Sezession
16. Mai 2011

Der Bürgerkrieg von Athen

Martin Lichtmesz

Die deutschen Medien waren insgesamt relativ verhalten, was die erneuten Unruhen in Athen betrifft, die vorrangig unter den Etiketten "Gewalt gegen Ausländer" und "rassistische Ausschreitungen" abgehandelt wurden.  Das fällt auch auf im Vergleich mit den Berichten über die blutigen Demonstrationen gegen die finanziellen Einsparungen der griechischen Regierung vom Anfang des Monats.  Eine allzu ausführliche Berichterstattung würde wohl zu unerwünschten Schlußfolgerungen führen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Einen recht informativen Text fand ich auf der US-Seite Alternative Right, Manfred-Kleine Hartlage hat ihn dankenswerterweise flugs übersetzt. Einen weiteren Bericht in englischer Sprache gibt es hier.

Was war geschehen? Am 10. Mai haben in einem überfremdeten Stadtteil von Athen drei Nordafrikaner den 44jährigen Familienvater Manolis Kantaris wegen einer Videokamera überfallen und erstochen. Dies hat eine Explosion von gewaltsamen Übergriffen gegen Ausländer und "Menschen mit dunkler Hautfarbe" ausgelöst.  Zur gesteigerten emotionalen Reaktion der Griechen auf diesen auf offener Straße verübten Mord trug bei, daß Kantaris auf dem Weg ins Krankenhaus war, um die Geburt seiner Tochter mit besagter Kamera zu filmen. Dieser Vorfall war der berühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, und in der Folge multiple Fronten auf den Plan rief: Einheimische, Ausländer, Rechts- und Linksextremisten, Polizei... ein urbaner Bürgerkrieg, in dem archaische Gruppengefühle wieder erwachen, und der wie immer nur Kollektivschuldige kennt und verschlingt.

Die Wut auf die verfehlte Einwanderungspolitik der griechischen Regierung, und ihre Unfähigkeit, die damit verknüpfte Kriminalität zu bekämpfen, hat nun ebenso wie die Empörung über ihre Finanzpolitik weite Teile des Landes erfaßt, und nicht bloß einige "Extremisten", wie manche deutsche Medien zu suggerieren versuchen. Wie zu erwarten, stellten sich diese implizit auf die Seite der Einwanderer, indem sie die Ausschreitungen als "rassistisch" und "fremdenfeindlich" rubrizierten, und das Augenmerk auf ausländerjagende, "rechtsradikale" Mobs legten. Da liest man unter anderem: "Gewalt gegen Ausländer eskaliert", "In der Hauptstadt Athen herrscht ein Klima der Angst", "Griechenland versinkt immer mehr in einem Sumpf aus Fremdenfeindlichkeit und Armutsangst".

Dsa alles ist richtig, aber wie immer wird in diesem ganzen Szenario heruntergespielt, daß eskalierende Gewalt und ein "Klima der Angst" in Athen schon seit langem vorherrschen. Die handfesten Ursachen von "Fremdenfeindlichkeit" oder "Rassismus" werden verharmlost oder in den Bereich ethischer Defekte verbannt.  (Der Spiegel etwa braucht bis zur Hälfte seines Berichts, ehe er beiläufig erwähnt, "angeblich" sei der "Tod eines Mannes" der Auslöser gewesen.) Wer aber von einer explodierenden "Fremdenfeindlichkeit" in Athen spricht, darf von der Feindlichkeit der Fremden nicht schweigen.

Der Korrespondent der ARD war so ehrlich, den Hintergrund der Eskalation zu beschreiben. Mit wachsenden Massen von Ausländern, die weder ausreichend untergebracht, noch versorgt, noch beschäftigt werden können (von "Integration" redet schon niemand mehr), sind ganze Stadtteile zu von Kriminellen beherrschten Ghettos verkommen:

Die Stimmung im Athener Innenstadtviertel Agios Panteleimon ist bereits seit Monaten angespannt. Von vielen Hauptstadtbewohnern hört man immer wieder den Satz: Wir erkennen unsere Stadt nicht wieder. "Hier leben nur 20 Prozent Griechen! Schauen Sie sich mal um! Alles ist voll mit denen! Ausländer, Fremde! Hier geht es drunter und drüber!", sagt ein Passant.

Der ehemals gemütliche und familienfreundliche Stadtteil Agios Panteleimon ist heute für jedermann sichtbar völlig heruntergekommen. Verschmutzte und zugemüllte Straßen und Plätze, Schmierereien, offen sichtbarer Drogenhandel und bettelnde Obdachlose. Viele Wohnungen in dem Viertel sind illegal an Flüchtlingsfamilien vermietet. Diese sind zwar froh, dass sie überhaupt ein Dach über dem Kopf haben, aber sie zahlen teilweise horrende Beträge für wenigen Quadratmeter. "In diesem kleinen Haus hier wohnen 40 bis 50 Ausländer!" sagt ein Anwohner. "Der Besitzer lebt in einem vornehmen Vorort im Norden Athens, er kassiert 40 mal fünf Euro am Tag."

Dimitrios Papageorgiu schreibt auf Alternative Right:

Griechenland ist ein Land, das mit Einwanderern erst seit 20 Jahren zu tun hat. Die erste Welle von Einwanderern waren Europäer, hauptsächlich Albaner und andere Osteuropäer; sie verursachten allgemein eine Zunahme der Kriminalität, aber keine größeren sozialen Zusammenstöße. Die zweite Welle der afrikanischen und südasiatischen Einwanderung hat sehr viel Spannung besonders im Zentrum Athens verursacht, das manchmal als ein riesiges Getto beschrieben wird. In den letzten drei Jahren aber haben sich Bürger in bestimmten Gebieten des Zentrums geweigert wegzuziehen, wie so viele es getan haben; sie haben sich in “Komitees” organisiert und sind aktiv im “Widerstand gegen die Übernahme ihrer Nachbarschaft” wie sie es nennen.

Die Welt berichtet:

Die Arbeitslosenquote beträgt inzwischen 15,9 Prozent. Die griechischen Behörden haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 500 000 illegale Zuwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika aufgegriffen. Mittlerweile leben in Griechenland unter insgesamt 11,3 Millionen Einwohnern schätzungsweise eine Million Migranten. Wegen der Wirtschaftskrise finden immer weniger von ihnen Arbeit. Mit Blick auf die Proteste warnte Bürgermeister Giorgos Kaminis, in Athen könnten bürgerkriegsähnliche Verhältnisse heraufziehen.

In den Salzburger Nachrichten hört sich das so an:

Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt vor der Zunahme rassistisch motivierter Gewalt im Zentrum Athens gewarnt. Doch die Regierungen der vergangenen 15 Jahre haben nichts dagegen unternommen. Im Zentrum Athens leben laut Schätzungen mehr als 300.000 Migranten. Viele von ihnen sind ohne Papiere und hausen in heruntergekommenen Wohnungen oder verlassenen Häusern. Wegen der Finanzkrise im Land wird es für Migranten immer schwerer, Arbeit zu finden. Inzwischen dürften in Griechenland mehr als eine Million Migranten leben – bei insgesamt 11,3 Millionen Einwohnern.

So ist das mit den "Menschenrechtsorganisationen": ihre größte Angst ist "rassistisch motivierte Gewalt", aber die Gewalt, die dieser vorangegangen ist, die Gewalt, die den Einheimischen das Leben zur Hölle macht, die Gewalt, die dem Rassismus der Einwanderer selbst entstammt,  scheint ihnen weniger schlaflose Nächte zu bereiten. "Menschenrechtsorganisationen" fordern in der Regel "Toleranz"- und "Antirassismus"-Programme, um Zustände zu problematisieren und zu klittern, die es ohne die von ihnen geförderte Einwanderung gar nicht gäbe.

Indessen das Beste und Naheliegendste, was eine Regierung tun kann, um dem Anstieg von Fremdenfeindlichkeit vorzubauen, wäre die Einwanderung drastisch zu beschränken, womit sie auch ihrem demokratischen Auftrag, den Volkswillen zu erfüllen, entgegenkäme. Und das ist es, was die griechischen "Regierungen der letzten 15 Jahre" unterlassen haben.

Griechenland steht mit dieser Politik nicht allein da. Anstelle endlich realistisch zu handeln, werden von den politischen und medialen Eliten Europas noch mehr Einwanderung und noch mehr Heterogenisierung, noch mehr "Erziehung" des widerspenstigen, unheilbar "rassistischen" Volkes als Gegenmittel eingefordert. Ein besonders niederträchtiges, orwelleskes Beispiel für diese Denke hat unlängst Jakob Augstein im Spiegel online geliefert.

Aber mehr Einwanderung, mehr "multikulturelle" Fragmentierung der Gesellschaft, mehr zusammengezwängte heterogene Menschenmassen, mehr öffentliche Unterdrückung und Abwertung des Eigenen und gleichzeitige Verklärung und Favorisierung des Fremden, wird nur noch mehr Spannungen, Gewalt und Polarisierung, nur noch mehr Rassismus und noch mehr Fremdenfeindlichkeit zur Folge haben. Eine linksliberale Politik züchtet in ihrer Verblendung haargenau das, was sie zu bekämpfen vorgibt.

Die Eskalationen in Athen sind ein mahnendes Exempel dafür, was auch Deutschland bevorsteht, wenn nicht endlich Maßnahmen ergriffen werden.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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