Islam als politisches Modell

pdf der Druckfassung aus Sezession 40 / Februar 2011

von Karlheinz Weißmann

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, eine Generation nach dem Fall des letzten maurischen Stützpunkts in Spanien,...

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

kam es erneut zu einem direk­ten Zusam­men­stoß zwi­schen isla­mi­scher und abend­län­di­scher Welt. Das osma­ni­sche Reich hat­te nach der Erobe­rung Kon­stan­ti­no­pels begon­nen, den süd­ost­eu­ro­päi­schen Raum zu unter­wer­fen. 1526 sieg­ten sei­ne Trup­pen in der Schlacht bei Mohacs und stie­ßen wei­ter nach Öster­reich vor. Sie mar­schier­ten auf Preß­burg, wand­ten sich dann aber gegen Wien, das sie 1529 erreich­ten und bela­ger­ten. In die­ser Situa­ti­on for­der­te Karl V. die Reichs­stän­de zur Unter­stüt­zung auf. Die evan­ge­li­schen zöger­ten wegen der Unter­drü­ckungs­maß­nah­men, denen sie in der Ver­gan­gen­heit durch ihr katho­li­sches Haupt aus­ge­setzt gewe­sen waren.

Ange­sichts die­ser Lage for­der­te Luther sei­ne Anhän­ger auf, dem Kai­ser den »Tür­ken­pfen­nig« als Kriegs­steu­er zu zah­len und Trup­pen zu stel­len. In der Stun­de der Gefahr, so Luthers Argu­men­ta­ti­on, habe der Glau­bens­streit zu schwei­gen, müß­ten alle Kräf­te zur Ver­tei­di­gung gebün­delt wer­den. Er lehn­te zwar den vom Papst gefor­der­ten Kreuz­zug ab, bil­lig­te aber aus­drück­lich eine mili­tä­ri­sche Akti­on unter dem Kom­man­do des Kai­sers als welt­li­cher Obrigkeit.

In vie­lem folg­te Luther der mit­tel­al­ter­li­chen Theo­lo­gie im Hin­blick auf sei­ne Argu­men­ta­ti­on gegen den Islam. Er hielt ihn auch für die »Zucht­ru­te Got­tes«, für eine end­zeit­li­che Prü­fung, sogar für eine Teu­fels­leh­re gleich der des Paps­tes. Unge­wöhn­lich war aber die Deu­tung als poli­ti­sches Mus­ter. In sei­ner Abhand­lung Vom Krie­ge wider die Tür­ken hieß es: »… der Tür­ke ist der Mann, der dich ler­nen wird, was du itzt für gute Zeit hast, und wie jäm­mer­lich, undank­bar­lich, bös­lich du sie wider Gott, sei­ne Die­ner und dei­nen Nähis­ten zubracht, ver­säu­met und mis­se­braucht hast. Der Tür­ke weiss den Adel zu mus­tern und zu demüt­hi­gen, die Bür­ger zu züch­ti­gen und gehor­sam zu machen, die Bau­rn zu zäh­men und den Muthwil­len zu büs­sen. Dar­umb den­ke und sei frumm, und bit­te Gott, dass der Tür­ke nicht dein Schul­meis­ter wer­de: das rath ich dir, er hats vor Wien all­zu greu­lich bewei­set, wie ein wüs­ter, unsau­ber Zucht­meis­ter er sei.«

Ein Aspekt der Zwei-Rei­che-Leh­re Luthers war eben, daß er den Staat als sol­chen für denk­bar hielt, daß es aus sei­ner Sicht des christ­li­chen Glau­bens nicht bedurf­te, um ein funk­tio­nie­ren­des poli­ti­sches Gemein­we­sen auf­zu­bau­en, daß die heid­ni­schen Römer wie die mus­li­mi­schen Tür­ken in vie­ler Hin­sicht Staa­ten besa­ßen, die den euro­päi­schen und also christ­li­chen über­le­gen waren. Die Über­le­gen­heit maß Luther nicht zuletzt an der Kriegs­tüch­tig­keit der Gegen­sei­te, die er sich nicht anders als durch eine geord­ne­te Ver­wal­tung und stren­ge Hier­ar­chie erklä­ren konnte.

Es war die­se Vor­stel­lungs­wei­se in Luthers Zeit die Aus­nah­me, zeig­te aber ein Denk­mo­tiv, das in der Fol­ge Ein­fluß gewin­nen soll­te und noch um einen wesent­li­chen Aspekt ergänzt wur­de. Man kann das zuerst an der Debat­te über die Per­son Moham­meds im Zeit­al­ter der Auf­klä­rung able­sen, so im Fall der Bio­gra­phie des Reli­gi­ons­stif­ters, die der fran­zö­si­sche His­to­ri­ker Hen­ri de Bou­lain­villiers abge­faßt hat. Bou­lain­villiers wies nicht nur den klas­si­schen Vor­wurf des Betrugs gegen Moham­med zurück, son­dern rühm­te auch die Kampf­kraft und den Mut der isla­mi­schen Krie­ger. Zu ganz ähn­li­chem Urtei­le kam Her­der in sei­nen Ideen zur Phi­lo­so­phie der Geschich­te der Mensch­heit. Her­der unter­ließ sogar den übli­chen Tadel für die bewaff­ne­te Mis­si­on: Der Islam habe den Glau­bens­zwang wenigs­tens offen mit dem »Schwert in der Hand« geübt, nicht durch »Schleich­han­del, Wei­ber und Mön­che«. Ent­schei­den­der aber war aus Her­ders Sicht das neue Ethos, das Moham­med gestif­tet hat­te: »Die Ara­ber gin­gen zur Schlacht wie zum Dienst Got­tes, mit Sprü­chen aus dem Koran und mit Hoff­nun­gen des Para­die­ses bewaff­net; auch fehl­te es ihnen nicht an per­sön­li­cher Tugend.«

Die Bewun­de­rung für den kämp­fe­ri­schen Geist der Mos­lems und sogar für den »Hei­li­gen Krieg«, das Kon­zept einer tota­len, das Welt­li­che und das Geist­li­che inte­grie­ren­den Ord­nung, hat seit dem 18. Jahr­hun­dert eine Rol­le gespielt für die posi­ti­ve Bewer­tung des Islam durch Euro­pä­er. Es stand dahin­ter natür­lich kei­ne genaue Kennt­nis des Kon­zepts der umma, der Ein­tei­lung in das »Haus des Frie­dens« und das »Haus des Krie­ges«. Auch von den kon­kre­ten Pro­ble­men, die sich schon nach dem Tod Moham­meds aus der Anla­ge des Kali­fats erga­ben, wuß­te man nicht viel, hat­te aber doch wahr­ge­nom­men, daß man es mit einer poli­ti­schen Alter­na­ti­ve zu tun hat­te, die nicht die abend­län­di­sche Tren­nung von Geist­li­chem und Welt­li­chem kann­te und gera­de des­halb zu impo­nie­ren­der Kraft­ent­fal­tung fähig war.

Man kann die­se Ein­schät­zung teil­wei­se mit der wach­sen­den Kir­chen­kri­tik unter den Gebil­de­ten erklä­ren, oder auch mit der euro­päi­schen Nei­gung, der Gegen­sei­te mehr als Gerech­tig­keit wider­fah­ren zu las­sen; der Ori­en­ta­lis­mus, das roman­ti­sche Bild der ara­bi­schen Welt etwa bei Wal­ter Scott wie Karl May, spiel­te eine Rol­le, über­haupt der Ver­such, sich exo­ti­sche Wel­ten ide­al zurecht­zu­ma­chen. Es gab natür­lich immer auch gegen­läu­fi­ge Ten­den­zen, vor allem da, wo man es mit dem real­exis­tie­ren­den Islam zu tun bekam. Das Feh­len von »Fort­schritt« aus eige­ner Kraft irri­tier­te; über die Mas­sa­ker, die die osma­ni­sche Obrig­keit anord­ne­te, wenn es um die Dis­zi­pli­nie­rung christ­li­cher Unter­ta­nen ging, war man eben­so empört wie über den Han­del mit wei­ßen Skla­ven in den Pira­ten­staa­ten der Ber­be­rei. Der »kran­ke Mann am Bos­po­rus« fand Ver­ach­tung, und die Schre­ckens­herr­schaft des Mah­di im Sudan rief Ent­set­zen hervor.

Trotz­dem darf man die Anzie­hungs­kraft des Gedan­kens nicht unter­schät­zen, daß der Islam in man­chem eine über­le­ge­ne, weil geschlos­se­ne­re Ord­nung ver­kör­pe­re. »Wenn der Islam das Chris­tent­hum ver­ach­tet «, heißt es in Nietz­sches Anti­christ, »so hat er tau­send Mal Recht dazu: der Islam hat Män­ner zur Vor­aus­set­zung …«; und wei­ter: »Das Chris­tent­hum hat uns um die Ern­te der anti­ken Cul­tur gebracht, es hat uns spä­ter wie­der um die Ern­te der Islam-Cul­tur gebracht. Die wun­der­ba­re mau­ri­sche Cul­tur-Welt Spa­ni­ens, uns im Grun­de ver­wand­ter, zu Sinn und Geschmack reden­der als Rom und Grie­chen­land, wur­de nie­der­ge­tre­ten – ich sage nicht von was für Füs­sen – war­um? weil sie vor­neh­men, weil sie Män­ner-Instink­ten ihre Ent­ste­hung ver­dank­te, weil sie zum Leben Ja sag­te auch noch mit den selt­nen und raf­fi­nir­ten Kost­bar­kei­ten des mau­ri­schen Lebens! … Die Kreuz­rit­ter bekämpf­ten spä­ter Etwas, vor dem sich in den Staub zu legen ihnen bes­ser ange­stan­den hät­te, – eine Cul­tur, gegen die sich selbst unser neun­zehn­tes Jahr­hun­dert sehr arm, sehr spät vor­kom­men dürfte.«

Was Nietz­sche an exzen­tri­schem Urteil, an Unmut über das Mit­tel­al­ter und Schwär­me­rei für Al Anda­lus (den mus­li­misch beherrsch­ten Teil der Ibe­ri­schen Halb­in­sel) vor­brach­te, soll­te nicht davon ablen­ken, daß es ihm im Kern um Bewun­de­rung dafür ging, daß der Islam »Sakral­ge­mein­schaft« im Voll­sinn ist, eine poli­tisch-reli­giö­se Ein­heit bil­det, die Euro­pa schon in der Anti­ke ein­ge­büßt hat. Wer dar­in kein Modell sah, ver­mu­te­te doch Poten­ti­al. Daß man wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs in Ber­lin wie in Paris an eine Revo­lu­tio­nie­rung der isla­mi­schen Welt dach­te und den tür­ki­schen Sul­tan hier, den marok­ka­ni­schen dort bewog, den »Hei­li­gen Krieg« zu erklä­ren, gehört in die­sen Kon­text. Es ging wenigs­tens im deut­schen Fall nicht ein­fach um die Suche nach Kano­nen­fut­ter, son­dern um eine aus Irri­ta­ti­on und Fas­zi­na­ti­on gemisch­te Erwar­tung vom Fana­tis­mus der isla­mi­schen Mas­sen und den Gedan­ken, die Ent­ko­lo­nia­li­sie­rung im Namen Allahs zu nut­zen, um Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich töd­lich zu treffen.

Man muß die Brei­te der Strö­mung beto­nen, um den Irr­tum zu ver­mei­den, als sei die Bewun­de­rung für den Islam als völ­kisch-reli­giö­ses Gan­zes auf die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Füh­rung beschränkt gewe­sen oder eine Phan­tas­te­rei, die sich nur in Himm­lers oder Hit­lers Mono­lo­gen nie­der­schlug. Es ging dabei nie nur um die Erwä­gung, ob es für die Ger­ma­nen güns­ti­ger gewe­sen wäre, wenn Karl Mar­tell eine Nie­der­la­ge erlit­ten hät­te, auch nicht nur um ein Bünd­nis gegen den gemein­sa­men Feind in Gestalt des »Welt­ju­den­tums «, um die prak­ti­sche Mög­lich­keit, mus­li­mi­sche Ver­bän­de in die deut­schen Streit­kräf­te ein­zu­glie­dern oder nach einem geglück­ten Vor­stoß gegen Ägyp­ten den Vor­de­ren Ori­ent in Brand zu ste­cken. Es ging durch­aus um etwas Prin­zi­pi­el­les, das in den Äuße­run­gen eines Extre­mis­ten wie Johan­nes von Leers früh zur Gel­tung kam, der schon in den drei­ßi­ger Jah­ren die Vor­zü­ge des Islam als eines zur Reichs­bil­dung fähi­gen und mit »nor­di­schen« Ele­men­ten ange­rei­cher­ten Glau­bens her­vor­ge­ho­ben hat­te, nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs in Ägyp­ten leb­te und dort zum Islam – der »rei­nen Reli­gi­on« – kon­ver­tier­te, weil ihm das als not­wen­di­ge Kon­se­quenz aus dem Schei­tern des Natio­nal­so­zia­lis­mus erschien.

Der Schritt Leers hat­te jeden­falls weni­ger mit »Islam­fa­schis­mus« zu tun, eher mit Ernst Nol­tes Ana­ly­se des Isla­mis­mus als »drit­te Wider­stands­be­we­gung« gegen die Moder­ne nach Faschis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus. Die­ser Zusam­men­hang wur­de eine Zeit­lang über­deckt durch das Zurück­tre­ten des Islams und die Ent­ste­hung eines ara­bi­schen und tür­ki­schen Natio­na­lis­mus, die in ihm ein Moder­ni­sie­rungs­hin­der­nis sahen. Aller­dings war die­ser Natio­na­lis­mus vor allem auf die Füh­rungs­schich­ten beschränkt und blieb in sei­nem Ver­hält­nis zur reli­giö­sen Tra­di­ti­on immer ambi­va­lent, gab es neben einer radi­ka­len Zurück­drän­gung, im Kema­lis­mus etwa, Bemü­hun­gen um eine Syn­the­se und schon im Unab­hän­gig­keits­krieg Alge­ri­ens den bewuß­ten Rück­griff auf das reli­giö­se Potential.

Wäh­rend des Kon­flikts am Ende der fünf­zi­ger, zu Beginn der sech­zi­ger Jah­re wur­de in der euro­päi­schen Öffent­lich­keit zum ers­ten Mal nicht nur die Fra­ge gestellt, wel­che Fol­gen die mas­si­ve Zuwan­de­rung aus isla­mi­schen Gebie­ten lang­fris­tig haben wür­de, son­dern auch, wie man eine »pan­is­la­mi­sche« Bewe­gung ein­zu­schät­zen habe, die neben und gegen den Natio­na­lis­mus in Nord­afri­ka und im Nahen Osten an Ein­fluß gewann. Für die fol­gen­de Pha­se der Ent­wick­lung der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen war der Islam aber noch kein Fak­tor von Gewicht. Die meis­ten Beob­ach­ter in Euro­pa und Nord­ame­ri­ka glaub­ten sicher, daß Säku­la­ri­sie­rung ein glo­ba­les Ent­wick­lungs­ge­setz sei und die Reli­gi­on auch in den von Mos­lems bewohn­ten Gebie­ten all­mäh­lich an Bedeu­tung ver­lie­ren wer­de – eine Auf­fas­sung, die nur ganz all­mäh­lich und auf Grund von drei Ereig­nis­sen kor­ri­giert wur­de: dem Sturz des Schah und der »isla­mi­schen Revo­lu­ti­on« im Iran, der Abwen­dung Gad­da­fis vom ara­bi­schen hin zu einem »grü­nen« (also isla­mi­schen) Natio­na­lis­mus, dem Sieg der Mud­scha­he­din über die sowje­ti­schen Inva­so­ren in Afgha­ni­stan. Alle die­se Vor­gän­ge wider­spra­chen der Pro­gres­si­ons­er­war­tung im Wes­ten, aber auch in den intel­lek­tu­el­len Schich­ten der »Drit­ten Welt«. Plötz­lich wur­de klar, daß es kei­nes­wegs immer um »natio­na­le Befrei­ung« oder »sozia­le Revo­lu­ti­on« in einem mar­xis­ti­schen oder nicht­mar­xis­ti­schen Ver­ständ­nis ging, son­dern um die Wirk­mäch­tig­keit des Fak­tors Reli­gi­on, den man all­ge­mein für erle­digt gehal­ten hat­te. Als Samu­el Hun­ting­ton die­sen Tat­be­stand zur Spra­che brach­te, war er längst offen­kun­dig, skan­da­lös wirk­te sei­ne The­se vom clash of civi­liz­a­ti­ons nur, weil die Anhän­ger des alten Para­dig­mas immer noch über die Inter­pre­ta­ti­ons­macht verfügten.

Die Wahr­neh­mung des Islam als Gefahr, als eine Grö­ße, die sich – nicht nur in ihrer »fun­da­men­ta­lis­ti­schen« Spiel­art, son­dern auch wegen der Gebur­ten­ra­ten in isla­mi­schen Bevöl­ke­run­gen – desta­bi­li­sie­rend aus­wir­ken könn­te auf die »neue Welt­ord­nung«, ist aber seit Anfang des Jahr­zehnts kon­sens­fä­hig. Das wie­der­um muß ihn attrak­tiv machen für jede Kraft, die an einer Desta­bi­li­sie­rung die­ser Welt­ord­nung inter­es­siert ist, ganz gleich ob sie von links oder rechts kommt. Bis­her geht es aber nur um Gedan­ken­spie­le. Noch gibt es im Wes­ten kei­ne nen­nens­wer­te poli­ti­sche Grup­pie­rung, die sich dem radi­ka­len Islam als Ver­bün­de­ter anbie­ten kann, weder in den eth­ni­schen Brü­cken­köp­fen noch unter ein­hei­mi­schen Sys­tem­fein­den. Die Zahl der Kon­ver­ti­ten bleibt klein, die Moti­ve zum Über­tritt sind dis­pa­rat, meis­tens indi­vi­du­el­ler Natur, der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit erscheint der Islam nir­gends als ech­te Alternative.

Die­se Fest­stel­lung ist aber nicht ent­war­nend gemeint. Vor­aus­ge­setzt, daß die ent­schei­den­den poli­ti­schen Kon­flik­te in Zukunft an Iden­ti­täts­fra­gen ori­en­tiert sein wer­den, kann das Ange­bot einer »Eli­te-Iden­ti­tät« (Chris­ti­ne Schirr­ma­cher), das der Isla­mis­mus macht, durch­aus Attrak­ti­vi­tät gewin­nen und das nicht nur unter isla­mi­schen Zuwan­de­rern oder deren Nach­kom­men. Die USA haben wäh­rend der sech­zi­ger und sieb­zi­ger Jah­re eine ent­spre­chen­de Erfah­rung mit der Nati­on of Islam gemacht, einer Bewe­gung, der man trotz ihres Sek­tie­rer­tums, der Fremd­ar­tig­keit ihrer Ideo­lo­gie und Frag­wür­dig­keit ihrer Füh­rer­ge­stal­ten sogar zutrau­te, einen gro­ßen Teil der schwar­zen Bevöl­ke­rung auf ihre Sei­te zu zie­hen. Gera­de die Stren­ge, der Puri­ta­nis­mus und der Aus­er­wählt­heits­glau­be übten unter den Bedin­gun­gen kri­sen­haf­ter Ent­wick­lung eine gro­ße Anzie­hungs­kraft aus. Daß die Nati­on of Islam heu­te wie eine mehr oder weni­ger belie­bi­ge Bür­ger­rechts­be­we­gung oder ein Teil des reli­giö­sen Super­markts wirkt, ist dabei ohne Belang. Die Mäßi­gung war kein imma­nen­ter Pro­zeß, son­dern Dis­zi­pli­nie­rung durch den ame­ri­can way of life. Soll­te der die­se Wirk­sam­keit in Zukunft ein­bü­ßen, könn­te man es durch­aus mit einem Pro­to­ty­pen der wei­te­ren Ent­wick­lung zu tun haben.

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