15. August 2011

Auf dem Rittergut - eine Begegnung mit Deutschlands neuen Rechten

von Götz Kubitschek / 0 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wie zufrieden kann man mit dem Beitrag über Ellen Kositza, Martin Lichtmesz, Felix Menzel und mich (immer noch Götz, nicht Jörg Kubitschek) sein, der vor drei Stunden bei 3sat lief und nun in der Mediathek des Senders per Internet aufgerufen werden kann? Ich bin halb und halb zufrieden:

+ Die An- und Abmoderation waren eine Frechheit. Was haben wir mit dem Osloer Attentäter zu tun? Und wieso präzisierte die Moderatorin die Schauer nicht, die es ihr beim Anblick der neuen Rechten den Rücken hoch- und runter jagte? Waren es Glücksgefühle, war es jene schaurig-wohlige Gewißheit, daß die Suche nach der einzig schönen, wahren und guten Rechten nun endlich an ein Ziel gelangt sei?

+ Der Beitrag selber: zu kurz für die Komplexität des Themas. Weiß nach dem Zuschauen einer, wofür eine neue Rechte eigentlich steht (oder sitzt und schreibt)? Ich glaube nicht, und der Schnitt des Films wundert mich ein bißchen, denn die Gewichte waren beim Drehen anders verteilt: Da hatte zumindest ich knapp genug für eine kurze Reportage einmal aufgezählt, welche Themen kommende Themen seien und warum die Antworten darauf aus rechter Sicht interessanter und wirklichkeitsnäher wären als das linksliberale Wunschdenken: Ausländerfrage, Identität, Bildung, Ordnungsstaat, Crash, demographische Katastrophe.

+ Das, was etwa meinen Verlag zu einem besonderen Verlag macht, kam nicht vor, obwohl es ausführlich gefilmt wurde: die Theoriearbeit, die saubere Handwerklichkeit der Bücher, die Experimente und neuen Formate (reihe kaplaken!), keine NS-Nostalgik, kein Gejammere trotz schwieriger Arbeitsbedingungen. Gezeigt wurden neben dem natürlich sehr wichtigen Buch Deutsche Opfer, fremde Täter vor allem Nachdrucke aus anderen Verlagen, Bücher also, die wir nur weiterverkaufen, nichts eigenes also. Das war schade, das Filmmaterial hätte viel mehr hergegeben. Zum Glück kam die Sezession doch recht gut ins Bild.

+ Der gute, komplexe, differenzierte Martin Lichtmesz ist reduziert worden auf ein Herbeiwünschen echter Umbrüche, rechter Revolten. Und Ellen Kositza ist als eine der ganz wenigen publizistisch und intellektuell erfolgreichen rechten Frauen nicht in ihrer Eigenart getroffen worden: angriffslustig, nonkonform, unberechenbar zu sein.

+ Felix Menzels Hauptaufgabe besteht nicht darin, schwermütige Gedichte zu verfilmen. Er ist derjenige, der die ganz jungen Autoren in der Blauen Narzisse sammelt und wirklich experimentiert.

Fazit: Ich schlage vor, daß jetzt mal einer einen 45min-Film dreht und schneidet. Dann kann man ein bißchen mehr sagen als bloß den Paniksatz, es sei 5 nach 12 oder Viertel vor Bürgerkrieg.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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