...

Vielleicht sollten Sie einfach mal klagen und gemäß § 284 BGB ihre vergeblichen Aufwendungen ersetzt verlangen. Nicht um des vermutlich geringen Betrages willen, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass derartiges Handeln Konsequenzen hat.

antwort kubitschek:ist bereits in der mache, das anwaltsbriefchen. aber: den leuten dort tuts nicht weh. sind steuergelder, ist ja keine durchkalkulierte privatinitiative.

Kiki
2. Mai 2011 21:24

Solche Erbärmlichkeiten wie die oben geschilderte werden in nächster Zukunft noch zunehmen; die TonangeberInnen und ihre Hampelmännchen werden nämlich nervös, weil sich die behagliche Welt irgendwie ungut verändert: das Klima im Wohlstandsbiotop wird allmählich rauher, der Geldautomat beginnt zu stottern und die alten Lügen trösten auf einmal nicht mehr so gut ... das geht manch eineR, die ja nur das Gute, Edle und Gerechte will, an die zarten Nerven.

Guggenmumm
2. Mai 2011 21:45

Wo kann man denn die "rechtsradikalen Kinder- und Jugendbücher" der Edition Antaos bestellen? Da würden sich meine Kleinen aber freuen.

Ansonsten ist der Vorgang bundesrepublikanische Normalität. Eigentlich fast schon langweilig. Die Idee mit der Bücherverbrennung finde ich aber gut - das würde dann etwas Pepp in die lahme Antifanten u. Gutmenschenagitation bringen. Die Kaplaken-Reihe oder die heruntergesetzte Gesprächsband-Reihe würden sich, aufgrund des niedrigen Preises, ideal zum verbrennen eignen.

Jörmund
2. Mai 2011 22:43

Wenn diese Ignoranz und Gleichschaltungsmentalität einen nicht so wütend machen würde, dann wäre es schlicht und ergreifend lächerlich. Da hilft nur: Weitermachen!
Die Sache mit dem dableiben und Bierbank-drücken gefällt mir richtig gut!!!
Liebe Grüße und Dank für die unermüdliche Arbeit!

Henni
2. Mai 2011 22:46

Tolle Story, ihr fleißigen Neo-rechten Idioten.
Ich hoffe dass Ihr beim nächsten Mal richtig dumme plumpe militante Linke antrefft, die euch ordentlich die Kauleiste verschönern. Schönen Gruss.

Sudeticus
3. Mai 2011 07:30

Deutschland schafft sich ab - und zwar auf der ganzen Linie.

Womit würden sich diese Gutmenschen nur den ganzen lieben langen Tag, tagein - tagaus. verbringen, wenn "sie" nicht "ihren Hitler" hätten.

Frei nach B. Brecht: "Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen müßte!"

Hesperiolus
3. Mai 2011 12:42

"Daß es also nicht die Weltanschauung ist, die einen zum Blockwart mache, sondern der Charakter". - Treffend! Was für erbärmliche Zeitgenossen! Und als was für eine klägliche Gesinnungskloake Links doch allermeist in Erscheinung tritt.

Hekmatyar
3. Mai 2011 15:26

Nicht böse auf die arme Frau mit dem Einlauf sein..., die hat es sicher gut gemeint - aber nicht die Reaktion der eigenen Umwelt erwartet:

kein schönes Gefühl ab morgen keine Freunde mehr zu haben - vielleicht aus dem Beruf gemobbt zu werden - das gilt auch für den Fall, daß sie sich solches nur unter dem Eindruck eines neurotischen Schrecks vorstellt: die war bestenfalls mal auf ner Demo gegen Atomkraft und nicht bei Euren ksa - die Dünnhäutigkeit des Stubenhockers eben...

Was die gute Frau erstmal braucht ist einen guten Verdrängungsapparat: sie muß sich vorstellen, daß ihre Freunde wirklich solche sind, auch wenn diese sie gnadenlos um einer Lappalie Willen ausgrenzen würden - mehr Identifikation mit dem Aggressor - sonst kann sich daraus schlimmeres entwickeln: Skala offen von Panikanfällen bis zur Psychose.

Mehr Verdrängung!

Viel Erfolg...

Hans
3. Mai 2011 20:21

Sehr geehrter Herr Kubitschek!

Die vergeblichen Aufwendungen sollten Sie von den Veranstaltern (bestellter Wein, Fahrt usw. usf.) gerichtlich einfordern. Diese haben sich ersatzpflichtig gemacht. So geht es ja nun nicht!

Mit freundlichen Grüßen!

ichsagnichtja
4. Mai 2011 12:04

Bevor ich meinen Kampfnamen ichsagnichtja erfand, hätte ich vielleicht ?-eventuell ?-bestimmt ? - oder vielleicht doch nicht? -Herrn Kubitschek & Co. in eine äußerst rechte Ecke hineinverurteilt.
Alles was nach Verherrlichung der guten alten Zeiten aussieht wird argwöhnisch betrachtet. Positives dem Preußentum abgewinnen- ha, das war der Wegbereiter des Nationalsozialismus, ha, ...und dann noch die EU kritisieren und Sarrazin Recht geben - ha, war da nicht mal der Rassenwahn...
Gehen Sie doch mal auf die Straße: da wird rundweg die BILD gelesen (durchgeschaut) und antifaschistisch hat man natürlich zu sein ...Leider ist der Mensch ein Herdentier.
Nur wenige lassen den Gruppendrang vor der Haustier, denken selber nach. Meist ausgelöst durch ein einschneidendes Erlebnis.
Warum hat sich die Organisatorin der Buchlesung nicht durchsetzen können? Mit diesen Themen von Herrn Kubitschek und Herrn Menzel!? Dort sollte man noch mal nachsetzen. Sie zu einem persönlichen Gespräch auffordern.

Tom
4. Mai 2011 17:22

Mein Erklärungsansatz ist ganz einfach:
Der freundliche Mensch mit dem Schlüsselhalsband hat Ihren Verlag gegoogelt und den Eintrag bei Wikipedia (Edition Antaios) gelesen. Dort wird er zu den "Neuen Rechten" gezählt. Solch schlichte Schlüsselwörter reichen in der Regel...

Sympathieträger
5. Mai 2011 11:31

Na wo gibt´s denn sowas, ein Bücherfest zum Austausch von Gedanken, Ideen und Texten zu mißbrauchen. Wer läßt sich schon gern seine liebgewordenen Vorurteile verderben?
Wäre die Idee nicht schon etwas in Verruf geraten, könnte man sich bei jedem linken Gesinnungstreffen zum krönenden Abschluß eine kleine zivilcouragierte Bücherverbrennung gut vorstellen.

juergen
5. Mai 2011 12:21

Herr Kubitschek,

auch ich bin über ein solches Verhalten Ihnen gegenüber entsetzt. Rechte von gesellschaftlichen Veranstaltungen fernzuhalten - in Ihrem Fall auf eine besonders bösartige Weise - kommt leider viel zu häufig vor. Der Vorwurf ist immer der gleiche: Angeblich neonazistisches Gedankengut, das unter dem Deckmantel der Harmlosigkeit daherkommt.

Wer allerdings wie die Autoren der Sezession und die Mitarbeiter des IfS ständig dem - substanzlosen weil unbeweis- und widerlegbaren - Vorwurfs der Mimikry, der politisch motivierten Verstellung, ausgesetzt ist, der sollte über die aus gleichen Gründen Substanzlosigkeit des Vorwurf der taqiyya, der religiös motivierten Verstellung, wissen. Trotzdem legitimiert Herr Weißman diese Herrschaft des Verdachts gegen Muslime in einer Polemik gegen Patrick Bahner in der jüngsten Sezession.

Als jemand gegen den der Mimikry-Vorwurf ebenfalls schon des öfteren erhoben wurde, gerade weil er auch trotz rechter Gesinnung freundschaftlichen Umgang mit Ausländern - auch Muslimen - pflegt (alles kaltes Kalkül um harmlos zu erscheinen), war ich über diese Entwicklung enttäuscht. Ich war bisher der Meinung, dass in der Sezession argumentiert wird anstatt einfach eine ganze Gruppe von Menschen unter Generalverdacht zu stellen.

Wolfsmann
5. Mai 2011 16:13

Herr Kubitschek,

die nach ihrer Beschreibung obzöne Konfrontation halte ich freilich für unangemessen.
Die beste Kritik ist ein besseres Auftreten, freilich gibt es Grenzen, sonst wird man von Ihnen als "Gutmensch" ausgelacht.

Inhaltlich ist folgendes zu bedenken, zugespitzt ausgedrückt: Wer sich immer an Macht orientiert, darf sich nicht wundern, wenn er genauso behandelt wird.

Viele haben einen Götzen. Für mich sind die Sarraziner Götzenanbeter: Macht, Ich!, Tribalismus, Vorväter, Gewohnheiten, Egoismus.
In der jüngeren Gesichte auch in Deutschland finden sich kaum andere Verhaltensweisen, gleich unter welchem Regime.
Sarrazin wird meiner Sichtweise von Ihnen verzweckt der oben genannten Ziele wegen. Für mich ist Gott das oberste Ziel, insofern lehne ich ihre Sichtweise ab und sehe auch, dass Sie ihre Obersätze nicht voll offenlegen (wie andere freilich).

In meinem Denken muss man durch Rationalität überzeugen, da muss man offen zur Diskussion stellen, was man will, deshalb verbietet sich beides, insbesondere auch die Boykottierung der Diskussion mit Meinungsgegner. Aber : Wo werden z. B. Muslime einmal öffentlich zugelassen, angehört. Würden Sie z. B. auf ihrem Forum einmal eine andere Sicht zulassen, ohne Kommentierung, ohne planvolle Vorselektion, ohne Vetorecht des Veranstalters?
Diese Verhinderungstaktik offenbart jedenfalls nur, dass das Gegenüber keine Argumente hat. Unserer Gesellschaft würde ich empfehlen, mehr Diskussion zuzulassen, da meinem Menschenbild der Mensch als rationales Wesen geschaffen wurde, das den ihm guten Weg erkennen kann. Ausgrenzung ist keine überzeugende Diskursmethode, eine selbstbewußte Botschaft stellt sich zur Diskussion und: tue nicht, was du selbst willst nicht erleiden.

Gruß

antwort kubitschek:
sehen Sie, Ihr ansatz ist einer für eine gelehrtenrepublik, aber keiner für eine massengesellschaft. es war ja auch wirklich für den gebildeten rechtsanwalt dr. x noch nie ein besonderes problem, beim benachbarten syrischen zahnarzt zum tee zu erscheinen und argumente auszutauschen. und nun werden Sie nicht bestreiten können, daß das für hinz und kunz aus neukölln schon problematischer werden könnte, wenn sie an des rappers y. tür klopfen, um ihn zu bitten jetzt doch einmal die bässe leiserzudrehen. oder, um es anders zu sagen: ich mach mir um mich keine sorgen. aber um eine menge meiner landsleute, die in einem viertel leben müssen, aus dem sie sich nicht wie die reicheren und mobileren einfach in einen schicken vorort verkrümeln können. zuletzt: wird zeit, daß nicht wir leute zum gespräch zu uns einladen, sondern daß das andersherum läuft. paulwitz und ich zum thema "deutsche opfer" bei anne will oder im streitgespräch bei spiegel online - das wäre dann nicht nur gelehrtenrepublik.

Wolfsmann
5. Mai 2011 17:25

Meine Antwort:

Wie ich sagte, muss man offen über die Definition des Allgemeinwohls reden können, um sich darüber verständigen zu können.
Ideal ists, wenn jeder dran teilnimmt, ich bin nicht dafür, weder Ungebildte noch Gebildte auszuschließen. Auch Sie sollen einmal den Platz auf Spiegel-Online oder den anderen Konzernmedien einnehmen, aber dass wenig und selten über die Thesen Sarrazins berichtet würde, in BILD und Wort, das sehe ich ehrlich gesagt nicht.

Was wirklich fehlt, ist dagegen klar. Sie sprechen zum Beispiel ein Symptom von Verwahrlosung an. Oft ist die Verwahrlosung und Verrohung Ergebnis einer Kombination von unkontrollierter Selbstsucht, schlechten Vorbildern und schädlichem Einfluss.
Publizisten haben hier einen größeren Einfluss und Verantwortung: Sie könnten z. B. einmal dazu aufrufen, dass jeder etwas auf seine "Ansprüche" verzichtet, so dass ein vernünftiges Zusammenleben möglich ist. Der eine darf Musik hören, aber er darf den anderen dadurch nicht übertrieben stören. Der andere darf ruhig schlafen, aber er darf dem anderen nicht seinen Lebenstil aufzwängen. Das ist kein Plädoyer für Liberalismus im Sinne eines Laissez-Faire, im Gegenteil. Aber der gerechte Weg liegt eben oft in der Mitte und eine harmonische Gesellschaft muss das Ziel sein. Vom Appell an niedere Instinkte muss man aber wegkommen und ich bin mir sicher, dass letztlich auch Ihnen am Allgemeinwohl liegt. Jedenfalls ists unzlässig Leute erst einzuladen - gleich ob es Rapper Y. ist oder ein Verleger - und diese dann als Menschen 2. Klasse zu behandeln.

Grüß Gott!
Ihr Wolfsmann

antwort kubitschek:
harmonie in der gesellschaft hat etwas mit homogenität zu tun. homogenität bedeutet, daß rechtsmaßstäbe und ordnungsstrukturen umstandslos akzeptiert werden können, weil sie gemäß sind. je größer die kulturelle distanz, desto schwieriger wird es mit der harmonie, zumal, wenn massen aufeinandertreffen.
das ist das eine. das andere: auf diese menschen 2. klasse kommen mehr sozialarbeiter, integrationsbemühte, sonderpädagogen, streetworker als auf deutsche mit ähnlichem status. in sie wird mehr geld investiert als in meine kinder.

Wolfsmann
5. Mai 2011 18:42

Geantwortet:

Ein mitunter schwieriges Zusammenleben ist allerdings natürlich und unvermeidbar - mit Rappern, alten Nachbarn oder Verlegern. Schwierig ists, wenn man keinen Sinn mehr sieht oder zynisch bleibt. Der Sinn von Unterschieden in Kultur und Meinung ist es, die Wahl zu haben: z. B. zwischen dumpf-machenden MC-Donald-Trends oder geschmackvoller Zivilisation. Und der Sinn von Schwierigkeiten ist es, seinen Charakter und seine Absichten zu reinigen.

Die Menschen haben längst genug davon, ungerecht herumgestoßen zu werden, am Rande zu existieren in ihrem Land, herumhetzen zu müssen, um zu finanziell einigermaßen zu überleben und genug davon, ausgebeutet zu werden in einer immer egoistischer werdenden Gesellschaft, nicht in Ruhe mit ihren Lieben leben zu können.

Eine Gesellschaft wird aber nie besser sein, als es ihre Mitglieder sind. Das Betonen von unseren Instinkten ist deshalb keine Lösung, sondern das Problem. Die Idee, erst einige Zeit die niedrigsten Instinkte zu betonen, um dann letztlich irgendwie ein unter Menschen akzeptables Ziel zu erreichen - das halte ich für höchst naiv und irrläufig. Wenn Sie die Instinkte betonen, bekommen Sie nichts als eine Steigerung und Intensivierung der jetztigen Problemlagen, die heute schon alle plagen. Das ist das logische Ergebnis. Besser ists mit guten Methoden nach dem Guten zu streben.

P. S. Machen Sie doch den Anfang und lassen Sie eine freie Kolumne in Ihrer Zeitschrift zu.

juergen
5. Mai 2011 20:51

Sehr geehrter Herr Kubitschek,

ich möchte doch dem von Ihnen gegen Wolfsmann vorgebrachten Vorwurf, sein Ansatz sei einer für eine Gelehrtenrepublik, widersprechen.

Ich selbst bin Doktorand der Naturwissenschaften an einem deutschen Forschungsinstitut. Als solcher habe ich auch mit vielen muslimischen Gaststudenten und Forschern Kontakt und auch gute Erfahrungen gemacht. Eben weil ich Doktorand bin, und auch als solcher bezahlt werde (nämlich mikrig) lebe ich aber auch in einem der eher "schlechteren" Viertel meiner Wahlheimat Braunschweig - dem westlichen Ringgebiet mit hohem Ausländeranteil. Aber auch hier, an meinem Wohnort komme ich gut mit meinen Mitbürgern zurecht. Mein Frisör ist Türke, ebenso wie meine Schneiderin und der Mann mit dem kleinsten Fahrad-Laden der Repubklik, bei dem ich Zubehör für mein Fortbewegungsmittel kaufe. Deutsche haben entsprechende Läden nicht eröffnet, und ich mag bezweifeln, dass dies irgendeiner Form von Zwang geschuldet ist. Gerne habe ich mich mit meinen ausländischen Geschäftspartnern im Viertel z.B. über die Parallelen zwischen dem deutschen Genossenschaftsbanken und den islamischen Banken unterhalten. Raiffeisen, dieser große Deutsche, der einen unschätzbaren Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität unseres geliebten Vaterlandes geleistet hat, der der Zinsknechtschaft ein eigenes Modell der gegenseitigen Verpflichtung erfolgreich entgegengesetzt hat. Dieser Mann, der in seinen Ideen der gegenseitigen Verantwortungsnahme christlich und auch elitär argumentiert hat. Gerade der findet bei ausländischen Unternehmern - ohne das sie sich dessen voll bewusst sind - Resonanz. Die haben alle ein Konto bei einer Genossenschaftsbank. Das sind keine Intellektuellen wohlgemerkt, einfache Geschäftsleute.

Ich habe mich in meinem Viertel immer sicher gefühlt, trotz Migranten und mir ist es unmöglich, die Verhältnisse in Neukölln aus meiner Position heraus zu beurteilen. Ich frage mich manchmal wie Ihnen das aus der Sachsen-anhaltinischen Provinz gelingen soll. Das, was sie den Intellektullen vorwerfen, dass sie nämlich von einer sicheren Warte aus ihre Meinung bilden trifft doch auf Sie selbst genau so zu. Sie maßen sich an (F.A. Hayek), aus dem Nest Schnellroda heraus und auf der Basis von aggregierten Größen (einer deskriptiven Statistik ohne jede Form von Modellbildung und -überprüfung) die besten Entscheidungen für Deutschland treffen zu können und treffen sich auf diese Weise mit der abgehobenen Politikerkaste in Berlin zusammen.

Um es mit dem "eigentümlich frei"-Autor Oliver Uschmann zu sagen: Dörfer funktionieren besser als Städte, Städte besser als Nationen, Nationen besser als die EU. Wie Sie lehne ich auch diese ganze staatliche Alimentiererei ab. Was soll das , dass sowohl ich, als auch mein türkischer Frisör dazu gezwungen werden, die Degenerierten in Neukölln und den ganzen Schwanz der dazugehörigen sozialpädagogen zu alimentieren? Bringt das mein, bringt das das Deutschland meines türkischen Frisörs irgendwie weiter. Nein! Wir wollen in frieden leben und unsere Geschäfte machen. Ohne dieses ganze gutmenschliche " wir müssen diese Täter nur genug fördern, dann wird alles gut" wären wir besser dran. Ohne dieses der Türke ist immer der Täter von ihrer Seite aus wahrscheinlich auch.

trotzdem,

Hochachtungsvoll vor Ihrer Arbeit als Korrektiv

Juergen

Schopi
5. Mai 2011 22:55

@ juergen

"...Deutsche haben entsprechende Läden nicht eröffnet, und ich mag bezweifeln, dass dies irgendeiner Form von Zwang geschuldet ist.."

Deutsche sind sich dafür zu "fein" - sie aber wohl auch, sonst könnten Sie ihr "mickriges" Gehalt doch gut mit einem kleinen Laden aufbessern !?

Warum wählen sie die 3. Person, oder sind Sie kein Deutscher?
Es regt mich etwas auf: aber: diese Argumentationskette kenne ich eigentlich mehr von den gutverdienenden Rotwein-und Speckgürtelbewohner, die ihre mickrig bezahlten (aber selbstverständlich angemeldeten) türkischen Putzfrauen loben, um ihre eigenen Volksgenossen runterzuputzen.

Ich wohne vermutlich noch "einsamer" und "weltabgewandter" als Familie Kubitschek, nämlich im kleinen Häuschen im Wald - und das ist auch gut so, meiner Klarsicht auf die Mitwelt ist das sehr zuträglich.

Juergen
6. Mai 2011 10:50

@schopi

Nein ich putze niemanden herunter, erst recht keine Deutschen (ich bin Badener in der Norddeutschen Diaspora - bevor ich Deutscher bin, da sind die Unterschiede zu groß für eine gemeinsame Identität ;). Wenn sie sich diesen einen - sicherlich sehr unglücklich gewählten - Satz so sehr zu Herzen nehmen tut mir das leid. Sie bringen haargenau das gleiche Argument das auch Kubitschek vorgebracht hat. Gutverdienende Rotwein-und Speckgürtelbewohner können sich ein positives Ausländerbild leisten, alle anderen nicht. Allerdings hatte ich ja noch mehr geschrieben, aber das ist ja nicht relevant, gell?

Mein Vorwurf an die Sachsen-Anhaltinischen Provinzler (und vielleicht auch Waldbewohner ;-) ist, dass sie mit umgekehrtem Vorzeichen genau so einseitig argumentieren wie linke Gutmenschen aus der Vorstadt. Sie sehen vor allem (aus weiter weiter Entfernung und in Form von Zahlenkolonnen) die Probleme, vereinfachen weil sie wie alle Möchtegern-Sozialingenieure daran glauben, dass es Statistiken erlauben, kausale Zusammenhänge zu erkennen und haben dann EINEN Faktor isoliert der (natürlich weil es "offensichtlich" ist und nicht weil eine mathematisch korrekte Falsifizierung durchgeführt wurde) genau den gewünschten Zusammenhang erklärt.
Spiegel-Redakteure, die den Migrationshintergrund von Gewalttätern verschweigen handeln genauso fahrlässig, wie diejenigen die NUR vom Migrationshintergrund von Gewalttätern reden und andere Faktoren für vernachlässigbar halten. Beides eine Form von Verschleierung, weil sie die komplexe menchliche Natur um jeweils einen oder mehrere Faktoren isoliert und anhand dieses vereinfachten Modells argumentiert. Vereinfachungen sind oft notwendig, aber wenn jeder nur die Faktoren betrachtet, die ins eigene Weltbild passen muss man sich nicht wundern, wenn auch nur das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Von Sarazin kann man leider auch nicht lernen, wie man ordentlich Statistik betreibt, obwohl der ja Ökonom ist. Als SPDler natürlich kein Anhänger der östereichischen Schule, sonst wüsste er um die Unverlässlichkeit von aggregierten Größen bei der Analyse menschlichen Zusammenlebens.

Herr GE
6. Mai 2011 11:32

Auf einem Link des Verantsalters heißt es:
„Vom 29. April bis 01. Mai konnten beim Bücherfest umGeblättert wieder viele Menschen erfahren, wie wunderbar es sich anfühlt, sich zwischen zwei Buchdeckeln in einer Geschichte zu verlieren. Zum dritten Mal startete der ARTist! e.V. mit seinem Fest des Buches buchstäblich in den Frühling.
Wir danken allen Besuchern für 3 wunderbare Bücherfest-Tage und freuen uns auch im nächsten Jahr auf ein lebendiges Rauschen im umGeblättert-Wald“

_________________________________________________________

Tja, damit ist alles gesagt: Die absolutartisten wollten einfach nur ihre Eier legen, ein bisschen Gackern, Herumglucken, ein Käffchen trinken und im monotonen Rauschen der Wohlfühlliteratur vor sich hin dösen. Und hier also wollte der Antaios seine „bösen Bücher“ aufblättern. Wenn ich mir vorzustellen versuche, wie das ausgangen wäre, sehe ich immer die gleiche Szene: ein Fuchs kommt in den Hühnerstall...

Sugus
6. Mai 2011 12:13

@ Juergen
Kann man sich vielleicht darauf einigen, daß, wenn zwei das gleiche tun, es nicht das gleiche ist? Gewaltkriminalität ist unausrottbar. Aber wenn ein deutscher Halbstarker, ein deutscher Rocker, ein deutscher Neonazi prügeln, kommt niemand auf die Idee, Halbstarke, Rocker und Neonazis in die deutsche Polizei einzugliedern, weil die mit ihrer Klientel "besser umgehen können". Bei Türken und Arabern (und komischerweise bei anderen Einwanderern nicht) wird aber genau dies propagiert und vor allem praktiziert.
Ich - und ich nehme an, die meisten Deutschen - will mir nicht sagen lassen, daß wir in Deutschland unbedingt Türken und Araber in der Polizei brauchen, weil sonst die innere Ordnung nicht aufrechterhalten werden kann. Das müßte Ihnen im schnuckeligen Braunschweig trotz konfliktlosen Zusammenlebens mit Ausländern doch auch einleuchten, oder?

Schopi
6. Mai 2011 22:02

@ Juergen

Ich denke, Sie versuchen zu verstehen, was ich nicht verstehen will.
Mir geht es primär nicht darum, ob Migranten gut, kriminell, angepasst usf. sind, sondern ich stelle mir die Frage, zugegeben etwas unrealistisch, warum wir hier türkische Bikehändler oder Frisöre überhaupt "brauchen".

Es mag ja ganz nett sein, wenn Sie mit "ihrem" Frisör über die türkische Rüffüesen Bank smaltalken - aber nehmen Sie zur Kenntnis, wir Deutsche (Europäer) sind, sofern nicht hochqualifiziert, eine diskriminierte (Noch-)mehrheit.

Die Türken sind alles andere als dämlich, sie haben ein Nationalbewusstsein, ein Wir Gefühl und gute intakte Instinkte, die die deutschen Schisser und Allesversteher sofort orten können.

In ihrer Kolonie Deutschland funktioniert das auch alles bestens, sie bilden funktionierende Netzwerke, Aufträge an Deutsche nur, wenn sich dafür kein Landsmann findet.

Und was machen wir?
Wir machen denen schöne Augen, finden ihr Essen suuuuper, lassen sich von denen bedienen (Haare schneiden :)) - die schaffen das schon, bei unserem Selbstmitleid....

juergen
6. Mai 2011 22:33

@sugus

sehen Sie, Ihre Denkweise entspricht genau der, die ich hier versuche zu kritisieren. Sie reden von deutschen Halbstarken, Rockern oder Neonazis, d.h. sie differenzieren. Sie betrachten Deutsche nicht als homogene Masse, sondern als Menschen, deren Identität multiple Facetten aufweisen kann. Andererseits sprechen Sie von Türken oder Arabern und differenzieren nicht weiter, Sie betrachten also Türken oder Araber als eine homogen Masse, bei der eine weitere Differenzierung nicht notwendig scheint.

Meine eigene Identität erfahre ich als überaus komplex. Einen wichtigen Teil macht mein Katholischsein aus. Ich wurde als Sohn in eine katholische Familie geboren, die Religion hat in meiner Erziehung eine überragende Rolle eingenommen. Für das was mir mit auf meinen Lebensweg gegeben wurde bin ich mehr als dankbar. Ich bin Badener, dieser Teil meiner Identität lässt sich wohl dadurch erklären, dass viele meiner Verwandten in Karlsruhe leben und auch dort politisch aktiv sind. Als Wissenschaftler und als Liberaler stellt das Kaiserreich von 1871 bis 1914 für mich ein Ideal dar. Nie zuvor und leider auch nie danach wurden solch national und vor allem international herausragende Leistungen von Deutschen Wissenschaftlern erzielt und das (besonders wichtig!) überwigend durch privates Mäzenentum finanziert (aus dieser Anschauung ergibt sich wohl auch meine nicht kritiklose Sympathie für die Monarchie). Das ist ein Aspekt meines Deutschseins, das sich auch in meiner Kenntnis und Bewunderung der Leistungen eines Friedrich Willhelm Raiffeisen oder Johann Heinrich von Thünen wiederspiegelt. Auch die Bundesrepublik hatte mit z.B. Walter Eucken brilliante Denker vorzuweisen. Als Sohn eines Sudetendeutschen Vaters hat mich die Einladung der Tschechischen Akademie der Wissenschhaften zu einem Vortrag besonders gefreut.

Wenn ich mir nun der Komplexität meiner eigenen Identität bewusst bin, so kann ich in meinem Gegenüber nicht einfach nur einen Araber oder Türken sehen, sondern - zwingend - nur einen Menschen mit eigener Geschichte und Identität. Eine solche Differenzierung verlange ich von jedem Meschen.

Der Gewaltverbrecher der einen Menschen ins Koma prügelt negiert dessen Persönlichkeit, dessen Identität. Deshalb muss er bestraft werden. Er ist nicht in erster Linie Opfer seiner Lebensumstände sondern Verächter des Lebens an sich und als solcher hat er auch behandelt zu werden. Das Problem sind nicht Türken oder Araber, das Problem unserer Zeit ist, dass staatlicherseits die Schuld in zunehmendem Maße nicht mehr beim Täter gesucht wird sondern überwiegend beim Abstraktum Gesellschaft.

Das hat auch etwas mit dem Abschieben jeglicher Verantwortung auf das Abstraktum Staat zu tun. Nicht die Eltern werden finanziell zur Verantwortung gezogen, wenn der Sprösling glaubt auf ein anderes Individuum eintreten zu müssen, nein, die Abstrakte Gesellschaft repräsentiert durch einen Nanny-Staat bezahlt ja alles. Was glauben Sie würde passieren, wenn die Eltern für die Verbrechen ihrer Söhne zur Verantwortung gezogen werden würden? Wenn aus dem staatlich verbrieften Recht, auf Kosten anderer hier ein Kind nach dem anderen in die Welt zu setzen endlich wieder die familiäre Verantwortung würde?

Ich teile ihre Kritik daran, dass man der ausufernden Gewalt unter den Kindern von Migranten dadurch begegnen möchte, dass man doch bitte mehr Polizisten mit Migrationshintergrund einstellen sollte. Dies impliziert: Der Fehler liegt bei uns, der Gesellschaft. Die Polizisten verstehen wohl ob der unterschiedlichen Ethnie die Täter einfach nicht gut genug. Ein Schwachsinn sondersgleichen, denn hier wird das Problem eben wieder nur auf die ethnische Zugehörigkeit beschränkt. Was ich von so einer Denkart halte dürfte doch mittlerweile klar sein. Natürlich bin ich dafür, dass jedem redlichen Migranten mit deutscher Staatsbürgerschaft das Amt eines Polizisten offensteht - jedoch nicht weil Quoten (Diktatur!) zur erfüllen sind, sondern weil er sich der ihm zugedachten Aufgabe fähig und würdig erweist.

Schopi
9. Mai 2011 13:30

Warum wird mein Kommentar nicht freigeschaltet??

Geht ja wohl hier ähnlich zu wie in Magdeburg - getreu dem Motto "wer die Musik bestellt, bestimmt was gespielt wird" - also nun doch auch speziell hier nichts Neues unter der Sonne!

antwort kubitschek:Ihr kommentar war in der flapsigen sprache formuliert, die dem thema nicht angemessen ist. ich habe ihn nun um die flapsigsten stellen gekürzt freigestellt.

juergen
10. Mai 2011 20:51

@Schopi

Ich denke, mit jemandem zu diskutieren, der so offensichtlich wie Sie sein Desinteresse bekundet, macht eigentlich keinen Sinn.

Ich kann mir die Welt in der ich lebe nicht aussuchen. Ich bin in sie hineingeworfen. In dieser Welt leben mit mir -- in einem Land -- Menschen verschiedenster Herkunft. Ob dies nun das Ergebnis einer verfehlten Einwanderungspolitik ist oder nicht, macht für mich primär keinen Unterschied. Das ist so. Es macht sehr wohl einen Unterschied, was die Gestaltung der Einwanderungs- und Sozialgesetzgebung angeht. Hier vertrete ich durchaus rigurose Ansichten. Aber warum sollte ich einem arbeitenden Mitbürger egal welcher Herkunft die Schuld dafür geben?
Und: Wer aufgrund seiner politischen Ansichten praktisch ständig angegriffen wird, der sollte sich -- wie ich bereits sagte -- über den Schwachsinn von Pauschalisierungen im Klaren sein.
Noch was: Wer promoviert hat -- trotz mickrigen Gehalts -- keine Zeit für Nebenjobs (nur so als Spitze - Sie mussten ja darauf rumreiten).

@Sezession
Sie sollten mal die neue Ausgabe der Zeitschift Brandeins lesen. Die hat zum Thema Ausländergewalt durchaus relevante Beiträge zu bieten.

Theosebeios
12. Mai 2011 11:51

Zu den Beiträgen von JUERGEN

Ihre Kritik an der „Einseitigkeit“ von „Schnellroda“ ist in gewisser Weise gerechtfertigt. Schon der Titel der Schrift „Deutsche Opfer, fremde Täter“ weist auf eine „einseitige“ Aufbereitung, denn natürlich gibt es auch die umgekehrte oder die ethnisch homogene Täter-Opfer-Konstellation. Das Werk ist gleichwohl verdienstvoll, denn es bringt überhaupt erst eine Seite, die in den Medien vernachlässigt oder manipuliert wird, zur Sprache. Ein tabuisiertes, unterdrücktes Thema darzustellen, ist notwendig und zunächst notwendig „einseitig“; sie durchbricht das Schweigekartell. Eine Fallsammlung ersetzt allerdings keine tiefergehende Analyse. Wer und mit welchen Mitteln diese leisten sollte, weiß ich freilich auch nicht. (Vielleicht dereinst doch „Schnellroda“?) Wenn Sie als junger Akademiker einen solchen Versuch unternehmen sollten, würden Sie sehr rasch an Grenzen stoßen. Sie fänden mit Ihrem (konservativen) Konzept – z.B. zum Zusammenhang von Migration und Kriminalität – voraussichtlich keinen Betreuer. Falls doch, müssten Sie bald feststellen, dass Ihnen keine adäquaten Mittel zur Verfügung stehen. Die vorhandenen Strafrechtspflegestatistiken sind ungeeignet, das Thema wissenschaftlich solide zu durchdringen. Würden Sie bei Landeskriminalämtern / Statistischen Landesämtern Sonderauswertungen durchführen lassen wollen, würde man Sie mehr oder weniger sanft ausbremsen, ggf. auch deutlich darauf hinweisen, dass Ihre Frage bereits als Frage unerwünscht sei. Wenn Sie hartnäckig blieben und vielleicht mit ein paar Insiderkenntnissen belegten, dass es doch so manchen Datenbestand gibt, den man Ihnen vielleicht zur Auswertung öffnen könnte, würden Sie bald erfahren, was eine „rote Linie“ ist. Da hilft Ihnen dann keine Presse. Neben dem Schweigekartell besteht aber auch ein Interpretationskollektiv. Schließlich sind ein paar unangenehme Fakten ja bekannt. Es gibt unbestritten eine sehr hohe Zahl allochthoner Intensivtäter. Bei den männlichen dominieren Türken. Oder lesen Sie einmal Heisig und wie sie von einem namhaften Kriminologen aus Hannover interpretativ dementiert wird. Man bestreitet die Validität der polizeilichen Daten, greift in das selbst erforschte „Dunkelfeld“ oder erklärt die Höherbelastung durch die soziale Marginalisierung und fordert umgehend mehr Ressourcen, mehr Integrationsanstrengungen, Quoten usw. Ggf. wird Ihre persönliche Integrität / psychische Verfassung beanstandet. (Das sollte man wissen, wenn man „Schnellroda“ kritisiert.) Davon dürften Sie sich als junger Doktorand nicht beirren lassen, mehr noch: dagegen müssten Sie angehen, denn man wird von Ihnen verlangen, dass Sie sich diesem Interpretationskollektiv anschließen.
Ob man jenseits von Statistiken und repräsentativen Erhebungen im Rahmen von Fallanalysen weiterkäme? Schon dafür brauchte es wohl eines eigenen Instituts, in jedem Fall unabhängiger Forschungsmittel. Zumeist würden Sie die benötigten Informationen aus Datenschutzgründen nicht erhalten – manchmal aber vielleicht doch. Und was wäre, wenn Sie etwa sog. „Ehrenmorde“ untersuchten? Über ihre Abscheulichkeit gibt es ja ein breites Einvernehmen, und sie sind sicher migrationsbedingt. Anhand des Mordfalles Gülsüm Semin würden Sie womöglich ein eigenartiges Zusammenspiel zwischen deutscher Asylpolitik (bzw. deutschem Asylrecht) und der Genesis eines brutalen Mordes feststellen. Das nimmt dem Hauptschuldigen, dem Familienvater, der sich als Asylbewerber über viele Jahre hinweg ein Aufenthaltsrecht erzwungen hat, nicht die Schuld, zeigte aber eine für das „System“ nicht gerade gut vermittelbare Mitverantwortung. Wenn Sie hier etwas ins Bewusstsein heben wollen (bei denen, die das noch anzunehmen gewillt sind), lässt sich eine gewisse „Einseitigkeit“ kaum vermeiden. Die Darstellung darf freilich keine falschen Behauptungen umfassen. Solche sollten Konservative zurückweisen, selbst wenn das der eigenen Sache schadet. So wurde etwa in diesem Blog geschrieben, 80% aller Straftäter seien Muslime. Das ist unplausibel hoch (es müssten also 4 von 5 Mio. 2010 oder wann auch immer polizeilich registrierten Tatverdächtigen sein!), vor allem aber: das kann niemand wissen, es gibt für eine solche Quote keine valide Datengrundlage.
Zum Schluss doch noch ein Wort zu Ihrem Frisör, mit dem Sie gut auskommen – ich mit meinem übrigens auch. Was wäre allerdings, wenn Sie mit ihm über Ihre politischen Ansichten diskutierten und für die Absenkung der Anforderungen an die Abschiebung ausländischer Straftäter (s. Schweiz) einträten? Sie meinten weiters, dass neue Moscheen nicht gebaut werden sollten (s. Schweiz). Sie glaubten überdies, dass die Einwanderung überhaupt, insbesondere aber aus kulturfremden Gegenden (sehr stark) eingeschränkt werden sollte. Wir seien ein dichte besiedeltes Land in Mitteleuropa und kein Einwanderungsland. Man sollte schließlich sogar den sog. Familiennachzug (sehr stark) einschränken. Vielleicht entstünde doch ein Dissens mit Ihrem Frisör!? Vielleicht hat dieser ein paar enge Verwandte, die mit Leuten aus seiner Heimat und nicht mit von der Gedankenblässe des Westems angekränkelten Hiesigen verheiratet werden sollen. Er meint, diese Personen wären eine echte Bereicherung für Deutschland, und damit kann er sogar Recht haben, denn wir wissen es ja nicht. (Die meisten hier, mich eingeschlossen, wollen es auch gar nicht beurteilen müssen.) Was würden Sie ihm sagen? Vielleicht würde er Ihnen ja auch in allen genannten Punkten zustimmen, wer weiß. Es gibt ganz tolle türkische Frisöre.

Schopi
12. Mai 2011 21:17

@ Jürgen

Ich kann mir die Welt in der ich lebe nicht aussuchen.

Das ist wohl wahr!

Ob dies nun das Ergebnis einer verfehlten Einwanderungspolitik ist oder nicht, macht für mich primär keinen Unterschied. Das ist so.

Wieso?

Es macht sehr wohl einen Unterschied, was die Gestaltung der Einwanderungs- und Sozialgesetzgebung angeht. Hier vertrete ich durchaus rigurose Ansichten.

Nun, das ist jetzt aber nicht klar - der Gestaltungsspielraum von Staat und Politik umfasst beide Gebiete - also könnte der Staat neben "rigoroser" Sozialpolitik auch eine harte Einwanderungspolitik gesetzlich festlegen (von dem Gestaltungsrahmen, welcher die EU Diktatur noch bietet möchte ich jetzt nicht reden) - Mir wäre eine Einwanderungspolitik, wie sie etwa in Kanada praktiziert wird, sehr sympathisch.

Aber warum sollte ich einem arbeitenden Mitbürger egal welcher Herkunft die Schuld dafür geben?

Nein, gewiss nicht, sie verhalten sich so, wie es die polit. Rahmenbedingzngen erlauben. Diese Rahmenbedingungen sind absichtlich so festgelegt. Deutschland ist eine Art Schmelztiegel der unteren Klassen - ein Überangebot an Arbeitskräften im sog. Dienstleistungsbereich und überhaupt in allen Bereichen bis hin zum Facharbeiter ist erwünscht - es wird von der Wirtschaft, vom Staat so festgelegt - das sog. Sozialsystem ist daraufhin ja in der SchröderFischer Ära neu "justiert" worden.

Einem Überangebot an Waren folgt ein Überangebot an Menschenmaterial zum (billigen) Arbeiten - u.A. ist auch die Abschaffung von Volk, von Familie ja von jeglichem Gemeinschaftsgefühl unbedingt erforderlich - und die Rechnung scheint aufzugehen.

Schopi
12. Mai 2011 22:01

@ Kubitschek

harmonie in der gesellschaft hat etwas mit homogenität zu tun. homogenität bedeutet, daß rechtsmaßstäbe und ordnungsstrukturen umstandslos akzeptiert werden können, weil sie gemäß sind. je größer die kulturelle distanz, desto schwieriger wird es mit der harmonie, zumal, wenn massen aufeinandertreffen.

Was bedeuted wenn sie "gemäß" sind?

Ordnungsstrukturen und Rechtsmaßstäbe sind in meinen Augen immer in Relation zum System zu sehen. Mitunter drehen sie sich unter anderen Vorzeichen in ihr Gegenteil unter gleichen Deckmantel.

Entscheidend finde ich die Frage: Wer legt diese Maßstäbe und Strukturen fest? Waren es nicht immer die Herrschenden, die zu ihrem Vorteil die Regeln festschrieben (und festschreiben)?

...auf diese menschen 2. klasse kommen mehr sozialarbeiter, integrationsbemühte, sonderpädagogen, streetworker als auf deutsche mit ähnlichem status. in sie wird mehr geld investiert als in meine kinder.

Nun gut, wenn ihre Kinder auf die "schiefe Bahn" geraten sollen, was ich nicht hoffe, so werden sie den selben "Service" in Anspruch nehmen können (müssen).
Das ist aber in vielen anderen Lebensbereichen durchaus ähnlich. Erst das Ausscheren ruft die Sozial- und Helferindustrie zum Einschreiten.

Was mich etwas stört, ist die Formulierung "Menschen 2. Klasse".
Könnte es nicht sein, daß -zumindest einige dieser Menschen- die Diskrepanz intensiver spüren, aber eben damit nicht adäquat umgehen können, als eben die Menschen, welche sich innerhalb der Ordnungsstrukturen zugenebelt haben und nichts mehr spüren wollen oder können?- Böse Zungen sagen auch "Spießer".

Interessant wäre auch zu wissen, wer dann in die 1. Klasse oder gar 3. Klasse eingeordnet werden könnte.

So böse ist kein Hund, als das er nicht auch manchmal mit dem Schwanz wedelt ;)

juergen
13. Mai 2011 09:53

@Theosebeios

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, die sehr viele Anknüpfungspunkte zur Diskussion bietet.

Zunächst: Ihre Feststellung, dass eine Fallsammlung keine tiefgreifende Analyse ersetzt, teile ich. Auch die Verfasser dieser Fallsammlung sollten sich dessen bewusst sein. Trotzdem - auch hier stimme ich ihnen zu - ist es natürlich notwendig auch diese Seite zu beleuchten und nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Das Problem ist allerdings, dass zwei Seiten - Mainstreampolitik und Rechte - die nicht miteinander Reden jeweils einen Aspekt des behandelten Problems überbetonen und andere Aspekte gänzlich unter den Tisch fallen lässt. Jeder beschäftigt sich ausschließlich damit, die eigene Sicht zu verifizieren und die gegnerische Sicht zu falsifizieren. Keiner kommt auch nur auf die Idee, sich mit den Argumenten der Gegenseite unter der Annahme auseinanderzusetzen, dass diese richtig und hilfreich sein könnten. Die Schuld für den mangelnden Dialog und den Austausch von Argumenten ist sicher gerade nicht bei der Sezession zu suchen. Herr Kubitschek hat ein Angebot gemacht, öffentlich seine Sicht der Dinge zu diskutieren - es wurde ihm verwehrt. Man hat offen und auf eine beschämende Weise gezeigt, dass man an einem Dialog nicht interessiert ist.

Allerdings - Wolfsmann hat es schon angesprochen - sollte man zeigen, dass man selbst gerade nicht so ist und das eigene Medium für einen Dialog öffnen. Wer von seinen Argumenten überzeugt ist muss den Streit nicht fürchten! Es war der Sezession sogar eine kurze Meldung wert, dass die linken "Blätter für Deutsche und Internationale Politik" über die demokratiefähigkeit des Islam diskutierten und auch einen Beitrag veröffentlichten der diese bestritt. Als Blätter-Leser (ja neben der Sezession lese ich auch linke Publikationen - manchmal muss ich schmunzeln, wenn z.B. beide politisch eigentlich diametrale Medien die ökonomischen Theorien von Friedrich List positiv und für die Politik hilfreich bewerten!) hat mich die Debatte gefreut, beide Seiten haben gute Argumente gebracht.

Zu Statistiken: Ich sehe den Wert von Statistiken für soziologische Fragestellungen als sehr eingeschränkt an und möchte dies anhand eines kürzlich erschienen Artikels (brandeins 05/2011 S. 74 - 81, "Die Weltschule") erläutern. Der Artikel widerlegt eindrücklich beide Seiten der Diskussion in Deutschland - weder ist ein Migrationshintergrund der determinierende Faktor für eine Affinität zu kriminellen Handlungen, noch bedarf es vieler staatlicher Fördermittel - 2 Planstellen wurden zusätzlich geschaffen - um der Verwahrlosung Herr zu werden.

Es geht um eine Schule im Stockholmer Stadtteil Rinkeby. Ein Problemviertel mit 95% Ausländern. Und um einen neuen Rektor, der es geschafft hat, dass seine Schüler in Erhebungen regelmäßig zu den besten des Landes gehören - und sich ihre Karrierechancen nicht durch kriminelle Handlungen versauen möchten.

"Als Erstrand 1989 gebeten wurde, die Schule zu übernehmen, lag sie buchstäblich in Trümmern. [...] Das Direktorium und sowie 17 Lehrer hatten fristlos gekündigt, weil Unterricht nicht mehr möglich war."

Der neue Direktor bestand darauf, sich seine Lehrer selbst aussuchen zu dürfen. Und er stellte Regeln auf die er rigoros durchsetzte.

"Erstrand hält nichts von Multi-Kulti und dem Aushandeln von Geschäftsgrundlagen. Zu Beginn des Schuljahres lädt er daher die Eltern in die Aula und sagt stets das Gleiche: Sie hätten sich entschieden, in Schweden zu leben, was bedeute, die Regeln dieser Gesellschaft zu akzeptieren. Zudem sei es ihre Pflicht, ihren Kindern diese Regeln beizubringen, sonst werde es nichts mit dem Traum von den Gewinnern."

Konsequenterweise werden bei jedem Regelverstoß und sei er noch so klein die Eltern in die Schule zitiert.

"Ein Wissenschaftler, der die Erfolgsfaktorender Schule analysiert hat, nannte die "non-negotiability" der Regeln an erster Stelle."

Ein weiterer Punkt, ist sicherlich auch die ständige Präsenz von Polizisten. Allerdings müssen die nicht primär kommen um die Ordung aufrechtzuerhalten. Sie kommen weil Polizisten in der Schulmensa kostenlos zu mittag essen können.
"Seither kommen Beamte zwei- bis dreimal in dere Woche zum Essen, denn sie sollen hier so präsent sein wie in der Gesellschaft auch, sagt Ehrstrand."

Disziplin und rigorose Ahndung von Regelverstössen scheinen also die determinierenden Faktoren für den Erfolg der Schüler zu sein. Sie waren nicht erfolglos und kriminell weil sie Ausländer oder arm sind, sondern weil ihnen eine strenge führende Hand gefehlt hat.

Letztlich braucht es weder mehr Fördergeld noch Abschiebung um das Problem der Jugendkriminalität zu lösen, die besonders unter Ausländern ein schwerwiegendes ist. Es braucht Helden wie Herrn Ehrstrand, starke Führerperönlichkeiten, die auch die Freiheit besitzen entgegen der staatlich (durch die länder) vertretenen Kuschelpädagogik, hart durchzugreifen. Das wiederum ist eine ziemlich Rechte Position, finden sie nicht?

Sie und @Schopi haben noch einige Punkte genannt die ich diskutieren möchte, allerdings ruft jetzt erst mal die Pflicht.

juergen
13. Mai 2011 10:00

Ach, jetzt habe ich den Bezug zur Statistik ganz vergessen: An einer Statistik der Jugewnd und Ausländerkriminalität, die das ganze Land umfasst, ändert diese eine Schule natürlich nichts. Trotzdem ist hier die Betrachtung des Einzelfalls aufschlussreicher als die Betrachtung der Zahlen.

Alexander
13. Mai 2011 11:45

@Theosebeios:

Die Darstellung darf freilich keine falschen Behauptungen umfassen. Solche sollten Konservative zurückweisen, selbst wenn das der eigenen Sache schadet. So wurde etwa in diesem Blog geschrieben, 80% aller Straftäter seien Muslime. Das ist unplausibel hoch (es müssten also 4 von 5 Mio. 2010 oder wann auch immer polizeilich registrierten Tatverdächtigen sein!), vor allem aber: das kann niemand wissen, es gibt für eine solche Quote keine valide Datengrundlage.

Falsch, Kubitschek zitiert lediglich den Berliner Oberstaatsanwalt Reusch, der angibt, 80 % seiner Täter hätten einen Migrationshintergrund und 70 % seien orientalische Migranten.
Es handelt sich also weder um eine Behauptung Kubitscheks, noch um 80 % aller Straftäter. Und von 80 % muslimischer Straftäter ist auch keine Rede.
Reuschs Angaben legen also nahe, dass nahezu 70 % der Berliner Straftäter Muslime seien, was allerdings keine Rückschlüsse auf den prozentualen Anteil muslimischer Straftäter in anderen Regionen Deutschlands, bspw. Sachsen-Anhalts zulässt, weil dort eben (noch?) ganz andere Verhältnisse herrschen. Beunruhigend und alarmierend sind die Zahlen dennoch!

Noch eine Ergänzung zu Ihren Ausführungen über die Berechtigung des Fokus auf "Deutsche Opfer" und "fremde Täter":
Ihren angeführten Punkten zustimmend, muss noch gesagt werden, dass eine Arbeit umso detaillierter wird, desto spezieller sie ist. Deswegen sind zeitliche (2000-2010), räumliche (Deutschland) und thematische (Migrantengewalt gegen Deutsche) Eingrenzungen eines Themas erlaubt, zu begrüßen und notwendig. Bücher über "Jugendgewalt" gibt es bereits und Juergen kann ja eins über die "Täter und Opfer der Menschheitsgeschichte" schreiben.

Sugus
13. Mai 2011 11:48

@ Schopi
"Nun gut, wenn ihre Kinder auf die „schiefe Bahn“ geraten sollen, was ich nicht hoffe, so werden sie den selben „Service“ in Anspruch nehmen können (müssen).
Das ist aber in vielen anderen Lebensbereichen durchaus ähnlich. Erst das Ausscheren ruft die Sozial- und Helferindustrie zum Einschreiten."
Ich bezweifle stark, daß deutscher Plebs diesselben massiven behördlichen Hilfestellungen bekommt wie turko-orientalischer Plebs. Das äußert sich schon im "Migrantenbonus" vor Gericht. Und das ist für mich Teil des Problems.

juergen
13. Mai 2011 22:05

@schopi

Eine verfehlte Einwanderungspolitik in der Vergangenheit macht für mich insofern keinen Unterschied, dass sie in der Vergangenheit stattfindet.

Dass die Hereinholung türkischer Arbeitskräfte die Unternehmen gefreut hat, da sie sich mildernd auf den Lohndruck ausgewirk hat, wie Sie treffend beschreiben, mag wohl so sein. Nur kann ich daran jetzt auch nichts mehr ändern. Aktuelle Fragen der Einwanderungspolitik sind dagegen schon von belang (btw. der Überwiegende Teil der Asylanten der letzten Jahre kam aus Ländern die der Westen "befreit" hat).

@schopi & @Theosebeios

Zu Jugenkriminalität besonders unter Migranten habe ich mich oben schon geäußert. Noch kurz zu den Fehlanreizen im Sozialsystem die in Deutschland zur Überfremdung führen:

Eine kleine Veränderung in der Sozialgesetzgebung würde bereits dieses Problem abmildern (bzw. sie wäre generell wünschenswert):

ALGII wird pro Kopf an Haushalte ausbezahlt und wenn sich die Anzahl der Personen im Haushalt erhöht erhöhen sich die Bezüge. Was ist daran falsch? Einem Kind das Leben zu schenken bedeutet Verantwortung für dieses Kind zu übernehmen. Dieser Verantwortung müssen sich die Eltern bewusst sein. Wer ökonomisch nicht in der Lage ist, ein weiteres Kind zu ernähren, der sollte sich - dessen bewußt - dagegen entscheiden. Deshalb sollte derjenige, der sich trotz einer wirtschaftlichen Lage, die ihn in Abhängigkeit von der Gesellschaft zwängt, dafür entscheidet ein weiteres Kind zu bekommen auch nicht zusätzlich Geld für dieses Kind bekommen. Nein, er hat sich trotz seiner Abhängigkeit von anderen zu einer höchst unverantwortlichen Handlung entschlossen und als Konsequenz muss er mit den Mitteln, die ihm das Sozialgesetzbuch bisher zugestanden hat, eben ein weiteres Maul stopfen. Er hatte die freie Entscheidung.

Einfach mehr Sozialhilfe zu zahlen ist genau genommen eine Mißachtung der Würde des Empfängers. Ihm wird die Fähigkeit abgesprochen, die Konsequenzen seiner freien - im Falle eines weiteren Kindes sind das sehr tiefgreifende - Entscheidungen tragen zu können. Unser jetjiger Sozialstaat behandelt Menschen nicht anders als triebgesteuerte Tiere. Ficken ohne an morgen zu denken, die Gesellschaft zahlt ja. Würdeloser geht es ja mal echt nicht.

Würde der ausgezahlte Betrag Sozialhilfe fixiert, hätte dies wahrscheinlich einen dramatischen Rückgang der Geburtenrate unter den Sozialhilfeempfängern (unter denen wiederum besonders viele Migranten u.a. aus der Türkei sind) zur Folge. Das ist nicht nur wünschenswert sondern sogar moralisch geboten - wenn wir unter Moral verstehen, dass wir jedem Menschen, egal welcher Herkunft - die Fähigkewit zusprechen, selbst die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Wer unverschuldet in Not gerät, dem steht Sozialhilfe zu. Aber natürlich hat er auch eine entsprechende Verantwortung. Er muss mit den Mitteln, die ihm die Gesellschaft zum Zeitpunkt, als seine Not begann, haushalten. Kinder in die Welt zu setzen gehört da sicherlich nicht zu den Prioritäten.

juergen
13. Mai 2011 22:56

@ Alexander

auch Ihre Betrachtung ist fehlerhaft. Der von Ihnen genannte Berliner Oberstaatsanwalt spricht von 70% Tätern mit orientalischem Hintergrund. Für Sie liegt nahe, dass es sich um bei den Orientalen ausschließlich um Muslime handelt. Wie kommen Sie zu dieser Aussage? Das bringt uns wiederum zu der spannenden Frage: Kann man die Religösität eines Menschen in Zahlen fassen? Kann man die Affinität zu Gott oder Allah quantifizieren.

Bahners zerlegt in seinem - hier gescholtenen Buch - auf eine für einen Geisteswissenschaftler beeindruckende Weise eine "Statistik" aus Niedersachsen (ich bitte um Verzeihung, dass ich aus dem Gedächtnis schreibe. Ich habe das Buch gerade verliehen, reiche die entsprechenden Zitate aber auf Wunsch natürlich nach).

Nach dieser Statistik hieß es: Muslime sind under den Gewalttätern überrepräsentiert. Dies legt natürlich den Schluss nahe, dass der Islam als religion generell die Gewaltbereitschaft fördert usw. usf.

Was ist nun falsch an dieser "Statistik"?

Nun, zunächst beruht die Messung" der Religösität auf einer Selbsteinschätzung der Befragten. Das ist schlecht weil fehleranfällig. Aber selbst wenn man dies für vernachlässigbar hält:

Jugendliche, die angaben, mäßig Religiös zu sein, waren unter den Gewalttätern unterräpräsentiert - im Gegensatz zu denen die sich selbst als sehr religiös UND denen die sich selbst als nicht religiös einstuften. Wenn man also überhaupt eine Aussage aufgrund der mehr als fragwürdigen Erhebung treffen kann, dann diese, dass ein gemäßigter Islam eher eine positive Wirkung entfaltet, gerade auch gegenüber der areligiösen Kontrollgruppe.

aber es kommt noch besser: Von den Gewalttätern, die sich selbst als sehr religiös einstuften gaben nur 10 - 15% (die genaue Zahl habe ich nicht im Kopf, sie bewegte sich aber in diesem Größenbereich, reiche ich gerne nach) an, regelmäßig die Moschee zu besuchen. Ok, jetzt kommt die Preisfrage: Als wie religiös würden Sie einen Katholiken einstufen, der nicht regelmäßig die Kirche besucht?

Sugus
14. Mai 2011 14:23

@ Jürgen
- Orientalische Muslime sind schon in den Heimatländern die ganz überwiegende Mehrheit. Länder wie Algerien, Türkei etc. haben vielleicht 1% Christen in der Bevölkerung, Länder wie Syrien und Ägypten vielleicht 10%. Wenn auch nur ein bedeutender Anteil der orientalischen Straftäter Kopten, Aramäer oder sonstiges wäre, würden wir das wissen - allein schon, weil die muslimischen Interesenverbände groß darauf verweisen würden. tun sie aber nicht.
- Sie dürfen nicht den Fehler machen, Religiosität in Europa mit jener im Orient gleichzusetzen. Würden Sie jemand, der kaum in die Moschee geht, aber Schweinefleisch konsequent meidet, nicht als gläubigen Muslim bezeichnen? Außerdem: wie verlässlich sind Selbstauskünfte zur eigenen Religiosität?
Der Islam ist ein politisch-soziales System. Sie können gerne mal eine Gruppe von jugendlichen Türken/Arabern, die Sie für säkularisiert/verwestlicht/amerikanisiert halten, mit ganz leichter Kritik am Islam konfrontieren und die Reaktion abwarten. Vielleicht würde Ihnen sogar der eine oder andere Recht geben - im Zwiegespräch im stillen Kämmerchen. Aber nie in der Gruppe.
Literaturtip: Kleine-Hartlage: "Das Dschihadsystem".

Alexander
14. Mai 2011 14:34

@juergen:

Erstens: Ich sprach, man könne nach Reuschs Aussage auf "nahezu"(!) 70 % muslimische Täter schließen; von "ausschließlich" war keine Rede. Bitte sorgfältiger lesen!

Zweitens: Zum einen darf man zumindest vermuten, dass Reusch mit "orientalischen Migranten" Muslime meint. Zum anderen ist das Morgenland eben v. a. muslimisch. Israelische Juden und syrische, armenische und irakische Christen dürften in den 70 % von Reusch eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Zu Ihren Ausführungen über Religiösität:
Erstens sind auch nichtpraktizierende oder sogar ungläubige Moslems vom Islam (Kultur!) geprägt und zweitens zeigt Ihre Statistik, dass wir den Blick nicht (nur) auf den Islam richten dürfen, sondern dass es sich um ein deutsches Selbstbewusstseins- und allgemeines Einwanderungsproblem (wenngleich Muslime hierbei eine hervorgehobene Stellung inne haben) handelt.
Beißen wir uns doch jetzt nicht auf den Islam fest, nur weil Herr Reusch die "orientalischen Migranten" ins Spiel brachte.

Ihrer Kritik an der Sozialgesetzgebung kann ich mich anschließen. Und da bin ich hier kaum alleine.

juergen
16. Mai 2011 08:40

@sugus

Erstens: Es ging ja gerade darum, dass man Religiösität nicht objektiv messen kann. Trotzdem werden munter Schlüsse gezogen über den Zusammenhang zwischen Islam und Gewaltbereitschaft.

Und nein, eine Essgewohnheit macht noch keinen religiösen Menschen. Dass hier überhaupt solche Fragen gestellt werden ist schon hart. Wenn jemand zwischen Aschermittwoch und Ostern fastet, weil es dem Körper einfach mal gut tut (es gibt solche Menschen) ist der auch noch lange kein Christ.

Zweitens: Bitte verraten Sie mir, wie oft Sie schon mal einer Gruppe "Muslime" gegenüber den Islam kritisiert haben. Oder haben sie das nur bei PI gelesen?

Drittens: Wie oft waren Sie denn schon im Orient um so genau über die Religösität dort bescheid zu wissen? 2006 habe ich im Iran jede menge Gläubiger Muslime kennengelernt. Die haben 5 mal am Tag gebetet, den Rammadan eingehalten (und sich trotzdem mit uns auf eine Wiese in Teheran zum Picknick gesetzt, obwohl ja eigentlich verboten) fanden Metallica ganz toll und wünschten ihren Mr. Monkey zum Teufel. Die hat nichts mehr angekotzt als in einer ISLAMISCHEN Republik zu leben.

Ich hab mich lange genug auf seiner webseite aufgehalten um festzustellen, dass mir „Das Dschihadsystem“ keinen Erkenntnisgewinn bringt. Ich war schon länger in zwei muslimisch geprägten Ländern und habe meine Erfahrungen gemacht.

Die sind sicher nicht allgemeingültig, aber ich behaupte hier auch nicht, dass alle Muslime friedlich wären. Ich bezweifle, dass man einen Menschen einzig und alleine auf die Religion reduzieren kann. Und "Statistik" wie sie von ALLEN Seiten des politischen Spektrums betrieben wird um die eigene Position zu untermauern. Als Naturwissenschaftler weiß man da oft nicht, ob man lachen, weinen oder kotzen soll ob dieser geballten Inkompetenz.

@Alexander

Ja, die kleinen Worte machens. Tut mir leid. Trotdem muss ich an der Unterscheidung zwischen einem durch (muslimische) Kultur geprägten
Atheisten und einem gläubigen Muslim unterscheiden. Muss ich sogar, aufgrund meiner eigenen Religiösität.

Für mich war die Motivation hier über den Islam zu schreiben, ein Artikel von Weißmann, in dem er den Begriff taqiyya teilweise legitimiert. Und Kubitschek beschwert sich hier über den Mimikry-Vorwurf.

Schopi
16. Mai 2011 08:49

Sugus

Ich bezweifle stark, daß deutscher Plebs diesselben massiven behördlichen Hilfestellungen bekommt wie turko-orientalischer Plebs. Das äußert sich schon im „Migrantenbonus“ vor Gericht. Und das ist für mich Teil des Problems.

Da kann ich mich nicht anschliessen, richtig ist wohl, daß die "turko-orientalische Plebs" rein zahlenmäßig eine bedeutende Rolle in der (aus diesem Grunde verwässerten) Kriminalstatistik spielen - aber Bedenken Sie auch:
Alle (!) sog. Eingliederungs- Resozialisierungs-, Integrations- oder was weiß der Kuckuck-Maßnahmen basieren auf dem zeitgeistlich falschen Menschenbild, nämlich, daß sich alles und jeder therapieren läßt wenn man nur lange genug und vor allem reichlich nachhilft - so wird dann aus dem Stumpfkopf ein neuer Einstein, aus dem Unmusikalischen ein Klaviervirtuose und aus dem asozialen Schläger ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft - das ist die gängige Marschroute und die Basis und Betätigungsfeld der Helferindustrie.
Hier wird dann eben keine Unterscheidung wg. Herkunft gemacht wird: hier nur einige Beispiele, wo Milliarden jährlich "investiert" werden: Drogentherapie, "Aussteigerprogramme" für Nazis, Gefängnisse, die pro Kopf mehr Geld verschlingen als ein Altersheim (!) - für "Normale" bleibt da nicht mehr viel übrig, da dürfen die Eltern beispielsweise im Sondereinsatz im Kindergarten Unkraut jäten oder in der Grundschule Klassenzimmer streichen, weil. wie immer behauptet, kein Geld da ist.

Theosebeios
16. Mai 2011 11:39

Zu JÜRGEN
„ … weder ist ein Migrationshintergrund der determinierende Faktor für eine Affinität zu kriminellen Handlungen, noch bedarf es vieler staatlicher Fördermittel – 2 Planstellen wurden zusätzlich geschaffen – um der Verwahrlosung Herr zu werden.“
Das ist richtig. Sie dürfen mir auch glauben, dass ich zu unterscheiden weiß (und die Mehrheit hier): migrationsbedingte Kriminalität vs. Kriminalität von Migranten (oder Ausländern). Es besteht kein Zweifel, dass die sozialpädagogische Ummantelung von „Problemkindern“ so manche strafrechtliche Auffälligkeit erstickt und sogar positiv auflöst. Es ist aber nicht gleichgültig, wie Sie anzunehmen scheinen, wie die Probleme entstanden sind: nämlich durch Masseneinwanderung und die deutsche Politik. Wenn man sich nur mit den Folgen einer Fehlentwicklung beschäftigt, versteht man ihre Ursache nicht. Wenn man Ihre „2 Planstellen“ hochrechnet, müsste ein Heer von Sozialarbeitern eingestellt werden (und warum eigentlich nur für Migranten?) Solche Heere besoldeter Problemlöser lösen nicht nur, sie schaffen auch zusätzliche Probleme, ohne Ursachen (z.B. ungesunde Familienstrukturen) beseitigen zu können.
Musterbeispiel Rinkeby: „ … ständige Präsenz von Polizisten …“
„ … Disziplin und rigorose Ahndung von Regelverstößen scheinen also die determinierenden Faktoren für den Erfolg der Schüler zu sein. Sie waren nicht erfolglos und kriminell, weil sie Ausländer oder arm sind, sondern weil ihnen eine strenge führende Hand gefehlt hat.“
Nun ja, die guten Projekte. Heisig ist ja nach ihren Besuchen in Rotterdam und Oslo auch recht optimistisch gewesen. Mit solchen in den Medien kolportierten Musterbeispielen sollte man aber vorsichtig sein. Über Rinkeby gibt es meines Wissens keinen wissenschaftlichen Fachartikel, nicht einmal in der Datenbank des Scandinavian Research Council for Criminology findet sich etwas. Pädagogisch bin ich auch für „Disziplin und rigorose [ich bevorzuge: konsequente] Ahndung von Regelverstößen“. Wieso aber glauben Sie, dies seien „determinierende Faktoren für den Erfolg der Schüler“? Da gehört wohl noch mehr dazu …
Die „ … ständige Präsenz von Polizisten …“ widerspricht der deutschen Schulkultur. Natürlich mag man das in brisanten Fällen fordern, um den Folgen der ganzen unseligen Entwicklung die Spitze abzubrechen. Aber wo soll das hinführen? Im öffentlichen Nahverkehr, auf öffentlichen Plätzen, in Kaufhäusern, in den muslimischen Gebetsräumen — Polizei, Polizei, Polizei? In welchen ‚Polizeistaat’ sollen wir das Land denn verwandeln, um (migrationsbedingte) Kriminalität zu bekämpfen?
„Es braucht Helden wie Herrn Ehrstrand, starke Führerpersönlichkeiten, die auch die Freiheit besitzen, entgegen der staatlich (durch die Länder) vertretenen Kuschelpädagogik, hart durchzugreifen.“
Ja, wir brauchen gute Pädagogen und wir haben vielleicht allzu viele, die dieses Prädikat nicht unbedingt verdienen. Sie können sicher sein, dass so manche Lehrer in unserem Lande bereits versucht haben (und es immer noch versuchen), einen von der „staatlich vertretenen Kuschelpädagogik“ abweichenden Stil zu praktizieren. Vielleicht schildern die (ehem.) Lehrer in dieser Runde einmal, wie solche Versuche auszugehen pflegen. Eine ‚schwarze Pädagogik’ zu fordern, weil sich Migranten ansonsten nicht disziplinieren lassen, wäre sicher der falsche Weg. Langfristig würden wir dann den freiheitlichen deutschen Geist schließlich doch den Gegebenheiten einer multikulturellen Gesellschaft opfern.

Sugus
16. Mai 2011 11:49

@ juergen
"Erstens: Es ging ja gerade darum, dass man Religiösität nicht objektiv messen kann. Trotzdem werden munter Schlüsse gezogen über den Zusammenhang zwischen Islam und Gewaltbereitschaft."
Für mich ist nicht die entscheidende Frage, ob ein frommer Muslim gewaltbereiter ist als einer, der sich selbst gar nicht als frommen Muslim sieht. Die Lebensrealität zeigt, daß diese Leute mit ganz wenigen Ausnahmen a) Gewalt relativ schnell und hemmungslos anwenden, b) zusammenhalten wie Pech und Schwefel c) die Schuld immer bei anderen suchen und keine Selbstkritik kennen.
Und ja, Religion ist oft ihr Gesslerhut. Ich kann das eine nicht vom anderen trennen.

"Und nein, eine Essgewohnheit macht noch keinen religiösen Menschen. Dass hier überhaupt solche Fragen gestellt werden ist schon hart. Wenn jemand zwischen Aschermittwoch und Ostern fastet, weil es dem Körper einfach mal gut tut (es gibt solche Menschen) ist der auch noch lange kein Christ."
Für mich ist nicht die Frage, ob die Einhaltung von Essenstabus jemand zu einem religiösen Menschen macht oder nicht. Die Frage ist, ob die demonstrative Einforderung solcher Vorschriften uns Deutsche zum Ducken zwingt und in diesem Sinne politische Auswirkungen hat. Wenn im deutschen Knast Knast muslimische Gefangene im Ramadan Bekochung nach Sonnenuntergang einfordern, dann ist mir die Motivation des einzelnen egal. Sogar wenn 90% dies wirklich aus religiösen Gründen wollten (und nicht, um den Deutschen zu zeigen, daß sie Sonderrechte haben wollen), wäre ich dagegen.

Ich war vor sehr vielen Jahren mal Rucksackreisender in der Türkei. Sonst habe ich "nur" die Erfahrungen gesammelt oder von verlässlichen Freunden gehört, die man in Deutschlasnd inzwischen so macht. Leider muß man ja nicht mehr in den Orient fahren, um Orient zu erleben.

sancassiano
16. Mai 2011 13:32

Diese Geschichte ist doch nichts Neues.
Wann hören wir auf, die Weinerlichkeit zu celebrieren und machen uns an die Arbeit, diesen liberalen Müll endlich dahin zu schaufeln, wo er hingehört: Auf den Sondermüll.
Cui bono!
Diese pseudolinken ADS-Phlegmatiker geilen sich doch nur daran auf, wie wir uns ärgern.

Einfach weitermachen, Clausewitz lesen, wie man den Gegner bekämpft, vielleicht nochmal die Gefängnishefte Gramscis lesen, wie man den Kulturkampf gewinnt und dann weiterarbeiten.

Löffelstiel
21. Mai 2011 10:54

@sancoassiano
Danke für den Hinweis auf Gramscis.
Clausewitz gelesen. Da fällt es mir, als gegenwärtige Frau, äußerst schwer, die Bedeutung dieses Säulenheiligen der Konservativen für die Gegenwart zu transformieren. Weder offenbart sich mir eine über die Zeit hinaus gültige militärische Strategie und Taktik noch eine zeitlose philosophische Tiefe. Bleiben da mehr als nur ein paa faszinierende, aber ungebräuchliche Zitate übrig?

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