Sezession
26. Mai 2011

Günter Scholdt: Das konservative Prinzip

Felix Menzel

Der Literaturwissenschaftler Günter Scholdt sucht in seinem kaplaken-Bändchen Das konservative Prinzip nach einem Weg, den man trotz des alltäglichen Wahnsinns erhobenen Hauptes gehen kann. Der Konservative von heute dürfe sich nicht bequem anpassen, sich aber auch keiner Machbarkeitsutopien eines großen politischen Wurfes hingeben. Vielmehr muß es ihm um die Kernsubstanz, um Charakter und innere Stärke gehen.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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SEZESSION: Die habituellen Unterschiede zwischen Konservativen und Linken verwischen immer mehr. Am deutlichsten sieht man das wohl am neuen Ministerpräsident von Baden-Württemberg, dem Grünen Winfried Kretschmann. Warum ist es trotzdem sinnvoll, ein „Konservatives Prinzip“ zu formulieren?

SCHOLDT: „Konservatismus“ zu Ramschpreisen gibt es sogar ziemlich häufig. Ihm huldigt letztlich die große Mehrheit des heutigen Politestablishments, insofern sie wild entschlossen ist, ihre ideellen und materiellen, macht- und mediengestützten Pfründen auf Teufel komm raus zu verteidigen. In diesem Sinne erinnern links-grüne Weltbilder und ihre Sanktionsmaßnahmen an einen Naturschutzpark, der von schwerbewaffneten, schießwütigen Grenzwächtern gegenüber unbotmäßigem Gedankengut  abgeschottet wird.
Daneben gibt es glücklicherweise aber noch eine unverächtliche Variante des Konservatismus. Man erkennt diesen an seiner Opposition zum Zeitgeist und seinem unbeirrten Beharren auf (Meinungs-)Freiheit – ein in jeder Epoche lebensnotwendiger Kampf, für den es sich lohnt, Opfer zu bringen. Als Lackmustest zur Bestimmung konservativer Substanz dient sein untaktisches, risikobereites Verhältnis zur Wahrheit, deren Definition er nicht von den jeweils modischen Einsichten oder herrschaftskonformen Wünschbarkeiten monopolisiert wissen will.

SEZESSION: Sie sagen selbst, daß der Konservative eigentlich immer nur ein Verlierer sein kann. Warum sterben Konservative trotz dieser mangelnden Attraktivität nicht aus? 

SCHOLDT: Weil nicht alles von vorneherein determiniert ist, und manches noch beeinflußt werden kann. Weil wir nicht alles gutheißen dürfen, nur weil es geschieht. Der Lemmingzug war noch nie ein konservatives Ideal. Vor allem aber, weil es zu allen Zeiten Charaktere gab, die sich nicht korrumpieren ließen und ihr Handeln nicht allein an wechselnden Opportunitäten oder (kurzfristigen) Erfolgsaussichten orientierten.

SEZESSION: In Ihrem Konservativen Prinzip unterscheiden Sie nicht explizit zwischen einer öffentlichen Politik und dem privaten Leben. Ist, wie die 68er es propagiert haben, alles Private politisch?

SCHOLDT: Daß es private Räume stets geben muß, war von jeher eine Grundüberzeugung des Konservativen, der sich von diversen Spielarten einer „Brave New World“ wenig verspricht. Ohnehin wird man, auch um Scheuklappen zu vermeiden, sein persönliches Umfeld vernünftigerweise nicht ausschließlich nach politischen Freund-Feind-Beziehungen ausrichten. Hinzu käme Ernst Jüngers Devise, daß es für einen Autor – und dieser Begriff sei im weitesten Sinne genommen – keine „schlechte Gesellschaft“ gebe. Nicht gemeint ist jedoch jene pharisäerhafte Schizophrenie, die von den Toscana-Fraktionen aller Parteien und Zeitalter praktiziert wird, wonach man „links“ oder „grün“ predigt und „rechts“ lebt. Schon die Orientierung am Pflichtbegriff ist für echte Konservative ein weithin ins Private eingreifendes Unterscheidungsmerkmal.

Mehr Informationen zu Günter Scholdts Buch Das konservative Prinzip gibt es hier.


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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