15. August 2011

Heute bei 3sat -Begegnung mit Deutschlands neuen Rechten

von Götz Kubitschek / 48 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wenn es keine Programmänderung mehr gibt, dann wird heute abend in der 3sat-Kulturzeit eine Reportage über uns laufen: "Auf dem Rittergut - Begegnung mit Deutschlands neuen Rechten" soll um 19.20 Uhr ausgestrahlt werden. Wir haben den Film noch nicht gesehen und können nur soviel verraten:

+ Die Filmemacher waren jeweils einen Tag lang mit Martin Lichtmesz in Berlin und mit Ellen Kositza und mir in Schnellroda unterwegs. In Schnellroda stieß dann noch Felix Menzel dazu.

+ Die Aufnahmen liefen in einem Wechsel aus Gängen, Gesprächen, Arbeitssituationen und klassischen Interviews.

+ Wir hätten den ausführlichen Aufnahmen und dem Einblick in den Arbeitsalltag nicht zugestimmt, wenn wir bei den Filmemachern vorgefaßte Meinungen festgestellt hätten. Davon konnte jedoch keine Rede sein, vielmehr haben wir echtes Interesse daran wahrgenommen, wie man so leben, denken, werden könne wie wir.

+ Wir hatten trotzdem lange erwogen, ob wir der Anfrage nach einer Reportage zustimmen sollten. Meine Erfahrungen aus früherer Zeit sind verheerend: Man spricht 10 Minuten und bekommt einen 8-Sekunden-Halbsatz aufs Brot geschmiert. Oder: Man zeigt dem Kameramann ein Buch oder eine Zeitschrift und bekommt im Film marschierende Kolonnen als Hintergrund eingeblendet.
So etwas kann diesesmal einfach nicht passieren: Wir hatten die Problematik angesprochen und letztlich zwei interessante, gute Tage mit der Arbeit an der Reportage verbracht. Wenn wir in die Pfanne gehauen werden, dann ists mit meiner Menschenkenntnis endgültig nicht weit her (die Befürchtung hege ich schon seit längerem!).

Wir sind nun also sehr gespannt auf das Ergebnis:
Heute, 19.20 Uhr, bei 3sat-Kulturzeit, zur Textbeschreibung gehts hier.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (48)

oh je
15. August 2011 19:33
Grundgütiger, da wurden Sie nun aber leider bereits während der Anmoderation unschön in die Pfanne gehauen! Bilder von Skinheads, kombiniert mit der allfälligen Erwähnung von Breivik; schöne alte Medienwelt.

Der Bericht selbst lässt einen unvoreingenommenen Zeitgenossen auch nicht unbedingt tiefe Zuneigung empfinden.

Und jetzt das Ende, der Moderatorin "jagt es Schauer über den Rücken"

Resignierte Grüße,

Ich.
Faust
15. August 2011 19:34
Aha, wir* "treiben" ihr "mehr als einen Schauer über den Rücken". ;) Na dann. Ich hatte mir mehr erhofft von dem Bericht. Er war zwar relativ neutral aber auch nichtssagend. Naja, aller Anfang ist schwer. Wenn es schon Berichte über uns gibt, die nicht nur die Nazikeule rausholen, dann haben wir* den ersten Schritt geschafft.

*wir meint "wir im Geiste", da wir uns leider noch nie persönlich begegnet sind
Sugus
15. August 2011 19:38
Lieber Herr Kubitschek,

etwas ganz Prinzipielles Ihnen ins Stammbuch (Sie sind viel zu sehr darauf aus, daß positiv über Sie berichtet wird): der Tenor eines Berichts ist sch...egal, wichtig ist, daß man von den Medien überhaupt wahrgenommen wird.
Oder mit den Worten eines mir bekannten Journalisten über Rezensionen: "Wenn ich ein Buch wirklich verreissen will, erwähne ich es gar nicht".
Ein Deutscher
15. August 2011 19:39
Leider alles in allem mehr als vorhersehbar, gruselige Rechte zum Fürchten beim Feierabendwein fürs arrivierte linke Bürgertum, jemand anders sieht Kulturzeit ohnehin nicht. War das tatsächlich naive Hoffnung auf eine faire Vorstellung in ausgerechnet DIESER Sendung ? Wie ironisch, dass der Satz vom "geistigen Bürgerkrieg" fiel, also dieses kleine Scharmützel muss man wohl als Niederlage betrachten.

Und wenn der Herr Lichtmesz tatsächlich in Kreuzberg lebt, meinen Respekt für soviel Mut, sowas kann in dieser Gegend leicht ins Auge gehen.
Martin
15. August 2011 19:42
Der Bericht findet sich wortwörtlich auf der oben angegebenen Webseite wieder. Schade, ein wenig mehr als acht Minuten hätten es schon sein dürfen. Na wenigstens hatte die Moderatorin der Sendung erbarmen und noch ein paar "kluge" Sätze angefügt, wie bspw., dass es ihr bei diesem Bericht schaurig über den Rücken liefe. Und natürlich wurde der Zusammenhang zum Attentat von Norwegen hergestellt, das durfte nicht fehlen. Wenn ihr mich fragt, ob dieser Bericht für die Rechte hilfreich war, ich weiß es nicht!

Beste Grüße
Martin
Byzanz
15. August 2011 19:55
Mal wieder ein toller Bericht, in dem man den Wahnsinnigen aus Norwegen wieder mal versucht hat, uns Neuen Rechten in die Schuhe zu schieben.

Der Redakteurin läuft es eiskalt den Rücken runter, wenn Sie die netten "Rechten" da so sieht ... und das der Herausgeber der Sezession mit Vornamen Jörg heißt, war mir bislang eigentlich auch unbekannt, aber man lernt ja nie aus. Muß ihn das nächste Mal fragen? Vielleicht kenn ich ja nur seit zweiten Namen ;)

Schlimm, wenn 13jährige Kinder musizieren und gerne klassische Musik hören, damit grenzen sich die armen Kinder doch nur aus, warum hören die bloß nicht "Lady Gaga" und glotzen den ganzen Tag?
Kleist
15. August 2011 20:00
Gerade rechtzeitig noch habe ich den Verweis hier gelesen.
Ein erstes Fazit: kalkuliert und tendenziös zwar, eingebettet zwischen "Oslo", Fotos von "Glatzen" und einem "kalten Schauer", der der guten Moderatorin am Ende über den Rücken läuft. Natürlich konnte man nichts anderes erwarten.

Aber das Eigentliche und Wichtigste daran: überhaupt die Präsenz und ein selbstbewusster, souveräner Auftritt von Kubitschek, Kositza, Lichtmesz und Menzel. Glückwunsch ! Mit Sicherheit haben Sie einige Neuleser gefunden.
Und: Offensichtlich kommen auch die etablierten Medien nicht mehr so einfach an Ihnen vorbei - trotz manipulativem Rumgebastle vor und während des Berichts.
Honoré de la Canardière
15. August 2011 20:01
Bis auf den gutmenschlichen Kommentar der Tante NACH der Sendung verlief alles (erstaunlich) sehr sachlich.

Ein gewaltiger Mißklang meiner Meinung nach ist die Werbung, wo der Italiener (ein gewisser Benito M.) erscheint. Bekanntlich wird er mit seiner Doktrin in Verbindung gesetzt, oder?
Daniel V.
15. August 2011 20:01
Bis auf die dämlichen (aber erwartbaren) Kommentare der Moderatorin davor und danach doch ein guter und, wie ich finde, erstaunlich objektiver und vorurteilsfreier Beitrag. Man könnte meinen es bewegt sich doch etwas. Oder täuscht mich der Eindruck, dass das vor ein, zwei Jahren so nicht denkbar gewesen wäre!?
Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre noch total unbeleckt und hätte diesen Beitrag gesehen, vielleicht wäre ich dadurch angefixt worden, sofort mehr über diese Szene, ihre Köpfe, Publikationen etc.pp herauszufinden. Also vielleicht ist dieser Beitrag für manche der Weg zum "missing link", wie es Ellen Kositza glaube ich mal bezeichnet hat, als sie das erste Mal die Junge Freiheit in der Hand hatte.
Und noch was: da hat Götz Kubitschek die Menschenkenntnis wohl doch noch nicht endgültig verlassen...
cundar
15. August 2011 20:07
Der Beitrag ist doch recht objektiv geraten. Die Anmoderation dagegen war eindeutig: Ihr habt mit Massenmord und "Ausländerklatschern" zutuen, gebt euch nur intellektueller. Die Moderatorin wollte mit ihrer "Schauergeschichte", nach dem Beitrag, wohl beim Zuschauer ein schlechtes Gewissen schaffen. Kann mir nicht vorstellen, das sie mit dieser einfachen Beeinflussungsmaßnahme bei einem durchschnittlichen Kulturzeit-Zuschauer Erfolg hat.
Jürgen Finn
15. August 2011 20:44
Ich habe heute durch Zufall ihren Bericht bei 3Sat gesehen !
Ich bin begeistert und möchte ihnen Mut zusprechen um weiter zumachen.

Ich wünsche ihnen,ihrer familie , ihren Mitarbeitern und ihrem Umkreis viel Kraft und wünsche mir das SIE evtl. einmal eine Partei gründen.
d.n.
15. August 2011 21:45
Mein Eindruck: ambivalent, für BDR-Verhältnisse durchaus objektiv (die Schauer-über-den-Rücken-Moderatorin und die perfide Oslo-Konnexion mal weggedacht).

Zunächst zum Format: Keine zehn Minuten für ein Thema, das sich selbst innerhalb einer Stunde nur mit Abstrichen gebührend zusammenfassen ließe – und das in einer Zeit, in der jeder linke Hartz-4-Empfänger über sein neustes Sozialprojekt 30 Minuten schwadronieren darf und jeder ach so diskriminierte Ausländer sein ach so traurig stimmendes Flüchtlingsschicksal auf mindestens 45 Minuten breit walzen kann. Das Ganze dann gefolgt von einem relativierenden Bericht über die Ausschreitungen in England (hier sprach die Schauer-Moderatorin plötzlich von einem „komplexen Thema“…) und dem Schlampenmarsch. Na ja.

Zum Inhalt: Sehr gut war die Einführung Kubitscheks als „erfolgreichster rechter Verleger“ – ein Alleinstellungsmerkmal, das bislang eher den Herren D.M. aus Kiel oder G.F. aus München zuteil kam. Erfolg macht bekanntlich sexy, anziehend und insofern bleibt zu hoffen, daß sich einige Neugierige, Interessierte gefunden haben. Sehr gut auch die Ausschnitte aus den ksa, die verdeutlicht haben, daß hier keine Debatier-Zirkel-Konservativen aus verstaubten Bibliotheken am Werk sind und dennoch ein anderer Aktionismus gepflegt wird als im bekannten Bomberjacken-Milieu. Die Sprechpassagen von Kubitschek und Lichtmesz waren leider viel zu kurz; das klassische Frage-Antwort-Schema eines Interviews wirkt m.E. deutlich intensiver, als die aus dem Gesamtgespräch gerissenen Sprechfetzen. Die Einführung Kositzas war hingegen gelungen: Die Vorstellung im Zusammenhang mit der JF, Scholl-Latour und den Aufnahmen der anderen adretten Herren bei der Löwenthal-Preis-Verleihung erzeugte doch einen gewissen gehobenen Anspruch.

Überrascht hat mich auch, daß keine Röpkes, Gessenharters und Kellershohns dazwischen gequatscht haben. Dafür konnte man sich das Schmankerl mit dem Gartenzwerg am Anfang nicht verkneifen…
Toni Roidl
15. August 2011 22:05
An Martin:

Eher hilfreich. Wenn auch nur einer dadurch endlich das richtige Google-Suchwort bekommen hat, war es ein Erfolg.

Die lernen es nie, nie, nie, dass alles, wovor Schwafel-Pädagogen warnen, nur interessanter wird. Das ist wie mit den Warnhinweisen »Parental Advisory - Explicit Content« auf Ballerspielen oder HipHop-Platten. Für die Jugendlichen ist das ein Qualitätssiegel. Und was so einer linksliberalen Gutmenschin »Schauer über den Rücken« laufen lässt, muss einfach rocken.

Komisch, dass im Beitrag das Wort »krude« gar nicht vorkommt... sicher vor lauter Schauern vergessen.
a.t.
15. August 2011 22:29
Ich habe zwar nur die schriftlichen Emanationen auf der 3sat-Netzseite gelesen, aber den Tenor den kenn ich wohl doch, ein Beispiel gefaellig?:

"Kubitschek lebt das Leben, das er sich für Deutschland wünscht. Mit Tochter Undine macht man Hausmusik. Sie ist mit 13 Jahren bereits Wagner-Fan."
Ist doch zum Knochenkotzen; jedes Wort ein suggestiver Vorwurf. Die Rezeption klar ausgerichtet: knallharter Vorwurf der (poehsen) elterlichen Gehirnwaesche bei der Progenitur.
Ich weiss nur eins:
Wenn der liebe Gott mir noch einmal eine Runde in diesem irdischen Irrenhaus spendiert, dann wuensche ich mir das Rhinozerosfell welches er dem Kubitschek gegeben hat, um diesen Wahnsinn, jahrein - jahraus zu ertragen.
Ich bin schon so abgestumpft und muede, ich hab nicht mal mehr die Kraft mich ueber diese Invektiven aufzuregen...
Hirsch
15. August 2011 22:45
Hab mir gerade den Beitrag in der Mediathek (ohne die anscheinend böse Anmoderation) angesehen, und finde Ihn für BRD-Verhältnisse in Ordnung. Bin vor zig Jahren durch einen JF-Veriss im ZDF auf die Zeitung aufmerksam geworden und seitdem Stammleser. Genauso werden sich hier ein paar Neugierige Ihre Meinung bilden und bleiben.

http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=26378&mode=play
Martin
15. August 2011 22:49
Hab mir gerade den Beitrag über die 3Sat Mediathek angesehen, wo er unproblematisch online noch abrufbar ist ...

Gratulation!

Was als "little shop of horror" im Sinne des linken Lieblingsspruchs "Der Schoß ist fruchtbar noch ..." von den Machern angelegt wurde, stellt doch tatsächlich einen Durchbruch der Schweigespirale dar ... wenn auch nur bei 3Sat ... aber wer weis, vielleicht kommt ja irgendwann noch mehr bei anderen Kanälen ...

Was zu wünschen wäre, wäre wieder einmal eine gute Aktion der KSA.
Isabel
15. August 2011 23:14
Mir war nur möglich, den online-Beitrag in der Mediathek von 3sat zu sehen, der dort ohne Anmoderation oder Abschlußworte zu finden ist.
Und den fand ich durchaus erstaunlich objektiv. Mehr kann man derzeit wohl nicht erwarten.
Es ist vielleicht das erste Mal seit langem, daß mit "rechts" in diesem Fernsehbeitrag nicht "niveaulos" verbunden wird, sondern "gebildet" und "belesen"...
karlmartell
16. August 2011 00:11
Das ist mehr als ein Anfang.
Die stellenweise süffisanten Bemerkungen des Reporters müssen unter "Selbstschutz" abgehakt werden.
Tom Bombadil
16. August 2011 08:50
Kann mich einigen Vorrednern nur anschließen: Es ist zunächst einmal aus PR-Gründen einfach wichtig, dass man Öffentlichkeit von den Medien verliehen bekommt. Es zeigt auch: Eine absolute Randexistenz führt man nicht mehr, man wird wahrgenommen.

Die An- und Abmoderation ist im Internet weggelassen (Eigentor von 3sat?), und der Beitrag für sich genommen ist auch "besser", als ich erwartet habe. Abgesehen von dem Mist mit dem Gartenzwerg und Mussolini sowie den berechtigten Kritikpunkten von Herrn Kubitschek hier im Blog, ein Beitrag, der vielleicht wirklich den ein oder anderen Kulturzeitzuschauer so neugierig gemacht (womöglich gerade weil der Beitrag oberflächlich und kurz war), sich im Internet mal selbst zu informieren. Landen er oder sie dann z.B. hier auf dieser Seite, ist alles möglich.

Kurzum: Zufrieden sein, beim gegenwärtigen Zeitgeist und unter den derzeitigen Medienverhältnissen hätte es auch schlimmer kommen können. Gut, dass die Journalisten die Theorie der Schweigespirale nahezu unisono ablehnen, denn nochmal: Nur wenn eine Meinung konsequent "beschwiegen" wird, bestehen Chancen sie endgültig zu beseitigen. So bleibt sie virulent und jeder kleine, harte Kern kann zu einer neuen Avantgarde werden.
lukas rudi
16. August 2011 12:06
Auch ich sehe durch den Beitrag gute Chancen, neue Mitstreiter zu gewinnen.
Hier noch der Beitrag bei Youtube für diejenigen, bei denen (wie bei mir) die 3Sat-Mediathek nicht funktioniert:
http://www.youtube.com/watch?v=uFfqVOjDuAI
Ich wünsche K und K, Felix und Herrn Lichtmesz Kraft und Gottes Segen!
Stefan
16. August 2011 12:16
Also das mit dem Gartenzwerg finde ich in Ordnung. Es nimmt dem ganzen Spuk von Antifaschismus und irgendwelchen Denkverboten ein wenig die Ernsthaftigkeit. Ich glaube niemand kann der Akteure der Neuen Rechten in eine Linie mit den Köpfen des 3. Reichs stellen - auch der angesprochene Internethandel von RCQT nimmt so einige Sachen auf die Schippe - die Linken gehen wahrscheinlich zum Lachen in den Keller.
Hesperiolus
16. August 2011 13:13
Wohl lässt der Kulturzeit-Beitrag einige der allerplumpesten Verhetzungstechniken weg, die bei Berichten über politische oder kirchliche Rechte sonst durchweg zum journalistischen Standard gehören, er diffamiert vergleichsweise subtil, versucht aber nichtsdestoweniger hochmanipulativ, von der gelegenheitsfrohen Initiale Breiviks angefangen ("geht nach wie vor von einem Einzeltäter aus...ABER"), dem unvermeidlichen Wölfe-im-Schafspelz-Verdacht über die neuerdings in "adrettes Äußere" VERKLEIDETEN "Springerstiefel"-Nazis Schuldzusammenhänge anzuschmieren, sich "überall in Europa verbreitenden Ideen" - nur unwesentlich von der Bilddynamik vorwurfsvoll herauszitierter "Entzündungspunkte" verschieden -, der in Häme kippenden Ironia interrupta des deutschgrüßenden Gartenzwerges, über unzählige Regiedetails, Schnitt, Beleuchtung, Tempo, Modulation usw., thematische Selektion, Vorenthalt argumentierender Ligaturen bis zur abmoderierten Schlußmoral ein schiefes, warnendes Bild abzugeben. Dafür hat man sich Mühe gegeben, bis hin zu den "stählernen Türmen eherner Dächer" der Stahlgewitter-Adepten und diffuse Atmosphärik beherrscht man. Zu beklagen ist das, mit der Anmoderation jetzt auch bei youtube zu findende Filmchen dennoch nicht, macht es die hoffentlich zunehmende Zahl affiner und suchender Zuschauer doch neugierig und mit dem medialen Spektrum der NR bekannt. Der zugerichtete Soll-Konsument des Staatsfernsehens, der enthirnte Biedermeier der zuendegehenden BRD indes wendet sich mit dem beabsichtigten Schaudern...
Ulla
16. August 2011 13:45
Ich habe mir die Fassung in der Mediathek angesehen und kann sehr gut verstehen, daß der Moderatorin ein "Schauer über den Rücken" lief.
Da ist einmal eine Familie mit 7 Kindern (schon verdächtig). Frau Kositza ist erfolgreich, aber sie bleibt Frau und macht dazu noch einen zufriedenen Eindruck (wieder verdächtig). Alle befragten Personen strahlen ein Selbstbewußtsein aus und schämen sich nicht, deutsch sein zu wollen (wie furchtbar).

Lieber Herr Kubitschek, eine schlechte Presse ist besser als keine. Die Angst der Etablierten wächst von Tag zu Tag - nicht nur vor der "neuen Rechten".
S. Wunder
16. August 2011 13:48
Ein im Medienbereich tätiger Bekannter sagte mir, daß es auch bei dokumentarische Beiträgen darauf ankäme, den Zuschauer zu unterhalten. Die Darstellung von komplexen Themen mit allen ihren Widersprüchen und Vielschichtigkeiten sei aber nicht unterhaltend und für das Medium Fernsehen auch gar nicht geeignet. Hier sei es vor allem wichtig, aus dem Geschehen emotionale Geschichten zu machen.

Beim Beitrag der Kulturzeit scheint diese Geschichte ungefähr so zu lauten: "Tief in den Wäldern Ostdeutschlands experimentieren mysteriöse, aber irgendwie überlegene Gestalten mit verbotener Philosophie, dichten finstere Verse, rekrutieren im Verborgenen ein elitäres Heer und harren dem bevorstehenden Tag der Entscheidung". Das erzeugt solche Angstlust, daß sogar der Moderatorin der kalte Schauer den Rücken herunterläuft. Könnte es besser sein? Da will man doch mehr wissen.
Michael
16. August 2011 16:30
Hallo ,

rechts ? , ich habe keine ahnung von rechts (warum eigendlich nicht ?) . ich hab den beitrag auch nur zufällig gesehen mir hat er jedoch gefallen .

götz kubitschek - so einen hätte ich gerne als kumpel .kein geschwafel , keine parolen , kein hang zur selbstbeweihräucherung , gute manieren und anstand , eine frau und sieben kinder - da müssen schon 13 jährige töchter die sich als wagnerfans outen als "irgendwie merkwürdig" von nichts findenden journalisten rübergebetitelt werden :o) . auch wenn ich nicht zur intelektuellen zielgruppe gehöre hab ich mir ein "sezession "bestellt .

viele grüße


michael
Feuervogel
16. August 2011 17:47
So sympathisch kommt die Sezession da nicht rüber. Freilich mag der Rotgrün-Konformismus in den Medien höchst unsympathisch sein ("heute schon für teurere Strompreise demonstriert?"), allerdings möchte ich auch nicht in einer rechtsästhetischen Wagner-Welt, von der man schon seit Nietzsches Unzeitgemäßen Betrachtungen weiß, daß sie unangenehm "schwitzt", leben. Diese ganze 20er-Jahre deutschnationale Richtung, die man da spürt, führt zu nichts. Ich würde mir von konservativen Publikationen vor allem die kritische Dekonstruktion linkskonformistischer Lebenswelt erwarten, nicht aber das Preisen eines längst fragwürdig gewordenen Schönheits- und Ästhetikideals, das auch auf dem Cover vieler Sezessions-Ausgaben durchscheint. Kurzum, ich will mit dem ganzen wagnerianischen Schund nichts zu tun haben.
Es bleibt für mich nach dem Sehen der Sendung, auch wenn man die übliche Negativdarstellung herausrechnet, bei mir kein positiver Eindruck. Mit einer nach außen ostentativ dargestellten Lebenswelt, deren Ursprünge wohl zu einem großen Teil in einem rechtskonservativ süddeutschen und österreichischen Studentenverbindungsmilieu zu sehen sind. Ich glaube nicht, daß mit den Wert- und Ästhetikvorstellungen dieses Milieus in ihrer Gesamtheit - einige Aspekte sind freilich auch positiv zu sehen - sich gesellschaftliche Probleme lösen lassen. Zu befürchten ist eher eine Entwicklung Richtung abgekapselter "Sekte", die sich aufgrund guter Binnenvernetzung untereinander gesellschaftlich gut halten mag, aber auch keinen Einflußgewinn verzeichnen dürfte.

Positiv zu sehen ist hingegen die "Konservativ Subversive Aktion", aber auch hier ist zu fragen, ob das Thema Nation nicht weit überbewertet ist. Was ist bspw. mit Spontandemos bzgl. 1. Wk. zu gewinnen? Rückblicke sind freilich zulässig, aber mit revisionistischer Schwärmerei ist auch kein Blumentopf zu gewinnen.
Für wünschenswert würde ich zudem ein groß angelegtes Studium von als links geltener Politphilosophie erachten, um sie als Werkzeug der Kritik gegen den herrschenden Rotgrün-Konformismus einzusetzen. Die zwar als "antideutsch" geltende, aber hervorragende Zeitschrift "Bahamas" tut dies z.B. und setzt hinsichtlich Bürgerlichkeit und ziviliserter Werte durchaus Maßstäbe. Bis auf weiteres werde ich ein Sezessionsabo nicht in Erwägung ziehen.
Toni Roidl
16. August 2011 18:09
Was mich mal interessieren würde, Herr Kubitschek:

Wie sind die 3Sat-Typen eigentlich auf Sie gekommen? Irgendwer muss das doch bei der Redaktionskonferenz vorgeschlagen haben. Die hätten ja auch Stadtkewitz, die JF oder PI »vorführen« können. Dass die auf die Sezession kommen, zeigt ja schon eine gewisse Kenntnis. Oder hat der Brodkorb Sie empfohlen?

antwort kubitschek:wie meinen Sie das? wer ein bißchen denken will, kommt an uns doch gar nicht vorbei!
G.
16. August 2011 20:14
Erinnert mich ein bischen an "guter Bulle, böser Bulle": Die Reportage an sich, da kann man nicht von "in die Pfanne hauen" sprechen. Da ist man wirklich Schlimmeres gewohnt. Möglicherweise "Selbstschutz", wie ein Kommentator bereits bemerkte, oder der Versuch, einen Kompromiß zu finden, damit das Ding überhaupt gesendet wird. Die An- und Abmoderation dagegen nach bester Rotfunk-Manier. Insgesamt bleibt ein überwiegend guter Gesamteindruck. Viel mehr durfte man wirklich nicht erwarten. Vor allem die vier portraitierten Personen kommen eben gerade nicht als "gefährliche Denker" rüber, sondern dürften bei vielen Zuschauern mit ihrer unverkrampften und aufrichtigen Art Sympathiepunkte gesammelt haben.
Toni Roidl
16. August 2011 20:47
»antwort kubitschek:wie meinen Sie das? wer ein bißchen denken will, kommt an uns doch gar nicht vorbei!«

Da haben Sie allerdings Recht! Aber das ist es ja eben: Diese Rotfunkleute WOLLEN doch gar nicht denken - und schon gar nicht, dass andere es tun...
Freddy
16. August 2011 21:41
Muß Feuervogel zustimmen. Etwas Sekte ist nicht zu verkennen. Auch scheint Deutschland bei den guten und schönen Rechten vor allem etwas der Vergangenheit zu sein. Das typisch konservative Problem auch hier: Die Zukunft kann man nicht bewahren sondern muss entwickelt und gestaltet werden. Trotzdem fühlt sich die heutige Linke durch die konservative Spießigkeit bedroht. Die 68er hätten hingegen ob der Langweiligkeit nur gegähnt. Die Linke ist eben auch nicht mehr das was sie mal war. Die Arbeit von KuK (und auch deren persönliche Authentizität) muß man trotzdem anerkennen. Hauptkritik am Beitrag ist wohl im Beschneiden der politischen Aussagen zu sehen. Schade.
Seelenherbst
16. August 2011 21:54
Guter Bericht....für den "öffentlichen Rundfunk" eine Novität ! Sehe ich mir immer wieder gerne an. Prägnant und recht profiliert. Gerade am Maximum für den dahindümpelnden Kulturzeit-Gucker. Als Appetithäppchen allemal interessant für am System Zweifelnde... Was folgt jetzt als Nächstes ? Weißmann (wo war er eigentlich im Beitrag ?) im Nachtstudio oder in einer Phönix-Runde ? Eine "Höchstpersönlich" oder "Menschen hautnah" - Folge im ZDF über Kubitschek/Kositza als letze Hoffnungsträger gegen demographischen Schwund und für rechtsintellektuelle Treue ? Es bleibt spannend ! Beste Grüße und wünsche viel weiteren Kampfgeist an das Rittergut !
08/15
16. August 2011 23:12
Ich hätte mal da eine Frage.

Ich weiß es nicht, ob's wirklich jemanden von der "anderen Seite" dazu bringt, sich für Ihre, bzw. unsere Inhalte zu interessieren/begeistern - kenne im Alltag einige, und habe nicht den Eindruck, daß sie irgendwas zum Überlegen bewegen könnte.Es ist nur meine Einschätzung und ich hoffe, daß ich mich irre - aber ich bin neugierig, Herr Kubitschek: wie lang war eigentlich das Material, das eigentlich aufgenommen worden ist?

Mein Eindruck ist, daß es aus, sagen wir mal, 2 Stunden - 3 Minuten ausgewählt worden sind, die (nach der Meinung des verantwortlichen Redakteurs, wie ich mir das vorstelle), nicht den besten Ausdruck machen.

Was meiner Meinung nach, trotzdem positiv zu werten ist, und einige Kommentatoren vor mir auch schon genannt haben: unter den gegebenen Umständen, ist es trotz allem schon ein Erfolg, daß Sie überhaupt in den öff.-rechtl. Medien erwähnt werden.

Ansonsten - die letzte Sezession ist angekommen, mache mich bald dran.

Viele Grüße nach Schnellroda!
Hoelderlin
17. August 2011 00:08
An "Feuervogel" und "Freddy":
Wer die Sezession seit Anbeginn liest, wer nahezu alle Bücher aus dem Hause Kubitschek in seinem Bücherregal besitzt UND gelesen hat, vor allem die "kaplaken", der weiß, dass allein schon der Begriff "Sekte" nur eins, nämlich unüberlegt, ja dumm ist. Der Blick etwa der "kaplaken" ist weiter als man ihn sonstwo findet, Verengungen des Gedankenganges werden aufgebrochen ...
Wer sich etwas mit gutem Design auskennt, sieht, dass die Sezession - gerade auch bei der Umschlaggestaltung - perfekt gemacht ist! Das ist modern und zeit- und dem Anspruch der Texte gemäß! Da ist nichts "längst fragwürdiges Schönheitsideal"!
Noch alberner ist (schon in der Sendung) die Kritik an der Wagner-liebenden Tochter. Ich empfehle allen (Feuervogel und Freddy und auch der Redaktion der Sendung) einmal in die riesige Klassik-CD-Abteilung von Dussmann, "Unter den Linden", in Berlin zu gehen und sich anzuschauen, von welchem Komponisten die meisten Opern-Einspielungen vorliegen! Und ebenso empfehle ich einen Opernbesuch, dann sieht man, dass da gerade zu Wagner ein modernes junges Publikum hingeht! Vermutlich haben beide "Herren" noch keinen Lohengrin oder Parsifal gehört!?
Nichts für ungut!
An Herrn Kubitschek ...: Sie können mit der Sendung zufrieden sein, gerade die Szene, in der Sie (so auch Lichtmesz) über ihren handschriftlichen Aufzeichnungen mit Zigarette und umgeben von Büchern gezeigt werden, ebenso die Szene mit dem Geigenspiel, sprechen für Sie und Ihre Arbeit, beide Szenen drücken Nachdenklichkeit, Kultur, Kraft, Sorge ........... aus!
Nick N.
17. August 2011 00:13
Feuervogel und Freddy,

ist der Stamm von „konservativ" denn doch nicht im Tätigkeitswort „konservieren" zu suchen? Es handelt sich dabei um die Aufbewahrung dessen, was als ewig wertvoll gilt und es verdient hat, in ein Morgen hinübergerettet zu werden, auch wenn unser Handeln stets zukunftsgerichtet sein muß.

Darüber hinaus finde ich aus einer ganz persönlichen Perspektive besagte Ästhetik überaus schön und lebe ebenfalls dementsprechend. Die Art und Weise, wie man privat lebt, geht fernerhin niemand anders als sich selbst an.
homo pictor
17. August 2011 01:57
Bitte nicht ärgern! Diese sympathische homestory mitsamt widerwilliger Moderation war doch urkomisch. Die gezeigten (übrigens immerhin gut gefilmten!) Bilder bzw. Gesprächsausschnitte paßten so gar nicht zur Sprachregelung des 3sat-Komments. Der damit gegebene unangepaßte Eindruck zählt (hat hier vorhin jemand was von Langweiligkeit geschrieben? Gottchen!).
Selbstverständlich ist’s schade um das übrige Filmmaterial. Wenn es die gleiche filmische Qualität hat wie die gezeigten Sequenzen, lohnt sich vielleicht mal eine freundlich-energische Verhandlung mit der Produktionsfirma darum – oder?

Äußerst nachvollziehbar ist auch mir das Gefühl, das die Moderatorin zu haben meinte, sofern sie erfahren mußte, daß ihre mutmaßlichen Haßpatienten echte Menschen von Format sind. Offenbar ist diese Konfrontation mit einer von der ihren abweichenden, lebendigen Lebensgestalt für sie ein Drama! Dafür hat diese Dame mein ganzes Mitjefühl...

Rechts sein, und das auch noch mit Gartenzwerg, Guerillerokritik und Geige – oh, oh, oh! So etwas überfordert nun mal Geschmacksnerven, die auf hochernste Blut-, Sperma- und Scheißetheatralik konditioniert sind.

Im Ernst: Verzerrte und selektive Wirklichkeitswahrnehmungen sind nicht leicht zu korrigieren.
In der Tat könnte es vor diesem Hintergrund und noch unterhalb der Frage der publicity von Ihnen als Erfolg verbucht werden, überhaupt, wenn auch eben selektiv und verzerrt, wahrgenommen worden zu sein – von einer Fernsehredaktion und dem abgeneigten Teil des Publikums. Der denkende Teil wird sich die Verzerrungen schon weggedacht und das Ausgeblendete hinzugedacht haben.
Also: nicht ärgern – d.h. nicht sich, nur immer schön weiter die, die zuviel "Kulturzeit" gucken!

Mit einer gehörigen Portion brauner Kaffeesoße in der Rechten grüßt überwach
Georg S.
Lion Edler
17. August 2011 03:35
Meine Rezension dazu kann ich kurzfassen, sie entspricht ungefähr dem Tenor hier im Kommentarbereich: An- und Abmoderation grottig, der Rest in Ordnung. Hierbei muss man eben bedenken, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelt, der Reporter scheint offenbar integer zu sein, insofern hat Herrn Kubitscheks Eindruck ja auch nicht getäuscht. Die Moderatorin hingegen hat sich offenbar nichts aus der sachlichen Linie des Berichts gemacht, und den Bericht gegen den Willen des Reporters einfach in ihre politische Linie gepresst.

Na ja, und was die hier beklagten suggestiven Vorwüfe bezüglich der Wagner hörenden Udine etcetera betrifft: ich würde da nicht gleich so beleidigt sein. Abschrecken lassen sich mögliche Interessenten dadurch mit Sicherheit nicht. Der für die Sendung Verantwortlichte musste den Beitrag ja auch irgendwie bei der Redaktion durchboxen, also macht man es wahrscheinlich dann so, dass man auf solche harmlosen Sachen ausweicht, um dem Zwang zum Verleumden a la Oslo-Keule zu entgehen. Man kann auch von einem 3sat-Journalisten nicht erwarten, dass es zu einem unkritischen Bericht kommt, denn natürlich hat ein solcher Journalist eben auch seine politischen - nicht hysterischen - Einwände gegen die vorgestellten Personen. Aber wenn man dies bedenkt, finde ich den Bericht kritisch, aber fair, abgesehen von der An- und Abmoderation wie gesagt. Aber wie hier schon bemerkt wurde: selbst wenn man die miese An- und Abmoderation bedenkt, schlechte Berichterstattung ist (fast) immer besser als Keine, darum auf jeden Fall jedes Interview-Angebot von Medien annehmen! (außer vielleicht von Indymedia) Das Schnaufen mit dem Beinahe-Ohnmachtsanfall der Moderatorin unmittelbar vor dem Satz mit dem ,,Schauer" finde ich im Übrigen eher sehr amüsant.
Trutz
17. August 2011 07:32
Der Preis für den gnädig gewährten Freigang aus der Schweigespirale war doch bekannt. Die Schnellrodaer Argonauten haben den bewußtseinskastrierten Berufszersetzern Gastrecht gewährt. Nachdem sie das Ergebnis realistisch präantizipiert haben, erfolgte die Abwägung und die nachfolgende Entscheidung!
In meinen Augen ist die Konstruktion an den Authentizität der Protagonisten zerschellt. Ernsthaftigkeit gepaart mit geläuterter Überlegenheit haben den "schönen Rechten" dieses sanfte Lächeln auf die Lippen gelegt, das man nicht "entlarven" kann.
Ihr wart und bleibt sympathisch, das ist ja das Tragische!
Sympathieträger
17. August 2011 11:33
Seht es doch mal positiv, nun hat Euch jeder gesehen und gehört, das ist nicht unwichtig, wenn man Euch gerne liest und gut so.

Wie oft bekam man Wallraff, Gras und Konsorten vorgesetzt, von denen hab ich gar nichts gern gelesen.

Die "Verbindung" zwischen Oslo und Schnellroda ist Hilflosigkeit.
Lynn
17. August 2011 17:48
Sehr geehrter Herr Kubitschek,
ich freue mich sehr über die Dynamik, welcher der Beitrag ausgelöst hat!
Die Idee einen Film zu machen finde ich sehr gut. Hier könnte man ersteinmal den Begriff "rechts" definieren, abseits der medialen Pauschalisierung. Zudem würde ich es sehr begrüßen, wenn ein Gespräch mit Karlheinz Weißmann stattfinden würde.
Richard Vonderwahl
18. August 2011 14:59
Die drei Hauptdarsteller kommen gut rüber, nicht inhaltlich, aber von der Stimmung.

Die extremen Kürzungen und Vereinfachungen gehören beim Fernsehen dazu, und man erfährt sie auch, wenn man als Unverdächtiger auftritt.

Insgesamt dürfen Sie, glaube ich, mit dem Bericht zufrieden sein.
Dietrich
18. August 2011 23:27
Der Beitrag von 3Sat ist sachlich gehalten - in der Kürze hätte man ihn sehr leicht tendieren lassen können. Es wird nichts Falsches gesagt, oder? Der Beitrag wird die von allen - außer die von denen, die intelligenterweise gar keinen Beitrag gewünscht hätten - jeweils gewünschte Zielsetzung erfüllen. Der erwähnte Gartenzwerg wird hoffentlich keine unnötige Anzeige verursachen. Mißlich finde ich allerdings, daß Herr Sarrazin solchen Stellenwert bekommt. Er ist weder repräsentativ für die Sezession noch sagt er - im Gegensatz zu Schreibern in der Sezession (ich hoffe, nicht zu irren) -, was er denkt. Es wäre mir peinlich, zu sehr mit ihm in Verbindung gebracht zu werden.
Heinz
19. August 2011 08:57
Eine absolute Randexistenz führt man nicht mehr, man wird wahrgenommen.


1. Ja, aber schon vor 10 Jahren gabs in solchen Art TV-Magazinen Berichte über "Randexistenzen" wie den Stahlhelm e.v. oder über die Artgemeinschaft von Jürgen Rieger.

2. Durch solche mediale Aufmerksamkeit gerät das IfS verstärkt in den Radar der Linken. Räume für Vorträge anmieten wird so nicht unbedingt einfacher.

Man muss sich daher entscheiden:
Will man solche Leute erreichen, die die Zeichen der Zeit (mehr oder weniger) erkannt haben, oder will man konfrontationslos mit dem linken Diskurs koexistieren?

Der Verlag kommt in dem Bericht als dezidiert rechts rüber, gar nicht als normalo-bürgerlich. Und das ist gut so. Kubitschek und Dieter Stein haben ja längst diese Diskussion geführt, ob man lieber dezidiert rechts sein, oder als normalo-konservativ erscheinen will. Kubitschek hat sich entschieden und ich finde es richtig, dass der Verlag klar die eigenen Farben bekennt. Das hier gezeigte "Selbstbewußtsein" wirkt. Zwar sind jetzt einige Alt-68er von Rittergut, Geigeunterricht und Gartenzwerg schockiert, aber durch ein klareres, eigenes rechtes Profil wird die Sezession gewiss eher neue Leser gewinnen als durch einen beschwichtigungs"konservativen" Schmusekurs. Es muss primär darum gehen, die Deutschen, die es noch sein wollen, zu erreichen, und in diesem Licht ist der 3Sat-Bericht zu bewerten, nicht darin, wie er auf 68er-Linke wirkt.
Kleist
20. August 2011 16:02
Ein kleiner Nachtrag noch.
Freut mich zu hören, daß die aktuelle Sezession beachtlichen Absatz findet und insofern sehe ich mich in meiner Prognose bestätigt, daß durch die Reportage der eine oder andere Neuleser dazugekommen ist.

Welch kuriose Blüten der Bericht allerdings auch zu treiben imstande war, konnte ich gestern bei einem Tagesausflug in die alte Oberförsterei zu Wilflingen erfahren. Im Anschluß an die Führung wurde ich Zeuge eines Gesprächs zwischen einem älteren Ehepaar und der Dame an der Kasse - eigentlich ja mehr ein Monolog der älteren Frau.

Sie: "Können Sie mir sagen, ob in letzter Zeit auch welche von diesen 'Neuen Rechten' zu Besuch waren und ob man die irgendwie erkennt ?"
Dame an der Kasse: "Nein, mir ist da nichts aufgefallen."
Ältere Frau: "Der Jünger wird ja neuerdings wieder (!) von den Rechten vereinnahmt. Ich Frage mich was Herr Jünger sagen würde, wenn er wüsste, daß so Zeitungen wie die JUNGE FREIHEIT ihn hochloben."

War das bis dahin ja noch (unfreiwillig) komisch, legte die Frau nun ohne eine Antwort abzuwarten offen, wo ihr der Schuh drückt:
"Ich habe nämlich vor ein paar Tagen auf 3sat so einen Bericht über diese Rechten gesehen."
Ihr Mann: "Ja, die sind von so einem Rittergut. Wie hieß der Eine doch gleich.....? Kubitschek glaub' ich."
Sie: "Ja genau, Kubitschek. (wendet sich wieder zur Dame an der Kasse) Wissen Sie, was die wollen ? Die wollen Deutschland im Sinne der nationalsozialistischen (!) Ideologie wieder aufbauen. Das hat mich wirklich erschrocken."
Übrigens war sie ebenfalls "sehr erschrocken, daß dieser Kubitschek mit leichtem schwäbischen Akzent geredet hat" (wahrscheinlich hätte sie nie gedacht, daß der böse Nazi Kubitschek quasi aus ihrer Nachbarschaft stammen könnte).

Man steht dann draußen im Gang und ist im ersten Moment halb belustigt, halb verärgert über das dumme Gewäsch, will der Frau daraufhin zugute halten, daß dies wohl auf vollkommener Unwissenheit basieren muß, merkt aber doch rasch, daß all das mit der üblichen Konditionierung des durchschnittlichen Deutschen zu tun hat, die innerhalb weniger Tage den Inhalt des Berichts, der an keiner Stelle von nationalsozialistischer Wiederbetätigung spricht, derart verwurschtelt hat, daß die Betroffene sich nun ernstlich über ein Hinarbeiten auf ein neues "1933" Gedanken macht. Wer sich ''rechts'' nennt, ist halt automatisch Nazi.

Bleibt die Hoffnung auf denjenigen Zuschauern, die sich wirklich informieren wollen und ein Heft bestellt haben.
Ein Fremder aus Elea
20. August 2011 20:33
Es beginnt skurril und wächst sich langsam ins Bedrohliche aus.

Und selbstverständlich wird nicht ein einziger kritischer Gedanke transportiert.

Wenn ich das gesehen hätte und diese Seite nicht schon vorher gekannt, wäre ich nicht neugierig geworden.

Mal im Ernst, ohne Breivik hätte 3sat das eh nicht gemacht.

Bei allem Zynismus, ist das wirklich eine Ehrung, welche man annehmen sollte?

Es ist schon lange, lange nach 12 in diesem Lande, soweit es das öffentliche offene und ergebnisorientierte Denken betrifft.

In den 70ern konnte Louis Trenker noch der dummen Tusse vom NDR voll eine reinwürgen, als er anstatt seinen Widerstand gegen Hitler zu besprechen, welcher in Wirklichkeit ein Flirt mit Eva Braun war, anfing über die prächtigen südtiroler Bauern zu schwärmen, aber heute?

Übrigens, wer das auf Video hat, bitte bei YouTube reinstellen! (NDR Talkshow)

Es gibt nur drei mögliche Szenarien für die Zukunft: faschistische Restauration, Orwellscher Sozialismus oder Islamisierung.

Und sicher, wenn nicht von außen massiv eingegriffen wird, dann wird es die faschistische Restauration sein, und zwar europaweit, wie glücklich einen das auch immer stimmt, aber natürlich muß man die Alternativen bedenken.
Chris
22. August 2011 01:04
@Kleist,

dann haben Sie aber doch sicher das Ehepaar in der Oberförsterei ein wenig "aufgeklärt" - mit passiven Danebenstehen kommt man hier ja schliesslich auch nicht weiter? Im Gegenteil!

Ich werde bei Gelegenheit der Dame an der Kasse noch ein paar Dinge dazu sagen- nicht dass sie wieder unbeholfen dasteht. ;-)

Immerhin wusste einer aus der Gesellschaft dort, dass doch "der Kubitschek" aus Weingarten kommen müsste...?

LG!
Kleist
22. August 2011 15:09
@Chris

Ja, den Vorwurf muß ich mir schon gefallen lassen. Habe ich hinterher - und leider erst hinterher - auch gedacht: "Scheiße, eigentlich hätte ich was sagen sollen!"

Aber in dem Moment fand ich es erstmal interessanter zu hören, was die gute Frau da alles zu berichten weiß (es ging ja genau um den 3sat-Bericht). Und dann keine zehn Minuten vor der Schließung sich noch auf ein Gespräch mit einem hysterisch-schnatternden Paar einzulassen, für das man dann eh nur der "Nazi" ist, war mir dann doch zu blöd. Ich habe die mir verbliebene spärliche Zeit (in diesem Kaff fuhr spätnachmittags nur ein einziger kleiner Autobus zurück in die nächste Stadt) lieber dazu genutzt, das Grab Jüngers aufzusuchen (was vorher schon geplant war)...
Es sollte ja explizit ein Ausflug sein, mal einen Tag Flucht aus dem Irrenhaus BRD und weg von den Schlagzeilen, die es jeden Tag produziert, direkt hinein in eines der ehemaligen und wirklichen geistigen Gravitationszentren, die diesem Lande noch verblieben sind, eintauchen, Atmossphäre genießen, Kraft tanken und irgendwie auch Trost darin finden, daß es solche Inseln (ein faszinierendes Haus!) überhaupt noch gibt.

Und dann verfolgt es einen auch noch dort...

Beste Grüße zurück!
Chris
22. August 2011 17:01
@Kleist,

Im Prinzip haben Sie auch recht- solche Leute hätten Sie ohnehin nicht "umerzogen". Bogdan Musial würde das als "politisch korrekten Dogmatismus" diagnoszieren!

Aber unabhängig davon- Sie müssten sich mit solchen Menschen gar nicht auf ein Gespräch einlassen (würde auch nicht klappen)- ein paar Fragen stellen reicht als Erste Hilfe Massnahme völlig aus!
Diese Gattung darf auch mal zu spüren bekommen, dass man nicht an jeder Ecke ungestraft Dinge als Tatsachen suggerieren darf, welche man sich gerade mal so zusammenfantasiert.

Ja, man wird inzwischen überall verfolgt- aber trotzdem nicht hängen lassen! ;-)
Immer daran denken: diese Menschen können im Grunde nichts dafür. Sie sind Opfer ihres eigenen Tuns.

Chris!
harald demsetz
21. August 2012 20:43
Was ich klasse fand, war Kubitscheks Definition von "irgendwas richtig Subversivem": Dem Grass den Wein austrinken. Das ist doch mal ein Programm für die Rechtsintellektuellen. In diesem Sinne: Prost und vergesst nicht, bei nächster Gelegenheit noch was Essbares dazu zu besorgen. Vielleicht 'ne Butterstulle von Martin Walser...

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.