Tottenham und die Angst der Medien

Auch die Süddeutsche Zeitung hat über das "Outing" des norwegischen Bloggers Fjordman alias Peder Jensen berichtet, mit der typischen Hilflosigkeit der Liberalen, wenn sie mit Gedanken jenseits ihrer Weltbildblase konfrontiert werden. Der Autor kann beispielsweise kaum fassen, wieso jemand eine solche Wut auf "Politiker und Medien" haben kann, "die ein friedliches Nebeneinander der Kulturen befürworteten", ganz so, als ob das "friedliche Nebeneinander" durch die gute Absicht allein schon gewährleistet sei.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Die­se Hilf­lo­sig­keit zeigt sich im Woll­knäu­el­scharf­sinn von Absät­zen wie diesen:

Jen­sen hat Medi­en­wis­sen­schaf­ten in Oslo stu­diert und Ara­bisch an der Ame­ri­can Uni­ver­si­ty in Kai­ro. Sei­ne 2004 ein­ge­reich­te Magis­ter­ar­beit han­delt von der Blog­ger-Sze­ne in Iran. Er hat­te also Kon­takt zu der ihm ver­hass­ten Kul­tur. Eine Erfah­rung, die er mit man­chen Isla­mis­ten gemein hat: So haben vie­le der Atten­tä­ter vom 11. Sep­tem­ber im Wes­ten studiert.

Das kommt davon, wenn man nicht zu ver­ste­hen ver­sucht, son­dern statt­des­sen die erst­bes­ten Asso­zia­tio­nen raus­bret­tert, die man mal eben in sei­nem Hirn vor­fin­det. Dann erge­ben sich auch drol­li­ge küchen­psy­cho­lo­gi­sche Spe­ku­la­tio­nen wie diese:

Wo Jen­sens Wut her­kommt, ist schwer zu ergrün­den. Mög­li­cher­wei­se spielt gekränk­te Eitel­keit eine Rol­le. Er habe ver­sucht, sei­ne Ansich­ten in Leser­brief­spal­ten unter­zu­brin­gen, sei aber “zen­siert” wor­den, klagt er im Inter­view. Bei Sei­ten wie “Gates of Vien­na” fand er dage­gen Bestätigung.

Na klar, das wird’s gewe­sen sein, was denn sonst könn­te so eine Wut her­vor­ru­fen! Die geis­ti­ge Harm­lo­sig­keit der Libe­ra­len, die aus sol­chen Zei­len spricht, ist immer wie­der ver­blüf­fend.  Sie kön­nen wohl nicht anders, als von ihren schlich­ten Gemü­tern auf ande­re zu schließen.

“Wo Jen­sens Wut her­kommt”, wird man indes­sen wohl bes­ser ver­ste­hen, wenn man den Auf­satz zur Gän­ze liest, aus dem die SZ einen Satz inkri­mi­niert hat. Die­ser geht von der sich ver­schär­fen­den Lage in Groß­bri­tan­ni­en aus:

Im Jahr 2009 ist her­aus­ge­kom­men, dass die regie­ren­de Labour-Par­tei, ohne die Bür­ger zu befra­gen, Bri­tan­ni­en absicht­lich mit meh­re­ren Mil­lio­nen Immi­gran­ten über­flu­tet hat, um in einem Akt des social engi­nee­ring ein „wirk­lich mul­ti­kul­tu­rel­les“ Land zu kon­stru­ie­ren. Dem­nach war das rie­si­ge Anstei­gen der Migran­ten­zah­len im vor­aus­ge­gan­ge­nen Jahr­zehnt zumin­dest teil­wei­se auf den poli­tisch moti­vier­ten Ver­such zurück­zu­füh­ren, das Land radi­kal zu ver­än­dern und „die Nasen der Rech­ten in (eth­ni­sche) Ver­schie­den­heit zu sto­ßen“, so Andrew Nea­ther, ein ehe­ma­li­ger Bera­ter des Pre­mier­mi­nis­ters Tony Blair. Er sag­te, die Mas­sen­ein­wan­de­rung sei das Resul­tat eines absicht­li­chen Pla­nes, aber die Minis­ter möch­ten nicht so gern dar­über spre­chen, weil sie befürch­ten, dass ihnen dies den „Kern ihrer Wäh­ler­schaft, die Arbei­ter­klas­se“, ent­frem­den könne.

Lord Glas­man – ein per­sön­li­cher Freund des Labour-Füh­rers – hat 2011 fest­ge­stellt, dass „Labour die Leu­te über das Aus­mass der Ein­wan­de­rung belo­gen hat … und dass es einen mas­si­ven Ver­trau­ens­bruch gege­ben habe“. Er hat zuge­ge­ben, dass die Labour Par­ty sich zuwei­len wirk­lich feind­lich gegen­über den ein­hei­mi­schen Wei­ßen ver­hal­ten hat. Im beson­de­ren habe es die Sicht­wei­se gege­ben, dass die Wäh­ler aus der wei­ßen Arbei­ter­klas­se „ein Hin­der­nis für den Fort­schritt“ seien.

(…)

m Juni 2007 hat sich der dama­li­ge bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Tony Blair, zusam­men mit dem Schatz­kanz­ler (und Möch­te-gern-Pre­mier) Gor­don Brown und dem Par­tei­füh­rer (und eben­falls künf­ti­gem Pre­mier) David Came­ron, mit Mos­lem-Füh­rern auf einer vom Cam­bridge Inter-Faith Pro­gram­me orga­ni­sier­ten Kon­fe­renz getrof­fen. In sei­nen Eröff­nungs­wor­tenver­tei­dig­te er den Islam als eine Reli­gi­on „der Mäßi­gung und der Moder­ni­tät“ und kün­dig­te einen Regie­rungs­fond an, der das Leh­ren des Islams und die Aus­bil­dung der Ima­me unter­stüt­zen sol­le, und bezeich­ne­te isla­mi­sche Stu­di­en als von „stra­te­gi­scher Wich­tig­keit“ für das Inter­es­se der bri­ti­schen Nati­on. Timo­thy Win­ter, ein Dozent für Isla­mi­sche Stu­di­en an der Uni­ver­si­tät Cam­bridge, sag­te, „die Fra­ge, die sich der bri­ti­schen Gesell­schaft – und nicht nur die­ser – stellt, ist nicht, wie man Min­der­hei­ten ermu­ti­gen kann, sich auf die west­li­chen Gesell­schaf­ten ein­zu­las­sen, son­dern wie die­se Gesell­schaf­ten sich als eine Col­la­ge ver­schie­de­ner reli­giö­ser Kul­tu­ren definieren“.

Dies sind Infor­ma­tio­nen, die öffent­lich zugäng­lich und für jeder­mann ein­seh­bar sind.  Die poli­ti­schen Ten­den­zen und Absich­ten, die sich dar­in aus­drü­cken, sind in eine Spra­che ver­packt, die letzt­lich nichts ande­res meint, als dies:

In ande­ren Wor­ten: Bri­tan­ni­en, Deutsch­land, Frank­reich, die Nie­der­lan­de, Ita­li­en, Schwe­den, Irland, Spa­ni­en und ande­re west­li­che Län­der mit wei­ßen Mehr­hei­ten sind kei­ne Län­der mit einem spe­zi­fi­schen Erbe mehr, nur noch zufäl­li­ge Gebie­te auf der Land­kar­te, die dar­auf war­ten, mit „Col­la­gen ver­schie­de­ner Kul­tu­ren“ auf­ge­füllt zu werden.

Das wird, ver­se­hen mit sei­ten­ver­kehr­ter Wer­tung, jeder Mul­ti­kul­tu­ra­list unter­schrei­ben, und das ist es, was sich hin­ter der Phra­se vom “fried­li­chen Neben­ein­an­der” (oder war es nicht doch ein­mal ein “Mit­ein­an­der”, das man irgend­wann fal­len las­sen muß­te, lie­be SZ?) ver­birgt. Aller­dings ist eine Tat­sa­che, daß die­ses “Neben­ein­an­der” alles ande­re als immer fried­lich ver­läuft, ja, daß es zuneh­mend immer weni­ger fried­lich ver­läuft, und das ist mit Garan­tie nicht die Schuld jener, die so frei sind, die­se Tat­sa­che zu benennen.

Beson­ders Groß­bri­tan­ni­en hat sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten in eine wah­re Höl­le aus mul­ti­plen eth­ni­schen und kul­tu­rel­len Span­nun­gen, Über­frem­dung, All­tags­ge­walt, orga­ni­sier­tem Ver­bre­chen und dschi­ha­dis­ti­scher Unter­wan­de­rung ver­wan­delt. Die Ten­denz ist rapi­de anstei­gend.  Fjor­d­mans Haus­sei­te “Gates of Vien­na” bie­tet dazu reich­lich Mate­ri­al. Als “Crash-Kurs” reicht ein Arti­kel von Paul West­on mit dem Titel “Eine Woche im Tod Groß­bri­tan­ni­ens” aus.  Ich begnü­ge mich an die­ser Stel­le mit dem Hin­weis. Auch West­on prä­sen­tiert öffent­lich zugäng­li­che Fak­ten. All dies nun im Zusam­men­hang mit der oben zitier­ten expli­zi­ten mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­schen Agen­da der Nea­ther, Blair, Straw et al, die kei­ner­lei Ver­pflich­tung und Soli­da­ri­tät gegen­über dem eige­nen Volk mehr ken­nen wol­len.  Wer hier nicht die Augen auf­ma­chen will, dem ist nicht zu helfen.

Und es gibt vie­le, die nicht nur die eige­nen Augen ver­schlos­sen hal­ten, son­dern auch noch die ande­rer zu ver­schlie­ßen ver­su­chen.  Zur Zeit geht die Mel­dung von Kra­wal­len im Stadt­teil Tot­ten­ham in Lon­don durch die Medien.  Wir erle­ben wie­der ein­mal das übli­che Schau­spiel, daß ein Mas­sen­blatt wie der Spie­gel, der in eige­ner poli­ti­scher Sache gar nicht hem­mungs­los genug sein kann, plötz­lich ganz zag­haft wird, das Kind beim Namen zu nennen.

Plün­de­run­gen, bren­nen­de Autos, ver­letz­te Beam­te: In der Nacht zu Sonn­tag hat Lon­don die schwers­ten Aus­schrei­tun­gen seit 25 Jah­ren erlebt – und noch immer dau­ern die Kra­wal­le an. Aus­lö­ser für die Unru­hen ist der Tod eines Man­nes, der am Don­ners­tag bei einem Poli­zei­ein­satz erschos­sen wor­den war.

Lon­don erin­ner­te in der Nacht zu Sonn­tag an ein Bür­ger­kriegs­sze­na­rio: Eine auf­ge­brach­te Men­schen­men­ge setz­te meh­re­re Poli­zei­fahr­zeu­ge, einen Dop­pel­de­cker­bus sowie meh­re­re Gebäu­de in Brand. Poli­zis­ten wur­den mit Molo­tow-Cock­tails und Zie­gel­stei­nen bewor­fen, acht von ihnen wur­den ver­letzt, einer schwer am Kopf.

Zen­trum der Kra­wal­le war der Stadt­teil Tot­ten­ham. Hier ver­sam­mel­ten sich rund 200 Men­schen vor einer Poli­zei­wa­che. Spe­zi­al­ein­hei­ten ver­such­ten in der Nacht, die Lage wie­der unter Kon­trol­le zu brin­gen. Sper­ren wur­den errich­tet, berit­te­ne Beam­te ver­such­ten, die Men­ge auseinanderzutreiben.

Auf­ge­brach­te Bewoh­ner setz­ten in der Nacht zum Sonn­tag min­des­tens zwei Poli­zei­wa­gen, einen Dop­pel­de­cker­bus sowie ein Gebäu­de in Brand. Schau­fens­ter wur­den ein­ge­schla­gen und Geschäf­te geplün­dert. Die Sicher­heits­kräf­te for­der­ten Ver­stär­kung an, in vie­len Tei­len der Stadt waren Poli­zei­si­re­nen zu hören.

Der BBC zufol­ge dau­er­ten die Kra­wal­le auch im Tages­licht an. “Es sieht wirk­lich schlimm aus”, sag­te der 46-jäh­ri­ge Anwoh­ner David Akin­s­anya. “Da bren­nen zwei Poli­zei­au­tos, ich füh­le mich unsi­cher.” In den Stra­ßen mach­ten sich Plün­de­rer mit Ein­kaufs­wa­gen vol­ler gestoh­le­ner Sachen davon.

Aus­lö­ser der gewalt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen war ein noch nicht voll­stän­dig auf­ge­klär­ter Poli­zei­ein­satz am Don­ners­tag, an des­sen Ende ein 29-Jäh­ri­ger von einer Poli­zei­ku­gel getö­tet wor­den war. Nach Dar­stel­lung der Poli­zei hat­te der vier­fa­che Vater zuerst geschos­sen. Ein Poli­zist über­leb­te dem­nach nur durch Glück, weil die Kugel des in einem Taxi sit­zen­den Schüt­zen vom Funk­ge­rät des Beam­ten auf­ge­hal­ten wor­den war. Wie die Lon­do­ner Poli­zei mit­ge­teilt hat, habe es sich um einen Ein­satz bei Ermitt­lun­gen in der orga­ni­sier­ten Ban­den­kri­mi­na­li­tät gehandelt.

Ein “Bür­ger­kriegs”-Sze­na­rio, lie­ber Spie­gel? Du hast wirk­lich “Bür­ger­krieg” geschrie­ben? Sag bloß! Das ist doch der bestimmt der “Bür­ger­krieg”, den die­ser Carl Schmitt (oder war es Pop­per?) aus­ge­ru­fen hat, wie uns neu­lich Vol­ker Weiß so kennt­nis­reich auf­ge­klärt hat. Und wer steht denn da nun auf wel­cher Sei­te die­ses “Bür­ger­kriegs”, wo ver­lau­fen sei­ne Fron­ten, wer sind sei­ne Kom­bat­tan­ten, und warum??

Wenn dem Spie­gel, der sich neu­lich gleich in der Titel­zei­le an der Blau­äu­gig­keit und Blon­dig­keit des Atten­tä­ters von Oslo so innig gewei­det hat, wirk­lich so sehr an Auf­klä­rung gele­gen ist, fragt sich nur, war­um der Arti­kel erst nach etwa 500 Wör­tern, ganz am Schluß erst und qua­si en pas­sant, einen dezen­ten Hin­weis dar­auf bringt, was ohne­hin jedem Leser schon bei der Schlag­zei­le klar ist.

Etwas mehr als zehn Kilo­me­ter von der Lon­do­ner Innen­stadt ent­fernt, zählt Tot­ten­ham zu den ärms­ten Gegen­den Groß­bri­tan­ni­ens. Fast die Hälf­te aller Kin­der lebt hier Unter­su­chun­gen zufol­ge in Armut. Der Anteil der Aus­län­der zählt zu den höchs­ten im gan­zen Land.

“Aus­län­der” heißt hier, daß Tot­ten­ham von Ange­hö­ri­gen von über ein­hun­dert (!) ver­schie­de­nen Natio­na­li­tä­ten unter afro-kari­bi­scher Vor­herr­schaft bevöl­kert wird. “Tot­ten­ham und ande­re von Schwar­zen domi­nier­te Gegen­den sind de fac­to unab­hän­gi­ge Klein­staa­ten, deren haupt­säch­li­che Ver­bin­dung mit der wei­te­ren bri­ti­schen Gesell­schaft in ihrer Rol­le als Wohl­fahrts­emp­fän­ger und Depo­nien für schlecht ver­teil­te Dro­gen besteht.”

Der Spie­gel steht mit die­ser Ver­schleie­rungs­tak­tik nicht allei­ne da. Stich­pro­ben­ar­tig: die Welt, die exakt den­sel­ben Reu­ters-Text repro­du­ziert, schweigt, der Stern schweigt, die Finan­cial Times schweigt und natür­lich die Süd­deut­sche,  deren Autoren wohl noch flei­ßig am Kopf­krat­zen sind, wie­so man denn etwas gegen ein “fried­li­ches Neben­ein­an­der” haben kann.  Beson­de­ren Sinn für Humor beweist die taz mit der (ernst, nicht sar­kas­tisch gemein­ten) Titel­zei­le “Vor­bild­li­cher Wan­del”, näm­lich seit den Kra­wal­len von 1985:

Nach den Kra­wal­len blieb das Vier­tel mona­te­lang von der Poli­zei besetzt. Doch dann inves­tier­te der Staat 33 Mil­lio­nen Pfund in die Ver­bes­se­rung der Wohn­qua­li­tät, der Infra­struk­tur und der Sicher­heit. Heu­te leben in Broad­wa­ter Farm rund 4.000 Men­schen mit 39 ver­schie­de­nen Natio­na­li­tä­ten. Woll­te man frü­her die Leu­te schnellst­mög­lich umsie­deln, ist der Andrang der Woh­nungs­su­chen­den heu­te groß. Broad­wa­ter Farm ist eins der sichers­ten urba­nen Vier­tel weltweit.

Gab es in den drei Mona­ten vor den Kra­wal­len 1985 noch 875 Ein­brü­che, 50 Raub­über­fäl­le und 50 tät­li­che Angrif­fe, so sind die­se Delik­te weit­ge­hend unbe­kannt. Die Kra­wal­le von Sams­tag­nacht in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft von Broad­wa­ter Farm tra­fen die Poli­zei des­halb unvorbereitet.

Wenn das alles wirk­lich so ist (was ich indes­sen stark bezweif­le), was ler­nen wir dar­aus, lie­be taz?

Es kann letzt­lich nur einen Grund geben für die­se an die Des­in­for­ma­ti­on gren­zen­de Unauf­rich­tig­keit, ja Ver­lo­gen­heit: eine Angst, eine Scheiß­angst vor der Wahr­heit über die in ganz Euro­pa gestopf­ten Pul­ver­fäs­ser. Ja, die Libe­ra­len ahnen das Plat­zen ihrer Bla­sen, sie ahnen es dumpf, und sie haben Angst. Daher rührt auch ihre Aggres­si­vi­tät gegen die­je­ni­gen, die ihnen wider­spre­chen. Ihre Angst ist so groß, daß sie sich statt­des­sen lie­ber ein­re­den, daß War­ner wie Fjor­d­man nur des­we­gen so zor­nig sind, weil sie irgend­wann mal einen Leser­brief zen­siert bekom­men hätten.

Neu­lich habe ich in die­sem Blog den nor­we­gi­schen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus-Ideo­lo­gen Tho­mas Hyl­land Erik­sen zitiert, der es als sei­ne dring­lichs­te Auf­ga­be sieht, “die Mehr­heit… so gründ­lich (zu) dekon­stru­ie­ren, daß sie sich nicht mehr als die Mehr­heit bezeich­nen kann.” Die­ser schrieb anläß­lich der Cau­sa Brei­vik die ver­rä­ter­ri­schen Sätze:

Jedes Land braucht eine gewis­sen Grad an Zusam­men­halt. Wie viel davon nötig ist, ist eine legi­ti­me Streit­fra­ge. Man­che glau­ben, daß der kul­tu­rel­le Plu­ra­lis­mus ein Rezept für Frag­men­tie­rung und den Ver­lust des Ver­trau­en ist. Das mag sein, aber nicht not­wen­di­ger­wei­se. So lan­ge die öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen für jeder­mann glei­cher­ma­ßen funk­tio­nie­ren – Bil­dung, Woh­nungs­we­sen, Arbeit und so wei­ter –, solan­ge kann eine Gesell­schaft mit einem beträcht­li­chen Maß an Diver­si­tät leben.

Das ist ein bemer­kens­wer­ter Opti­mis­mus ange­sichts eines der­art bemer­kens­wert dün­nen Sozi­al­kitts. Wenn die bis­her eini­ger­ma­ßen befrie­dend wir­ken­den euro­päi­schen Sozi­al­sys­te­me, die heu­te fast schon den Cha­rak­ter von Schutz­geld­erpres­sun­gen ange­nom­men haben, infol­ge der anrol­len­den Wäh­rungs- und Finanz­kri­sen zusam­men­bre­chen wer­den, wird sich der sozia­le Kon­flikt unwei­ger­lich zum eth­ni­schen Kon­flikt ausweiten.

Dann wird man wie­der an die bit­te­re Pro­phe­zei­ung Enoch Powells aus dem Jahr 1968 den­ken, der die Mas­sen­ein­wan­de­rung als “buch­stäb­li­chen Wahn­sinn” bezeichnete.

Es ist, als sähe man einer Nati­on zu, wie sie sich ihren eige­nen Schei­ter­hau­fen errich­tet. (…) Wenn ich in die Zukunft bli­cke, erfül­len mich düs­te­re Vor­ah­nun­gen. Gleich dem Römer (eine Anspie­lung auf Ver­gils “Äneis”), scheint es mir, als sähe ich den  “Tiber schäu­men vol­ler Blut”.

Er schloß die Rede, seit der 43 Jah­re ver­gan­gen sind, mit den Worten:

Nur ent­schlos­se­nes und schnel­les Han­deln kann dies noch abwen­den. Ob es den öffent­li­chen Wil­len gibt, die­ses Han­deln zu ver­lan­gen und durch­zu­füh­ren, weiß ich ich nicht. Alles was ich weiß, ist, daß zu sehen, aber nicht zu spre­chen, gro­ßer Ver­rat wäre.

Es scheint in der Tat so, als ob heu­te unter den poli­ti­schen und media­len Eli­ten Euro­pas der Ver­rat zur Norm gewor­den ist. Und die­je­ni­gen, die nicht sehen kön­nen oder wol­len, und all jene, die sehen, aber absicht­lich schwei­gen, wie unse­re Kol­le­gen vom Spie­gel bis zur Süd­deut­schen Zei­tung, wer­den bald kei­ne Ent­schul­di­gun­gen und Aus­re­den mehr für ihr Han­deln haben.

Dar­um: laßt uns sehen, und laßt uns spre­chen, solan­ge dies noch mög­lich ist, solan­ge Sehen und Spre­chen das Schlimms­te noch abwen­den kann.
Test

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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