Das Dschihad-System … und ein paar Fragen dazu

pdf der Druckfassung aus Sezession 40 / Februar 2011

Im Gespräch mit Manfred Kleine Hartlage

SEZESSION: Herr Kleine-Hartlage, wird in Deutschland angemessen über die Themen Überfremdung und Islam diskutiert?

 Gastbeitrag

Nicht nur unsere Stammautoren tragen zu unserem Netztagebuch bei.

KLEINE-HARTLAGE: Lei­der bleibt die grund­sätz­li­che Kri­tik an der Poli­tik der for­cier­ten Mas­sen­ein­wan­de­rung, unab­hän­gig vom The­ma »Islam«, noch immer ohne ent­schei­den­de Reso­nanz, vor allem in den bedeu­ten­den Medi­en. Zwar gewinnt die Islam­kri­tik auch dort all­mäh­lich an Boden, aber von einer qua­li­fi­zier­ten Debat­te, die ja zugleich eine Debat­te über die Grund­la­gen unse­rer eige­nen Kul­tur sein müß­te, ist man noch weit ent­fernt. Sol­che kri­ti­schen Posi­tio­nen wer­den nur dort ver­tre­ten, wo auch die Akzep­tanz der Islam­kri­tik am wei­tes­ten fort­ge­schrit­ten ist, also in der Sphä­re einer rechts­al­ter­na­ti­ven Gegen­öf­fent­lich­keit, zu der ich neben der Jun­gen Frei­heit Ihre Zeit­schrift und vor allem diver­se Netz­fo­ren zähle.

SEZESSION: In Ihrem Buch Das Dschi­had-Sys­tem the­ma­ti­sie­ren Sie die Ver­klam­me­rung von Ein­wan­de­rungs- und Isla­mi­sie­rungs­de­bat­te. Sind Sie da ein Vordenker?
KLEINE-HARTLAGE: Die Dis­kus­si­on über das ange­mes­se­ne Ver­hält­nis von Immi­gra­ti­onsund Islam­kri­tik steckt noch in den Anfän­gen, ver­spricht aller­dings span­nend zu wer­den: Ide­al­ty­pisch sind die bei­den Extrem­po­si­tio­nen die der libe­ra­len Islam­kri­tik auf der einen Sei­te – Mas­sen­ein­wan­de­rung sei unpro­ble­ma­tisch, solan­ge kei­ne Mus­li­me ein­wan­dern – und die der Nur- Immi­gra­ti­ons­kri­tik auf der ande­ren, die die Isla­mi­sie­rung gar nicht als eigen­stän­di­ges Pro­blem sieht, son­dern, wenn über­haupt, als ver­nach­läs­si­gens­wer­ten Unter­punkt einer all­ge­mei­nen Überfremdungsproblematik.
Ich hal­te bei­de Posi­tio­nen für glei­cher­ma­ßen naiv: Es stimmt schon, daß Mas­sen­ein­wan­de­rung, auch wenn sie nicht mus­li­misch ist, auf die Dau­er die kul­tu­rel­len Grund­la­gen der Gesell­schaft auf­löst – das muß man der libe­ra­len Islam­kri­tik ent­ge­gen­hal­ten. Es ist aber – und das geht an die Adres­se der Nur-Immi­gra­ti­ons­kri­ti­ker – ein gro­ßer Unter­schied, ob man etwas in Was­ser auf­löst oder in Salz­säu­re. Der Islam ist die Salzsäure.

SEZESSION: Damit mei­nen Sie die Aggres­si­vi­tät, die in der mis­sio­na­ri­schen Auf­la­dung des Poli­ti­schen liegt und zu Hei­li­gem Krieg und Ter­ro­ris­mus füh­ren kann und geführt hat?
KLEINE-HARTLAGE: Das mei­ne ich zwar auch, aber ich hal­te es für falsch, Islam­kri­tik auf die The­men »Isla­mis­mus« und »Ter­ro­ris­mus« ein­zu­gren­zen. Isla­mis­ten, erst recht Ter­ro­ris­ten, sind radi­ka­le Min­der­hei­ten inner­halb der isla­mi­schen Gemein­schaft. Es gäbe die­se Min­der­hei­ten aber nicht, wenn sie nicht in der isla­mi­schen Gesell­schaft über einen mäch­ti­gen Reso­nanz­kör­per ver­füg­ten. Die Idee, daß der Islam eine all­um­fas­sen­de Lebens­ord­nung ist, die auch in der Poli­tik, im Recht, im Fami­li­en­le­ben unmit­tel­bar zu ver­wirk­li­chen ist, wur­de von den Isla­mis­ten weder erfun­den noch zurecht­ge­bo­gen, son­dern gehört zu den Grund­la­gen des Islam.

SEZESSION: Sind die­se Grund­la­gen nach zwan­zig Jah­ren in Köln oder Ber­lin nicht verwässert?
KLEINE-HARTLAGE: Man macht sich im All­ge­mei­nen zu wenig klar, wie grund­le­gend sich das isla­mi­sche Wer­te­sys­tem vom abend­län­di­schen unter­schei­det: Der Islam äch­tet nicht die Gewalt, er regelt sie. Er geht nicht von der Gleich­heit aller Men­schen vor Gott aus, son­dern von der Min­der­wer­tig­keit der Ungläu­bi­gen. Er erkennt kei­ne Gegen­sei­tig­keit von Rech­ten und Pflich­ten im Ver­hält­nis zwi­schen Mus­li­men und Nicht­mus­li­men an – die »Ungläu­bi­gen« sind von vorn­her­ein im Unrecht. Ent­spre­chend defi­niert er die isla­mi­sche Gemein­schaft als pri­mä­ren Bezugs­punkt sozia­ler Soli­da­ri­tät – unter Abgren­zung von den Ungläu­bi­gen. Und er macht die Kon­so­li­die­rung und Aus­brei­tung des Islam als eines Gesell­schafts­sys­tems zum Letzt­maß­stab für Gut und Böse. Wer ein sol­ches Wer­te­sys­tem von Kin­des­bei­nen an ver­in­ner­licht hat, braucht nicht ein­mal beson­ders fromm zu sein, um sich so zu ver­hal­ten, wie die­ses Sys­tem es for­dert. Inte­gra­ti­on im Sin­ne von Assi­mi­la­ti­on wird ihm wenig attrak­tiv erschei­nen: Gera­de weil Mus­li­me aus Gemein­schaf­ten kom­men, die auf hohe kol­lek­ti­ve Durch­set­zungs­fä­hig­keit ange­legt sind, haben sie ein fei­nes Gespür für die Auf­lö­sungs- und Dege­ne­ra­ti­ons­er­schei­nun­gen unse­rer Gesellschaft.

 Gastbeitrag

Nicht nur unsere Stammautoren tragen zu unserem Netztagebuch bei.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.