Sezession
30. Juli 2011

Linksextremismus: Betteln um die Watschen

Martin Lichtmesz

Noch ein paar realsatirische Anekdoten aus dem "Vorbürgerkrieg", die schon letzte Woche auf diesem Blog hätten erscheinen sollen, aufgrund der aktuellen Ereignisse aber verschoben wurden.  Am Samstag, den 16. Juli, gab es mal wieder Kladderadatsch in Berlin-Kreuzberg, dessen Zeuge ich zufällig geworden bin.  Die linke Szene hatte um etwa 22 Uhr im Umfeld Kottbusser Tor eine (wie mir ein Teilnehmer mitteilte) unangemeldete Demonstration zu Ehren des G8-Märtyrers Carlo Giulani gestartet, der während einer Straßenschlacht von einem Carabinieri erschossen wurde. 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Der ganze Aufmarsch war freilich von vornherein auf eine Kraftprobe mit der Polizei hin angelegt. Diese kann eine unangemeldete Demo nicht einfach passieren lassen, was die Organisatoren natürlich wissen.  Was sich in der Folge bis etwa Mitternacht auf der Oranienstraße und Umgebung abgespielt hat, war also eine bewußt provozierte Situation, die den Linken einen Vorwand gab, sich mal wieder am Feindbild Polizei aufzuputschen.

In dicke Ausrüstungen gepackte Polizeitrupps, gedeckt von schweren Fahrzeugen, versuchten die Bildung von Demonstrationsgruppen zu verhindern und von der Straße zurückzudrängen. Dazu setzten sie vorwiegend Blendlichter und gelegentlich Knallböller ein. Wenn ein Einzelner so mutig war, sich vor die Polizisten zu stellen, war er im Nu von dem Trupp umzingelt wie von einer Horde Rugby-Spieler, wurde von der Straße manövriert oder auch verhaftet und ins Polizeiauto befördert.

Wenn der Trupp auf einen solchen Kandidaten zustürmte, geriet die Masse auf dem Gehsteig in Bewegung wie ein wütender Bienenschwarm : "Mörder! Mörder!" wurde lauthals im Chor skandiert, oder auch auf Italienisch "polizia assassini" ("Polizisten sind Mörder"), als befände man sich in Genua 2001 und nicht in Kreuzberg 2011. Ich habe selten so viele dumme Menschen auf einem Fleck gesehen. Alle nahmen sich dabei furchtbar ernst, während sie sich in ihren Film hineinsteigerten. Keiner schien die Absurdität und die Theatralik der ganzen Szenerie wahrzunehmen. Wären die Polizisten wirklich "Mörder", wäre binnen kurzem der Platz leergefegt worden, und keine einzige Antifantensocke hätte sich mehr hervorgewagt.

Wären die Polizisten wirklich "Mörder", könnten die Socken gar nicht unbehelligt herumstehen, und sie als "Mörder" beschimpfen. Es würde schon ausreichen, wenn die deutschen Polizisten nur halb  so hart durchgreifen würden, wie unter den Carabinieri in Italien üblich. Dann möchte ich sehen, wer noch "Widerstand an allen Orten" zu leisten wagt. Den deutschen Bullen sind ohnehin die Hände gebunden, wirklich hart durchzugreifen. Nicht nur die Linksautonomen, alle Welt wartet darauf, sie bei einem Übertritt zu erwischen, um nachher lauthals die "faschistische Polizeigewalt" und die "repressive Staatsmacht" anprangern und politisch auswerten zu können.  (Wie bei Monty Python's: "Kommt her und seht die Gewalt, auf der sich das System gründet!" )

Die Demonstranten versuchten, die Polizisten mit allen Mittel zu provozieren, von Beschimpfung bis Verhöhnung. "Ihr seid nur ein Karnevalsverein", sang eine Gruppe zur Melodie von "Yellow Submarine", sich dabei unglaublich kühn und überlegen vorkommend. Im Vorübergehen faßte ich einen von ihnen ins Auge und rief ihm zu: "Sei doch froh darüber, daß sie nur ein Karnevalsverein sind, sonst könntest du das Maul gar nicht so weit aufreißen!" Der sah mich nur blöde irritiert an, ein solcher Gedanke war ihm offenbar noch nie gekommen. Wieviele von den Demonstranten wären noch so mutig und so höhnisch, wenn ihnen ernsthaft etwas passieren könnte?

Es gibt diesen alten Witz vom Maso, der zum Sado sagt: "Bitte quäl mich!" Worauf der Sado kühl antwortet: "Nein."  Kleine Kinder haben zuweilen aufsässige Phasen, in denen sie massiv die Grenzen austesten und ausreizen, die ihnen gesteckt sind. Auf wienerisch nennt man das dann "Um a Watsch betteln." Schon allein optisch wirken die Linksextremen wie ein Haufen verlotterter Kinder, wie wandelnde Erziehungsdisaster, die umso mehr von "Repression" faseln, je weniger davon vorhanden ist (und je mehr sie ihnen gut tun würde).  Angesichts von Szenen wie den oben geschilderten kommt man nicht um den Eindruck herum, daß Antifanten zuweilen massiv nach dem Schlagstock betteln, und geradezu frustriert sind, wenn ihnen die Bullen nicht den Gefallen tun,  zu eskalieren. Womit sie auch die ganz antifantische raison d'être verderben. Wenn schon kein böser, repressiver, autoritärer Staat da ist, muß man ihn eben herbei imaginieren. Womit sich der "Widerstand" dagegen praktischerweise erheblich leichter gestaltet, als wenn echte Repression droht, wie etwa in südamerikanischen oder arabischen Staaten.

Man könnte das ganze als Spaßaufstand im antiautoritären Kindergarten oder als spät- und postpubertäre Initiationsrituale abtun, ein bißchen Genua und Revolution und Aufstand spielen, wenn es nicht ernste Konsequenzen hätte. Am Ende gab es 34 verletzte Polizisten.  Ich habe selbst gesehen, wie von Häusern herab Flaschen auf vorbeifahrende Polizeiautos geworfen werden, und die Splitter in voller Wucht in alle Richtungen knallen; ich selbst stand in geraumer Entfernung und bekam dennoch einen feinen Splitter ins Auge. Einzeln mögen diese Leute wie verblendete Witzfiguren wirken, die auf dem Rücken einer schwachen Autorität herumtanzen; in der Masse können sie durchaus gefährlich werden.

Einige Antifanten hatten bereits am selben Abend eine NPD-Demo angegriffen, die ausgerechnet unter dem Motto „Sicherheit durch Recht und Ordnung - Härtere Strafen für Linkskriminelle“ stand.  Sie gaben sich offenbar alle Mühe, dem Slogan handgreifliche Berechtigung zu verschaffen: es "versammelten sich etwa 120 gewaltbereite Linksextremisten und griffen NPD-Anhänger und Polizisten mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern an." (JF)  Wenn es darum geht, eine Demo ihrer politischen Gegner zu verhindern, sind die Linken weitaus weniger zimperlich, als die Polizei mit ihnen.  Routinemäßig klagen sie die Polizei an, "die Faschisten zu schützen", weil sie das Demonstrationsrecht aller Bürger durchsetzen muß. Sie hätten vermutlich weitaus weniger Probleme mit dem so verhaßten Büttel, wenn er sich ausschließlich der anderen Bürgerkriegspartei annehmen würde und sie selber "schützen"; sie würden vermutlich zu großen Teilen selber prima Büttel abgeben, wenn man sie gegen die NPD und sonstige Rechte einsetzen würde.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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