Ist die KR an allem schuld?

MattheuerDie aktuelle Ausgabe der Zeithistorischen Forschungen wartet mit einem Mattheuer-Bild auf dem Titel auf. Es geht um "Gewalt: Räume und Kulturen", da paßt das Bild "Kain" (1965) gut. Neben Beiträgen über "Ataman Volynec und der Dauerpogrom von Gajsin", Peter Handke und Jugoslawien sowie die Kalaschnikow könnte vor allem der Aufsatz von Marcus Payk über "Faszination der Gewalt: Konservative Revolution und Neue Linke" interessant sein.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Payks Unter­su­chungs­schwer­punkt ist die Fas­zi­na­ti­on bei­der Bewe­gun­gen für “Erschei­nungs­for­men revo­lu­tio­nä­rer Gewalt”. Payk gibt zwar ein­lei­tend zu, daß es sich bei bei­den Bewe­gun­gen um sehr hete­ro­ge­ne Grup­pen han­del­te, ver­gißt es aber im Lau­fe des Tex­tes wie­der. Sonst wäre ihm irgend­wann auf­ge­fal­len, daß er zunächst die Stel­lung der ein­zel­nen Grup­pen der KR (Natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re, Jung­kon­ser­va­ti­ve etc.) zur Gewalt­fra­ge hät­te klä­ren müs­sen. So kommt er bei der Betrach­tung von E. Jün­ger, Salo­mon, Zeh­rer und Jung zu dem Schluß, daß die KR zwar viel von Gewalt rede­te ansons­ten aber hoff­te, daß der Staat den Aus­bruch der Gewalt ver­hin­dern wer­de. Ande­rer­seits behaup­tet Payk, daß

der akti­vis­ti­sche Ver­hal­tens­stil in den 1930er Jah­ren eine beson­ders dra­ma­ti­sche Rele­vanz ent­wi­ckel­te und zu den begüns­ti­gen­den Vor­aus­set­zun­gen für eine beden­ken­lo­se Bereit­schaft zum Mas­sen­mord zählte.

Und weil das nach 1945 nicht the­ma­ti­siert wur­de, ist die KR indi­rekt auch noch für die Gewalt­tä­tig­kei­ten der Neu­en Lin­ken ver­ant­wort­lich. Das ist lei­der bei­des falsch. In der Wei­ma­rer Repu­blik waren ganz ande­re gewalt­be­rei­te Bewe­gun­gen ton­an­ge­bend, neben denen sich die KR (mit Aus­nah­me eini­ger Natio­nal­bol­sche­wis­ten) wirk­lich mar­gi­nal und eher beschwich­ti­gend aus­nimmt. Viel­leicht hät­te Payk mal die NS-Bewe­gung mit der Neu­en Lin­ken ver­glei­chen sol­len. Da hät­te er kei­ne Gemein­sam­kei­ten kon­stru­ie­ren müssen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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